„raus aus dem garten!“

mit anke schmitz (garten auf freigang) in der ausstellung ‚thomas gainsborough. die moderne landschaft‘ in der hamburger kunsthalle:

gruenesblut.net

 

Advertisements

gartenbücher (the secret life of the georgian garden)

der gestalterische ursprung unserer parks ist der english landscape garden des 18. jh, der garten der georgians. grosse rasenflächen (heute viel zu selten wiesen), etwas architektur (ein monopteros oder tempelchen hier, eine orangerie dort, grotten mit oder ohne ornamental hermit …alles follies ohne nutzung?), solitäre bäume oder baumgrupen und unterholz. vor der haustür die kontinentalen, von england beeinflussten, anlagen: der englische garten in münchen von friedrich ludwig sckell, der grosse tiergarten in berlin von peter joseph lenné (nicht zu vergessen klein-glienicke und die anlagen in sanssouci …), muskau und branitz von hermann von pückler-muskau, der wörlitzer park, etc. der einzige echte georgian garden auf den festland befindet sich in hannover: → der georgengarten, benannt nach george IV., king in englisch-hannoverscher personalunion, von franz christian schaumburg.

kate felus beschreibt in ihrem buch ‚the secret life of the georgian garden: beautiful objects and agreeable retreats‘ das leben im georgian garden, dem englischen landscape garden. die gärten von william kent, lancelot „capability“ brown, humphry repton und ihrer zeitgenossen. 123 jahre von der thronbesteigung des kurfürsten von braunschweig-lüneburg aka hannover als george I. auf den englischen thron 1714, über george II., III. & IV. bis zum tod von william IV. und der thronbesteigung von queen victoria, dem ende der personalunion 1837.

das leben in den country houses ist erforscht (mark girouard, ‚life in the english country house‘, 1978, etc.), die geschichte und gestaltung der parks in denen sie stehen ebenfalls. doch was passierte im garten? felus hat sich auf die bewohner und besucher der grossen häuser konzentriert und auf die art und weise, wie sie den garten nutzten. der garten war fluchtort vor der enge des hauses. die familie, die gäste und das personal sollten nicht alles mitbekommen oder mann/frau wollten von einzelnen gästen oder dem personal gerade mehr mitbekommen … der park als ansammlung von gartenzimmern. wie heute unsere unter denkmalschutz stehenden und/oder öffentlichen english landscape gardens für die flucht aus dem alltag genutzt werden, so war es schon im 18 jh.: „ich geh mal mit dem hund spazieren“ (= ich will meine ruhe haben!), treffen mit freunden (heute incl. grillen bis auf die grasnarbe und zumüllen der rasenfläche und der angrenzenden beete) bis zu grossen events mit music und fireworks (händel passt immer: für georgians und für parkbesucher im 21 jh.), sowie, gerade in öffentlichen parks, das verschwinden von unangeleinten hunden und spaziergängern im unterholz, nicht nur weil toiletten fehlen … Weiterlesen

berlin (betender knabe, alexander von humboldt, magnus-haus, etc.)

berlin_15_16_800 Weiterlesen

auf eine zigarette bei loki: capensis in hamburg

kirstenbosch_loki_500

auf eine zigarette bei loki &c. pp: blue lily samen &c. aus dem kirstenbosch national botanical garden.

rosaceae in klein offenseth-sparrieshoop

sparrieshoop_äpfel_500

nicht nur rosen gehören zur familie der rosaceae: äpfel statt rosen in klein offenseth-sparrieshoop. o.l.: einer der letzten am baum (unbekannte sorte); o.r und u.l.: schnitt am ‚zitronenapfel‘ & u.r.: nach der arbeit gibt es apfelkuchen…

tea time: Τσάι του βουνού

sideritis_500

von unserer nachbarin gesammelt: sideritis / griechischer bergtee (Τσάι του βουνού, tsái tou vounoú) oder eisenkraut. hier wahrscheinlich sideritis athoa (nach dem griechischen Άθως, Àthos; im griechenland meist Άγιον Όρος, Ágion Óros, ‚heiliger berg‘) aus makedonien. im mittelmeergebiet sind ca. 80 sideritis-arten heimisch, grösstenteils endemisch (von altgriechisch ἔνδημος, éndēmos‚ einheimisch). sideritis wird bereits in der antike von dem griechischen philosophen und naturforscher theophrastos von eresos (Περὶ φυτῶν ἱστορία, peri phyton historia, lat. ‚historia plantarum‘, ca. 350 bis 287 v. chr.) und dem arzt und pharmakologen pedanios dioscurides (Περὶ ὕλης ἰατρικῆς, peri hules iatrikēs, lat. ‚materia medica‘, ca. 50 bis 70 n. chr.) erwähnt. auf der peloponnes kommt haupsächlich sideritis clandestina vor, das pflücken ist jedoch seit den waldbränden 2007 verboten. in deutschen gärtnereien ist zumeist sideritis syriaca, kretischer bergtee oder syrisches gliedkraut, für  mediterrane kräuterbeete, trockenmauern oder steingärten zu bekommen.

tea time: manchmal mit einer zimtstange aufgekocht, honig und ungesüsstem zwieback …

thee zetten und mien ruys (& karl foerster) lesen: ‚die stauden‘

mien_ruys_stauden_ostfriesische_rose_500

stauden (helenium ‚moerheim beauty‘, b. ruys 1930, ist für MMXV vorgemerkt…) an ostfriesischer rose…

Es darf hier noch daran erinnert werden, daß dieses Reich der Stauden und Blumenzwiebelstauden die eigentliche große Instrumentation für jene feinste Kammermusik des Gartens liefert, die mit dem Worte „Wildnisgartenkunst“ zusammengefaßt wird. Es hängt also die ganze stilmäßige Universalität des Gartenreichs eng mit der Staude zusammen; denn sie liefert ja der strengen Gartenkunst im offenbaren Stil des Gebaut- und Gepflanztseins den großen Gegenspieler im Charakter des Gewachsenseins.

karl foerster, ‚vorwort‘ in mien, jan daniel und theo ruys, ‚die stauden‘, erlenbach-zürich, 1951. mit einem geleitwort von bonne ruys. deutschsprachigen ausgabe von ‚het vaste planten boek‘, amsterdam, 1950.

ps. früher ging es noch schneller – innerhalb eines jahres – mit der übersetzung von wichtigen gartenbücher und der umschlag war noch nicht aus marketing gründen aus dem photoshop. zum 110. geburstag von mien ruys in diesem jahr die passende antiquarische anschaffung: im jubiläumsjahr ist  keine deutschsprachigen ausgaben der bücher von ruys lieferbar! neben „tuinen maken en thee zetten“ hat sie auch wichtige gartenbücher geschreiben…

rosa alba ‚königin von dänemark‘ / eine rose zum 350. geburtstag von altona, hamburg & die suche nach der dronning …

was macht eine königin von dänemark in hamburg?

karte_unterelbe_1811_500

karte der unterelbe, detail.  hrsg.  friedrich wilhelm streit, geographisches institut weimar,  1811.

altona und das kongeriget danmark

altona entstand aus einer fischersiedlung an der elbe, in der grafschaft holstein-pinneberg. der legende nach war die keimzelle eine zwischen dem nobistor und dem altonaer fischmarkt gelegene kneipe, die den hamburger pfeffersäcken „all to nah“ war. getrennt waren sie nur durch das gebiet des heutigen stadtteils st. pauli. im jahre 1640 fiel altona an das herzogtum holstein und somit an den dänischen könig. altona, wie auch die herzogtümer schleswig und holstein, war zwar teil des heiligen römischen reiches, stand jedoch unter dänischer verwaltung. am 23. august 1664 verlieh der dänische könig frederik III. altona die stadtrechte: 350 jahre altona! in der stadt vor den toren hamburgs ging es freier zu als in der hansestadt: religionsfreiheit, keine zensur, handels- und gewerbefreiheit … die stadt sollte hamburg konkurrenz machen und war zeitweise die zweitgrösste dänische stadt nach kopenhagen. ab 1864, nach dem deutsch-dänischen krieg (cf. 150. jahrestags der schlacht an den düppeler schanzen), stand altona erst unter der verwaltung von österreich und preussen. 1867 kam altona, als teil der provinz schleswig-holstein, endgültig unter die pickelhaube. 1937, mit dem gross-hamburg-gesetz der nazis, wurde altona ein teil hamburgs. der kleine unterschied ist heute noch sichtbar: hamburg und der heutige hamburger bezirk altona führen beide ein stadttor mit drei türmen im wappen. das hamburger tor ist geschlossen. das altonaer tor geöffnet… & im hamburger wappen ist die elbe schon so weit vertieft, das sie nicht mehr zu sehen ist.

eine baumschule in klein-flottbek

um 1800 lies der hamburger kaufmanns- und senatorensohn caspar voght vor den (geschlossenen) toren hamburgs am elbhang in klein-flottbek (damals herzogtum holstein, heute bezirk altona) eine ornamented farm, ein landwirtschaftliches mustergut, anlegen caspar voght (1752‐1839). weltbürger vor den toren hamburgs. auf dem gelände befinden sich heute der jenisch-, der westerpark und der angrenzende derby-park. voght holte den schottischen gärtner jacob james booth nach flottbek. dieser eröffnete 1795 eine baumschule – james booth & sons – in unmittelbarer nähe zu voghts‘ mustergut. die baumschule gilt als „mutter“ der norddeutschen baumschulen. neben der beratung voghts bei der gestaltung der ornamented farm und der baumzucht widmete sich booth auch der züchtung von rosen.

eine dronning aus dem heutigen bezirk altona

aus einem sämling der rosa alba ‚great maiden’s blush‘ züchtete james booth 1816 die rosa alba ‚königin von dänemark‘. eine strauchrose mit rosa gefüllten, stark duftenden blüten und grau-grünem laub. benannt zu ehren der frau des damaligen dänischen königs frederik VI., marie sophie friederike von hessen-kassel (tochter des landgrafen karl von hessen-kassel, dänischer statthalter der herzogtümer schleswig und holstein). eingeführt wurde die rose 1826.

booth_katalog_1845_königin_von_dänemark_detail

abb. aus dem verkaufskatalog ‚1845. james booth & söhne. eigenthümer der flottbecker baumschulen, hamburg‘.

der direktor des ersten hamburger botanischen gartens (1821 auf dem gelände des heutigen parks planten un blomen, in den ehemaligen wallanlagen, gegründet) johann georg christian lehmann warf booth vor, die ‚königin von dänemark‘ stamme eigentlich aus frankreich und sei eine ‚belle courtisanne‘. ein streit entbrannte der george booth zur veröffentlichung eines buches veranlasste: ’sieg der rose königin von dänemark durch enthüllung der anschläge des professors j.g.c. lehmann‘, 1834 erschienen in paris.

die suche nach der dronning

die ‚königin von dänemark‘ blüht noch nicht im „eigenen garten“. der erste weg führte in den botanische garten, seit oktober 2012 loki-schmidt-garten, der in den 70igern nach klein-flottbek umgezogen ist. die noch gelungenste anlage eines öffentlichen rosengartens in hamburg. die auswahl der sorten ist jedoch, wie in allen folgenden gärten, sehr beschränkt. die obligatorischen klassiker, ansonsten ein schaugarten der im hamburger umland ansässigen züchter. es fehlt nur der firmenaufdruck und ein „sponsored by…“. zweiter versuch im rosengarten von planten un blomen: keine königin in nachbarschaft des ehemaligen botanischen gartens. dafür viele rosen mit namen von sogenannten prominenten, lokal- und c-promis. auffälligstes gestaltungsmerkmal: lochmetall-kübel-verstecker und papierkörbe in den beeten … hanseatische gartengestaltung. zum 250. jubiläum altonas, im rahmen der grossen gartenaustellung 1914, wurde ein rosengarten in altona (neumühlen) zwischen elbe und elbchaussee angelegt. 2005 wurde auf dem areal eine verkleinerte version des heckengartens aus dem garten von max liebermann am wannsee in berlin angelegt. eine hommage an liebermann und seinen hamburger freund alfred lichtwark. der name „rosengarten“ blieb, jedoch keine königin… habe ich die königin übersehen? die beschriftung ist in allen gärten dürftig bis verwittert, und die finanzierung der anlagen lässt sich, jetzt zur hauptblüte, gut ablesen: es sollte mal jemand, wenn es ihn denn gäbe, mit einer rosenschere durch die beete gehen…

& doch eine gefunden: auf dem planzenmarkt am kiekeberg ( pflanzen sammeln …), bei der baumschule schütt. der beitrag bekommt noch eine geknipste blüte. eine königin im regen:

königin_im_regen_kiekeberg_500

projekt 2015: eine ‚königin von dänemark‘ im „eigenen garten“, für den kübel leider zu gross. wenn ein platz im beet gefunden ist, wird nachgefeiert! bis dahin:

dronning_500

h u r r a !  h u r r a !  h u r r a !

querbeet im august

queerbeet_8_14

obere reihe l.: aufräumen im zukünftigen beet. ich liebe rausreissen! aber nicht alles → Der kleine Unterschied / A subtle difference …; r: die ottensener feigen → ficus carica / pfälzer feige → ottensener feigen (die erste muss uns bald verlassen…) in gesellschaft der neuen chamaerops humilis var. argentea / blaue zwergpalme; 2. reihe, die italienische abteilung braucht im frühjahr grössere kübel, l.: der ceratonia siliqua / johannisbrotbaum (samen vom mons palatinus aus roma oder aus dem orto botanico di padova…) und r.: pinus pinea / pinie (samen aus einem zapfen…); 3. reihe l. u. r.: müsste mal genauer nachsehen… saatmischung ‘raad het zaad’ von onze eigen tuin, dürfen sich beide gerne aussähen!; untere reihe l.: keschde oder castanea sativa / esskastanie als einjährige pflanze unterhalb der rietburg, rhodt unter rietburg, ausgegraben → weingarten, mitten im linum usitatissimum / flachs; & r.: teatime mit lavandula angustifolia ‘hidcote blue’ / lavendel…

philosophische gespräche im garten bei einer tasse tee & keksen / ’neue abhandlungen über den menschlichen verstand‘ von gottfried wilhelm leibniz

schuster_leibnitz_herrenhausen_500   philosophische gespräche im grossen garten: leibniz und sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg. ill.: johann david schubert gestochen von daniel berger aus ‚pantheon der deutschen‘.

Die Gesellschaft an dem Hannöverischem Hofe, wo solche Materien durchgestritten wurden, machte sich ein angenehmes Geschäft daraus, Erfahrungen aufzusuchen, womit sie die Paradoxen des Philosophen widerlegen könnten. Leibniz erzählt uns selbst die Geschichte eines solchen Spieles, die uns von dem edlen Geiste der Unterhaltung dieser Gesellschaft einen Begriff machen kann. „Ein geistreicher Mann unter meinen Freunden sprach mit mir über den Satz des Nichtzuunterscheiden in Gegenwart der Frau Kurfürstin in dem Garten von Herrenhausen, und glaubte, daß er wohl zwei Blätter finden würde, die einander gänzlich ähnlich wären. Die Kurfürstin forderte ihn dazu heraus; und er lief lange Zeit vergebens danach herum.

karl gottlieb hofmann, ‚pantheon der deutschen‘, bd. 2, chemnitz, 1795.

___

§ 3. Philalèthe. Ce qu’on nomme principe d’individuation dans les écoles où l’on se tourmente si fort pour savoir ce que c’est, consiste dans l’existence même, qui fixe chaque être à un temps particulier, à un lieu incommunicable à deux êtres de la même espèce.
Théophile. Le principe d’individuation revient dans les individus au principe de distinction dont je viens de parler. Si deux individus étaient parfaitement semblables et égaux et (en un mot) indistinguables par eux-mêmes, il n’y aurait point de principe d’individuation; et même j’ose dire qu’il n’y aurait point de distinction individuelle ou de différents individus à cette condition. C’est pourquoi la notion des atomes est chimérique, et ne vient que des conceptions incomplètes des hommes. Car s’il y avait des atomes, c’est-à-dire des corps parfaitement durs et parfaitement inaltérables ou incapables de changement interne et ne pouvant différer entre eux que de grandeur et de figure, il est manifeste qu’étant possible qu’ils fussent de même figure et grandeur il y en aurait alors d’indistinguables en soi et qui ne pourraient être discernés que par des dénominations extérieures sans fondement interne, ce qui est contre les plus grands principes de la raison. Mais la vérité est, que tout corps est altérable et même altéré toujours actuellement, en sorte qu’il diffère en lui-même de tout autre. Je me souviens qu’une grande princesse, qui est d’un esprit sublime, dit un jour, en se promenant dans son jardin, qu’elle ne croyait pas qu il y eût deux feuilles parfaitement semblables. Un gentilhomme d’esprit, qui était de la promenade, crut qu’il serait facile d’en trouver; mais quoiqu’il en cherchât beaucoup, il fut convaincu par ses yeux qu’on pouvait toujours y remarquer de la différence. On voit par ces considérations négligées jusqu’ici, combien dans la philosophie on s’est éloigné des notions les plus naturelles et combien on a été éloigné des grands principes de la vraie métaphysique.

§ 3. Philalethes. Das, was man in den Schulen Prinzip der Individuation nennt, wo man sich so viel quält zu erfahren, was es sei, besteht in dem Dasein selbst, welches jedes Wesen zu einer besonderen Zeit an einen bestimmten Ort setzt, der zweien Wesen derselben Art nicht gemeinsam sein kann.
Theophilus. Das Prinzip der Individuation kommt in den Individuen auf das Prinzip der Unterscheidung zurück, wovon ich eben gesprochen habe. Wenn zwei Individuen vollkommen ähnlich und gleich und mit einem Worte an sich selbst ununterscheidbar wären, so würde es kein Prinzip der Individuation geben; und ich wage selbst zu behaupten, daß es unter dieser Bedingung keine individuelle Unterscheidung oder verschiedene Individuen geben würde. Darum ist der Begriff der Atome schimärisch und stammt nur aus den unvollständige Vorstellungen der Menschen. Denn wenn es Atome d.h. vollkommen harte und vollkommen unveränderliche oder zu innerem Wechsel unfähige und nur an Größe und Gestalt voneinander verschiedene Körper gäbe, so würde es offenbar bei der Möglichkeit, daß sie von gleicher Gestalt und Größe sind, dann unter ihnen solche geben, welche, an sich ununterscheidbar, nur durch äußere Bezeichnungen ohne inneren Grund voneinander getrennt werden könnten, was den wichtigsten Vernunftgrundsätzen zuwiderläuft. In Wahrheit ist aber jeder Körper veränderlich und wird sogar stets wirklich verändert, dergestalt, daß er an sich selbst von jedem anderen sich unterscheidet. Ich erinnere mich, daß eine geistvolle hohe Fürstin einmal auf einem Spaziergange in ihrem Garten sagte, sie glaube nicht, daß es zwei vollkommen gleiche Blätter gäbe. Ein gescheiter Edelmann, welcher den Spaziergang mitmachte, glaubte, es sei leicht, solche zu finden, aber obschon er viel danach suchte, mußte er sich durch seine eigenen Augen überzeugen, daß man stets dabei Verschiedenheit bemerken konnte. Man sieht aus diesen bisher vernachlässigten Betrachtungen, wie sehr man sich in der Philosophie von den natürlichsten Begriffen entfernt hat und wie sehr man von den wichtigsten Prinzipien der wahren Metaphysik fern ist.

gottfried wilhelm leibniz, ’nouveaux essais sur l’entendement humain / neue abhandlungen über den menschlichen verstand‘, kapitel XXVII. ‚was identität und verschiedenheit ist / ce que c’est qu’identité ou diversité‘ , zuerst auf französisch erschienen, 1704. deutsche übersetzung, leipzig 1904.

________

philosophieren bei einer tasse tee & leibniz-keksen…

kekse_tee_herrenhausen_500   literatur: horst bredekamp, ‚leibniz und die revolution der gartenkunst. herrenhausen, versailles und die philosophie der blätter‘, berlin, 2012 & ‚herrenhausen 1666-1966 – europäische gärten bis 1700‘ katalog der jubiläumsaustellung, hannover, 1966.