gartenbücher: orangeriekultur mit schmuddelwetter und in der hauptstadt des regens etc.

meine herrschaft, meine maîtresse en titre, meine orangerie … orangerien und die pflanzen, bzw. deren früchte, waren luxus. statussymbole der besitzer. südfrüchte kommen heute im container nach norddeutschland und werden im hamburger hafen oder in bremerhaven gelöscht. geerntet werden sie unreif, der reifeprozess wird für den transport unterbrochen, damit sie „frisch“ und zu jeder jahreszeit verfügbar in den regalen der supermärkte landen. orangen- und zitronenbäume im kübel findet man in historischen und botanischen gärten oder als urlaubserinnerung auf den terrassen der reihenhaussiedlungen. jeden herbst fragt sich der besitzer: wohin damit bis zur kalten sophie?

die goldenen „äpfel“ der hesperiden. die von theophrastos von eresos erwähnte citrus medica, die als erste citrus nach europa eingeführt wurde. und die bedeutungen des begriffs „orangerie“: „1. Ein Platz, ein Quartier im Garten, wo Orangenbäume aufgestellt sind. […]“; „2. Die Bezeichnung Orangerie für ein wie auch immer gebautes festes Gebäude, wurde erst um 1690 gebräuchlich. […] & „3. Zu Beginn stand der Begriff „Orangerie“ für eine botanische Sammlung verschiedener kälteempfindlicher Pflanzen, dazu gehörten Orangenbäume. […]“. im ersten beitrag des neue bandes der schriftenreihe des arbeitskreises orangeriekultur in deutschland e.v.,“nicht nur zur weihnachtszeit – orangerien in nordwest-deutschland“, gibt margita m. meyer (gartendenkmalpflege, landesamt für denkmalpflege schleswig-holstein) einen guten überblick über die geschichte der sammlung von exoten und ihrer unterbringung. meyer beschreibt auch die einflüsse aus italien, frankreich und den niederlanden. hier, in der republik der zeven verenigde provinciën, hat(te) es die orangeriekultur zur staatssymbolik gebracht, oranje. die handelswege im norden und die heiratspolitik des hauses oranje-nassau führten bereits im 17. jh. zu einer dutch wave: oranienbaum im heutigen gartenreich dessau-wörlitz, oranienburg bei berlin oder oranienstein an der lahn & neben bloembollen kamen gartenbücher mit dem nötigen know-how.

„Ein neblichtes und schlackriges Wetter“ Weiterlesen

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gartenbücher: mit rosa luxemburg durch die botanik oder „Was ich lese?“

Was ich lese? Hauptsächlich Naturwissenschaftliches: Pflanzengeographie und Tiergeographie. Gestern las ich gerade über die Ursache des Schwindens der Singvögel in Deutschland: es ist die zunehmende rationelle Forstkultur, Gartenkultur und der Ackerbau, die ihnen alle natürlichen Nist- und Nahrungsbedingungen: hohle Bäume, Oedland, Gestrüpp, welkes Laub auf dem Gartenboden – – – Schritt für Schritt vernichten. Mir war es so sehr weh, als ich das las. Nicht um den Gesang für die Menschen ist es mir, sondern das Bild des stillen unaufhaltsamen Untergangs dieser wehrlosen kleinen Geschöpfe schmerzt mich so, […]

rosa luxemburg an sonjuscha (sophie liebknecht), wronke (zentralgefängnis der provinz posen), 02.05.1917,  zitiert nach ‚rosa luxemburg – briefe aus dem gefängnis‘, hrsg. vom exekutivkomitee der kommunistischen jugendinternationale, internationale jugendbibliothek no. 10, berlin 1920

am 15. januar 1919 wurden rosa luxemburg und karl liebknecht in der mannheimer strasse 27 in berlin-wilmersdorf von mitgliedern einer sogenannten „bürgerwehr“ entführt. man brachte beide in das eden-hotel (budapester strasse / kurfürstenstraße / nürnberger strasse) gegenüber dem aquarium des zoologischen gartens, dort residierte die garde-kavallerie-schützen-division. sie wurden „verhört” und anschliessend ermordet. die leiche von rosa luxemburg warf man in den landwehrkanal. erst am 31. mai 1919 wurde ihr leichnam dort gefunden und am 13. juni 1919, neben dem karl liebknechts, auf dem zentralfriedhof friedrichsfelde, berlin-lichtenberg, bestattet.

„Bestellte Arbeit? Die Bourgeoisie?” fragte nicht nur tucholsky in der “weltbühne”. an einer aufklärung der morde war in der weimarer republik (z.b. der reichspräsident friedrich ebert oder der vermeintliche anstifter der morde gustav noske, beide spd) und später niemand wirklich interessiert …

rosa luxemburgs briefe wurden sehr früh nach der ermordung publiziert. liest man diese, fällt auf, wenn man nicht nur nach politischen zitaten sucht, dass darin pflanzen eine grosse rolle spielen. während ihrer schutzhaft zur „abwendung einer gefahr für die sicherheit des reichs“, vom 1916 bis 1918 in berlin, wronke und breslau sowie 1915 in berlin wegen einer rede über “militarismus, krieg und arbeiterklasse” in frankfurt/m. schrieb sie neben dem aufsatz über „die krise der sozialdemokratie” (1916) regelmässig briefe und sammelte pflanzen bzw. liess sammeln.

luxemburg schickt z.b. ihre sekretärin und enge vertraute mathilde jacob vom gefängnis aus in den botanischen garten in dahlem, um zu erfahren was gerade blüht und erhält häufig mit deren briefen neue pflanzen. am 13. april 1915 (im weibergefängnis, dem frauengefängnis barnimstrasse) scheibt sie an jacob:

Herzlichen Dank für die Blumen, Sie pressen jetzt famos, mein Heft bereichert sich zusehends. Die Kuhschellen kamen ausgezeichnet an, auch das andere. […] Von nun ab nur Gepreßtes, ja?

freunde auf reisen waren ebenfalls nicht sicher: jakob, gerade in thüringen, wurde auf pflanzenexkursion geschickt (berlin, 30. märz 1915):

Vielleicht finden Sie schon in Thüringen etwas Blumen auf auf den Wiesen, obwohl in dieser Höhe die Vegetation sich wahrscheinlich verspätet. Am Genfer See gibt es schon zahlreiche Vergißmeinnicht, Veilchen und bald auch meine allerliebste Wiesenblume – Wiesenschaumkraut; Himmelsschlüssel nicht zu vergessen. Nächstes Jahr, wenn ich heil heraus bin [aus dem gefängnis], ist keine von diesen Genannten vor mir sicher. Also schauen Sie nach dem Rechten in Wald und Wiese, und beschreiben Sie mir genau, was es gab. Nehmen Sie mit, wie ich’s immer tue, den kleinen Pflanzenatlas „[bilderatlas der] Frühlingsblumen von H. Schumacher, Verlag Otto Maier, Ravensburg“, mit dem man sich sehr leicht orientiert.

rosa luxemburg ein blümchen-junkie? botanik und klassenkampf? Weiterlesen

„Der Ausdruck Klima bezeichnet …“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsre Organe merklich afficiren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Verändrungen des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen ungleichnamiger Winde, die Größe der electrischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder die Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels: welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und ganze Seelenstimmung des Menschen.

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, bd. 1, stuttgart/tübingen 1845

„Man zeigt also die erbärmlichsten Vorgärtchen …“ / ‚landhaus und garten‘ von hermann muthesius

Was die Allgemeinanlage des Hauses betrifft, so denke man nur an die Vorschrift der offensichtigen Vorgärten, die den Grundstückbesitzer in der unerhörtesten Weise in der sachgemäßen Aufteilung seines Grundstückes behindert, ihn zwingt, einen Teil seines teuer erworbenen Geländes zum Besten des Straßenpublikums als Prunkgarten zu unterhalten, der für ihn selbst nutzlos ist, und überdies jenes über alle Maßen trostlose Straßenbild schafft, das mit seinen erbärmlichen Drahtgitterzäunen geradezu eine Spezialität der deutschen Großstadtvororte geworden ist. Hier liegt ein Irrtum vor, der vom Standpunkte des Rechtes des Individuums ebenso sehr zu verurteilen ist wie vom ästhetischen. Vom ästhetischen Standpunkte liegt ihm die ganz grobe Auffassung zugrunde, daß man alles gewissermaßen auf dem Präsentierbrett zeigen müßte, um künstlerisch zu wirken. Man zeigt also die erbärmlichsten Vorgärtchen durch ein Drahtmaschengitter und hinter ihnen militärisch in Reih und Glied aufgerichtet, die „Fassaden“ der Villen von oben bis unten. Wie viel abwechslungsreicher, gediegener und, mit kurzen Worten, anständiger wäre das Straßenbild, wenn man gestattete, daß sich jeder mit seiner Abgrenzung nach der Straße abfinden kann, wie er will. Da würde man Gartenmauern sehen, über die blühende Sträucher nicken, ganz im Hintergrunde des Grundstücks ragt aus Baumgruppen ein roter Hausgiebel hervor. Welch ein poetischer Anblick! Welcher Frieden umlagert das Haus, die Phantasie ergänzt sogleich ein Paradies. Der Nachbar zäunt sich mit einer hohen lebenden Hecke ein, der dritte setzt an die Straßenflucht ein Nebengebäude, das einen dem Hause vorgelagerten Hof umschließt. Die Lösungen sind die mannigfaltigsten und fast immer von anziehender Wirkung. Man sieht, daß hinter der Straßengrenzung denkende freie Menschen wohnen, wahrend der öde Schematismus der Vorgärten mit Drahtzaun im Bewußtsein des Beschauers alle Anwohner zu gedankenlosen Strohköpfen herabdrückt.

hermann muthesius, ‚landhaus und garten. beispiele neuzeitlicher landhäuser nebst grundrissen, innenräumen und gärten‘, münchen 1907

sommer: eryngium maritimum & sommerfrische / ’naturdenkmäler‘ von hugo conwentz

Ebenso sind bemerkenswerte Pflanzen an der Küste, im Gebirge und an anderen Stellen durch Turisten, Badegäste und Sommerfrischler bedroht. Das zierliche Wintergrün, Pirola rotundifolia, kam in den Dünentälern von Borkum, Norderney und anderen ostfriesischen Inseln einst massenhaft zwischen Salix repens und Hippophaë rhamnoides vor; aber zufolge übermässigen Abpflückens und Ausreissens ist es jetzt sichtlich seltener geworden. Ferner die Stranddistel, Eryngium maritimum, ist nahezu überall in der Nähe der Badeorte und darüber hinaus ernstlich gefährdet, da ihr von Kindern und Erwachsenen in rücksichtsloser Weise nachgestellt wird. Man kann es nicht selten beobachten, dass Riesensträusse der dekorativen Pflanze ausgerissen werden, um als Zimmerschmuck daheim oder gar unterwegs fortgeworfen zu werden. […]

Die Stranddistel, Eryngium maritimum, ist nicht blos, […], durch Badegäste etc. bedroht; stellenweise wird sie auch gewerbsmässig eingesammelt, um zu Grabkränzen verarbeitet zu werden. Dieser Export hat namentlich auf Sylt ansehnliche Dimensionen angenommen.

hugo conwentz, ‚die gefährdung der naturdenkmäler und vorschläge zu ihrer erhaltung‘, berlin 1904

„Eine reiche, immer wachsende Cultur!“ / ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘ von theodor fontane

Eine reiche, immer wachsende Cultur! Wann sie ihren Anfang nahm, ist bei der Mangelhaftigkeit der Aufzeichnungen nicht mehr festzustellen. Es scheint aber fast, daß Werder als ein Fischerort ins 17. Jahrhundert ein- und als ein Obst- und Gartenort aus ihm heraustrat. Das würde dann darauf hindeuten, daß sich die Umwandlung unter dem Großen Kurfürsten vollzogen habe, und dafür sprechen auch die mannigfachsten Anzeigen. Die Zeit nach dem 30jährigen Kriege war wieder eine Zeit großartiger Einwanderung in die entvölkerte Mark und mit den gartenkundigen Franzosen, mit den Bouchés und Matthieus, die bis auf diesen Tag in ganzen Quartieren der Hauptstadt blühen, kamen ziemlich gleichzeitig die agriculturkundigen Holländer ins Land. Unter dem, was sie pflegten, war auch der Obstbau. Sie waren von den Tagen Henriette Marie’s, von der Gründung Oranienburgs und dem Auftreten der Cleve’schen Familie Hertefeld an, die eigentlichen landwirthschaftlichen Lehrmeister für die Mark, speziell für das Havelland, und wir möchten vermuthen, daß der eine oder andere von ihnen, angelockt durch den ächt-holländischen Charakter dieser Havel-Insel, seinen Aufenthalt hier genommen und die große Umwandlung vorbereitet habe. […] Bemerkenswerth ist es mir immer erschienen, daß die Werderaner in „Schuten“ fahren, ein niederländisches Wort, das in den wendischen Fischerdörfern, so viel ich weiß, nie angetroffen wird.

Gleichviel indeß was die Umwandlung brachte, sie kam; die Flußausbeute verlor mehr und mehr ihre Bedeutung; die Gärtnerzunft begann die Fischerzunft aus dem Felde zu schlagen, und das sich namentlich unter König Friedrich Wilhelm I., auch nach der Seite der „guten Küche“ hin, schnell entwickelnde Potsdam, begann seinen Einfluß auf die Umwandlung Werders zu üben. Der König, selber ein Feinschmecker, mochte unter den ersten sein, die anfingen eine Werdersche Kirsche von den üblichen Landesprodukten gleiches Namens zu unterscheiden. Außer den Kirschen aber war es zumeist das Strauchobst, das die Aufmerksamkeit des Kenners auf Werder hinlenkte. Statt der bekannten Bauern-Himbeere, wie man ihr noch jetzt begegnet, (die Schattenseite hart, die Sonnenseite madig) gedieh hier eine Species, die in Farbe, Größe und strotzender Fülle prunkend, aus Gegenden hierhergetragen schien, wo Sonne und Wasser eine südliche Brutkraft üben.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte sich die Umwandlung völlig vollzogen: Werder war eine Garten-Insel geworden; seinem Charakter nach war es dasselbe wie heut, aber freilich nicht seiner Bedeutung nach. Sein Ruhm, sein Glück begannen erst mit jenem Tage, wo der erste Werderaner (ihm würden Bildsäulen zu errichten sein) mit seinem Kahne an Potsdam vorüber- und Berlin entgegenschwamm. Damit brach die Großzeit an. In Wirklichkeit ließ sie noch ein halbes Jahrhundert auf sich warten; in der Idee war sie geboren. Mit dem rapide wachsenden Berlin wuchs auch Werder und verdreifachte in 50 Jahren seine Einwohnerzahl, genau wie die Hauptstadt. Der Dampf kam hinzu, um den Triumph zu vervollständigen. […]

Mit dem ersten Juni beginnt die Saison. Sie beginnt von Raritäten abgesehen, mit Erdbeeren. Dann folgen die süßen Kirschen aller Grade und Farben; Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren schließen sich an. Ende Juli ist die Saison auf ihrer Höhe. Der Verkehr läßt nach, aber nur, um Mitte August einen neuen Aufschwung zu nehmen. Die sauren Kirschen eröffnen den Zug; Aprikosen und Pfirsich folgen; zur Pflaumenzeit wird noch einmal die schwindelnde Höhe der letzten Juli-Wochen erreicht. Mit der Traube schließt die Saison. Man kann von einer Sommer- und Herbst-Campagne sprechen. Der Höhenpunkt jener fällt in die Mitte Juli, der Höhenpunkt dieser in die Mitte September. Die Knupperkirsche einerseits, die blaue Pflaume andererseits, – sie sind es, die über die Saison entscheiden.

theodor fontane, ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘, bd. 3: ‚ost-havelland. die landschaft um spandau, potsdam, brandenburg‘, berlin, 1873.

lenné, schwiegermuttersessel statt papphocker & die elbe

kloster berg garten

vom klostergarten zum volksgarten: auf dem gelände des ehemaligen klosters st. johannes der täufer auf dem berge oberhalb der elbe, einer ca. 970 gegründeten benediktiner-abtei, ab 1565 protestantisches stift und 1813 auf befehl napoleons endgültig abgerissen, entstand unter leitung des magdeburger stadtbaumeisters friedrich wilhelm wolff ab 1825 der erste volksgarten (in preussen). den entwurf für die anlage lieferte peter joseph lenné. von den ursprünglich 30 hektar sind 10 erhalten. friedrich-wilhelm-garten (nach friedrich wilhelm III. von preussen), ab 1921 bzw. 1990 klosterbergegarten mit einer unterbrechung als pionierpark. das gesellschaftshaus im park, ab 1828 nach entwürfen von karl friedrich schinkel erbaut, diente als pionierhaus der pionierorganisation ernst thälmann.

grusonii

am klosterbergegarten befinden sich die 1896 eröffneten gruson gewächs- und palmenhäuser der stadt magdeburg. erbaut für die pflanzensammlung des magdeburger industriellen hermann gruson. ende des 19. jh. die grösste kakteensammlung der welt. nach grusons tod schenkten die erben die sammlung der stadt magdeburg. im kakteen- und sukkulentenhaus: echinocactus grusonii, der goldkugelkaktus. das epitheton „grusonii“ für den schwiegermutterstuhl oder -sessel stammt von heinrich hildmann in der erstbescheibung (‚deutsche garten-zeitung. wochenschrift für gärtner und gartenfreunde‘, 5. jhg., 1886): eine hommage an hermann gruson. echinocactus grusonii ist in seinem ursprünglichen habitat, den mexikanischen bundesstaaten hidalgo und querétaro, vom aussterben bedroht, „critically endangered (cr)“ laut der roten liste gefährdeter arten (iucn). in magdeburg ist der goldkugelkaktus in den gewächshäuser geschützt und wird als sitzplatz jedoch nicht sonderlich geschätzt: der papphocker des kirchentages erfreute sich die letzten tage grösserer beliebtheit … Weiterlesen

alter botanischer garten, kiel

ursprünglich 1669 unter christian albrecht von schleswig-holstein-gottorf als hortus medicus von johann daniel major, wahrscheinlich nach dem vorbild des orto botanico di padova angelegt, mit pflanzen aus dem neuwerk in gottorf (schleswig) im garten des kieler schlosses gegründet. aus dem dann königlich dänischen botanischen garten, direktor ernst ferdinand nolte lieferte beiträge für die ‚flora danica‘, wurde ein königlich preußischer. nach umzügen wurde der jetzige alte botanische garten an seinem heutigen platz 1884 eröffnet. das areal, 1825 als english landscape garden in der endmoränenlandschaft vor der stadt angelegt, gestaltete adolf engler (prof. für systematische botanik an der christian-albrechts-universität zu kiel & ab 1889 direktor des botanischen garten in berlin, schöneberg später dahlem) diesen von 1878 bis 1884 in einen botanischen garten um. der erste botanische garten mit einer pflanzengeographie. ab 1975 zog der (neue) botanische garten auf den campus der universität um. übrig blieb eine öffentliche parkanlage … Weiterlesen

kulturlandschaften, wallhecken, gärten vor 100 jahren: bilder von hermann reichling

hermann reichling: naturschutz, politik & fotografie

ein naturschützer unterwegs mit der kamera in westfalen und, auf der flugroute der zugvögel, bis nach lappland. hermann reichling (1890-1948), promovierter ornithologe und naturschutzpionier, war von 1919-1948 direktor des provinzialmuseums für naturkunde in münster. mit einer unterberechung von 1933 -1945, von den nazis wegen „politischer unzuverlässigkeit“ abgesetzt: disziplinarverfahren und als „schutzhäftling“ von juni bis september 1934 im kz esterwegen im emsland, wo er bei der trockenlegung von mooren zwangsarbeiten musste und misshandelt wurde. nach seiner freilassung wurde er an den dümmer im oldenburger münsterland verbannt, „kaltgestellt“: nicht untätig, entstand bis 1945 dort eine einzigartige dokumentation der region. 1945 rehabilitiert und wieder direktor des naturkundemuseums starb er jedoch schon 1948 an den folgen der kz-haft.

in seiner amtszeit von 1926 bis 1933 als staatlicher kommissar für naturdenkmalpflege in der provinz westfalen, wurden fast 70 schutzgebiete ausgewiesen. 1932 befanden sich ca. ein fünftel aller naturschutzgebiete preussens in der provinz westfalen. reichling war gut vernetzt: er stand u.a. im kontakt mit max hugo weigold, gründer der vogelwarte helgoland, 1910, und später direktor der naturkunde-abteilung des provinzialmuseums in hannover, und mit hugo conwentz, direktor des westpreußischen provinzial-museums in danzig & autor des buches ‚die gefährdung der naturdenkmäler und vorschläge zu ihrer erhaltung‘ (berlin, 1904).

mehr als 10.000 negative, glasplatten, haben sich zwischen 1912 und 1948 im archiv angesammelt und einige filme, die reichling als pionier des naturfilms ausweisen. fotografiert hat reichling, neben den üblichen familienszenen, hauptsächlich bei erkundungen, der sich stetig durch den menschen verändernden kulturlandschaften und ihre fauna in nordwestdeutschland. ab 1926 wurde er von dem fotografen georg hellmund unterstützt, der bis 1966 für das naturkundemuseum arbeitete. die familie übergab den privaten nachlass an das lwl -museum für naturkunde (ehem. provinzialmuseums für naturkunde). das archiv wurde ab 2015 mit unterstützung der nrw-stiftung aufgearbeitet und digitalisiert. Weiterlesen

gartenbücher (romantisch & post-wild)

romantisch

kinder und ein garten vor den toren der stadt, im hintergrund die türme der hamburger hauptkirchen. ‚die hülsenbeckschen kinder‘ von philipp otto runge in der hamburger kunsthalle, landlust anno 1805. kindheit im garten wird gern verklärt, romantisiert. diese kinder der frühromantik spielen (bzw. arbeiten) nicht im garten: ein mädchen und ein junge ziehen einen bollerwagen mit dem jüngsten bruder, der nach einer sonnenblume am weg greift. hinter ihnen der gartenzaun und dahinter der garten. den romantischen „bauerngarten“ haben sie hinter sich gelassen, hinaus in die romantische, wilde natur, …

die suche nach der reinen, erhabenen natur und die flucht aufs land begannen schon im 18. jh., der zeit der aufklärung. man lese nur ‚das landleben‘ (1767) von christian cay lorenz hirschfeld. die industrialisierung und das wachsen der städte führte am ende des 18 jh. zur suche nach der blauen blume. die flucht in die natur endete häufig in einem elegischen eskapismus, grossen gefühlen und der suche nach dem „inneren Afrika“ (Jean Paul). gärten findet man auf den bildern der maler der romantik selten und wenn, sind sie ersatz für stimmungen. sowohl die englischen, wie william turner oder john constable, oder die deutschen bevorzugten landschaften, natur. caspar david friedrich montierte sich seine romantische natur aus versatzstücken zusammen wie es schon die gärtner im landscape garden gemacht hatten …

der landschaftsgarten des 18. jh. war eine ansammlung von versatzstücken, kulissen, follies in einer der natur nachgebildeten künstlichen landschaft. er löste als ausdruck der rationalen aufklärung den barockgarten des ancien régime ab, der von mathematischen weltsicht des 17. jh. geprägt war. der übergang vom barocken parterre über die in barocken formen eingefasste „natur“ der bosques bis zur geplanten landschaft des landscape gardens, lässt sich am besten im schlossgarten in schwetzingen (→ „lehrreich und gleichsam enzyklopädisch“) studieren. vom schloss blickt man über die geschichte der gartenkunst im 18. und frühen 19. jh. auf einer achse, die vom odenwald zur grossen kalmit im pfälzerwald führt: der romantiker überquert den rhein (richtig romantisch wird der rhein erst flussabwärts) und geht im mittelgebirge wandern … Weiterlesen