gartenbücher: het nederlandse cultuurlandschap – grids, mapping & photography

die bunten, gestreiften tulpenfelder und die vogelperspektive auf die raster der treibhauslandschaft. windmühlen und -räder, deiche und die dutch wave. klischees bestimmen das bild einer gegend, einer landschaft, eines landes. ausserhalb der randstad ist landschaft und innerhalb derselben das groene hart mit „natur“ und naherholung für die städter, polder, landwirtschaft & gartenbau.

ein viertel des landes liegen unter dem meerespiegel. die landschaft ist eingedeicht, und die windmühlen pumpen das wasser aus dem gebiet. die landgewinnung startete früh und im gouden eeuw, 1600 – 1700 (also während des tachtigjarige oorlog, des achtzigjährigen kriegs von 1568 bis zum friedenschluss in münster 1648 und der anerkennung der republiek der zeven verenigde provinciën), wuchs das land um 1120 km². im zeitraum von 1900 – 2000 um 1700 km² (quelle: friso wielenga, ‚geschichte der niederlande‘, stuttgart 2012). eine künstliche, dem meer abgerungene landschaft.

landschaftsmalerei und die kartierung der landschaft waren bereits im 17. jh. eines der hauptmotive der niederländischen malerei. man denke nur an die prominent platzierte landkarte im bild „die malkunst“ von vermeer. im 20. jh malte mondrian erst landschaften, um dann bei rastern, grids, zu landen. die kunsthistorikerin svetlana alpers spricht nicht umsonst in ihren standardwerk zur malerei des gouden eeuw von „the mapping impulse in dutch art“. was man geschaffen bzw. verändert hat, soll dokumentiert (nutzbarkeit) und präsentiert (stolz) werden.

1971 legte der schriftsteller, verleger, rechtsanwalt und künstler reinjan mulder ein raster über eine karte der niederlande. an den 52 schnittpunkten plazierte er 1974 sein stativ und fotografierte in alle vier himmelsrichtungen. die bilder waren 2016 in einer ausstellung im amsterdamer rijksmuseum zu sehen. hier entstand, auf anregung von berno strootman, rijksadviseur fysieke leefomgeving, die idee, die veränderung der landschaft ausgehend vom mulders projekt „objectief nederland“ zu dokumentieren. 2017 fotografierte cleo wächter nach den vorgaben des rasters. gerade ist die dokumentation des projektes als buch erschienen. die landschaften der niederlande: mapping, grids, die vermeintlich objektive fotografie und die veränderung einer kulturlandschaft.

mapping

We can, I think, distinguish a narrower and a broader use of the mapping designation. Used narrowly, mapping refers to a combination of pictorial format and descriptive interest that reveals a link between some landscapes and city views and those forms of geography that describe the world in maps and topographical views. Used broadly, mapping characterizes an impulse to record or describe the land in pictures that was shared at the time by surveyors, artists, printers, and the general public in the Netherlands. […]

If the great landfill and water projects on the one hand and military activity and news on the other contribute to the demand for detailed maps, the natural features of the Netherlands – the flat, open, relatively treeless land – made it particularly suitable for mapping.

svetlana alpers, ‚the art of describing: dutch art in the seventeenth century ‚, chicago 1983

grids

There are two ways in which the grid functions to declare the modernity of modern art. One is spatial: the other temporal. In the spatial sense, the grid states the autonomy of the realm of art. Flattened, geometricized, ordered, it is antinatural, antimimetic, antireal. […]

In the temporal dimension, the grid is an emblem of modernity by being just that: the form that is ubiquitous in the art of our century, while appearing nowhere, nowhere at all, in the art of the last one. […] By „discovering“ the grid, cubism, de Stijl, Mondrian, Malevich … landed in a place that was out of reach of everything that went before. Which is to say, the landed in the present, and everything else was declared to be the past.

[…]

The grid’s mythic power is that it makes us able to think we are dealing with materialism (or sometimes science, or logic) while at the same time it provides us with a release into belief (or illusion, or fiction).

rosalind e. krauss, ‚grids‘ in ‚october‘ no. 9 (summer 1979) reprinted in ‚the originality of the avant-garde and other modernist myths‘, cambridge, massachusetts and london 1985

landschaft & fotografie

von seestücken im wattenmeer auf texel, über einen acker und einen kanal bei rotterdam bis zu gehölzen und einem strommast bei ubachsberg. vom abgelegen bauernhof (1974) zum neubaugebiet mit sichtschutz (2017) in santpoort, über hecken bei dordrecht, einem gartenhaus (2017) in nieuweschans, eine graue wand in roosteren (1974/2017), kopfweiden an der grundstücksgrenze (2017) in hedel und einem kirchturm (1974/2017) und einem garten (2017) in kattendijke bis zu innenarchitektur in velp (1974/2017). vorher / nachher.

was ist objektivität? ist die verwendung bestimmter parameter, wie z.b. raster, die bereits bei der minimal und conceptual art durchdekliniert wurden, nicht-subjektiv? mulder selbst schreibt in seinem beitrag im buch über die „verbindung“ bzw. die gleichzeitigkeit mit projekten von künstlern wie jan dibbets. und die fotografie? der aberglaube an eine vermeintlich objektive darstellungsmöglickeit, in abgrenzung zur subjektiven malerei, ist eher eine der geburtswehen dieser form der abbildung. die fotografie, und besonders der diskurs über sie, sind ein produkt der naiven technikgläubigkeit des 19. jahrhunderts. die bezeichnung „objektiv“ für das linsensystem des optischen teils der kamera hat die diskussion nicht vereinfacht … was ist objektiver? quadrat oder querformat – cadrage. analog auf sw-negativ mit tri-x – körnung in format 6×6 plus dunkelkammer (1974), oder digital und farbig auf 24 x 36 mm, 50 millionen pixel plus photoshop (2017)? nicht nur die abgebildete landschaft verändert sich …

selbst wenn es möglich wäre, eine gegend, eine (kultur)landschaft objektiv darzustellen, wäre man, sobald es mit der rezeption losgeht, beim reinen subjektivismus: die einen sehen die menschliche kultur, die die landschaft geschaffen hat, die anderen romantische „natur“ und/oder ihre zerstörung.

was hier mit den mitteln der kartierung und der fotografie entstanden ist, ist eine dokumentation – „documentary style“ würde walker evans es wahrscheinlich nennen – über eine sich verändernde landschaft, ein land. eine bestandsaufnahme, ob nun „objektiv“, „authentisch“, oder was auch immer. ein buch über die niederlande das sich neben den klassischen darstellungen der landschaft nicht verstecken muss, in guter ausstattung und ruhigem layout ohne unnötige spielereien, wie bei nai010 zu erwarten. das projekt sollte man vor dem objektiv behalten, oder wie wächter in ihrem beitrag schreibt: „It is my hope that this project will be reproduced again and again, …“. die niederlande, wie jedes land, jede landschaft, werden sich weiter verändern.

 

reinjan mulder & cleo wächter, ‚objectief nederland: veranderend landschap 1974-2017 / objective netherlands: changing landscape 1974-2017‘, mit texten von henk baas (rijksdienst voor het cultureel erfgoed), merel bem (de volkskrant), peter delpeut (nrc), ludo van halem (rijksmuseum) und berno strootman (rijksadviseur fysieke leefomgeving), brosch., 207 s., rotterdam: nai010 uitgevers 2018, isbn 978-94-6208-464-3

Advertisements

westfälischer friede: „Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren …“

[…]

Ihr Bauren spannet an die starcken AckerPferde/ klatscht mit der Peitschen scharff/ die Pflugschar in die Erde/ Säet/ Hirsche/ Heidel/ Korn/ Hanf/ Weitzen/ Gersten auß/ Kraut/ Ruben/ Zwiebeln/ Kohl/ füllt Keller/ Boden/ Hauß.

Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren/ und lösen manchen Batz auß euren grünen Wahren/ dann kehret ihr mit Lust fein in ein Küchlein ein/ und esst ein stücklein Wurst und lescht den Durst mit Wein: Juch/ Juch/ ihr seyt befreyt von tausend Nöthen/ und schlaffet biß es tagt mit euren Bauren Greten.

[…]

friedensreiter von münster: „Neuer Auß Münster vom 25. deß Weinmonats im Jahr 1648. abgefertigter Freud= und Friedenbringender Postreuter“, flugblatt anlässlich der unterzeichnung des friedensvertrages am 24. oktober 1648.

pückler fährt durch die niederlande: landschaft als garten & die kultivierung der heide / ‚briefe eines verstorbenen‘ von hermann von pückler-muskau

Rotterdam, den 25sten [september 1826]

[…], und wirklich von magischer Wirkung ist dagegen der weite Garten, welcher sich zwischen Arnheim und Rotterdam ausbreitet. Auf einer Chaussée, von Klinkern (sehr hart gebrannte Ziegel) gebaut, und mit feinem Sande überfahren, eine Straße, die durch nichts übertroffen werden kann, und nie auch nur die schwächste Spur eines Gleises annimmt, rollte der Wagen mit jenem leisen, stets den gleichen Ton haltenden Gemurmel des Räderwerks hin, das für die Spiele der Phantasie so einladend ist. Obgleich es in dem endlosen Park, den ich durchstrich, weder Felsen noch selbst Berge giebt, so gewähren doch die hohen Dämme, auf welche der Weg zuweilen hinansteigt, die Menge, große Massen bildender Landsitze, Gebäude und Thürme, wie die vielen aus Wiesen, Ebnen, oder über klare Seen auftauchenden kolossalen Baum-Gruppen, der Landschaft eben so viel Abwechselung von Höhe und Tiefe, als malerische Ansichten der verschiedensten Art; ja ihre größte Eigenthümlichkeit besteht eben in dieser unglaublichen Bewegung und Mannichfaltigkeit der Gegenstände, die ohne Aufhören die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Städte, Dörfer, Schlösser mit ihren reichen Umgebungen, Villen von jeder Bauart mit den niedlichsten Blumengärten, unabsehbare Grasflächen mit Tausenden weidender Kühe, Seen, die im Umfang von 20 Meilen blos durch Torfstich nach und nach entstanden sind, unzählige Inseln, wo das baumlange Schilf, zum Decken der Dächer sorgfältig angebaut, Myriaden von Wasservögeln zur Wohnung dient – alles bietet sich fortwährend die Hand zu einem freudigen Reigen, in dem man wie im Traume durch flüchtige Pferde fortgerissen wird, während immer neue Palläste, immer andere Städte am Horizont erscheinen, und ihre hohen gothischen Thürme in dämmernder Ferne mit den Wolken sich verschmelzen. Eben so läßt in der Nähe eine oft groteske und stets wechselnde Staffage keinem Gefühl der Einförmigkeit Raum. Bald sind es seltsam mit Schnitzwerk und Vergoldung verzierte Wagen ohne Deichsel, und von Kutschern regiert, die in blauen Westen, kurzen schwarzen Hosen, schwarzen Strümpfen und Schuhen mit ungeheuren silbernen Schnallen, auf einer schmalen Pritsche sitzen; oder zu Fuß wandernde Weiber mit sechs Zoll langen goldnen und silbernen Ohrringen behangen, und chinesischen Sommerhüten, gleich Dächern auf den Köpfen; bald zu Drachen und fabelhaften Ungethümen verschnittene Taxus-Bäume, oder mit weiß und bunter Oelfarbe angestrichene Lindenstämme, asiatisch mit vielfachen Thürmchen verzierte Feueressen, absichtlich schief liegend gebaute Häuser, Gärten mit lebensgroßen Marmor-Statuen in altfranzösischer Hofkleidung durch das Gebüsch lauschend, oder eine Menge 2 – 3 Fuß hoher, spiegelblank polirter Messingflaschen auf den grünen Wiesen am Wege stehend, die wie pures Gold im Grase blinken, und doch nur die bescheidne Bestimmung haben, die Milch der Kühe aufzunehmen, welche daneben von jungen Mädchen und Knaben emsig gemolken werden – kurz eine Menge ganz fremder ungewohnter und phantastischer Gegenstände bereiten jeden Augenblick dem Auge eine andere Scene, und drücken dem Ganzen ein vollkommen ausländisches Gepräge auf. Denke Dir nun dieses Bild noch überall in den Goldrahmen des schönsten Sonnenscheins gefaßt, geziert mit der reichsten Pflanzenwelt, von riesenhaften Eichen, Ahorn, Eschen, Buchen bis zu den kostbarsten ausgestellten Treibhaus-Blumen herab, so wirst Du Dir eine ziemlich genaue, und keineswegs übertriebene Vorstellung von diesem wunderbar herrlichen Theile Hollands machen können, und dem hohen Vergnügen meiner gestrigen Fahrt.

Weiterlesen

tuinen het loo: ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo‘ & knipsen

von 1685 bis 1692 liess der niederländische statthalter willem van oranje für sich und seine frau mary stuart, tochter von james II, das schloss het loo erbauen. die architekten waren der aus frankreich stammende hugenotte daniël marot und jacobus roman, stadtbaumeister von leiden, ab 1689 hofarchitekt. mit dem palast aus backstein wurden die gärten angelegt. der fränzösische einfluss von andré le nôtre, hofgärtner von willems intimfeind louis XIV., ist zu spüren. was jedoch hier im waldgebiet veluwe bei apeldoorn entstand, ist niederländisch, hollands classicisme. prunkvoll und repräsentativ, aber nicht protzig à la versailles.

1689, nach der glorious revolution, bestiegen die erbauer als william III und mary II den englischen thron. hampton court, mit dem für willem angelegten privy garden, oder kensington palace wurden zu hauptresidenzen. im 18. jhr. wurde der garten teilweise dem zeitgeschmack angepasst. im19. jhr., unter louis napoléon bonaparte, verschwand der barock und ein landschaftsgarten wurde angelegt, die barocken paterres aufgefüllt. in der regierungszeit von königin wilhelmia, die nach ihrer abdankung hier lebte, kamen nebengebäude hinzu. zwischen 1977 und 1984 wurde der barocke tuinen het loo rekonstruiert.

bei barockgärten wird gerne mantramässig vom einfluss der gärten von versailles gesprochen. gerade in nordeuropa sollte man eher vom einfluss von het loo sprechen. das im marketingjargon als ”westfälisches versailles” bezeichnete schloss nordkirchen, ist ein „münsterländer het loo“: neben dem architekten gottfried laurenz pictorius (später johann conrad schlaun) wirkte am bau auch jacobus roman mit. oder der große garten in herrenhausen: sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg aka hanover, war massgeblich an der gestaltung beteiligt. die tochter des winterkönigs, friedrich V. von der pfalz, verbrachte ihre kindheit im niederländischen exil des vaters bei der verwandtschaft ihrer mutter elisabeth stuart. der einfluss der niederländischen gärten wie het loo ist in hannover jederzeit sichtbar, wenn man die versailles-brille abnimmt. eine barocke dutch wave …

1699 erschien in london das buch ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo, […]‘ vom königlichen leibarzt walter harris. eine beschreibung des gartens im „original“-zustand und ein wichtiges dokument für die restaurierung des tuinen het loo:

THIS Description of the King’s Palace, and Gardens at Loo, was most of it written at the Command of our late most Incomparable Queen, of ever Glorious Memory, who was not displeased with the Sight of it; and who, though she Honoured this Royal Fabrick with the laying its first Stone, yet could never have the Pleasure of seeing it Perfected: […]

  

die mittlere allee & ein baunzaun (nicht richard serra, das paleis wird renoviert).

HIS Majesty’s Palace and Gardens at Loo are situated on the cast-side of a large Sandy Heath, or in the Veluwe, a considerable part of the Province of Gelderland, one of the Seven United Provinces. The Heath is extended Southward unto the Rhine, and Northward unto the Zuyder, or South Sea; Westward it runs almost to Amersfort, or within less than two Leagues of it; and Eastward it is extended to the Issel, a considerable River that divides Overyssell from the Veluwe. Loo is three Leagues from Deventer, five from Harderwick on the South-Sea, five from Dieren, another of His Majesty’s Places, six from Arnheim, and twelve Leagues or Hours from Utrecht. It is an excellent Country for Hunting, and abounds with Staggs, some Roe-bucks, the Wild Boar, Foxes, Hares, and some Wolfs. It is no less excellent for Fowling, and has good store of Woodcocks, Partridges, Pheasants, &c. In a Wood near Loo, there is a Herniary for Hawking; and within a league of it North-cast, His Majesty has of late caused to be made an Excellent Decoy, which supplies his Family with good store of Ducks and Teale. And in the Heath beyond the Gardens, there are six Vi∣vers or large Fish-ponds, somewhat after the model or resemblance of those in Hide-Park, the one communicating with the other. […]

The New Palace, lately built by His Majesty, is near unto the Old Hoof, or Old Court, which is a Castle surrounded with a broad Moat, and purchased about 12 or 14 Years ago from the Seigneur de Laeckhuysen, a Gentleman of this Country. They are separated from one another only by some of the Gardens, which lye on the West-side of the New Palace. The Gardens are most Sumptuous and Magnificent, adorned with great variety of most Noble Fountains, Cascades, Parterres, Gravel Walks, and Green Walks, Groves, Statues, Urns, Paintings, Seats, and pleasant Prospects into the Country.

Before the Gate that enters into the Court of the Palace, there is a broad Green Walk between a double row of Oaks, half a mile long; […].

  

blick vom dach über den benedentuin und den boventuin & die die beiden gärten trennende allee mit kanälen. Weiterlesen

gartenbücher (pflanzen – kultur)

pflanzengesellschaften, matrix und drifts, borders. der blick auf einzelne pflanzen geht verloren. details gehen im farbrausch unter. zwei bücher schärfen den blick und rücken die kulturgeschichte der pflanzen in den vordergrund. wenn man sich mal wieder was buntes aus dem baumarkt oder eine seltene sorte vom pflanzenmarkt holt, bringt man nicht nur farbe in den garten. gleichzeitig kommt eine botanische und kulturelle geschichte ins beet. gartenkultur! zwei bücher, die nicht nur kulturell von interesse, sondern für emsige gartenbuchleser eine augenweide sind:

abutilon bis viola elatior: fotografie & botanik

walter benjamin schrieb, in seiner besprechung des buches ‚urformen der kunst‘ (→ ’neues von blumen‘ & blümchen), dass die fotos von karl blossfeldt „einen ganzen unvermuteten Schatz von Analogien und Formen“ erschliessen. blossfeldt veröffentlichte die bilder ohne beschreibung: „Man wird aber das Schweigen des Forschers ehren, der diese Bilder hier vorlegt. Vielleicht gehört sein Wissen zu jener Art, die den stumm macht, der es besitzt.“ ‚urformen der kunst‘ erschien 1928. 1932 folgte ‚wundergarten der natur‘. die rezeption der bilder blieb formal, auf analogien beschränkt. foto-ästhetik, neue sachlichkeit & l’art pour l’art. der band ‚karl blossfeldt – meisterwerke‘ mit einer auwahl aus dem blossfeldt archiv der stiftung ann und jürgen wilde bringt blossfeldt ein wenig zurück in die botanik. neben den grossen tafeln im buch finden sich im hinteren teil des bandes „botanische erläuterungen“ von hansjörg küster, professor für pflanzenökologie am institut für geobotanik der leibniz universität hannover, autor von bücher über die natur- und kulturgeschichte der elbe, der nord- und ostsee und ‚die entdeckung der landschaft‘ im allgemeinen. Weiterlesen

kulturlandschaften, wallhecken, gärten vor 100 jahren: bilder von hermann reichling

hermann reichling: naturschutz, politik & fotografie

ein naturschützer unterwegs mit der kamera in westfalen und, auf der flugroute der zugvögel, bis nach lappland. hermann reichling (1890-1948), promovierter ornithologe und naturschutzpionier, war von 1919-1948 direktor des provinzialmuseums für naturkunde in münster. mit einer unterberechung von 1933 -1945, von den nazis wegen „politischer unzuverlässigkeit“ abgesetzt: disziplinarverfahren und als „schutzhäftling“ von juni bis september 1934 im kz esterwegen im emsland, wo er bei der trockenlegung von mooren zwangsarbeiten musste und misshandelt wurde. nach seiner freilassung wurde er an den dümmer im oldenburger münsterland verbannt, „kaltgestellt“: nicht untätig, entstand bis 1945 dort eine einzigartige dokumentation der region. 1945 rehabilitiert und wieder direktor des naturkundemuseums starb er jedoch schon 1948 an den folgen der kz-haft.

in seiner amtszeit von 1926 bis 1933 als staatlicher kommissar für naturdenkmalpflege in der provinz westfalen, wurden fast 70 schutzgebiete ausgewiesen. 1932 befanden sich ca. ein fünftel aller naturschutzgebiete preussens in der provinz westfalen. reichling war gut vernetzt: er stand u.a. im kontakt mit max hugo weigold, gründer der vogelwarte helgoland, 1910, und später direktor der naturkunde-abteilung des provinzialmuseums in hannover, und mit hugo conwentz, direktor des westpreußischen provinzial-museums in danzig & autor des buches ‚die gefährdung der naturdenkmäler und vorschläge zu ihrer erhaltung‘ (berlin, 1904).

mehr als 10.000 negative, glasplatten, haben sich zwischen 1912 und 1948 im archiv angesammelt und einige filme, die reichling als pionier des naturfilms ausweisen. fotografiert hat reichling, neben den üblichen familienszenen, hauptsächlich bei erkundungen, der sich stetig durch den menschen verändernden kulturlandschaften und ihre fauna in nordwestdeutschland. ab 1926 wurde er von dem fotografen georg hellmund unterstützt, der bis 1966 für das naturkundemuseum arbeitete. die familie übergab den privaten nachlass an das lwl -museum für naturkunde (ehem. provinzialmuseums für naturkunde). das archiv wurde ab 2015 mit unterstützung der nrw-stiftung aufgearbeitet und digitalisiert. Weiterlesen

pflanzplan(ung): oranjebruin, braunrot & noch eine ’ne dronning

prokrastination bei der aussaat oder keine lust die fensterbank vollzustellen. nach kontrollgängen im beet die ersten anzeichen von frühlingshaftem pflanzenkaufrausch… normalerweise sind pflanzenmärkte (nächster termin 18./19. april 2015: pflanzenmarkt am kiekeberg) die hauptquellen. mit einer liste von stand zu stand laufen ist mühselig und langweilig. auf dem markt werden die augen für zufallsfunde offengehalten. da in der nähe keine gärtnereien (jedenfalls keine händler die diese bezeichnung verdienen würden…) existieren und der einkauf im umland ohne auto kompliziert ist (was nicht heisst das ein wurzelnackter apfelbaum, halbstamm, nicht mit bus und u-bahn zu transportieren ist…) mit der liste vor dem rechner:

oranjebruin: helenium ‚moerheim beauty

eine züchtung von bonne ruys aus den jahre 1930. benannt nach seiner gärtnerei:

postkarte_kwekerij_moerheim_193x_500

blick auf die gebäude der koninklijke kwekerij moerheim v/h b. ruys b.v, dedemsvaart, postkarte (1930iger).

seine tochter mien beschreibt die beauty wie folgt:

Helenium (L.) – Sonnenbraut – Compositae. Nordamerika. Bekannte, sonnenblumenartige, buschige Stauden. Blätter lanzettförmig. Blüten gelb oder rotbraun. 50 – 200 cm. Juli – September.

Helenium blüht während einer langen Periode, besonders, wenn die abgeblühten Blumen stets entfernt werden. Standplatz sonnig, kommt auf trockenem Boden; eine der besten Garten- und Schnittblumen.

[…]

autumnale Moerheim Beauty. Entstanden aus einem Sport von Julisonne. Blüten rot. Die Blüten erheben sich über die Blätter. 80 – 120 cm. Juni – September.

Etwas kräftiger und straffer im Wuchs als [automnale grandicephalum Julisonne], muß aber auch etwas gestützt und aufgebunden werden. Hat den Vorteil, schon im ersten Jahr nach dem Pflanzen große Stöcke zu formen. Wächst auf sozusagen jedem Boden in sonniger Lage. Paßt besonders gut zu Salvia superba, Achilea filipendulina [goldgarbe] und Solidago Leraft [goldrute]. Von den Phloxsorten paßt nur Marie s’Jacob und Wanadis dazu.

mien, jan daniel und theo ruys, ‘die stauden’, mit einem geleitwort von bonne ruys und einem vorwort von karl foerster, erlenbach-zürich, 1951. deutschsprachigen ausgabe von ‘het vaste planten boek’, amsterdam, 1950.

mal sehen: dort wo sie hin sollen steht ein phlox paniculata ‘kirchenfürst’ (karl foerster, 1936) in der nachbarschaft…

braunrot: hemerocallis fulva

ein versuch mit taglilien: die rotbraunen bahnwärter-taglilie. karl foerster hat die hemerocallis, ständig zitiert, als „die Pflanze des intelligenten Faulen“ bezeichnet. seine tochter sah das etwas anders:

Bereits zu Zeiten meiner Eltern gab es die morgendliche Aufgabe: die „Hems“ putzen, das heißt alle verwelkten Blüten entfernen und diese Arbeit ist bei machen Sorten eine Geduldsprobe.

marianne foerster, ‚der garten meines vaters karl foerster‘, hrsg. von ulrich timm, münchen, 2005.

geputzt wird im „eigenen garten“ garantiert nicht, die betonung liegt hier auf faul…

noch ’ne dronning: miscanthus sinensis ‚dronning ingrid‘

ein chinaschilf mit rotbraunen blüten und rötlichem laub. in kombination mit der → rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona, … den züchter konnte ich bisher nicht heraus bekommen, bzw. den grund dieses miscanthus nach ingrid av sverige, verh. dronning ingrid af danmark, zu benennen. die anpflanzung der rosa alba im ”eigenen garten” ist ein lokalpolitischer, anti-preussisch und -hanseatischer, verweiss auf hendes majestæt dronning margrethe II (wenn auch nicht nach ihr benannt). pølser-romantik. ein versuch die mutter als begleitpflanze für die tochter zu nutzen. danke an annette lepple, die mich auf diese variante des chinaschilfs gebracht hat.

erstmal online suchen…

blackbox-gardening: mit luhmann im garten?

vortrag von jonas reif bei der gesellschaft zur förderung der gartenkultur e.v., zweig hamburg: blackbox-gardening. das gleichnamige buch von reif, verantwortlicher redakteur der zeitschrift ‚gartenpraxis‘, und christian kreß, inhaber der gärtnerei sarastro-stauden in ort im innkreis, oberösterreich, erschien im letzten jahr bei ulmer. die meisten fotos stammen von jürgen becker. die marketing-abteilung des verlages ging bei erscheinen in die vollen: „Das erste Buch zum völlig neuen Gartenthema.“

blackbox

zum thema blackbox empfehle ich ‚cybernetics: or the control and communication in the animal and the machine‘ von norbert wiener (cambridge, mass, 1948) und ’soziale systeme. grundriß einer allgemeinen theorie‘ von niklas luhmann (frankfurt/m., 1984).

gardening

lassen wir das schlagwort aus dem kybernetischen und systemtheoretischen diskurs einmal bei seite, konzentrieren uns auf gardening (cf. → gartenarbeit vs gardening / kulturelle unterschiede…) und bleiben beim untertitel: „Mit versamenden Pflanzen Gärten gestalten“. also wachsen lassen und das rausreissen (eine lieblingsbeschäftigung!), was stört…

Gardens that give space to self-sowers have a comfortable, personal feel. These plants fill a gap and are wonderful accessories in our overall aim of keeping the show going.

Many people are frightened of self-sowers, thinking that, if allowed, they will lose control and that their garden will look a mess. So they apply thick mulches to prevent this. What they are missing!

[…]

You need to think of self-sowers as allies that need to be controlled. You‘ ll probably be weeding out 95 per cent of them. That’s all right. Those that remain will do their job all the better for not having too much competition.

christopher lloyd, succession planting: self-sowers‘ in the guardian, 27/03/2004, reprinted in ‘cuttings – a year in the garden with christopher lloyd’, london, 2007.

nicht ganz so neu… in anbetracht der aktuellen diskussionen über wilde gärten (pflichtlektüre: william robinson, ‚the wild garden‘, london, 1870), dutch wave, prairie gardens oder welches schlagwort gerade benutzt wird, ist es nicht verwunderlich das ein buch nur über selbstversamende pflanzen erscheint. um nicht zu sagen überfällig. Weiterlesen

thee zetten und mien ruys (& karl foerster) lesen: ‚die stauden‘

mien_ruys_stauden_ostfriesische_rose_500

stauden (helenium ‚moerheim beauty‘, b. ruys 1930, ist für MMXV vorgemerkt…) an ostfriesischer rose…

Es darf hier noch daran erinnert werden, daß dieses Reich der Stauden und Blumenzwiebelstauden die eigentliche große Instrumentation für jene feinste Kammermusik des Gartens liefert, die mit dem Worte „Wildnisgartenkunst“ zusammengefaßt wird. Es hängt also die ganze stilmäßige Universalität des Gartenreichs eng mit der Staude zusammen; denn sie liefert ja der strengen Gartenkunst im offenbaren Stil des Gebaut- und Gepflanztseins den großen Gegenspieler im Charakter des Gewachsenseins.

karl foerster, ‚vorwort‘ in mien, jan daniel und theo ruys, ‚die stauden‘, erlenbach-zürich, 1951. mit einem geleitwort von bonne ruys. deutschsprachigen ausgabe von ‚het vaste planten boek‘, amsterdam, 1950.

ps. früher ging es noch schneller – innerhalb eines jahres – mit der übersetzung von wichtigen gartenbücher und der umschlag war noch nicht aus marketing gründen aus dem photoshop. zum 110. geburstag von mien ruys in diesem jahr die passende antiquarische anschaffung: im jubiläumsjahr ist  keine deutschsprachigen ausgaben der bücher von ruys lieferbar! neben „tuinen maken en thee zetten“ hat sie auch wichtige gartenbücher geschreiben…

ein altonaer garten mit elbblick…

nach der parade historischer schiffe zum 350. geburtstag von altona noch in die ausstellung im altonaer museum:

Balthasar Friedrich Leizel_altona_ 1770

ein guckkastenblatt von balthasar friedrich leizel, ‚aussicht aus altona auf die elbe, und deren gegenden biss haarburg. vue d’altona sur l’elbe et les environs jusqu’a haarbourg‘, (academie imperiale, augsburg um 1770). beschnittene bäume in einem altonaer garten. ungefähr auf höhe der ersten strasse, die die palmaille und die elbe verband, angelegt von hinrich I van der smissen (mennonitischer glaubensflüchtling der 2. generation aus den niederlanden, wird als begründer der altonaer gartentradition angesehen).

solche beschnittene tilia / linden würden sich gut im „eigenen garten“, am hang des eschberges (man lernt nie aus!) in ottensen, machen. leider ohne elbblick: die nebelhörner von kreuzfahrenden schweröl-verbrennern sind allerdings zu hören …

& noch eine dronning:

pecoraro-schneider_königin_von_dk

eine → rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona, … diese blüht am main in unterfranken: danke sabine! → garten – träume und räume.