sommer: eryngium maritimum & sommerfrische / ’naturdenkmäler‘ von hugo conwentz

Ebenso sind bemerkenswerte Pflanzen an der Küste, im Gebirge und an anderen Stellen durch Turisten, Badegäste und Sommerfrischler bedroht. Das zierliche Wintergrün, Pirola rotundifolia, kam in den Dünentälern von Borkum, Norderney und anderen ostfriesischen Inseln einst massenhaft zwischen Salix repens und Hippophaë rhamnoides vor; aber zufolge übermässigen Abpflückens und Ausreissens ist es jetzt sichtlich seltener geworden. Ferner die Stranddistel, Eryngium maritimum, ist nahezu überall in der Nähe der Badeorte und darüber hinaus ernstlich gefährdet, da ihr von Kindern und Erwachsenen in rücksichtsloser Weise nachgestellt wird. Man kann es nicht selten beobachten, dass Riesensträusse der dekorativen Pflanze ausgerissen werden, um als Zimmerschmuck daheim oder gar unterwegs fortgeworfen zu werden. […]

Die Stranddistel, Eryngium maritimum, ist nicht blos, […], durch Badegäste etc. bedroht; stellenweise wird sie auch gewerbsmässig eingesammelt, um zu Grabkränzen verarbeitet zu werden. Dieser Export hat namentlich auf Sylt ansehnliche Dimensionen angenommen.

hugo conwentz, ‚die gefährdung der naturdenkmäler und vorschläge zu ihrer erhaltung‘, berlin 1904

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wanderung über holnis, durch knicks …

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herbstspaziergang: rieselfelder, münster

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der georgengarten: ein besuch bei leibniz & grossstadtgrün

die herrenhäuser gärten: barocke gartenkunst im grossen garten, botanik im berggarten & ein öffentlicher park. der georgengarten, benannt nach george IV. king of the united kingdom &c. und könig von hannover. überschwemmungsgebiet der leine, gärten des adels in der nähe der sommerresidenz der kurfürsten von braunschweig-lüneburg, 1768 durch johann ludwig von wallmoden-gimborn zum wallmodengarten zusammengefasst, ab 1828 zum english landscape garden umgestaltet (ab 1835 durch franz christian schaumburg), seit 1921 städtisch …

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gartenbücher (alexander von humboldt & ein spaziergang nach telgte)

was ist ein gartenbuch? blümchen & deko? das wäre wohl die antwort, wenn man nach dem üblichen angebot in einer buchhandlung geht. gärten haben mit natur erstmal nichts zu tun. die „natur“ ist jedoch eine wichtiger bestandteil eines gartens. was ist „natur“? humboldt gibt einige antworten & jenseits des gartens: „natur“ und kulturlandschaft, ein spaziergang im münsterland.

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humboldt, alexander von

humboldt? das sind die beiden herren, die vor der gleichnamigen universität in berlin, unter den linden, auf sockeln sitzen (alexander und sein älterer bruder wilhelm). nach alexander ist eine architektonisch und finanziell fragwürdige schlossrekonstruktion in berlin benannt, einige schritte weiter über die spree. ihre inhaltliche konzeption ist noch schwammig. humboldt weltweit: humboldtstrom und der spheniscus humboldti / humboldt-pinguin, die lilium humboldtii / humboldt’s lily endemisch in kalifornien, humboldt county und humboldt river im us bundesstaat nevada (der ursprünglich humboldt heissen sollte), denkmäler im new yorker central park und in dem nach ihm benannten park in chicago. es gab sogar mal ein humboldt-jahr … gelesen und rezipiert wird er im deutschsprachigen raum wenig (im universitären kontext) bis gar nicht. Weiterlesen

dustere wälder, ober- und unterholz / ‘sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

Das Erste Capitel /

Von denen vorigen grossen / auch noch ietzo befindlichen Wäldern in Teutschland

[…]

§. 1. Wie duster das alte Teutschland vor zeiten wegen der ungeheuren grossen Wälder muß ausgesehen haben / kan man aus dem Corn. Tacito im 5ten Capitel seines Buchs / so er sonderlich von Teutschland geschrieben / abnehmen. Terra, saget er / in universum sylvis horrida aut paludibus focda: Das Land ist überall fürchterlich / entweder wegen der Wälder / oder sumpfig / wegen der Moräste. Ja es scheinet / daß durch ganz Teutschland und an deren Gräntzen ein meist in= und an=einander hangender continuirlicher Wald gewesen / so von denen Römern Sylva Hercynia, von denen Teutschen aber / der Harz= oder Schwartz=Wald genennet worden / entweder wegen des vielen Hartzes / oder / daß er / wegen der vielen dicken und hohen Bäume / gantz schwartz und duster von aussen und in Durchreisen / anzusehen gewesen / weil die Sonne ihre Strahlen und Licht nicht durchwerffen können. […]

[…]

§. 3. Von denen Ursachen aber warum unsere Vorfahren so grosses Belieben an dergleichen ungeheuren Wäldern getragen / davon soll zum Theil in folgenden Capitel §. 14. Meldung geschehen / Eine derer voenehmsten war / daß die ganze Nation mehr dem Krieg als Acker=Bau ergeben / und also sich wegen besorgenden Uberfalls derer benachbarten / mit denen sie immer in den Haaren lagen / hierdurch in gute Verfassung stelleten. Denn wenn alles verloren gieng / retirirten sie sich in diese Wälder und Moräste / allwo es unmöglich war / ihnen beyzukommen / ja sie wusten hier bey ihren Feind dergestalt zu fatigiren / daß er mit grossen Niederlagen wieder herabziehen muste. Davon in der Römischen und andern Historien viel Krempel vorhanden / wewegen Aventini Anales Bojorum (johannes aventinus, ‚annales ducum boiariae‘, 1554) nachzulesen. Hierüber hatte man an denen Haupt=gräntzen etzlicher Wälder weite und tiefte Gräben aufgeworffen / und auf denen Dämmen / dicke und starcke Häger oder Büsche gezeuget / so man biß dato Land=Wehren nennet / dergleichen annoch gegen das Eißfeld und in Thüringen vorhanden / so etzliche Meilwegs lang ist / der Knickicht [→ beschneidung: in der landschaft und im garten] genannt. Denn das Holz / so darauf stehet / ist von Alters / und damahliger Gewohnheit her / weil es noch jung / von oben herein geknickt worden / damit es nicht in die Höhe / sondern dichte in einander wachse / dahero es auch so dicke und dichte durch einander sich geflochten / und verwimmert / daß fast weder Mensch noch Vieh ohne Gewalt / durch diese uhralte Land=Wehren haben kommen können.

[…]

§. 5. Sintemahl der vormals so grosse und ungeheure Hertzynische Wald an denen meisten Orten ganz ausgerottet / und nur an wenig Gegenden / wo nehmlich hohe steinigte und kalte Gebürge befindlich / etliche Reliquiæ geblieben / unter welchen die berühmteste die Saltzburger= und Tyroler=Wälder; der Schwartz=wald zwischen dem Ursprung der Donau / dem Rhein und Boden=See: dabey sonderlich zuzehlen / Sylva Martiana [Schwarzwald] bey Freyburg; der Anspacher / oder vielmehr Nürnberger=Wald / zwischen Nürnberg und dem Ursprung des Tauber=Flusses; der Steiger=Wald / innerhalb Würtzburg und Bamberg; der Oden=Wald / Sylva Ottonis, zwischen dem Necker und dem Mayn / oder zwischen Heidelberg und Franckfurth; der SpeßArt / binnen dem Mayn und der Kützing; der Wester=Wald innerhalb der Loha und Siegen; der Hartz=Wald / in Braunschweiger Land / bey welchem der Bructerus, oder Brockelsberg ist; der Thüringer=Wald; Gaberta, der Fichtelberg im Voigtlande an Böhmen; der Böhm= und Meißnische Ober=Gebürgische Wald [erzgebirge] und das Riesen=Gebürge in Schlesien / und so fort biß an die ungarischen / Siebenbürgischen / Kärndtnischen und Steyermärckischen Gräntzen.

[…]

Das Andere [zweite] Capitel/

Von sonderbarer Hochachtung der Wäler und Bäume

[…]

§. 14. Unsere Vorfahren die uhralten Teutschen / welche es ihrer angebohrnen / und sehr hochgeschätzten Freyheit verkleinerlich hielten / in verschlossenen Städten und Plätzen zu wohnen / erkiesten mehrentheils zu ihren Aufenthalt solche Oerter / welche wegen ihrer schönen und schattenreichen Bäume / klaren Brunnen und Quellen / oder fetten Weide und Wiesewachs / sich vor andern annehmlich machten / massen solches Tacitus bezeuget mit diesen Worten: Nullas Germanorum Populis urbes habitari fatis notum est, ne pati quidem inter se iunctas fedes. Colunt discreti & diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit de Mor. Germ. [‚de origine et situ germanorum liber‘] c. XVIII: oder: Es ist bekannt / daß die Teutschen sich nicht in Städten aufhalten / ja sie leiden nicht einmahl / daß man neben und an einander Wohnungen habe. Ein iedweder ist sich a part, nachdem ihn seine Beliebung träget / sich an einen Brunn / an einen flachen Felde oder Walde nieder zu lassen. Ihre meiste Ubung und Nahrung / wenn sie nicht mit Kriegen beschäfftiget waren / suchten sie in den Wäldern mit Jagen / Hetzen und Vogelfang / mit Sammlung Eicheln / Buchäckern zur Mästung des Viehes / und was dergleichen mehr; und ist kein zweifel / dap nebenst dem / wie oben gedacht / die Wälder vor eteas Göttliches von ihnen gehalten worden / und die dicken und finstern Oerter / da man seinen Gedancken hat recht Audienz geben / und von allerhand speculiren können / ihnen sonderlich gefallen. Es hat sie auch vor andern vergnüget / der Schall und Wiederhall der Menschlichen Stimme / allerhand Jagd=Hörner / und derer Hunde Anschlagen / so man in Wäldern / Thälern und Gründen offt unvermuthet antrifft; der schöne Vogel=Gesang / so auch eine Göttliche Music zu seyn scheinet; die Einsamkeit / da man von allen Menschen entfernet; der Schatten wider die Sonnenhitze; der Aufenthalt wider starcke Regen / Schlossen und Gewitter; die sausende Winde / und das angenehme Geräusche der Quellen und Bäche.

[…]

Das Vierzehnte Capitel,

Von Ober= und Unter= oder so genanten Schlag= und lebendigen Holtze.

[…]

§. I. Wenn ein Acker Holtz=Landes / zu Ober= und Unter=Holz zugleich gezogen werden soll / und mit 7. 8. 900. bis 1000. meht oder weniger Stämmmgen / so von Saamen angeflogen / oder sonst gnüglich bestocket / und bepflanzet ist / so läßet man solche 8. bis 10. Jahr wachsen und die besten Stämmlein / die Künfftig zu Ober=Holz / d.i. Zu großen Haupt=Stämmen zu ziehen / stehen / die andern aber hauet man aber / daß sie Stöcke bekommen und diese an 4. 6. 10. und mehr Sommer=Latten zu Unter=Holze / welches sonsten auch Schlag= oder Lebendiges Holtz genennet wird / wieder ausschlagen mögen / und soll ein abgeholtztes Stämmlein oder Stock nach advenant, 2. 3. biß 4. Schuh von einander stehen. Ist besser nun die Art von Holtze ist / je mehr kan man künfftig daraus nehmen und solche zu Weinpfählen / Latten / Hopff= und Zaunstangen oder Stecken gebrauchen / da denn mehr zu lösen / als wenn es nur zu blossen Feuer= und Kohlen Holtz oder Reißig zu sammen gehauen wird.

§. 2. Es wird aber das Ober= und Unter=Holtz bloß von dem Laub=Holtz verstanden. Denn obwohl unter solchen Holtze bißweilen eine Tanne / Fichte oder Kiefer / entweder von sich selber / oder von eingesprengten oder zugetragenen Saamen mit aufwächset / so wird doch hier mehr auf jenes als dieses gesehen. Das Ober=Holtz bestehet in allerhand Bau= Bret= Böttiger und anderen Zimmer=Holtz / auch in Mast= und Obst=Bäumen / als in Eichen / Buchen / Castanien / wilden Apfel= Birn und Kirsch=Bäumen / Ahorn / Aschen [Eschen] / Ilmen / Bircken / Aspen [espe oder zitterpappel] &c. in Summa in lauter guten Laub=Holtz / die zu Haupt=Stämmen / bis 40. 50. 80. 100. und mehr Jahren gezogen werden. Nun mag es nach eines jeden Ortes Gelenheit und Zustand reguliret werden / welche Arten der Boden am besten träget und treibet / ingleichen welche von ein und anderen Sorten am nutzbaresten / oder am meisten von nöthen seyn / oder mit bessern Nutzen / ins Geld zu setzen. Dann 1. Schock Stangen von Aschen / Ilmen / Eichen / so aus den Unter=Holtz gehauen werden / gelten Mehr als 1. Schock von Aspen und Weiden. Auch ist die Eiche wohl eines von dem besten Ober=Holtz / so wohl zum Bauen als zur Mast; wo man aber dieses bey des nicht sonderlich / bevorab wegen des Wasser= Schiff= und Wein=Baues zu consideriren hat / so ist vorträglicher / ander Ober=Holtz / als Ahorn / Buchen / Castanien / Aschen / Ilmen / Bircken / Aspen / &c. Stehen zu lassen / denn sie wachsen viel schneller und geschwinder / und in einem Jahr mehr / als die Eichen in 2. oder 3. Jahren daher; nehmen mit den Aesten nicht so viel Raum ein / und deswegen sie weder das Unter=Holtz und Gräserey / noch sich selbsten / sondern können näher und dichter beysammen stehen als Eichen.

[…]

§. 8. Unter=Holtz oder Schlag=Holtz / so / auch wie gedacht lebendig Holtz genennet wird / ist fast das nutzbarste von allen / aber es kan darzu allein dasjenige gebraucht werden / so Laub träget. Denn das Tangel=Holtz schläget nicht wieder aus / sondern, wenn es einmahl weggeschlagen / so verfaulet der Stock und Wurzel; aber wenn das Holtz so Laub träget / abgeholtzet / pfleget es am Stock / auch theils an der Wurzel / so von Stock 1. 2. und mehr Ellen abgelegen / hin und wieder auszuschlagen. Wir wollen derowegenhiervon ein und anders etwas ausführlicher / jedoch nur kürtzlich vorstellig machen. Wenn der Ort / wo man dergleichen Holtz haben will / gar wüste / so säet man in die bereitete Furchen oder Gräber den Baum=Saamen / da denn die dienlichsten seyn / die Eiche / die Asche / Riestern […] / Ilme / Ahorn / wild Obst / die Bircke / Erle und der Castanien=Baum / wo dieser die Art hat [→ keschde (pfälz. dialekt f. ess- oder edelkastanie, lat.: castanea sativa)]; in gleichen die Hasel=Nuß / und wo nasser Boden vorhanden / die Aspe / Erle / Pappel und Weide [→ salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden…“] / denn diese letztern wachsen schnelle an wässerigten Orten daher / ja in 9. oder 10. Jahren mehr, als andere in 12. oder 15. Jahren / schlagen auch wieder an Stöcken aus / wenn sie abgetrieben werden / so allemahl in Zeit von 8. 10. 12. bis 16. Jahren geschehen kan / nach Art des Bodens ob Er viel oder wenig treibet. On nun etwas von Ober=Holtz daben Stehen Bleiben soll / beruhet in eines jeden Gefallen / und in der in solcher Gegend erheischenden Nothdurfft. Wo aber kein Ober=Holtz vorhanden / oder man solches nicht zeugen will / so nennet mans Schlag= oder lebendig Holtz / weil es continué fortwächset / dann es brauchet weiter keines Säens noch Pflantzens / hat besser Fortkommen / giebt gute Gräserey / kan auch / nachdem die Gehaue 3. 4. 5. 6. biß 8. Jahr geschonet / alsdenn zur Vieh=Weide gebraucht werden. Da aber bey dergleichen Gegenden leere Plätze befindlich oder aber das Holtz daselbst gar dünne und einzeln stehet / da soll man die leeren Plätze aufgraben mit allerley Saamen bestreuen und denselben einegen / damit solche völlig und dichte wieder bewachsen mögen. Sonsten giebt die Weiß=Buche / die Ilme / Ahorn und Pappel=Weide gut lebendig Holtz / schläget / wenn es Abgetrieben / gleich wieder aus / und diese lieben mäßigen; die Erle Aspe und Weide hingegen einen nassen; die Eiche und Castanie einen fetten; die Asche / Hasel=Stauden / Bircke / und Buche aber / einen trockenen Boden. Mag also derselbe beschaffen seyn wie er wolle / gering oder gut / trocken oder naß / so kan man dergleichen Schlag=Holtz auf jeden säen und pflantzen / wie man solches gut und nützlich befindet. Unter den Schlag=holtz ist die Hasel=Staude und Bircke das gemeinste / jedoch ist rathsamer / daß man an statt dessen besser Holtz in Gehauen anbringe und aufziehe / welches so wohl vermittelst des Saamens / als auch durch die Pflantzung geschehen kann.

[…]

§. 17. Bey Abtreibung des Schlag=Holtzes aber kan woh in acht genommen werden / daß der Hieb oder Schnitt sein glatt und schräge sey / damit der Regen / Kälte und Schnee nicht eindrigen und Faulnüß verursachen könne. Theils hauen es gar kurtz an den der Erden weg / theils lassen auch einen Stock von einem viertel oder mehr Raum / bleiben / daß die Sommerlatten und Sprossen häuffiger wieder ausschlagen. In denen Gehauen hat man nöthig / ehe etwas zum Kohlen=Brennen oder zu Feuer=Holtz angewisen wird / daß man dasjenige Holtz / so zu Hopfen=Stangen / Reifen / Latten &c. Zugebrauchen / zuvor aushauen lasse / denn solches theuer und nützlicher an den Mann zu bringen / als das Brenn=Holtz.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]’, leipzig, 1713.

i shop therefore i am (gardening)

pfanzenmarkt im freilichtmuseum am kiekeberg: 12/04 – 13/04/2014. auspacken folgt…

frühlingsanfang, astronomisch

frühlingsanfang, astronomisch   o. v.l.n.r: vorfreude auf den herbst: malus ‘finkenwerder herbstprinz’; magnolie, sorte unbekannt; cercis sinensis ‚avondale‘ / chinesischer judasbaum; m: fritillaria meleagris / schachbrettblumen; salix nakurama var. yezoalpina / japanische kriechweide; tulipa / tulpe ‚double beauty of apeldoorn‘; u.: alchemilla / frauenmantel; bellis perennis / gänseblümchen & die arbeit wartet immer noch…

salix im allgemeinen & „der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen“ d.h. kopfweiden machen kann / ‘sylvicultura oeconomica’ von hans carl von carlowitz

§.1. […] Was nun Anfangs die Weide anlangt / so sind vielerley Arten derselben / als Bind=Weiden / Glaß=Weiden / Busch=Weiden / Rosen=Weiden / welche Blätter tragen / denen Rosen gleich / Bruch=Weiden / Pappel=Weiden / Haar=Weiden / Rein=Weiden / ja es werden deren bis an die 20. gezehlet. Etliche wachsen auch auf den höchsten Gebürgen / und an dürren Orten / daher sie auch ihre Eigenschafft von der Güte des Bodens erhalten. Ferner gibt es gläntzend weise / rothe und gelbe / welche unter andern die besten und zehen Ruthen oder Weiden treiben / so zum Anbinden den Gärtnern und Landmanne sehr nützlich sind / und lassen sich drehen und wenden wie Leder und Bast / treiben dergestalt ins Holtz / daß starcke Stangen zu allerley Gebrauch davon gehauen / und geköppet werden können.
Am Laube sind sie am meisten zu unterscheiden: theils haben stärcker Laub als die andern / sonderlich sind diejenigen / welche das lange wie die Pfirschen=Bäume tragen / die besten / die aber ein etwas rundliches führen / sogar rauch / sind keine sonderliche gute Art. Insgemein kan man solche zwey Arten Theilen / als nehmlich in die / welche zu einem rechten Stamm gedeihen und lateinisch perticales genennet werden / weil sie Stangen und Pfähle geben; und die so nur in Busche zu langen Ruthen answachsen / Viminales genennt / so theils auf der Erden herkrichen / und sich ausbreiten. […]
§.2. Insgemein ist die Weide ein sehr nutzbar Holtz / und wo ein Hauß=Vater einige Mügligkeit siehet / soll er nicht unterlassen / solche zu pflanzen / zumahl an denen Orten / da es nicht viel Holtz giebt / denn es dienet zu vielerley / und ist fast nicht zu entbehren / wächset auch sehr schnell daher.
Nulla, schreibet Plinius lib. 16. c. 31. aquaticarum utilior, nec in novissimis curanda Arbor. Nullius quippe tutior est reditus, minoris impendii, aut tempestatum securior. Itaque Cato in æstimatione ruris, post vineam si vino multo siet, & hortum riguum, tertio loco salictum posuit: salicesque prætulit oliveto, prato, campo frumentario, sylvæ caducæ, arbustis & glandariæ sylvæ. D.i. Unter allen Bäumen die an Wasser wachsen / ist keiner Nützlicher / auch auf keinen mehr sich zu befleißigen / als auf die Weide. Denn bey keinen hat man so sicher Nutzen / so wenig Unkosten und so wenig Wetterschaden als bey diesen. Dahero sagte Cato, daß ein recht Land=Gut haben sollte (1.) gute Weinberge (2.) einen Wasserreichen Garten (3.) gut Geweidicht. Ja er zog das letztere einem Oel=Garten / Wiesenwachs / Feld=Bau / Schlag=Holtz / Baum=Garten und der Eichel=Mast vor. Es wachsen die Weyden gerne an feuchten Orten und in Plänen / sonderlich auf denen Hutweiden. […]
§.4. der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen / und behauen / auch aus den abgehauenen Aesten / Stangen Pfähle und dergleichen machen kan / daß also eine Weide continuirlich zu nutzen / und der Haupt=Stamm doch in seinem esse bleibet / so bey dem andern Holze nicht dergleichen Art haben will. Dieses köpffen nun soll wie gedacht alle 3. Jahr geschehen / denn wenn man solches bey gewächsigen länger lässet anstehen / so werden die Aeste allzu stark / daß sie der Wind fasset / die Aeste abreisset / den Stamm dadurch splittert oder gar umwirfft. Man soll sie aber nicht gantz glatt am Stamm abköppen / sondern Sturtzeln von 2. 3. bis 4. Zoll stehen lassen / an welchen sie dann wieder ausschlagen: und also neue Sprößling bekommen können / welches besser ist / als wenn sie aus dem kahlen Weiden=Kopff und harter Rinde wieder ausschlagen und neue Sprößlein treiben sollen. Es kan auch ihnen solcher Gestalt durch die Kälte / Nässe und Hitze nicht so leicht Schade zugefüget werden / und selbe in den Stamm dringen. Die rechte Zeit aber das Köpffen zu verrichten ist unterschiedlich. Denn wenn das Weiden=Holtz gehauen wird / ehe der Saft darein tritt / so springt es nicht auf, Ingleichen wenn die Weiden im Frühling und neuen Monde geköppet werden / so schlagen die desto zeitlicher und besser wieder aus / das Holtz dauret auch länger / hingegen ists besser / daß man die so man zum Zäunen brauchen will / gegen dem Herbst / wenn das Laub fallen will / abhaue / so schwelcken sie dem Winter über desto besser / werden zach und zähe / weil der Safft zurück getreten ist / im Frühling aber / sind sie schon wieder voll Saffts / werden dahero nicht leicht wandelbar / faul / wurmstichich / und dauern nicht lange.

hans carl von carlowitz, ’sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]‘, leipzig, 1713. (carlowitz zitiert aus der ’naturalis historia‘ von plinius dem älteren & ‚de agri cultura‘ von cato dem älteren.)

internationaler tag der feuchtgebiete / ‚der knabe im moor‘ von annette von droste-hülshoff

torfhaltige blumenerde kennt man hoffentlich bald nur noch aus garten-geschichtsbüchern.
wer trotzdem nicht auf moor-produkte in seinem garten verzichten will, hier ein vorschlag:

  1. neuzeitliche variante: dieser blog wird auf einem was-auch-immer-phone oder pad gelesen? direkt weiter zu 4.
  2. veraltete variante: den text ausdrucken (falls das buch nicht in der bibliothek vorhanden ist) oder:
  3. altertümliche variante: den text auswendig lernen.
  4. in den garten gehen.
  5. im garten spazierengehen oder auf die gartenbank setzen und die ballade aufsagen oder ablesen:

O, schaurig ist’s, über’s Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Haiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn,
Und die Ranke häkelt vom Strauche;
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt.
O, schaurig ist’s, über’s Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche.

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind –
Hin ducket das Knäblein zage.

Baumstümpfe starren am Ufer vor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere –
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor‘,
Die den Haspel dreht im Geröhre.

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als wol‘ es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen,
Wie eine gespenstige Melodei,
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauff,
Der den Hochzeitheller gestohlen.

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margreth:
Ho, ho, meine arme Seele!
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär‘ nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Allmählig setzet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimathlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief athmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich!
Oh!, schaurig war’s in der Haide!

annette von droste-hülshoff, ‚der knabe im moor‘ zuerst erschienen im ‚morgenblatt für gebildete leser‘, nr. 40, stuttgart/münchen, 16/02/1842.

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