garteneskapismus

was ist los hinter den gartenmauern, den -hecken und -zäunen (oder gabionen)? giessen und rasenmähen werden gerade esoterisch zu wellness verklärt. gärtnereien müssen die bestellfunktion auf ihren websites blockieren, weil sie nicht mehr nachkommen. bei royal flora holland in aalsmeer und anderen blumengrossmärkten bzw. direkt in den gärtnereien, wurden für den frühling vorproduzierte pflanzen vernichtet. sehr bunt und viel verpackung. plastikmüll. zum glück hatten die baumärkte weiter geöffnet … der traffic auf den diy-accounts bei facebook war noch nie so hoch. die wartelisten für einen kleingarten, weiterhin von der städtebaulichen verdichtung in der zeit der distanzierung bedroht, werden noch länger. in den öffentlichen parkanlagen sieht es aus wie in der fussgängerzone am samstag. neben dem obligatorischen grillmüll auf der teilweise verbrandten grasnarbe, findet man jetzt auch coronamüll in den beeten und rabatten. naturschutzgebiete werden überrannt. „natur“ und so …

der garten wird gerade wieder zum pairi daēza, zum paradies emotionalisiert. ein hortus conclusus. was jenseits des eingezäunten, umgrenzten, eigenen grundstücks passiert wird ausgeblendet. blümchen, etwas sogenannte selbstversorgung & eskapismus.

der besitz eines gartens ist luxus. besonders in den städten und ballungsräumen. stadtplanungen wie beim garden city movement wären heute nicht mehr durchzusetzen: verschwendung von bauplätzen. da muss eine grünstreifen, dessen pflegebudget meist nicht mitkalkuliert wird, zwischen den gebäuden reichen.

und auf der anderen seite des gartenzauns? neben covid-19 wandelt sich das klima weiter, auf den strassen in den usa und anderswo geht es um black lives matter, polizeigewalt und den kolonialismus. was hat das mit blümchen und dem eigenen kleinen paradies zu tun? viel!

die meisten der pflanzen sind produkte des kolonialismus und des europäischen imperialismus. so verklärte forscher und botaniker wie johann & georg forster, alexander von humboldt & aimé bonpland, joseph banks oder philibert commerson, hätten ohne die imperialistischen strukturen ihre reisen nicht machen und neue pflanzen „entdecken“ und sammeln können. es handelte sich keineswegs um gartenreisen …

gerade werden statuen von ihren sockeln geholt. im garten blühen die rosen. fast jeder zweit- oder drittrosenbesitzer hat wahrscheinlich eine ’souvenir de la malmaison‘ im beet. oh, joséphine! der rosengarten am château de malmaison … geboren wurde marie josèphe rose tascher de la pagerie aka de beauharnais auf martinique, kleine antillen, département d’outre-mer et région d’outre-mer und gehört damit zur europäischen union. die tochter eines zuckrohrplantagenbesitzers war sich sehr bewusst, wie so ein betrieb funktioniert: mit sklaven. 1794, nach der revolution, wurde die sklaverei in den französischen kolonien abgeschafft. napoleon führte sie 1802 wieder ein. im park la savanne in fort-de-france steht eine statue zu ehren der „impératrice des roses“. kopflos. die bevölkerung von martinique, ca. 80% sind afrikanischer herkunft, findet das ganz ok. nicht gerade beliebt die dame …

in gewächshäusern gibt es immer etwas zu entdecken. besonders in den grossen wie den serres royales de laeken / koninklijke serres van laken. die prunkbauten am königlichen schloss, offizielle residenz der belgischen könige, wurden in der regierungszeit von leopold II. erbaut. finanziert aus den erträgen der privatherrschaft des belgischen königs im kongo. eines heisst passender weise „serre du congo“. sehr imposant …

eine endlose liste …

geschichtliches bewusstsein beschränkt sich häufig auf kontextlose besuche in barock-, landschafts- oder sogenannten bauerngärten. der blick über den eigenen gartenzaun ist eher verpönt, es sei denn, es ist die fortführung des kolonialismus mit anderen mitteln: des tourismus. die gartenreise: ein platz an der sonne (wahlweise eine gartenbank im schatten) & blümchen.

spuren des kolonialismus, imperialismus und des orientalism (edward said) finden wir in vielen gärten und parks. das chinesische teehaus im park von sanssouci in potsdam oder der chinesische turm im englischen garten in münchen, die moschee im schwetzinger schlossgarten, … bei architektur und der deko kann man es kaum oder nur bewusst übersehen, etwas exotik mit politischer vergangenheit. chinoserien findet man heute in form eines buddhas im garten. bei der frage über die herkunft dieser „skulptur“ und nach den dortigen arbeitsbedingungen, ist die reaktion weit entfernt von einem om … deko und blümchen sind eine sehr emotionale angelegenheit. und die der provenienz der pflanzen?

bald ist herbst: astern … oder symphyotrichum oder eurybia? s. novi-belgii, die neubelgische, oder s. novae-angliae, die neuengland-aster, sind importe. produkte des europäischen kolonialismus. die botaniker hatten die bereits von vergil erwähnte aster amellus, die berg- oder kalk-aster, vor augen. der eurozentrische blick durch die botanische brille …

kann man sich langfristig im garten hinter hecken, zäunen oder mauern mit ein paar blümchen und „etwas“ deko einbunkern? machen gartenhistoriker ewig so weiter mit formalen spielchen ohne referenz auf den sozialen, politischen und historischen kontext? ist „garten“ nichts anderes als sinnloser und -freier eskapismus???

virtuelles lapidarium: herkules farnese (ein griechischer halbgott in kassel …)

in vielen gärten steht er: herkules oder herakles, besonders der farnesische. der halbgott Ἡρακλῆς aus der griechischen mythologie war das herrschersymbol des ancien régime. ob als baby mit einer schlange wie in het loo, ein sinnbild für den jungen willem van oranje, oder im kampf mit der hydra im herkulesteich des neuwerkgartens in gottorf (schleswig). im 18 jh. veränderten sich die politische selbstdarstellung und der gartengeschmack: herkules verlor seinen stellvertreterposten auf dem sockel im beet an appolon …

ein griechischer halbgott in kassel:

Der Carlsberg ist ein großer waldvoller Berg, berühmt genug durch das darauf angelegte herrliche Werk der Architectur und der Wasserkünste. Man erblickt überall vortreffliche Wälder von Buchen, und an den leeren Plätzen eine Menge herrlicher Anpflanzungen, besonders von einheimischen und ausländischen Nadelhölzern, Hayne von Lerchenbäumen und Weyhmouthsfichten, von Rothbüchen und Silberpappeln, von Tulpenbäumen und virginischen Robinien. […] Bey hellem Wetter übersieht man hier fast eine kleine Welt, die schöne Stadt Cassel und ringsumher auf sieben und zwanzig Dörfer in den umliegenden Landschaften. Man bemerkt leicht aus den Vortheilen dieser Lage, daß die Kunst der Bearbeitung hier einen der schönsten Gärten in Europa bilden kann.

[…]

Wenn indessen für die Nachahmung der mythologischen Fabel in Gärten ein Ort schicklich ist, so behauptet der Carlsberg allerdings seinen Vorzug. Das ungeheure Werk und der Anblick des colossalischen Hercules, der oben aus den Wolken auf das Werk, das mit seiner Stärke vollendet ist, herabschauend sich nun einer stolzen Ruhe zu überlassen scheint, versetzt die Einbildungskraft auf einmal in die heroischen Zeiten des Alterthums. Diese erhabene Scene, der Berg, der fast den Namen eines Gebirges verdient, die auf seiner Höhe wallenden Wälder, die vielen angepflanzten Hayne von dunklen Nadelhölzern, verbreiten eine ehrwürdige Feyerlichkeit über die ganze Gegend. Und dieser Eindruck könnte allerdings noch durch eine wohl gewählte und zusammenhängende Reihe mythologischer Scenen, die jetzt nur zerstreut oder vermischt erscheinen, ungemein verstärkt werden.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 5, leipzig 1785.

70,5 m: auf dem oktagon mit pyramide (1701 bis 1717) von giovanni francesco guerniero der herkules aus kupferblech vom augsburger goldschmied johann jacob anthoni, stolze 8,30 m. auftrageber war landgraf karl von hessel-kassel. ein document des barocken machtanspruches des auftragsgebers auf den karlsberg im habichtswald. gesamthöhe mit berg: 596 m. ab 1785 unter dem ur-enkel wilhelm IX., später als kurfürst I., von hessen-kassel in einem english landscape garden umgewandelt. Weiterlesen

gartenbücher (pflanzen – kultur)

pflanzengesellschaften, matrix und drifts, borders. der blick auf einzelne pflanzen geht verloren. details gehen im farbrausch unter. zwei bücher schärfen den blick und rücken die kulturgeschichte der pflanzen in den vordergrund. wenn man sich mal wieder was buntes aus dem baumarkt oder eine seltene sorte vom pflanzenmarkt holt, bringt man nicht nur farbe in den garten. gleichzeitig kommt eine botanische und kulturelle geschichte ins beet. gartenkultur! zwei bücher, die nicht nur kulturell von interesse, sondern für emsige gartenbuchleser eine augenweide sind:

abutilon bis viola elatior: fotografie & botanik

walter benjamin schrieb, in seiner besprechung des buches ‚urformen der kunst‘ (→ ’neues von blumen‘ & blümchen), dass die fotos von karl blossfeldt „einen ganzen unvermuteten Schatz von Analogien und Formen“ erschliessen. blossfeldt veröffentlichte die bilder ohne beschreibung: „Man wird aber das Schweigen des Forschers ehren, der diese Bilder hier vorlegt. Vielleicht gehört sein Wissen zu jener Art, die den stumm macht, der es besitzt.“ ‚urformen der kunst‘ erschien 1928. 1932 folgte ‚wundergarten der natur‘. die rezeption der bilder blieb formal, auf analogien beschränkt. foto-ästhetik, neue sachlichkeit & l’art pour l’art. der band ‚karl blossfeldt – meisterwerke‘ mit einer auwahl aus dem blossfeldt archiv der stiftung ann und jürgen wilde bringt blossfeldt ein wenig zurück in die botanik. neben den grossen tafeln im buch finden sich im hinteren teil des bandes „botanische erläuterungen“ von hansjörg küster, professor für pflanzenökologie am institut für geobotanik der leibniz universität hannover, autor von bücher über die natur- und kulturgeschichte der elbe, der nord- und ostsee und ‚die entdeckung der landschaft‘ im allgemeinen. Weiterlesen

„At Christmas I no more desire a Rose, …“

rose_winter_500

At Christmas I no more desire a Rose,
Then wish a Snow in Mayes new fangled showes:
But like of each thing that in season growes.

william shakespeare, ‘loues labour’s lost’, act I., scene I. (first folio, london, 1623).

syrische (bzw. persische) rosen mit asyl in europäischen gärten: rosa x damascena

geopolitik

der geografische ursprung, bzw. die herkunft, ist ein komplexes thema. die heutigen grenzen in der region sind, wie sich an den von den europäer mit dem lineal gezogenen grenzlinien ablesen lässt, ein künstliches gebilde. das antike persische grossreich (das altpersische, zu dem das heutige syrien gehörte, und das neupersisches reich der sassaniden). alexander der grosse. imperium romanum & byzantinisches reich. die eroberung durch die arabischen umayyaden. anfang des 16. jh. das osmanische reich & nach dessem untergang die europäer. das heutige syrien, zuletzt unter dem völkerbundmandat für syrien und libanon, mandat français en syrie, wurde 1946 unabhängig. religiöse fragen (cf. kreuzzüge) und grenzziehungen mal beiseite gelassen …

von persien ist uns unser vorstellung vom paradies geblieben: paradaidha (umgrenzter bereich), der altpersische begriff für garten wurde in den europäischen sprachen und im hebräischen übernommen/entlehnt.

das interesse des westens an den gebieten des ehemaligen persischen grossreiches ist vor allem einem exportprodukt zu verdanken: öl. erdöl. vor der industrialisierung europas war das gefragte luxusprodukt aus diesem gebiet ein anderes öl: rosenöl. im heutigen iran (veraltet persien) um kāschān in der provinz isfahan, um schiras (fars) und um kerman (in der gleichnamigen provinz) sowie in afghanistan in der provinz kabul wurde und wird die damaszener-rose angebaut, um rosenöl zu gewinnen. in afghanistan gibt es versuche, die rosenölproduktion zu forcieren, um andere alternative erwerbszweige zum traditionellen anbau von papaver somniferum / schlafmohn für die herstellung von opium zu schaffen.

in europa, im bulgarischen kasanlak, wird im tal der rosen (pозова долина) die rosa x damascena ‚trigintipetala‘, syn. ‚rose von kazanlik‘ oder ‚bulgarische ölrose‘ mit hell rosa blüten, die während des osmanischen reiches dort hin kam, für die gewinnung von rosenöl angebaut. in frankreich, um grasse, wird die rosa x centifolia / zentifolie oder provence-rose (von holländischen züchtern, zwischen dem 17. und 19. jhr) angebaut. eine kreuzung aus rosa gallica, r. moschata, r. canina und r. x damascena. Weiterlesen

„mit schönen Glöcklein behenckt“: digitalis / fingerhut

WaldtGlöcklein oder Fingerkraut. […]

In den hohen dunckelen Wäldern / und in den finsteeen feuchten Thälern / als im Schwartzwald / Waßgaw [südteil des pfälzerwaldes und nordteil der vogesen] und Ydar / an den orten da mann Kolen brennet / als umb die Eysenschmitten / würdt diß gewächß mit seinen schönen Glöcklein im hewmonat [heumonat, juli] Und Augustmonat gefunden / seine schwartzgrüne / lange / und breytte Blätter seind zu rings umd etwas zerkerfft / vergleichen sich etlicher massen der Waldtwullen / doch etwas schmähler. Im Brachmonat [juni] dringet der runde Stengel auß der kurtzen zasechten Wurtzel / Elen hoch ubersich / ist von unden an / biß oben aussen / mit schönen Glöcklein behenckt / etliche seind gäl / die anderen schön braunroth / ohn allen geruch / so die außfallen / folgen hernach runde bollen / oder knöpfflein / allerdings wie die bollen am Goldt knöpfflein kraut / darinn ist verschlossen der lang breyt Samen / und ist solch gewächß am geschmack vast bitter.

Von den Namen.

Der blätter und stengel halben / möcht diese Waldtschell wol bey Verbasculis [verbascum / königskerzen] herberg finden / in Diosco[rides] lib. iiif cap. xcix. Aber der blumen und wirckung halben / stünds nicht ubel von der den Bynsaugen [melissa officinalis / melisse]/ Galiopsis [galeopsis / hohlzahn] / Diasco[rides] lib. iiij. Cap. rc. Ein jeder halts war für er will / wir nennen diß Kraut / der spitzigen glöcklein halben / Waldglöcklin / Nola sylvestris / andere sagen ihm Fingerkraut / Digitalis.

Wegen der Blätter würdt diß simplex Verbascum geheissen / weil er den Verbascis gleich. Aber der Blumen halben / so sich einem Fingerhut und Glöcklein vergleichen / heist es nicht unbillich Digitalis & campanula. […]

Von der Kraft und Würckung.

Der geschmack zeyget an / das diß gewächß von art und natur warm und trucken sein muß / derhalben möcht es zur Artzney mit andern gewächsen zu den dingen / so erwärmens / zertheylens / und reinigung bedörffen / genommen und gebraucht werden.

Weil diß simplex sehr bitter ist / wie Entian / so ist offenbar / das es zimlich trucken und hitzig. .Zertheilt / eröffnet / säubert und reiniget. Dann es lehret Galenus [galenos von pergamon, galen] l 4 simpl. c. 7. das die simplicia, so sehr bitter / reinigen / abwüschen / säubern / das Geäder eröffnen / die zähen duecken feuchtigkeiten zertheylen / den Koder und Eytter auß der Brust und Lungen machen außwerffen.

hieronymus bock, ‘new kreütter buch […]‘ zitiert nach der 4. ausgabe: hieronymus bock, melchior sebisch, ‚kräutterbuch weylandt des weitberhümmten vndt hocherfharnen herren hieronymi tragi genant bock‘, strassburg, 1630 Weiterlesen

kreütter, hieronymus bock, hornbach

Alleyn ist das unser fürhabende arbeyt / das wir die Gewechß / als kreütter / wurtzel blumen und samen / so zům mererheyl eyn zeitlang verdunckelt bliben / herfürbringen / wider auß streichen / unnd yederman die selbigen zu erkennen geben / mit darstellung allerirer würckung. Erstlich / wie eyn yedes seiner art und geschlecht nach auffwachß / wie es blüe / und besame zů welcher zeit im jar / unnd in welcherley erdstrich eyn yedes am besten zů finden seie. Nach diser abmalung und der gewechßdarstellung / haben wir auch die ersten alten und gegründete namen der selbigen auß den Griechischen / Lateinischen / unnd Arabischen büchern stückwerck so vil müglich zůsamen getragen. Darzů auch die Teütschen namen / umb der Teutschen willen / denen diß buch zů liebnuß geschriben / zů orderst gesetzet. […] Zůletst aller gesetzter kreütter natur und art wie eyn yedes innerlich uń ausserhalb des leib zů geniessen sei / nach der leer der alten / als Nicandzi [nikandros aus kolophon] / Dioscor[ides] und Theoph[rastos] auch was wir selbs erfaren haben.

hieronymus bock, ’new kreütter buch von underscheydt, würckung und namen der kreütter so in teütschen landen wachsen ; auch der selbigen eygentlichem und wolgegründtem gebrauch in der artznei, zu behalten und zu fürdern Leibs gesuntheyt fast nutz und tröstlichen, vorab gemeynem verstand‘, strassburg, 1539.

bock_hornbach_500

gedenkstein für hieronymus bock  in hornbach am ehemaligen kloster hornbach. porträt von david kandel.

die pflanze zum sonntag: tanacetum balsamita / bibelblatt

bibelblatt_blüte_500

tanacetum balsamita l. oder balsamita vulgaris / frauenminze, balsamkraut, marienblatt, bibelblatt, …

ursprünglich aus dem mittelmeerraum ist die pflanze bereits in der ‚capitulare de villis vel curtis imperii‘ (um 812), der von karl dem grossen erlassenen landgüterverordnung, als costum zu finden. im st. galler klosterplan (zwischen 819 und 826 im kloster reichenau entstanden) wird eine pflanze als costo bezeichnet. der reichenauer abt walahfrid strabo beschreibt ihre medizinische wirkung im ‚liber de cultura hortorum‘ (kurz ‚hortulus‘, um 840). im kapitel über sclarea (salvia sclarea / muskatellersalbei), wobei nicht ganz geklärt ist ob es sich hier nicht um tanacetum balsamitoides schultz. bip. / wucherblumen handelt:

[…]. eam iuxta hortensis non extima costi

Silva latet stomachique moras ventremque salubri

Provocat auxilio radicis munere coctae.

Neben dem Salbei steht verborgen, nicht als geringste Staude, die Frauenminze. Kocht man ihre Wurzel, befördert sie, heilsam helfend, träge Verdauung und Stuhlgang.

übersetzt und hrsg. von otto schönberger, stuttgart, 2002. Weiterlesen

wiesenbau im oberharz im allgemeinen & pfingsten auf den buntenböcker bergwiesen

bergwiesen? als erstes denkt man an eine alm (bayerisch) oder alp (alemannisch) in den alpen:

Wann nun von Titans Glanz die Wiesen sich entzünden,
Und in dem falben Gras des Volkes Hofnung reift;
So eilt der muntre Hirt nach den bethauten Gründen;
Eh‘ noch Aurorens Gold der Berge Höh durchstreift.
Aus ihrem holden Reich wird Flora nun verdränget,
Den Schmuck der Erde fällt der Sense krummer Lauf,
Ein lieblicher Geruch aus tausenden vermenget,
Steigt aus der Bunten Reyh gehäufter Kräuter auf,
Der Ochsen schwerer Schritt führt ihre Winter=Speise,
Und frohlockend Lied begleitet ihre Reise.

albrecht von haller, ‘die alpen’, 1729, in ‘versuch schweizerischer gedichte’, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

bergwiesen im oberharz

bubo_bergwiesen_garten_postkarte_500

buntenbock mit bergwiesen. blick vom hasenbacher teich mit einem garten auf den wiesen. l. der ziegenberg; r. der clausberg; dazwischen m. das flurstück ‚taube frau‘; im hintergund der höhenzug ‚auf dem acker‘. postkarte (poststempel 1943). Weiterlesen

gartenkunst: osterspaziergang im lwl-museum für kunst und kultur, münster

gartenkunst_lwl_800

l. o.: malus & ficus carica im garten eden: johann brabender, ‚adam und eva vom paradies des st. paulus-doms in münster‘, um 1545/50; r. o.: lilium candidum: ludger tom ring d. j., ‚vase mit lilien und iris, 1562; l. m.: sambucus nigra: carl gustav carus, ‚blühende holunderhecke im mondschein‘, um 1823; untere reihe v.l.n.r.: pavo am wannsee (gutspark neukladow): max slevogt, ‚blumengarten in neu-cladow‘, 1912; populus nigra ‚italica‘: ludger gerdes, model ’schiff für münster‘, skulptur projekte 1987 & warten auf 2017: jeremy deller, ’speak to the earth and it will tell you‘, skulptur projekte 2007.