auf eine zigarette bei loki: norddeutsche apfeltage & etwas botanik + shakespeare

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norddeutsche apfeltage im botanischen garten hamburg / loki-schmidt-garten. obere reihe, l.o.: dahlia ‚bishop of ll …‘ – nein es ist ‚bednall beauty‘ – lenkt von der büste ab …; r.u. garten=theater – pflanzen in shakespeares welt: „Get ye all three into the box-tree“ (‚twelfth night, or what you will‘, 1601/02) – buxus sempervirens; grosses bild: malus domestica ‚dülmener herbstrosenapfel‘, ein münsterländer → „… süsswein-säuerlich, von sehr angenehmem edlen Geschmack.“ mittlere reihe, grosses bild: pragmatismus bei der präsentation des apfel des jahres 2016: malus domestica ‚horneburger pfannkuchen‘; r.o. romantik im bauerngarten: cichorium intybus /gemeine wegwarte; r.u. prairie: solidago / goldrute & echinacea / sonnenhut vor symphyotrichum novae-angliae. untere reihe, l.o.: eryngium giganteum / elfenbeindistel aka miss willmott’s ghost vor astern im rosenbeet; l.u. loki’s ghost ?: nicotiana tabacum / virginischer tabak; grosses bild: bürgermeisterbirne oder pyrus communis ‚köstliche aus charneux‘ … fehlen noch boh’n un speck.

herbstgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Die Natur ist in dieser Zeit nur noch beschäfftigt, den Segen ihrer letzten Früchte abzuliefern, und bereitet sich allmälig zu ihrer Ruhe vor. Die Blätter beginnen zu welken, und zu fallen; die Kraft des Wachsthums und des Lebens wird erschlafft; alles, selbst bis auf den Tag, nähert sich der Abnahme. Indessen fehlt es dem Herbst, noch außer den frohen Scenen der letzten Aerndte und außer den Festen der Weinlese, nicht an Anmuth. Die Hitze ist zu einer milden Wärme gemäßigt. Eine feyerliche Stille schwebt über Fluren und Wälder. Der Himmel schmücket sich mit einer sanften Heiterkeit; die leichten Gewölke, die zuweilen an seinem blauen Gewölbe erscheinen, stehen wie silberne Spiegel, oder wie kleine Malereyen, welche die allgemeine Einfärbigkeit unterbrechen, und bald röthliche Hügel mit grauen Thälern, bald andere landschaftliche Bilder nachzuahmen scheinen. Die Morgennebel, die das Laub der Bäume langsam tödten, erfrischen das Grün der Rasen. Und welche malerische Schauspiele, wenn sich aus ihnen das Licht des Tages entwickelt, und eine neue Schöpfung in verklärter Schönheit hervorsteigt! Stille, dankbare Behagung über die letzten Wohlthaten der Natur und sanfte Melancholie bey dem Anblick der Scenen, die nichts mehr zu hoffen übrig lassen, bey den trüben Scenen der Vergänglichkeit, sind die beyden Hauptempfindungen, die der Herbst erregt. Der Geist übergiebt sich der Ruhe zu ernsthaften Betrachtungen, und über alle Empfindungen verbreitet sich eine gewisse unbeschreibliche Milde, gleich einem schönen Herbstabend, der die leichten ihn umschwebenden Thaugewölke mit lieblicher Rosenhelle durchgießt.

Die Wälder und Gebüsche stellen uns in dieser Jahreszeit ein neues Schauspiel der Farbenmischungen vor Augen. Im Sommer war die ganze Natur in Grün gekleidet. Jetzt wandelt es sich nach und nach von einem Ton zum andern, von dem Blaßgrünen und Gelblichen bis zu dem Röthlichen, Dunkelrothen und Braunen, mit unendlich verschiedenen Abfällen und Schattirungen. Durch diese Veränderung des Laubes giebt schon die Natur Gemälde, die der Frühling und Sommer bey aller ihrer Schönheit nicht haben.

[…]

Andere wilde Bäume und besonders Sträucher tragen im Herbst Beeren von gelber, blauer, vornehmlich rother Farbe, die nicht allein den Haynen und Gebüschen ein schönes und muntres Ansehen geben, sondern sie auch durch Herbeylockung der Vögel beleben, und das Vergnügen des Vogelfangs begünstigen. […]

Doch ist der Herbst besonders die Zeit der Reifung so vieles trefflichen Obstes, dessen Einsammlung ein wahres Fest der Natur ist. Nicht weniger tragen die mancherley Baumfrüchte, sowohl durch ihre Formen, als auch durch ihre milden und lebhaften Farben, zur Verschönerung der Herbstscenen bey. Der Weinstock besonders fordert hier seine Stelle. Man kann ihn brauchen, bald zur Umkränzung der Pflanzung, bald zu Lauben oder Bogengängen; man kann ihn an den Wänden der Gebäude hinaufleiten, oder ihn an andern Stämmen hinaufklettern und von Baum zu Baum herüberhängen lassen. In Gegenden, deren Klima den Weinbau begünstigt, ist ein kleiner Weinhügel ein fast nöthiges Zubehör des Herbstgartens, wenn er nicht schon in der Nachbarschaft von Weinbergen liegt.

[…]

Fast alle diese malerischen Veränderungen, die der Herbst hervorbringt, sind nur von kurzer Dauer; aber Beobachtung und Geschmack können sie doch zum Genuß nicht bloß anhalten, sondern selbst zu einer längern Folge vereinigen. Der Gartenkünstler muß allen den schönen Zufälligkeiten, welche diese Jahreszeit in seiner Gegend begleiten, immer einen aufmerksamen Blick widmen; er wird seine Beobachtung belohnt sehen, indem er der Natur die anmuthigsten Gemälde ablauscht. Bey der Mischung der Farben in Bäumen und Sträuchern kann er eine Mannigfaltigkeit von Verbindung und Gegenstellung zeigen, die keine andere Jahreszeit kennt. […]

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782

 

querbeet im september

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obere reihe, o.l. keine keschde: castanea sativa / edelkastanie nur mit alcea rosea / stockrose als farbpunkt; u.l: dipsacus fullonum / wilde karde auf augenhöhe (ansonsten muss die leiter her …) & grosses bild: ‚herbstfreude‘, sedum telephium / grosse fetthenne mit carex grayi / morgenstern-segge. untere reihe c/o dekablog10, grosses bild: huckleberry fynn stanley aka vaccinium corymbosum ’stanley‘ / amerikanische heidelbeere (die kübel müssen zusammen gerückt werden …); o.r.: ‘goldsturm’ im schatten, rudbeckia fulgida var. sullivantii / sonnenhut & u.r.: querbeet in ostfriesischer rose a.g.a. …

querbeet über den harz

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obere reihe, l.: torfhaus am nationalpark-besucherzentrum: „in den wäldern sind dinge, über die nachzudenken man jahrelang im moos liegen könnte“ franz kafka (brief an max brod aus dem böhmerwald, 1918 … mal was anderes als heine oder der beamte aus weimar …): blick auf den brocken(garten) → der brockengarten & …; r.: morgenstimmung am badeteich: bistorta officinalis / schlangen- oder wiesen-knöterich auf der wiese am ziegenberger teich, buntenbock. mittlere reihe, l.: von der wiese in den ehemaligen garten von tante hilde: reste des senkgartens, ehem. pension höhlein, buntenbock; r.: wälder mit niedrigwasser: blick auf baumstümpfe am  “strand“ der okertalsperre … untere reihe, l.: quitschen → vogelfutter: sorbus aucuparia; r.: eher ein motiv für vergessene farbfilme auf hiddensee: hippophae rhamnoides / sanddorn in mittelgebirgslage.

querbeet im august

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obere reihe, grosses bild: knipsen wird dieser pflanze nicht gerecht, angelica gigas / rote engelwurz ist ein fall für karl blossfeldt (→ ’neues von blumen‘ & blümchen / walter benjamin über ‚urformen der kunst‘ …); r.o.: es hätte schlimmer – bunter, viel bunter (→ dahliamania …) – kommen können: NICHT dahlia ‚bishop of llandaff‘ …; r.u.: → vom ätna auf den eschberg: genista aetnensis / ätna-ginster. untere reihe, r.o.: die ersten astern im unterholz: eurybia divaricata (ehem. aster divaricatus) / weisse wald-aster; r.u.: die erste aussaat: lunaria annua / einjähriges silberblatt & grosses bild: neuer platz für mehr als nur bunte blümchen querbeet …

wallhecken / ‚anweisung zur verbesserung des ackerbaues und der landwirthschaft [des] münsterlandes‘ von anton bruchausen

VI. Kapitel

Von Einschließungen und Einzäunungen der Aecker

NUM. 127.

Es sind zwar in vielen Gegenden Münsterlands die Aecker eingeschlossen, wodurch sie einen nicht geringen Vortheil erhalten; so fehlt doch noch

erstens diese gute Einrichtung an verschiedenen Orten, wo es füglich geschehen könnte, und

zweytens ist an vielen andern Orten die Einschließung mit Hecken nicht so gemacht, wie sie müßte gemacht werden.

NUM. 128.

Was das erste betrift, so scheint es, man wisse nicht überall, besonders im Niederstifte, wie groß der Nutzen sey, den die Einzäunung mit lebendigen Hecken dem Landmanne verschafft. Denn 1) wird ein jeder Eigenthümer dadurch mehr Herr und Meister mit seinem Felde anzufangen, wenn er will, was er will, und was ihm am nützlichsten ist, ohne daß er darin von seinem Nachbar gestört werde. Auch hierdurch werden die so oft entstandenen Processe und Streitigkeiten verhindert.

2) Wird durch Einschließen und Einzäunen das Vieh von dem Getraide sowohl, als anzubauenden Futterkräutern abgehalten, damit es keinen Schaden thue. Auch

3) die Hecken an und für sich betrachtet, sind da, wo Mangel an Brennholz ist, für den Bauer ein großer Vortheil, wenn er nur selbige zu hoch und zu dick anwachsen läßt, und die Wälle zu breit macht. Es wäre gut, wenn die aus dem Niederstifte in die Münsterische Normalschule kommenden Schulmeister durch Unterweisung und Anweisung auf die in der Gegend von Münster sich hier und da befindenden guten, kleinen und schmalen Hecken aufmerksam gemacht würden, und diese hier geschöpfte Lehre den Schulkindern und dem Landmanne beybrächten.

NUM. 129.

Was das zweyte oder diejenigen betrift, die wirklich ihre Felder eingeschlossen halten, oder sogenannte Kämpe haben, so findet man an vielen Gegenden, besonders im Amte Werne, Stromberg und Wolbeck, daß dieses durch unmaßig dicke und hohe Wallhecken, und dabey durch Hecken, welche auf allzu breiten Wällen stehen, geschehe. Nun aber sind

1stens für feuchte und nasse Ländereyen sowohl, als die dazwischen oft befindlichen Wege ganz dicke und hohe Wallhecken nicht gut; weilen hiedurch Luft, Wind und Sonne zum Theile abgehalten werden, und also das Austrocknen der nassen Ländereyen, der mannigmal einfallenden nassen Aernte, und der schlechten Wege größtentheils verhindert wird. Diese Leute können zwar von diesen sehr dicken Hecken mehr Brennholtz machen; allein insgemein, wo diese unmäßig dicke Hecken sind, fehlt es eines theils an Brennholtze nicht, und andern theils ist der Schade von den dicken Wallhecken und breiten Wällen an ihren Aeckern größer, als der Nutzen vom Brennholtze. Zudem halten sich Lüninge (Spatzen) und andere schädlich Vögel zu häufig in den dicken Wallhecken auf, und fressen das Korn weg.

Zweytens sind die Wälle, auf welchen dicke Hecken stehen, zu breit gemacht. Ich habe an verschiedenen Orten z.B. zu Steinfurt bemerkt, daß die Wälle eine Breite von 24 bis 26 Fuß haben. Ist das landwirthschaftlich? Entbehrt nicht hiedurch der Eigenthümer zu viel Land für Früchte, für Gras und Heuwuchs? Man denke daneben an den Schaden, welcher von dem darauf gepflanzten unmäßig dicken Holze und Hecken entsteht, und wovon ich so eben geredet habe.

NUM. 130.

Man sollte es billig an diesen Orten so machen, wie es wirklich zu Ittlingen im Amte Werne, wo man sonst Brennholz genug hat, eingerichtet ist. Da hat man die alten, dicken, schädlichen Hecken ausgerottet, die breiten Wälle, welche aus einer überaus fruchtbaren, und zum Theile vom Laube vermoderten Erde bestanden, abgegraben; man hat vorher die sich hier und da befundenen Vertiefungen im Lande mit gemeiner Erde ausgeglichen, dann die abgegrabene gute Wallerde aufs Land gefahren und auseinander gestreuet. Den Nutzen davon hat man nun schon bis ins 12te Jahr an den Früchten augenscheinlich verspührt. Dahingegen hat man an statt der dicken Wallhecken, gehörig breite und tiefe Graben ausgeworfen, und auf den kleinen schmalen und nicht hohen Wällen kleine Dornhecken, besonders von Weißdorn, welche geschwind wachsen, 4 bis 5 Fuß hoch gemacht. Durch diese neue kluge Einrichtung hat der Herr von Nagel zu Itlingen auf einer Strecke Landes von 20 Malter Einsaat 21/2 Malter Einsaat neues Kornland erworben. Ist das nicht rin großer Vortheil? Ist das nicht ein herrliches Beyspiel zur Nachahmung? Will man indessen doch an diesen Orten, anstatt der Dornhecken die gemeinen Wallhecken lieber beybehalten; so lasse man sie doch des großen Schadens halber nicht zu hoch, nicht zu dicke wachsen; man sorge besonders, daß gehörig breite und tiefe Heckengraben gemacht werden, welche die überflüssige Nässe aus den allzufeuchten Gründen ableiten, und in welchen sich mit der Zeit eine fette Modde zum herrlichen Dünger fürs Land setzet. […]

NUM. 132.

Auch sind unsere Kämpe an vielen Orten zu groß, zu weitläufig. Man sollte sie mit kleinen dünnen Hecken durchsetzen. […]

anton bruchausen, ‚anweisung zur verbesserung des ackerbaues und der landwirthschaft [des] münsterlandes. auf gnädigsten befehl seiner kurfürstlichen durchlaucht maximilian franz als fürstbischof zu münster für die landschulen und den landmanne des hochstiftes münster verfertiget […]‘, münster, 1790.

der georgengarten: ein besuch bei leibniz & grossstadtgrün

die herrenhäuser gärten: barocke gartenkunst im grossen garten, botanik im berggarten & ein öffentlicher park. der georgengarten, benannt nach george IV. king of the united kingdom &c. und könig von hannover. überschwemmungsgebiet der leine, gärten des adels in der nähe der sommerresidenz der kurfürsten von braunschweig-lüneburg, 1768 durch johann ludwig von wallmoden-gimborn zum wallmodengarten zusammengefasst, ab 1828 zum english landscape garden umgestaltet (ab 1835 durch franz christian schaumburg), seit 1921 städtisch …

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obere reihe, l.o. unter linden in die sommerfrische: die herrenhäuser allee; l.u. sockel der büste im leibniztempel: gottfried wilhelm leibniz gibt im jübiläumsjahr († 1716) die sphinx, nasenlos & mit etwas make-up …; grosses bild: blick durch salix / weiden auf den monopteros von johann daniel ramberg, 1787–1790. untere reihe, grosses bild: reminiszenz an die über die ufer getretene leine …; r.o. deformierte (andricus quercuscalicis / knoppergallwespe) eichel an den georgseichen: zwei quercus roburn / stieleichen 1839 am wallmodenschloss (wilhelm-busch-museum) anlässlich des 20. geburstags von kronprinz georg (georg V. von hannover) gepflanzt; r.u.: keine zugang zum grossen garten über die friederikenbrücke (georg ludwig friedrich laves, 1839/40): der zugang für hunde (in hannover bitte an der leine führen!), fahrrädern uns alles andere über die graft ist verschlossen …