pückler fährt durch die niederlande: landschaft als garten & die kultivierung der heide / ‚briefe eines verstorbenen‘ von hermann von pückler-muskau

Rotterdam, den 25sten [september 1826]

[…], und wirklich von magischer Wirkung ist dagegen der weite Garten, welcher sich zwischen Arnheim und Rotterdam ausbreitet. Auf einer Chaussée, von Klinkern (sehr hart gebrannte Ziegel) gebaut, und mit feinem Sande überfahren, eine Straße, die durch nichts übertroffen werden kann, und nie auch nur die schwächste Spur eines Gleises annimmt, rollte der Wagen mit jenem leisen, stets den gleichen Ton haltenden Gemurmel des Räderwerks hin, das für die Spiele der Phantasie so einladend ist. Obgleich es in dem endlosen Park, den ich durchstrich, weder Felsen noch selbst Berge giebt, so gewähren doch die hohen Dämme, auf welche der Weg zuweilen hinansteigt, die Menge, große Massen bildender Landsitze, Gebäude und Thürme, wie die vielen aus Wiesen, Ebnen, oder über klare Seen auftauchenden kolossalen Baum-Gruppen, der Landschaft eben so viel Abwechselung von Höhe und Tiefe, als malerische Ansichten der verschiedensten Art; ja ihre größte Eigenthümlichkeit besteht eben in dieser unglaublichen Bewegung und Mannichfaltigkeit der Gegenstände, die ohne Aufhören die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Städte, Dörfer, Schlösser mit ihren reichen Umgebungen, Villen von jeder Bauart mit den niedlichsten Blumengärten, unabsehbare Grasflächen mit Tausenden weidender Kühe, Seen, die im Umfang von 20 Meilen blos durch Torfstich nach und nach entstanden sind, unzählige Inseln, wo das baumlange Schilf, zum Decken der Dächer sorgfältig angebaut, Myriaden von Wasservögeln zur Wohnung dient – alles bietet sich fortwährend die Hand zu einem freudigen Reigen, in dem man wie im Traume durch flüchtige Pferde fortgerissen wird, während immer neue Palläste, immer andere Städte am Horizont erscheinen, und ihre hohen gothischen Thürme in dämmernder Ferne mit den Wolken sich verschmelzen. Eben so läßt in der Nähe eine oft groteske und stets wechselnde Staffage keinem Gefühl der Einförmigkeit Raum. Bald sind es seltsam mit Schnitzwerk und Vergoldung verzierte Wagen ohne Deichsel, und von Kutschern regiert, die in blauen Westen, kurzen schwarzen Hosen, schwarzen Strümpfen und Schuhen mit ungeheuren silbernen Schnallen, auf einer schmalen Pritsche sitzen; oder zu Fuß wandernde Weiber mit sechs Zoll langen goldnen und silbernen Ohrringen behangen, und chinesischen Sommerhüten, gleich Dächern auf den Köpfen; bald zu Drachen und fabelhaften Ungethümen verschnittene Taxus-Bäume, oder mit weiß und bunter Oelfarbe angestrichene Lindenstämme, asiatisch mit vielfachen Thürmchen verzierte Feueressen, absichtlich schief liegend gebaute Häuser, Gärten mit lebensgroßen Marmor-Statuen in altfranzösischer Hofkleidung durch das Gebüsch lauschend, oder eine Menge 2 – 3 Fuß hoher, spiegelblank polirter Messingflaschen auf den grünen Wiesen am Wege stehend, die wie pures Gold im Grase blinken, und doch nur die bescheidne Bestimmung haben, die Milch der Kühe aufzunehmen, welche daneben von jungen Mädchen und Knaben emsig gemolken werden – kurz eine Menge ganz fremder ungewohnter und phantastischer Gegenstände bereiten jeden Augenblick dem Auge eine andere Scene, und drücken dem Ganzen ein vollkommen ausländisches Gepräge auf. Denke Dir nun dieses Bild noch überall in den Goldrahmen des schönsten Sonnenscheins gefaßt, geziert mit der reichsten Pflanzenwelt, von riesenhaften Eichen, Ahorn, Eschen, Buchen bis zu den kostbarsten ausgestellten Treibhaus-Blumen herab, so wirst Du Dir eine ziemlich genaue, und keineswegs übertriebene Vorstellung von diesem wunderbar herrlichen Theile Hollands machen können, und dem hohen Vergnügen meiner gestrigen Fahrt.

Nur ein Theil derselben machte, hinsichtlich der Vegetation und Mannichfaltigkeit eine Ausnahme, war mir aber in anderer Hinsicht, wenn auch nicht so angenehm, doch nicht weniger interessant. Nämlich zwischen Arnheim und Utrecht findet man 4 Meilen lang den Sand der Lüneburger Haide, so schlecht als die schlechtesten märkischen Ebnen. Demohngeachtet, und so viel wirkt verständige Cultur! Wachsen neben den Kiefern-Gebüschen, die der Boden nebst dürrem Haidekraut allein von selbst hervorbringt, die wohl bestandendsten Anpflanzungen von Eichen, Weiß- und Rothbuchen, Birken, Pappeln u. s. w. freudig auf. Wo der Boden zu wenig Kraft hat, werden sie nur als Strauchwerk benutzt, und alle 5 – 6 Jahre abgetrieben, wo er etwas besser ist, als Stämme in die Höhe gelassen. Die herrliche Straße ist hier durchgängig mit wohlerhaltenen dichten Alleen eingefaßt, und, was mir merkwürdig war, ich fand, daß trotz des dürren Sandes Eichen und Buchen noch besser als Birken und Pappeln zu gedeihen schienen. Eine Menge der so überaus netten holländischen Häuser und Villen waren mitten in der wüssten Haide aufgebaut; mehrere noch im Werden, so wie die Anlagen darum her. Ich konnte mir nicht erklären, daß so viele sich gerade dies unwirthbare Terrain zu kostspieligen Etablissements ausgesucht, erfuhr aber, daß das Gouvernement weise genug gewesen sey, diesen ganzen, bisher als unbrauchbar liegen gelassenen Landstrich den angränzenden Gutsbesitzern und andern Vermögenden auf 50 Jahr unentgeldlich und Abgabenfrei zu überlassen, mit der einzigen Bedingung, es sogleich durch Anpflanzungen oder Feldbau cultiviren zu müssen. Später zahlen ihre Nachkommen eine sehr billige, entsprechende Rente. Ich bin überzeugt, nach dem, was ich hier gesehen, daß der größte Theil unsrer hungrigen Kiefernwälder durch ähnliches Verfahren und fortgesetzte Cultur in hundert Jahren in blühende Fluren verwandelt, und die ganze todte Gegend dadurch wahrhaft umgeschaffen werden könnte.

hermann von pückler-muskau, ‚briefe eines verstorbenen. ein fragmentarisches tagebuch aus deutschland, holland und england, geschrieben in den Jahren 1826, 1827 und 1828‘, bd. 3. stuttgart 1831

 

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„Die Natur wird erst rein Gegenstand für den Menschen, …“ / ‚grundrisse der kritik der politischen ökonomie‘ von karl marx

So schafft das Kapital erst die bürgerliche Gesellschaft und die universelle Aneignung der Natur wie des gesellschaftlichen Zusammenhangs selbst durch die Glieder der Gesellschaft. Hence the great civilising influence of capital; seine Produktion einer Gesellschaftsstufe, gegen die alle frühren nur als lokale Entwicklungen der Menschheit und als Naturidolatrie erscheinen. Die Natur wird erst rein Gegenstand für den Menschen, rein Sache der Nützlichkeit; hört auf, als Macht für sich anerkannt zu werden; und die theoretische Erkenntnis ihrer selbständigen Gesetze erscheint selbst nur als List, um sie den menschlichen Bedürfnissen, sei es als Gegenstand des Konsums, sei es als Mittel der Produktion, zu unterwerfen.

karl marx, ‚grundrisse der kritik der politischen ökonomie‘, (oktober 1857 bis mai 1858), zitiert nach mew marx-engels-werke, band 42, berlin 1983

gartenbücher (pflanzen – kultur)

pflanzengesellschaften, matrix und drifts, borders. der blick auf einzelne pflanzen geht verloren. details gehen im farbrausch unter. zwei bücher schärfen den blick und rücken die kulturgeschichte der pflanzen in den vordergrund. wenn man sich mal wieder was buntes aus dem baumarkt oder eine seltene sorte vom pflanzenmarkt holt, bringt man nicht nur farbe in den garten. gleichzeitig kommt eine botanische und kulturelle geschichte ins beet. gartenkultur! zwei bücher, die nicht nur kulturell von interesse, sondern für emsige gartenbuchleser eine augenweide sind:

abutilon bis viola elatior: fotografie & botanik

walter benjamin schrieb, in seiner besprechung des buches ‚urformen der kunst‘ (→ ’neues von blumen‘ & blümchen), dass die fotos von karl blossfeldt „einen ganzen unvermuteten Schatz von Analogien und Formen“ erschliessen. blossfeldt veröffentlichte die bilder ohne beschreibung: „Man wird aber das Schweigen des Forschers ehren, der diese Bilder hier vorlegt. Vielleicht gehört sein Wissen zu jener Art, die den stumm macht, der es besitzt.“ ‚urformen der kunst‘ erschien 1928. 1932 folgte ‚wundergarten der natur‘. die rezeption der bilder blieb formal, auf analogien beschränkt. foto-ästhetik, neue sachlichkeit & l’art pour l’art. der band ‚karl blossfeldt – meisterwerke‘ mit einer auwahl aus dem blossfeldt archiv der stiftung ann und jürgen wilde bringt blossfeldt ein wenig zurück in die botanik. neben den grossen tafeln im buch finden sich im hinteren teil des bandes „botanische erläuterungen“ von hansjörg küster, professor für pflanzenökologie am institut für geobotanik der leibniz universität hannover, autor von bücher über die natur- und kulturgeschichte der elbe, der nord- und ostsee und ‚die entdeckung der landschaft‘ im allgemeinen. Weiterlesen

in gesellschaft durch die festonallee: schloss bothmer

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hannover & great britain im klützer winkel

das schloss in klütz, zwischen lübeck und wismar, wurde von johann friedrich künnecke im auftrag von hans caspar von bothmer zwischen 1726 und 1732 gebaut. bothmer war hofjunker von sophia dorothea von celle (verheiratet mit dem hannoverscher kurfürsten georg ludwig aka george I., ab 1714 de iure königin von grossbritannien und bekannt als „prinzessin von ahlden“) in hannover. in seiner londoner zeit, ab 1711, in der hanoverian chancery, hatte bothmer seinen dienstsitz in 10 downing street. die fertigstellung von schloss bothmer erlebte er nicht mehr. seine neffe erbte das anwesen.

nach niederländischen (het loo und huis de voorst) und englischen (buckingham house, der vorgängerbau des heutigen palace) vorbildern, entstand eine flügelanlage aus backstein mit corps de logis und seitenflügeln mit je drei kavaliershäusern. gelegen auf einer rechteckigen garteninsel (siehe die gräften/kanäle in herrenhausen und het loo). der englische einfluss lässt sich auch an einigen noch erhaltenen sash windows, der holländische nicht an delfts blauw, sondern an harlinger bibelfliesen und amsterdamer landschafts- und hirtenfliesen ablesen. nach dem 2.weltkrieg wurde das bis dahin im familienbesitz befindliche schloss enteignet. ab 1948 diente das gebäude als feierabendheim clara zetkin und zeitweise als berufschule. ab 1990 blühten die landschaften, ab 1994 stand das gebäude leer … 1998 wurde das schloss an einen privaten investor verkauft, kaufpreis € 1: schlosshotel, etc. … der garten war nicht mehr öffentlich zugänglich. eines von vielen nach-wende-projekten. seit 2008 gehört das schloss dem land mecklenburg-vorpommern und wurde, finanziert durch die deutsche stiftung denkmalschutz, renoviert. seit mai 2015 ist das schloss wieder zugänglich.

der garten Weiterlesen

Perdita […] Reuerend Sirs,
For you, there’s Rosemary, and Rue, these keepe
Seeming, and sauour all the Winter long:
Grace, and Remembrance be to you both,
And welcome to our Shearing

Polixenes Shepherdesse,
(A faire one are you:) well you fit our ages
With flowres of Winter

Perd. Sir, the yeare growing ancient,
Not yet on summers death, nor on the birth
Of trembling winter, the fayrest flowres o’th season
Are our Carnations, and streak’d Gilly-vors,
(Which some call Natures bastards) of that kind
Our rusticke Gardens barren, and I care not
To get slips of them

Pol. Wherefore (gentle Maiden)
Do you neglect them

Perd. For I haue heard it said,
There is an Art, which in their pidenesse shares
With great creating-Nature

Pol. Say there be:
Yet Nature is made better by no meane,
But Nature makes that Meane: so ouer that Art,
(Which you say addes to Nature) is an Art
That Nature makes: you see (sweet Maid) we marry
A gentler Sien, to the wildest Stocke,
And make conceyue a barke of baser kinde
By bud of Nobler race. This is an Art
Which do’s mend Nature: change it rather, but
The Art it selfe, is Nature

Perd. So it is

Pol. Then make you Garden rich in Gilly‘ vors,
And do not call them bastards

william shakespeare, ‚the winter’s tale‘, act IV. scene III (first folio, london, 1623).

(jäger und) sammler

erinnerung an verbrauchten proviant beim wandern (oder war es spazierengehen?) in der pfalz:

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& was man beim auspacken des rucksacks / koffers so alles findet:

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maclura pomifera / osage orange oder milchorangenbaum. keine orange sondern ein maulbeergewächs / moraceae. ursprünglich aus dem süden der usa (texas, arkansas und oklahoma). benannt nach den indianerstamm der osage die aus dem holz bögen herstellten. die dornigen bäume eignen sich als hecken. die früchte werden nur von sciurus carolinensis / grauhörnchen gefressen. die wollen wir aber hier nicht füttern: rettet das sciurus vulgaris / rote europäische eichhörnchen!!! & → poncirus trifoliata / bitterorange.

aus dem weinberg für die verwilderung des „eigenen gartens“: anacetum vulgare / rainfarn, solidago / goldruten oder -rauten wahrscheinlich solidago gigantea / riesen-goldrute & apiaceae / doldenblütler.

hagebutten von zwei wilde rosen, morus nigra / schwarze maulbeere & parthenocissus quinquefolia / selbstkletternde jungfernrebe oder wilder wein (leider fehlt noch die treillage).

aufforstung oder essen? the same procedure as last year(s)… : → juglans regia / walnuss & → keschde (pfälz. dialekt f. ess- oder edelkastanie, lat.: castanea sativa).

rosa alba ‚königin von dänemark‘ / eine rose zum 350. geburtstag von altona, hamburg & die suche nach der dronning …

was macht eine königin von dänemark in hamburg?

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karte der unterelbe, detail.  hrsg.  friedrich wilhelm streit, geographisches institut weimar,  1811.

altona und das kongeriget danmark

altona entstand aus einer fischersiedlung an der elbe, in der grafschaft holstein-pinneberg. der legende nach war die keimzelle eine zwischen dem nobistor und dem altonaer fischmarkt gelegene kneipe, die den hamburger pfeffersäcken „all to nah“ war. getrennt waren sie nur durch das gebiet des heutigen stadtteils st. pauli. im jahre 1640 fiel altona an das herzogtum holstein und somit an den dänischen könig. altona, wie auch die herzogtümer schleswig und holstein, war zwar teil des heiligen römischen reiches, stand jedoch unter dänischer verwaltung. am 23. august 1664 verlieh der dänische könig frederik III. altona die stadtrechte: 350 jahre altona! in der stadt vor den toren hamburgs ging es freier zu als in der hansestadt: religionsfreiheit, keine zensur, handels- und gewerbefreiheit … die stadt sollte hamburg konkurrenz machen und war zeitweise die zweitgrösste dänische stadt nach kopenhagen. ab 1864, nach dem deutsch-dänischen krieg (cf. 150. jahrestags der schlacht an den düppeler schanzen), stand altona erst unter der verwaltung von österreich und preussen. 1867 kam altona, als teil der provinz schleswig-holstein, endgültig unter die pickelhaube. 1937, mit dem gross-hamburg-gesetz der nazis, wurde altona ein teil hamburgs. der kleine unterschied ist heute noch sichtbar: hamburg und der heutige hamburger bezirk altona führen beide ein stadttor mit drei türmen im wappen. das hamburger tor ist geschlossen. das altonaer tor geöffnet… & im hamburger wappen ist die elbe schon so weit vertieft, das sie nicht mehr zu sehen ist.

eine baumschule in klein-flottbek

um 1800 lies der hamburger kaufmanns- und senatorensohn caspar voght vor den (geschlossenen) toren hamburgs am elbhang in klein-flottbek (damals herzogtum holstein, heute bezirk altona) eine ornamented farm, ein landwirtschaftliches mustergut, anlegen caspar voght (1752‐1839). weltbürger vor den toren hamburgs. auf dem gelände befinden sich heute der jenisch-, der westerpark und der angrenzende derby-park. voght holte den schottischen gärtner jacob james booth nach flottbek. dieser eröffnete 1795 eine baumschule – james booth & sons – in unmittelbarer nähe zu voghts‘ mustergut. die baumschule gilt als „mutter“ der norddeutschen baumschulen. neben der beratung voghts bei der gestaltung der ornamented farm und der baumzucht widmete sich booth auch der züchtung von rosen.

eine dronning aus dem heutigen bezirk altona

aus einem sämling der rosa alba ‚great maiden’s blush‘ züchtete james booth 1816 die rosa alba ‚königin von dänemark‘. eine strauchrose mit rosa gefüllten, stark duftenden blüten und grau-grünem laub. benannt zu ehren der frau des damaligen dänischen königs frederik VI., marie sophie friederike von hessen-kassel (tochter des landgrafen karl von hessen-kassel, dänischer statthalter der herzogtümer schleswig und holstein). eingeführt wurde die rose 1826.

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abb. aus dem verkaufskatalog ‚1845. james booth & söhne. eigenthümer der flottbecker baumschulen, hamburg‘.

der direktor des ersten hamburger botanischen gartens (1821 auf dem gelände des heutigen parks planten un blomen, in den ehemaligen wallanlagen, gegründet) johann georg christian lehmann warf booth vor, die ‚königin von dänemark‘ stamme eigentlich aus frankreich und sei eine ‚belle courtisanne‘. ein streit entbrannte der george booth zur veröffentlichung eines buches veranlasste: ’sieg der rose königin von dänemark durch enthüllung der anschläge des professors j.g.c. lehmann‘, 1834 erschienen in paris.

die suche nach der dronning

die ‚königin von dänemark‘ blüht noch nicht im „eigenen garten“. der erste weg führte in den botanische garten, seit oktober 2012 loki-schmidt-garten, der in den 70igern nach klein-flottbek umgezogen ist. die noch gelungenste anlage eines öffentlichen rosengartens in hamburg. die auswahl der sorten ist jedoch, wie in allen folgenden gärten, sehr beschränkt. die obligatorischen klassiker, ansonsten ein schaugarten der im hamburger umland ansässigen züchter. es fehlt nur der firmenaufdruck und ein „sponsored by…“. zweiter versuch im rosengarten von planten un blomen: keine königin in nachbarschaft des ehemaligen botanischen gartens. dafür viele rosen mit namen von sogenannten prominenten, lokal- und c-promis. auffälligstes gestaltungsmerkmal: lochmetall-kübel-verstecker und papierkörbe in den beeten … hanseatische gartengestaltung. zum 250. jubiläum altonas, im rahmen der grossen gartenaustellung 1914, wurde ein rosengarten in altona (neumühlen) zwischen elbe und elbchaussee angelegt. 2005 wurde auf dem areal eine verkleinerte version des heckengartens aus dem garten von max liebermann am wannsee in berlin angelegt. eine hommage an liebermann und seinen hamburger freund alfred lichtwark. der name „rosengarten“ blieb, jedoch keine königin… habe ich die königin übersehen? die beschriftung ist in allen gärten dürftig bis verwittert, und die finanzierung der anlagen lässt sich, jetzt zur hauptblüte, gut ablesen: es sollte mal jemand, wenn es ihn denn gäbe, mit einer rosenschere durch die beete gehen…

& doch eine gefunden: auf dem planzenmarkt am kiekeberg ( pflanzen sammeln …), bei der baumschule schütt. der beitrag bekommt noch eine geknipste blüte. eine königin im regen:

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projekt 2015: eine ‚königin von dänemark‘ im „eigenen garten“, für den kübel leider zu gross. wenn ein platz im beet gefunden ist, wird nachgefeiert! bis dahin:

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h u r r a !  h u r r a !  h u r r a !

nachhaltigkeit / ’sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.

hans carl von carlowitz,  ’sylvicultura oeconomica‘, 1713

der begriff ’nachhaltigkeit‘ – heute ein, manchmal sehr strapaziertes, modewort für alle lebenslagen und bereiche – kommt aus der forstwirtschaft:  1713 ging es dem oberberghauptmann des kurfürstentums sachsen  hans carl von carlowitz (1645-1714) in seinem buch ‚sylvicultura oeconomica‚ um die „nachhaltene nutzung“ des waldes für den bergbau – eine neubeflanzung von gerodeten flächen, die später aber auch zu den für bergbaugebiete so typischen fichten-monokulturen geführt hat.

der vollständige titel des ersten werkes über die fortswirtschaft lautet:

„Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht, nebst Gründlicher Darstellung, wie zuförderst durch Göttliches Benedeyen dem allenthalben und insgemein einreissenden Grossen Holtz-Mangel, vermittelst Säe-Pflantz- und Versetzung vielerhand Bäume zu prospicieren, auch also durch Anflug und Wiederwachs des so wohl guten und schleunig anwachsend, als anderen gewüchsig und nützlichen Holtzes, ganz öde und abgetriebene Holtz-Ländereyen, Plätze und Orte wiederum Holzreich, nütz und brauchbar zu machen; Bevorab von Saam-Bäumen und wie der wilde Baum-Saamen zu sammeln, der Grund und Boden zum Säen zuzurichten, solche Saat zu bewerckstelligen, auch der junge Anflug und Wiederwachs zu beachten. Daneben das sogenannte lebendige, oder Schlag-an Ober- und Unter-Holz auffzubringen und zu vermehren, welchen beygefügt die Arten des Tangel- und Laub Holzes, thels deren Eigenschafften und was besagtes Holtz für Saamen trage, auch wie man mit frembden Baum-Gewächsen sich zu verhalten, ferner wie das Holz zu fällen, zu verkohlen, zu äschern und sonst zu nutzen. Alles zu nothdürfftiger Versorgung des Hauß-Bau-Brau-Berg- und Schmeltz-Wesens, und wie eine immerwährende Holtz-Nutzung, Land und Leuten, auch jedem Hauß-Wirthe zu unschätzbaren großen Auffnehmen, pfleglich und füglich zu erzielen und einzuführen, worbey zugleich eine gründliche Nachricht von den in Churfl. Sächß. Landen Gefundenen Turff Dessen Natürliche Beschaffenheit, grossen Nutzen, Gebrauch und nützlichen Verkohlung Aus Liebe zu ‚Beförderung des algemeinen Bestens beschrieben“.

karl foerster garten

dülmener herbstrosenapfel

dülmener herbstrosenapfel