gartenbücher (landschaftsideen – ideenlandschaft)

Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne ruht, Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz des Laubes, Umriss der Berge — alle diese Elemente bestimmen den Totaleindruck einer Gegend.

alexander von humboldt, ‚ideen zu einer physiognomik der gewächse‘, tübingen 1806

der „totaleindruck“ wird jedoch ebenfalls von unseren „scheuklappen“ bestimmt. wir sehen nur das was wir kennen, zuordnen können und gelernt haben: die „idee“ die wir von einer landschaft haben.

Landschaften zu untersuchen und darzustellen ist mehr als Geographie, ist mehr als Ästhetik, ist mehr als Landschaftsarchitektur. Es ist das umfassende Verständnis für einen Raum, die Prozesse, die darin stattfinden und die Konnotationen, die Ideen, die damit verbunden werden – und es ist das Zusammenfügen von solchen Geschichten, […]

in „deutsche landschaften“ nimmt hansjörg küster den leser mit auf eine reise durch landschaften „von rügen bis zum donautal“. als professor für pflanzenökologie am instiut für geobotanik der leibniz universität hannover, hat er zuletzt botanische anmerkungen zu den fotos von karl blossfeldt verfasst → gartenbücher (pflanzen – kultur). vom kleinsten bestandteil zum gesamtbild. das vorliegende buch kann als praktische anwendung seiner 2012 erschienenen theorie, ‚die entdeckung der landschaft – einführung in eine neue wissenschaft‘, gelesen werden.

deutsche …

was ist eine deutsche landschaft? welche idee haben wir wenn wir an „deutsche landschaften“ denken? ein strandkorb auf sylt oder schloss neuschwanstein vor bergpanorama?

geographische festlegungen, grenzziehungen, sind bereits eine idee die wir von einer gegend haben. wo fängt eine „landschaft“ an und wo hört sie auf? an nationalen grenzen? ist z.b. die landschaft des bodensees nur in baden-württemberg und bayern zu finden? wäre der „deutsche“ bodensee ohne die alpine fototapete österreichs und der schweiz denkbar? um die heutige landschaft des harzes oder des bayerischen waldes zu verstehen, kommt man nicht um die teilung in ost und west herum. der hintere bayerische wald, der unsere idee vom „bayerischen wald“ prägt, ist teil des böhmerwaldes, šumava, was durch den eisernen vorhang vergessen wurde (wildtiere halten sich bis heute an die getrennten reviere …). im harz tobt ein kampf um die bezeichnung „oberharz“: historisch der name für die oberharzer bergstädte im heutigen niedersachsen (west) aber seit 2010 auch die „stadt oberharz am brocken“ in sachsen-anhalt (ost) … sind bayerische landschaften so „deutsch“ wie das oktoberfest und ein dirndl? ist helgoland mit seiner britischen geschichte deutsch? landschaften werden deutsch d.h. nationalistisch aufgeladen, z.b. in lippe (durch das hermannsdenkmal) und im rheintal (der rhein als vermeintliche grenze zu frankreich) … bei der gerade epidemischen diskussion um sogenannte „heimat“ geht es häufig um gegenden …

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„Der Ausdruck Klima bezeichnet …“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsre Organe merklich afficiren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Verändrungen des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen ungleichnamiger Winde, die Größe der electrischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder die Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels: welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und ganze Seelenstimmung des Menschen.

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, bd. 2, stuttgart/tübingen 1845

gartenbücher (alexander von humboldt & ein spaziergang nach telgte)

was ist ein gartenbuch? blümchen & deko? das wäre wohl die antwort, wenn man nach dem üblichen angebot in einer buchhandlung geht. gärten haben mit natur erstmal nichts zu tun. die „natur“ ist jedoch eine wichtiger bestandteil eines gartens. was ist „natur“? humboldt gibt einige antworten & jenseits des gartens: „natur“ und kulturlandschaft, ein spaziergang im münsterland.

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humboldt, alexander von

humboldt? das sind die beiden herren, die vor der gleichnamigen universität in berlin, unter den linden, auf sockeln sitzen (alexander und sein älterer bruder wilhelm). nach alexander ist eine architektonisch und finanziell fragwürdige schlossrekonstruktion in berlin benannt, einige schritte weiter über die spree. ihre inhaltliche konzeption ist noch schwammig. humboldt weltweit: humboldtstrom und der spheniscus humboldti / humboldt-pinguin, die lilium humboldtii / humboldt’s lily endemisch in kalifornien, humboldt county und humboldt river im us bundesstaat nevada (der ursprünglich humboldt heissen sollte), denkmäler im new yorker central park und in dem nach ihm benannten park in chicago. es gab sogar mal ein humboldt-jahr … gelesen und rezipiert wird er im deutschsprachigen raum wenig (im universitären kontext) bis gar nicht. Weiterlesen

berlin (betender knabe, alexander von humboldt, magnus-haus, etc.)

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keimen, wachsen, vergehen / adonisgärten & ‚grass grows‘ von hans haacke

Sokrates: […] Sage mir aber dieses, ob ein verständiger Landmann den Samen, den er vor andern pflegen und Früchte von ihm haben möchte, recht eigens im heißen Sommer in einem Adonisgärtchen streuen und seine Freude daran haben wird ihn in acht Tagen schön in die Höhe geschossen zu sehen? oder ob er dieses nur als ein Spiel und bei festlichen Gelegenheiten thun wird, wenn er es ja thut; jenen aber, womit es ihm Ernst ist, nach den Vorschriften der Kunst des Landbaues in den gehörigen Boden säen, und zufrieden sein, wenn was er gesäet im achten Monat seine Vollkommenheit erlangt?

Phaidros: Gewiß so, o Sokrates, würde er dieses im Ernst, jenes, wie du sagtest, nur anders thun.

Sokrates: Und sollen wir sagen, daß wer vom Gerechten, Schönen und Guten Erkenntnis besitzt, weniger verständig als der Landmann verfahren werde mit seinem Samen?

Phaidros: Keinesweges wohl.

platon, ‚phaidros‘. übersetzung: ‚platons werke von f[riedrich] schleiermacher. erster theil, erster band, berlin, 1804.

Die Adonisgärten (κηποι Αδώνιδος), für den Sinn des Adonisfestes so bezeichnend, waren nach [august] Böckh „Pflanzungen in kleinen Töpfen: die ohne Zweifel den Garten darstellen sollten, in welchem Aphrodite sich zum Adonis gesellte: dem Symbol der schnell hinwelkenden Jugendblüthe, des üppigen Wachsthums und des Vergehens. Die Adonien waren also ein Trauerfest der Weiber, eines jener Feste, durch welche das Alterthum die hinsterbende Natur betrauerte. Wie wir von Treibhauspflanzen reden im Gegensatze des Naturwüchsigen, so haben die Alten oft sprichwörtlich das Wort Adonisgarten gebraucht, um damit schnell Emporgesprossenes, aber nicht zu tüchtiger Reife und Dauer Gediehenes zu bezeichnen. Die Pflanzen: nicht vielfarbige Blumen, nur Lattich, Fenchel, Gerste und Weizen, wurden mit emsiger Pflege zu schnellem Wachsthum gebracht; auch nicht im Winter, sondern im vollen Sommer, und in einer Zeit von acht Tagen.“ [georg friedrich ]Creuzer (Symbolik und Mythologie [der alten völker, besonders der griechen, 1812ff.] Th. II. 1841 S. 427, 430, 479 und 481) glaubt indeß, daß zur Beschleunigung des Wachsthums der Pflanzen in den Adonisgärtchen „starke natürliche, und auch wohl künstliche Wärme im Zimmer angewendet wurde“.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

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‚growth of grass‘ ist eine frühe arbeit von hans haacke. zuerst in der ausstellung ‚earth art‘ im andrew dickson white museum of art, cornell university, ithaca, n.y., 11/02 – 16/03/1969 ausgestellt. kuratiert wurde die austellung von willoughby sharp, neben haacke waren u.a. arbeiten von robert smithson, richard long und jan dibbets in der austellung vertreten. ‚growth of grass‘ (oder ‚grass grows‘, grösse variabel, 1969 ff., eigentum des künstlers) ist ein konischer erdhügel der mit samen bepflanzt wird die während der ausstellung keimen, wachsen und absterben. cf. ‚grass cube‘ (1967).

Haacke I would like to make it very short. I have put about a cubic yard of top soil mixed with peat into a naturally well-lit room in the Museum. It [the pile of soil] is cone shaped, like a sandcastle, and I seeded it with winter rye and annual rye seed, and hopefully by the day of the opening sprouts will come out of the ground. The shape of this mound is of no relevance. I’m not interested in the form. I’m more interested in the growth of plants – growth as a phenomenon which is something that is outside the realm of forms, composition, etc., and has to do with interaction of forces and interaction of energies and information. My comment for the catalog when asked for astatement is „Grass grows.“

[…]

Questioner (to Haacke) Don’t you identify your piece with a type of gardening?

Haacke Oh, I suppose. But the intention is very different.

Questioner I mean, you were the one who planted the seeds in the pile, weren’t you?

Haacke Yes, but it could have been somebody else!

Questioner How is this different from someone going out and working in a garden? Would that be a form of earth art?

Haacke Well, I suppose he doesn’t do it for the same reasons that I do.

Questioner So it’s the intent that’s different?

Haacke I guess so.

[…]

Haacke Well, on the point of how it looks. I believe we are still carrying this heavy burden of „visual“ art. When the term „aesthetics“ was brought up in this discussion, it was immediately coupled with the looks of something. I believe art is not so much concerned with the looks. It is much more concerned with concepts. What you see is just a vehicle for the concept. Sometimes you have a hard time seeing this vehicle, or it might even not exist, and there is only verbal communication or a photographic record or a map or anything that could convey the concept.

[neil] Jenney (to Haacke) Say if you’ve got a whole pile of wood and not much dirt, would you consider using cinder blocks to fill up the spaces so you don’t have to use so much dirt, or is it important that the whole thing consists of dirt?

Haacke I guess the guideline would be what is the most efficient thing to do. If the rye that I seeded could have grown on cinder blocks, then it wouldn’t have mattered if I used cinder blocks.

Jenney No, I mean the space. What if you only had half a yard of dirt and you wanted it a yard size, right? Would you fill the inside with rocks?

Haacke It could be done. It’s not that important.

Jenney The reason it is the size it is …

Haacke It is an economic consideration, in view of what is to be achieved. What, from an agricultural viewpoint is the most efficient, and what is the viewpoint that causes most effectiveness, and so on.

Jenney Wouldn’t it have been more efficient then to grow grass on a flat plain?

Haacke It could have been done but then you couldn’t have walked around it. That aspect would have been lost and in this case we have a room that has natural light on two sides and artificial light and no light on the other two sides. The result is most likely to be that grass will grow toward the natural light and will be much longer on that side and will be meager on the side that is facing the artificial light, or will be much shorter. These are ecological phenomena which I am very much interested in.

Questioner Do you wish the concept to be developed through association? Why do you use the medium of earth?

Haacke It is the material in which growth takes place.

excerpts from a symposium on earth art held at cornell university, february 6, 1969. catalog ‚earth art‘, ithaca, n.y., 1970.

„Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter:[…]“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Die Vervielfältigung der Mittel, welche der Malerei zu Gebote steht, um die Phantasie anzuregen und die großartigsten Erscheinungen von Meer und Land gleichsam auf einen kleinen Raum zu concentriren, ist unseren Pflanzungen und Gartenanlagen versagt; aber wo in diesen der Totaleindruck des Landschaftlichen geringer ist, entschädigen sie im einzelnen durch die Herrschaft, welche überall die Wirklichkeit über die Sinne ausübt. Wenn man in dem Palmenhause von [george] Loddiges oder in dem der Pfaueninsel [von karl friedrich schinkel] bei Potsdam (einem Denkmal von dem einfachen Naturgefühl unseres edlen, hingeschiedenen Monarchen [friedrich wilhelm III. von preussen]) von dem hohen Altane bei heller Mittagssonne auf die Fülle schilf- und baumartiger Palmen herabblickt, so ist man auf Augenblicke über die Oertlichkeit, in der man sich befindet, vollkommen getäuscht. Man glaubt unter dem Tropen-Klima selbst, von dem Gipfel eines Hügels herab, ein kleines Palmengebüsch zu sehen. Man entbehrt freilich den Anblick der tiefen Himmelsbläue, den Eindruck einer größeren Intensität des Lichtes; dennoch ist die Einbildungskraft hier noch thätiger, die Illusion größer als bei dem vollkommensten Gemälde. Man knüpft an jede Pflanzenform die Wunder einer fernen Welt; man vernimmt das Rauschen der fächerartigen Blätter, man sieht ihre wechselnd schwindende Erleuchtung, wenn, von kleinen Luftströmen sanft bewegt, die Palmengipfel wogend einander berühren. So groß ist der Reiz, den die Wirklichkeit gewähren kann, wenn auch die Erinnerung an die künstliche Treibhaus-Pflege wiederum störend einwirkt. Vollkommenes Gedeihen und Freiheit sind unzertrennliche Ideen auch in der Natur; und für den eifrigen, vielgereisten Botaniker haben die getrockneten Pflanzen eines Herbariums, wenn sie auf den Cordilleren von Südamerika oder in den Ebenen Indiens gesammelt wurden, oft mehr Werth als der Anblick derselben Pflanzenart, wenn sie einem europäischen Gewächshause entnommen ist. Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter: sie stört in der gefesselten Organisation die freie Entwickelung der Theile.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

dahliamania im 100jährigen altonaer volkspark

in hamburg wird gefeiert: 100 jahre stadtpark. das zweite jubiläum geht etwas unter: 100 jahre altonaer volkspark. eine austellung über den stadtpark( → ‘park pioniere. 100 jahre stadtpark’) & das 750. jubiläum der stadtrechte für altona (→ rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona,…) rücken den volkspark in den hintergrund. ich muss gestehen, dies war mein erster besuch. am rand gelegen und abgeschnitten von der autobahn, abgeschreckt durch die massenveranstaltungs-locations – eine hiess einmal volksparkstadion – am rande des parks, habe ich ihn nie sonderlich wahrgenommen…

1913 beschloss der magistrat der stadt altona, auf initiative des ‚komitees zur förderung der idee der einrichtung eines volksparks in altona‘,  die anlage eines park im seit 1890 zu altona gehörenden bahrenfeld. mittlerweile gut preussisch, sollte er nach kaiser wilhelm II. (zum 25. thronjubiläum 1913) benannt werden. altona war dicht besiedelt, und es fehlte an grünflächen. die möglichkeit zur freizeitgestaltung der arbeiter in altona und die damals sogenannte volksgesundheit waren wichtig für die planungen. man berief ferdinand tutenberg, u.a. mit erfahrungen als obergehilfe in den königlichen gärten in herrenhausen und als garteninspektor in bochum – zum gartendirektor. gestalterisch sollte der altonaer park sich von dem gleichzeitig entstehenden hamburger stadtpark absetzen. ab 1914, parallel zur grossen gartenausstellung in altona, fingen ca. 1000 „notstandsarbeiter“, d.h. arbeitslose, mit den ersten geländearbeiten, unter berücksichtigung der topografischen gegebenheiten, an. nach unterbrechungen im 1. weltkrieg wurden die arbeiten ab november 1918 wieder aufgenommen. 1920 war die parkanlage grösstenteils fertig. mit seinen heute 205 hektar ist er hamburgs grösster öffentlicher park.

zum 100. ein besuch im dahliengarten. 1920 wurde im volkspark die erste dahlienpflanzung angelegt. nach einem umzug auf dem areal des parks befindet er sich seit 1932 an der heutigen stelle. es ist der älteste bestehende dahliengarten in europa.

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ferdinand tutenberg, ‚der neue dahliengarten im volkspark altona‘.

dahlien stammen ursprünglich aus mittelamerika (mexico und guatemala). die erste schriftlichen aufzeichnungen, ende des 16. jh., stammen von dem spanischen arzt francisco hernandez de toledo. die ersten dahlien in europa blühten im real jardín botánico de madrid. ihren namen erhielten sie 1791 von antonio josé cavanilles, direktor des botanischen gartens in madrid, zu ehren des schwedischen botanikers anders dahl, einem schüler von carl von linné.

Wenn man von dem Central-Plateau von Mexico in 7000 Fuß mittlerer Höhe nach den Weizenfeldern von Valladolid de Michuacan, nach dem anmuthigen See von Patzcuaro mit dem bewohnten Inselchen Janicho und in die Wiesen um Santiago de Ario, die wir ([aimé] Bonpland und ich) mit den nachmals so berühmt gewordenen Georginen (Dahlia, Cav.) geschmückt fanden, herabsteigt; […]

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, stuttgart/augsburg, 1845 -1862. bd. IV, 1858.

1804 bringt alexander von humboldt samen von seiner süd- und mittelamerika expedition mit nach berlin und paris und trägt damit zur verbreitung der pflanze in europäischen gärten bei (cf. ’schreiben des herrn a. v. humboldt an den französischen übersetzer‘ in joseph paxton, ‚die cultur der georginen (dahlien)‘, weimar, 1839. dt. ausgabe von ‚a practical treatise on the cultivation of the dahlia‘ , london, 1838.)

Ich kann mich gar nicht entscheiden,
ist alles so schön bunt hier.

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l.: aus dem münsterland: schmuck-dahlie ‚dahliendorf legden‘ (wilhelm schwieters, 2006); r.: showy & chatty wie die meisten, die hirschgeweih-dahlie ’show ‘n’ tell‘ (jack almand, 1985).

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l.: harz? nein nicht hexen. eine fee! dekorative dahlie ‚harzfee‘. taucht im beet auch mit der zuordnung seerosen-dahlie auf: bisher noch keine sichtung im oberharzer wasserregal… (VEG ‚August Bebel‘, 1987); nicht gekennzeichnete sorte im beet ‚lübeck‘, eine der schönsten…

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anarchistische mutanten im beet: r. dekorative dahlie ‚mythos‘ (gerhard wirth, 2004), die mutation ist dekorativer als die dunkelrote sortenreine blüte…; l. einfache dahlie ’saitenspiel‘, rot setzt sich durch (prof. michael otto, 2005).

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typische hamburger garten- und parkmöblierung: der us-amerikanische adirondack chair wurde in hamburg seit der internationalen gartenschau 1953, zum hummelstuhl. r. als trio; l. mit dekablog10 & the one and only bishop…

für meine verhältnisse zu bunt! bestätigung, dass ich wie bei anderen pflanzen die alten bzw. ungefüllten sorten bevorzuge: trotz frühkindlicher sensibilisierung für den show-effekt der pflanze im münsterländischen legden, wo jährlich ein grosses dahlienfest incl. dahlienkönigin & einem karnevalsmässigem blumenkorso stattfindet…

back to basics:

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‚Bishop of Llandaff‘ is famed for its purple, deeply fern-cut leaves supporting small, semi-double red flowers. Even the deepest-dyed of anti-dahlia snobs allows a place for that.

christopher lloyd, ‚dahlias‘ in the guardian, 06/04/1996, reprinted in ‚cuttings – a year in the garden with christopher lloyd‘, london, 2007.

es gab schon einen versuch mit der paeonienblütigen ‚bishop of llandaff‘ – eine züchting von treseder & sons, cardiff , 1928 – im „eigenen garten“. hatte jedoch keine lust die knollen im herbst auszugraben und zu überwintern… verdammt arbeitsintensiv diese pflanze! projekt 2015: bischof im kübel (dann muss man nicht im beet rumwühlen und die schnecken sind besser im zaum zu halten) & auf der muss-ich-noch-lesen-liste rückt ‚the plant lover’s guide to dahlias‘ von andy vernon (portland /london, 2014) nach oben. ein platz für den (die?) kübel & im überfüllten buchregal wird sich finden…

urwald / ‚ansichten der natur‘ von alexander von humboldt

Urwald, Urzeit und Urvolk sind ziemlich unbestimmte Begriffe, meist nur relativen Gehalts. Soll jeder wilde Forst voll dichten Baumwuchses, an den der Mensch nicht die zerstörende Hand gelegt, ein Urwald heißen, so ist die Erscheinung vielen Teilen der gemäßigten und kalten Zone eigen. Liegt aber der Charakter in der Undurchdringlichkeit, in der Unmöglichkeit, sich in langen Strecken zwischen Bäumen von 8 bis 12 Fuß Durchmesser durch die Art einen Weg zu bahnen, so gehört der Urwald ausschließlich der Tropengegend an. Auch sind es keinesweges immer die strickförmigen, rankenden, kletternden Schlingpflanzen (Lianen), welche, wie man in Europa fabelt, die Undurchdringlichkeit verursachen. Die Lianen bilden oft nur eine sehr kleine Masse des Unterholzes. Das Haupthindernis sind die, allen Zwischenraum füllenden, strauchartigen Gewächse: in einer Zone, wo alles, was den Boden bedeckt, holzartig wird. Wenn Reisende, kaum in einer Tropengegend gelandet, und dazu noch auf Inseln, schon, in der Nähe der Küste, glauben in Urwälder eingedrungen zu sein, so liegt die Täuschung wohl nur in der Sehnsucht nach Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. Nicht jeder Tropenwald ist ein Urwald. Ich habe mich des letzteren Wortes in meinem Reisewerke fast nie bedient: und doch glaube ich unter allen jetzt lebenden Naturforschern mit [aimé] Bonpland, [carl friedrich philipp von] Martius, [eduard friedrich] Pöppig, Robert und Richard Schomburgk im Innersten eines großen Kontinents am längsten in Urwäldern gelebt zu haben.

alexander von humboldt, ‚ansichten der natur – mit wissenschaftlichen erläuterungen‘, tübingen, 1808.

boswellia sacra / weihrauch und commiphora myrrha / myrrhe oder 20*C+M+B+14

Gegen Südwesten, am erythräischen [roten] Meere, liegt das schöne Land der Joctaniden, Yemen: fruchtbar und ackerbauend, der alte Cultursitz von Saba. Es erzeugt Weihrauch ( lebonah der Hebräer, vielleicht Boswellia thurifera Colebr.) 760, Myrrhe (eine Amyris-Art, von Ehrenberg zuerst genau beschrieben) […]: Gegenstände eines wichtigen Handels der Nachbarvölker; verführt zu den Aegyptern, Persern und Indern wie zu den Griechen und Römern. Auf diese Erzeugnisse gründet sich die geographische Benennung des „glücklichen Arabiens“, welche wir zuerst bei Diodor und Strabo finden.

760) Der Baum, welcher den arabischen, seit der urältesten Zeit berühmten Weihrauch von Hadhramaut giebt (auf der Insel Socotora fehlt derselbe ganz), ist noch von keinem Botaniker, selbst nicht von dem mühsam forschenden [christian gottfried] Ehrenberg, aufgefunden und bestimmt worden. In Ostindien findet sich ein ähnliches Product, vorzüglich in Bundelkhund, mit welchem von Bombay aus ein beträchtlicher Handel nach China getrieben wird. Dieser indische Weihrauch wird nach [henry thomas] Colebrooke ( Asiatic Researches Vol. IX p. 377) von einer durch] [william] Roxburgh bekannt gewordenen Pflanze: Boswellia thurifera oder serrata, aus der Familie der Burseraceen von Kunth, gewonnen. Da wegen der ältesten Handelsverbindungen zwischen den Küsten von Süd-Arabien und des westlichen Indiens ( Gildemeister, Scriptorum Arabum loci de rebus Indicis p. 35) man in Zweifel ziehen konnte, ob der λίβανος des Theophrastus (das thus der Römer) ursprünglich der arabischen Halbinsel zugehört habe: so ist Lassen’s Bemerkung sehr wichtig ( Indische Alterthumskunde Bd. I. S. 286), daß der Weihrauch im Amara-Koscha selbst » yâwana, javanisch, d. h. arabisch, genannt«: demnach als ein aus Arabien nach Indien gebrachtes Erzeugniß aufgeführt wird. » Turuschka‘ pi ndaka‘ sihlô (drei Benennungen des Weihrauchs) yâwanô«: heißt es im Amara-Koscha ( Amarakocha publ. par A. Loiseleur Deslongchamps P. I. 1839 p. 156). Auch Dioscorides unterscheidet den arabischen von dem indischen Weihrauch. Carl Ritter in seiner vortrefflichen Monographie der Weihrauch-Arten ( Asien Bd. VIII. Abth. 1. S. 356–372) bemerkt sehr richtig, dieselbe Pflanzenart ( Boswellia thurifera) könne wegen der Aehnlichkeit des Klima’s wohl ihre Verbreitungssphäre von Indien durch das südliche Persien nach Arabien ausdehnen. Der amerikanische Weihrauch ( Olibanum americanum unserer Pharmacopöen) kommt von Icica gujanensis Aubl. und Icica tacamahaca: die wir, [aimé jacques alexandre] Bonpland und ich, häufig in den großen Gras-Ebenen (Llanos) von Calabozo in Südamerika gefunden haben. Icica ist wie Boswellia aus der Familie der Burseraceen. Die Rothtanne ( Pinus abies Linn.) erzeugt den gemeinen Weihrauch unserer Kirchen. – Die Pflanze, welche die Myrrhe trägt und welche Bruce glaubte gesehen zu haben ( Ainslie, Materia medica of Hindoostan , Madras 1813, p. 29), ist bei el-Gisan in Arabien von Ehrenberg entdeckt und nach den von ihm gesammelten Exemplaren durch [christian gottfried daniel] Nees von Esenbeck unter dem Namen Balsamodendron myrrha beschrieben worden. Man hielt lange fälschlich Balsamodendron Koraf Kunth., eine Amyris von [peter] Forskål, für den Baum der ächten Myrrhe

alexander von humboldt, ‚kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, zweiter bd. kap. 1, stuttgart und augsburg, 1845 bis 1862.

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boswellia sacra / weihrauch:

[…]sein Geruch steigt ohne Feuer empor, weil er die Augen erhellt und das Gehirn reinigt […]

commiphora myrrha / myrrhe:

Und wenn große Fieber den Menschen anfallen, und wenn ihm dann Myrrhe in warmem Wein zu trinken gegeben wird, dann weicht das Fieber von ihm.

hildegard von bingen, ‚physica‘ oder ‚liber simplicis medicinae‘, bd. 1 ‚de plantis‘, kap. 1-175 + 1-176, um 1150.

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DA Jhesus geborn war zu Bethlehem / im Jüdischenlande zur zeit des königes Herodis / Sihe / da kamen die Weisen Die S. Mattheus Magos nennet / sind Naturkündige vnd Priester gewesen. vom Morgenland gen Jerusalem / vnd sprachen / Wo ist der newgeborne König der Jüden? Wir haben seinen Sternen gesehen im Morgenland / vnd sind komen jn an zu beten. […] Vnd sihe / der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten / gieng fur jnen hin / Bis das er kam / vnd stund oben vber / da das Kindlin war. Da sie den Stern sahen / wurden sie hoch erfrewet / Vnd giengen in das Haus / vnd funden das Kindlin mit Maria seiner mutter / vnd fielen nider / vnd betten es an / Vnd theten jre Schetze auff / vnd schenckten jm Gold / Weyrauch vnd Myrrhen.

matthäus 2, 1-2 + 9-11. übersetzung von martin luther, 1545.

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pilgerzeichen_wacholder_500   die heiligen drei könige bringen geschenke: gotisches pilgerzeichen aus köln, 2.hälfte 15.Jh., bleiguss. nachbildung aus dem kolumba.

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eine nachbemerkung zum dreikönigsschrein in kölner dom (baustelle von 1248 bis 1883) & ein schlenker nach westfalen:

Er ward nicht vollendet — und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmahl von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ihr armen Schelme vom Domverein,
Ihr wollt mit schwachen Händen
Fortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!

[…]

Ja, kommen wird die Zeit sogar
Wo man, statt ihn zu vollenden,
Die inneren Räume zu einem Stall
Für Pferde wird verwenden.

„Und wird der Dom ein Pferdestall,
Was sollen wir dann beginnen
Mit den heil’gen drey Kön’gen, die da ruhn
Im Tabernakel da drinnen?“

So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
In unserer Zeit zu geniren?
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie können wo anders logiren.

Folgt meinem Rath und steckt sie hinein
In jene drey Körbe von Eisen,
Die hoch zu Münster hängen am Thurm,
Der Sankt Lamberti geheißen.

heinrich heine, ‚deutschland. ein wintermährchen‘, hamburg, 1844.

  • ein souvenir aus mailand: die reliquien im dreikönigenschrein im kölner dom.
  • die käfige der wiedertäufer am turm von st. lamberti in münster: ‚drei irrlichter‘ von lothar baumgarten, skulptur projekte münster 1987.

Jeder Schulmeister in einer Lateinischen Schule weiß ein Recept, nach welchem man eine Ode verfertigen kann; und in der That sind die Ingredienzien, bis auf das Eine, das Genie des Dichters, überall zu haben. Eben so läßt sich von jedem Gärtner lernen, daß zu einem schönen Englischen Park Bäume und blühendes Gebüsch, rieselnde Waldbäche, schlängelnde Pfade, Tempelchen, Moossitze, Inschriften, Denksäulen, Begräbnißurnen, und, so Gott will, auch Ruinen, gehören. Dies alles findet man denn in so manchem Garten in England, wie in so manchem auf dem festen Lande, der im Englischen Geschmacke seyn soll. Allein, daß dies Alles auch ein Ganzes bilden sollte, daran wird selten gedacht; weil man sicher glaubt, diese Absicht werde schon durch die Hecke, die das Grundstück vom nachbarlichen Gebiete trennt, vollkommen erreicht.

george forster, ‚ansichten vom niederrhein, von brabant, flandern, holland, england und frankreich, im april, mai und junius 1790.‘, dritter theil, 1794

ps 1: forster scheibt über einen besuch in ‚the leasowes‚.

ps 2: die reise unternahm forster mit alexander von humboldt.