„Der Ausdruck Klima bezeichnet …“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsre Organe merklich afficiren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Verändrungen des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen ungleichnamiger Winde, die Größe der electrischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder die Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels: welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und ganze Seelenstimmung des Menschen.

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, bd. 2, stuttgart/tübingen 1845

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„Underneath the mistletoe …“: viscum album / weißbeerige mistel

§. 14. Bey denen Eichen ist nicht vorbey zugehen der Mistel oder Mispel / als welches ein seltsam Gewächse / da Holz wieder auf Holz wächset.

Fronde virere nova, quod non sua seminat Arbor, [vergil, aeneis, VI, 206]

[…] Dieses Mispels Zweige sind alle in form eines Creutzes / haben Blätter / gleich dem Buchs=Baum / länglicht als wie Zungen gestaltet / so aber im Winter abfallen / sie tragen auch Beere / so dem Menschen schädlich / aus welchem ein Leim bereitet wird / wenn sie aber mit Rauten gesotten und eingenommen werden / treiben sie den Schweiß / und sollen denen so mit der fallenden Seuche beladen / dienlich seyn / wie [joachim] Camerarius [d. j., kreutterbuch] schreibet. Mit diesen Mistel wird vielerley Aberglauben getrieben / und solcher den Kindern / wider den schwehren Gebrechen und Beherung an den Halß gehenget / wie DODONAUS [rembert dodoens, cruydeboeck] schreibet / siehe hiervon weiter [johannes heinrich] URSIN[us] Arbor[etum] Bibl[icum: cum continuatione historiae plantarum biblicae] Sect. 2 cap. 15 p. 236 sqq.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]‘, leipzig, 1713.

typisch für europa ist die viscum album / weißbeerige mistel oder laubholz-mistel. ein immergrüner strauch und halbschmarotzer der seiner wirtspflanze wasser und mineralien entzieht. neben der viscum album subsp. album / laubholz-mistel sind unterarten zu finden: viscum album subsp. abietis / tannen-mistel auf abies alba / weisstannen und viscum album subsp. austriacum / kiefern- oder föhren-mistel auf pinus sylvestris / waldkiefern und pinus nigra / schwarzkiefern. dazu die im herbst laubabwerfende loranthus europaeus / eichenmistel mit gelben beeren die vor allem auf quercus / eichen und teilweise auf castanea sativa / edelkastanien wächst. viscum album ist auf eichen eher selten, deshalb wahrscheinlich um so heiliger. Weiterlesen

syrische (bzw. persische) rosen mit asyl in europäischen gärten: rosa x damascena

geopolitik

der geografische ursprung, bzw. die herkunft, ist ein komplexes thema. die heutigen grenzen in der region sind, wie sich an den von den europäer mit dem lineal gezogenen grenzlinien ablesen lässt, ein künstliches gebilde. das antike persische grossreich (das altpersische, zu dem das heutige syrien gehörte, und das neupersisches reich der sassaniden). alexander der grosse. imperium romanum & byzantinisches reich. die eroberung durch die arabischen umayyaden. anfang des 16. jh. das osmanische reich & nach dessem untergang die europäer. das heutige syrien, zuletzt unter dem völkerbundmandat für syrien und libanon, mandat français en syrie, wurde 1946 unabhängig. religiöse fragen (cf. kreuzzüge) und grenzziehungen mal beiseite gelassen …

von persien ist uns unser vorstellung vom paradies geblieben: paradaidha (umgrenzter bereich), der altpersische begriff für garten wurde in den europäischen sprachen und im hebräischen übernommen/entlehnt.

das interesse des westens an den gebieten des ehemaligen persischen grossreiches ist vor allem einem exportprodukt zu verdanken: öl. erdöl. vor der industrialisierung europas war das gefragte luxusprodukt aus diesem gebiet ein anderes öl: rosenöl. im heutigen iran (veraltet persien) um kāschān in der provinz isfahan, um schiras (fars) und um kerman (in der gleichnamigen provinz) sowie in afghanistan in der provinz kabul wurde und wird die damaszener-rose angebaut, um rosenöl zu gewinnen. in afghanistan gibt es versuche, die rosenölproduktion zu forcieren, um andere alternative erwerbszweige zum traditionellen anbau von papaver somniferum / schlafmohn für die herstellung von opium zu schaffen.

in europa, im bulgarischen kasanlak, wird im tal der rosen (pозова долина) die rosa x damascena ‚trigintipetala‘, syn. ‚rose von kazanlik‘ oder ‚bulgarische ölrose‘ mit hell rosa blüten, die während des osmanischen reiches dort hin kam, für die gewinnung von rosenöl angebaut. in frankreich, um grasse, wird die rosa x centifolia / zentifolie oder provence-rose (von holländischen züchtern, zwischen dem 17. und 19. jhr) angebaut. eine kreuzung aus rosa gallica, r. moschata, r. canina und r. x damascena. Weiterlesen

lilium candidum

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pflanzensymbolik

Die Lilie, (Lilium candidum) war der Juno geweiht, sie ist das Symbol der Reinigkeit, Unschuld, Sittsamkeit und der Hoffnung. In dem so geschätzten mythologischen Werke: les Siècles Pajens [, ou dictionnaire mythologique, héroique, politique, littéraire et géographique de l´antiquité‘ ,1784] par M. l’abbé [antoine] S [abatier]de Castres im 4. Bdr. S. 266 werden die Pflanzen, die der Juno geheiligt waren, angeführet, und da heißt es wörtlich: „Parmi les plantes le Dictame le Pavot et le Lis sur tout etoient agréables à cette Déesse, on appelloit le Lis la Rose de Junon, (Rosa junonia). Le Gyrald Hist. Deor. Syntagm. 2., “ Auch in der christlichen Relegion stehet diese schöne Blume in großen Ansehen, welches die Frau von Genlis in ihrer Botanik der Geschichte und Literatur, sehr belehrend entwickelt hat.

friedrich ludwig von sckell, ‚beiträge zur bildenden gartenkunst für angehende gartenkünstler und gartenliebhaber‘, münchen, 1825, zweite vermehrte und verbesserte auflage (erstausgabe: 1818).

Die Lilie ist, wie die Fabel sagt, aus der Milch der Juno entstanden. […] Diese Blumen sind die Symbole der Reinigkeit und Sittsamkeit, und diese sind in der That die wahren Eigenschaften und Attribute der Schönheit. (Mit einer Lilie, als dem Sinnbilde der Jungfräulichen Reinigkeit, wird öfters die Mutter des Herrn abgebildet. Dem heiligen Joseph giebt man diese Blume gleichfalls in die Hand.) […] (bey den Muslemin ist die Lilie ebenfalls ein Symbol der Reinigkeit, und wird in dieser Beziehung von Ihnen dem ägyptischen Joseph beygelegt. Bey Orientalen ist die Lilie zugleich Blume der Freiheit, indem sie mit ihrem Stengel gerade und hoch gen Himmel aufwächst.)

(Die Lilie war bey den Alten gleichfalls ein Symbol der Hoffnung, und derum auch das Bild eines Thronfolgers, wegen der auf ihm ruhenden Hoffnungen und Erwartungen des Volkes, in welcher Beziehung ihre Bildliche Bedeutsamkeit durch ihren scepterähnlichen, mit Blumen gekrönten Stengel um so sinnvoller und sprechender war. […]; und so läßt Virgil in seiner Aeneis [6. buch, 883-884] den Anchises in Ansehnung des Marcellus, des muthmaßlichen, in der Blüthe der Jugend gestorbenen Nachfolgers und Thronerbens des Augustus ausrufen: Bringt Lilien mit vollen Händen.)

(Im hohen Liede Salomons dient die Lilie, die häufig in Palästina wächst, zu mehreren Vergleichen.)

(Der Leuchter in Heiligthume des Herrn war nach der Vorschrift des Moses [1. buch moses, 25, 31-40] am Hauptrohre und an seinen Armen mit goldenen Lilien verziert. Der tyrische Baumeister Hiram [abif], der den Tempel Salomons baute, gab den Spitzen, oder den Knöpfen der Beyden Säulen, die im Vorhofe am Eingange des Tempels errichtet wurden, die Form von Lilien [1. buch der könige, 7, 13-22]).

stéphanie félicité du crest de saint-aubin, comtesse de genlis, ‚die botanik der geschichte und literatur oder die pflanzen in in ihren mythologischen, religiösen, bürgerlichen, sinnbildlichen, abergläubischen, sprüchwörtlichen, ästhetischen, und geschichtlichen beziehungen‘ überseßt und vermehrt von dr. k. j. stang, bd. 2, bamberg /würzburg, 1813 (franz. ‚la botanique historique et littéraire‘, paris, 1810

kunstgeschichte: madonnen-lilie

eine kleine lilie ist bei der kölschen mona lisa im wallraf-richartz-museum, der ‚madonna im rosenhag‘ von stephan lochner um 1450, im hintergrund zu sehen rosenlaube. hier stehlen ihr andere marienpflanzen die show. bei der berliner madonna in der gemäldegalerie, ‚maria mit dem kind und singenden engeln / tondo raczynski‘ von sandro botticelli um 1477, treten die lilien, zwar ebenfalls im hintergrund, verstärkt auf.

in der vordergrund bringt sie der erzengel gabriel, dessen attribut die weisse lilie ist, bei der verkündigung der geburt jesu. um hier nur zwei bilder zu erwähnen die sich heute beide in der galleria degli uffizi in florenz befinden: die ‚annunciazione di cestello‚ von botticelli, circa 1489-1490, und die ‚annunciazione‚ von leonardo da vinci (und andrea del verrocchio), circa 1472–1475.

natur(schutz) vs garten & religion

die pflanze überlebt in museen und als zierpflanze in kloster- und bauerngärten. in der region in der sie ihre symbolische jüdisch-christliche bedeutung erhielt, in palästina, droht sie zu verschwinden:

Threat of Extinction through Overuse

An example of this fate is provided by genuinely wild forms of the White or Madonna Lily, Lilium candidum L. The ornamental status of this lily is of great antiquity. Together with the Lotus flower, Nelumbo alba L.; Lilium candidum is regarded as the earliest species to be taken into cultivation for its decorative qualities. According to [otto] Warburg [‚heimat und geschichte der lilie (lilium candidum)‘, feddes repertorium , beiheft 56] (1929), the White Lily may already have been cultivated in Asia Minor in the middle of the second millenium BC. Moreover, it is depicted on artefacts from the Aegean Bronze Age, e.g. on a vase excavated on the Cycladian island of Santorini (Thera) and dating to before 1.5000 BC […]. From the excavation at Thera it can be inferred that lilies growing wild were actually used as cutflowers at the time. […] In subsequent eras L. candidum became widley distributed in the Neat East and Mediterranean as an ornamental and medicinal plant and reached central Europe during the Early Middle Ages.

Lilium candidum, […], has no near relatives among southwest Asian or Mediterranean lilies. Species resembling it most closely morphologically, […] are native to the Far East. According to Warburg (op. cit.) the area of origin of the White Lily my have extented over formerly forest-covered partes of Asia Minor, Thessaly, the eastern Mediterranean and southern part of the Balkan Peninsula. […]

The shrinkage of the postulated wild distribution must be basically due to the disappearance of forests from the area since the last pluvial era. […]

The area of northern Israel and the Lebanon was densely populated in Biblical and especially Roman times. The ancient use of flowers for ornamental forestalled seed production, while utilization of bulbs for preparation of wound ointments interfered with vegetative reproduction. In Christian times the flower was adopted as a symbol of chastity by the Church. Until recent times (see Fonck in Warburg, 1929), residual wild colonies were further reduced by the use of flowers for altars and transplantation to monastery gardens.

aharon horovitz and avinoam danin, ‚relatives of ornamental plants in the flora of israel‘ in ‚israel journal of botany‘. vol. 32, 1983.

[…] Schawet die Lilien auff dem felde / wie sie wachsen / Sie erbeiten nicht / auch spinnen sie nicht. Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins.

matthäus 6, 28 – 29, übersetzung von martin luther, 1545.

cercis: ein judasbaum vor ostern…

cercis_judas_500   cercis sinensis ‚avondale‘ / chinesischer judasbaum kurz vor der blüte.

die wuchshöhe des chinesischen cercis reicht nicht zum erhängen: der legende nach soll sich judas ischariot, nachdem er jesus im garten gethsemane an  die römer verraten hat, an einem cercis erhängt haben. im mittelmeerraum wächst cercis siliquastrum, der grösser wird als sinensis. die blüten des baumes sollen sich aus scham rot gefärbt haben…

Always look on the bright side of life…

frohe ostern, happy easter, prettige pasen, joyeuses pâques, glædige påske ! (fünfsprachig muss reichen, das sieht sonst noch nach pfingsten aus.)

phoenix dactylifera / dattelpalme: der samen für einen persischen garten…

phoenix_dactylifera_bam_250   ein dattelkern aus ‏bam.

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kaempfer_amoenitatum exoticarum_dattelernte_500   dattelernte in persien, ill. aus ‚amoenitatum exoticarum‘.

in seinem buch ‚ amoenitatum exoticarum politico-physico-medicarum fasciculi v, quibus continentur variae relationes, observationes & descriptiones rerum persicarum & ulterioris asiae, multâ attentione, in peregrinationibus per universum orientum, […], lemgo, 1712, beschreibt engelbert kaempfer – 1651 im lippischen lemgo geboren – die dattelpalme ausführlich. im kapitel ‚ relationes botanica-historicas de palma dactylifera, in perside crescente‘ findet sich neben der botanischen beschreibung eine ganze kulturgeschichte – ‚palmæ historia naturalis & œconomica‘.

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& die neugierde auf einen anderen persischen garten steigt: a contemporary paradise garden by cleve west for the chelsea flower show 2014.

boswellia sacra / weihrauch und commiphora myrrha / myrrhe oder 20*C+M+B+14

Gegen Südwesten, am erythräischen [roten] Meere, liegt das schöne Land der Joctaniden, Yemen: fruchtbar und ackerbauend, der alte Cultursitz von Saba. Es erzeugt Weihrauch ( lebonah der Hebräer, vielleicht Boswellia thurifera Colebr.) 760, Myrrhe (eine Amyris-Art, von Ehrenberg zuerst genau beschrieben) […]: Gegenstände eines wichtigen Handels der Nachbarvölker; verführt zu den Aegyptern, Persern und Indern wie zu den Griechen und Römern. Auf diese Erzeugnisse gründet sich die geographische Benennung des „glücklichen Arabiens“, welche wir zuerst bei Diodor und Strabo finden.

760) Der Baum, welcher den arabischen, seit der urältesten Zeit berühmten Weihrauch von Hadhramaut giebt (auf der Insel Socotora fehlt derselbe ganz), ist noch von keinem Botaniker, selbst nicht von dem mühsam forschenden [christian gottfried] Ehrenberg, aufgefunden und bestimmt worden. In Ostindien findet sich ein ähnliches Product, vorzüglich in Bundelkhund, mit welchem von Bombay aus ein beträchtlicher Handel nach China getrieben wird. Dieser indische Weihrauch wird nach [henry thomas] Colebrooke ( Asiatic Researches Vol. IX p. 377) von einer durch] [william] Roxburgh bekannt gewordenen Pflanze: Boswellia thurifera oder serrata, aus der Familie der Burseraceen von Kunth, gewonnen. Da wegen der ältesten Handelsverbindungen zwischen den Küsten von Süd-Arabien und des westlichen Indiens ( Gildemeister, Scriptorum Arabum loci de rebus Indicis p. 35) man in Zweifel ziehen konnte, ob der λίβανος des Theophrastus (das thus der Römer) ursprünglich der arabischen Halbinsel zugehört habe: so ist Lassen’s Bemerkung sehr wichtig ( Indische Alterthumskunde Bd. I. S. 286), daß der Weihrauch im Amara-Koscha selbst » yâwana, javanisch, d. h. arabisch, genannt«: demnach als ein aus Arabien nach Indien gebrachtes Erzeugniß aufgeführt wird. » Turuschka‘ pi ndaka‘ sihlô (drei Benennungen des Weihrauchs) yâwanô«: heißt es im Amara-Koscha ( Amarakocha publ. par A. Loiseleur Deslongchamps P. I. 1839 p. 156). Auch Dioscorides unterscheidet den arabischen von dem indischen Weihrauch. Carl Ritter in seiner vortrefflichen Monographie der Weihrauch-Arten ( Asien Bd. VIII. Abth. 1. S. 356–372) bemerkt sehr richtig, dieselbe Pflanzenart ( Boswellia thurifera) könne wegen der Aehnlichkeit des Klima’s wohl ihre Verbreitungssphäre von Indien durch das südliche Persien nach Arabien ausdehnen. Der amerikanische Weihrauch ( Olibanum americanum unserer Pharmacopöen) kommt von Icica gujanensis Aubl. und Icica tacamahaca: die wir, [aimé jacques alexandre] Bonpland und ich, häufig in den großen Gras-Ebenen (Llanos) von Calabozo in Südamerika gefunden haben. Icica ist wie Boswellia aus der Familie der Burseraceen. Die Rothtanne ( Pinus abies Linn.) erzeugt den gemeinen Weihrauch unserer Kirchen. – Die Pflanze, welche die Myrrhe trägt und welche Bruce glaubte gesehen zu haben ( Ainslie, Materia medica of Hindoostan , Madras 1813, p. 29), ist bei el-Gisan in Arabien von Ehrenberg entdeckt und nach den von ihm gesammelten Exemplaren durch [christian gottfried daniel] Nees von Esenbeck unter dem Namen Balsamodendron myrrha beschrieben worden. Man hielt lange fälschlich Balsamodendron Koraf Kunth., eine Amyris von [peter] Forskål, für den Baum der ächten Myrrhe

alexander von humboldt, ‚kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, zweiter bd. kap. 1, stuttgart und augsburg, 1845 bis 1862.

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boswellia sacra / weihrauch:

[…]sein Geruch steigt ohne Feuer empor, weil er die Augen erhellt und das Gehirn reinigt […]

commiphora myrrha / myrrhe:

Und wenn große Fieber den Menschen anfallen, und wenn ihm dann Myrrhe in warmem Wein zu trinken gegeben wird, dann weicht das Fieber von ihm.

hildegard von bingen, ‚physica‘ oder ‚liber simplicis medicinae‘, bd. 1 ‚de plantis‘, kap. 1-175 + 1-176, um 1150.

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DA Jhesus geborn war zu Bethlehem / im Jüdischenlande zur zeit des königes Herodis / Sihe / da kamen die Weisen Die S. Mattheus Magos nennet / sind Naturkündige vnd Priester gewesen. vom Morgenland gen Jerusalem / vnd sprachen / Wo ist der newgeborne König der Jüden? Wir haben seinen Sternen gesehen im Morgenland / vnd sind komen jn an zu beten. […] Vnd sihe / der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten / gieng fur jnen hin / Bis das er kam / vnd stund oben vber / da das Kindlin war. Da sie den Stern sahen / wurden sie hoch erfrewet / Vnd giengen in das Haus / vnd funden das Kindlin mit Maria seiner mutter / vnd fielen nider / vnd betten es an / Vnd theten jre Schetze auff / vnd schenckten jm Gold / Weyrauch vnd Myrrhen.

matthäus 2, 1-2 + 9-11. übersetzung von martin luther, 1545.

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pilgerzeichen_wacholder_500   die heiligen drei könige bringen geschenke: gotisches pilgerzeichen aus köln, 2.hälfte 15.Jh., bleiguss. nachbildung aus dem kolumba.

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eine nachbemerkung zum dreikönigsschrein in kölner dom (baustelle von 1248 bis 1883) & ein schlenker nach westfalen:

Er ward nicht vollendet — und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmahl von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ihr armen Schelme vom Domverein,
Ihr wollt mit schwachen Händen
Fortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!

[…]

Ja, kommen wird die Zeit sogar
Wo man, statt ihn zu vollenden,
Die inneren Räume zu einem Stall
Für Pferde wird verwenden.

„Und wird der Dom ein Pferdestall,
Was sollen wir dann beginnen
Mit den heil’gen drey Kön’gen, die da ruhn
Im Tabernakel da drinnen?“

So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
In unserer Zeit zu geniren?
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie können wo anders logiren.

Folgt meinem Rath und steckt sie hinein
In jene drey Körbe von Eisen,
Die hoch zu Münster hängen am Thurm,
Der Sankt Lamberti geheißen.

heinrich heine, ‚deutschland. ein wintermährchen‘, hamburg, 1844.

  • ein souvenir aus mailand: die reliquien im dreikönigenschrein im kölner dom.
  • die käfige der wiedertäufer am turm von st. lamberti in münster: ‚drei irrlichter‘ von lothar baumgarten, skulptur projekte münster 1987.

weihnachts-, christ- oder tannenbaum / abies nordmanniana & der weihnachtsbaum als kulturexport

Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letzten Mal kommen ließ.

liselotte von der pfalz in einem brief an ihre tochter, 11. dezember 1708. liselotte von der pfalz, die spätere duchesse d’orléans, lebte als kind vier jahre in hannover bei ihrer tante sophie von der pfalz, kurfürstin von hannover & mutter von george I. von grossbritannien…

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WEIHNACHTSBAUM, m. zuerst in Straszburg um 1642: disz (Christus) ist, meine liebsten, der weynacht baum Dannhawer cat.-milch 5, 649, in geschlossener belegreihe erst seit ende des 18. jahrh., damals auch zuerst mit -s-: an zwei enden eines langen tisches brannten zwei kleine weihnachtsbäume Caroline an Humboldt, briefe 5, 163 (Berlin 1815), […]das seitdem nur vereinzelt einmal fehlt: ein weinachtbaum zwar brannte nicht auf dem tisch Storm 3, 7. der plur. tritt zurück: mir sind die leeren weihnachtsbäume zu theil geworden B. v. Arnim Günderode 2 (1840) 243; desgl. Heine 1, 426 Elster; G. Freytag 4, 314. in der umgangssprache ist das wort wesentlich auf Norddeutschland beschränkt, die grenze gegen christ- und tannenbaum (th. 11, 111) zieht Kretschmer wortgeogr. 556 f. in obd. mundart gilt vielfach maie(n) (th. 6, 1473), doch winachtsbaum Martin-Lienhart els. 2, 45, das als neue einführung überallhin gelangen kann: wīnach(t)sbōam Siebs helgol. 303, daneben jȫlbōm B. P. Möller Sylter wb. (1916) 132. […] die allg. sitte, bei festen das haus mit grün zu schmücken, wirkt im winter als analogiezauber: man verschafft sich einen grünen baum, um ein grünes jahr zu bekommen. das bleibende grün des w. verbürgt langes leben und gesundheit; der baum, der im winter seine kraft behält, kann auch dem menschen gehöhtes leben verleihen. der brauch knüpft sich, altrömischer sitte entsprechend, an neujahr und damit an weihnachten als jahresanfang: den nach Spanien eingewanderten Sueven verbietet bischof Martin v. Bracara († 580): non liceat iniquas observantias agere kalendarum, et otiis vacare gentilibus, neuqe lauro, aut viriditate arborum cingere domos Hoffmann-Krayer schweiz. arch. f. volksk. 7 (1903) 193. bischof Burchard v. Worms (1000—1025) erneut das verbot: patrologia lat. 140, 835 Migne, und bezeugt damit die gleiche neigung im deutschen norden. als segenszweig fürs neue jahr bezeugt Brant den schmuck für Straszburg 1494:
und wer nit ettwas nuwes hat
und umb das nuw jor syngen gat,
und gryen tann risz steckt jn syn husz,
der meynt, er leb das jor nit usz narrensch. 65, 39 Z.
im Elsasz bildet der w. sein zubehör aus: auff weihenachten richtet man dannenbäume zu Straszburg in den stuben auff, daran hencket man rosen ausz vielfarbigem papier geschnitten, äpfel, oblaten, zischgolt, zucker etc. jb. f. gesch. Elsasz-Lothringens 5, 68 (Straszburg 1605); […] für Wien ist Grillparzer 1866 zeuge: es hatten mir zwar meine hausfräulein einen armseligen weihnachtsbaum in einem gartengeschirr mit etwas zuckerwerk behangen bereits gespendet … da wird ein riesenbaum gebracht, behangen mit allen gütern der welt jb. d. Grillparzerges. […]

‚deutsches wörterbuch‘ von jacob und wilhelm grimm, leipzig, 1854-1961, bd. 28.

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Ude i Skoven stod der saadant et nydeligt Grantræ; det havde en god Plads, Sol kunde det faae, Luft var der nok af, og rundtom voxte mange større Kammerater, baade Gran og Fyr; […]

hans christian andersen, ‚grantræet‘ in ’nye eventyr. første bind. anden samling‘, københavn, 1845.

früher ging man mit der axt in den wald und schlug einen baum. heute kommen die bäume aus monokulturen. ”baade gran og fyr”, die auswahl zwischen tannen und fichten hat sich meist erledigt. der ”alte” weihnachtsbaum war zumeist eine fichte, heute sind die bäume hauptsächlich (nordmann)tannen.

jeder dritte weihnachtsbaum in deutschland stammt aus dem sauerland. ca. 5 mio. bäume werden aus dänemark importiert. die nordmanntanne ist heute in deutschland der populärste weihnachtsbaum: von den 29 mio. bäumen in deutschen wohnzimmern sind mittlerweile rund drei viertel nordmanntannen.

die nordmanntanne ist ursprünglich ein importbaum: sie wurde 1836 im kaukasus, im heutigen georgien, von dem finnischen botaniker alexander davidovich von nordmann, konservator am botanischen garten in odessa, entdeckt.

im jahr 1838, unter dem namen pinus nordmanniana, veröffentlichte christian von steven, ein russischer botaniker schwedischer herkunft, im ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘ die erste beschreibung.

pinus_nordmanniana_1838_500   ill. aus ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘

édouard spach stellt den baum, unter dem heute gültigen namen abies nordmanniana, 1842 unter die gattung abies:

SAPIN DE NORDMANN. – Abies Nordmanniana Steven, in Ann. Des Sc. Nat. 2e sér. Vol. XI, p. 56. – Feuilles subunilatérales légèrement échancrées. Strobiles ovoïdes; écailles cunéiformes-orbiculaires; bractées spatulées-obcordiformes, à sommet saillant, réfléchi, acuminé-cuspidé. – Abre de 80 pieds et plus, sur 3 pieds de diamètre. Écorce lisse, grisâtre. Branches grêles, la plupart horizontales, les supérieures plus ou moins érigées. Ramules couverts d’une pubescence rousse. Feuilles longues d’environ I pouce, sur ¾ de ligne de large, d’un vert gai en dessus, d’un glauque blanchâtre en dessous. Strobiles longs d’environ 5 pouces, sur 2 ½ pouces de large, sessiles, ou subsessiles, solitaires, ou géminés, ou ternés, résineux; écailles longues d’environ I 5 lignes, sur autant de large vers le somment, érosées-dentées aux bords latéraux, trés-entières au sommet. Nucules ovoïdes, longues de 1 ½ ligne; ailes obliquement cunéiformes, rectilignes d’un côté. (steven, l.c.) – Cette espèce croît dans la région subalpines de caucase.

‚histoire naturelle des végétaux. phanerogames‘, 11, 1842

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die ersten weihnachsbäume sieht man schon am zweiten weihnachtstag auf der strasse liegen. traditionell endet die weihnachtszeit jedoch am 2. februar mit mariä lichtmess.

wie viele nadeln hat so eine nordmanntanne? bei solchen fragen ist immer auf die kollegin des blauen elefanten verlass: in der sendung ‚frag doch mal die maus‚ (wdr, erstaustrahluing 25/11/20006) wurde nachgezählt: eine nordmanntanne von 1,63 höhe hatte 187.333 nadeln. viel spass beim saugen nach dem abdekorieren …

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
Hei!  Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

christian morgenstern, ‚das weihnachtsbäumlein‘ aus ‚klein irmchen‘, berlin, 1921.

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ein anhang zum thema der weihnachtsbaum als kulturexport:

der erste beleg eines weihnachsbaumes in grossbritannien stammt von 1819. queen charlotte, geborene sophie charlotte von mecklenburg-strelitz, frau könig george III. aus dem haus hannover, hatte eine eibe als weihnachtsbaum in der queen’s lodge in windsor aufstellen lassen:

Sixty poor families had a substanial dinner given them; and in the evening the children of the principal families in the neighbourhood were inited to an entertainment at the lodge. Here, among other amusing objects for the gratification of the juvenile visitors, in the middle of the room stood an immense tub with a yew-tree placed in it, from the branches of which hung bunches of sweetmeats, almonds, and raisins in papers, fruits and toys, most tastefully arranged, and the whole illuminated by small wax candles. After the company had walked around and admired the tree, each child obtained a portion of the sweets which it bore, together with a toy, and then all returned home, quite delighted.

james watkins, ‚memoirs of her most excellent majesty sophia-charlotte: queen of great britain, from authentic documents‘ london, 1819

die tradition wurde bewahrt. charlottes zwölfjährige enkelin berichtet in ihrem tagebuch:

Monday, 24th December [1832] […] After dinner […] We then went into the drawing-room near the dining-room. After Mamma had rung the a bell three times we went in. There were two large round tables on which were placed two trees hung with lights and sugar ornaments. All the presents being placed round the tree […]

‚the girlhood of queen victoria: a selection from her majesty’s diaries between the years 1832 and 1840‘, ed. by viscount esher [reginald brett], london, 1912

die mutter, victoire von sachsen-coburg-saalfeld, kannte die tradition ebenfalls aus ihrer heimat. victorias deutscher mann, albert von sachsen-coburg und gotha, notierte 1847:

I must now seek in the children an echo of what Ernest and I were in the old time, of what we felt and thought; and their delight in the Christmas-trees is not less than ours used to be.

prince albert zitiert in godfrey and margaret scheele, the prince consort, man of many facets: the world and the age of prince albert.‘ london, 1977. ernst ist sein bruder ernst II., herzog sachsen-coburg und gotha.

der allgemeine durchbruch des weihnachtsbaumes in grossbritannien kam mit der veröffentlichung einer illustration die die königliche famile an weihnachten zeigt:

_the_illustrated_london_news_christmastree_ 1848_500   ill.: aus ‚the illustrated london news. special christmas supplement edition‘, 23. dezember 1848.

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„Le jardin, c’est la plus petite parcelle du monde et puis c’est la totalité du monde.“ / ‚des espace autres‘ par michel foucault

L’hétérotopie a le pouvoir de juxtaposer en un seul lieu réel plusieurs espaces, plusieurs emplacements qui sont en eux-mêmes incompatibles. C’est ainsi que le théâtre fait succéder sur le rectangle de la scène toute une série de lieux qui sont étrangers les uns aux autres ; c’est ainsi que le cinéma est une très curieuse salle rectangulaire, au fond de laquelle, sur un écran à deux dimensions, on voit se projeter un espace à trois dimensions ; mais peut-être que l’exemple le plus ancien de ces hétérotopies, en forme d’emplacements contradictoires, est le jardin. Il ne faut pas oublier que le jardin, étonnante création maintenant millénaire, avait en Orient des significations très profondes et comme superposées. Le jardin traditionnel des Persans était un espace sacré qui devait réunir à l’intérieur de son rectangle quatre parties représentant les quatre parties du monde, avec un espace plus sacré encore que les autres, qui était comme l’ombilic, le nombril du monde en son milieu (c’est là qu’étaient la vasque et le jet d’eau) ; et toute la végétation du jardin devait se répartir dans cet espace, dans cette sorte de microcosme. Quant aux tapis, ils étaient à l’origine des reproductions de jardins : le jardin, c’est un tapis où le monde tout entier vient accomplir sa perfection symbolique, et le tapis, c’est une sorte de jardin mobile à travers l’espace. Le jardin, c’est la plus petite parcelle du monde et puis c’est la totalité du monde. Le jardin c’est, depuis le fond de l’antiquité, une sorte d’hétérotopie heureuse et universalisante (de là nos jardins zoologiques).

michel foucault, ‚des espace autres‘, conférence au cercle d’études architecturale, 1967

malus sepulcreti

malus sepulcretum   ein apfelbaum (sorte unbekannt) auf dem friedhof ( → Unter dem Ziegenberg / harzerfuhrherren.wordpress.com) neben der dorfkirche buntenbock, oberharz.

ein obstbaum auf dem friedhof? eine friedhofsbepflanzung mit langer tradition.

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Da namen sie den leichnam Jhesu / vnd bunden jn in leinen Tücher mit Specereien / wie die Jüden pflegen zu begraben. / Es war aber an der Stete / da er gecreutziget ward / ein Garte / vnd im garten ein new Grab / in welches niemand je gelegt war. / Da selbs hin legten sie Jhesum

johannes 19, 40-42. übersetzung von martin luther, 1545.

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st_gallen_klosterplan_250_   st_gallen_klosterplan_obstgarten_500_h

r.: der st. galler klosterplan / codex sangallensis 1092, enstanden um 820 im kloster reichenau. heute in der stiftsbibliothek st. gallen. l. (detail): der friedhof der mönche im obstgarten oder der obstgarten der mönche als friedhof. der friedhof/obstgarten befindet sich auf dem gesamtplan o.r. neben dem gemüsegarten.

die beschriftung des planes:

friedhof:

Inter ligna soli haec semper sanctissima crux est / in qua perpetuae · Poma salutis olent / Hanc circum iaceant defuncta cadauera fratrum / Qua radiante iterum ·Regna poli accipiant

Unter diesen Hölzern der Erde ist das heiligst immer das Kreuz, / an dem duften die Früchte des ewigen Heils. / Um es herum sollen liegen die Leiber der verstorbenen Brüder; / wenn es wieder erglänzt, mögen sie empfangen die Reiche des Himmels

obstgarten:

M[alus] uel perarius / prunarius / sorbarius / mispolarius / laurus / castenarius / ficus / guduniarius / persicus / auellenarius / amendelarius / murarius / nugariu

Apfelbaum und Birnbaum / Pflaume / Speierling / Mispel / Lorbeer / Kastanie / Feige / Quitte / Pfirsich / Haselnuss / Mandelbaum / Maulbeerbaum / Walnuss

übersetzung nach walter berschin und walter horn.

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[…] ’s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.“

[…]
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

theodor fontane, ‚herr von ribbeck auf ribbeck im havelland‘, in ‚gedichte‘, stuttgart/berlin, 1889.

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Come, my spade. There is no ancient gentleman but gardeners, ditchers, and grave-makers: they hold up Adam’s profession.

william shakespeare, hamlet

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