tuinen het loo: ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo‘ & knipsen

von 1685 bis 1692 liess der niederländische statthalter willem van oranje für sich und seine frau mary stuart, tochter von james II, das schloss het loo erbauen. die architekten waren der aus frankreich stammende hugenotte daniël marot und jacobus roman, stadtbaumeister von leiden, ab 1689 hofarchitekt. mit dem palast aus backstein wurden die gärten angelegt. der fränzösische einfluss von andré le nôtre, hofgärtner von willems intimfeind louis XIV., ist zu spüren. was jedoch hier im waldgebiet veluwe bei apeldoorn entstand, ist niederländisch, hollands classicisme. prunkvoll und repräsentativ, aber nicht protzig à la versailles.

1689, nach der glorious revolution, bestiegen die erbauer als william III und mary II den englischen thron. hampton court, mit dem für willem angelegten privy garden, oder kensington palace wurden zu hauptresidenzen. im 18. jhr. wurde der garten teilweise dem zeitgeschmack angepasst. im19. jhr., unter louis napoléon bonaparte, verschwand der barock und ein landschaftsgarten wurde angelegt, die barocken paterres aufgefüllt. in der regierungszeit von königin wilhelmia, die nach ihrer abdankung hier lebte, kamen nebengebäude hinzu. zwischen 1977 und 1984 wurde der barocke tuinen het loo rekonstruiert.

bei barockgärten wird gerne mantramässig vom einfluss der gärten von versailles gesprochen. gerade in nordeuropa sollte man eher vom einfluss von het loo sprechen. das im marketingjargon als ”westfälisches versailles” bezeichnete schloss nordkirchen, ist ein „münsterländer het loo“: neben dem architekten gottfried laurenz pictorius (später johann conrad schlaun) wirkte am bau auch jacobus roman mit. oder der große garten in herrenhausen: sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg aka hanover, war massgeblich an der gestaltung beteiligt. die tochter des winterkönigs, friedrich V. von der pfalz, verbrachte ihre kindheit im niederländischen exil des vaters bei der verwandtschaft ihrer mutter elisabeth stuart. der einfluss der niederländischen gärten wie het loo ist in hannover jederzeit sichtbar, wenn man die versailles-brille abnimmt. eine barocke dutch wave …

1699 erschien in london das buch ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo, […]‘ vom königlichen leibarzt walter harris. eine beschreibung des gartens im „original“-zustand und ein wichtiges dokument für die restaurierung des tuinen het loo:

THIS Description of the King’s Palace, and Gardens at Loo, was most of it written at the Command of our late most Incomparable Queen, of ever Glorious Memory, who was not displeased with the Sight of it; and who, though she Honoured this Royal Fabrick with the laying its first Stone, yet could never have the Pleasure of seeing it Perfected: […]

  

die mittlere allee & ein baunzaun (nicht richard serra, das paleis wird renoviert).

HIS Majesty’s Palace and Gardens at Loo are situated on the cast-side of a large Sandy Heath, or in the Veluwe, a considerable part of the Province of Gelderland, one of the Seven United Provinces. The Heath is extended Southward unto the Rhine, and Northward unto the Zuyder, or South Sea; Westward it runs almost to Amersfort, or within less than two Leagues of it; and Eastward it is extended to the Issel, a considerable River that divides Overyssell from the Veluwe. Loo is three Leagues from Deventer, five from Harderwick on the South-Sea, five from Dieren, another of His Majesty’s Places, six from Arnheim, and twelve Leagues or Hours from Utrecht. It is an excellent Country for Hunting, and abounds with Staggs, some Roe-bucks, the Wild Boar, Foxes, Hares, and some Wolfs. It is no less excellent for Fowling, and has good store of Woodcocks, Partridges, Pheasants, &c. In a Wood near Loo, there is a Herniary for Hawking; and within a league of it North-cast, His Majesty has of late caused to be made an Excellent Decoy, which supplies his Family with good store of Ducks and Teale. And in the Heath beyond the Gardens, there are six Vi∣vers or large Fish-ponds, somewhat after the model or resemblance of those in Hide-Park, the one communicating with the other. […]

The New Palace, lately built by His Majesty, is near unto the Old Hoof, or Old Court, which is a Castle surrounded with a broad Moat, and purchased about 12 or 14 Years ago from the Seigneur de Laeckhuysen, a Gentleman of this Country. They are separated from one another only by some of the Gardens, which lye on the West-side of the New Palace. The Gardens are most Sumptuous and Magnificent, adorned with great variety of most Noble Fountains, Cascades, Parterres, Gravel Walks, and Green Walks, Groves, Statues, Urns, Paintings, Seats, and pleasant Prospects into the Country.

Before the Gate that enters into the Court of the Palace, there is a broad Green Walk between a double row of Oaks, half a mile long; […].

  

blick vom dach über den benedentuin und den boventuin & die die beiden gärten trennende allee mit kanälen. Weiterlesen

Advertisements

knicks, bunte & einartige / ‚pflanzenkunde von schleswig-holstein‘ von willi christiansen

Das urwüchsige Gebüsch steht unseren Knicks sehr nahe. Er ist eine Eigenart atlantischer Gebiete Nordwesteuropas; von den Pyrenäen bis Skagen findet er sich in ungefähr derselben Ausbildung.

Bei der Verkoppelung, sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts fast überall durchgeführt wurde, wählte man allgemein den Wall als Begrenzung der Äcker. Hiermit war ein geeigneter Platz für die Knickpflanzung gegeben, zumal bei der Verkoppelung zahlreiche Feldgehölze verschwanden. Die Knickpflanzung wurde allerdings nicht überall sofort durchgeführt, sondern gerade da, wo sie am nötigsten war, auf der schleswigschen Geest, unterblieb sie vielfach zunächst, und erst um 1900 wurde sie namentlich durch die Förderung des „Knickverbandes“ weitergeführt. Und wieder nach einer Lücke von fast einem halben Jahrhundert, als die Windschäden sich im Jahr 1947 auf Millionen beliefen, wurden diese Bemühungen wieder in großem Umfange aufgenommen. […] Vielfach kann man noch heute dem Knick ansehen, in welcher Bauzeit er angelegt worden ist: Der alte Knick ist bunt, und der junge ist in seiner Zusammensetzung eintönig.

Diese Verschiedenheit ist auf die Entstehung zurückzuführen. Als Ende des 18. Jahrhunderts [die knicks angelegt wurden] da mußte der Wald hergeben, was er hatte: Jungholz von Bäumen, Eichen, Buchen und andere Bäume, dazu Sträucher aller Art. Mit dem Wurzelwerk ist auch sofort eine große Menge Stauden in den Knick getragen worden. […]

In diesen „bunten Knicks“ herrscht der Haselstrauch mit 35 % vor. Daß die Linde im Knick reichlicher vertreten ist als im benachbarten Wald, deutet auf ihre Verdrängung im Walde seit 150 Jahren hin. Unter den Stauden des „bunten Knicks“ finden sich nicht nur die gemeinen Waldpflanzen, sondern auch seltene (Maiglöckchen, Aronstab, Quirlblütige Maiblume, Vierblättrige Einbeere u.a.). Soweit die Buche nach Westen geht, stehen besonders Waldrispengras und Perlgras im Knick.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden Baumschulen, aus denen man Pflanzen viel bequemer erhalten konnte, und zwar gleich Tausende von einer Art. Daraus entstand der einartige Knick. […] Aber auch der einartige Knick wird mit der Zeit bunt. Vögel siedeln beerentragende Sträucher an: Holunder, Brombeere, Himbeere, Schleh- und Weißdorn, Pfaffenhütlein, Faulbaum, ferner Rosen.

willi christiansen, ‚pflanzenkunde von schleswig-holstein‘, neumünster 1938 (2. auflage 1955)

„Eine reiche, immer wachsende Cultur!“ / ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘ von theodor fontane

Eine reiche, immer wachsende Cultur! Wann sie ihren Anfang nahm, ist bei der Mangelhaftigkeit der Aufzeichnungen nicht mehr festzustellen. Es scheint aber fast, daß Werder als ein Fischerort ins 17. Jahrhundert ein- und als ein Obst- und Gartenort aus ihm heraustrat. Das würde dann darauf hindeuten, daß sich die Umwandlung unter dem Großen Kurfürsten vollzogen habe, und dafür sprechen auch die mannigfachsten Anzeigen. Die Zeit nach dem 30jährigen Kriege war wieder eine Zeit großartiger Einwanderung in die entvölkerte Mark und mit den gartenkundigen Franzosen, mit den Bouchés und Matthieus, die bis auf diesen Tag in ganzen Quartieren der Hauptstadt blühen, kamen ziemlich gleichzeitig die agriculturkundigen Holländer ins Land. Unter dem, was sie pflegten, war auch der Obstbau. Sie waren von den Tagen Henriette Marie’s, von der Gründung Oranienburgs und dem Auftreten der Cleve’schen Familie Hertefeld an, die eigentlichen landwirthschaftlichen Lehrmeister für die Mark, speziell für das Havelland, und wir möchten vermuthen, daß der eine oder andere von ihnen, angelockt durch den ächt-holländischen Charakter dieser Havel-Insel, seinen Aufenthalt hier genommen und die große Umwandlung vorbereitet habe. […] Bemerkenswerth ist es mir immer erschienen, daß die Werderaner in „Schuten“ fahren, ein niederländisches Wort, das in den wendischen Fischerdörfern, so viel ich weiß, nie angetroffen wird.

Gleichviel indeß was die Umwandlung brachte, sie kam; die Flußausbeute verlor mehr und mehr ihre Bedeutung; die Gärtnerzunft begann die Fischerzunft aus dem Felde zu schlagen, und das sich namentlich unter König Friedrich Wilhelm I., auch nach der Seite der „guten Küche“ hin, schnell entwickelnde Potsdam, begann seinen Einfluß auf die Umwandlung Werders zu üben. Der König, selber ein Feinschmecker, mochte unter den ersten sein, die anfingen eine Werdersche Kirsche von den üblichen Landesprodukten gleiches Namens zu unterscheiden. Außer den Kirschen aber war es zumeist das Strauchobst, das die Aufmerksamkeit des Kenners auf Werder hinlenkte. Statt der bekannten Bauern-Himbeere, wie man ihr noch jetzt begegnet, (die Schattenseite hart, die Sonnenseite madig) gedieh hier eine Species, die in Farbe, Größe und strotzender Fülle prunkend, aus Gegenden hierhergetragen schien, wo Sonne und Wasser eine südliche Brutkraft üben.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte sich die Umwandlung völlig vollzogen: Werder war eine Garten-Insel geworden; seinem Charakter nach war es dasselbe wie heut, aber freilich nicht seiner Bedeutung nach. Sein Ruhm, sein Glück begannen erst mit jenem Tage, wo der erste Werderaner (ihm würden Bildsäulen zu errichten sein) mit seinem Kahne an Potsdam vorüber- und Berlin entgegenschwamm. Damit brach die Großzeit an. In Wirklichkeit ließ sie noch ein halbes Jahrhundert auf sich warten; in der Idee war sie geboren. Mit dem rapide wachsenden Berlin wuchs auch Werder und verdreifachte in 50 Jahren seine Einwohnerzahl, genau wie die Hauptstadt. Der Dampf kam hinzu, um den Triumph zu vervollständigen. […]

Mit dem ersten Juni beginnt die Saison. Sie beginnt von Raritäten abgesehen, mit Erdbeeren. Dann folgen die süßen Kirschen aller Grade und Farben; Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren schließen sich an. Ende Juli ist die Saison auf ihrer Höhe. Der Verkehr läßt nach, aber nur, um Mitte August einen neuen Aufschwung zu nehmen. Die sauren Kirschen eröffnen den Zug; Aprikosen und Pfirsich folgen; zur Pflaumenzeit wird noch einmal die schwindelnde Höhe der letzten Juli-Wochen erreicht. Mit der Traube schließt die Saison. Man kann von einer Sommer- und Herbst-Campagne sprechen. Der Höhenpunkt jener fällt in die Mitte Juli, der Höhenpunkt dieser in die Mitte September. Die Knupperkirsche einerseits, die blaue Pflaume andererseits, – sie sind es, die über die Saison entscheiden.

theodor fontane, ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘, bd. 3: ‚ost-havelland. die landschaft um spandau, potsdam, brandenburg‘, berlin, 1873.

pflanzen im knick & „das Wilde in dem Künstlichen“ / ‚oeconomisch-practische anweisung‘ von nicolaus oest

Von der Besetzung der Erdwälle mit lebendigen Pflanzen.

[…]

§. 43.

Was die Wahl der Pflanzen anbetrift, so nimmt man überhaupt lieber die jungen, als die alten. Diejenige, welche eines guten Fingers Dicke haben, oder im Durchschnitt etwa einen Zoll halten, sind die besten. Je mehr Wurzeln daran sind, desto besser ist es, und je mehr Erde sie aus ihrem vorigen Lager mitbringen, desto gewisser werden sie bekleiben.

§. 44.

Welche Art von Heckenpflanzen man den Vorzug geben solle, wird vornehmlich von der Absicht desjenigen abhangen, der sie brauchen will. Manchem ist es nur um eine wehr= und dauerhafte, einem anderen zugleich um eine zierliche, noch anderen um eine Holz= und Fruchtbringende Hecke zu thun. Ersterer wir allen Arten von Dornen den Vorzug geben; der andere wir vornehmlich auf die Hagebuche verfallen und die letzteren gerne Ellern und Haselstauden haben wollen. Selten aber findet man, ausser in und um den Garten solche Hecken, die nur aus einer Pflanzenart bestünden. Man pflanzet vielmehr eines unter das andere, zuweilen wie es fällt, doch auch manchmahl mit einer gewissen Anordnung und Ueberlegung.

§. 45.

Von den hier gewöhnlichen Staudenarten, die man zu lebendigen Zäunen zu nehmen pflegt, habe folgendes angemerkt: […]

§. 46.

Der Weißdorn giebt eine dick durchgewachsene Hecke, und kann die scharfen Nordwinde gut aushalten, obgleich die zarte Frühlingssprossen von den kalten Winden und Nachtfrösten leichtlich Schaden nehmen, wodurch aber die Zweige desto stärker seitwärts treiben und den Busch dichter machen. Einige wollen sagen, daß wir hier zu Lande den rechten Weißdorn nicht oder sehr selten finden. Ich habe indessen angemerkt, daß wenn obige Art einen guten Boden und Schutz gegen die scharfen Winde hat, selbige eine weissere Rinde, grössere Blätter, längere Stachel und stärkeren Wachsthum habe, wie sonst.

[…]

§. 49.

Der Schleedorn macht an den Orten, wo er gerne wächset, ein Gewirre, dadurch so leicht nichts durchbrechen kann und steht im Sturm unbewegt. Er nimmt mit einem schlechten Boden vorlieb, wenn er nur leimicht ist. Weil er keine saserichte Wurzeln hat, so muß man von seinen langen Wurzeln zum wenigsten einen oder zwei Fuß mitnehmen, wenn man ihn verpflanzen will, und bei dem Setzen den Leim fest an die Wurzel treten. Sonst wird er schwerlich wachsen. Wo er aber anschlägt, da breitet er sich sehr aus. Daher ist es nöthig ihn durch einen Graben, oder durch fleißiges Aushacken in seinen Schranken zu halten. Er gibt sonst das allerbeste Buschwerk zu todten Zäunen.

§. 50.

Die Hagebuche empfiehlet sich theils durch ihre Schönheit, theils durch die gute Schutzwehr, die sie leistet, theils durch den nützlichen Gebrauch des Holzes. Denn es ist das feine Gesträuch nicht nur zu Besemen und Erbsenruthen, wie auch zum Brennen dienlich; sondern es dienet auch, wenn man es stärker werden lässet, wegen seiner Härte und Festigkeit den Tischlern und Drechslern zu verschiedenem Gebrauch, und den Müllern zu Zähnen oder Zacken in den Kammrädern.

[…]

§. 52.

Die Mastbuche thut ungeachtet ihrer höheren Bestimmung in den Hecken sehr gute Dienste, wenn man sie nur nicht zu hoch wachsen lässet und daher fleißig abkappet. Insbesondere hat eine Buchenhecke, die da beschnitten wird, dieses Vorzügliche, daß sie auch nicht einmahl im Winter durchsichtig ist, weil sie die welke Blätter behält, bis sie im Frühling wieder zu grünen anfängt, und die gelben Blätter gegen grüne vertauschet.

§. 53.

Die Hagebutte will keinen Beifall finden, weil sie sich selbst gelassen, im Untern die Hecke nicht verdicken, noch mit den übrigen Pflanzen in gesellige Ordnung treten will. Der Fliederbaum übet so gar über dieselbe Tyrannei aus. Vieleicht würden lauter Flieder sich am besten so wie lauter Habebutten zusammen schicken. Von letztern, (und zwar von der grossen Sorte,) habe ein Probe in dem Garten des Herrn Probsten Lüders gesehen, die mir sehr wohl gefiel. Die Gartenhagebutte kann nicht nur aus dem Kern, sondern auch aus Schnitzlingen, die man nur 6 bis 8 Zoll tief in die Erde steckt, vermehrt werden.

§. 54.

Die Haselstaude macht in den Hecken dieses Landes einen beträchtlichen Theil aus. Sie hält sich auch sehr gut, wenn sie auf Wällen steht, die von Osten nach Westen laufen. Haben diese aber ihre Richtung Süd und Nord, und die Westseite unbedeckt, so werden sie an dieser Seite kümmerlich stehen. Sind sie gleich an sich ncht sehr haltbar, welches größtentheils daher rühret, daß so wohl die schönsten Schöslinge, als auch die Früchte dem muthwilligsten Raube ausgesetzet sind; so verdienen sie doch wegen des Nutzens, den sie dem Besitzer leisten, eine vorzügliche Aufmerksamkeit und fleißige Wartung, welche vornehmlich darin bestehet, daß man den Graben oft vertirfe, und den Wall verstärke, als wodurch der Zaun am besten kann wehrhaft gemacht werden.

[…]

§. 57.

Von andern Pflanzen, die man hin und wieder in den Hecken findet, als Vogelbeer, Stechpalmen, Spillbaum, Ligustrum, Wesselbeer &c. wird nicht nöthig seyn besonders zu melden, weil man sie nicht leicht in solcher Menge beisammen findet, daß ganze Hecken daraus gemacht werden könnten. Ein fleißiger und curioser Landwirth macht vieles möglich, was man sonst nicht gesehen, und endecket manchen Vortheil, den voher niemand gewußt hat. […]

[…]

§. 59.

[…] Der Anfang ist, wie in allen Dingen, sehr unvollkommen gewesen. Von den ältesten Paatwerken findet man kaum eines, das nach der Schnur angelegt wäre. Sie sind vielmehr voller Buchten und Krümmen. […] Nachhero ist man bemühet gewesen, dem Werk nach und nach eine grössere Vollkommenheit zu geben. Nunmehr ist wohl nicht leichtlich ein Land zu finden, welches ein so Gartenmäßiges Ansehen hat, als Angeln. Wäre das Werk im Anfang nach einem allgemeinen Plan vorgenommen worden, welches leicht hätte geschehen können, wenn man durch einen General=Ackerumsatz die Ländereien bis getheilt und zugleich Wege und Zäune schnurrichtig gemacht hätte, so würde man einen Garten von 7 bis 8 Meilen im Umfang gesehen haben. Doch vielleicht wird ein Gartenliebhaber nach dem neusten Geschmack die krumme Wege und Hecken noch höher schätzen, weil das Wilde in dem Künstlichen durchschimmert, und dem Reisenden immer neue Gegenstände dargestellet werden.

nicolaus oest, ‘oeconomisch-practische anweisung zur einfriedigung der ländereien […]’, flensburg, 1767.

gartenbücher (wildobst: pflanze „wild“ und dornig)

ein gang durch einen supermarkt: glatte, gewachste oberflächen; keine variation in der grösse; süss, viel zu süss, bloss keine säure … wenn food designer obstsorten züchten. flug- und seemeilen im container inklusive. zu jeder jahreszeit verfügbar.

ein spaziergang durch eine kulturlandschaft mit wallhecken oder knicks: blüten im frühjahr, schatten im sommer & früchte im herbst. nicht unbedingt wild aber häufig dornig …

wild ?!

in der anglo-amerikanischen diskussion über gärten erlebt william robinson’s ‚the wild garden‘ gerade eine renaissance (deutsche übersetzung? fehlanzeige …). in deutschsprachigen raum bleibt der diskurs über „natur“ & „wild“, karl foerster nannte es wildnisgartenkunst, meist in purem romantizismus stecken oder man landet bei einem fragwürdigen vokabular wie dem von willy lange, dessen naturgartenidealismus und die propagierung von „einheimischen pflanzen“ sehr kompatibel mit nationalsozialistischen vorstellungen war … und überhaupt: was ist wild? viele heute als „einheimisch“ klassifizierte gewächse sind verwilderte pflanzen, die u.a. von den römern über die alpen gebracht wurden. es steckt viel gartenkultur in der „wilden“ „natur“.

ina sperl, die regelmässig in der frankfurter allgemeinen & im kölner stadt-anzeiger über gartenkultur, gärtner, pflanzen & den eigenen garten schreibt, gibt mit ‚wildobst: schlehe, hagebutte und co. für meinen garten‘ einen einblick in den artenreichtum des wilden obstes. ‚wildobst‘ bleibt nicht, wie viele bücher aus der rubrik „ratgeber“, im seichten das-ist-aber-lecker-do-it-yourself stecken. ein nachschlagewerk mit ihren „40 besten wildobstarten“, tipps für die gartenarbeit und einigen botanischen entdeckungen für den leser. naschkram für hecken, grosse und kleine gärten und den kübel. Weiterlesen

sommergarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Der Charakter des Sommers hat seine ausgezeichneten Unterscheidungstheile. Alle Gewächse schwelgen nun in der ganzen Stärke ihres Wachsthums, und die Früchte der Fluren und der Bäume glühen ihrer Reifung entgegen. Tausend Blumen stehen in der Fülle ihrer Schönheit aufgeschlossen. Ueberall schwebt das überschattende Laubwerk umher, ganz enthüllt und ausgewickelt zu reichen Wölbungen; das Grün hat seine völlige Farbenkraft erreicht. Die Wälder wallen in der stolzen Schönheit ihres Laubes. Die Wiesen verhauchen einen Reichthum von Düften, und beleben sich mit den frohen Scenen der Einsammlung des Grases, wo unter den Geschäfften der Schnitter und der Garbenbinderinnen bald ein ländlicher Scherz, bald ein Lied von Liebe, bald der Schlag der nachbarlichen Wachtel ertönt. Mit ihnen wechseln die Auftritte der mannigfaltigen Kornärndte. […] Alle Scenen der Natur erscheinen in ihrer ganzen Pracht und Vollkommenheit. Die Gewitter bilden in den Wolken die herrlichsten Schauspiele für das Auge. Mit der steigenden Hitze vermehrt sich der erquickende Schatten, mit dem längern Lichte die tiefere Dunkelheit der Wälder.

[…]

Wir suchen in dieser Zeit die Erquickungen des Schattens. Ein dichter Wald voll Buchen oder Eichen ist demnach ein treffliches Geschenk der Natur. Aber auch der Fleiß muß hier oft pflanzen. Gedrängte Gruppen und Hayne von Bäumen, die durch die Größe und den Reichthum des Laubes eine angenehme Bedeckung anbieten, müssen den Sommergarten überschatten.

[…]

Mit allen diesen Bäumen und Sträuchern können Stauden, Zwiebelgewächse und einjährige Pflanzen mit Blumen, wovon der Sommer eine so große Menge für die Zierde der Gärten hervorbringt, in Gruppen, Haynen, Spatziergängen, Lauben und Ruhesitzen, zur Bildung sehr reizender Scenen, verbunden werden. Außerdem geben auch die Sommerblumen auf Rasen und am Rande des Wassers, worinn sie den Wiederschein ihrer Farben bilden, Verzierungen von einer großen Anmuth und Lebhaftigkeit.

Auch können in die Pflanzungen des Sommers mit gutem Geschmack solche Obstbäume eingestreut werden, die ihre in dieser Zeit reifende Früchte lieblich färben, als der Apricosenbaum, der Kirschbaum, und einige frühzeitige Arten von Aepfelbäumen. Sie erfrischen das Auge mit einer reizenden Abwechselung, und erhöhen die Vorstellung von der mannigfaltigen Fruchtbarkeit der Jahreszeit.

[…]

Gebäude sind selbst ein Bedürfniß des Sommergartens; allein sie können zugleich sehr wichtige Gegenstände der Verschönerung seyn. Sie sollen zunächst Schirm vor der Hitze und Genuß der Ruhe gewähren; ihre Lage sey schattigt und kühl. Bey dem vollen Reichthum des Laubes, der dieser Jahrszeit eigen ist, können sie, besonders durch ihre Lage, Farbe und Verbindung mit Bäumen und Wasser, überaus malerische Gegenstände werden. Sie können außerdem von mannigfaltigen Charakteren seyn. In einer reichen und fruchtbaren Gegend prange ein Tempel, der Ceres oder der erzeugenden Natur gewidmet; in einem waldigten Dickigt sey es ein rohes Borkhaus, und nahe bey einer Weide eine kleine niedliche Milchhütte, die bezeichnend die Scene verschönere. Auch ein Badhäuschen ist in einem Sommergarten mehr, als ein bloßer Gegenstand des Vergnügens.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

frühlingsgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

[…]

Dies ist die Feyerzeit der Blühen und der Blumen; mit ihnen prange vornehmlich der Garten des Frühlings. Bäume und Sträucher und Pflanzen, die in dieser Jahreszeit ihre Blumen in der Mannigfaltigkeit ihrer Farbenpracht enthüllen, müssen hier das zarte Grün der Rasen mit Blüthen und wankenden Schatten zieren. Sie mögen sich bald auf dem sanften Teppich einzeln zerstreuen; bald sich in Gruppen sammeln, dicke Massen voll glänzender Farben mit Wohlgeruch bilden, oder sich in schönen Pyramidalformen erheben, woraus ein reich blühender Gipfel emporsteigt, indessen auf den Seiten umher mannigfaltige Blumenbüschel niedriger Sträucher herabhangen; bald sich zu lieblichen Haynen, dem Frühling geheiligt, vereinigen. Der Gartenkünstler wähle die Geschlechter und Arten, die eine Folge von Blumen gewähren, und verbinde sie unter einander, daß die Scene nicht so bald leer werde. Allein weil die Zeit der Blüthen doch nur kurz ist, so sehe er zugleich auf Stämme von schönen Formen, damit sie, wenn sie ihrer Blumen entblößt sind, und ihr Laub sich noch nicht ganz enthüllt hat, noch fortfahren können, dem Auge einen gefälligen Anblick zu verschaffen. Die Gruppen müssen durch ihre Gestalt und durch ihre Stellung noch angenehme Theile in dem Ganzen des Gemäldes bleiben, wenn sie gleich ihrer Blüthen beraubt sind; der Spatziergang unter ihnen muß noch immer Ergötzung für die übrigen Monate behalten.

Wie viele schön blühende Bäume und Sträucher und Pflanzen liefert nicht die Natur für Spatziergänge, für Lauben, für Gruppen und Hayne des Frühlings! Und welche reiche Gemälde lassen sich nicht daraus zusammensetzen!

[…]

Außer diesen Bäumen und Sträuchern gehören noch mit vorzüglichem Rechte in Frühlingsscenen die Obstbäume; die durch die Schönheit ihrer Blüthen so sehr das Auge entzücken, vornehmlich die Aprikosen, die Pfirschen und die Aepfelbäume. Selbst die mit der einfärbigen Weiße überstreuten Kirschbäume, Pflaumenbäume und Birnbäume stellen eine sehr heitre Scene dar, zumal wenn sie in Wiesen oder auf Rasen stehen, deren aufsprießendes Grün dagegen einen lieblichen Hintergrund bildet. Ein Obstgarten sollte daher wenigstens den Frühlingsscenen zur Seite liegen, wo das Auge die ganze Wonne der Blüthen überschauen kann.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

„the orchard, a place that is not so often included“ / ‚colour in the flower garden‘ von gertrude jekyll

[…] the orchard, a place that is not so often included in the pleasure-ground as it deserves. For what is more lovely than the bloom of orchard-trees in April and May, with the grass below in its strong, young growth; in itself a garden of Cowslips and Daffodils. In an old orchard how pictorial are the lines of the low leaning old Apple-trunks and the swing and poise of their upper branches, best seen in winter when their graceful movement of line and wonderful sense of balance can be fully appreciated. But the younger orchard has its beauty too, of fresh, young life and wealth of bloom and bounteous bearing.

Then if the place of the orchard suggests a return to nearer pleasure-ground with yet some space between, how good to make this into a free garden orchard for the fruits of wilder character; for wide-spreading Medlars, for Quinces, again some of the most graceful of small British trees; for Service, Damsom, Bullace, Crabs and their many allies, not fruit-bearing trees except from the birds‘ and botanists‘ point of view, but beautiful both in bloom and berry, such as the Mountain Ash, Wild Cherry, Blackthorn, and the large-berried White-thorns, Bird-cherry, White Beam, Holly and Amelanchier. Then all these might be intergrouped with great brakes of free-growing Roses and the wilder kinds of Clematis and Honeysuckle. And right through it should be a shady path of Filberts or Cobnuts arching overhead and yielding a bountiful autum harvest.

gertrude jekyll, ‚colour in the flower garden‘, london, 1908.

eine kindheitserinnerung, botanische chinoiserie & eine zwiebel

Ich denke an das blaue Zwiebelmuster. Wie oft hatte ich es im Lauf der Fehden, die an dem Tische ausgetragen wurden, der jetzt so schimmernd vor mir lag, um Beistand angefleht. Unzählige Male war ich seinen Zweigen und Fädchen, Blüten und Voluten nachgegangen, hingebender als je dem schönsten Bild. Nie hatte man um Freundschaft rückhaltloser sich beworben als ich um die des blauen Zwiebelmusters. Ich hätte es so gerne zum Verbündeten in dem ungleichen Kampf gehabt, der mir das Mittagessen oft verbitterte. Doch das gelang mir nie. Denn dieses Muster war käuflich wie ein General aus China, welches denn auch an seiner Wiege gestanden hatte. Die Ehrungen, mit denen es von meiner Mutter überhäuft ward, die Paraden, zu denen sie die Mannschaft einberief, die Totenklagen, die aus der Küche jedem Glied der Truppe, das gefallen war, nachhallten, machten meine Werbung aussichtslos. Denn kalt und kriechend hielt das Zwiebelmuster meinen Blicken stand und hätte nicht das kleinste seiner Blättchen detachiert, um mich zu decken.

walter benjamin, ‚berliner kindheit um neunzehnhundert‘, enstanden 1932–1934/1938, frankfurt/m., 1987.

eine kindheitserinnerung die es immer seltener geben wird. heute bekommen kinder ihr essen meist auf weniger raffiniert gestaltetem, weder die fantasie, den ästhetischen sinn noch den appetit besonders anregendem geschirr serviert. gibt eine korrelation zwischen der ästhetik des geschirrs und der darauf servierten nahrungsmittel?

neben der ‚ostfriesischen rose‘ für die teatime im nord-deutschland (wallendorfer porzellanmanufaktur) oder den blaublüten (arzberg) von max richter auf porzellan-formen von hermann gretsch (nsdap-mitglied und ab 1937 leiter des gleichgeschalteten deutschen werkbunds), der ‚flora danica‘ – der grössten botanischen sammlung auf porzellan → flora danica – und der ‚blå blomst‘ aus dänemark (den kongelige porcelænsfabrik bzw. bing & grøndahl, seit 1987 zusammen royal copenhagen) ist das zwiebelmuster das bekannteste und, in varianten, verbreiteste blumige muster auf porzellan.

der alchemist johann friedrich böttger und – gerne vergessen – der naturforscher ehrenfried walther von tschirnhaus begannen 1707 für den sächischen kurfürsten friedrich august I. & könig von polen a.k.a. august der starke auf der albrechtsburg in meißen nach der methode zur herstellung von porzellan zu forschen (es sollte eigentlich gold werden…)

als eines der ersten muster entstand ab 1730 das sogenannte zwiebelmuster für die ‚königlich-polnische und kurfürstlich-sächsische porzellan-manufaktur‘. vorbild war, dem zeitgeschmack entsprechend, chinesisches dekor. porzellanmaler wanderten aus meißen ab und das muster verbreitete sich in anderen manufakturen…

zwiebelmuster_500

das spiegelmotiv der teller zeigt chrysanthemum / chrysanthemen und bambuseae / bambus sowie eine ranke. an der ranke blühen nicht genauer definierte prunus-blüten: mandel-, pflaumen-, pfirsich- oder aprikosenblüten. dazu das blatt einer paeonia / pfingstrose. die bordüre, oder kehlenmotiv, besteht aus einer ranke und blüten: nelumbo / lotus. das fahnenmotiv, der tellerrand, zeigt in der klassischen kombination drei früchte: punica granatum / granatapfel, malum persicum /pfirsiche und melonen sowie die abstrahierte blüte einer paeonia / pfingstrose.

viel chinesische botanik, jedoch keine einzige allium cepa / zwiebel. das chinesische vorbild für das ur-zweibelmuster aus meißen zeigte ‚drei gesegneten früchte‘: granatapfel, pfirsich und zitrone. die “zwiebel” entstand bei der ausgestaltung des musters aus der ‚kreuzung‘ von zitrone und granatapfel.

nach der china-mode im 18. jh.verschwand das muster von den tafeln des adels. um 1860 wurde es zum statussymbol des bürgertums und der name ‚zwiebelmuster‘ bürgert sich ein…