der zaun / ‚gras darf nicht mehr wachsen‘ von hermann mattern

Der Zaun

[…]

Mit dem Sündenfall beginnt die Arbeit, die cultura – und damit die Ausbeutung. Die Menschen erfanden hierzu zwei Wirtschaftsformen. Sie zähmten Tiere, oder sie pflanzten.

Um Tiere zu halten, mußten sie eingesperrt werden. Um die Pflanzen vor unliebsamen Störungen zu schützen, mußten sie eingehegt werden.

[…]

Von ihrem Standort aus ineinandergebogene Ranken, Halme und Äste bildeten wahrscheinlich den ersten Zaun. Später mögen es zusammengeflochtene dornige Zweige gewesen sein und noch später Pfosten aus jungen Bäumen, dicht an dicht gerammt. Wie dabei das Problem des Einlasses, des Tores, gelöst war, bleibt ein Rätsel.

Voraussetzung für diese Art von Einzäunung war das Vorhandensein von Wald, zumindest von Bäumen, deren Astgabeln im nächsten Stadium als Ständer benutzt wurden, die mit darübergelegten Firsthölzern zu einer lockeren Verbindung kamen. Der Firstbaum regte zu der ersten Holzkonstruktion an, auf der bis heute das Prinzip des Ständerhauses mit Giebeldach variiert wird.

Wo die Vegetation keinen Baustoff lieferte, wurden Steine zum Einfriedigen benutzt. Auch diese Methode ist bis heute in Gebrauch und wurde ebenfalls bis zum Hausbau vervollkommnet.

Zäune aller Art, Grenzbäume, Schranken, Maschendrahtgewebe, Weidedrähte und Oberleitungen über Masten „schmücken“ seitdem in zunehmenden Maße unsere Landschaften. […]

Die weit weniger aufwendigen und auffallenden Wälle und Gräben, aus dem Bodenrelief selbst entwickelt, die lebende Hecke und das trockengeschichtete Mauerwerk aus den im Feld bei der Kulturarbeit aufgelesenen Steinen, verschwinden mehr und mehr aus den Wirtschaftslandschaften. Sie aber gerade sind es, die die Landschaft, ebenso wie der Gartenzaun sein Gehege, vor der Aushagerung des Bodens bewahren sollen, die helfen, ein Kleinklima zu schaffen, das dem Verbrauch des so wertvollen Humus entgegenwirkt.

Durch den Verbau offener, gepflügter oder gemähter und beweideter Flächen mit Hecken, Waldstreifen, Zäune, Mauern wird der Kulturbedingte Verlust an Boden gemindert, den Windbrecher verhindern Erosionen.

[…]

Das Aussondern von Land durch das Setzen eines Zaunes zum Schutz oder zur Abwehr ist der Beginn dessen, was wir heute Kulturtechnik nennen. Bodenverbesserung, Bodenerhaltung, Wasserentzug und Wasserzufuhr, das Austrocknen versumpfter Flächen einerseits und künstliche Bewässerung von Trockengebieten anderseits, Dränagearbeiten und Ödlandaufbereitung und das Abfangen rutschender Hänge und Böschungen durch Faschinen (z.B. an den Autobahnen) – das Ausheben von Gräben, der Kanalbau, das Anlegen von Terrassen, Weinbergsarbeiten, Reiskulturen – das Anpflanzen von Hecken, Waldschutzstreifen, der Wirtschaftswegebau, die Neulandgewinnung (z.B. das Einpoldern in Holland) und das Verbauen von Abschwemmungen, das Eindeichen von Deltabildungen, das Begradigen von Bächen und Flüssen, der Wildbachverbau und schließlich auch die Flurbereinigung sind meliorative Maßnahmen der Kulturtechnik.

Die gehenläufige Doppelwirkung des Ausgangsobjektes, nämlich des Zaunes als Schutz wie auch als Abwehr, sondert Land aus oder friedet es ein, verbessert es oder verfremdet es. Diese Zweischneidigkeit ist in allen meliorativen Maßnahmen gegeben.

[…]

hermann mattern, ‚gras darf nicht mehr wachsen: 12 kapitel über den verbrauch der landschaft‘, bauwelt fundamente 13, hrsg. v. ulrich conrad, berlin/frankfurt/m., 1964.

Advertisements

convallaria majalis: „in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood“

Lilium convalium. Es hat auch vnser libe fraw gesprochen in dem puch der libe: Ich pin ein plvm des tals vnd auch des grvnen waldes.

gabriel von lebenstein, ‚von den gebrannten wässern‘, ende des 14. jh.

convallaria_majalis_500

convallaria majalis l., die wilde form, soll sich unter sambucus nigra ‘black lace’ ausbreiten. keine blüten: zu schattig?, zu trocken??, …

The common Lily-of-the-valley [convallaria majalis] is a true native plant, […]. It is surely needless to recommend it to my readers as a garden ornament, but I may suggest that it might be „naturalized“ in many woods and shrubberies with the best effect – it is so interesting to meet with things like this in an apparently wild state. The handsome, graceful Solomon’s-seal (polygonatum multiflorum) and the Lily-of-the-valley should be planted to establish themselves in a wild or semi-wild state in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood; […]. It is not enough to meet with the Lily-of-the-valley in the garden, we should meet with it in the wilderness, by the woodlands walk, among the Primroses [primula vulgaris] and Bluebells [hyacinthoides non-scripta], and wherever native or hardy plants are cultivated.

william robinson, ‚the wild garden: or the naturalization and natural grouping of hardy exotic plants with a chapter on the garden of british wild flowers ‚, london, 1870.

convallaria_majalis_unbekannte_sorte_500

ausbreitung einer hybride durch rhizome: convallaria majalis ‚vierländer glockenspiel‘ oder ‚hitscherberger riesenperle‘??? das kommt von der nachlässigkeit beim ablegen der schilder…

sonntags-shopping im nabu-naturgarten

sonntags-shopping / nabu-naturgarten hamburg

pflanzenmarkt im nabu-naturgarten, hamburg-winterhude. ein garten im kleingartenverein ‚birkenhain‘. zwischen dem bahndamm der s-bahn und einer strasse oder wie die nabu-stadtteilgruppe bramfeld/ohlsdorf/brambek es formuliert: „Platz für Tiere und Pflanzen – mitten in der Stadt“. natur in der stadt (& im kleingartenverein!) ist möglich…

nabu_pflanzen_auspacken_500   nabu_convallaria_majalis_500

auspacken & sichten: dipsacus sylvestris syn. dipsacus fullonum / wilde karde, convallaria majalis / maiglöckchen & melica ciliata / wimper-perlgras. das „normale“ maiglöcken musste in anbetracht des monats sein: convallaria majalis ‚hitschberger riesenperle hat sich zwar ausgebreitet aber blüht nicht termingerecht. back to basics! + etwas papaver / mohn: eine samenmischung aus papaver rhoeas / klatschmohn, papaver argemone / sand-mohn und papaver dubium / saat-mohn. der samen kommt im herbst ins beet und der mohn soll sich ausbreiten…

i shop therefore i am (gardening): der kleine schwarze & na zdrowie!

der pflanzenmarkt im freilichtmuseum am kiekeberg, organisiert von der gesellschaft zur förderung der gartenkultur e.v. – zweig hamburg, ist zweimal in jahr die möglichkeit für entdeckungen & seine dealer zu treffen… shopping in den harburger bergen:

kiekeberg_garten_black_lace_2

der erste gang auf dem kiekeberg direkt zu tuingoed foltz & da stand er: sambucus nigra ‚black lace‘ / schwarzer holunder. der stand schon etwas länger oben auf der muss-ich-haben-liste: ein schwarzer schleier als hintergrund für mehr farbe & die hollunder(blüten)ernte…

kiekeberg_garten_black_lace_1

___

kiekeberg_dicksonia_antarctica_2   kiekeberg_dicksonia_antarctica_1

für die farn-sammlung zu wouter van dries & da stand er: ein weiterer kandidat auf der muss-ich-haben-liste. unter den top 3.  → dicksonia antarctica / baumfarn… in den zurückhaltungsmodus schalten: wohin? also erst mal einen kübel besorgen & den standort klären…

___

kiekeberg_ginster_stacheln   kiekeberg_engl_ginster

ginster-mania bei der baumschule julia wilksen: ein ulex europaeus /europäischer stechginster für dekablog10 & ein genista anglica / englischer ginster for myself… l. der blühende stachelige auf dem kiekeberg & r. stellprobe für den englischen im „eigenen garten“.

___

kiekeberg_kugeldistel   kiekeberg_rittersporn

dekablog10 bei der staudengärtnerei klingel & luckhardt: echinops bannaticus ’star frost‘  / kugeldistel & delphinium elatum-hybride ‚wintersonnenwende‘ / rittersporn.

___

kiekeberg_mariengras   kiekeberg_römisch

kräuter von gottschling. das lieblingsgras der saison: hierochloe odorata /mariengras. eine weitere marienpflanze im garten. „das wäre doch was für…“ import/export:… mariengras wird auch bisongras genannt & das kommt zur aromatisierung in den guten polnischen wodka. das gras enthält cumarin, der wodka bekommt ein waldmeisteraroma. na zdrowie! & und ein beispiel für kommunikation beim shoppen: „der römische! fotografier [er meint knipsen!] mal das schild!“ bin gerade mit rasen beschäftigt (was selten vorkommt): chamaemelum nobilis var. ligulosa / römische rasenkamille. gekauft wird gerade anacyclus pyrethrum var. pyrethrum / römischer bertram…

___

kiekeberg_osterlamm   kiekeberg_bunte_bentheimer

neben der flora gibt es fauna im freilichtmuseum: ein „süüüüüüssssseeees“ osterlamm am tag vor palmsonntag (mal ein feiertag mit botanik im namen) & „süüüüüüssssseeeee“ ferkel: bunte bentheimer schweine. schinkentiere beim mittagsschlaf…

______

& ab durch hamburg:

tante_ersatz_brockenanemone   tante_pillnitz

schale für die tante bepflanzen. u.a. mit geranium maculatum ‚album‘ / gefleckter storchschnabel & geranium maculatum ‚espresso‘ / dunkler storchschnabel von der staudengärtnerei annemarie eskuche + eine pulsatilla vulgaris alba / weisse kuhschelle. eine pulsatilla alpina subsp. alba / brockenanemone für eine harzerin bekommt man ja nirgends → der brockengarten &… die tante hat jetzt einen ableger der pillnitzer kamelie / camellia japonica l. im garten. was soll ich sagen? NEID! die kommt auf die muss-ich-haben-liste. da ist wieder etwas platz…

tulipa clusiana ‚lady jane‘

tulipa_clusiana_lady_jane_maschendraht_500   immer dieser maschendrahtzaun: ‚lady jane‘ unter den weinstöcken als ersatz-weinbergtulpe.

tulipa_clusiana_lady_jane_schachbrett_500   ‚lady jane‘ meets fritillaria meleagris.

tulipa_clusiana_lady_jane_jasper_500   die hippe ist immer in der tasche: ‚lady jane‘ in jasper blue.

 

 

ficus carica / pfälzer feige → ottensener feigen

ficus_pfalz_beschnitten_500

beschnittene pfälzer feige.

                                                                    

ficus_ottensen_stecklinge_500

stecklinge der ottensener feigen unter dekablog10’s pfälzer feige.

reicht das schon für eine geografisch-botanische umbenennung?

sommerzeit oder kübelumstellung für feige & olive

   der abgesägte olea europaea / olivenbaum (→ olea europaea) und die kleine ficus carica / feige, die grosse hat noch den kübel-wintermantel an, auf dem weg in den garten (sisyphos reloaded → überwintern: …). die feige muss beschnitten werden: sie ist, bei dieser kübeldrehung, zu linkslastig. es gibt stecklinge. jetzt erst mal an die frische luft & in den schatten &  giessen. kopfdüngung folgt…

memo to myself: kalte sophie = 15/05 !

kübelumstellung_feige_500   kübelumstellung_olive_500   l.: ficus carica. fruchtansätze aus dem vorjahr für die diesjährige ernte & eine neue feige; r.: olea europaea mit überlebenswillen…