tuinen het loo: ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo‘ & knipsen

von 1685 bis 1692 liess der niederländische statthalter willem van oranje für sich und seine frau mary stuart, tochter von james II, das schloss het loo erbauen. die architekten waren der aus frankreich stammende hugenotte daniël marot und jacobus romander, stadtbaumeister von leiden, ab 1689 hofarchitekt. mit dem palast aus backstein wurden die gärten angelegt. der fränzösische einfluss von andré le nôtre, hofgärtner von willems intimfeind louis XIV., ist zu spüren. was jedoch hier im waldgebiet veluwe bei apeldoorn entstand, ist niederländisch, hollands classicisme. prunkvoll und repräsentativ, aber nicht protzig à la versailles.

1689, nach der glorious revolution, bestiegen die erbauer als william III und mary II den englischen thron. hampton court, mit dem für willem angelegten privy garden, oder kensington palace wurden zu hauptresidenzen. im 18. jhr. wurde der garten teilweise dem zeitgeschmack angepasst. im19. jhr., unter louis napoléon bonaparte, verschwand der barock und ein landschaftsgarten wurde angelegt, die barocken paterres aufgefüllt. in der regierungszeit von königin wilhelmia, die nach ihrer abdankung hier lebte, kamen nebengebäude hinzu. zwischen 1977 und 1984 wurde der barocke tuinen het loo rekonstruiert.

bei barockgärten wird gerne mantramässig vom einfluss der gärten von versailles gesprochen. gerade in nordeuropa sollte man eher vom einfluss von het loo sprechen. das im marketingjargon als ”westfälisches versailles” bezeichnete schloss nordkirchen, ist ein münsterländer ‚het loo‘: neben dem architekten gottfried laurenz pictorius (später johann conrad schlaun) wirkte am bau auch jacobus roman mit. oder der große garten in herrenhausen: sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg aka hanover, war massgeblich an der gestaltung beteiligt. die tochter des winterkönigs, friedrich V. von der pfalz, verbrachte ihre kindheit im niederländischen exil des vaters bei der verwandtschaft ihrer mutter elisabeth stuart. der einfluss der niederländischen gärten wie het loo ist in hannover jederzeit sichtbar, wenn man die versailles-brille abnimmt. eine barocke dutch wave …

1699 erschien in london das buch ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo, […]‘ vom königlichen leibarzt walter harris. eine beschreibung des gartens im „original“-zustand und ein wichtiges dokument für die restaurierung des tuinen het loo:

THIS Description of the King’s Palace, and Gardens at Loo, was most of it written at the Command of our late most Incomparable Queen, of ever Glorious Memory, who was not displeased with the Sight of it; and who, though she Honoured this Royal Fabrick with the laying its first Stone, yet could never have the Pleasure of seeing it Perfected: […]

  

die mittlere allee & ein baunzaun (nicht richard serra, das paleis wird renoviert).

HIS Majesty’s Palace and Gardens at Loo are situated on the cast-side of a large Sandy Heath, or in the Veluwe, a considerable part of the Province of Gelderland, one of the Seven United Provinces. The Heath is extended Southward unto the Rhine, and Northward unto the Zuyder, or South Sea; Westward it runs almost to Amersfort, or within less than two Leagues of it; and Eastward it is extended to the Issel, a considerable River that divides Overyssell from the Veluwe. Loo is three Leagues from Deventer, five from Harderwick on the South-Sea, five from Dieren, another of His Majesty’s Places, six from Arnheim, and twelve Leagues or Hours from Utrecht. It is an excellent Country for Hunting, and abounds with Staggs, some Roe-bucks, the Wild Boar, Foxes, Hares, and some Wolfs. It is no less excellent for Fowling, and has good store of Woodcocks, Partridges, Pheasants, &c. In a Wood near Loo, there is a Herniary for Hawking; and within a league of it North-cast, His Majesty has of late caused to be made an Excellent Decoy, which supplies his Family with good store of Ducks and Teale. And in the Heath beyond the Gardens, there are six Vi∣vers or large Fish-ponds, somewhat after the model or resemblance of those in Hide-Park, the one communicating with the other. […]

The New Palace, lately built by His Majesty, is near unto the Old Hoof, or Old Court, which is a Castle surrounded with a broad Moat, and purchased about 12 or 14 Years ago from the Seigneur de Laeckhuysen, a Gentleman of this Country. They are separated from one another only by some of the Gardens, which lye on the West-side of the New Palace. The Gardens are most Sumptuous and Magnificent, adorned with great variety of most Noble Fountains, Cascades, Parterres, Gravel Walks, and Green Walks, Groves, Statues, Urns, Paintings, Seats, and pleasant Prospects into the Country.

Before the Gate that enters into the Court of the Palace, there is a broad Green Walk between a double row of Oaks, half a mile long; […].

  

blick vom dach über den benedentuin und den boventuin & die die beiden gärten trennende allee mit kanälen. Weiterlesen

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herbstgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Die Natur ist in dieser Zeit nur noch beschäfftigt, den Segen ihrer letzten Früchte abzuliefern, und bereitet sich allmälig zu ihrer Ruhe vor. Die Blätter beginnen zu welken, und zu fallen; die Kraft des Wachsthums und des Lebens wird erschlafft; alles, selbst bis auf den Tag, nähert sich der Abnahme. Indessen fehlt es dem Herbst, noch außer den frohen Scenen der letzten Aerndte und außer den Festen der Weinlese, nicht an Anmuth. Die Hitze ist zu einer milden Wärme gemäßigt. Eine feyerliche Stille schwebt über Fluren und Wälder. Der Himmel schmücket sich mit einer sanften Heiterkeit; die leichten Gewölke, die zuweilen an seinem blauen Gewölbe erscheinen, stehen wie silberne Spiegel, oder wie kleine Malereyen, welche die allgemeine Einfärbigkeit unterbrechen, und bald röthliche Hügel mit grauen Thälern, bald andere landschaftliche Bilder nachzuahmen scheinen. Die Morgennebel, die das Laub der Bäume langsam tödten, erfrischen das Grün der Rasen. Und welche malerische Schauspiele, wenn sich aus ihnen das Licht des Tages entwickelt, und eine neue Schöpfung in verklärter Schönheit hervorsteigt! Stille, dankbare Behagung über die letzten Wohlthaten der Natur und sanfte Melancholie bey dem Anblick der Scenen, die nichts mehr zu hoffen übrig lassen, bey den trüben Scenen der Vergänglichkeit, sind die beyden Hauptempfindungen, die der Herbst erregt. Der Geist übergiebt sich der Ruhe zu ernsthaften Betrachtungen, und über alle Empfindungen verbreitet sich eine gewisse unbeschreibliche Milde, gleich einem schönen Herbstabend, der die leichten ihn umschwebenden Thaugewölke mit lieblicher Rosenhelle durchgießt.

Die Wälder und Gebüsche stellen uns in dieser Jahreszeit ein neues Schauspiel der Farbenmischungen vor Augen. Im Sommer war die ganze Natur in Grün gekleidet. Jetzt wandelt es sich nach und nach von einem Ton zum andern, von dem Blaßgrünen und Gelblichen bis zu dem Röthlichen, Dunkelrothen und Braunen, mit unendlich verschiedenen Abfällen und Schattirungen. Durch diese Veränderung des Laubes giebt schon die Natur Gemälde, die der Frühling und Sommer bey aller ihrer Schönheit nicht haben.

[…]

Andere wilde Bäume und besonders Sträucher tragen im Herbst Beeren von gelber, blauer, vornehmlich rother Farbe, die nicht allein den Haynen und Gebüschen ein schönes und muntres Ansehen geben, sondern sie auch durch Herbeylockung der Vögel beleben, und das Vergnügen des Vogelfangs begünstigen. […]

Doch ist der Herbst besonders die Zeit der Reifung so vieles trefflichen Obstes, dessen Einsammlung ein wahres Fest der Natur ist. Nicht weniger tragen die mancherley Baumfrüchte, sowohl durch ihre Formen, als auch durch ihre milden und lebhaften Farben, zur Verschönerung der Herbstscenen bey. Der Weinstock besonders fordert hier seine Stelle. Man kann ihn brauchen, bald zur Umkränzung der Pflanzung, bald zu Lauben oder Bogengängen; man kann ihn an den Wänden der Gebäude hinaufleiten, oder ihn an andern Stämmen hinaufklettern und von Baum zu Baum herüberhängen lassen. In Gegenden, deren Klima den Weinbau begünstigt, ist ein kleiner Weinhügel ein fast nöthiges Zubehör des Herbstgartens, wenn er nicht schon in der Nachbarschaft von Weinbergen liegt.

[…]

Fast alle diese malerischen Veränderungen, die der Herbst hervorbringt, sind nur von kurzer Dauer; aber Beobachtung und Geschmack können sie doch zum Genuß nicht bloß anhalten, sondern selbst zu einer längern Folge vereinigen. Der Gartenkünstler muß allen den schönen Zufälligkeiten, welche diese Jahreszeit in seiner Gegend begleiten, immer einen aufmerksamen Blick widmen; er wird seine Beobachtung belohnt sehen, indem er der Natur die anmuthigsten Gemälde ablauscht. Bey der Mischung der Farben in Bäumen und Sträuchern kann er eine Mannigfaltigkeit von Verbindung und Gegenstellung zeigen, die keine andere Jahreszeit kennt. […]

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782

 

querbeet im april

querbeet_04_16_800 Weiterlesen

querbeet im november

querbeet_11_15_800 Weiterlesen

winzergarten, pfalz, südliche weinstrasse

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sommer“frische“ (südliche weinstrasse)

sommerfrische_15_800
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„Die Farben wohl zusammen paart‘.“ / ‚der herbst‘ von barthold heinrich brockes

Nicht glaublich ist die Lust, die mein Gemüth empfunden,
Als ich noch auf ein ander mahl
Das, durch mich, aus dem feuchten Staub‘
Erhobene frisch abgefall’ne Laub,
Im hellen Sonnen-Strahl,
Zusammen legt‘, und, nach der Schilder Art,
Die Farben wohl zusammen paart‘.
Es war derselben buntes Spiel,
Durch den, oft selbst durch sie gefärbten, Sonnen-Schein,
Wenn er durch ihr Geäder fiel,
Nicht bloß des Cörpers Auge nur,
Der Seelen Augen selbst ein angenehmes Ziel.
Die schönste Schüssel Obst ist kaum so schön,
Der Aepfel, der Citronen Zier
Ist kaum so lieblich anzusehn,
Auf manchem mischte sich Gelb, Braun, Weiß, Roth und Grün,
Daß es, recht wie Drap d’Or, gewircket schien.

[…]

Auf jedem Dorn-Strauch gläntzt anitzt und glühet
Der Hagebutten brennend Roth,
Bey welchen man der Vögel Speis‘ und Tod,
In rothen Beeren, funckeln siehet.
Jetzt rauschen durch die Luft, in ungezählten Schaaren,
Die Krammets-Vögel, Drosseln, Staren.
Man sieht Gesträuch und Busch voll gier’ger Fresser hangen,
Und, statt der vor’gen Frucht, mit Feder-Früchten prangen.

[…]

Man sieht den Gärtner jetzt auf manchen Obst-Baum klettern:
Die abgehärtete, die Runtzeln-volle Hand
Fasst kaum so bald den, durch der Aepfel Last,
Gekrümmten Ast;
So droht das fette Land
Ein süsser Hagel zu zerschmettern.
Wie, durch das Strampfen vieler Pferde,
Die Erde bebt und schallt; so schallt und bebt die Erde,
Von eig’ner Frucht bestürmt.

[…]

Der edle Weinstock zeigt sein fröhliches Gepränge;
Der Purpur-farb’nen Trauben Menge,
Die mehr das Laub, als dieses sie, versteckt,
Ist gantz mit Himmel-Blau bedeckt,
In dessen keuschem Duft, der angerührt verschwindet,
Die Hand ein schönes Nichts befindet.
Es strotzen die gequoll’nen Beeren,
Und bersten fast von holder Süßigkeit,
Um ihren Saft, der Mund und Hertz erfreut,
Uns ausgekeltert zu gewehren.

[…]

barthold heinrich brockes, ‘der herbst’ aus ‘irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten’, 1721 – 1748.

das gartenhaus / „Und mein Indien liegt in Rüschhaus!“ von annette von droste-hülshoff

rüschhaus_gewächshaus_500   blick durch das gewächshaus auf das rüschhaus.

Pisang mit den breiten Blättern,
Chinarose, blutig-rot,
Winden, die um Palmen klettern,
Kaktus, der mit Pfeilen droht.
Könnt ihr euch um mich vereinen,
Dann bin ich in Indiens Hainen,
Hat ein Zauber mich gebannt
In des Morgens Fabelland?
Doch nicht lang soll Täuschung währen,
Regen läßt auf Glas sich hören,
Scharfer Wind fällt schneidend ein –
Ein Gewächshaus war mein Hain,
Und mein Indien liegt in Rüschhaus!

annette von droste-hülshoff nach franz grillparzer.

eine doppele aneignung: das gedicht ‚entzauberung‘ stammt von franz grillparzer. geschrieben im oktober 1824 in jamnitz, dem heutigen jemnice. grillparzers indien lag in mähren. im nachlass von annette von droste-hülshoff fand man das gedicht mit einer änderung: aus mähren wurde rüschhaus. das gewächshaus war der hain ihrer älteren schwester jenny. gebaut wurde es 1826. jenny heirate später joseph von laßberg und zog mit ihm auf das schloss meersburg an den bodensee. annette erwarb das fürstenhäusle in meersburg, ein weiteres gartenhaus…

rüschhaus_gewächshaus_aussen_500  das gewächshaus mit alten weinstöcken, umfasst von  barocken buchsbaumhecken.

tulipa clusiana ‚lady jane‘ im schnee…

   tulipa clusiana ‚lady jane‘ und weinstöcke im schnee. die amsel war auch schon unterwegs…

Rege sub hoc Pomona fuit, qua nulla Latinas
inter hamadryadas coluit sollertius hortos
nec fuit arborei studiosior altera fetus;
unde tenet nomen: non silvas illa nec amnes,
rus amat et ramos felicia poma ferentes;
nec iaculo gravis est, sed adunca dextera falce,
qua modo luxuriem premit et spatiantia passim
bracchia conpescit, fisso modo cortice virgam
inserit et sucos alieno praestat alumno;
nec sentire sitim patitur bibulaeque recurvas
radicis fibras labentibus inrigat undis.
hic amor, hoc studium, Veneris quoque nulla cupido est;
vim tamen agrestum metuens pomaria claudit
intus et accessus prohibet refugitque viriles.
quid non et Satyri, saltatibus apta iuventus,
fecere et pinu praecincti cornua Panes
Silvanusque, suis semper iuvenilior annis,
quique deus fures vel falce vel inguine terret,
ut poterentur ea? sed enim superabat amando
hos quoque Vertumnus neque erat felicior illis.
o quotiens habitu duri messoris aristas
corbe tulit verique fuit messoris imago!
tempora saepe gerens faeno religata recenti
desectum poterat gramen versasse videri;
saepe manu stimulos rigida portabat, ut illum
iurares fessos modo disiunxisse iuvencos.
falce data frondator erat vitisque putator;
induerat scalas: lecturum poma putares;
miles erat gladio, piscator harundine sumpta;
denique per multas aditum sibi saepe figuras
repperit, ut caperet spectatae gaudia formae.
ille etiam picta redimitus tempora mitra,
innitens baculo, positis per tempora canis,
adsimulavit anum: cultosque intravit in hortos
pomaque mirata est ‚tanto‘ que ‚potentior!‘ inquit
paucaque laudatae dedit oscula, qualia numquam
vera dedisset anus, glaebaque incurva resedit
suspiciens pandos autumni pondere ramos.
ulmus erat contra speciosa nitentibus uvis:
quam socia postquam pariter cum vite probavit,
‚at si staret‘ ait ‚caelebs sine palmite truncus,
nil praeter frondes, quare peteretur, haberet;
haec quoque, quae iuncta est, vitis requiescit in ulmo:
si non nupta foret, terrae acclinata iaceret;
tu tamen exemplo non tangeris arboris huius
concubitusque fugis nec te coniungere curas.
atque utinam velles! Helene non pluribus esset
sollicitata procis nec quae Lapitheia movit
proelia nec coniunx nimium tardantis Ulixis.
nunc quoque, cum fugias averserisque petentes,
mille viri cupiunt et semideique deique
et quaecumque tenent Albanos numina montes.
sed tu si sapies, si te bene iungere anumque
hanc audire voles, quae te plus omnibus illis,
plus, quam credis, amo: vulgares reice taedas
Vertumnumque tori socium tibi selige! pro quo
me quoque pignus habe: neque enim sibi notior ille est,
quam mihi; nec passim toto vagus errat in orbe,
haec loca sola colit; nec, uti pars magna procorum,
quam modo vidit, amat: tu primus et ultimus illi
ardor eris, solique suos tibi devovet annos.
adde, quod est iuvenis, quod naturale decoris
munus habet formasque apte fingetur in omnes,
et quod erit iussus, iubeas licet omnia, fiet.
quid, quod amatis idem, quod, quae tibi poma coluntur,
primus habet laetaque tenet tua munera dextra!
sed neque iam fetus desiderat arbore demptos
nec, quas hortus alit, cum sucis mitibus herbas
nec quicquam nisi te: miserere ardentis et ipsum,
qui petit, ore meo praesentem crede precari.
ultoresque deos et pectora dura perosam
Idalien memoremque time Rhamnusidis iram!
quoque magis timeas, (etenim mihi multa vetustas
scire dedit) referam tota notissima Cypro
facta, quibus flecti facile et mitescere possis.

publius ovidius naso, ‚metamorphoseon‘, liber XIV, 623 – 697.

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Nie war eine vordem der latinischen Hamadryaden
Ämsiger, als Pomona, in blühender Gärten Bestellung,
Nie geschäftiger eine für saftige Früchte des Baumes.
Davon ward sie benamt. Nicht Waldungen liebt sie, noch Flüsse;
Aber die Flur, und Äste mit glücklichem Obste belastet;
Und für den Wurfspiess trägt sie die mondliche Hipp‘ in der Rechten,
Die bald üppigen Wuchs ihr bändiget, und die verwildert
Schweifenden Arme bezähmt, und bald in gespaltene Rinde
Pfropfet das Reis, und Säfte dem kindlichen Fremdlinge darbeut.
Nichts auch läßt sie verschmachten vor Durst, und der schlürfenden Wurzel
Zackige Fäserchen tränkt sie mit sanft umgleitender Welle.
Das ist Lust und Geschäft! Auch der Cypria achtet sie gar nicht.
Scheuend indes die Gewalt der Ländlichen, schließt sie den Obsthain
Drinnen, und sorgsam wehrt und meidet sie männlichen Zugang.
Was nicht alles ersann die im Tanz aufhüpfende Jugend,
Satyre! und, um die Hörner gekränzt mit der Fichte, die Panen;
Auch Silvanus der Greis, stets jugendlich über sein Alter;
Und der Gott, der den Dieb mit Pfahl und Hippe verscheuchet:
Ihrer Umarmung zu nahn! Selbst diesen auch strebte Vertumnus
Liebend zuvor; allein nicht glücklicher war er, denn jene.
O wie trug er so oft in der Tracht des gehärteten Schnitters
Ähren im Korb, und war ein wirklicher Schnitter von Ansehn!
Oft, wann er zierlich die Schläfe mit frischem Heu sich umwickelt,
Schien’s, als hätt‘ er des Grases gemähete Schwade gewendet.
Oft auch trug er den Stachel in starrender Rechte; da schwur man,
Daß er nur eben vom Joch die ermüdeten Farren gelöset.
Nahm er die Hippe, so schor er dir Laub, und schneitelte Reben;
Hatt‘ er die Leiter gefaßt, er schien Obst pflücken zu wollen;
Kriegsmann war er mit Schwert, mit Rohr in den Händen ein Fischer.
So durch viele Gestalten eröffnete jener sich häufig
Zugang, um zu genießen die Lust der betrachteten Schönheit.
Dieser anjetzt, die Schläfen mit bunter Müze verhüllend,
Ging am Stabe gestützt, grauschimmerndes Haar um die Schläfen,
Einem Mütterchen gleich, und trat in den zierlichen Garten.
Drinnen das Obst anstaunend: O ganz Glückselige! sprach er;
Dann die Gelobete küsst‘ er mit wenigen Küssen; doch niemals
Gab sie ein Mütterchen so; und gekrümmt auf die Scholle sich sezend,
Schaut‘ er empor zu den Ästen, die schwer vom Herbste sich bogen.
Gegen ihm stand ein Ulm mit schwellenden Trauben gebreitet.
Als er jenen gerühmt, und zugleich die gesellete Rebe:
Stände nun, sagt‘ er, der Stamm ehlos, ungepaart mit dem Weinschoss,
Nichts wär‘ ausser dem Laube, was ihn zu besuchen uns reizte.
Auch die verbundene Rebe, die sanft ausruhet im Ulmbaum,
Wäre sie nicht vermählt, sie läge gestreckt auf der Erde.
Doch du bleibst ungerührt von des Baums so lehrendem Beispiel,
Fliehst das ehliche Lager, und denkst an keine Vermählung!
Aber, o wolltest du nur! Nicht Helena hätten so viele
Freier gedrängt, noch jene, die Kampf den Lapithen erreget,
Noch des Ulysses Gemahlin, des Trotzigen gegen Verzagte!
Jezo sogar, wie sehr du die Liebenden fliehst und verabscheust,
Drängen sich tausend Bewerber um dich, Halbgötter und Götter,
Und was immer für Mächt‘ albanische Berge bewohnen.
Doch wenn du klug bist, Kind, wenn du wohl heiraten, und hören
Dieses Mütterchen willst, das mehr als alle die andern,
Mehr wie du glaubst, dich liebt, so verwirf alltägliche Freier,
Und den Vertumnus erwähle zum Bräutigam! Für den Vertumnus
Setz‘ ich zum Pfande mich dir! denn er kennt sich selber nicht besser,
Als ich ihn! Nicht schweift er, umher stets irrend, die Welt durch;
Hier nur treibt er Verkehr. Auch nicht, wie die Menge der Freier,
Macht, was er sah, ihn verliebt; du wirst ihm zuerst, und zuletzt ihm,
Rühren das Herz; dir allein wird ganz sein Leben geweiht sein.
Hiernächst ist er ein Jüngling, und angebotene Zierde
Ward ihm verliehn; auch nimmt er mit Anstand jede Gestalt an,
Und was du immer verlangst, verlang‘ auch alles, das wird er.
Einerlei liebt ihr Beide: denn jegliches Obst, das du aufziehst,
Hat er zuerst, und hält dein Geschenk in fröhlicher Rechte.
Doch nicht mehr von den Bäumen gesammelte Früchte begehrt er,
Noch wohlschmeckende Kräuter, die mild der Garten erzeuget:
Nichts mehr, außer dich selbst! O erbarm‘ dich des Schmachtenden; denk‘ ihn
Selbst den Bittenden hier, der aus meinem Munde dich anfleht!
Rächender Götter Gewalt, und Idalia, welche den Starrsinn
Züchtiget, scheue, mein Kind, und den Zorn der rhamnusischen Göttin!
Dir die Scheu zu erhöh’n (denn mancherlei Kund‘ hat das Alter
Mir ja gewährt), so erzähl‘ ich, was weit in Cyprus bekannt ist,
Schickungen, welche dein Herz leicht bändigen können und mildern.

publius ovidius naso, ‚verwandlungen‘ in der übertragung von johann heinrich voß, berlin,1798.