westfälischer friede: „Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren …“

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Ihr Bauren spannet an die starcken AckerPferde/ klatscht mit der Peitschen scharff/ die Pflugschar in die Erde/ Säet/ Hirsche/ Heidel/ Korn/ Hanf/ Weitzen/ Gersten auß/ Kraut/ Ruben/ Zwiebeln/ Kohl/ füllt Keller/ Boden/ Hauß.

Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren/ und lösen manchen Batz auß euren grünen Wahren/ dann kehret ihr mit Lust fein in ein Küchlein ein/ und esst ein stücklein Wurst und lescht den Durst mit Wein: Juch/ Juch/ ihr seyt befreyt von tausend Nöthen/ und schlaffet biß es tagt mit euren Bauren Greten.

[…]

friedensreiter von münster: „Neuer Auß Münster vom 25. deß Weinmonats im Jahr 1648. abgefertigter Freud= und Friedenbringender Postreuter“, flugblatt anlässlich der unterzeichnung des friedensvertrages am 24. oktober 1648.

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virtuelles lapidarium: der betende knabe

von griechenland nach preussen

gefunden wird die statue, entstanden am ende des 4. jh. v. chr, ohne arme im späten 15. jh. auf rhodos bei bauarbeiten zur verstärkung der stadtmauer. sie gelangt nach venedig, hier wird dem knaben um 1558 der linke vorderfuss neu angesetzt, dann nach verona und schließlich in die sammlung der familie gonzaga nach mantua. nach einem kurzen aufenthalt in london im besitz von charles I., kommt sie nach frankreich in die sammlung von nicolas foucquet, dem finanzminister von ludwig XIV., hier werden die arme ergänzt, neue augen eingesetzt und risse repariert. der knabe findet seinen platz in foucquets schloss vaux-le-vicomte.

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„example touchant les proportions et les contours“: ganymed in gesellschaft des herkules farnese (m.) & des apollo von belvedere (2. von r.). aus henri testelin, ’sentimens des plus habiles peintres du tems, sur la pratique de la peinture et sculpture: recueillis & mis en tables de preceptes, avec six discours academiques, extraits des conferences tenuës en l’academie royale desdits arts […]‘, paris, 1680.

weiter geht es nach wien in die sammlung von prinz eugen von savoyen, in den gelben salon seines winterpalais‘, und in die sammlung von josef wenzel von lichtenstein.

1747 kaufte friedrich II. von preussen die statue aus der sammlung lichtenstein und liess sie im gitterpavillon an der ostseite von sansscousi aufstellen. er konnte sie so von seiner bibliothek aus sehen … Weiterlesen

‚das große rasenstück‘ von albrecht dürer (* 21/05/1471)

convallaria majalis: pflanzensymbolik & pflanzennamen deut./engl. / ‚die traumdeutung‘ von sigmund freud

„I arrange the centre of a table with flowers for a birthday.“ (Ich richte die Mitte eines Tisches mit Blumen für einen Geburtstag her.) Auf Fragen gibt sie an, sie sei im Traume wie in ihrem Heim gewesen (das sie zur Zeit nicht besitzt) und habe ein Glücksgefühl empfunden.
Die „populäre“ Symbolik ermöglicht mir, den Traum für mich zu übersetzen. Er ist der Ausdruck ihrer bräutlichen Wünsche: der Tisch mit dem Blumenmittelstück ist symbolisch für sie selbst und das Genitale; sie stellt ihre Zukunftswünsche erfüllt dar, indem sie sich bereits mit dem Gedanken an die Geburt eines Kindes beschäftigt; die Hochzeit liegt also längst hinter ihr.
Ich mache sie darauf aufmerksam, daß „the centre of a table“ ein ungewöhnlicher Ausdruck sei, was sie zugibt, kann hier aber natürlich nicht direkt weiterfragen. Ich vermied es sorgfältig, ihr die Bedeutung der Symbole zu suggerieren, und fragte sie nur, was ihr zu den einzelnen Teilen des Traumes in den Sinn komme. Ihre Zurückhaltung wich im Verlaufe der Analyse einem deutlichen Interesse an der Deutung und einer Offenheit, die der Ernst des Gespräches ermöglichte. – Auf meine Frage, was für Blumen es gewesen seien, antwortete sie zunächst: „expensive flowers; one has to pay for them“ (teuere Blumen, für die man zahlen muß), dann, es seien „lilies of the valley, violets and pinks or carnations“gewesen (Maiglöckchen, wörtlich: Lilien vom Tale, Veilchen und Nelken). Ich nahm an, daß das Wort Lilie in diesem Traume in seiner populären Bedeutung als Keuschheitssymbol erscheine; sie bestätigte diese Annahme, indem ihr zu „Lilie“ „purity“ (Reinheit) einfiel. „Valley“, das Tal, ist ein häufiges weibliches Traumsymbol; so wird das zufällige Zusammentreffen der beiden Symbole in dem englischen Namen für Maiglöckchen zur Traumsymbolik, zur Betonung ihrer kostbaren Jungfräulichkeit – expensive flowers, one has to pay for them – verwendet und zum Ausdruck der Erwartung, daß der Mann ihren Wert zu würdigen wissen werde.

sigmund freud, ‚die traumdeutung‘, leipzig und wien, 4. vermehrte und revidierte auflage, 1914 (erstausgabe1900).

 

Das Pfarrhaus liegt neben der Kirche. Die Kirche ist ein strenger Bau, das Pfarrhaus liegt gemächlich da. Um die Kirche herum liegt der Friedhof, um das Pfarrhaus herum ein Garten. Im Kirchturm läuten die Glocken, aus dem Rauchfang des Pfarrhauses steigt blauer Dunst. Im Garten des Todes blühen die weißen Blumen, im Garten des Pfarrers wächst das Gemüse. Dort stehen Kreuze, hier steht ein Gartenzwerg. Und ein ruhendes Reh. Und ein Pilz.

ödön von horváth, ‚jugend ohne gott‘, 1937

alpinum

alpinum

mitbringsel vom hochtor/grossglockner-hochalpenstrasse: eryngium alpinum / alpen-mannstreu, carlina acaulis / silberdistel und rhododendron ferrugineum / rostblättrige alpenrose oder almrausch.

gartenzwerg, der

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Gartenzwerg, Zwerge sind im Verhältnis zur Größe des Menschen winzige Phantasiegestalten, die in Märchen und Sagen auftauchen. In den Gestaltungen zum Garten- und Parkzwerg wurden die Erd-, Bergmännlein und Gnome entzaubert und verkitscht. Die Herstellung von Porzellanzwergen durch die Kaiserliche Hofmanufaktur Wien erreichte zwischen 1744 – 1750 ihren Höhepunkt. Ende des 18. Jh.s produzierte die Firma Derby in England eine Serie von Gartenzwergen. Nach dem allmählichen Verschwinden des Zwergenwesens in architektonischen Gärten des Barock taucht es als menschenfreundliches Wesen im Bürgergarten wieder auf. Als ihr Erfinder gilt Sir Charles Edmund Isham (1819-1903). Ausdrücklich empfohlen wird die Belebung eines Gartens mit Zwergenfiguren von John Claudius → Loudon in seiner Encyclopedia of Gardening von 1850. Berühmt ist das „Zwergenreservat“ [The Gnome Reserve & Wild Flower Garden] von North-Devon in Südengland mit über 1000 Zwergenfiguren. Vgl. zu den Zwergenzyklen in der Gartenskulptur auch →Calotzwerge.

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Callotzwerg, fester Begriff der spätbarocken Ikonographie, der sich herleitet aus der Serie der gobbi (ital., „Bucklige“) aus dem Jahr 1616 von Jacques Callot (1592/1593 – 1635). Von Callot ausgehend, entstehen Gartenfiguren aus dem Alltags- und Volksleben in Zwergengestalt. Zahlreiche Beispiele dafür finden sich im Veneto [Italien], beispielsweise im Garten der Villa Valmarana ai Nani in Vicenza. In Deutschland sind als Beispiele in der Skulptur der Zwergenreigen in Schloß Öttingen, der „Zwerglgarten“ von Schloß Mirabell bei → Salzburg und insbesondere die zwergenhaften Karikaturen des Hofstaates im Schloßgarten von → Weikersheim in Franken (1709) zu nennen. → Gartenzwerg

‚wörterbuch der europäischen gartenkunst‘ von gabriele uerscheln und michaela kalusok, stuttgart, 2011.

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