gärten & landschaft: max slevogt in der pfalz / ’scherz und laune‘ von johannes guthmann

[…]; indessen die beiden Knaben [max slevogt, * 8. oktober 1868, und sein älterer bruder] flugs die Treppe hinab und in den Garten entwischten, den altfränkisch abgezirkelten Garten, wo in quadratisch und kreisrund von schuhhohem altem Buchs eingefaßten Beeten und Rabatten Beerensträucher und Blumen und traulich sonnendurchlichteten Schatten darüberbreitend die Kirsch- und Zwetschgenbäume standen – oder stehen, denn Haus und Garten [der grosstante in burrweiler] sind heute noch erhalten. […]

Es konnte aber auch ein ander Mal geschehen, daß Max über die Beete und das Mäuerchen hinweg den Blick an die Ferne verlor und vom erhöhten Garteneck aus in die gewaltige weite, in gesegneter Fruchtbarkeit strotzende Rheinebene mit den langen, sich seitwärts fern und ferner wiederholenden Linien der Hänge des Haardtgebirges hinausstarrte. Früh schon scheint ihn die komplizierte Schlichtheit dieses großartigen Landschaftbildes betroffen zu haben, denn aus seinem achten Lebensjahre bereits existiert eine Zeichnung, in der er es festzuhalten versucht hat, wobei der Sinn des Kindes für das Handgreiflich-Gegenständliche die in Wirklichkeit eben noch sichtbare Maxburg [das hambacher schloss] mit klotziger Überdeutlichkeit auf eine der Bergsilhouetten gesetzt hat, wenn man will: Slevogts früheste Pfälzer Landschaft. […]

Wie kam da seiner Indianer- und Raubritter-Romantik der Wasgenwald [pfälzerwald] entgegen, wenn er in den Landauer Ferienwochen zu Verwandten der Verwandten in die nahen Berge und auf den Neukasteller Hof durfte. Hoch ragt darüber aus Waldeshöhen der bunte Sandsteinfelsen empor, der einst ein römisches Kastell und dann die Reichsfeste Neukastell trug, bis sie nach wechselvollen Geschicken bei den Raubzügen Ludwigs XIV. von Grund aus zerstört ward. Ein Halbgewachsener war er, in den Jahren des Schweifens und Stöberns, als er zum ersten Male dorthin kam – wo er heute als Herr schaltet – und er entsinnt sich noch genau, mit welchen Indianergefühlen er sich zusammen mit den Kameraden den mühsamen Weg durch das Unterholz der Kiefern und Edelkastanien und all das Geranke von Brombeeren und Heiderosen, die den Anstieg zum roten Felsen vergittern, gewühlt hat, wie der versteckte Zugang und dann die verwegene Lage der Ruine mit ihrer Felsenkammer und den vielen erklärlichen und unerklärlichen Spuren der einstigen Ritterfeste die kecken Einfälle und Streiche in ihm entzündet haben. Und ringsum Wald, nach Westen zu unermeßlich der Wasgenwald! Aus solcher Waldesstimmung, vom regen Bürschchen in Schlichen und Gefahren Jahr für Jahr erlebt, vom reifen Manne nie vergessen, sind später dann die Illustrationen zum Lederstrumpf entstanden.

[…]

In Frühjahr 1898 heiratete er. Er heiratete die Freundin und Vertraute aus dem Haus in der Pfalz, wo er so viele glückliche Ferienwochen als Knabe und als junger Mann verbracht hatte. Nun zog er abermals den Waldweg hinauf zum Neukasteller Hof [der slevogthof & der garten oberhalb von leinsweiler sind heute wegen renovierung geschlossen …], […].

  

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„Eine reiche, immer wachsende Cultur!“ / ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘ von theodor fontane

Eine reiche, immer wachsende Cultur! Wann sie ihren Anfang nahm, ist bei der Mangelhaftigkeit der Aufzeichnungen nicht mehr festzustellen. Es scheint aber fast, daß Werder als ein Fischerort ins 17. Jahrhundert ein- und als ein Obst- und Gartenort aus ihm heraustrat. Das würde dann darauf hindeuten, daß sich die Umwandlung unter dem Großen Kurfürsten vollzogen habe, und dafür sprechen auch die mannigfachsten Anzeigen. Die Zeit nach dem 30jährigen Kriege war wieder eine Zeit großartiger Einwanderung in die entvölkerte Mark und mit den gartenkundigen Franzosen, mit den Bouchés und Matthieus, die bis auf diesen Tag in ganzen Quartieren der Hauptstadt blühen, kamen ziemlich gleichzeitig die agriculturkundigen Holländer ins Land. Unter dem, was sie pflegten, war auch der Obstbau. Sie waren von den Tagen Henriette Marie’s, von der Gründung Oranienburgs und dem Auftreten der Cleve’schen Familie Hertefeld an, die eigentlichen landwirthschaftlichen Lehrmeister für die Mark, speziell für das Havelland, und wir möchten vermuthen, daß der eine oder andere von ihnen, angelockt durch den ächt-holländischen Charakter dieser Havel-Insel, seinen Aufenthalt hier genommen und die große Umwandlung vorbereitet habe. […] Bemerkenswerth ist es mir immer erschienen, daß die Werderaner in „Schuten“ fahren, ein niederländisches Wort, das in den wendischen Fischerdörfern, so viel ich weiß, nie angetroffen wird.

Gleichviel indeß was die Umwandlung brachte, sie kam; die Flußausbeute verlor mehr und mehr ihre Bedeutung; die Gärtnerzunft begann die Fischerzunft aus dem Felde zu schlagen, und das sich namentlich unter König Friedrich Wilhelm I., auch nach der Seite der „guten Küche“ hin, schnell entwickelnde Potsdam, begann seinen Einfluß auf die Umwandlung Werders zu üben. Der König, selber ein Feinschmecker, mochte unter den ersten sein, die anfingen eine Werdersche Kirsche von den üblichen Landesprodukten gleiches Namens zu unterscheiden. Außer den Kirschen aber war es zumeist das Strauchobst, das die Aufmerksamkeit des Kenners auf Werder hinlenkte. Statt der bekannten Bauern-Himbeere, wie man ihr noch jetzt begegnet, (die Schattenseite hart, die Sonnenseite madig) gedieh hier eine Species, die in Farbe, Größe und strotzender Fülle prunkend, aus Gegenden hierhergetragen schien, wo Sonne und Wasser eine südliche Brutkraft üben.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte sich die Umwandlung völlig vollzogen: Werder war eine Garten-Insel geworden; seinem Charakter nach war es dasselbe wie heut, aber freilich nicht seiner Bedeutung nach. Sein Ruhm, sein Glück begannen erst mit jenem Tage, wo der erste Werderaner (ihm würden Bildsäulen zu errichten sein) mit seinem Kahne an Potsdam vorüber- und Berlin entgegenschwamm. Damit brach die Großzeit an. In Wirklichkeit ließ sie noch ein halbes Jahrhundert auf sich warten; in der Idee war sie geboren. Mit dem rapide wachsenden Berlin wuchs auch Werder und verdreifachte in 50 Jahren seine Einwohnerzahl, genau wie die Hauptstadt. Der Dampf kam hinzu, um den Triumph zu vervollständigen. […]

Mit dem ersten Juni beginnt die Saison. Sie beginnt von Raritäten abgesehen, mit Erdbeeren. Dann folgen die süßen Kirschen aller Grade und Farben; Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren schließen sich an. Ende Juli ist die Saison auf ihrer Höhe. Der Verkehr läßt nach, aber nur, um Mitte August einen neuen Aufschwung zu nehmen. Die sauren Kirschen eröffnen den Zug; Aprikosen und Pfirsich folgen; zur Pflaumenzeit wird noch einmal die schwindelnde Höhe der letzten Juli-Wochen erreicht. Mit der Traube schließt die Saison. Man kann von einer Sommer- und Herbst-Campagne sprechen. Der Höhenpunkt jener fällt in die Mitte Juli, der Höhenpunkt dieser in die Mitte September. Die Knupperkirsche einerseits, die blaue Pflaume andererseits, – sie sind es, die über die Saison entscheiden.

theodor fontane, ‚wanderungen durch die mark brandenburg‘, bd. 3: ‚ost-havelland. die landschaft um spandau, potsdam, brandenburg‘, berlin, 1873.

gartenbücher (wildobst: pflanze „wild“ und dornig)

ein gang durch einen supermarkt: glatte, gewachste oberflächen; keine variation in der grösse; süss, viel zu süss, bloss keine säure … wenn food designer obstsorten züchten. flug- und seemeilen im container inklusive. zu jeder jahreszeit verfügbar.

ein spaziergang durch eine kulturlandschaft mit wallhecken oder knicks: blüten im frühjahr, schatten im sommer & früchte im herbst. nicht unbedingt wild aber häufig dornig …

wild ?!

in der anglo-amerikanischen diskussion über gärten erlebt william robinson’s ‚the wild garden‘ gerade eine renaissance (deutsche übersetzung? fehlanzeige …). in deutschsprachigen raum bleibt der diskurs über „natur“ & „wild“, karl foerster nannte es wildnisgartenkunst, meist in purem romantizismus stecken oder man landet bei einem fragwürdigen vokabular wie dem von willy lange, dessen naturgartenidealismus und die propagierung von „einheimischen pflanzen“ sehr kompatibel mit nationalsozialistischen vorstellungen war … und überhaupt: was ist wild? viele heute als „einheimisch“ klassifizierte gewächse sind verwilderte pflanzen, die u.a. von den römern über die alpen gebracht wurden. es steckt viel gartenkultur in der „wilden“ „natur“.

ina sperl, die regelmässig in der frankfurter allgemeinen & im kölner stadt-anzeiger über gartenkultur, gärtner, pflanzen & den eigenen garten schreibt, gibt mit ‚wildobst: schlehe, hagebutte und co. für meinen garten‘ einen einblick in den artenreichtum des wilden obstes. ‚wildobst‘ bleibt nicht, wie viele bücher aus der rubrik „ratgeber“, im seichten das-ist-aber-lecker-do-it-yourself stecken. ein nachschlagewerk mit ihren „40 besten wildobstarten“, tipps für die gartenarbeit und einigen botanischen entdeckungen für den leser. naschkram für hecken, grosse und kleine gärten und den kübel. Weiterlesen

saisonende im pomarium anglicum

die letzten äpfel der saison im obstmuseum pomarium anglicum von karin und meinolf hammerschmidt in winderatt: alte obstsorten auf einer ehemaligen koppel in der angeliter knick-landschaft → „eingefriedigte parzellen, nicht größer als ein stück gartenland“.

pomarium_anglicum_800 Weiterlesen

herbstgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Die Natur ist in dieser Zeit nur noch beschäfftigt, den Segen ihrer letzten Früchte abzuliefern, und bereitet sich allmälig zu ihrer Ruhe vor. Die Blätter beginnen zu welken, und zu fallen; die Kraft des Wachsthums und des Lebens wird erschlafft; alles, selbst bis auf den Tag, nähert sich der Abnahme. Indessen fehlt es dem Herbst, noch außer den frohen Scenen der letzten Aerndte und außer den Festen der Weinlese, nicht an Anmuth. Die Hitze ist zu einer milden Wärme gemäßigt. Eine feyerliche Stille schwebt über Fluren und Wälder. Der Himmel schmücket sich mit einer sanften Heiterkeit; die leichten Gewölke, die zuweilen an seinem blauen Gewölbe erscheinen, stehen wie silberne Spiegel, oder wie kleine Malereyen, welche die allgemeine Einfärbigkeit unterbrechen, und bald röthliche Hügel mit grauen Thälern, bald andere landschaftliche Bilder nachzuahmen scheinen. Die Morgennebel, die das Laub der Bäume langsam tödten, erfrischen das Grün der Rasen. Und welche malerische Schauspiele, wenn sich aus ihnen das Licht des Tages entwickelt, und eine neue Schöpfung in verklärter Schönheit hervorsteigt! Stille, dankbare Behagung über die letzten Wohlthaten der Natur und sanfte Melancholie bey dem Anblick der Scenen, die nichts mehr zu hoffen übrig lassen, bey den trüben Scenen der Vergänglichkeit, sind die beyden Hauptempfindungen, die der Herbst erregt. Der Geist übergiebt sich der Ruhe zu ernsthaften Betrachtungen, und über alle Empfindungen verbreitet sich eine gewisse unbeschreibliche Milde, gleich einem schönen Herbstabend, der die leichten ihn umschwebenden Thaugewölke mit lieblicher Rosenhelle durchgießt.

Die Wälder und Gebüsche stellen uns in dieser Jahreszeit ein neues Schauspiel der Farbenmischungen vor Augen. Im Sommer war die ganze Natur in Grün gekleidet. Jetzt wandelt es sich nach und nach von einem Ton zum andern, von dem Blaßgrünen und Gelblichen bis zu dem Röthlichen, Dunkelrothen und Braunen, mit unendlich verschiedenen Abfällen und Schattirungen. Durch diese Veränderung des Laubes giebt schon die Natur Gemälde, die der Frühling und Sommer bey aller ihrer Schönheit nicht haben.

[…]

Andere wilde Bäume und besonders Sträucher tragen im Herbst Beeren von gelber, blauer, vornehmlich rother Farbe, die nicht allein den Haynen und Gebüschen ein schönes und muntres Ansehen geben, sondern sie auch durch Herbeylockung der Vögel beleben, und das Vergnügen des Vogelfangs begünstigen. […]

Doch ist der Herbst besonders die Zeit der Reifung so vieles trefflichen Obstes, dessen Einsammlung ein wahres Fest der Natur ist. Nicht weniger tragen die mancherley Baumfrüchte, sowohl durch ihre Formen, als auch durch ihre milden und lebhaften Farben, zur Verschönerung der Herbstscenen bey. Der Weinstock besonders fordert hier seine Stelle. Man kann ihn brauchen, bald zur Umkränzung der Pflanzung, bald zu Lauben oder Bogengängen; man kann ihn an den Wänden der Gebäude hinaufleiten, oder ihn an andern Stämmen hinaufklettern und von Baum zu Baum herüberhängen lassen. In Gegenden, deren Klima den Weinbau begünstigt, ist ein kleiner Weinhügel ein fast nöthiges Zubehör des Herbstgartens, wenn er nicht schon in der Nachbarschaft von Weinbergen liegt.

[…]

Fast alle diese malerischen Veränderungen, die der Herbst hervorbringt, sind nur von kurzer Dauer; aber Beobachtung und Geschmack können sie doch zum Genuß nicht bloß anhalten, sondern selbst zu einer längern Folge vereinigen. Der Gartenkünstler muß allen den schönen Zufälligkeiten, welche diese Jahreszeit in seiner Gegend begleiten, immer einen aufmerksamen Blick widmen; er wird seine Beobachtung belohnt sehen, indem er der Natur die anmuthigsten Gemälde ablauscht. Bey der Mischung der Farben in Bäumen und Sträuchern kann er eine Mannigfaltigkeit von Verbindung und Gegenstellung zeigen, die keine andere Jahreszeit kennt. […]

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782

 

sommergarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Der Charakter des Sommers hat seine ausgezeichneten Unterscheidungstheile. Alle Gewächse schwelgen nun in der ganzen Stärke ihres Wachsthums, und die Früchte der Fluren und der Bäume glühen ihrer Reifung entgegen. Tausend Blumen stehen in der Fülle ihrer Schönheit aufgeschlossen. Ueberall schwebt das überschattende Laubwerk umher, ganz enthüllt und ausgewickelt zu reichen Wölbungen; das Grün hat seine völlige Farbenkraft erreicht. Die Wälder wallen in der stolzen Schönheit ihres Laubes. Die Wiesen verhauchen einen Reichthum von Düften, und beleben sich mit den frohen Scenen der Einsammlung des Grases, wo unter den Geschäfften der Schnitter und der Garbenbinderinnen bald ein ländlicher Scherz, bald ein Lied von Liebe, bald der Schlag der nachbarlichen Wachtel ertönt. Mit ihnen wechseln die Auftritte der mannigfaltigen Kornärndte. […] Alle Scenen der Natur erscheinen in ihrer ganzen Pracht und Vollkommenheit. Die Gewitter bilden in den Wolken die herrlichsten Schauspiele für das Auge. Mit der steigenden Hitze vermehrt sich der erquickende Schatten, mit dem längern Lichte die tiefere Dunkelheit der Wälder.

[…]

Wir suchen in dieser Zeit die Erquickungen des Schattens. Ein dichter Wald voll Buchen oder Eichen ist demnach ein treffliches Geschenk der Natur. Aber auch der Fleiß muß hier oft pflanzen. Gedrängte Gruppen und Hayne von Bäumen, die durch die Größe und den Reichthum des Laubes eine angenehme Bedeckung anbieten, müssen den Sommergarten überschatten.

[…]

Mit allen diesen Bäumen und Sträuchern können Stauden, Zwiebelgewächse und einjährige Pflanzen mit Blumen, wovon der Sommer eine so große Menge für die Zierde der Gärten hervorbringt, in Gruppen, Haynen, Spatziergängen, Lauben und Ruhesitzen, zur Bildung sehr reizender Scenen, verbunden werden. Außerdem geben auch die Sommerblumen auf Rasen und am Rande des Wassers, worinn sie den Wiederschein ihrer Farben bilden, Verzierungen von einer großen Anmuth und Lebhaftigkeit.

Auch können in die Pflanzungen des Sommers mit gutem Geschmack solche Obstbäume eingestreut werden, die ihre in dieser Zeit reifende Früchte lieblich färben, als der Apricosenbaum, der Kirschbaum, und einige frühzeitige Arten von Aepfelbäumen. Sie erfrischen das Auge mit einer reizenden Abwechselung, und erhöhen die Vorstellung von der mannigfaltigen Fruchtbarkeit der Jahreszeit.

[…]

Gebäude sind selbst ein Bedürfniß des Sommergartens; allein sie können zugleich sehr wichtige Gegenstände der Verschönerung seyn. Sie sollen zunächst Schirm vor der Hitze und Genuß der Ruhe gewähren; ihre Lage sey schattigt und kühl. Bey dem vollen Reichthum des Laubes, der dieser Jahrszeit eigen ist, können sie, besonders durch ihre Lage, Farbe und Verbindung mit Bäumen und Wasser, überaus malerische Gegenstände werden. Sie können außerdem von mannigfaltigen Charakteren seyn. In einer reichen und fruchtbaren Gegend prange ein Tempel, der Ceres oder der erzeugenden Natur gewidmet; in einem waldigten Dickigt sey es ein rohes Borkhaus, und nahe bey einer Weide eine kleine niedliche Milchhütte, die bezeichnend die Scene verschönere. Auch ein Badhäuschen ist in einem Sommergarten mehr, als ein bloßer Gegenstand des Vergnügens.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

frühlingsgarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

[…]

Dies ist die Feyerzeit der Blühen und der Blumen; mit ihnen prange vornehmlich der Garten des Frühlings. Bäume und Sträucher und Pflanzen, die in dieser Jahreszeit ihre Blumen in der Mannigfaltigkeit ihrer Farbenpracht enthüllen, müssen hier das zarte Grün der Rasen mit Blüthen und wankenden Schatten zieren. Sie mögen sich bald auf dem sanften Teppich einzeln zerstreuen; bald sich in Gruppen sammeln, dicke Massen voll glänzender Farben mit Wohlgeruch bilden, oder sich in schönen Pyramidalformen erheben, woraus ein reich blühender Gipfel emporsteigt, indessen auf den Seiten umher mannigfaltige Blumenbüschel niedriger Sträucher herabhangen; bald sich zu lieblichen Haynen, dem Frühling geheiligt, vereinigen. Der Gartenkünstler wähle die Geschlechter und Arten, die eine Folge von Blumen gewähren, und verbinde sie unter einander, daß die Scene nicht so bald leer werde. Allein weil die Zeit der Blüthen doch nur kurz ist, so sehe er zugleich auf Stämme von schönen Formen, damit sie, wenn sie ihrer Blumen entblößt sind, und ihr Laub sich noch nicht ganz enthüllt hat, noch fortfahren können, dem Auge einen gefälligen Anblick zu verschaffen. Die Gruppen müssen durch ihre Gestalt und durch ihre Stellung noch angenehme Theile in dem Ganzen des Gemäldes bleiben, wenn sie gleich ihrer Blüthen beraubt sind; der Spatziergang unter ihnen muß noch immer Ergötzung für die übrigen Monate behalten.

Wie viele schön blühende Bäume und Sträucher und Pflanzen liefert nicht die Natur für Spatziergänge, für Lauben, für Gruppen und Hayne des Frühlings! Und welche reiche Gemälde lassen sich nicht daraus zusammensetzen!

[…]

Außer diesen Bäumen und Sträuchern gehören noch mit vorzüglichem Rechte in Frühlingsscenen die Obstbäume; die durch die Schönheit ihrer Blüthen so sehr das Auge entzücken, vornehmlich die Aprikosen, die Pfirschen und die Aepfelbäume. Selbst die mit der einfärbigen Weiße überstreuten Kirschbäume, Pflaumenbäume und Birnbäume stellen eine sehr heitre Scene dar, zumal wenn sie in Wiesen oder auf Rasen stehen, deren aufsprießendes Grün dagegen einen lieblichen Hintergrund bildet. Ein Obstgarten sollte daher wenigstens den Frühlingsscenen zur Seite liegen, wo das Auge die ganze Wonne der Blüthen überschauen kann.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

vom gartenbau der harzer / ‚beschreibung des harzes‘ von christoph wilhelm jacob gatterer

Vom Gartenbau der Harzer

§. 156.

Selbst in den höhern Gegenden des Oberharzes, zum Beyspiel um Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. hat man so wol gut bestellte Küchengärten, als auch Blumengärten, in welchen Küchengewächse und Blumen von macherley Art gezogen werden. Hingegen in den rauhen und gebürgigten Gegenden um Wildemann und Altenau findet man nur wenige Baum= und Gartenfrüchte, und dann gehören noch sehr gute und warme Sommer dazu, wenn diese zur Reife kommen sollen.

§. 157.

Aber in der Gegend von Clausthal, Zellerfeld, Grund und Andreasberg werden die meisten Arten von Küchengewächsen reif, besonders Salat, allerley Arten von Kohl, und Wurzeln, selbst auch Blumenkohl; doch werden alle diese Gemüse nicht im freyen Felde,sondern in Gärten hinter den Häusern gezogen. – Gurken werden daselbst nich immer reif, sonst aber fast alle Gemüse der benachbarten Gegenden des platten Landes. – Ueberhaupt erscheinen die hir gezogenen Küchen= und Baumfrüchte viel später, und werden später reif, als in den benachbarten Landgegenden. Denn zum Beyspiel erst im August bis zu Ende giebt es hier grüne Erbsen und Bohnen; erstere werden erst im Mai gelegt. – Der Kartoffelnbau ist, obgleich die Kartoffeln recht gut gerathen, doch noch nicht sehr lange eingeführt, und blos der Dieberey wegen werden sie ebenfalls in den Gärten hinter den Häusern gezogen.

§. 158.

Obgleich die Gärten auf dem Oberharze, des längeren Winters wegen viel später, als im benachbarten platten Lande bestellt werden müssen, so wächst doch alles Gartengewächs schneller, als im Lande, weil die Hize, wenn es heiß ist, auch desto stärker ist. Demohngeachtet sucht man hier natürlich alle solche Gewächse, welche mehr Wärme erfordern, z.B. Melonen, Artischocken, Spargel und dergleichen vergebens in den oberharzischen Gärten.

§. 159.

Einige Obstbaumgärten trift man auf dem eigentlichen Oberharze eben so wenig an, doch hin und wieder einzelne Obstbäume in andern Gärten. Denn im Ganzen genommen geräth hier keine Art von Baumobst. Nur selten gerathen einzelne Kirschen, Aepfel und Birnen, wenn diese Obstbäume von Häusern geschüzt werden, und dann sind sie doch allemal von keinem sonderlichen Geschmack; reife Zwetschen sind noch grössere Seltenheiten. – Hin und wieder trift man auch in den Gärten der Oberharzer Johannis= und Stachelbeer=Stauden an. – Walnüsse, Abrikosen, Pfirschen und Weintrauben kommen niemals zur Reife. – Demohngeachtet werden aber die Oberharzer von ihren Nachbarn mit allen Arten von Baumobst so reichlich Versorgt, daß es daselbst nur um ein Geringes Theurer ist, als in den benachbarten Langegenden. Nach Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. wird durch die Trägerinnen auch viel Obst aus Osterode, Grund, Goslar &c. &c. geholt.

§. 160.

Desto reicher sind die Waldungen des Oberharzes an verschiedenen Arten von wildem Obst, sonders reich an guten Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren und Kronsbeeren, wodurch sich der gemeine Mann nicht nur selbst sättiget und gesund erhält, sondern auch noch, besonders mit leztern in die benachbarten Gegenden ein ganz einträglicher Handel treibet.

§. 161.

Die Küchengärten der Oberharzer sind meistens mit Blumen geziert, und in manchen trift man recht artige Floren von verschiedenen Arten von Tulpen, anderer Zwiebelgewächse, Nelken und anderen Blumen an. Aber die Pflanzen zu denselben müssen auf Mist oder Glasbeeten gezogen werden.

christoph wilhelm jacob gatterer, ‚beschreibung des harzes‘, erster theil, nürnberg, 1792,

malus domestica: wæs þu hæl / wassailing the apple-trees

WASSAILING THE APPLE-TREES.

Writing on this subject, in the Antiquary, March, 1895, Mr. Harry Hems, of Exeter, introduces the reduced copy of an illustration which appears on the following page, and which he states was published in the Illustrated London News, January 11, 1851.

The picture (says Mr. Hems) „presents, as will be seen, a frosty, moonlight night, with a brilliantly-lit old farmhouse in the background. In the fore are leafless fruit-trees, and three men firing guns at them, whilst the jovial farmer and another man drink success to the year’s crop from glasses evidently filled from a jug of cider, which the latter also holds a-high. A crowd of peasants – men, women and children – are gathered around, and the following description is appended:-

„’Amongst the scenes of jocund hospitality in this holiday season, that are handed down to us, is one which not only presents an enlivening picture, but offers proof of the superstition that still prevails in the Western counties. On Twelfth-even, in Devonshire, it is customary for the farmer to leave his warm fireside, accompanied by a band of rustics, with guns, blunderbusses, &c., presenting an appearance which at other times would be somewhat alarming. Thus armed, the band proceeds to an adjoining orchard, where is selected one of the most fruitful and aged of the apple-trees, grouping round which they stand and offer up their invocations in the following quaint doggerel rhyme:-

‚Here’s to thee,

Old apple-tree!

Whence thou mayst bud,

And whence thou mayst blow,

And whence thou mayst bear

Apples enow:

Hats full,

Caps full,

Bushels, bushels, sacks full,

And my pockets full too! Huzza! huzza!‘

The cider-jug is then passed round, and, with many a hearty shout, the party fire off their guns, charged with powder only, amidst the branches, sometimes frightening the owl from its midnight haunt. With confident hopes they return to the farmhouse, and are refused admittance, in spite of all weather,

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till some lucky wight guesses aright the peculiar roast the maidens are preparing for their comfort. This done, all enter, and soon right merrily the jovial glass goes round, that man who gained admittance receiving the honour of King for the evening, and till a late hour he reigns, amidst laughter, fun, and jollity. The origin of this custom is not known, but it is supposed to be one of great antiquity.

„’The illustration is from a sketch by Mr. Colebrooke, Stockdale.’“

We may add that, in the seventeenth century, a similar custom seems to have been observed in some places on Christmas Eve, for in [robert] Herrick’s Hesperides [london, 1684] the wassailing of fruit trees is among the Christmas Eve ceremonies: –

„Wassail the trees, that they may beare

You many a plum, and many a peare;

For more or less fruits they will bring,

As you do give them wassailing.“

william frances dawson, ‚christmas: its origin and associations: together with its historical events and festive celebrations during nineteen centuries: […] derived from the most authentic sources, and arranged chronologically‘, london, 1902.

wassail kommt aus dem altenglischen oder angelsächsischen: wæs hæl / be you healthy. die ursprüngen liegen vor 1066, der normannischen eroberung unter william the conqueror.

wassailing ist ein fruchtbarkeitsritual. in der letzten der rauhnächte, twelfth night, wurde um eine gute ernte gebeten. die tradition hat sich besonders in den westlichen englischen grafschaften (devon, somerset, dorset, gloucestershire and herefordshire), in denen viel cider produziert wird, erhalten. als lektüre zum cider empfiehlt sich das 1676 in london erschienene buch ‚vinetum britannicum: or a treatise of cider‘ von john worlidge. als ersatz für das schiessen durch den baum kann man natürlich auch hüte durch die äste werfen, denn das sollte bei einem gut beschnittenen apfelbaum möglich sein.

das getränk wassail ist ein mulled cider, glühwein oder punch. es finden sich regional unterschiedliche rezepte. neben cider benötigt man auf jeden fall zucker, zimt, ingwer, und muskatnuss. bei der variante ‚lamb’s wool‘ bratäpfel. auf jeden fall gilt: wæs þu hæl / be in good health!

für den richtigen zeitpunkt bitte die umstellung des kalenders im jahre 1582 vom julianischen auf den gregorianischen beachten. twelfth night, heute die nacht vom 05. zum 06. januar, fiel nach julianischen kalender auf den heutigen 17. januar. noch genug zeit die zutaten zu besorgen …

„Die Farben wohl zusammen paart‘.“ / ‚der herbst‘ von barthold heinrich brockes

Nicht glaublich ist die Lust, die mein Gemüth empfunden,
Als ich noch auf ein ander mahl
Das, durch mich, aus dem feuchten Staub‘
Erhobene frisch abgefall’ne Laub,
Im hellen Sonnen-Strahl,
Zusammen legt‘, und, nach der Schilder Art,
Die Farben wohl zusammen paart‘.
Es war derselben buntes Spiel,
Durch den, oft selbst durch sie gefärbten, Sonnen-Schein,
Wenn er durch ihr Geäder fiel,
Nicht bloß des Cörpers Auge nur,
Der Seelen Augen selbst ein angenehmes Ziel.
Die schönste Schüssel Obst ist kaum so schön,
Der Aepfel, der Citronen Zier
Ist kaum so lieblich anzusehn,
Auf manchem mischte sich Gelb, Braun, Weiß, Roth und Grün,
Daß es, recht wie Drap d’Or, gewircket schien.

[…]

Auf jedem Dorn-Strauch gläntzt anitzt und glühet
Der Hagebutten brennend Roth,
Bey welchen man der Vögel Speis‘ und Tod,
In rothen Beeren, funckeln siehet.
Jetzt rauschen durch die Luft, in ungezählten Schaaren,
Die Krammets-Vögel, Drosseln, Staren.
Man sieht Gesträuch und Busch voll gier’ger Fresser hangen,
Und, statt der vor’gen Frucht, mit Feder-Früchten prangen.

[…]

Man sieht den Gärtner jetzt auf manchen Obst-Baum klettern:
Die abgehärtete, die Runtzeln-volle Hand
Fasst kaum so bald den, durch der Aepfel Last,
Gekrümmten Ast;
So droht das fette Land
Ein süsser Hagel zu zerschmettern.
Wie, durch das Strampfen vieler Pferde,
Die Erde bebt und schallt; so schallt und bebt die Erde,
Von eig’ner Frucht bestürmt.

[…]

Der edle Weinstock zeigt sein fröhliches Gepränge;
Der Purpur-farb’nen Trauben Menge,
Die mehr das Laub, als dieses sie, versteckt,
Ist gantz mit Himmel-Blau bedeckt,
In dessen keuschem Duft, der angerührt verschwindet,
Die Hand ein schönes Nichts befindet.
Es strotzen die gequoll’nen Beeren,
Und bersten fast von holder Süßigkeit,
Um ihren Saft, der Mund und Hertz erfreut,
Uns ausgekeltert zu gewehren.

[…]

barthold heinrich brockes, ‘der herbst’ aus ‘irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten’, 1721 – 1748.