gartenbücher: orangeriekultur mit schmuddelwetter und in der hauptstadt des regens etc.

meine herrschaft, meine maîtresse en titre, meine orangerie … orangerien und die pflanzen, bzw. deren früchte, waren luxus. statussymbole der besitzer. südfrüchte kommen heute im container nach norddeutschland und werden im hamburger hafen oder in bremerhaven gelöscht. geerntet werden sie unreif, der reifeprozess wird für den transport unterbrochen, damit sie „frisch“ und zu jeder jahreszeit verfügbar in den regalen der supermärkte landen. orangen- und zitronenbäume im kübel findet man in historischen und botanischen gärten oder als urlaubserinnerung auf den terrassen der reihenhaussiedlungen. jeden herbst fragt sich der besitzer: wohin damit bis zur kalten sophie?

die goldenen „äpfel“ der hesperiden. die von theophrastos von eresos erwähnte citrus medica, die als erste citrus nach europa eingeführt wurde. und die bedeutungen des begriffs „orangerie“: „1. Ein Platz, ein Quartier im Garten, wo Orangenbäume aufgestellt sind. […]“; „2. Die Bezeichnung Orangerie für ein wie auch immer gebautes festes Gebäude, wurde erst um 1690 gebräuchlich. […] & „3. Zu Beginn stand der Begriff „Orangerie“ für eine botanische Sammlung verschiedener kälteempfindlicher Pflanzen, dazu gehörten Orangenbäume. […]“. in ersten beitrag des neue bandes der schriftenreihe des arbeitskreises orangeriekultur in deutschland e.v.,“nicht nur zur weihnachtszeit – orangerien in nordwest-deutschland“, gibt margita m. meyer (gartendenkmalpflege, landesamt für denkmalpflege schleswig-holstein) einen guten überblick über die geschichte der sammlung von exoten und ihrer unterbringung. meyer beschreibt auch die einflüsse aus italien, frankreich und den niederlanden. hier, in der republik der zeven verenigde provinciën, hat(te) es die orangeriekultur zur staatssymbolik gebracht, oranje. die handelswege im norden und die heiratspolitik des hauses oranje-nassau führten bereits im 17. jh. zu einer dutch wave: oranienbaum im heutigen gartenreich dessau-wörlitz, oranienburg bei berlin oder oranienstein an der lahn & neben bloembollen kamen gartenbücher mit dem nötigen know-how.

„Ein neblichtes und schlackriges Wetter“

die besten beschreibungen des norddeutschen schmuddelwetters hat der hamburger senator und gartenbesitzer barthold heinrich brockes geliefert. dieses wetter mit meeresklima hat seine tücken, gerade für mediterrane pflanzen. der band stellt orangerien der pfeffersäcke in den hansestädten hamburg und bremen, in der residenzstadt oldenburg, in ostfriesland und die sicherung des gewächshauses im botanischen garten greifswald vor.

und eine gärtnerei. geht man heute durch den jenisch park, die ehemalige ornamented farm von caspar voght, findet man noch das gewächshaus, das für die internationale gartenbauausstellung 1953 vorgängerbauten ersetzte. voght holte den schottischen gärtner james booth nach flottbek. die geschichte der gärtnerei und baumschule erzählt heino grunert (gartendenkmalpflege, behörde für umwelt und energie – amt für naturschutz, grünplanung und energie, hamburg): „die flottbeker baumschule von james booth und söhne“. gehölze, die rosa x alba ‚königin von dänemark‘ und der handel mit exoten. pflanzen als handelsprodukt.

die wahrscheinlich „schrägste“ orangerie, historismus pur, in norddeutschland, befindet sich in schwerin: nach einem spaziergang durch den ehemals barocken schlossgarten, von peter joseph lenné zum landschaftspark umgestaltet, ist das café im burggarten, auf der schlossinsel, die erste wahl. ein zweiflügeliger anbau an das schloss mit arkardengang und terrasse, blick auf den schweriner see inklusive. historismus und sahnetorte. neben den pflanzen im beet, verweisen einige kübel die auf ursprüngliche nutzung: eine orangerie. in ihrem text „orangeriepflanzen für den mecklenburg-schweriner hof“, gibt die landschaftsarchitektin katja pawlak einen überblick über die pflanzen und gebäude im 18. und 19. jh. in den residenzen ludwigslust und schwerin. schlossgärtner ralph schmalz schreibt über die entstehung der heutigen pflanzensammlung in schwerin.

bereits 1685 ist eine orangerie in schwerin nachgewiesen. der heutige bau geht auf die rückkehr des hofes aus ludwigslust in die neue, alte residenz schwerin zurück. unter friedrich franz II., grossherzog von mecklenburg, wurde das schloss marketingmässig als das „neuschwanstein des nordens“ bezeichnet, in den Jahren 1845 bis 1857 vom hofbaumeister georg adolph demmler, hermann willebrand und, aus preussen, friedrich august stüler umgestaltet. gottfried semper lieferte entwürfe für den neubau. 1853 enstand die orangerie am schloss im burggarten. bereits von demmler 1843 geplant ist sie das prunkstück der anlage. der burgarten ist das werk des hofgärtnermeisters theodor klett unter einbeziehung von entwürfen von demmler, semper und lenné. eisenarchitektur, freiteppen, arkaden und das dach der orangerie als begehbare terrasse.

semper? eine orangerie, über die leider kaum literatur existiert, fehlt auch in diesem band. gottfried semper, in hamburg geboren und in altona aufgewachsen, baute 1834 hier, im heutigen donnerspark in ottensen, sein erstes gebäude. für die skulpturensammlung des auftraggebers, conrad hinrich donner, enstand in dessen garten ein pavillon mit oktogonaler kuppel, einem gewächshaus und einer orangerie. für die gartenbauausstellung 1914 in altona wurde das gebäude zum café umgebaut. im 2. weltkrieg zerstört, fielen die reste in den 1950igern der grünflächenplanung der freien und abrissstadt hamburg zum opfer.

die südlichste orangerie im band, abgesehen von heizungen, befindet sich im münsterland:

„DE PLVVIIS MONASTERII VRBIS“

das münsterland ist ein regenloch. wetter das es in den niederlanden und ostfriesland über die deiche schafft, bleibt spätestens am teutoburger wald und dem sauerland hängen. „Patrium nimborum“ hat fabio chigi, päpstlicher gesandte bei den friedensverhandlungen während des dreissigjährigen krieges, münster genannt, die „hauptstadt des regens“. bekannt ist die gegend eher als „Vaterland‘ der Schinken, […] wo Schweinebohnen blühen“ (heinrich heine) als für exotische pflanzen im kübeln, die ein winterquatier benötigen.

kaffee trinken unter palmen nach einem botanischen spaziergang im schlossgarten. im winter ein blick durch die scheiben oder wenn gelüftet wird ohne glas durch die offenen fenster: irgendetwas blüht immer … die orangerie im botanischen garten ist eines der wenigen beispiele eines klassizistischen orangeriegebäudes. geschichte und vorgeschichte der heutigen orangerie beschreibt marcus weiß (gartendenkmalpflege, lwl – landschaftsverband westfalen-lippe).

von 1767 bis 1787 entstand das fürstbischöfliche schloss, vorher hatte die landesherren keine repräsentative residenz in der domstadt, nach plänen von johann conrad schaun. für den auftraggeber, fürstbischof maximilian friedrich von königsegg-rothenfels, entwarf schlaun nicht nur das schloss. der generalplan von 1769 zeigt auf der von fürstbischof christoph bernhard „bommen berend“ von galen ab 1661 angelegten zitadelle (eine zwingburg gegen die renitente bevölkerung, den magistrat und das domkapitel), im barocken schlossgarten neben parterres bereits eine orangerie. gebaut hat schlaun eine orangerie auf der anderen seite der stadtbefestigung für das mitglied des domkapitels und späteren weihbischofs von hildesheim, johann wilhelm von twickel. ein lustgarten auf der ehemaligen johannisschanze – twickelschanze, die heutige engelenschanze – existiert nur noch als plan (1729/31). dieser zeigt zwei nach holländischem typ geplante gebäude, orangerien, innerhalb der verteidigungswälle. eine weitere erhaltene orangerie von schlaun befindet sich im westgarten von schloss nordkirchen, dem münsterländer het loo. ab 1729 errichtet, im typischen schlaun’schen materialmix aus roten ziegeln und baumberger sandstein. doch zurück in den schlossgarten …

schlauns nachfolger wilhelm ferdinand lipper und der hofgärtner franz conrad haas konnte unter dem letzten regierenden fürstbischof maximilian franz von österreich nur eine reduzierte gestaltung des schlossgartens realisieren: die kosten … bereits ab 1788 war der schlossgarten für die bevölkerung zugänglich. 1797 wird an der neu gegründeten universität ein lehrstuhl für naturgeschichte eingerichtet und der arzt und botaniker franz wernekinck berufen. 1803 erfolgt per dekret, das ehemalige fürstbistum ist jetzt preussisch, von freiherr heinrich friedrich karl vom und zum stein, oberpräsidenten von westfalen, die gründung des botanische gartens im schlossgarten. wernekinck wird der erste direktor. für den übriggebliebenen, vernachlässigten teil des gartens erstellte 1854 peter joseph lenné ein gutachten zur umgestaltung in einen landschaftspark. die planung übernahm joseph clemens weyhe, königlicher garteninspektor in düsseldorf.

der bau der orangerie fällt in die amtszeit des gärtner bernhard revermann, der von 1817 bis 1869 für den botanischen garten und den schlosspark zuständig war. grosse teile wurden kommerziell genutzt: eine baumschule wird betrieben, und 1827 erscheint der erste samenkatalog. die orangerie ist über der eingangstür mit 1840 datiert. ein mit nach süden hin durch fenster beleuchteter und befüfteter langgestreckter bau mit krüppelwalmdach, und an den giebelseiten räume für die gärtner. ob es bereits citrus in kübeln gab oder eher vicia faba vorgezogen wurden?

die provenienz der pflanzen etc.

die geschichte der gartenkunst ist, wie alle geschichtsschreibung, eine geschichte der sieger. im falle der orangerien der sieger über die natur und das klima. fürsten, kaufleute und andere wohlhabende privatpersonen, die „blumen liebten“, gärten und parks anlegen liessen oder eben orangerien betrieben. (hof)gärtner und ihre mitarbeiter, deren namen selten bekannt sind, die es schafften exoten am leben zu erhalten und unter widrigsten umständen orangen und zironen in der küche abzuliefern. viel wird über die beheizung und belüftung der orangerie geforscht. fussnoten über die unbeheizten behausungen des personals findet man kaum. die pflanzen in der orangerie führten ein luxusleben. woher kamen die pflanzen? aus dem land wo die zitronen blühen: andenken an die grand tour, italiensehnsucht & pflanzentourismus. aus den kolonien: der warenverkehr des europäischen imperialismus. es wurde untereinander getauscht: welche politischen allianzen, bzw. gerade in hamburg und bremen, welche wirtschaftlichen verflechtungen und pleiten führten zur wanderung der pflanzkübel von orangerie zu orangerie? das thema orangeriekultur, abgesehen von der diskussion über das verhältnis von gartenkultur und architektur, wäre ein präzedenzfall zur erforschung der gartenkultur und -geschichte jenseits von süssen orangen & blümchen … sicherlich nicht ohne saure zitronen.

„orangeriekultur in bremen, hamburg und norddeutschland – transport und klimatisierung der pflanzen“, hrsg. vom arbeitskreis orangerien in deutschland e.v., schriftenreihe orangeriekultur bd. 15, 197 s., broschur, berlin: lukas verlag 2018, isbn 978-3-86732-315-4

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tuinen het loo: ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo‘ & knipsen

von 1685 bis 1692 liess der niederländische statthalter willem van oranje für sich und seine frau mary stuart, tochter von james II, das schloss het loo erbauen. die architekten waren der aus frankreich stammende hugenotte daniël marot und jacobus roman, stadtbaumeister von leiden, ab 1689 hofarchitekt. mit dem palast aus backstein wurden die gärten angelegt. der fränzösische einfluss von andré le nôtre, hofgärtner von willems intimfeind louis XIV., ist zu spüren. was jedoch hier im waldgebiet veluwe bei apeldoorn entstand, ist niederländisch, hollands classicisme. prunkvoll und repräsentativ, aber nicht protzig à la versailles.

1689, nach der glorious revolution, bestiegen die erbauer als william III und mary II den englischen thron. hampton court, mit dem für willem angelegten privy garden, oder kensington palace wurden zu hauptresidenzen. im 18. jhr. wurde der garten teilweise dem zeitgeschmack angepasst. im19. jhr., unter louis napoléon bonaparte, verschwand der barock und ein landschaftsgarten wurde angelegt, die barocken paterres aufgefüllt. in der regierungszeit von königin wilhelmia, die nach ihrer abdankung hier lebte, kamen nebengebäude hinzu. zwischen 1977 und 1984 wurde der barocke tuinen het loo rekonstruiert.

bei barockgärten wird gerne mantramässig vom einfluss der gärten von versailles gesprochen. gerade in nordeuropa sollte man eher vom einfluss von het loo sprechen. das im marketingjargon als ”westfälisches versailles” bezeichnete schloss nordkirchen, ist ein „münsterländer het loo“: neben dem architekten gottfried laurenz pictorius (später johann conrad schlaun) wirkte am bau auch jacobus roman mit. oder der große garten in herrenhausen: sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg aka hanover, war massgeblich an der gestaltung beteiligt. die tochter des winterkönigs, friedrich V. von der pfalz, verbrachte ihre kindheit im niederländischen exil des vaters bei der verwandtschaft ihrer mutter elisabeth stuart. der einfluss der niederländischen gärten wie het loo ist in hannover jederzeit sichtbar, wenn man die versailles-brille abnimmt. eine barocke dutch wave …

1699 erschien in london das buch ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo, […]‘ vom königlichen leibarzt walter harris. eine beschreibung des gartens im „original“-zustand und ein wichtiges dokument für die restaurierung des tuinen het loo:

THIS Description of the King’s Palace, and Gardens at Loo, was most of it written at the Command of our late most Incomparable Queen, of ever Glorious Memory, who was not displeased with the Sight of it; and who, though she Honoured this Royal Fabrick with the laying its first Stone, yet could never have the Pleasure of seeing it Perfected: […]

  

die mittlere allee & ein baunzaun (nicht richard serra, das paleis wird renoviert).

HIS Majesty’s Palace and Gardens at Loo are situated on the cast-side of a large Sandy Heath, or in the Veluwe, a considerable part of the Province of Gelderland, one of the Seven United Provinces. The Heath is extended Southward unto the Rhine, and Northward unto the Zuyder, or South Sea; Westward it runs almost to Amersfort, or within less than two Leagues of it; and Eastward it is extended to the Issel, a considerable River that divides Overyssell from the Veluwe. Loo is three Leagues from Deventer, five from Harderwick on the South-Sea, five from Dieren, another of His Majesty’s Places, six from Arnheim, and twelve Leagues or Hours from Utrecht. It is an excellent Country for Hunting, and abounds with Staggs, some Roe-bucks, the Wild Boar, Foxes, Hares, and some Wolfs. It is no less excellent for Fowling, and has good store of Woodcocks, Partridges, Pheasants, &c. In a Wood near Loo, there is a Herniary for Hawking; and within a league of it North-cast, His Majesty has of late caused to be made an Excellent Decoy, which supplies his Family with good store of Ducks and Teale. And in the Heath beyond the Gardens, there are six Vi∣vers or large Fish-ponds, somewhat after the model or resemblance of those in Hide-Park, the one communicating with the other. […]

The New Palace, lately built by His Majesty, is near unto the Old Hoof, or Old Court, which is a Castle surrounded with a broad Moat, and purchased about 12 or 14 Years ago from the Seigneur de Laeckhuysen, a Gentleman of this Country. They are separated from one another only by some of the Gardens, which lye on the West-side of the New Palace. The Gardens are most Sumptuous and Magnificent, adorned with great variety of most Noble Fountains, Cascades, Parterres, Gravel Walks, and Green Walks, Groves, Statues, Urns, Paintings, Seats, and pleasant Prospects into the Country.

Before the Gate that enters into the Court of the Palace, there is a broad Green Walk between a double row of Oaks, half a mile long; […].

  

blick vom dach über den benedentuin und den boventuin & die die beiden gärten trennende allee mit kanälen. Weiterlesen

gartenbücher (landscape as art and urbanism & …)

It may seem strange to you that a landscape architect from the tropics should come to propose to you, who live in a country with northern traditions and northern climate, solutions which, […], he has been seeking for gardens in Brazil.

brasilien? caipirinha & samba, favelas & tropische vegetation am amazonas. klischees sitzen. eines der ersten bilder, die man im kopf hat, ist die copacabana mit blick auf den zuckerhut. das wellenmuster der pflasterung der calçadão de copacabana, der promenade, die sich entlang der avenida atlântica und des strandes zieht, hat man vielleicht ebenfalls abgespeichert. 1970 von dem brasilianischen landschaftsarchitekten, maler und umweltschützer roberto burle marx entworfen. inspiriert durch traditionelle portugiesische pflasterung, calçada portuguesa. botaniker stolpern über burle-marxii in der nomenklatur. in unseren breiten finden wir burle-marxii vielleicht auf der fensterbank oder in gewächshäusern, u.a. bei begonia oder philodendron.

roberto burle marx? unsere wahrnehmung von gärten ist eurozentrisch. etwas nordamerikanische prairie oder vielleicht mal was exotisch-asiatisches. barock und landschaftsgärten des 18 jahrhunderts. südamerika? moderne? nachkriegsmoderne? war da was? die vom jewish museum in new york 2016 organisierte ausstellung „roberto burle marx: brazilian modernist“, die unter dem titel „roberto burle marx – tropische moderne“ 2017 auch in berlin zu sehen war, wurde in gartenkreisen kaum und wenn, eher als exotische oder modernistische kuriosität wahrgenommen.

als sohn eines auswanderes aus trier und einer brasilianerin, wuchs roberto burle marx in rio de janeiro auf. er studierte malerei, die er nie aufgab, entwarf schmuck und textilien. geprägt wurde er durch das europäische umfeld seiner eltern. die gärten der oberschicht in brasilien orientierten sich an den formalen europäischen vorbildern mit importierten pflanzen. erste gärtnerische versuche im garten seiner mutter, unterstützt von seiner „zweiten mutter“ anna piascek. die familie bezog ein abo der von karl foerster und camillo schneider herausgegebenen zeitschrift gartenschönheit. 1928/29 besuchte er mit seinen eltern berlin. wagner, kubismus und etwas roaring twenties. in den gewächshäusern des botanischen gartens in dahlem entdeckte er die vegetation brasiliens. das prinzip der pflanzengeographischen anordnung war noch nicht so alt und vom direktor des botanischen gartens, adolf engler, zuerst in kiel angewendet worden.

So, inspired by the work of Adolf Engler, who constructed the different groups of flowers in the Berlin-Dahlem Botanical Garden, I made my first ecological grouping and laid down lines along which i have traveled ever since, in many different fields of work.

der autodidakt arbeitete später mit lúcio costa, der ihm den auftrag für den ersten garten verschaffte, und mit oscar niemeyer an projekten in der neuen hauptstadt brasília. hier befindet sich auch der einzige von ihm gestaltete „deutsche“ garten. der garten der von hans scharoun geplanten deutschen botschaft (gebäude und grundstück einer ausländischen botschaft sind exterritorial). ein garten in berlin existiert leider nur auf dem papier. kurz vor seinem tod 1994 war burle marx vor ort, um sich das grundstück anzusehen, die pläne für die neugestaltung des rosa-luxemburg-platzes wurden nie realisiert. sein eigener garten auf der farm sítío santo antonio da bica, die er 1949 zusammen mit seinen bruder siegfried kaufte, wird heute als sítio roberto burle marx vom instituto do patrimônio histórico e artístico nacional verwaltet.

modernnism at its best. gärten und landschaftsarchitektur. klare moderne formen und eine üppige flora, die zu den artenreichsten der erde zählt. botanik und urbanismus. im verlag lars müller publishers sind jetzt die vorträge von roberto burle marx erschienen: „landscape as art and urbanism“. herausgegeben von gareth doherty, assistant professor of landscape architecture an der harvard graduate school of design, mit fotos des architekturfotografen leonardo finotti. Weiterlesen

lenné, schwiegermuttersessel statt papphocker & die elbe

kloster berg garten

vom klostergarten zum volksgarten: auf dem gelände des ehemaligen klosters st. johannes der täufer auf dem berge oberhalb der elbe, einer ca. 970 gegründeten benediktiner-abtei, ab 1565 protestantisches stift und 1813 auf befehl napoleons endgültig abgerissen, entstand unter leitung des magdeburger stadtbaumeisters friedrich wilhelm wolff ab 1825 der erste volksgarten (in preussen). den entwurf für die anlage lieferte peter joseph lenné. von den ursprünglich 30 hektar sind 10 erhalten. friedrich-wilhelm-garten (nach friedrich wilhelm III. von preussen), ab 1921 bzw. 1990 klosterbergegarten mit einer unterbrechung als pionierpark. das gesellschaftshaus im park, ab 1828 nach entwürfen von karl friedrich schinkel erbaut, diente als pionierhaus der pionierorganisation ernst thälmann.

grusonii

am klosterbergegarten befinden sich die 1896 eröffneten gruson gewächs- und palmenhäuser der stadt magdeburg. erbaut für die pflanzensammlung des magdeburger industriellen hermann gruson. ende des 19. jh. die grösste kakteensammlung der welt. nach grusons tod schenkten die erben die sammlung der stadt magdeburg. im kakteen- und sukkulentenhaus: echinocactus grusonii, der goldkugelkaktus. das epitheton „grusonii“ für den schwiegermutterstuhl oder -sessel stammt von heinrich hildmann in der erstbescheibung (‚deutsche garten-zeitung. wochenschrift für gärtner und gartenfreunde‘, 5. jhg., 1886): eine hommage an hermann gruson. echinocactus grusonii ist in seinem ursprünglichen habitat, den mexikanischen bundesstaaten hidalgo und querétaro, vom aussterben bedroht, „critically endangered (cr)“ laut der roten liste gefährdeter arten (iucn). in magdeburg ist der goldkugelkaktus in den gewächshäuser geschützt und wird als sitzplatz jedoch nicht sonderlich geschätzt: der papphocker des kirchentages erfreute sich die letzten tage grösserer beliebtheit … Weiterlesen

alter botanischer garten, kiel

ursprünglich 1669 unter christian albrecht von schleswig-holstein-gottorf als hortus medicus von johann daniel major, wahrscheinlich nach dem vorbild des orto botanico di padova angelegt, mit pflanzen aus dem neuwerk in gottorf (schleswig) im garten des kieler schlosses gegründet. aus dem dann königlich dänischen botanischen garten, direktor ernst ferdinand nolte lieferte beiträge für die ‚flora danica‘, wurde ein königlich preußischer. nach umzügen wurde der jetzige alte botanische garten an seinem heutigen platz 1884 eröffnet. das areal, 1825 als english landscape garden in der endmoränenlandschaft vor der stadt angelegt, gestaltete adolf engler (prof. für systematische botanik an der christian-albrechts-universität zu kiel & ab 1889 direktor des botanischen garten in berlin, schöneberg später dahlem) diesen von 1878 bis 1884 in einen botanischen garten um. der erste botanische garten mit einer pflanzengeographie. ab 1975 zog der (neue) botanische garten auf den campus der universität um. übrig blieb eine öffentliche parkanlage … Weiterlesen

25 jahre gartengesellschaft: herbstpfad & einzug der gräser und stauden ins öffentliche grün

gartengesellschaft

die gesellschaft zur förderung der gartenkultur e.v. wurde vor 25 jahre in hamburg gegründet: aus einer initiative zur rettung des gartens der pädagogin, sozialreformerin und rosenexpertin alma de l’aigle entstand eine gesellschaft mit zweigen in rhein-main, berlin / brandenburg, schleswig-holstein, nordrhein-westfalen, mitte / fulda werra leine, schwaben, oberbayern und mecklenburg. gefeiert wurde in berlin.

festakt im rathaus charlottenburg am freitag, 21. oktober 2016: ein grusswort von maria böhmer, mdb etc. und ehemalige präsidentin des unesco welterbekomitees: gärten sind kultur! und nicht naturerbe. die frage „gartenkultur – vom aussterben bedroht?“: ein plädoyer für die gartenkultur von gabriele schabbel-mader, präsidentin der gartengesellschaft. ein visuelles feuerwerk aus gärten von ute und albrecht ziburski mit gartenbildern u.a. aus ihrem garten moorriem & händel. und die verleihung des alma de l’aigle-preises 2016 an gesa klaffke-lobsien und kaspar klaffke, die die idee des offenen gartens von england importierten und erstmals 1991 in hannover verbreiteten.

mitgliederversammlung am samstag im botanischen museum in lichterfelde / botanischer garten und botanisches museum berlin-dahlem. nach einem vortrag über den vor 150 jahren verstorbenen peter joseph lenné von christa hasselhorst und vor den regularien eines e.v. erstmal in den garten … Weiterlesen

auf eine zigarette bei loki: norddeutsche apfeltage & etwas botanik + shakespeare

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botanik im schlossgarten, münster

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die herrenhäuser gärten: der berggarten

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hannover, stadtbahnlinie 4 richtung garbsen, haltestelle herrenhäuser gärten, der bibliothekspavillon im berggarten, strassenseite …

erst eine sanddüne (der name berg ist geblieben) dann garten. ein platz zum experimentieren, ein ort für pflanzen die im barocken korsett des grossen gartens (→ der grosse garten in herrenhausen, sophie von der pfalz & …) auf der anderen strassenseite nicht passten.

unter herzog johann friedrich von braunschweig-lüneburg begann hier das gärtnern.

später liess sophie von der pfalz, verh. kurfürstin von hannover, exotische gewächse anpflanzen und brachte ihre stetig wachsende pflanzensammlung unter. ab 1704 wurde eine plantage mit maulbeerbäumen für die seidenraupenzucht gepflanzt. auf anraten von gottfried wilhelm leibniz (→ philosophische gespräche im garten …).

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seidenraupenfutter: morus alba / weisser maulbeerbaum mit blick in richtung des präriegartens. gepflanzt 2014 von den freunden der herrenhäuser gärten e.v. (zusammen mit einem morus nigra / schwarzem maulbeerbaum).

1849 erbaute georg ludwig friedrich laves das erste palmenhaus. 1880 entstand das grosse palmenhaus von richard auhagen (in den 1950igern abgerissen, heute steht dort ein tropisches aquarium… event-fische im garten… ). Weiterlesen

auf eine zigarette bei loki & shopping …

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auf eine zigarette bei loki: pflanzen- und informationsbörse im botanischen gartens hamburg / loki-schmidt-garten. tanacetum balsamita / frauenminze oder balsamkraut, erstmal in den „eigenen garten“ & dann im gebetbuch testen… mit deschampsia flexuosa ‚tatra gold‘ / drahtschwiele. ein weiterer versuch mit morina longifolia / langblättrige kardendistel & carex grayi / morgenstern-segge & cynoglossum officinale / gewöhnliche hundszunge, salvia sclarea ‚vatican white‘ / muskateller-salbei, potentilla atrosanguinea var. argyrophylla / himalajafingerkraut.