gartenbücher: orangeriekultur mit schmuddelwetter und in der hauptstadt des regens etc.

meine herrschaft, meine maîtresse en titre, meine orangerie … orangerien und die pflanzen, bzw. deren früchte, waren luxus. statussymbole der besitzer. südfrüchte kommen heute im container nach norddeutschland und werden im hamburger hafen oder in bremerhaven gelöscht. geerntet werden sie unreif, der reifeprozess wird für den transport unterbrochen, damit sie „frisch“ und zu jeder jahreszeit verfügbar in den regalen der supermärkte landen. orangen- und zitronenbäume im kübel findet man in historischen und botanischen gärten oder als urlaubserinnerung auf den terrassen der reihenhaussiedlungen. jeden herbst fragt sich der besitzer: wohin damit bis zur kalten sophie?

die goldenen „äpfel“ der hesperiden. die von theophrastos von eresos erwähnte citrus medica, die als erste citrus nach europa eingeführt wurde. und die bedeutungen des begriffs „orangerie“: „1. Ein Platz, ein Quartier im Garten, wo Orangenbäume aufgestellt sind. […]“; „2. Die Bezeichnung Orangerie für ein wie auch immer gebautes festes Gebäude, wurde erst um 1690 gebräuchlich. […] & „3. Zu Beginn stand der Begriff „Orangerie“ für eine botanische Sammlung verschiedener kälteempfindlicher Pflanzen, dazu gehörten Orangenbäume. […]“. in ersten beitrag des neue bandes der schriftenreihe des arbeitskreises orangeriekultur in deutschland e.v.,“nicht nur zur weihnachtszeit – orangerien in nordwest-deutschland“, gibt margita m. meyer (gartendenkmalpflege, landesamt für denkmalpflege schleswig-holstein) einen guten überblick über die geschichte der sammlung von exoten und ihrer unterbringung. meyer beschreibt auch die einflüsse aus italien, frankreich und den niederlanden. hier, in der republik der zeven verenigde provinciën, hat(te) es die orangeriekultur zur staatssymbolik gebracht, oranje. die handelswege im norden und die heiratspolitik des hauses oranje-nassau führten bereits im 17. jh. zu einer dutch wave: oranienbaum im heutigen gartenreich dessau-wörlitz, oranienburg bei berlin oder oranienstein an der lahn & neben bloembollen kamen gartenbücher mit dem nötigen know-how.

„Ein neblichtes und schlackriges Wetter“

die besten beschreibungen des norddeutschen schmuddelwetters hat der hamburger senator und gartenbesitzer barthold heinrich brockes geliefert. dieses wetter mit meeresklima hat seine tücken, gerade für mediterrane pflanzen. der band stellt orangerien der pfeffersäcke in den hansestädten hamburg und bremen, in der residenzstadt oldenburg, in ostfriesland und die sicherung des gewächshauses im botanischen garten greifswald vor.

und eine gärtnerei. geht man heute durch den jenisch park, die ehemalige ornamented farm von caspar voght, findet man noch das gewächshaus, das für die internationale gartenbauausstellung 1953 vorgängerbauten ersetzte. voght holte den schottischen gärtner james booth nach flottbek. die geschichte der gärtnerei und baumschule erzählt heino grunert (gartendenkmalpflege, behörde für umwelt und energie – amt für naturschutz, grünplanung und energie, hamburg): „die flottbeker baumschule von james booth und söhne“. gehölze, die rosa x alba ‚königin von dänemark‘ und der handel mit exoten. pflanzen als handelsprodukt.

die wahrscheinlich „schrägste“ orangerie, historismus pur, in norddeutschland, befindet sich in schwerin: nach einem spaziergang durch den ehemals barocken schlossgarten, von peter joseph lenné zum landschaftspark umgestaltet, ist das café im burggarten, auf der schlossinsel, die erste wahl. ein zweiflügeliger anbau an das schloss mit arkardengang und terrasse, blick auf den schweriner see inklusive. historismus und sahnetorte. neben den pflanzen im beet, verweisen einige kübel die auf ursprüngliche nutzung: eine orangerie. in ihrem text „orangeriepflanzen für den mecklenburg-schweriner hof“, gibt die landschaftsarchitektin katja pawlak einen überblick über die pflanzen und gebäude im 18. und 19. jh. in den residenzen ludwigslust und schwerin. schlossgärtner ralph schmalz schreibt über die entstehung der heutigen pflanzensammlung in schwerin.

bereits 1685 ist eine orangerie in schwerin nachgewiesen. der heutige bau geht auf die rückkehr des hofes aus ludwigslust in die neue, alte residenz schwerin zurück. unter friedrich franz II., grossherzog von mecklenburg, wurde das schloss marketingmässig als das „neuschwanstein des nordens“ bezeichnet, in den Jahren 1845 bis 1857 vom hofbaumeister georg adolph demmler, hermann willebrand und, aus preussen, friedrich august stüler umgestaltet. gottfried semper lieferte entwürfe für den neubau. 1853 enstand die orangerie am schloss im burggarten. bereits von demmler 1843 geplant ist sie das prunkstück der anlage. der burgarten ist das werk des hofgärtnermeisters theodor klett unter einbeziehung von entwürfen von demmler, semper und lenné. eisenarchitektur, freiteppen, arkaden und das dach der orangerie als begehbare terrasse.

semper? eine orangerie, über die leider kaum literatur existiert, fehlt auch in diesem band. gottfried semper, in hamburg geboren und in altona aufgewachsen, baute 1834 hier, im heutigen donnerspark in ottensen, sein erstes gebäude. für die skulpturensammlung des auftraggebers, conrad hinrich donner, enstand in dessen garten ein pavillon mit oktogonaler kuppel, einem gewächshaus und einer orangerie. für die gartenbauausstellung 1914 in altona wurde das gebäude zum café umgebaut. im 2. weltkrieg zerstört, fielen die reste in den 1950igern der grünflächenplanung der freien und abrissstadt hamburg zum opfer.

die südlichste orangerie im band, abgesehen von heizungen, befindet sich im münsterland:

„DE PLVVIIS MONASTERII VRBIS“

das münsterland ist ein regenloch. wetter das es in den niederlanden und ostfriesland über die deiche schafft, bleibt spätestens am teutoburger wald und dem sauerland hängen. „Patrium nimborum“ hat fabio chigi, päpstlicher gesandte bei den friedensverhandlungen während des dreissigjährigen krieges, münster genannt, die „hauptstadt des regens“. bekannt ist die gegend eher als „Vaterland‘ der Schinken, […] wo Schweinebohnen blühen“ (heinrich heine) als für exotische pflanzen im kübeln, die ein winterquatier benötigen.

kaffee trinken unter palmen nach einem botanischen spaziergang im schlossgarten. im winter ein blick durch die scheiben oder wenn gelüftet wird ohne glas durch die offenen fenster: irgendetwas blüht immer … die orangerie im botanischen garten ist eines der wenigen beispiele eines klassizistischen orangeriegebäudes. geschichte und vorgeschichte der heutigen orangerie beschreibt marcus weiß (gartendenkmalpflege, lwl – landschaftsverband westfalen-lippe).

von 1767 bis 1787 entstand das fürstbischöfliche schloss, vorher hatte die landesherren keine repräsentative residenz in der domstadt, nach plänen von johann conrad schaun. für den auftraggeber, fürstbischof maximilian friedrich von königsegg-rothenfels, entwarf schlaun nicht nur das schloss. der generalplan von 1769 zeigt auf der von fürstbischof christoph bernhard „bommen berend“ von galen ab 1661 angelegten zitadelle (eine zwingburg gegen die renitente bevölkerung, den magistrat und das domkapitel), im barocken schlossgarten neben parterres bereits eine orangerie. gebaut hat schlaun eine orangerie auf der anderen seite der stadtbefestigung für das mitglied des domkapitels und späteren weihbischofs von hildesheim, johann wilhelm von twickel. ein lustgarten auf der ehemaligen johannisschanze – twickelschanze, die heutige engelenschanze – existiert nur noch als plan (1729/31). dieser zeigt zwei nach holländischem typ geplante gebäude, orangerien, innerhalb der verteidigungswälle. eine weitere erhaltene orangerie von schlaun befindet sich im westgarten von schloss nordkirchen, dem münsterländer het loo. ab 1729 errichtet, im typischen schlaun’schen materialmix aus roten ziegeln und baumberger sandstein. doch zurück in den schlossgarten …

schlauns nachfolger wilhelm ferdinand lipper und der hofgärtner franz conrad haas konnte unter dem letzten regierenden fürstbischof maximilian franz von österreich nur eine reduzierte gestaltung des schlossgartens realisieren: die kosten … bereits ab 1788 war der schlossgarten für die bevölkerung zugänglich. 1797 wird an der neu gegründeten universität ein lehrstuhl für naturgeschichte eingerichtet und der arzt und botaniker franz wernekinck berufen. 1803 erfolgt per dekret, das ehemalige fürstbistum ist jetzt preussisch, von freiherr heinrich friedrich karl vom und zum stein, oberpräsidenten von westfalen, die gründung des botanische gartens im schlossgarten. wernekinck wird der erste direktor. für den übriggebliebenen, vernachlässigten teil des gartens erstellte 1854 peter joseph lenné ein gutachten zur umgestaltung in einen landschaftspark. die planung übernahm joseph clemens weyhe, königlicher garteninspektor in düsseldorf.

der bau der orangerie fällt in die amtszeit des gärtner bernhard revermann, der von 1817 bis 1869 für den botanischen garten und den schlosspark zuständig war. grosse teile wurden kommerziell genutzt: eine baumschule wird betrieben, und 1827 erscheint der erste samenkatalog. die orangerie ist über der eingangstür mit 1840 datiert. ein mit nach süden hin durch fenster beleuchteter und befüfteter langgestreckter bau mit krüppelwalmdach, und an den giebelseiten räume für die gärtner. ob es bereits citrus in kübeln gab oder eher vicia faba vorgezogen wurden?

die provenienz der pflanzen etc.

die geschichte der gartenkunst ist, wie alle geschichtsschreibung, eine geschichte der sieger. im falle der orangerien der sieger über die natur und das klima. fürsten, kaufleute und andere wohlhabende privatpersonen, die „blumen liebten“, gärten und parks anlegen liessen oder eben orangerien betrieben. (hof)gärtner und ihre mitarbeiter, deren namen selten bekannt sind, die es schafften exoten am leben zu erhalten und unter widrigsten umständen orangen und zironen in der küche abzuliefern. viel wird über die beheizung und belüftung der orangerie geforscht. fussnoten über die unbeheizten behausungen des personals findet man kaum. die pflanzen in der orangerie führten ein luxusleben. woher kamen die pflanzen? aus dem land wo die zitronen blühen: andenken an die grand tour, italiensehnsucht & pflanzentourismus. aus den kolonien: der warenverkehr des europäischen imperialismus. es wurde untereinander getauscht: welche politischen allianzen, bzw. gerade in hamburg und bremen, welche wirtschaftlichen verflechtungen und pleiten führten zur wanderung der pflanzkübel von orangerie zu orangerie? das thema orangeriekultur, abgesehen von der diskussion über das verhältnis von gartenkultur und architektur, wäre ein präzedenzfall zur erforschung der gartenkultur und -geschichte jenseits von süssen orangen & blümchen … sicherlich nicht ohne saure zitronen.

„orangeriekultur in bremen, hamburg und norddeutschland – transport und klimatisierung der pflanzen“, hrsg. vom arbeitskreis orangerien in deutschland e.v., schriftenreihe orangeriekultur bd. 15, 197 s., broschur, berlin: lukas verlag 2018, isbn 978-3-86732-315-4

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über gartenTourismus / ‚the innocents abroad‘ von mark twain

VERSAILLES! It is wonderfully beautiful! You gaze, and stare, and try to understand that it is real, that it is on the earth, that it is not the Garden of Eden—but your brain grows giddy, stupefied by the world of beauty around you, and you half believe you are the dupe of an exquisite dream. The scene thrills one like military music! A noble palace, stretching its ornamented front block upon block away, till it seemed that it would never end; a grand promenade before it, whereon the armies of an empire might parade; all about it rainbows of flowers, and colossal statues that were almost numberless, and yet seemed only scattered over the ample space; broad flights of stone steps leading down from the promenade to lower grounds of the park—stairways that whole regiments might stand to arms upon and have room to spare; vast fountains whose great bronze effigies discharged rivers of sparkling water into the air and mingled a hundred curving jets together in forms of matchless beauty; wide grass-carpeted avenues that branched hither and thither in every direction and wandered to seemingly interminable distances, walled all the way on either side with compact ranks of leafy trees whose branches met above and formed arches as faultless and as symmetrical as ever were carved in stone; and here and there were glimpses of sylvan lakes with miniature ships glassed in their surfaces. And every where—on the palace steps, and the great promenade, around the fountains, among the trees, and far under the arches of the endless avenues, hundreds and hundreds of people in gay costumes walked or ran or danced, and gave to the fairy picture the life and animation which was all of perfection it could have lacked.

It was worth a pilgrimage to see. Every thing is on so gigantic a scale. Nothing is small—nothing is cheap. The statues are all large; the palace is grand; the park covers a fair-sized county; the avenues are interminable. All the distances and all the dimensions about Versailles are vast. I used to think the pictures exaggerated these distances and these dimensions beyond all reason, and that they made Versailles more beautiful than it was possible for any place in the world to be. I know now that the pictures never came up to the subject in any respect, and that no painter could represent Versailles on canvas as beautiful as it is in reality. I used to abuse Louis XIV. for spending two hundred millions of dollars in creating this marvelous park, when bread was so scarce with some of his subjects; but I have forgiven him now.

mark twain ‚the innocents abroad, or, the new pilgrim’s progress; being some account of the steamship quaker city’s pleasure excursion to europe and the holy land; with descriptions of countries, nations, incidents and adventures […]‘, 1869

alter botanischer garten, kiel

ursprünglich 1669 unter christian albrecht von schleswig-holstein-gottorf als hortus medicus von johann daniel major, wahrscheinlich nach dem vorbild des orto botanico di padova angelegt, mit pflanzen aus dem neuwerk in gottorf (schleswig) im garten des kieler schlosses gegründet. aus dem dann königlich dänischen botanischen garten, direktor ernst ferdinand nolte lieferte beiträge für die ‚flora danica‘, wurde ein königlich preußischer. nach umzügen wurde der jetzige alte botanische garten an seinem heutigen platz 1884 eröffnet. das areal, 1825 als english landscape garden in der endmoränenlandschaft vor der stadt angelegt, gestaltete adolf engler (prof. für systematische botanik an der christian-albrechts-universität zu kiel & ab 1889 direktor des botanischen garten in berlin, schöneberg später dahlem) diesen von 1878 bis 1884 in einen botanischen garten um. der erste botanische garten mit einer pflanzengeographie. ab 1975 zog der (neue) botanische garten auf den campus der universität um. übrig blieb eine öffentliche parkanlage … Weiterlesen

efterår i gråsten slotshave

barocke äpfel & ein english landscape garden mit modernen beeten … der kontrast kommt sowohl dem 18 jh. als auch dem 20. jh. zu gute. sommerfrische für die dronning: zwischen ende juli und anfang august ein privater garten & in der restlichen zeit ein öffentlich zugänglicher park. herbst im schlossgarten von gravenstein:

grasten_slotshave_herbst_800 Weiterlesen

botanik im schlossgarten, münster

botanischer_garten_ms_800 Weiterlesen

glücksburg (herzoglich-exotisch & privat)

glücksburg_herzog_privat_800 Weiterlesen

in gesellschaft durch die festonallee: schloss bothmer

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hannover & great britain im klützer winkel

das schloss in klütz, zwischen lübeck und wismar, wurde von johann friedrich künnecke im auftrag von hans caspar von bothmer zwischen 1726 und 1732 gebaut. bothmer war hofjunker von sophia dorothea von celle (verheiratet mit dem hannoverscher kurfürsten georg ludwig aka george I., ab 1714 de iure königin von grossbritannien und bekannt als „prinzessin von ahlden“) in hannover. in seiner londoner zeit, ab 1711, in der hanoverian chancery, hatte bothmer seinen dienstsitz in 10 downing street. die fertigstellung von schloss bothmer erlebte er nicht mehr. seine neffe erbte das anwesen.

nach niederländischen (het loo und huis de voorst) und englischen (buckingham house, der vorgängerbau des heutigen palace) vorbildern, entstand eine flügelanlage aus backstein mit corps de logis und seitenflügeln mit je drei kavaliershäusern. gelegen auf einer rechteckigen garteninsel (siehe die gräften/kanäle in herrenhausen und het loo). der englische einfluss lässt sich auch an einigen noch erhaltenen sash windows, der holländische nicht an delfts blauw, sondern an harlinger bibelfliesen und amsterdamer landschafts- und hirtenfliesen ablesen. nach dem 2.weltkrieg wurde das bis dahin im familienbesitz befindliche schloss enteignet. ab 1948 diente das gebäude als feierabendheim clara zetkin und zeitweise als berufschule. ab 1990 blühten die landschaften, ab 1994 stand das gebäude leer … 1998 wurde das schloss an einen privaten investor verkauft, kaufpreis € 1: schlosshotel, etc. … der garten war nicht mehr öffentlich zugänglich. eines von vielen nach-wende-projekten. seit 2008 gehört das schloss dem land mecklenburg-vorpommern und wurde, finanziert durch die deutsche stiftung denkmalschutz, renoviert. seit mai 2015 ist das schloss wieder zugänglich.

der garten Weiterlesen

schlossgarten glücksburg

glücksburg_förde_1877_500   glücksburg mit schlossteich, schloss & garten. oben links/nordöstlich die halbinsel holnis in der flensburger förde. oben rechts/nordwestlich die okseøerne / ochseninseln mit sønderhav / süderhaff (von april bis oktober: annies kiosk, hot dogs mit røde pølser…). detail: ‚königl. preuss. landes-aufnahme, blatt 130, glücksburg, 1877. herausgegeben 1879.‘

um 1209/10 gründeten zisterzienser das rudekloster auf dem gebiet des heutigen glücksburg. der klostergarten war der erste garten auf diesem areal.

Der Platz zu dem neuen Kloster soll der König [von dänemark] geschenkt haben, und vielleicht hieß er Kongens=Rye, Rye aber, wovon auch Rüde benannt seyn wird,bedeutet einen Holzanwachs. Man suchte gerne ähnlich klingende lateinische Namen für die Klöster und so wurde dieses Rus regis genannt, d. i. des Königs Feld oder Land, […]
Von dem Rude=Kloster sind nicht viele Nachrichten aufbehalten. Die eigentliche Lage desselben ist nicht genau zu erkennen, weil dort jetzt der Glücksburger Schloßgraben oder See ist. Man hat indessen, wenn der See abgelassen worden, noch den Kirchhof bemerkt, und in den ausgemauerten Gräbern die Leichname der Mönche fast unverweset in ihrer Ordenstracht gefunden. Dies geschah namentlich noch 1763. Das Kloster hatte Landbetrieb und ein besonderes Vorwerk oder einen Meierhof. Beim Kloster war übrigens nur ein kleines Wirthshaus, nach Nordosten hin lag ein Dorf Skovbye und von dort ersteckten sich große Waldungen bis nach Holnis.

hans nicolai andreas jensen, ‚angeln. zunächst für die angler historisch beschrieben‘, flensburg, 1844

1538 wurde das kloster in folge der reformation säkularisiert und fiel 1544 in den besitz des dänischen königs christian III. 1582 belehnte frederik II. von dänemark seinen bruder herzog johann III. von schleswig-holstein-sonderburg, genannt hans der jüngere, mit glücksburg. johann III. liess das kloster abbrechen. das renaissance schloss wurde zwischen 1582 und 1587 von nikolaus karies neben dem ehemaligen kloster gebaut. für den schlossteich wurde das wasser der schwennau und der munkbrarupau aufgestaut.

glücksburg_rudekloster_schwan   ein schwan auf dem schlossteich: ungefähr über den resten des rudeklosters.

der name ‚glücksburg‘ für das schloss, und später den ort, bezieht sich auf den wahlspruch johann III.: ‚gott gebe glück mit frieden‘, abgekürzt über dem schlossportal: ‚G G G M F‘.

Dieser Ort, welcher eine eigene Gemeine bildet, ist ganz vom Kirchspiel Munk=Brarup umschlossen, und verdankt seine Entstehung dem Schlosse, […], ein alterthümliches, starkes, durch und durch gewölbtes Gebäude, innerhalb der Mauern 50 Ellen im Quadrat haltend, an den vier Ecken mit Thürmen versehen, und mit einer 1768 erneuerten Spitze auf dem mittlersten der drei Dächer, mit denen das Schloß versehen ist.[…] Seitwärts von dem Schlosse liegen die Nebengebäude. Der Schloßgarten ist 1733 angelegt, da wo früher der Ladegaard oder Meierhof (Vorwek) stand, […] Die Häuser [des ortes] liegen meistens in den Gärten sehr anmuthig, wie denn überhaupt Schloß und Flecken eine herrliche Lage haben, in einer Gegend, die an Naturschönheiten reich ist. Aber da der Ort durch die Hofhaltung entstanden und davon abhängig ist, besitzt er sonst keine Nahrungsquellen. Ausser einigen Handwerkern wird Gartenbau getrieben und Obst und andere Gartengewächse nach Flensburg, welches nur eine Meile entfernt liegt, abgesetzt. […] Pensionisten und Leute, die sonst ihr Leben in Ruhe beschliessen können und wollen, pflegen sich wohl an diesem freundlichen Orte niederzulassen.

hans nicolai andreas jensen, ‚angeln. zunächst für die angler historisch beschrieben‘, flensburg, 1844

nach johanns‘ tot erhielt sein sohn philipp das schloss und die ländereien. er begründete die ältere linie des hauses schleswig-holstein-sonderburg-glücksburg.

[kurze anmerkung zwischendurch: die sache mit den linien & die sprünge – aus heutiger sicht – von dänemark nach deutschland und zurück lassen sich in schleswig-holstein (ebenso in hamburg-altona) nicht vermeiden. oder um es mit einem zitat zu sagen:

„Only three people,“ said [prime minister] Palmerston, „have ever really understood the Schleswig-Holstein business – the Prince Consort, who is dead – a German professor, who has gone mad – and I, who have forgotten all about it.“

lytton strachey, ‚queen victoria‘, 1921.]

der erste barocke lustgarten wurde von 1706 bis 1709 unter herzog philipp ernst von dem gärtner jürgen lorentzen angelegt. 1733 , unter friedrich dem älteren, folgte eine erweiterung um ein parterre. der ältere teil, das heutige rosarium, wird zum küchengarten. das wasserschloss ist durch die vorburg vom garten und der 1743 gebauten orangerie getrennt.
dieser zustand des garten ist auf dem gemälde ‚rückkehr von der jagd‘, 1755, überliefert.

glücksburg_advent_postkarte   4. advent in glücksburg: postkarte ‚rückkehr von der jagd’…

friedrichs sohn, friedrich heinrich wilhelm, war der letzte bewohner der „älteren linie“. seine frau anna carolina von nassau-saarbrücken-usingen nutzte das schloss später als witwensitz. unter ihr wurde der garten dem zeitgeschmack, nach englischem vorbild, angepasst. die barocke grundstruktur blieb jedoch erhalten. die reste der einst barocken lindenallee, lange falsch beschnitten, zwischen garten und schlossteich und die barocke wegführung sind bis heute erhalten.

glücksburg_lindenallee   blick durch die lindenalle in richtung schloss.

die orangeriepflanzen wurden abgeschafft. anstelle der barocken orangerie wurde ab 1827 von wilhelm friedrich meyer, königlich dänischer bauinspektor in schleswig, ein klassizistisches gartenhaus gebaut. meyer, ein schüler von christian frederik hansen, legte seinen entwurf hansen, seit 1805 landbaumeister des herzogtums schleswig, vor. hansen befand das gartenhaus für zu gross. der zweite entwurf wurde realisiert. obwohl nie für kübelpflanzen genutzt hat sich die bezeichnung ‚orangerie‘ für das gartenhaus bis heute erhalten.

glücksburg_blick_vom_gartenhaus_500  blick vom gartenhaus in richtung schloss. rechts die lindenallee und der schlossteich.

am westlichen ufer des schlossteiches liess anna carolina für sich einen privaten natur- bzw. waldgarten anlegen. die bezeichnung ‚carolinenlund‘ wird heute manchmal noch für dieses areal benutzt.

mit friedrich heinrich wilhelm starb die ältere line aus und das schloss fiel an die dänische krone zurück. frederik VI. übergab das schloss und den herzogstitel an friedrich wilhelm von schleswig-holstein-sonderburg-beck , einem nachfahren hans des jüngeren. mit seiner frau louise caroline, tochter des landgrafen karl von hessen-kassel (garten louisenlund) und louise von dänemarks , begründete er die jüngere linie schleswig-holstein-sonderburg-glücksburg.

[,..holk] hatte sich nach dem nächstgelegenen Treibhause begeben, in dessen Front er seinen Gärtner emsig bei der Arbeit sah. Und hier, nach kurzer Begrüßung, riß er zwei Blätter aus seinem Notizbuch und schrieb ein paar Telegrammzeilen […]. „Diese Telegramme, lieber Ohlsen, müssen nach Glücksburg oder meinetwegen auch nach Arnewiek; es gilt mir gleich, wo Sie’s aufgeben wollen. Nehmen Sie den Jagdwagen.“
Der Gärtner, ein Muffel, wie die meisten seines Zeichens, war augenscheinlich verdrießlich, weshalb Holk hinzusetzte: „Tut mir übrigens leid, Ohlsen, Sie bei der Arbeit stören zu müssen; […]“
Der Gärtner fand sich nun wieder zurecht und sagte, daß er, wenn’s dem Grafen recht wäre, lieber nach Glücksburg wolle; […]
„Mir recht“, sagte Holk. „Und wenn Sie mal da sind, […] fragen Sie auch, ob der König schon da ist, ich meine in Glücksburg, und wie lange er wohl bleibt.“

theodor fontane, ‚unwiederbringlich‘, 1887/90, in ‚deutsche rundschau‘, berlin, januar-juni 1891. der roman spielt auf dem fiktiven schloss holkenäs des grafen holk auf der halbinsel holnis.

das schloss diente der dänischen königsfamilie häufig als sommerresidenz. heute verbringt die dänische königin ihren sommer auf der anderen seite der flensburger förde im gråsten slotshave (nach gråsten, deutsch gravenstein, ist der gleichnamige apfel benannt). frederik VII. liess gegenüber dem schloss am schlossteich, seinen lieblingsplatz, eine eiche pflanzen. von der königs eiche hat man einen der besten blicke auf die anlage.

glücksburg_königs_eiche   glücksburg_blick_königs_eiche

da frederik VII. kinderlos war wurde der vierte sohn des glücksburger herzogs friedrich wilhelm zum dänischen thronfolger bestimmt: der spätere christian IX. von ihm stammt das dänische, das norwegische und das ehemalige griechische königshaus ab…

glücksburg_1877

das schloss wurde 1922 von der familie in die ’stiftung schloss glücksburg‘ eingebracht.

die wappenhaltenden löwen aus dem 18. jahrhundert vor dem schlossportal stammen vermutlich vom eingang des barocken gartens der als grünfläche irgendwie überlebt hat.

glücksburg_löwe_portal_links_500   glücksburg_löwe_portal_rechts_500

am schloss befinden sich noch weitere skulpturen aus dem garten: eine sandsteinfigur des kriegsgottes mars und zwei empire-vasen aus sandstein.

glücksburg_mars   glücksburg_vasen

die brücke zwischen vorburg und garten wurde 2013 mit hilfe von spendern neu gebaut.

glücksburg_brücke_gartenhaus   die barocke hauptachse: blick von der vorburg über die brücke in richtung gartenhaus.

auf den gelände der ehemaligen schlossgärtnerei wurde 1990/91 von dem rosenzüchter ingwer j. jensen und dem landschaftsarchitekten günther scholz ein rosarium angelegt. im jahre 2012 gab es gerüchte das teile des rosariums einem busparkplatz weichen sollen… in dem 1833 erbauten wohnhaus des gärtners befindet sich heute eine café. die ehemalige schlossgärtnerei gehört zum rosarium und dient als „shop“.

gegenüber der beiden gebäude, an der strasse am schlossgarten, liegt der alte glücksburger friedhof mit dem von vier linden eingerahmten grab der herzogin anna carolina.

glücksburg_alter_friedhof   blick vom grab auf das gärtnerhaus (l.) und die schlossgärtnerei (r.).

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ostsee_flensburger_förde_2013_500   die förde in hammershøi-grau am kürzesten tag des jahres.

„Bäume, Hecken und Statüen hiengen voll von Schaulustigen.“ / die herrenhäuser gärten im regen: feuerwerk für george IV. könig von england und von hannover, 18. oktober 1821.

Von Sonnenuntergang bis spät in die Nacht strömten nun Einheimische und Fremde nach Herrenhausen hinaus. Eine unabsehbare und ununterbrochen fortgesetzte Kette von Fußgängern zog sich fort vom Steinthore durch die mit Pechfackeln hell erleuchtete Allée bis zum Herrenhäuser Schloßgarten, während der Fahrweg dahin niemals von der prachtvollsten Equipagen leer wurde, deren man mehrere hunderte gezählt haben will. Der Schloßgarten selbst stand heute für jedermann offen; um jedoch in den inneren Schloßhof, nach der Gartenseite hin, Zutritt zu bekommen, waren Einlaß-Karten erforderlich, und deren für mehr als zweytausend Personen ausgetheilt worden. Daraus kann der Leser auf die Anzahl von Zuschauern schließen, welche auf dem großen Raume des Schloßgartens in gedrängten Haufen versammelt war. Bäume, Hecken und Statüen hiengen voll von Schaulustigen. Welche bedeutende Zurüstungen zu dem Feuerwerke gemacht worden, welches heute abgebrannt zu werden bestimmt war, das werden meine Leser aus der unten folgenden ausführlichen Beschreibung ersehen können. Aber der Himmel lächelte gerade heute nicht heiter, sondern drohete sogar gegen Abend, alle frohen Erwartungen durch herabströmende Regengüsse gänzlich zu stören. Völlig so arg wurde es nun freylich nicht, aber das Ganze würde gewiß in jedem seiner einzelnen Theile einen ungleich imposanteren Eindruck gemacht haben, wenn die Maschinerien nicht von der feuchten Luft allmählig durchnäßt worden wären. Seiner vielfachen Schönheiten ungeachtet, konnte dieß Schauspiel die Menge nicht in Enthusiasmus setzen, welches gewiß geschehen seyn würde, wenn die Zuschauer selbst weniger vom Regen belästiget worden wären. Geduldig, wie es die Nähe des geliebten Monarchen gebot, harreten Zuschauer in den zwar mäßig herabfallenden, aber wegen seiner ununterbrochenen stundenlangen Fortdauer am Ende lästig werdenden und ihre Kleidung tränkenden Regen; und wer kann zur Freude gestimmt seyn, wenn er an einem kühlen Herbstabende bis auf die Haut durchnäßt unter freyem Himmel stundenlang verweilt? – Nun noch die Hauptsache, der verehrte Landesvater fehlte, Dessen Gegenwart allein schon dem Ganzen einen belebenden Geist hätte einhauchen können. Se. Königl. Maj. Waren Gottlob ! In so weit wieder hergestellt, daß Allerhöchst-Dieselben am Fenster im Sessel dem Feuerwerke zusehen konnten, aber die Menge konnte dieß der großen Entfernung wegen nicht wahrnehmen. Denn welch‘ einen schönen Eindruck jede allegorische Darstellung des Feuerweks auf due versammelte Menge machte, sobald solche nur entfernt an den verehrten Monarchen und Sein erlauchtes Haus erinnerte: dieß beweiset der einstimmige herzliche Jubel, in welchen die Zuschauer bey der leisesten Anspielung auch heute Abend ausbrachen.

heinrich dittmer, ‚ authentische und vollständige beschreibung aller feyerlichkeiten, welche in dem hannoverschen lande bey der anwesenheit seiner königl. majestät georgs des vierten während dem monate october 1821 veranstaltet worden sind.‘

oranienbaum

oranienbaum