„What is sour in the house a bracing walk makes sweet.“ / ‚wild apples‘ von henry david thoreau

All apples are good in November. Those which the farmer leaves out as unsalable, and unpalatable to those who frequent the markets, are choicest fruit to the walker. But it is remarkable that the wild apple, which I praise as so spirited and racy when eaten in the fields or woods, being brought into the house has frequently a harsh and crabbed taste. The Saunterer’s Apple not even the saunterer can eat in the house. The palate rejects it there, as it does haws and acorns, and demands a tamed one; for there you miss the November air, which is the sauce it is to be eaten with. Accordingly, when Tityrus, seeing the lengthening shadows, invites Meliboeus to go home and pass the night with him, he promises him mild apples and soft chestnuts, – mitia poma, castaneœ molles. I frequently pluck wild apples of so rich and spicy a flavor that I wonder all orchardists do not get a scion from that tree, and I fail not to bring home my pockets full. But perchance, when I take one out of my desk and taste it in my chamber, I find it unexpectedly crude, – sour enough to set a squirrel’s teeth on edge and make a jay scream.

These apples have hung in the wind and frost and rain till they have absorbed the qualities of the weather or season, and thus are highly seasoned, and they pierce and sting and permeate us with their spirit. They must be eaten in season, accordingly, – that is, out-of-doors.

To appreciate the wild and sharp flavors of these October fruits, it is necessary that you be breathing the sharp October or November air. The out-door air and exercise which the walker gets give a different tone to his palate, and he craves a fruit which the sedentary would call harsh and crabbed. They must be eaten in the fields, when your system is all aglow with exercise, when the frosty weather nips your fingers, the wind rattles the bare boughs or rustles the few remaining leaves, and the jay, is heard screaming around. What is sour in the house a bracing walk makes sweet. Some of these apples might be labelled, “To be eaten in the wind.”

henry david thoreau ‚wild apples. the history of the apple-tree‘ in ‚the atlantic der monthly‘, volume 10, no. 61, boston 1862

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pflanzen im knick & „das Wilde in dem Künstlichen“ / ‚oeconomisch-practische anweisung‘ von nicolaus oest

Von der Besetzung der Erdwälle mit lebendigen Pflanzen.

[…]

§. 43.

Was die Wahl der Pflanzen anbetrift, so nimmt man überhaupt lieber die jungen, als die alten. Diejenige, welche eines guten Fingers Dicke haben, oder im Durchschnitt etwa einen Zoll halten, sind die besten. Je mehr Wurzeln daran sind, desto besser ist es, und je mehr Erde sie aus ihrem vorigen Lager mitbringen, desto gewisser werden sie bekleiben.

§. 44.

Welche Art von Heckenpflanzen man den Vorzug geben solle, wird vornehmlich von der Absicht desjenigen abhangen, der sie brauchen will. Manchem ist es nur um eine wehr= und dauerhafte, einem anderen zugleich um eine zierliche, noch anderen um eine Holz= und Fruchtbringende Hecke zu thun. Ersterer wir allen Arten von Dornen den Vorzug geben; der andere wir vornehmlich auf die Hagebuche verfallen und die letzteren gerne Ellern und Haselstauden haben wollen. Selten aber findet man, ausser in und um den Garten solche Hecken, die nur aus einer Pflanzenart bestünden. Man pflanzet vielmehr eines unter das andere, zuweilen wie es fällt, doch auch manchmahl mit einer gewissen Anordnung und Ueberlegung.

§. 45.

Von den hier gewöhnlichen Staudenarten, die man zu lebendigen Zäunen zu nehmen pflegt, habe folgendes angemerkt: […]

§. 46.

Der Weißdorn giebt eine dick durchgewachsene Hecke, und kann die scharfen Nordwinde gut aushalten, obgleich die zarte Frühlingssprossen von den kalten Winden und Nachtfrösten leichtlich Schaden nehmen, wodurch aber die Zweige desto stärker seitwärts treiben und den Busch dichter machen. Einige wollen sagen, daß wir hier zu Lande den rechten Weißdorn nicht oder sehr selten finden. Ich habe indessen angemerkt, daß wenn obige Art einen guten Boden und Schutz gegen die scharfen Winde hat, selbige eine weissere Rinde, grössere Blätter, längere Stachel und stärkeren Wachsthum habe, wie sonst.

[…]

§. 49.

Der Schleedorn macht an den Orten, wo er gerne wächset, ein Gewirre, dadurch so leicht nichts durchbrechen kann und steht im Sturm unbewegt. Er nimmt mit einem schlechten Boden vorlieb, wenn er nur leimicht ist. Weil er keine saserichte Wurzeln hat, so muß man von seinen langen Wurzeln zum wenigsten einen oder zwei Fuß mitnehmen, wenn man ihn verpflanzen will, und bei dem Setzen den Leim fest an die Wurzel treten. Sonst wird er schwerlich wachsen. Wo er aber anschlägt, da breitet er sich sehr aus. Daher ist es nöthig ihn durch einen Graben, oder durch fleißiges Aushacken in seinen Schranken zu halten. Er gibt sonst das allerbeste Buschwerk zu todten Zäunen.

§. 50.

Die Hagebuche empfiehlet sich theils durch ihre Schönheit, theils durch die gute Schutzwehr, die sie leistet, theils durch den nützlichen Gebrauch des Holzes. Denn es ist das feine Gesträuch nicht nur zu Besemen und Erbsenruthen, wie auch zum Brennen dienlich; sondern es dienet auch, wenn man es stärker werden lässet, wegen seiner Härte und Festigkeit den Tischlern und Drechslern zu verschiedenem Gebrauch, und den Müllern zu Zähnen oder Zacken in den Kammrädern.

[…]

§. 52.

Die Mastbuche thut ungeachtet ihrer höheren Bestimmung in den Hecken sehr gute Dienste, wenn man sie nur nicht zu hoch wachsen lässet und daher fleißig abkappet. Insbesondere hat eine Buchenhecke, die da beschnitten wird, dieses Vorzügliche, daß sie auch nicht einmahl im Winter durchsichtig ist, weil sie die welke Blätter behält, bis sie im Frühling wieder zu grünen anfängt, und die gelben Blätter gegen grüne vertauschet.

§. 53.

Die Hagebutte will keinen Beifall finden, weil sie sich selbst gelassen, im Untern die Hecke nicht verdicken, noch mit den übrigen Pflanzen in gesellige Ordnung treten will. Der Fliederbaum übet so gar über dieselbe Tyrannei aus. Vieleicht würden lauter Flieder sich am besten so wie lauter Habebutten zusammen schicken. Von letztern, (und zwar von der grossen Sorte,) habe ein Probe in dem Garten des Herrn Probsten Lüders gesehen, die mir sehr wohl gefiel. Die Gartenhagebutte kann nicht nur aus dem Kern, sondern auch aus Schnitzlingen, die man nur 6 bis 8 Zoll tief in die Erde steckt, vermehrt werden.

§. 54.

Die Haselstaude macht in den Hecken dieses Landes einen beträchtlichen Theil aus. Sie hält sich auch sehr gut, wenn sie auf Wällen steht, die von Osten nach Westen laufen. Haben diese aber ihre Richtung Süd und Nord, und die Westseite unbedeckt, so werden sie an dieser Seite kümmerlich stehen. Sind sie gleich an sich ncht sehr haltbar, welches größtentheils daher rühret, daß so wohl die schönsten Schöslinge, als auch die Früchte dem muthwilligsten Raube ausgesetzet sind; so verdienen sie doch wegen des Nutzens, den sie dem Besitzer leisten, eine vorzügliche Aufmerksamkeit und fleißige Wartung, welche vornehmlich darin bestehet, daß man den Graben oft vertirfe, und den Wall verstärke, als wodurch der Zaun am besten kann wehrhaft gemacht werden.

[…]

§. 57.

Von andern Pflanzen, die man hin und wieder in den Hecken findet, als Vogelbeer, Stechpalmen, Spillbaum, Ligustrum, Wesselbeer &c. wird nicht nöthig seyn besonders zu melden, weil man sie nicht leicht in solcher Menge beisammen findet, daß ganze Hecken daraus gemacht werden könnten. Ein fleißiger und curioser Landwirth macht vieles möglich, was man sonst nicht gesehen, und endecket manchen Vortheil, den voher niemand gewußt hat. […]

[…]

§. 59.

[…] Der Anfang ist, wie in allen Dingen, sehr unvollkommen gewesen. Von den ältesten Paatwerken findet man kaum eines, das nach der Schnur angelegt wäre. Sie sind vielmehr voller Buchten und Krümmen. […] Nachhero ist man bemühet gewesen, dem Werk nach und nach eine grössere Vollkommenheit zu geben. Nunmehr ist wohl nicht leichtlich ein Land zu finden, welches ein so Gartenmäßiges Ansehen hat, als Angeln. Wäre das Werk im Anfang nach einem allgemeinen Plan vorgenommen worden, welches leicht hätte geschehen können, wenn man durch einen General=Ackerumsatz die Ländereien bis getheilt und zugleich Wege und Zäune schnurrichtig gemacht hätte, so würde man einen Garten von 7 bis 8 Meilen im Umfang gesehen haben. Doch vielleicht wird ein Gartenliebhaber nach dem neusten Geschmack die krumme Wege und Hecken noch höher schätzen, weil das Wilde in dem Künstlichen durchschimmert, und dem Reisenden immer neue Gegenstände dargestellet werden.

nicolaus oest, ‘oeconomisch-practische anweisung zur einfriedigung der ländereien […]’, flensburg, 1767.

herbstgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Die Natur ist in dieser Zeit nur noch beschäfftigt, den Segen ihrer letzten Früchte abzuliefern, und bereitet sich allmälig zu ihrer Ruhe vor. Die Blätter beginnen zu welken, und zu fallen; die Kraft des Wachsthums und des Lebens wird erschlafft; alles, selbst bis auf den Tag, nähert sich der Abnahme. Indessen fehlt es dem Herbst, noch außer den frohen Scenen der letzten Aerndte und außer den Festen der Weinlese, nicht an Anmuth. Die Hitze ist zu einer milden Wärme gemäßigt. Eine feyerliche Stille schwebt über Fluren und Wälder. Der Himmel schmücket sich mit einer sanften Heiterkeit; die leichten Gewölke, die zuweilen an seinem blauen Gewölbe erscheinen, stehen wie silberne Spiegel, oder wie kleine Malereyen, welche die allgemeine Einfärbigkeit unterbrechen, und bald röthliche Hügel mit grauen Thälern, bald andere landschaftliche Bilder nachzuahmen scheinen. Die Morgennebel, die das Laub der Bäume langsam tödten, erfrischen das Grün der Rasen. Und welche malerische Schauspiele, wenn sich aus ihnen das Licht des Tages entwickelt, und eine neue Schöpfung in verklärter Schönheit hervorsteigt! Stille, dankbare Behagung über die letzten Wohlthaten der Natur und sanfte Melancholie bey dem Anblick der Scenen, die nichts mehr zu hoffen übrig lassen, bey den trüben Scenen der Vergänglichkeit, sind die beyden Hauptempfindungen, die der Herbst erregt. Der Geist übergiebt sich der Ruhe zu ernsthaften Betrachtungen, und über alle Empfindungen verbreitet sich eine gewisse unbeschreibliche Milde, gleich einem schönen Herbstabend, der die leichten ihn umschwebenden Thaugewölke mit lieblicher Rosenhelle durchgießt.

Die Wälder und Gebüsche stellen uns in dieser Jahreszeit ein neues Schauspiel der Farbenmischungen vor Augen. Im Sommer war die ganze Natur in Grün gekleidet. Jetzt wandelt es sich nach und nach von einem Ton zum andern, von dem Blaßgrünen und Gelblichen bis zu dem Röthlichen, Dunkelrothen und Braunen, mit unendlich verschiedenen Abfällen und Schattirungen. Durch diese Veränderung des Laubes giebt schon die Natur Gemälde, die der Frühling und Sommer bey aller ihrer Schönheit nicht haben.

[…]

Andere wilde Bäume und besonders Sträucher tragen im Herbst Beeren von gelber, blauer, vornehmlich rother Farbe, die nicht allein den Haynen und Gebüschen ein schönes und muntres Ansehen geben, sondern sie auch durch Herbeylockung der Vögel beleben, und das Vergnügen des Vogelfangs begünstigen. […]

Doch ist der Herbst besonders die Zeit der Reifung so vieles trefflichen Obstes, dessen Einsammlung ein wahres Fest der Natur ist. Nicht weniger tragen die mancherley Baumfrüchte, sowohl durch ihre Formen, als auch durch ihre milden und lebhaften Farben, zur Verschönerung der Herbstscenen bey. Der Weinstock besonders fordert hier seine Stelle. Man kann ihn brauchen, bald zur Umkränzung der Pflanzung, bald zu Lauben oder Bogengängen; man kann ihn an den Wänden der Gebäude hinaufleiten, oder ihn an andern Stämmen hinaufklettern und von Baum zu Baum herüberhängen lassen. In Gegenden, deren Klima den Weinbau begünstigt, ist ein kleiner Weinhügel ein fast nöthiges Zubehör des Herbstgartens, wenn er nicht schon in der Nachbarschaft von Weinbergen liegt.

[…]

Fast alle diese malerischen Veränderungen, die der Herbst hervorbringt, sind nur von kurzer Dauer; aber Beobachtung und Geschmack können sie doch zum Genuß nicht bloß anhalten, sondern selbst zu einer längern Folge vereinigen. Der Gartenkünstler muß allen den schönen Zufälligkeiten, welche diese Jahreszeit in seiner Gegend begleiten, immer einen aufmerksamen Blick widmen; er wird seine Beobachtung belohnt sehen, indem er der Natur die anmuthigsten Gemälde ablauscht. Bey der Mischung der Farben in Bäumen und Sträuchern kann er eine Mannigfaltigkeit von Verbindung und Gegenstellung zeigen, die keine andere Jahreszeit kennt. […]

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782

 

querbeet über den harz

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vogelfutter: sorbus aucuparia

sorbus aucuparia l. / vogelbeere, eberesche auch drosselbeere oder kram(m)etsbeere (als bezeichnung ebenfalls für die beeren des juniperus communis / gemeinen wacholders gebräuchlich), der zusatz aucuparia dieses sorbus stammt vom lat. avis capere = vögel fangen.

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„the orchard, a place that is not so often included“ / ‚colour in the flower garden‘ von gertrude jekyll

[…] the orchard, a place that is not so often included in the pleasure-ground as it deserves. For what is more lovely than the bloom of orchard-trees in April and May, with the grass below in its strong, young growth; in itself a garden of Cowslips and Daffodils. In an old orchard how pictorial are the lines of the low leaning old Apple-trunks and the swing and poise of their upper branches, best seen in winter when their graceful movement of line and wonderful sense of balance can be fully appreciated. But the younger orchard has its beauty too, of fresh, young life and wealth of bloom and bounteous bearing.

Then if the place of the orchard suggests a return to nearer pleasure-ground with yet some space between, how good to make this into a free garden orchard for the fruits of wilder character; for wide-spreading Medlars, for Quinces, again some of the most graceful of small British trees; for Service, Damsom, Bullace, Crabs and their many allies, not fruit-bearing trees except from the birds‘ and botanists‘ point of view, but beautiful both in bloom and berry, such as the Mountain Ash, Wild Cherry, Blackthorn, and the large-berried White-thorns, Bird-cherry, White Beam, Holly and Amelanchier. Then all these might be intergrouped with great brakes of free-growing Roses and the wilder kinds of Clematis and Honeysuckle. And right through it should be a shady path of Filberts or Cobnuts arching overhead and yielding a bountiful autum harvest.

gertrude jekyll, ‚colour in the flower garden‘, london, 1908.

dustere wälder, ober- und unterholz / ‘sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

Das Erste Capitel /

Von denen vorigen grossen / auch noch ietzo befindlichen Wäldern in Teutschland

[…]

§. 1. Wie duster das alte Teutschland vor zeiten wegen der ungeheuren grossen Wälder muß ausgesehen haben / kan man aus dem Corn. Tacito im 5ten Capitel seines Buchs / so er sonderlich von Teutschland geschrieben / abnehmen. Terra, saget er / in universum sylvis horrida aut paludibus focda: Das Land ist überall fürchterlich / entweder wegen der Wälder / oder sumpfig / wegen der Moräste. Ja es scheinet / daß durch ganz Teutschland und an deren Gräntzen ein meist in= und an=einander hangender continuirlicher Wald gewesen / so von denen Römern Sylva Hercynia, von denen Teutschen aber / der Harz= oder Schwartz=Wald genennet worden / entweder wegen des vielen Hartzes / oder / daß er / wegen der vielen dicken und hohen Bäume / gantz schwartz und duster von aussen und in Durchreisen / anzusehen gewesen / weil die Sonne ihre Strahlen und Licht nicht durchwerffen können. […]

[…]

§. 3. Von denen Ursachen aber warum unsere Vorfahren so grosses Belieben an dergleichen ungeheuren Wäldern getragen / davon soll zum Theil in folgenden Capitel §. 14. Meldung geschehen / Eine derer voenehmsten war / daß die ganze Nation mehr dem Krieg als Acker=Bau ergeben / und also sich wegen besorgenden Uberfalls derer benachbarten / mit denen sie immer in den Haaren lagen / hierdurch in gute Verfassung stelleten. Denn wenn alles verloren gieng / retirirten sie sich in diese Wälder und Moräste / allwo es unmöglich war / ihnen beyzukommen / ja sie wusten hier bey ihren Feind dergestalt zu fatigiren / daß er mit grossen Niederlagen wieder herabziehen muste. Davon in der Römischen und andern Historien viel Krempel vorhanden / wewegen Aventini Anales Bojorum (johannes aventinus, ‚annales ducum boiariae‘, 1554) nachzulesen. Hierüber hatte man an denen Haupt=gräntzen etzlicher Wälder weite und tiefte Gräben aufgeworffen / und auf denen Dämmen / dicke und starcke Häger oder Büsche gezeuget / so man biß dato Land=Wehren nennet / dergleichen annoch gegen das Eißfeld und in Thüringen vorhanden / so etzliche Meilwegs lang ist / der Knickicht [→ beschneidung: in der landschaft und im garten] genannt. Denn das Holz / so darauf stehet / ist von Alters / und damahliger Gewohnheit her / weil es noch jung / von oben herein geknickt worden / damit es nicht in die Höhe / sondern dichte in einander wachse / dahero es auch so dicke und dichte durch einander sich geflochten / und verwimmert / daß fast weder Mensch noch Vieh ohne Gewalt / durch diese uhralte Land=Wehren haben kommen können.

[…]

§. 5. Sintemahl der vormals so grosse und ungeheure Hertzynische Wald an denen meisten Orten ganz ausgerottet / und nur an wenig Gegenden / wo nehmlich hohe steinigte und kalte Gebürge befindlich / etliche Reliquiæ geblieben / unter welchen die berühmteste die Saltzburger= und Tyroler=Wälder; der Schwartz=wald zwischen dem Ursprung der Donau / dem Rhein und Boden=See: dabey sonderlich zuzehlen / Sylva Martiana [Schwarzwald] bey Freyburg; der Anspacher / oder vielmehr Nürnberger=Wald / zwischen Nürnberg und dem Ursprung des Tauber=Flusses; der Steiger=Wald / innerhalb Würtzburg und Bamberg; der Oden=Wald / Sylva Ottonis, zwischen dem Necker und dem Mayn / oder zwischen Heidelberg und Franckfurth; der SpeßArt / binnen dem Mayn und der Kützing; der Wester=Wald innerhalb der Loha und Siegen; der Hartz=Wald / in Braunschweiger Land / bey welchem der Bructerus, oder Brockelsberg ist; der Thüringer=Wald; Gaberta, der Fichtelberg im Voigtlande an Böhmen; der Böhm= und Meißnische Ober=Gebürgische Wald [erzgebirge] und das Riesen=Gebürge in Schlesien / und so fort biß an die ungarischen / Siebenbürgischen / Kärndtnischen und Steyermärckischen Gräntzen.

[…]

Das Andere [zweite] Capitel/

Von sonderbarer Hochachtung der Wäler und Bäume

[…]

§. 14. Unsere Vorfahren die uhralten Teutschen / welche es ihrer angebohrnen / und sehr hochgeschätzten Freyheit verkleinerlich hielten / in verschlossenen Städten und Plätzen zu wohnen / erkiesten mehrentheils zu ihren Aufenthalt solche Oerter / welche wegen ihrer schönen und schattenreichen Bäume / klaren Brunnen und Quellen / oder fetten Weide und Wiesewachs / sich vor andern annehmlich machten / massen solches Tacitus bezeuget mit diesen Worten: Nullas Germanorum Populis urbes habitari fatis notum est, ne pati quidem inter se iunctas fedes. Colunt discreti & diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit de Mor. Germ. [‚de origine et situ germanorum liber‘] c. XVIII: oder: Es ist bekannt / daß die Teutschen sich nicht in Städten aufhalten / ja sie leiden nicht einmahl / daß man neben und an einander Wohnungen habe. Ein iedweder ist sich a part, nachdem ihn seine Beliebung träget / sich an einen Brunn / an einen flachen Felde oder Walde nieder zu lassen. Ihre meiste Ubung und Nahrung / wenn sie nicht mit Kriegen beschäfftiget waren / suchten sie in den Wäldern mit Jagen / Hetzen und Vogelfang / mit Sammlung Eicheln / Buchäckern zur Mästung des Viehes / und was dergleichen mehr; und ist kein zweifel / dap nebenst dem / wie oben gedacht / die Wälder vor eteas Göttliches von ihnen gehalten worden / und die dicken und finstern Oerter / da man seinen Gedancken hat recht Audienz geben / und von allerhand speculiren können / ihnen sonderlich gefallen. Es hat sie auch vor andern vergnüget / der Schall und Wiederhall der Menschlichen Stimme / allerhand Jagd=Hörner / und derer Hunde Anschlagen / so man in Wäldern / Thälern und Gründen offt unvermuthet antrifft; der schöne Vogel=Gesang / so auch eine Göttliche Music zu seyn scheinet; die Einsamkeit / da man von allen Menschen entfernet; der Schatten wider die Sonnenhitze; der Aufenthalt wider starcke Regen / Schlossen und Gewitter; die sausende Winde / und das angenehme Geräusche der Quellen und Bäche.

[…]

Das Vierzehnte Capitel,

Von Ober= und Unter= oder so genanten Schlag= und lebendigen Holtze.

[…]

§. I. Wenn ein Acker Holtz=Landes / zu Ober= und Unter=Holz zugleich gezogen werden soll / und mit 7. 8. 900. bis 1000. meht oder weniger Stämmmgen / so von Saamen angeflogen / oder sonst gnüglich bestocket / und bepflanzet ist / so läßet man solche 8. bis 10. Jahr wachsen und die besten Stämmlein / die Künfftig zu Ober=Holz / d.i. Zu großen Haupt=Stämmen zu ziehen / stehen / die andern aber hauet man aber / daß sie Stöcke bekommen und diese an 4. 6. 10. und mehr Sommer=Latten zu Unter=Holze / welches sonsten auch Schlag= oder Lebendiges Holtz genennet wird / wieder ausschlagen mögen / und soll ein abgeholtztes Stämmlein oder Stock nach advenant, 2. 3. biß 4. Schuh von einander stehen. Ist besser nun die Art von Holtze ist / je mehr kan man künfftig daraus nehmen und solche zu Weinpfählen / Latten / Hopff= und Zaunstangen oder Stecken gebrauchen / da denn mehr zu lösen / als wenn es nur zu blossen Feuer= und Kohlen Holtz oder Reißig zu sammen gehauen wird.

§. 2. Es wird aber das Ober= und Unter=Holtz bloß von dem Laub=Holtz verstanden. Denn obwohl unter solchen Holtze bißweilen eine Tanne / Fichte oder Kiefer / entweder von sich selber / oder von eingesprengten oder zugetragenen Saamen mit aufwächset / so wird doch hier mehr auf jenes als dieses gesehen. Das Ober=Holtz bestehet in allerhand Bau= Bret= Böttiger und anderen Zimmer=Holtz / auch in Mast= und Obst=Bäumen / als in Eichen / Buchen / Castanien / wilden Apfel= Birn und Kirsch=Bäumen / Ahorn / Aschen [Eschen] / Ilmen / Bircken / Aspen [espe oder zitterpappel] &c. in Summa in lauter guten Laub=Holtz / die zu Haupt=Stämmen / bis 40. 50. 80. 100. und mehr Jahren gezogen werden. Nun mag es nach eines jeden Ortes Gelenheit und Zustand reguliret werden / welche Arten der Boden am besten träget und treibet / ingleichen welche von ein und anderen Sorten am nutzbaresten / oder am meisten von nöthen seyn / oder mit bessern Nutzen / ins Geld zu setzen. Dann 1. Schock Stangen von Aschen / Ilmen / Eichen / so aus den Unter=Holtz gehauen werden / gelten Mehr als 1. Schock von Aspen und Weiden. Auch ist die Eiche wohl eines von dem besten Ober=Holtz / so wohl zum Bauen als zur Mast; wo man aber dieses bey des nicht sonderlich / bevorab wegen des Wasser= Schiff= und Wein=Baues zu consideriren hat / so ist vorträglicher / ander Ober=Holtz / als Ahorn / Buchen / Castanien / Aschen / Ilmen / Bircken / Aspen / &c. Stehen zu lassen / denn sie wachsen viel schneller und geschwinder / und in einem Jahr mehr / als die Eichen in 2. oder 3. Jahren daher; nehmen mit den Aesten nicht so viel Raum ein / und deswegen sie weder das Unter=Holtz und Gräserey / noch sich selbsten / sondern können näher und dichter beysammen stehen als Eichen.

[…]

§. 8. Unter=Holtz oder Schlag=Holtz / so / auch wie gedacht lebendig Holtz genennet wird / ist fast das nutzbarste von allen / aber es kan darzu allein dasjenige gebraucht werden / so Laub träget. Denn das Tangel=Holtz schläget nicht wieder aus / sondern, wenn es einmahl weggeschlagen / so verfaulet der Stock und Wurzel; aber wenn das Holtz so Laub träget / abgeholtzet / pfleget es am Stock / auch theils an der Wurzel / so von Stock 1. 2. und mehr Ellen abgelegen / hin und wieder auszuschlagen. Wir wollen derowegenhiervon ein und anders etwas ausführlicher / jedoch nur kürtzlich vorstellig machen. Wenn der Ort / wo man dergleichen Holtz haben will / gar wüste / so säet man in die bereitete Furchen oder Gräber den Baum=Saamen / da denn die dienlichsten seyn / die Eiche / die Asche / Riestern […] / Ilme / Ahorn / wild Obst / die Bircke / Erle und der Castanien=Baum / wo dieser die Art hat [→ keschde (pfälz. dialekt f. ess- oder edelkastanie, lat.: castanea sativa)]; in gleichen die Hasel=Nuß / und wo nasser Boden vorhanden / die Aspe / Erle / Pappel und Weide [→ salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden…“] / denn diese letztern wachsen schnelle an wässerigten Orten daher / ja in 9. oder 10. Jahren mehr, als andere in 12. oder 15. Jahren / schlagen auch wieder an Stöcken aus / wenn sie abgetrieben werden / so allemahl in Zeit von 8. 10. 12. bis 16. Jahren geschehen kan / nach Art des Bodens ob Er viel oder wenig treibet. On nun etwas von Ober=Holtz daben Stehen Bleiben soll / beruhet in eines jeden Gefallen / und in der in solcher Gegend erheischenden Nothdurfft. Wo aber kein Ober=Holtz vorhanden / oder man solches nicht zeugen will / so nennet mans Schlag= oder lebendig Holtz / weil es continué fortwächset / dann es brauchet weiter keines Säens noch Pflantzens / hat besser Fortkommen / giebt gute Gräserey / kan auch / nachdem die Gehaue 3. 4. 5. 6. biß 8. Jahr geschonet / alsdenn zur Vieh=Weide gebraucht werden. Da aber bey dergleichen Gegenden leere Plätze befindlich oder aber das Holtz daselbst gar dünne und einzeln stehet / da soll man die leeren Plätze aufgraben mit allerley Saamen bestreuen und denselben einegen / damit solche völlig und dichte wieder bewachsen mögen. Sonsten giebt die Weiß=Buche / die Ilme / Ahorn und Pappel=Weide gut lebendig Holtz / schläget / wenn es Abgetrieben / gleich wieder aus / und diese lieben mäßigen; die Erle Aspe und Weide hingegen einen nassen; die Eiche und Castanie einen fetten; die Asche / Hasel=Stauden / Bircke / und Buche aber / einen trockenen Boden. Mag also derselbe beschaffen seyn wie er wolle / gering oder gut / trocken oder naß / so kan man dergleichen Schlag=Holtz auf jeden säen und pflantzen / wie man solches gut und nützlich befindet. Unter den Schlag=holtz ist die Hasel=Staude und Bircke das gemeinste / jedoch ist rathsamer / daß man an statt dessen besser Holtz in Gehauen anbringe und aufziehe / welches so wohl vermittelst des Saamens / als auch durch die Pflantzung geschehen kann.

[…]

§. 17. Bey Abtreibung des Schlag=Holtzes aber kan woh in acht genommen werden / daß der Hieb oder Schnitt sein glatt und schräge sey / damit der Regen / Kälte und Schnee nicht eindrigen und Faulnüß verursachen könne. Theils hauen es gar kurtz an den der Erden weg / theils lassen auch einen Stock von einem viertel oder mehr Raum / bleiben / daß die Sommerlatten und Sprossen häuffiger wieder ausschlagen. In denen Gehauen hat man nöthig / ehe etwas zum Kohlen=Brennen oder zu Feuer=Holtz angewisen wird / daß man dasjenige Holtz / so zu Hopfen=Stangen / Reifen / Latten &c. Zugebrauchen / zuvor aushauen lasse / denn solches theuer und nützlicher an den Mann zu bringen / als das Brenn=Holtz.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]’, leipzig, 1713.

beschneidung: in der landschaft und im garten

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fig. 37 scie à main / handsäge, fig. 38 serpe / hippe, fig. 39 serpette / hippe oder gartenmesser. ill. (ausschnitt) aus ‚encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers‘, hrsg. von denis diderot und jean baptiste le rond d’alembert , paris, 1751 ff.

zeigt man dem durchschnittlichen gartenbesitzer die instrumente, kommen schnell die emotionen hoch: bäume und gehölze beschneiden? das ist doch natur! formschnitt, ars topiaria, ist verpönt (ausnahme: billige buchsbaumkugeln aus dem baumarkt). kopfweiden → salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden …“ müssen heute schon unter naturschutz stehen, damit sie in form bleiben. bei obstbäumen und beerensträuchern bitte nur maniküre… runtergeschnitten werden nur einjährige und stauden sofort nach der blüte (ordnung muss sein!). bei den röschen fliesst schon mal ein tränchen. die vorhandenen gehölze im garten dürfen wachsen, bis aus dem einst sonnigen garten ein schattengarten geworden ist. kompensation bringt der neue laubbläser …

landschaft: wallhecken & knicks

beschnitte bäume und anderes gehölz finden sich in der klassischen agar-landschaft. wallhecken im münsterland und knicks in schleswig-holstein sind landschaftsbildend, bzw. waren es. durch die industrialisierung der landwirtschaft sind viele der hecken verschwunden. was übrig blieb, sind riesige felder, die ohne den windschutz der hecken zu abtrag und verlust der ackerkrume führen, bodenerosion. vom verlust der artenvielfalt in flora und fauna erst gar nicht zu sprechen… Weiterlesen

tři oříšky pro… / drei haselnüsse für…

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drei nüsse, wahrscheinlich corylus avellana / gemeine haselnuss, aus den garten der nachbarin.  noch nicht ganz reif & etwas zu früh für weihnachtsstimmung… ein „sturmschaden“ von überhängenden zweigen. direkt am zaun zwischen den grundstücken steht ein mehrstämmiger haselnuss-baum der mal als strauch gedacht war: wuchernder stockausschlag…

holunder: blühender sambucus nigra ‚black lace‘, ein absterbender steckling & etwas mythologie…

der sambucus nigra ‚black lace‘, gerade erst gekauft → i shop therefore i am (gardening): der kleine schwarze & na zdrowie! & ausgepflanzt, blüht das erste mal im „eigenen garten“.

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gestern: die ersten blüten…

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heute: die erste hummel im anflug…

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beim holunder ist man sofort knietief in der germanischen mythologie. frau holle lässt grüssen:

Unter den geheiligten bäumen steht oben an die eiche (s. 41. 44.) Auch der hollunder (sambucus) genoß ausgezeichneter verehrung, ahd. Holantar oder holantera? (gramm. 2, 530), holan für sich bedeutet schon einen baum oder eine staude (ags. cneovholen, ruscus.) in Niedersachsen heißt die sambucus nigra ellorn, ellhorn. Arnkiel erzählt 1, 179 unverdächtig: also haben unsere vorfahren den ellhorn auch heilig gehalten, wo sie aber denselben unterhauen (die äste stutzen) musten, haben sie vorher pflegen dis gebet zu thun: ‚frau Ellhorn, gib mir was von deinem holz, dann will ich dir von meinem auch was geben, wann es wächst im walde‘. welches theils mit gebeugten knieen, entblößtem haupte und gefaltenen händen zu thun gewohnt, so ich in meinen jungen jahren zum öftern beides gehört und gesehen. Dazu halte man, was von den hollunderstangen (abergl. 866), vom pflanzen des hollunders vor ställen (das. 169), vom gießen des wassers unter den hollunder (das. 864) und der hollundermutter (dän. abergl. 162) geradeso gemeldet wird. Auch in Südermannland war ein knecht eben im begrif einen schönen, schattenreichen wacholder abzuhauen, als eine stimme erschol: […]

jacob grimm, ‚deutsche mythologie‘, göttingen, 1835. grimm zitiert aus trogillus arnkiel, ‚der uralten mitternächtischen völker leben, thaten und bekehrung‘, hamburg, 1703

das gebet wurde beim „unterhauen“, zwecks gewinnung eines stecklings, im münsterland vergessen. in die knie gehen musste man nicht (hohe mauer), ohne hut gehe ich nicht aus dem haus! & in den händen hatte ich meine hippe (zu scharf um damit die hände zu falten).

hollunder_coerde_500   holunder_fensterbank_500

l.: sambucus nigra / schwarzer holunder an einer gartenmauer in münster & r.: der steckling… das wird nichts mehr!

mea culpa, mea maxima culpa … ich kann es einfach nicht lassen. im englischen heisst es „handbag collecting“…

um auf die von jacob grimm vorgegebene kombination von holunder & wacholder zurückzukommen: der wacholder, also der schnaps → juniperus communis / wacholder (schnaps, jenever, gin &c.), und die blüten des holunders ergeben eine perfekte kombination: → elderflower gin, ein rezept von alys fowler.