winter: „Hinter dieser Hecke, jetzt kahl …“ / ’naturgedichte, I (svendborg)‘ von bertolt brecht

Durch das Fenster, die zwölf Quadrate
Sehe ich einen knorrigen Birnbaum mit hängenden Zweigen
In einem unebenen Rasen, auf dem etwas Stroh liegt.
Er ist begrenzt durch einen Trakt aufgeworfener Erde
In die Büsche gepflanzt sind und niedere Bäume.
Hinter dieser Hecke, jetzt kahl im Winter
Läuft der Fußweg, begrenzt durch ein Gatter
Kniehoher und weißgestrichener Latten: schon einen Meter hinter ihm
Steht ein kleines Haus mit zwei Fenstern im grünen Holzrahmen
Und einem Ziegeldach, das so hoch wie die Mauer ist.
Die Mauer ist sauber weißgetüncht, auch die paar Meter Mauer
Die das Haus nach der Seite verlängern, nachträglich angebaut
Sind sauber weißgetüncht. So wie zur Linken, wo sie etwas zurücktritt
Ist eine grüne Holztür auch in dem Anbau
Und da auf der anderen Seite des Hauses der Sund anfängt
Dessen Wasserfläche nach rechts im Nebel liegt
Holzschuppen und Sträucher vor sich
Hat das kleine Haus wohl im ganzen drei Ausgänge.
Das ist gut für Bewohner, die gegen das Unrecht sind
Und von der Polizei geholt werden können.

bertolt brecht, ’naturgedichte,  I (svendborg)‘

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winter: grünkohl / ’nachricht von dem anbau und von der erhaltung des grünen kohls, zur winters-zeit‘ von philipp ernst lüders

Erstlich bin dahin bedacht, daß ich einen guten, von Geschmack angenehmen, Kohl besitze. Unter allen Kohl=Sorten halte die hellgrüne und krause für die allerbeste zum Küchengebrauch. Obgleich der schlechtblätterige Kohl zum Gebrauch bey dem Vieh nutzreicher, und die Sprossen aus dem Stamm weit zahlreicher sind; so ist er doch ungleich zäher und der Gefahr von den Raupen weit mehr unterworfen. Man will zwar fürgeben, daß er gleichfalls im Winter haltbarer sey, als der grüne krause; allein, wenn man gleich ein Exempel davon aufweisen könnte; so dürfte es eben so leicht seyn, den Beweis von einem gegenseitigen Exempel anzuführen. Von dem Vorzug: Ob die dunkele, oder die grüne Farbe in der Schüssel dem Liebhaber besser ins Auge falle, will ich nichts melden, weil darin das Urtheil ungleich ausfallen dürfte. Dies aber wird an dem hellgrünen krausen Kohl als ohnstreitig können bemerkt werden, daß er ungemein zart sey, sehr gut und lieblich schmecke, leichter und geschwinder sich kochen lasse, und die Feuerung dabey ersparet werde; Ferner, daß, wenn man fürsichtig mit dem Samen=Zug verfährt, er nie ausarte; und endlich, daß er in solchen Jahren, in welchen die Raupen vielen Schaden anrichten, eine natürliche Fähigkeit an sich habe, deren Wuth zu widerstehen.

Was ich von dessen vorzüglichen Tugenden angeführt, das kan der Augenschein, das Gefühl, der Geschmack und die Erfahrung am sichersten beurtheilen. Von dem Geschmack habe vorher gesagt, daß ich über dessen Ausspruch mich nicht einlassen will; dies dürfte aber wol gewiß seyn, daß, wenn er Einem nicht anständig seyn sollte, Zehen dargegen sich für ihn geneigt erklären dürften. Daß er in der Dauer und in seiner Güte unveränderlich seyn könne, davon kan ich den sichtbaren Beweis führen, indem ich ihn über 20 Jahre lang unverändert erhalten habe. Mir ist auch nicht bange, daß er sich jemals verändern und schlechter werden wird.

philipp ernst lüders, ’nachricht von dem anbau und von der erhaltung des grünen kohls, zur winters-zeit‘, flensburg, 1772

botanik im schlossgarten, münster

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querbeet im februar

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obere reihe l. grosses bild: erster arbeitseinsatz; l.o.: sambucus nigra ‚black lace‘; l.u.: ornithogalum umbellatum / dolden-milchstern & selbst ausgesäte fritillaria meleagris? (beim ramschfloristen blühen die schachbrettblumen schon für € 2,95 im deko-töpfchen …); untere reihe l.o.: rosa x alba ‚königin von dänemark‘ mit unscharfer abies nordmanniana / recycelter weihnachtsbaum; l.u.: calamagrostis x acutiflora ‚karl foerster‘ (nach rückschnitt mit austrieb), lunaria annua / einjähriges silberblatt (im zweiten jahr …) & morina longifolia / langblättrige kardendistel ; grosses bild: ein versuch den traffic zu erhöhen … galanthophilie für die statistik …

querbeet im januar

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berlin (betender knabe, alexander von humboldt, magnus-haus, etc.)

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„At Christmas I no more desire a Rose, …“

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At Christmas I no more desire a Rose,
Then wish a Snow in Mayes new fangled showes:
But like of each thing that in season growes.

william shakespeare, ‘loues labour’s lost’, act I., scene I. (first folio, london, 1623).

wintergarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Wir, die wir in Ländern wohnen, wo diese Jahreszeit sich in ihrer Strenge zeigt, wir müssen suchen, uns gegen ihre Unbequemlichkeiten zu sichern, und zugleich von den ihr eigenen Annehmlichkeiten, womit sie zuweilen einige Tage oder Wochen erheitert, den vortheilhaftesten Gebrauch zu machen. Wir haben einen Beruf, selbst gegen den Eigensinn der Natur, uns Gärten des Winters zu schaffen.

Eben in den Ländern gegen Norden, wo die Strenge dieser Jahreszeit mehr als anderswo zu herrschen pflegt, wird sie zugleich durch Annehmlichkeiten vergütet, die Gegenden entbehren, wo ein zwar gelinder, aber trüber und ungesunder, Winter unter Regen und Nebel dahin schleicht. Die Natur, die erstarrt ist, verliert noch im Tode ihre Schönheit nicht; sie fängt an, sogar zu einem neuen Reiz sich wieder zu verjüngern. Welche neue unerwartete Schöpfung erscheint oft am Morgen in dem Schmuck des Reifes oder Schnees, und wie schimmert sie unter dem röthern Strahl des aufgehenden Lichtes! Die Fläche des Erdbodens kleidet sich in ein weißes blendendes Gewand; der Himmel verbreitet sich über sie in blauer Klarheit dahin, und hie und da unterbrechen zuweilen kleine umherschwebende Schneegewölke mit wechselnden Farben und Gestalten seine allgemeine Helle. Die Bäume scheinen die Blüthe des Frühlings nachzuahmen; an den Gebüschen glimmern und zittern die silbernen Fäden des Reifes; und in der Ferne hebt hie und da ein Wald sein glänzendes Haupt aus der großen weißen Masse empor. […]

Die Bestimmung eines Wintergartens ist eingeschränkt. Schutz vor der Witterung und Bequemlichkeit zum Genuß der frischen Luft und zum Spatziergang ist das Vornehmste, was man hier zu verlangen berechtigt ist. Das Auge sucht zwar auch Ergötzung sowohl durch den Anblick des Grüns, als auch durch Aussichten auf anmuthige Winterscenen, wie sie oben beschrieben wurden. Allein das Bedürfniß geht hier der Schönheit vor; die Regelmäßigkeit fordert ihre Stelle, wo sie Bequemlichkeit wird; und eine südliche Mauer, die dem Spatziergänger und den Gewächsen Wärme giebt, darf selbst den schönern Prospect verschließen.

Der Wintergarten sey nicht zu entfernt von dem Wohnhause, und beschirmt vor rauhen durchziehenden Winden, besonders vor dem Nordwind. Er verbreite sich gegen Mittag, der Sonne und ihrer Wärme offen. Sein Platz sey trocken und etwas erhöhet. Die Wege müssen kiesigt, fest, und überall, wo sie herumlaufen, vor dem Winde bschützt seyn. Verstattet die Lage und der Umfang der Gegend zugleich bequeme Reitwege, die jedoch von den Fußpfaden abgesondert seyn müssen, so gewinnt die Anlage einen Vorzug mehr.

[…]

Ein wohlgebautes Gewächshaus, das die ausländischen Pflanzen, die oft in dieser Jahreszeit blühen und duften, verpflegt, scheint besonders für einen Wintergarten zu gehören. Es kann mitten in der Pflanzung selbst ein sehr interessanter Gegenstand für das Auge werden, und, in gewissen Stunden eröffnet, eine wollüſtig täuschende Empfindung von der Gegenwart der schönen Monate erregen. Mit ihm läßt sich ein Vogelhaus zum höhern Reiz der Anlage vortheilhaft verbinden. Auch die oben bedeckten und inwendig mit Gemälden und Statüen gezierten Säulengänge der Alten, die im Winter nur gegen Süden offen waren, um die Mittagssonne hereinzulassen, verdienen wegen des bequemen Spatzierganges in Gärten dieser Jahreszeit eine Nachahmung.

Uebrigens kann der Wintergarten eine solche Lage und Anordnung haben, daß er selbst noch in den blühenden Monaten angenehm und ein schicklicher Theil von dem Ganzen der für die andern Jahreszeiten gemachten Anlagen bleibt.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

„the orchard, a place that is not so often included“ / ‚colour in the flower garden‘ von gertrude jekyll

[…] the orchard, a place that is not so often included in the pleasure-ground as it deserves. For what is more lovely than the bloom of orchard-trees in April and May, with the grass below in its strong, young growth; in itself a garden of Cowslips and Daffodils. In an old orchard how pictorial are the lines of the low leaning old Apple-trunks and the swing and poise of their upper branches, best seen in winter when their graceful movement of line and wonderful sense of balance can be fully appreciated. But the younger orchard has its beauty too, of fresh, young life and wealth of bloom and bounteous bearing.

Then if the place of the orchard suggests a return to nearer pleasure-ground with yet some space between, how good to make this into a free garden orchard for the fruits of wilder character; for wide-spreading Medlars, for Quinces, again some of the most graceful of small British trees; for Service, Damsom, Bullace, Crabs and their many allies, not fruit-bearing trees except from the birds‘ and botanists‘ point of view, but beautiful both in bloom and berry, such as the Mountain Ash, Wild Cherry, Blackthorn, and the large-berried White-thorns, Bird-cherry, White Beam, Holly and Amelanchier. Then all these might be intergrouped with great brakes of free-growing Roses and the wilder kinds of Clematis and Honeysuckle. And right through it should be a shady path of Filberts or Cobnuts arching overhead and yielding a bountiful autum harvest.

gertrude jekyll, ‚colour in the flower garden‘, london, 1908.

galanthophilie ?

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einzelnes galanthus / schneeglöckchen auf dem kontrollgang: warten auf die → bluebells (unscharf, rechts) …