pückler fährt durch die niederlande: landschaft als garten & die kultivierung der heide / ‚briefe eines verstorbenen‘ von hermann von pückler-muskau

Rotterdam, den 25sten [september 1826]

[…], und wirklich von magischer Wirkung ist dagegen der weite Garten, welcher sich zwischen Arnheim und Rotterdam ausbreitet. Auf einer Chaussée, von Klinkern (sehr hart gebrannte Ziegel) gebaut, und mit feinem Sande überfahren, eine Straße, die durch nichts übertroffen werden kann, und nie auch nur die schwächste Spur eines Gleises annimmt, rollte der Wagen mit jenem leisen, stets den gleichen Ton haltenden Gemurmel des Räderwerks hin, das für die Spiele der Phantasie so einladend ist. Obgleich es in dem endlosen Park, den ich durchstrich, weder Felsen noch selbst Berge giebt, so gewähren doch die hohen Dämme, auf welche der Weg zuweilen hinansteigt, die Menge, große Massen bildender Landsitze, Gebäude und Thürme, wie die vielen aus Wiesen, Ebnen, oder über klare Seen auftauchenden kolossalen Baum-Gruppen, der Landschaft eben so viel Abwechselung von Höhe und Tiefe, als malerische Ansichten der verschiedensten Art; ja ihre größte Eigenthümlichkeit besteht eben in dieser unglaublichen Bewegung und Mannichfaltigkeit der Gegenstände, die ohne Aufhören die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Städte, Dörfer, Schlösser mit ihren reichen Umgebungen, Villen von jeder Bauart mit den niedlichsten Blumengärten, unabsehbare Grasflächen mit Tausenden weidender Kühe, Seen, die im Umfang von 20 Meilen blos durch Torfstich nach und nach entstanden sind, unzählige Inseln, wo das baumlange Schilf, zum Decken der Dächer sorgfältig angebaut, Myriaden von Wasservögeln zur Wohnung dient – alles bietet sich fortwährend die Hand zu einem freudigen Reigen, in dem man wie im Traume durch flüchtige Pferde fortgerissen wird, während immer neue Palläste, immer andere Städte am Horizont erscheinen, und ihre hohen gothischen Thürme in dämmernder Ferne mit den Wolken sich verschmelzen. Eben so läßt in der Nähe eine oft groteske und stets wechselnde Staffage keinem Gefühl der Einförmigkeit Raum. Bald sind es seltsam mit Schnitzwerk und Vergoldung verzierte Wagen ohne Deichsel, und von Kutschern regiert, die in blauen Westen, kurzen schwarzen Hosen, schwarzen Strümpfen und Schuhen mit ungeheuren silbernen Schnallen, auf einer schmalen Pritsche sitzen; oder zu Fuß wandernde Weiber mit sechs Zoll langen goldnen und silbernen Ohrringen behangen, und chinesischen Sommerhüten, gleich Dächern auf den Köpfen; bald zu Drachen und fabelhaften Ungethümen verschnittene Taxus-Bäume, oder mit weiß und bunter Oelfarbe angestrichene Lindenstämme, asiatisch mit vielfachen Thürmchen verzierte Feueressen, absichtlich schief liegend gebaute Häuser, Gärten mit lebensgroßen Marmor-Statuen in altfranzösischer Hofkleidung durch das Gebüsch lauschend, oder eine Menge 2 – 3 Fuß hoher, spiegelblank polirter Messingflaschen auf den grünen Wiesen am Wege stehend, die wie pures Gold im Grase blinken, und doch nur die bescheidne Bestimmung haben, die Milch der Kühe aufzunehmen, welche daneben von jungen Mädchen und Knaben emsig gemolken werden – kurz eine Menge ganz fremder ungewohnter und phantastischer Gegenstände bereiten jeden Augenblick dem Auge eine andere Scene, und drücken dem Ganzen ein vollkommen ausländisches Gepräge auf. Denke Dir nun dieses Bild noch überall in den Goldrahmen des schönsten Sonnenscheins gefaßt, geziert mit der reichsten Pflanzenwelt, von riesenhaften Eichen, Ahorn, Eschen, Buchen bis zu den kostbarsten ausgestellten Treibhaus-Blumen herab, so wirst Du Dir eine ziemlich genaue, und keineswegs übertriebene Vorstellung von diesem wunderbar herrlichen Theile Hollands machen können, und dem hohen Vergnügen meiner gestrigen Fahrt.

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kulturlandschaften, wallhecken, gärten vor 100 jahren: bilder von hermann reichling

hermann reichling: naturschutz, politik & fotografie

ein naturschützer unterwegs mit der kamera in westfalen und, auf der flugroute der zugvögel, bis nach lappland. hermann reichling (1890-1948), promovierter ornithologe und naturschutzpionier, war von 1919-1948 direktor des provinzialmuseums für naturkunde in münster. mit einer unterberechung von 1933 -1945, von den nazis wegen „politischer unzuverlässigkeit“ abgesetzt: disziplinarverfahren und als „schutzhäftling“ von juni bis september 1934 im kz esterwegen im emsland, wo er bei der trockenlegung von mooren zwangsarbeiten musste und misshandelt wurde. nach seiner freilassung wurde er an den dümmer im oldenburger münsterland verbannt, „kaltgestellt“: nicht untätig, entstand bis 1945 dort eine einzigartige dokumentation der region. 1945 rehabilitiert und wieder direktor des naturkundemuseums starb er jedoch schon 1948 an den folgen der kz-haft.

in seiner amtszeit von 1926 bis 1933 als staatlicher kommissar für naturdenkmalpflege in der provinz westfalen, wurden fast 70 schutzgebiete ausgewiesen. 1932 befanden sich ca. ein fünftel aller naturschutzgebiete preussens in der provinz westfalen. reichling war gut vernetzt: er stand u.a. im kontakt mit max hugo weigold, gründer der vogelwarte helgoland, 1910, und später direktor der naturkunde-abteilung des provinzialmuseums in hannover, und mit hugo conwentz, direktor des westpreußischen provinzial-museums in danzig & autor des buches ‚die gefährdung der naturdenkmäler und vorschläge zu ihrer erhaltung‘ (berlin, 1904).

mehr als 10.000 negative, glasplatten, haben sich zwischen 1912 und 1948 im archiv angesammelt und einige filme, die reichling als pionier des naturfilms ausweisen. fotografiert hat reichling, neben den üblichen familienszenen, hauptsächlich bei erkundungen, der sich stetig durch den menschen verändernden kulturlandschaften und ihre fauna in nordwestdeutschland. ab 1926 wurde er von dem fotografen georg hellmund unterstützt, der bis 1966 für das naturkundemuseum arbeitete. die familie übergab den privaten nachlass an das lwl -museum für naturkunde (ehem. provinzialmuseums für naturkunde). das archiv wurde ab 2015 mit unterstützung der nrw-stiftung aufgearbeitet und digitalisiert. Weiterlesen

gartenbücher (meadows – at great dixter and beyond)

wiesen? blumenwiesen, mager- oder trockenrasen, feuchtwiesen & natürlich, die beste aller wiesen: die streuobstwiese. die durch intensive nutzung, d.h. düngung, entstehenden fettwiesen und maritime salzwiesen (salzwiesenlamm + salicornia / queller) lassen wir mal beiseite. rasenflächen die für sogenannte sportarten angelegt selbstverständlich ebenfalls (ein golfplatz ist so ökologisch wertvoll wie ein zubetonierter parkplatz).

eine wiese ist eine halbkulturformation, eine durch menschen geschaffene pflanzengesellschaft. ohne eingriffe des menschen könnte sie nicht überleben. wiesen sind nicht „natur“. die wiese ist kulturlandschaft. wird nicht gemäht oder beweidet, droht verbuschung.

im landscape garden des 18 jh. ein wichtiges gestaltungselement, wenn auch nicht so erhaben wie ein gebirge …

Wiesen, die zum Theil zu den Ebenen gehören, sind, selbst bey einer beträchtlichen Länge und Ausbreitung, keines erhabenen Charakters fähig; sie bleiben in dem Bezirk einer mittlern Beschaffenheit und mäßiger Bewegungen. Indessen sind sie überaus sanfte, ruhige und einnehmende Auftritte der Natur, deren Charakter in dem Freyen und Ländlichen besteht; sie rufen die lieblichen Bilder der arkadischen Hirtenwelt zurück, und scheinen auf eine vorzügliche Art der Empfindung der Ruhe und der stillen Ergötzung des Landlebens gewidmet zu seyn.

Die Schönheit der Wiesen besteht zuvörderst in den sanftgekrümmten Linien, die ihren Umkreis bezeichnen. Alles Regelmäßige, Eckige, Scharfe muß von ihrer Figur ausgeschlossen seyn; aber kleine Rundungen und mäßige Einbiegungen helfen der Einförmigkeit mit dem Genuß der Abwechselung ab. Demnächst wird ihre Schönheit durch das Lebhafte und Frische ihres Grüns, durch Unterbrechungen und Schattirungen mit einzelnen Bäumen, und durch ihre Einfassung und Verbindung mit Hügeln, Felsen und Gehölz bestimmt. Bey ausgebreiteten Wiesen fallen kleine Unterbrechungen, die schon an sich den Ueberdruß des Einförmigen und Leeren hemmen, sehr angenehm ins Auge; sie müssen aber kein niedriges Gesträuch und Buschwerk seyn, sondern wenige, edel gewachsene, nicht zu nah zusammengedrängte Bäume mit einem Laub, das gegen die Farbe der Wiese absticht. Nackte, rauhe, vorüberhangende Felsen an der Seite einer mit allen Reizen ausgeschmückten Wiese bilden durch Contrast und Sonderbarkeit einen Theil von romantischer Gegend. Gehölze, die gewöhnlichsten Einfassungen der Wiesen, erhöhen durch ihre Schatten noch mehr die Empfindung der Einsamkeit und Ruhe. Ein klarer Bach oder Fluß, der sich allmählig dahinwälzt, verbreitet Licht und Erfrischung, und wandelt die ruhige Behagung der Seele in eine lebhaftere Bewegung, in die Bewegung der Freude.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 1, leipzig, 1779.

platz für landscape haben wenige im garden. und was die ebenen betrifft, sei ein verweis auf almen und bergwiesen erlaubt → wiesenbau im oberharz im allgemeinen & …  man muss nicht im konventions-system (→ gartenbücher romantisch & …) der aufklärung gefangen bleiben, um aus rasen einen meadow zu machen: wiese statt rasen, sense statt rasenmäher …

es ist zur zeit ein trend zu spüren: weniger grüner beton, rasen, und mehr wildblumen. bienenfreundliche saatmischungen bietet mittlerweise fast jeder händler an. langfristig ist es mit einer einer aussaat jedoch nicht getan.

gerade ist ein klassiker der wiesen-literatur wieder aufgelegt worden: ‚meadows – at great dixter and beyond‘ von christopher lloyd. zuerst 2004 erschienen und jetzt mit neuen fotos von jonathan buckley und carol casselden sowie einem vorwort des headgardeners von great dixter, fergus garrett, erweitert. erschienen bei pimpernel press (eine verlagsneugründung, die nach den ersten drei programmen viel erwarten lässt). Weiterlesen

wildernesses / ‘the gardeners dictionary‘ von philip miller

WILDERNESSES, if rightly situated, artfully contrived, and judiciously planted, are very great ornaments to a fine garden; but it is rare to see these so well executed in gardens as could be wished, nor are they often judiciously situated; for they are frequently so situated as to hinder a distant prospect, or else are not judiciously planted; the latter of whichis farce ever to be found in any of our most magnificent  gardens, very few of their designers ever studying the natural growth of trees so as to place them in such manner, that they may not obstruct the sight from the several parts of the plantation which are presented to the view; I shall therefore briefly set down what has occurred to me from time to time, when I have considered these parts of gardens, whereby a person will be capable to form an idea of the true beauties which ought always to be studied in the contrivance of Wildernesses

1. Wildernesses should always be proportioned to the extent of the gardens in which they are made, that they may correspond in magnitude with the other parts of the garden; for it is very ridiculous to fee a large Wilderness planted with tall trees in a small spot of ground; and on the other hand, nothing can be more absurd, than to see little paltry squares, or quarters of Wilderness work, in a magnificent large garden.

2. As to the situation of Wildernesses, they should never be placed too near the habitation, becauce the great quantity of moisture which is perspired from the trees will cause a damp unwholesome air about the house, which is often of ill consequence. Nor should they be situated so as to obstruct any distant prospcet of the country, which should always be preserved wherever it can be obtained, there being nothing so agreeable to the mind as an unconfined prospect of the adjacent country; […]

3. The trees should always be adapted to the size of the plantation, for it is very absurd to see tall trees panted in small squares of a little garden; and so likewise, if in large designs are planted nothins but small srubs, it will have a mean appearance. It should also be observed, never to plant evergreen among deciduous trees, but always place the evergreens in a Wilderness, or a separate part of the Wilderness by themselves, and that chiefly in sight, because these afford a continual pleasure both in summer and winter, when in the latter season the deciduous trees do not appear so agreeable; therefore, if the borders of Wilderness quarters are skirted with evergreens, they will have a good effect.

4. The walks must also be proportioned to the size of the ground, and not make large walks in a small Wilderness (nor too many walks, though smaller) whereby the greatest part of the ground is employed in walks; nor should the grand walks of a large Wilderness be too small, both of which are equally faulty. These walks should not be entered immediately from those of the pleasure-garden, but rather be led into by a small private walk, which will render it more entertaining; or if the large walk be tutned in form of a serpent, so as not to shew its whole extent, the mind will be better pleased, than if the whole were to open to the view.

The old formal method of contriving Wildernesses was to divide the whole compass of ground, either into squares, angles, circles, or other figures, making the walks correspondent to them, planting the sides of the walks with hedges of Lime, Elm, Hornbeam, &c. and the quarters within were planted with various kinds of trees promiscuoufly without order; but this can by no means be esteemed a judicious method becauce first hereby there will be a great expence in keeping the hedges of a large Wilderness in good order by shearing them, which, instead of being beautiful, are rather the reverse; for as these parts of a garden should, in a great measure, be designed from nature, whatever has the stiff appearance of art, does by no mean correspond therewith ; besides, these hedges are generally trained up so high, as to obstrud the sight from the stems of the tall trees in the quarters, which ought never to be done.

In the next place the walks are commonly made to intersect each other in angles, which asfo shew too formal and trite for such plantations, and are by no means comparable to such walks as have the appearance of meanders or labyrinths, where the eye cannot discover more than twenty or thirty yards in length; and the more these walks are turned, the greater pleasure they will afford. These should now and then lead into an open circular piece of Grass, in the center of which may be placed either an obelifk, statue, or fountain; and if in the middle part of the Wilderness there be contrived a large opening, in the center of which may be erected a dome or banquetinghouse surrounded with a green plat of Grass, it will be a considerable addition to the beauty of the place. […]

In the distribution of these plantations, in those parts which are planted with deciduous trees, there may be planted next the walks and openings, Roses, Honeysuckles, Spiræa Frutex, and other kinds of low-flowering shrubs, which maybe always kept very dwarf, and may be planted pretty close together; and at the foot of them, near the sides of the walks, may be planted Primroses, Violets, Daffodils, and many other sorts of wood flowers, not in a strait line, but rather to appear accidental, as in a natural wood. Behind the first row of shrubs should be planted Syringas, Cytisuses, Althæa frutex, Mezereons, and other flowering shrubs of a middle growth, which may be backed with Laburnums, Lilacs, Guelder Roses, and other flowering shrubs of a large growth: these may be backed with other sorts of trees, rising gradually to the middle of the quatters, from whence they should always slope down every way to the walks.

By this distribulon you will have the pleasure of the flowering shrubs near the sight, whereby you will be regaled with their scent as you pass through the walks, which is seldom observed by those who plant Wildernesses, for nothing is more common than to see Roses, Honeysuckles, and other small flowering shrubs, placed in the middle of large quarters, under the droprping and shade of large trees, where they seldom thrive; and if they do, the pleasure of them is Iost, becaufe they are secluded from the sight. […]

But, beside these grand walks and openings, (which may be: laid with turf, and kept well mowed) there should be some smaller serpentine walks throuh the middle of the quarters, where persons may retire for privacy. […]

In the general design for these Wildernesses it should not be studied to make the several parts correspondent,for that is so formal and stiff, as to be now quite rejected. The greater diversity there is in the distribution of these parts, the more pleasure they will afford; and since, according to this method of designing and planting, the different parts never present themselves to the same views, it is no matter how different they are varied asunder; that part of them which is most in view from the house, or other parts of the garden, may be planted with evergreens, but the other parts may be planted with deciduous trees […].

The part planted with evergreens may be disposed in the follownig manner, viz. in the first line next the great walks may be placed Laurustinus, Boxes, Spurge Laurel, Juniper, Savin, and other dwarf evergreens; behind these may be planted Laurels, Hollies, Arbutuses, and other evergreens of a larger growth; next to these may be placed Alaternuses, Phyllireas, Yews, Cypresses, Virginian Cedars, and other trees of the fame growth; behind these may be planted Norway and Silver Firs, the True Pine, and other forts of the like growth; and in the middle should be planted Scotch Pines, Pinaster, and other of the largest growing evergreens, which will afford a most delightful prospect, if the different shades of their greens are curiously intermixed.[…]

In small gardens where there is not room for these magnificent Wildernesses, there may be some rising clumps of evergreens, fo designed as to make the gound appear much larger than it is in reality; and if in these there are some serpentine walks well contrived, it will greatly improve the places, and deceive those who are unacquainted with the ground as to its size. These clumps or little quarters of evergreens should be placed just beyond the plain opening of Grass before the house, where the eye will be carried from the plain surface of Grass to the regular slope ofevergreens, to the great pleasure of the beholder; but if there is a distant prospect of the adjacent country, from the house, then this should not be obstructed, but rather be left open for the prospect bounded on each side with these clumps, which may be extended to those parts of the ground, where no view is obstructed. These small quarters should not be surrounded with hedges, for the reasons before given; nor should they be cut into angles, or any other studied figures, but be designed rather in a rural manner, which is always preferable to the other, for these kinds of plantations.

In Wildernesses there is but little trouble or expence after their first planting, which is an addition to their value; the only labour required is to mow and roll the large Grass walks, and to keep the other ground walks free from weeds. And in the quarters, if the weeds are hoed down two or three times in a summer, it will still add to their neatness. The trees should also be pruned to cut out all dead wood, or irregular branches, where they cross each other, and just to preserve them with due bounds; and […], if the ground be (lightly dug between the trees, if will greatly promote their vigour. This being the whole labour of a Wilderness, it is no wonder they are so generally esteemed, especially when consider the pleasure they afford.

philip miller, ‘the gardeners dictionary: containing the best and newest methods of improving the kitchen, fruit, flower garden, and nursery; as also for performing the practical parts of agriculture: including the management of vinyards, […]. london, 1768 (8th edition).

bornimer feldflur, am raubfang 6: karl foersters garten im herbst

der erste garten von karl foerster war in kreuzberg. sein vater, wilhelm foerster, war direktor der neuen berliner sternwarte (nach ihm wurde die wilhelm-foerster-sternwarte auf dem insulaner in berlin-schöneberg benannt). an der sternwarte am enckeplatz in berlin-kreuzberg hatten die kinder eigene kleine gärten. karl foerster absolvierte eine gärtnerlehre in der schlossgärtnerei in schwerin und eine ausbildung in der königlichen gärtnerlehranstalt am wildpark zu potsdam. 1903 gründete er eine staudengärtnerei in berlin-westend.

potsdam-bornim. am raubfang 6. in der von peter joseph lenné und hermann sello ab 1842 landschaftlich als ornamented farm / ferme ornée gestalten bornimer feldflur liegt der garten von karl foerster, heute verwaltet von der marianne foerster-stiftung in der deutschen stiftung denkmalschutz. foerster erwarb 1910 ackerland im südlich von sanssouci gelegenen bornim. 1911 entstand das von hermann muthesius beeinflusste wohnhaus im landhausstil und der garten. ein schaugarten und anzuchts- und versuchsflächen, der „enttäuschungsfilter“, für seine staudenzüchtungen & die gärtnerei (später veb bornimer staudenkulturen, 1993 von wolfgang härtel und gerd berthe zusammen mit marianne foerster als foerster-stauden gmbh neugegründet).

neben william robinson und gertrude jekyll war foerster stilistisch von willy lange beeinflusst. lange, garteninspektor in dahlem, war einer der wichtigsten vertreter des aufkommenden „naturnahen gartens“ mit u.a. heimischen wildpflanzen, eine ideologie die ihn weltanschaulich braun werden liess. in den 1930iger wurde der garten von hermann mattern umgestaltet. später durch hermann göritz, einem schüler von foerster, und schliesslich 2001 anlässlich der bundesgartenschau in potsdam von martin heisig, der eine gärtnerlehre bei foerster gemacht hat, restauriert. der steingarten wurde 2008 von norbert kühn, tu berlin – fachgebiet vegetationstechnik und pflanzenverwendung, neukonzipiert. das herbstbeet erhielt 2010 eine neue bepflanzung von christian meyer.

der garten wurde in den 1920iger und 30igern ein treffpunkt: zum „bornimer kreis“ gehörten u.a. hermann mattern & dessen damalige frau herta hammerbacher (1934 gründung der „arbeitsgemeinschaft gartengestaltung“ von foerster, mattern & hammerbacher), richard hansen (der gründer des sichtungsgartens weihenstephan) und die architekten hans poelzig, hans scharoun und otto bartning sowie dessen nichte esther bartning, deren bilder auf vielen der kataloge-titel von foersters gärtnerei zu finden sind.

die einflüsse, netzwerke & freundschaften waren international, mit den nazis und der mauer wurden die kontakte schwieriger. foerster war mit bonne ruys befreundet und hatte kontakt mit dessen tocher mien → thee zetten und mien ruys (& karl foerster) lesen: …). ohne die stauden und gräser aus bornim wären die gärten der ‚dutch wave‘, des ’new perennial movement‘, oder was immer man für ein schlagwort nimmt, nicht denkbar. Weiterlesen

hampton court maze / ‚three men in a boat‘ von jerome k. jerome

Harris asked me if I’d ever been in the maze at Hampton Court. He said he went in once to show somebody else the way. He had studied it up in a map, and it was so simple that it seemed foolish—hardly worth the twopence charged for admission. Harris said he thought that map must have been got up as a practical joke, because it wasn’t a bit like the real thing, and only misleading. It was a country cousin that Harris took in. He said:

“We’ll just go in here, so that you can say you’ve been, but it’s very simple. It’s absurd to call it a maze. You keep on taking the first turning to the right. We’ll just walk round for ten minutes, and then go and get some lunch.”

They met some people soon after they had got inside, who said they had been there for three-quarters of an hour, and had had about enough of it. Harris told them they could follow him, if they liked; he was just going in, and then should turn round and come out again. They said it was very kind of him, and fell behind, and followed.

They picked up various other people who wanted to get it over, as they went along, until they had absorbed all the persons in the maze. People who had given up all hopes of ever getting either in or out, or of ever seeing their home and friends again, plucked up courage at the sight of Harris and his party, and joined the procession, blessing him. Harris said he should judge there must have been twenty people, following him, in all; and one woman with a baby, who had been there all the morning, insisted on taking his arm, for fear of losing him.

Harris kept on turning to the right, but it seemed a long way, and his cousin said he supposed it was a very big maze.

“Oh, one of the largest in Europe,” said Harris.

“Yes, it must be,” replied the cousin, “because we’ve walked a good two miles already.”

Harris began to think it rather strange himself, but he held on until, at last, they passed the half of a penny bun on the ground that Harris’s cousin swore he had noticed there seven minutes ago. Harris said: “Oh, impossible!” but the woman with the baby said, “Not at all,” as she herself had taken it from the child, and thrown it down there, just before she met Harris. She also added that she wished she never had met Harris, and expressed an opinion that he was an impostor. That made Harris mad, and he produced his map, and explained his theory.

“The map may be all right enough,” said one of the party, “if you know whereabouts in it we are now.”

Harris didn’t know, and suggested that the best thing to do would be to go back to the entrance, and begin again. For the beginning again part of it there was not much enthusiasm; but with regard to the advisability of going back to the entrance there was complete unanimity, and so they turned, and trailed after Harris again, in the opposite direction. About ten minutes more passed, and then they found themselves in the centre.

Harris thought at first of pretending that that was what he had been aiming at; but the crowd looked dangerous, and he decided to treat it as an accident.

Anyhow, they had got something to start from then. They did know where they were, and the map was once more consulted, and the thing seemed simpler than ever, and off they started for the third time.

And three minutes later they were back in the centre again.

After that, they simply couldn’t get anywhere else. Whatever way they turned brought them back to the middle. It became so regular at length, that some of the people stopped there, and waited for the others to take a walk round, and come back to them. Harris drew out his map again, after a while, but the sight of it only infuriated the mob, and they told him to go and curl his hair with it. Harris said that he couldn’t help feeling that, to a certain extent, he had become unpopular.

They all got crazy at last, and sang out for the keeper, and the man came and climbed up the ladder outside, and shouted out directions to them. But all their heads were, by this time, in such a confused whirl that they were incapable of grasping anything, and so the man told them to stop where they were, and he would come to them. They huddled together, and waited; and he climbed down, and came in.

He was a young keeper, as luck would have it, and new to the business; and when he got in, he couldn’t find them, and he wandered about, trying to get to them, and then he got lost. They caught sight of him, every now and then, rushing about the other side of the hedge, and he would see them, and rush to get to them, and they would wait there for about five minutes, and then he would reappear again in exactly the same spot, and ask them where they had been.

They had to wait till one of the old keepers came back from his dinner before they got out.

jerome k. jerome, ‚three men in a boat (to say nothing of the dog)‘, bristol, 1889.

denkmalpflege, rekonstruktion, lesungen,… grüne wüste im garten des rüschhauses

rüschhaus_taxus_buxus_hecken_500   hecken: taxus / eibe & buxus / buchsbaum + rasen.

was passiert, wenn denkmalpflege und gärten kollidieren? der klassische denkmalschutz ist es gewohnt mit statischer architektur umzugehen. ein bestimmter zustand eines gebäudes wird dogmatisch festgeschrieben. dass für ein barockes gebäude ältere architektur verändert oder gar komplett abgerissen wurde, wird gerne verdrängt. dass architektur nur funktioniert, wenn sie belebt ist, spielt keine rolle. was passiert, wenn es um gärten geht? ein garten ist niemals statisch. er verändert sich im laufe des jahres. pflanzen wuchern oder sterben ab, bäume brauchen jahre um die planmässigen grössen zu erreichen, etc.

die barocke struktur im garten – bzw. der gärten: der lustgarten am haus & der nutzgarten – des rüschhauses wurde in den 1980iger jahren nach dem plan von johann conrad schlaun vom gartenamt der stadt münster restauriert. dunkler taxus / eibe für die äussere hecke entlang der gräfte. hellerer buxus / buchsbaum für die beeteinfassungen.

rüschhaus_plan_büste_500   ‘plan vom ganzen platz und vorplatz des rüschhauses nebst denen beyden gartens’ von johann conrad schlaun, 1745 & ein abguss der büste aus dem garten von burg hülshoff von anton rüller und heinrich fleige, 1896.

die schlaun‘ sche anlage wurde bereits von den nächsten bewohnern des rüschhauses dem zeitgeschmack angepasst. zur zeit von annette von droste-hülshoff wurde aus dem einst barocken lustgarten ein biedermeierlicher nutz- und ziergarten.

schon annette von droste-hülshoff war selbst von veränderungen betroffen → “…ich habe mich an diese Blumen, von Kindheit an, so gewöhnt,…” . die barocke anlage der wege blieb erhälten, es wurden obstbäume gepflanzt & mitten in einem ehemaligen parterre wurde ein gewächshaus für jenny von droste-hülshoff bebaut → das gartenhaus / “Und mein Indien liegt in Rüschhaus!”.

der garten und die münsterländer parklandschaft mit ihrer vegetation waren eine starke inspiration für die droste:

„Ganz besondere Aufmerksamkeit hat unsere Dichterin dem Pflanzenreiche zugewendet, dessen Wesen im kleinsten wie im großen, im einzelnen wie im Wechselwirken sie so innig geliebt und so herrlich ausgemalt hat, daß man nicht weiß, ob man sich mehr wundern soll über das Verständnis dieses Lebenskreises, oder über die Innigkeit und Lieblichkeit, mit welcher Annette sein Wesen und Wirken zu schildern weiß.”

prof. dr. hermann landois, ‘annette freiin von droste-hülshoff als naturforscherin’, paderborn, 1890.

von der aufmerksamkeit für das pflanzenreich ist hier im garten nichts zu spüren.

Where Have All the Flowers Gone?

die rekonstruktion der hecken war/ist wichtig. das rüschhaus ist eine der schönsten barocken anlagen (nicht nur in westfalen!). schlauns umgang mit der architektur & dem garten ist einzigartig. als beispiel von schlauns verschmelzung von architektur & landschaft sollte man auf jeden fall ins emsland fahren: jagdschloss clemenswerth.

was passiert jedoch innerhalb der beete/des paterres? grüne wüste! kurz gemähter rasen mit etwas anarchischem gelb: taraxacum  / löwenzahn. hinter der eiben hecke, auf der böschung zur gräfte, noch etwas cardamine pratensis / wiesen-schaumkraut. ansonsten rasen… bis auf das mittlere paterre: hier besteht die beeteinfassung aus einer doppelten buchsbaumhecke. der zwischenraum ist wohl zu schmal für den rasenmäher: hier dürfen einige tulpen blühen. auf älteren fotos sieht man noch fritillaria imperialis / kaiserkronen zwischen tulpen. neben dem gewächshaus ein zerrupfter syringa / flieder & im gemüsegarten einige obstbäume. die jahreszeiten im garten sind ansonsten aus stein → die elemente & jahreszeiten im garten des rüschhauses.

der gesamteindruck ist museal asep­tisch: vorstadtvorgarten trifft auf barocke hecken.

rüschhaus_buxus_löwenzahn_500   löwenzahn durchbricht die ordnung.

das rüschhaus wurde 2013 von der stadt münster in die neugegründete annette von droste zu hülshoff-stiftung (beteiligt sind u.a. die nordrhein-westfalen-stiftung und der lwl –  landschaftsverband westfalen-lippe) eingebracht. „bespielt“ wird das haus hauptsächlich von der annette von droste-gesellschaft e.v.: lesungen & konzerte.

ein garten muss leben: warum nicht beete z.b. mit wildblumenwiesen (müsste man nur ein- bis zweimal im jahr mähen!) füllen, mit pflanzen, die die droste in ihrem werk beschreibt. eine droste-botanik. nach einer lesung könnte man vom gartensalon in den garten treten & die pflanzen, die einem gerade vorgelesen wurden betrachten. anders gesagt: nicht nur mit spitzen fingern elegisch die seiten von lyrikbändchen umblättern. ab in den garten und die hände schmutzig machen…

abgesehen von dem rauschen der nahen autobahn, könnte man mit der droste wieder sagen:

[…] es ist jetzt so schön hier, – der ganze Garten umbuscht von Syringen, drey – vier Nachtigalen zugleich – womit soll ich Euch denn noch den Mund wässrig machen, damit Ihr kommt? – […]

annette von droste-hülshoff an christoph bernhard schlüter, mai, 1835.

 rüschhaus_serra_500   ‘dialog with johann conrad schlaun’ von richard serra, 1996, in der allee vor haus rüschhaus.

 

‚less sauvage than others‘ von rosemarie trockel

Der Versuch, einen englischen Landschaftsgarten anzulegen und mit einer Flucht die Perspektive auf ein besonderes Gebäude zu eröffnen, oder doch eine autonome Skulptur?

skulptur projekte münster 07, website

arne jacobsen, gartner

Arne Jacobsens Vorliebe für das Grüne umfasst sein ganzes Dasein. Er war u.a. ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber und sagte mehrmals: „In einem nächsten Leben möchte ich Gärtner sein.“ Er legte in seinem Leben mehrere Gärten an, der bekannteste von ihnen ist der nur 300 m² große Garten mit 300 verschiedenen Pflanzenarten, der zu seinem eigenen Reihenhaus in der Siedlung Søholm I [in Klampenborg] gehörte.

Ein anderer Aspekt der Liebe zum Grünen und zur Natur drückt sich in seiner lebenslangen Neigung zur Naturstudien im Aquarell aus, sozusagen „vor Ort“. […]

Abgesehen von seinem eigenen Gärten wirkte Jacobsen auch im hohen Maß als Gartenarchitekt in Verbindung mit eigenen Bauprojekten. […]

[…] Auf der übergeordneten Ebene war [der Garten in Søholm] räumlich durch freistehende parallele Hecken aufgeteilt, die wie eine grüne Ebene oder Mauer die Architektur des Hauses sozusagen fortführten und somit einen Übergang zwischen Haus und Garten schufen.

Doch im Garten zeigte sich auch, wie bei den Aquarellen, den Stoffmuster [mit stilisierten Naturstudien, zusammen mit seiner zweiten Frau Jonna, einer gelernten Stoffdruckerin] und den Fotografien [angelehnt an Karl Blossfeldt], dass es vor allem Farben, Formen und Konturen der Pflanzen waren, die Jacobsen interessierten.Und er schien mit den Pflanzen so wie mit den Farben in den Aquarellen zu arbeiten – stellte die eher wildwachsenden Pflanzen neben die präzisen Linien und Flächen der Hecken, spielte insgesamt gesehen mit den Kontrasten auf dieselbe Weise, wie er später vor allem im SAS-Haus, mit dem Verhältnis zwischen den organisch geformten Möbeln und der strukturellen Regelmäßigkeit der Räume spielte. Der Garten von Søholm kann als das Labor betrachtet werden, von dem aus Jacobsen Motive und Pflanzen in spätere Gärten übertrug. […]

Jacobsens letzte große Garten Anlage ist der Park um das St. Catherine’s College in Oxford. Ein langes Wasserband mit angegliederten Terrassen entlang des einen Gebäudeflügels erweitert hier das Repertoire. Mauersequenzen schieben sich hinaus in den Park. Aus dem Søholm-Garten stammen die parallelen Hecken, jetzt jedoch strenger zu Reihen aus wechselweise freistehenden Eibenhecken und Mauern angeordnet. Hier verschmilzt der Raum der Architektur mit dem des Gartens.

carsten thau und kjeld vindum, ‚tonalitäten – schwerelosigkeit, muster, botanik‘ im katalog ‚arne jacobsen. absolut modern‘.

austellung im louisiana museum of modern art, humlebæk und in den deichtorhallen, hamburg.

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„ich lustwandelte durch die gärten“

Unser Thronfolger [der spätere Louis XVI.] heiratete nicht täglich ein Kaisertochter [Maria Antonia , Erzherzogin von Österreich]. …

Das schöne Wetter am 16. Mai [1770] wollte ich nutzen, stand sehr zeitig auf, verließ um sieben im Gehrock meine Wohnung und bewunderte und genoß alles am Hofe freudiger als je zuvor. Dem Orte gemäß war es das geschmackvollste und schönste Hochzeitsfest, das zu erleben mir vergönnt war. Ich lustwandelte durch die Gärten [von Versailles]. Sodann schaute ich mir die Speicher der Wasserspiele an: Meisterwerke der Ingenieurkunst, die sonst nicht beachtet werden und deren kleinstes Rad oder Rohr bereits imposant ist.
Haine und Heckenrondelle waren gleichsam zu Galerien, Sälen und Salons umgestaltet und mit Lampions geschmückt. Doch am eindrucksvollsten waren der große Kanal und an seinem Ende eine Art Lichterhalle. Sie bestand aus mehreren Triumphbögen, die im Zusammenspiel mit dem von Eiben gesäumten Kanal, dem Feuerwerk und der illuminierten Gondelflotte die schönste Wirkung zeitigen mußten.
Musik und Zeitvertreib für das Volk und Lichterspiele in der Weite des Gartens waren dem Anlaß angemessen und um so bemerkenswerter, als dieser Teil der Gärten noch nie in Veranstaltungen einbezogen worden war. Doch das alles verblaßte vor dem geplanten Feuerwerk! … Die Raketen und Bomben mochten größten Effekt über dem Kanalwasser machen, wodurch auch jede Brandgefahr vom Schloß abgewendet war.

emmanuel de croÿ

zitiert nach: nie war es herrlicher zu leben. das geheime tagebuch der herzogs von croÿ. übersetzt von hans pleschinski.