gartenkunst: osterspaziergang im lwl-museum für kunst und kultur, münster

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l. o.: malus & ficus carica im garten eden: johann brabender, ‚adam und eva vom paradies des st. paulus-doms in münster‘, um 1545/50; r. o.: lilium candidum: ludger tom ring d. j., ‚vase mit lilien und iris, 1562; l. m.: sambucus nigra: carl gustav carus, ‚blühende holunderhecke im mondschein‘, um 1823; untere reihe v.l.n.r.: pavo am wannsee (gutspark neukladow): max slevogt, ‚blumengarten in neu-cladow‘, 1912; populus nigra ‚italica‘: ludger gerdes, model ’schiff für münster‘, skulptur projekte 1987 & warten auf 2017: jeremy deller, ’speak to the earth and it will tell you‘, skulptur projekte 2007.

 

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apfelernte (malus ‚finkenwerder herbstprinz‘)

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malus ‚finkenwerder herbstprinz‘ auf alexander girard’s eden: hat in diesem jahr sehr früh im kübel geblüht aber kaum äpfel. war die blüte zu früh für die bienen? im alten land, wo die sorte herkommt, heisst es gerade es sei eine gute ernte in diesem jahr (bis auf die polnischen äpfel die z.z. nicht nach russland gehen und als billig-obst den deutschen markt überschwemmen…).

ansonsten vorbereitungen zum apfel-sammeln in der e… (forstsetzung folgt).

„Dieser Bauerngarten sagt mir mehr als Versailles und Sanssouci.“ / ‚makartbouquet und blumenstrauß‘ von alfred lichtwark & “Erinnerungen aus aller frühester Kindheit”

Auch in den Gärten fing man an, sich mit kritischem Blicke umzusehen und entdeckte, daß man sich an viele Abgeschmacktheiten hatte gewöhnen lassen. Es gab kaum noch andere Gärten als die sogenannten englischen oder freien, das heißt Nachahmungen der von Menschenhand unberührten Natur. Büsche und Bäume wurden auf engstem Raum unregelmäßig verteilt, daß es aussehen sollte, als wären sie von selber dort gewachsen. Ein Grasplatz, die Nachahmung der Wiese, war selbst bei den kleinsten Vorgärten nicht zu entbehren und Hügel und Thal wurden markiert, wo sich zwei Fuß Niveauunterschied gewinnen ließen. Verschwunden waren die alten Bauerngärten und mit ihnen die uralten edlen Kulturblumen, die Akelei, der Rittersporn, der Goldlack, der Rosenbusch. Man fand sie nur noch auf dem Lande und der moderne Gärtner verachtete sie tief – Bauernblumen, Pastorsblumen. Im kleinen englischen Garten mit den direktionslosen Wegen kamen die Blumen kaum anders als in den runden Beeten der Grasplätze vor, ein roter Fleck Begonien, ein grausamer blauer Fleck Lobelien, eine unruhige stockige Zusammenstellung hochstämmiger Rosen. Man durfte sich im eigenen Garten keinen Blumenstrauß schneiden. Nur in den aus historischer Pietät gepflegten Königsgärten wie zu Versailles und Sanssouci konnte man die Reste einer verschwundenen großen Gartenkunst der Vergangenheit studieren. Daß auch die Bauern unserer Marschen an dem alten Kulturbesitzt des regelmäßigen Gartens festgehalten hatten, war fast unbekannt.
Ich machte mir einmal die Freude, einen Freund aus Berlin den wohlgepflegten Garten eines reichen Bauern in der Hamburger Marsch zu zeigen. Um mich an seiner Überraschung zu weiden, hatte ich ihm kein Wort von meiner Absicht verraten.
Schon beim ersten Anblick stutzte der Fremde. Hastig, ohne ein Wort zu sagen, trat er aus der Hausthür und eilte nach dem geraden Weg, der auf die große, geschorene Laube im Hintergrund zuführt. Er ließ seine Blicke über die Blumenbeete schweifen, die den Weg begleiten, über die regelmäßigen Gemüsebeete dahinter, sah mich verblüfft an, wandte sich nach allen Seiten und brach dann nach seiner lebhaften Weise in Verwunderung aus.
Das ist alt? rief er. Wirklich? – Dann haben unsere Bauern und auch in ihren Gärten ein Stück Kultur am Leben erhalten wie in ihren Möbeln, Fayencen und den herrlichen alten Hamburger Öfen? Wissen sie, davon habe ich gar keine Ahnung gehabt! – Nein, wie das gemüthlich aussieht, diese geraden Wege und buchsgefassten Beete, diese geschorenen Hecken und der große Würfel der Laube, und diese klassische Verbindung von Blumen- und Gemüsegarten, wie menschlich. Ich kann den breiten Weg in der Mitte gar nicht ansehen, ohne daß ich auch den Bauer oder den Pastor vor mir habe, der langsam auf- und abgeht, an der Buchseinfassung der Beete herumstutzt, eine Lilie anbindet oder ein Unkraut ausreißt. Gehen Sie doch ein paar Schritte nach der Laube zu – noch etwas weiter – nein! Wie famos eine menschliche Gestalt auf diesem flachen Boden, in dieser ruhigen Umgebung aussieht! Das ist alles auf den Menschen zugeschnitten. Haben Sie einmal darauf geachtet, wie zusammenhanglos ein Mensch über das schwankende Terrain unserer Stadtgärtchen wandelt? Man hat da eigentlich in seinem Garten gar nichts verloren und passt gar nicht hinein.
Merkwürdig, ich vermisse den Grasplatz gar nicht – dies ist einmal ein wirklicher Blumengarten, sehen Sie nur, wie der Rittersporn da auf dem Beete steht, unten mit schweren Blättern, oben alles leicht. Und das ist die Akelei, sagen Sie? Aber das ist ja eine der schönsten Blumen, die es überhaupt giebt. Und wie jede Pflanze zu ihrem Recht kommt! – Dabei die ganze Anlage – das ist ja einfach groß – eine solche Raumwirkung hätte ich bei so bescheidenen Abmessungen nicht für möglich gehalten. Hier gehe ich gar nicht wieder weg.
Und ich musste ihn gewähren lassen, bis er den Garten von allen Ecken und Winkeln betrachtet hatte. […]
Wollen Sie glauben, sagte er, ich fühle mich förmlich aufgewühlt. Was für eine Perspektive eröffnet dieser Rest ältester Kunstübung für die Wiederbelebung einer Gartenbaukunst, die ihren Namen verdient.
Dieser Bauerngarten sagt mir mehr als Versailles und Sanssouci. Auch im Garten ist die Monumentalität nicht an räumliche Ausdehnung gebunden. Alles ist groß in dieser Anlage, weil sie gute Verhältnisse hat. Da ist die Laube als beherrschender Mittelpunkt, sie ist an sich über das Maß entwickelt, aber der Garten enthält nichts größeres, deshalb wirkt sie mächtig. Große wilde Bäume daneben würden sie klein machen. Alle Büsche, die Johannisbeeren, die Stachelbeeren, sind von Natur klein, die Hecke wird von der Schere gebändigt. Wie fein sind diese Massen abgewogen!
Und diese Harmonie ist auf Dauer angelegt, wie es sich bei einem Kunstwerk gehört. Thut die Schere ihre Pflicht, so sieht der Garten in hundert Jahren aus wie heute, wo er wohl mehr als ein Jahrhundert ohne wesentliche Änderung steht. […]
Der alte Bauer, der diesen Garten angelegt hat, wußte auch, was Licht und Schatten bedeutet. Da sehen Sie nur, wie der dunkle, im Bogen geschlossene Eingang der Laube großartig und ernst in der Laubwand steht, er beherrscht eigentlich den ganzen Eindruck – und wie milde liegt das Sonnenlicht auf dem Rücken der Hecke und den runden Häuptern der Johannisbeer- und Stachelbeerbüsche.
[…] Wenn man aus Erfahrung klug werden kann, sollte bei der künstlerischen Umgestaltung des Gartens vom entgegengesetzten Ende angefangen werden. Denken Sie sich in diesen grünen Garten ein paar graue Steinvasen in edlen Umrissen, oder gegen die Wände der Laube zwei schöne Sandsteinfiguren – nicht wahr, das wäre überwältigend. Und käme dann das Wasser hinzu, in regelmäßigen Spiegeln steingefaßter Becken – oder als Springbrunnen, die Hecke überschneidend – ich möchte jubeln, wenn ich daran denke, daß ich die Zeit, die das wieder auferstehen läßt, noch erleben kann.
Sie sagen, es giebt hier herum noch Bauerngärten mit alten Statuen? – Nicht möglich! – Aber das müssen Sie mir noch zeigen. […]
Seine Begeisterung für den alten Garten that meinem Herzen wohl, und in meiner Seele wachten Erinnerungen aus aller frühester Kindheit auf, wo die geschorenen Hecken eines solchen Gartens meine Welt eingeschlossen hatten. Auf diesem Weg war der Liebe Gott gewandelt am Abend, da es kühl ward, hier hatte er sich umgesehen über die Stachelbeer- und Johannisbeerbüsche und hatte gerufen: „Adam, wo bist du?“ – während Adam und Eva sich in der dunklen Laube versteckt hielten, angstvoll und schuldbeladen, den sie hatten Äpfel weggenommen.

alfred lichtwark, ‚makartbouquet und blumenstrauß‘, münchen, 1894.

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von den vier- und marschlanden ins münsterland:

gartenlaube_alst_500   eine gartenlaube in einem münsterländer bauerngarten als hintergrund für ein hochzeitsfoto (ausschnitt), bauerschaft alst, albersloh,  januar 1914. die hecken und lauben eines westfälischen bauerngartens waren zumeist aus carpinus betulus / hainbuche. über 50 jahre später „Erinnerungen aus aller frühester Kindheit, wo die geschorenen Hecken eines solchen Gartens meine Welt eingeschlossen hatten“: die beeteinfassungen aus buxus / buchsbaum im garten meiner grossmutter…

[…]
I am for an art that takes into account the direct effect of the elements as they exist from day to day apart from representation. The parks that surround some museums isolate art into objects of formal delectation. Objects in a park suggest static repose rather than any ongoing dialectic. Parks are finished landscapes for finished art . A park carries the values of the final, the absolute, and sacred. Dialectics have nothing to do with such things. I am talking about a dialectic of nature that interacts with the physical contradictions inherent in natural forces as they are – nature as both sunny and stormy. Parks are idealizations of nature, but nature in fact is not a condition of the ideal. Nature does not proceed in a straight line, it is rather a sprawling development. Nature is never finished. When a finished work of 20th-century sculpture is placed in an 18th-century garden, it is absorbed by the ideal representation of the past, thus reinforcing political and social values that are no longer with us. Many parks and gardens are re-creations of the lost paradise or Eden, and not the dialectical sites of the present. Parks and gardens are pictorial in their origin – landscapes created with natural materials rather than paint. The scenic ideals that surround even our national parks are carriers of a nostalgia for heavenly bliss and eternal calmness.
Apart from the ideal gardens of the past, and their modern counterparts – national and large urban parks, there are the more infernal regions – slag heaps, strip mines, and polluted rivers. Because of the great tendency toward idealism, both pure and abstract, society is confused as to what to do with such places. Nobody wants to go on a vacation to a garbage dump. Our land ethic, especially in that never-never land called the „art world“ has become clouded with abstractions and concepts.
[…]

robert smithson ‚cultural confinement‘ im katalog documenta 5, ‚befragung der realität – bildwelten heute‘ kuratiert von harald szeemann, kassel, 1972. reprinted in ‚the writings of robert smithson‘, ed. by nancy holt, new york, 1979.

„People and plants are not so different.“ / dan pearson on commitment: sunday sermon, the school of life

  • nicht überall wo goethe draufsteht, ist weimarer klassik drin: der herr geheimrat hat viel geschrieben und geredet und wird für alle lebenslagen herangezogen. hauptsache goethe. hier ein link zum vermeintlichen goethe-zitat: „Until one is committed,…“

„I had a very good name for the estate, and it was musical and pretty – GARDEN OF EDEN.“ / extract from the ‚extracts from adam’s diary‘ by mark twain

Monday – This new creature with the long hair is a good deal in the way. It is always hanging around and following me about. I don’t like this; I am not used to the company. I wish it would stay with the other animals. […]

Tuesday – Been examining the great waterfall. It is the finest thing on the estate, I think. The new creature calls it Niagara Falls – why, I am sure I do not know. Says it LOOKS like Niagara Falls. That is not a reason, it is mere waywardness and imbecility. […]

Wednesday – Built me a shelter against the rain, but could not have it to myself in peace. The new creature intruded. […]

Friday – The naming goes recklessly on, in spite of anything I can do. I had a very good name for the estate, and it was musical and pretty – GARDEN OF EDEN. Privately, I continue to call it that, but not any longer publicly. The new creature says it is all woods and rocks and scenery, and therefore has no resemblance to a garden. Says it looks like a park, and does not look like anything but a park. Consequently, without consulting me, it has been new-named – NIAGARA FALLS PARK. This is sufficiently high-handed, it seems to me. And already there is a sign up

KEEP OFF THE GRASS

[…]

Tuesday – She has littered the whole estate with execrable names and offensive signs:

 This way to the Whirlpool

This way to Goat Island

Cave of the Winds this way

She says this park would make a tidy summer resort if there was any custom for it. Summer resort – another invention of hers – just words, without any meaning. What is a summer resort? But it is best not to ask her, she has such a rage for explaining.

mark twain, ‚extracts from adam’s diary‘, 1904

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albrecht dürer, ‚vertreibung aus dem paradies‘ aus der folge ‚kleine (holzschnitt)passion‘, 1509/10

rosie atkins – a history of garden design in 20 minutes

‚the garden‘ von den einstürzenden neubauten

You will find me if you want me in the garden

unless it’s pouring down with rain


You will find me waiting waiting for the fall

You will find me waiting for the apples to ripen

You will find me waiting for them to fall

You will find me by the banks of all four rivers

You will find me at the spring of conciousness

You will find me if you want me in the garden

unless it’s pouring down with rain

Vnd Gott der HERR pflantzet einen Garten in Eden / gegen dem morgen / vnd setzet den Menschen drein / den er gemacht hatte. Vnd Gott der HERR lies auffwachsen aus der Erden allerley Bewme / lüstig an zusehen / vnd gut zu essen / Vnd den Bawm des Lebens mitten im Garten / vnd den Bawm des Erkentnis gutes vnd böses.

Vnd es gieng aus von Eden ein Strom zu wessern den Garten / vnd teilet sich da selbs in vier Heubtwasser. Das erst heisst Pison / das fleusset vmb das gantze Land Heuila / Vnd daselbs findet man gold / vnd das gold des Lands ist köstlich / vnd da findet man Bedellion vnd den eddelstein Onix. Das ander wasser heisst Gihon / das fleusst vmb das gantze Morenland. Das dritte wasser heisst Hidekel / das fleusst fur Assyrien. Das vierde wasser ist der Phrath.

Vnd Gott der HERR nam den Menschen vnd satzt jn in den garten Eden / das er jn bawet vnd bewaret.

1 buch mose, genesis 2, 8-15. übersetzung von martin luther, 1545