gartenbücher (landschaftsideen – ideenlandschaft)

Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne ruht, Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz des Laubes, Umriss der Berge — alle diese Elemente bestimmen den Totaleindruck einer Gegend.

alexander von humboldt, ‚ideen zu einer physiognomik der gewächse‘, tübingen 1806

der „totaleindruck“ wird jedoch ebenfalls von unseren „scheuklappen“ bestimmt. wir sehen nur das was wir kennen, zuordnen können und gelernt haben: die „idee“ die wir von einer landschaft haben.

Landschaften zu untersuchen und darzustellen ist mehr als Geographie, ist mehr als Ästhetik, ist mehr als Landschaftsarchitektur. Es ist das umfassende Verständnis für einen Raum, die Prozesse, die darin stattfinden und die Konnotationen, die Ideen, die damit verbunden werden – und es ist das Zusammenfügen von solchen Geschichten, […]

in „deutsche landschaften“ nimmt hansjörg küster den leser mit auf eine reise durch landschaften „von rügen bis zum donautal“. als professor für pflanzenökologie am instiut für geobotanik der leibniz universität hannover, hat er zuletzt botanische anmerkungen zu den fotos von karl blossfeldt verfasst → gartenbücher (pflanzen – kultur). vom kleinsten bestandteil zum gesamtbild. das vorliegende buch kann als praktische anwendung seiner 2012 erschienenen theorie, ‚die entdeckung der landschaft – einführung in eine neue wissenschaft‘, gelesen werden.

deutsche …

was ist eine deutsche landschaft? welche idee haben wir wenn wir an „deutsche landschaften“ denken? ein strandkorb auf sylt oder schloss neuschwanstein vor bergpanorama?

geographische festlegungen, grenzziehungen, sind bereits eine idee die wir von einer gegend haben. wo fängt eine „landschaft“ an und wo hört sie auf? an nationalen grenzen? ist z.b. die landschaft des bodensees nur in baden-württemberg und bayern zu finden? wäre der „deutsche“ bodensee ohne die alpine fototapete österreichs und der schweiz denkbar? um die heutige landschaft des harzes oder des bayerischen waldes zu verstehen, kommt man nicht um die teilung in ost und west herum. der hintere bayerische wald, der unsere idee vom „bayerischen wald“ prägt, ist teil des böhmerwaldes, šumava, was durch den eisernen vorhang vergessen wurde (wildtiere halten sich bis heute an die getrennten reviere …). im harz tobt ein kampf um die bezeichnung „oberharz“: historisch der name für die oberharzer bergstädte im heutigen niedersachsen (west) aber seit 2010 auch die „stadt oberharz am brocken“ in sachsen-anhalt (ost) … sind bayerische landschaften so „deutsch“ wie das oktoberfest und ein dirndl? ist helgoland mit seiner britischen geschichte deutsch? landschaften werden deutsch d.h. nationalistisch aufgeladen, z.b. in lippe (durch das hermannsdenkmal) und im rheintal (der rhein als vermeintliche grenze zu frankreich) … bei der gerade epidemischen diskussion um sogenannte „heimat“ geht es häufig um gegenden …

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querbeet über den harz

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vogelfutter: sorbus aucuparia

sorbus aucuparia l. / vogelbeere, eberesche auch drosselbeere oder kram(m)etsbeere (als bezeichnung ebenfalls für die beeren des juniperus communis / gemeinen wacholders gebräuchlich), der zusatz aucuparia dieses sorbus stammt vom lat. avis capere = vögel fangen.

sorbus_aucuparia_pfalz_500 Weiterlesen

„mit schönen Glöcklein behenckt“: digitalis / fingerhut

WaldtGlöcklein oder Fingerkraut. […]

In den hohen dunckelen Wäldern / und in den finsteeen feuchten Thälern / als im Schwartzwald / Waßgaw [südteil des pfälzerwaldes und nordteil der vogesen] und Ydar / an den orten da mann Kolen brennet / als umb die Eysenschmitten / würdt diß gewächß mit seinen schönen Glöcklein im hewmonat [heumonat, juli] Und Augustmonat gefunden / seine schwartzgrüne / lange / und breytte Blätter seind zu rings umd etwas zerkerfft / vergleichen sich etlicher massen der Waldtwullen / doch etwas schmähler. Im Brachmonat [juni] dringet der runde Stengel auß der kurtzen zasechten Wurtzel / Elen hoch ubersich / ist von unden an / biß oben aussen / mit schönen Glöcklein behenckt / etliche seind gäl / die anderen schön braunroth / ohn allen geruch / so die außfallen / folgen hernach runde bollen / oder knöpfflein / allerdings wie die bollen am Goldt knöpfflein kraut / darinn ist verschlossen der lang breyt Samen / und ist solch gewächß am geschmack vast bitter.

Von den Namen.

Der blätter und stengel halben / möcht diese Waldtschell wol bey Verbasculis [verbascum / königskerzen] herberg finden / in Diosco[rides] lib. iiif cap. xcix. Aber der blumen und wirckung halben / stünds nicht ubel von der den Bynsaugen [melissa officinalis / melisse]/ Galiopsis [galeopsis / hohlzahn] / Diasco[rides] lib. iiij. Cap. rc. Ein jeder halts war für er will / wir nennen diß Kraut / der spitzigen glöcklein halben / Waldglöcklin / Nola sylvestris / andere sagen ihm Fingerkraut / Digitalis.

Wegen der Blätter würdt diß simplex Verbascum geheissen / weil er den Verbascis gleich. Aber der Blumen halben / so sich einem Fingerhut und Glöcklein vergleichen / heist es nicht unbillich Digitalis & campanula. […]

Von der Kraft und Würckung.

Der geschmack zeyget an / das diß gewächß von art und natur warm und trucken sein muß / derhalben möcht es zur Artzney mit andern gewächsen zu den dingen / so erwärmens / zertheylens / und reinigung bedörffen / genommen und gebraucht werden.

Weil diß simplex sehr bitter ist / wie Entian / so ist offenbar / das es zimlich trucken und hitzig. .Zertheilt / eröffnet / säubert und reiniget. Dann es lehret Galenus [galenos von pergamon, galen] l 4 simpl. c. 7. das die simplicia, so sehr bitter / reinigen / abwüschen / säubern / das Geäder eröffnen / die zähen duecken feuchtigkeiten zertheylen / den Koder und Eytter auß der Brust und Lungen machen außwerffen.

hieronymus bock, ‘new kreütter buch […]‘ zitiert nach der 4. ausgabe: hieronymus bock, melchior sebisch, ‚kräutterbuch weylandt des weitberhümmten vndt hocherfharnen herren hieronymi tragi genant bock‘, strassburg, 1630 Weiterlesen

wiesenbau im oberharz im allgemeinen & pfingsten auf den buntenböcker bergwiesen

bergwiesen? als erstes denkt man an eine alm (bayerisch) oder alp (alemannisch) in den alpen:

Wann nun von Titans Glanz die Wiesen sich entzünden,

Und in dem falben Gras des Volkes Hofnung reift;

So eilt der muntre Hirt nach den bethauten Gründen;

Eh‘ noch Aurorens Gold der Berge Höh durchstreift.

Aus ihrem holden Reich wird Flora nun verdränget,

Den Schmuck der Erde fällt der Sense krummer Lauf,

Ein lieblicher Geruch aus tausenden vermenget,

Steigt aus der Bunten Reyh gehäufter Kräuter auf,

Der Ochsen schwerer Schritt führt ihre Winter=Speise,

Und frohlockend Lied begleitet ihre Reise.

albrecht von haller, ‘die alpen’, 1729, in ‘versuch schweizerischer gedichte’, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

bergwiesen im oberharz

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buntenbock mit bergwiesen. blick vom hasenbacher teich mit einem garten auf den wiesen. l. der ziegenberg; r. der clausberg; dazwischen m. das flurstück ‚taube frau‘; im hintergund der höhenzug ‚auf dem acker‘. postkarte (poststempel 1943). Weiterlesen

kulturlandschaft: am brocken / ‚the harz mountains: a tour in the toy country‘ by henry blackburn

Continuing the ascent [on the heinrich-heine-wanderweg from ilsenburg to the brocken summit], which changes every moment from rocks and streams to the quiet and solitude of the dark pine and firs – now walking on a carpet of living moss or dead fir cones; now coming upon a little garden of wild flowers, red, white, and blue, under our feet, with red berries, Alpine roses, and blue forget-me-nots, purple heath in the distance, and above our heads mosses and creepers growing round projecting boulders, – we come suddenly upon a little plantation of toy fir-trees, from for to six inches high, railed off like a miniature park – a nursery for forests for our great-grandchildren to walk in, when the trees above our heads are turned into the eaves and gables of towns. No one touches these plantations,which are to be seen on the mountain-side in various sizes. Planted out wider year by year as they grow larger, until they spread into a living forest. This it is, as we said, that gives the formal and artificial appearance to so many of the walks in the Harz, […].

henry blackburn, ‚the harz mountains: a tour in the toy country‘, london, 1873.

dustere wälder, ober- und unterholz / ‘sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

Das Erste Capitel /

Von denen vorigen grossen / auch noch ietzo befindlichen Wäldern in Teutschland

[…]

§. 1. Wie duster das alte Teutschland vor zeiten wegen der ungeheuren grossen Wälder muß ausgesehen haben / kan man aus dem Corn. Tacito im 5ten Capitel seines Buchs / so er sonderlich von Teutschland geschrieben / abnehmen. Terra, saget er / in universum sylvis horrida aut paludibus focda: Das Land ist überall fürchterlich / entweder wegen der Wälder / oder sumpfig / wegen der Moräste. Ja es scheinet / daß durch ganz Teutschland und an deren Gräntzen ein meist in= und an=einander hangender continuirlicher Wald gewesen / so von denen Römern Sylva Hercynia, von denen Teutschen aber / der Harz= oder Schwartz=Wald genennet worden / entweder wegen des vielen Hartzes / oder / daß er / wegen der vielen dicken und hohen Bäume / gantz schwartz und duster von aussen und in Durchreisen / anzusehen gewesen / weil die Sonne ihre Strahlen und Licht nicht durchwerffen können. […]

[…]

§. 3. Von denen Ursachen aber warum unsere Vorfahren so grosses Belieben an dergleichen ungeheuren Wäldern getragen / davon soll zum Theil in folgenden Capitel §. 14. Meldung geschehen / Eine derer voenehmsten war / daß die ganze Nation mehr dem Krieg als Acker=Bau ergeben / und also sich wegen besorgenden Uberfalls derer benachbarten / mit denen sie immer in den Haaren lagen / hierdurch in gute Verfassung stelleten. Denn wenn alles verloren gieng / retirirten sie sich in diese Wälder und Moräste / allwo es unmöglich war / ihnen beyzukommen / ja sie wusten hier bey ihren Feind dergestalt zu fatigiren / daß er mit grossen Niederlagen wieder herabziehen muste. Davon in der Römischen und andern Historien viel Krempel vorhanden / wewegen Aventini Anales Bojorum (johannes aventinus, ‚annales ducum boiariae‘, 1554) nachzulesen. Hierüber hatte man an denen Haupt=gräntzen etzlicher Wälder weite und tiefte Gräben aufgeworffen / und auf denen Dämmen / dicke und starcke Häger oder Büsche gezeuget / so man biß dato Land=Wehren nennet / dergleichen annoch gegen das Eißfeld und in Thüringen vorhanden / so etzliche Meilwegs lang ist / der Knickicht [→ beschneidung: in der landschaft und im garten] genannt. Denn das Holz / so darauf stehet / ist von Alters / und damahliger Gewohnheit her / weil es noch jung / von oben herein geknickt worden / damit es nicht in die Höhe / sondern dichte in einander wachse / dahero es auch so dicke und dichte durch einander sich geflochten / und verwimmert / daß fast weder Mensch noch Vieh ohne Gewalt / durch diese uhralte Land=Wehren haben kommen können.

[…]

§. 5. Sintemahl der vormals so grosse und ungeheure Hertzynische Wald an denen meisten Orten ganz ausgerottet / und nur an wenig Gegenden / wo nehmlich hohe steinigte und kalte Gebürge befindlich / etliche Reliquiæ geblieben / unter welchen die berühmteste die Saltzburger= und Tyroler=Wälder; der Schwartz=wald zwischen dem Ursprung der Donau / dem Rhein und Boden=See: dabey sonderlich zuzehlen / Sylva Martiana [Schwarzwald] bey Freyburg; der Anspacher / oder vielmehr Nürnberger=Wald / zwischen Nürnberg und dem Ursprung des Tauber=Flusses; der Steiger=Wald / innerhalb Würtzburg und Bamberg; der Oden=Wald / Sylva Ottonis, zwischen dem Necker und dem Mayn / oder zwischen Heidelberg und Franckfurth; der SpeßArt / binnen dem Mayn und der Kützing; der Wester=Wald innerhalb der Loha und Siegen; der Hartz=Wald / in Braunschweiger Land / bey welchem der Bructerus, oder Brockelsberg ist; der Thüringer=Wald; Gaberta, der Fichtelberg im Voigtlande an Böhmen; der Böhm= und Meißnische Ober=Gebürgische Wald [erzgebirge] und das Riesen=Gebürge in Schlesien / und so fort biß an die ungarischen / Siebenbürgischen / Kärndtnischen und Steyermärckischen Gräntzen.

[…]

Das Andere [zweite] Capitel/

Von sonderbarer Hochachtung der Wäler und Bäume

[…]

§. 14. Unsere Vorfahren die uhralten Teutschen / welche es ihrer angebohrnen / und sehr hochgeschätzten Freyheit verkleinerlich hielten / in verschlossenen Städten und Plätzen zu wohnen / erkiesten mehrentheils zu ihren Aufenthalt solche Oerter / welche wegen ihrer schönen und schattenreichen Bäume / klaren Brunnen und Quellen / oder fetten Weide und Wiesewachs / sich vor andern annehmlich machten / massen solches Tacitus bezeuget mit diesen Worten: Nullas Germanorum Populis urbes habitari fatis notum est, ne pati quidem inter se iunctas fedes. Colunt discreti & diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit de Mor. Germ. [‚de origine et situ germanorum liber‘] c. XVIII: oder: Es ist bekannt / daß die Teutschen sich nicht in Städten aufhalten / ja sie leiden nicht einmahl / daß man neben und an einander Wohnungen habe. Ein iedweder ist sich a part, nachdem ihn seine Beliebung träget / sich an einen Brunn / an einen flachen Felde oder Walde nieder zu lassen. Ihre meiste Ubung und Nahrung / wenn sie nicht mit Kriegen beschäfftiget waren / suchten sie in den Wäldern mit Jagen / Hetzen und Vogelfang / mit Sammlung Eicheln / Buchäckern zur Mästung des Viehes / und was dergleichen mehr; und ist kein zweifel / dap nebenst dem / wie oben gedacht / die Wälder vor eteas Göttliches von ihnen gehalten worden / und die dicken und finstern Oerter / da man seinen Gedancken hat recht Audienz geben / und von allerhand speculiren können / ihnen sonderlich gefallen. Es hat sie auch vor andern vergnüget / der Schall und Wiederhall der Menschlichen Stimme / allerhand Jagd=Hörner / und derer Hunde Anschlagen / so man in Wäldern / Thälern und Gründen offt unvermuthet antrifft; der schöne Vogel=Gesang / so auch eine Göttliche Music zu seyn scheinet; die Einsamkeit / da man von allen Menschen entfernet; der Schatten wider die Sonnenhitze; der Aufenthalt wider starcke Regen / Schlossen und Gewitter; die sausende Winde / und das angenehme Geräusche der Quellen und Bäche.

[…]

Das Vierzehnte Capitel,

Von Ober= und Unter= oder so genanten Schlag= und lebendigen Holtze.

[…]

§. I. Wenn ein Acker Holtz=Landes / zu Ober= und Unter=Holz zugleich gezogen werden soll / und mit 7. 8. 900. bis 1000. meht oder weniger Stämmmgen / so von Saamen angeflogen / oder sonst gnüglich bestocket / und bepflanzet ist / so läßet man solche 8. bis 10. Jahr wachsen und die besten Stämmlein / die Künfftig zu Ober=Holz / d.i. Zu großen Haupt=Stämmen zu ziehen / stehen / die andern aber hauet man aber / daß sie Stöcke bekommen und diese an 4. 6. 10. und mehr Sommer=Latten zu Unter=Holze / welches sonsten auch Schlag= oder Lebendiges Holtz genennet wird / wieder ausschlagen mögen / und soll ein abgeholtztes Stämmlein oder Stock nach advenant, 2. 3. biß 4. Schuh von einander stehen. Ist besser nun die Art von Holtze ist / je mehr kan man künfftig daraus nehmen und solche zu Weinpfählen / Latten / Hopff= und Zaunstangen oder Stecken gebrauchen / da denn mehr zu lösen / als wenn es nur zu blossen Feuer= und Kohlen Holtz oder Reißig zu sammen gehauen wird.

§. 2. Es wird aber das Ober= und Unter=Holtz bloß von dem Laub=Holtz verstanden. Denn obwohl unter solchen Holtze bißweilen eine Tanne / Fichte oder Kiefer / entweder von sich selber / oder von eingesprengten oder zugetragenen Saamen mit aufwächset / so wird doch hier mehr auf jenes als dieses gesehen. Das Ober=Holtz bestehet in allerhand Bau= Bret= Böttiger und anderen Zimmer=Holtz / auch in Mast= und Obst=Bäumen / als in Eichen / Buchen / Castanien / wilden Apfel= Birn und Kirsch=Bäumen / Ahorn / Aschen [Eschen] / Ilmen / Bircken / Aspen [espe oder zitterpappel] &c. in Summa in lauter guten Laub=Holtz / die zu Haupt=Stämmen / bis 40. 50. 80. 100. und mehr Jahren gezogen werden. Nun mag es nach eines jeden Ortes Gelenheit und Zustand reguliret werden / welche Arten der Boden am besten träget und treibet / ingleichen welche von ein und anderen Sorten am nutzbaresten / oder am meisten von nöthen seyn / oder mit bessern Nutzen / ins Geld zu setzen. Dann 1. Schock Stangen von Aschen / Ilmen / Eichen / so aus den Unter=Holtz gehauen werden / gelten Mehr als 1. Schock von Aspen und Weiden. Auch ist die Eiche wohl eines von dem besten Ober=Holtz / so wohl zum Bauen als zur Mast; wo man aber dieses bey des nicht sonderlich / bevorab wegen des Wasser= Schiff= und Wein=Baues zu consideriren hat / so ist vorträglicher / ander Ober=Holtz / als Ahorn / Buchen / Castanien / Aschen / Ilmen / Bircken / Aspen / &c. Stehen zu lassen / denn sie wachsen viel schneller und geschwinder / und in einem Jahr mehr / als die Eichen in 2. oder 3. Jahren daher; nehmen mit den Aesten nicht so viel Raum ein / und deswegen sie weder das Unter=Holtz und Gräserey / noch sich selbsten / sondern können näher und dichter beysammen stehen als Eichen.

[…]

§. 8. Unter=Holtz oder Schlag=Holtz / so / auch wie gedacht lebendig Holtz genennet wird / ist fast das nutzbarste von allen / aber es kan darzu allein dasjenige gebraucht werden / so Laub träget. Denn das Tangel=Holtz schläget nicht wieder aus / sondern, wenn es einmahl weggeschlagen / so verfaulet der Stock und Wurzel; aber wenn das Holtz so Laub träget / abgeholtzet / pfleget es am Stock / auch theils an der Wurzel / so von Stock 1. 2. und mehr Ellen abgelegen / hin und wieder auszuschlagen. Wir wollen derowegenhiervon ein und anders etwas ausführlicher / jedoch nur kürtzlich vorstellig machen. Wenn der Ort / wo man dergleichen Holtz haben will / gar wüste / so säet man in die bereitete Furchen oder Gräber den Baum=Saamen / da denn die dienlichsten seyn / die Eiche / die Asche / Riestern […] / Ilme / Ahorn / wild Obst / die Bircke / Erle und der Castanien=Baum / wo dieser die Art hat [→ keschde (pfälz. dialekt f. ess- oder edelkastanie, lat.: castanea sativa)]; in gleichen die Hasel=Nuß / und wo nasser Boden vorhanden / die Aspe / Erle / Pappel und Weide [→ salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden…“] / denn diese letztern wachsen schnelle an wässerigten Orten daher / ja in 9. oder 10. Jahren mehr, als andere in 12. oder 15. Jahren / schlagen auch wieder an Stöcken aus / wenn sie abgetrieben werden / so allemahl in Zeit von 8. 10. 12. bis 16. Jahren geschehen kan / nach Art des Bodens ob Er viel oder wenig treibet. On nun etwas von Ober=Holtz daben Stehen Bleiben soll / beruhet in eines jeden Gefallen / und in der in solcher Gegend erheischenden Nothdurfft. Wo aber kein Ober=Holtz vorhanden / oder man solches nicht zeugen will / so nennet mans Schlag= oder lebendig Holtz / weil es continué fortwächset / dann es brauchet weiter keines Säens noch Pflantzens / hat besser Fortkommen / giebt gute Gräserey / kan auch / nachdem die Gehaue 3. 4. 5. 6. biß 8. Jahr geschonet / alsdenn zur Vieh=Weide gebraucht werden. Da aber bey dergleichen Gegenden leere Plätze befindlich oder aber das Holtz daselbst gar dünne und einzeln stehet / da soll man die leeren Plätze aufgraben mit allerley Saamen bestreuen und denselben einegen / damit solche völlig und dichte wieder bewachsen mögen. Sonsten giebt die Weiß=Buche / die Ilme / Ahorn und Pappel=Weide gut lebendig Holtz / schläget / wenn es Abgetrieben / gleich wieder aus / und diese lieben mäßigen; die Erle Aspe und Weide hingegen einen nassen; die Eiche und Castanie einen fetten; die Asche / Hasel=Stauden / Bircke / und Buche aber / einen trockenen Boden. Mag also derselbe beschaffen seyn wie er wolle / gering oder gut / trocken oder naß / so kan man dergleichen Schlag=Holtz auf jeden säen und pflantzen / wie man solches gut und nützlich befindet. Unter den Schlag=holtz ist die Hasel=Staude und Bircke das gemeinste / jedoch ist rathsamer / daß man an statt dessen besser Holtz in Gehauen anbringe und aufziehe / welches so wohl vermittelst des Saamens / als auch durch die Pflantzung geschehen kann.

[…]

§. 17. Bey Abtreibung des Schlag=Holtzes aber kan woh in acht genommen werden / daß der Hieb oder Schnitt sein glatt und schräge sey / damit der Regen / Kälte und Schnee nicht eindrigen und Faulnüß verursachen könne. Theils hauen es gar kurtz an den der Erden weg / theils lassen auch einen Stock von einem viertel oder mehr Raum / bleiben / daß die Sommerlatten und Sprossen häuffiger wieder ausschlagen. In denen Gehauen hat man nöthig / ehe etwas zum Kohlen=Brennen oder zu Feuer=Holtz angewisen wird / daß man dasjenige Holtz / so zu Hopfen=Stangen / Reifen / Latten &c. Zugebrauchen / zuvor aushauen lasse / denn solches theuer und nützlicher an den Mann zu bringen / als das Brenn=Holtz.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]’, leipzig, 1713.

vom gartenbau der harzer / ‚beschreibung des harzes‘ von christoph wilhelm jacob gatterer

Vom Gartenbau der Harzer

§. 156.

Selbst in den höhern Gegenden des Oberharzes, zum Beyspiel um Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. hat man so wol gut bestellte Küchengärten, als auch Blumengärten, in welchen Küchengewächse und Blumen von macherley Art gezogen werden. Hingegen in den rauhen und gebürgigten Gegenden um Wildemann und Altenau findet man nur wenige Baum= und Gartenfrüchte, und dann gehören noch sehr gute und warme Sommer dazu, wenn diese zur Reife kommen sollen.

§. 157.

Aber in der Gegend von Clausthal, Zellerfeld, Grund und Andreasberg werden die meisten Arten von Küchengewächsen reif, besonders Salat, allerley Arten von Kohl, und Wurzeln, selbst auch Blumenkohl; doch werden alle diese Gemüse nicht im freyen Felde,sondern in Gärten hinter den Häusern gezogen. – Gurken werden daselbst nich immer reif, sonst aber fast alle Gemüse der benachbarten Gegenden des platten Landes. – Ueberhaupt erscheinen die hir gezogenen Küchen= und Baumfrüchte viel später, und werden später reif, als in den benachbarten Landgegenden. Denn zum Beyspiel erst im August bis zu Ende giebt es hier grüne Erbsen und Bohnen; erstere werden erst im Mai gelegt. – Der Kartoffelnbau ist, obgleich die Kartoffeln recht gut gerathen, doch noch nicht sehr lange eingeführt, und blos der Dieberey wegen werden sie ebenfalls in den Gärten hinter den Häusern gezogen.

§. 158.

Obgleich die Gärten auf dem Oberharze, des längeren Winters wegen viel später, als im benachbarten platten Lande bestellt werden müssen, so wächst doch alles Gartengewächs schneller, als im Lande, weil die Hize, wenn es heiß ist, auch desto stärker ist. Demohngeachtet sucht man hier natürlich alle solche Gewächse, welche mehr Wärme erfordern, z.B. Melonen, Artischocken, Spargel und dergleichen vergebens in den oberharzischen Gärten.

§. 159.

Einige Obstbaumgärten trift man auf dem eigentlichen Oberharze eben so wenig an, doch hin und wieder einzelne Obstbäume in andern Gärten. Denn im Ganzen genommen geräth hier keine Art von Baumobst. Nur selten gerathen einzelne Kirschen, Aepfel und Birnen, wenn diese Obstbäume von Häusern geschüzt werden, und dann sind sie doch allemal von keinem sonderlichen Geschmack; reife Zwetschen sind noch grössere Seltenheiten. – Hin und wieder trift man auch in den Gärten der Oberharzer Johannis= und Stachelbeer=Stauden an. – Walnüsse, Abrikosen, Pfirschen und Weintrauben kommen niemals zur Reife. – Demohngeachtet werden aber die Oberharzer von ihren Nachbarn mit allen Arten von Baumobst so reichlich Versorgt, daß es daselbst nur um ein Geringes Theurer ist, als in den benachbarten Langegenden. Nach Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. wird durch die Trägerinnen auch viel Obst aus Osterode, Grund, Goslar &c. &c. geholt.

§. 160.

Desto reicher sind die Waldungen des Oberharzes an verschiedenen Arten von wildem Obst, sonders reich an guten Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren und Kronsbeeren, wodurch sich der gemeine Mann nicht nur selbst sättiget und gesund erhält, sondern auch noch, besonders mit leztern in die benachbarten Gegenden ein ganz einträglicher Handel treibet.

§. 161.

Die Küchengärten der Oberharzer sind meistens mit Blumen geziert, und in manchen trift man recht artige Floren von verschiedenen Arten von Tulpen, anderer Zwiebelgewächse, Nelken und anderen Blumen an. Aber die Pflanzen zu denselben müssen auf Mist oder Glasbeeten gezogen werden.

christoph wilhelm jacob gatterer, ‚beschreibung des harzes‘, erster theil, nürnberg, 1792,

die flora des brockens (vom besen aus nicht zu sehen!) / ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘ von johann royer

Dieser Berg / drey Meilweges von Hessem / vorn in dem Hartze gelegen / ist wegen seiner grawsamen Höhe und Grösse weit beschryen / kan über etliche Meilen gesehen / aber nicht eher als ümb S. Johannis Baptistæ erstiegen und besichtiget werden/ der Kälte und Schnees halber/ so sich daselbsten nach Pfingsten allererst verleuret / sonderlich ist dieser Berg / vieler vornehmer Kräuter wegen / so da von sich selbst herfür kommen / sehr berühmt / Als unten herumb Libanotis alba major [laserpitium latifolium l. / breitblättriges laserkraut], wie auch die andern species, Angelica sylvestris [wald-engelwurz], Myrrhis montana [chaerophyllum hirsutum / behaarter kälberkropf], Betonica [stachys / zieste], Ulmaria [filipendula ulmaria / echtes mädesüss] , Lysimachia [gilbweiderich] flore purpureo, auch eine mit schönen schneeweissen Blumen / Campanula persicisolia flore cæruleo [campanula persicifolia l. / pfirsichblättrige glockenblume] & albo [weiss], Lychnis [pechnelken] sylvestris roth vnd weiß / etzliche species Geranij [geranium / storchenschnabel], eine sonderliche schöne Althæa [eibisch] , wie auch me sonderliche Malva [malven], besser hinan am Berge stehet ein schön Ononis [hauhecheln] sine spinis, an die anderthalb Ellen hoch/ mit schönen Purpurbraunen Blumen / Osteritum montanum oder Imperatoria [imperatoria ostruthium / meisterwurz] nigra, das Martagon [lilium martagon / türkenbund] habe ich daselbst gar schön mit Leibfarben / weissen / auch wunderlich genaculirten Blumen viel auff einem Stiel gefunden / so ich mit Fleiß auffgehaben / und in den Fürstl. Lust-Garten geplantzet / die Hepatica nobilis [leberblümchen] ist gleichfals da zu finden mit unterschiedlichen Farben Blumen / so wol die Helleborine latifolia [epipactis helleborine / breitblättrige stendelwurz] & angustifolia [epipactis palustris / sumpf-stendelwurz], darunter ich eine angetroffen mit bundten Blättern / halb weiß und halb grün / sehr lieblich anzusehen / Ein fein Digitalis [Fingerhut] mit gar grossen Farben Blumen / ein frembder Sonchus [cicerbita alpina / alpen-milchlattich], über 2 Ellen hoch / mit schönen grossen Himmelblawen Blumen und starcken Wurtzeln / so ich auch außgehoben / Daucus montanus [meum athamanticum jacq / bärwurz], Dryopteris [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn], Orchis Testiculus vulpis [stendel- oder hundswurz] und Satyrium [händelwurz] mancherley Arten / ein schön Lathyrus [platterbsen] mit rothen Blättern / Centaurium minus [centaurium erythraea / echtes tausendgüldenkraut] mit rothen und weissen Blumen / Prunella major flore albo [prunella laciniata / weiße braunelle], Consolida media [ajuga reptans / kriechender günsel oder ajuga genevensis / heide-günsel], Consolida [consolida / feldrittersporne] Sarracenica, Virga aurea [?], Scordium montanum [teucrium scorodonia / salbei-gamander], ein schön Scrophularia major [scrophularia nodosa / knotige braunwurz], Parietaria [glaskräuter], Seseli montanum [berg-sesel], Symphytum majus [symphytum officinale / echter beinwell], Pulmonaria [lungenkräuter] unterschiedlich / Baccharis, Victorialis [allium victorialis / allermannsharnisch], Herba paris [paris quadrifolia / einbeere], Polygonatum latifolium [polygonatum multiflorum / vielblütiges salomonssiegel] & angustifolium [polygonatum verticillatum / quirlblättrige weißwurz], Noli me tangere [impatiens noli-tangere / grosses springkraut], Filix mas [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn] und fœmina [pteridium aquilinum / adlerfarn], worunter jenes offt eines grossen Mannes Höhe erreichet / und hat eine Wurtzel wie ein Kinderkopff in die ründe / Asplenium [Aspleniaceae / streifenfarngewächse] zweyerley / ein fein kleines und subtiles / und ein gar grosses/ Bistorta major [bistorta officinalis / schlangen-knöterich] & minor [bistorta vivipara / knöllchen-knöterich], Acetosa montana maxima [rumex alpestris jacq / berg-sauerampfer], wird von den Einwohnern des Orts Blockenbergische Rhebarbar genennet / Dentaria [zahnwurz] Matthioli und Dentaria minor, und Baceifera [cardamine bulbífera / zwiebel-zahnwurz], Christophoriana [actaea spicata l. / ähriges christophskraut], Cistus ledon foliis [cistus laurifolius l. / lorbeerblättrige zistrose], Rosmarini, oder wilde Rosmarin / Myrtillus [vaccinium uliginosum / moorbeere] oder Heydelbeer / derer habe ich sechserley Art da gefunden / eine mit gar grossem Laub und Beeren schwärtzlich/ die andere mit viel kleinerm Laub und schwartzen Beerlein / so am gemeinesten / die dritte Art ist wieder umb groß von Laub und schwartzen Früchten / so aber zu essen nicht so dienlich / weil sie gleich einen Schwindel im Haupt verursachen / Dann sind die rohthen Heydelbeeren / sonsten Kronsbeer genand/ deren etliche viel kleiner von Holtz und Laub / die andern aber viel grösser/ auch schöner an Früchten / Die letzte ist mit schönen weissen Beeren / so lieblicher zu essen denn die rothen. Rubus Idæus oder Himbeer sind auch häuffig da / wie auch besser hinan das Alisma [froschlöffel] mit sehr grossen gelben Blumen/ noch ein sonderlich Sonchus [gänsedistel] mit gelben Blumen / ein hoher Ranunlus mit weissen Blumen/ Ranunculus nemorosus [ranunculus nemorosus / wald-hahnenfuss] foliis pictis, item radice Asphodeli. gleich dem Illyrico, Rapunculus mit weissen und blawen Blumen / Noch ein sonderlich Rapunculus nemorosus mit schönen weissen Blumen / und ziemlich grossen Wurtzeln. Oben auff dem Berg ist die Pulsatilla [pulsatilla alpina subsp. alba syn. anemone alpina l. / brockenanemone oder kleine alpen-kuhschelle] in grosser menge / were zu wünschen / daß man zu der Zeit hinauff kommen köndte / da sie blühet / weil sie vielleicht unterschiedlicher Farben Blumen trägt / ist aber wegen vieles Schnees nicht fast müglich / Mit schönen Violbraunen und gelben Blumen ist sie daselbst außgehaben / so wächset auch droben ein feines Kräutlein / wie das Coris Monspeliaca anzusehen / so wol ein Leontopodion [leontopodium / edelweiss] , etzliche Species Gnaphalij [gnaphalium / ruhrkräuter] , worunter eines mit sehr schönen grossen weissen Blumen / Stœchas Citrina mit schönen grossen Blättern und goldgelben Blumen / Erica baccifera [empetrum nigrum l. / schwarze krähenbeere], item Erica maxima purpurascens foliis longioribus, von dem Moos sind auch unterschiedliche Arten auff diesem Berge zu finden / als Muscus terrestris clavatus, Muscus clavatus foliis Cupressi [lycopodium clavatum l. / keulen-bärlapp], Muscus terrestris ramosus floridus, Muscus Coralloides sive cornutus montanus, Muscus coralloides saxatilis, Cervi cornua referens, Muscus terrestris coralloides erectis cornibus ruffescentibus, &c. Und sind diß gewiß die allerwenigsten Gewächse selbiges Orts / Dann wie viel sind deren wol / die mir nicht in die Augen kommen / dieweil ich nur ein paar mahl diesen Ort besuchet? Wie viel sind auch derselbigen Kräuter / darzu man / wegen Unbequemligkeit desselben Orts / nicht kommen kan? Wie viel sind der gemeinen Kräuter/ die ich zwar da angetroffen / aber / weil ich nicht gewust / ob sie mit jhrer Blume von andern unterschieden / nicht melden wollen.

johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem / mit seinen künstlichen abtheilungen / quartieren / gehecken/ gebäwden / lauberhütten / wasser-künsten / brunnen/ und außgehawenen bildern. auch ordentliche richtige specification aller derer simplicium und gewächse / so von anno 1607 biß in das 1647 jahr darinnen mit grosser lust und verwunderung gezeuget worden‘, ‚das II. capitul. von denen kräutern / blumen und gewächsen / so die benachbarte wälder / berge / gründe / brüche / und der gaterschlebische see-berg uns von sich selber geben – VII. der blockesberg‘, halberstadt, 1648.

royer_beschreibung_brocken_500   und der brocken liegt in niedersachen… kupferstich aus johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘.

ps. eine anmerkung für brocken-touristen: pflanzen für den eigenen „lustgarten“ ausgraben ist heute verboten!

rückkehr in den garten: silybum marianum / mariendistel

mariendisteln_500

der drei jahre alte samen funktioniert noch. der samen der mutterpflanze stammte aus einer… wie soll man sagen?… forschungsreise in einen der schönsten botanischen gärten…

 Mariendistel (Feh-, Frauendistel, Stechkraut; Silybum Marianum).
1.Botanisches. Distelart mit großen, glänzenden, am Rande stark dornig gezähnten Blättern, die von weißen Adern durchzogen sind. Die Blütenköpfe sind purpurrot. Die M. Stammt aus den Mittelmeerländern und wird bei uns seit langer Zeit in Gärten gezogen.
2. Wenn auch die M. sicher schon im Mittelalter (von der hl. Hildegard wird sie als „vehedistel“ erwähnt) bei uns bekannt war, so ist es doch sehr unwahrscheinlich, daß sie bereits in altgermanischer Zeit in Deutschland bekannt und der „Freia geweiht“ war. Damit entfällt auch die Erklärung, daß die hl. Maria hier die Nachfolgerin der Freia war. Nach einer Sage (ob echte Volkssage?) rühren die weißen Flecken auf den Blättern von der Milch Marias her, als sie das Jesuskind säugte. Als „carduus Marianus“, franz. laict de Nostre-Dame, wird die Pflanze im 16. Jh. bezeichnet. Auch von anderen Pflanzen, deren Blätter weiße Flecken besitzen, sagt das Volk, daß diese von der Milch Marias herrührten, s. Lungenkraut.
3. […]

‚handwörterbuch des deutschen aberglaubens‘, bd. 5 knoblauch – matthias, hrsg . v. hanns bächtold-stäubli unter mitw. v. eduard hoffmann-krayer, berlin, 1927–1942.

silybum_marianum_michaelstein

blühend in einem anderen garten: silybum marianum im kräutergarten des klosters michaelstein, blankenburg/harz.