knicks, bunte & einartige / ‚pflanzenkunde von schleswig-holstein‘ von willi christiansen

Das urwüchsige Gebüsch steht unseren Knicks sehr nahe. Er ist eine Eigenart atlantischer Gebiete Nordwesteuropas; von den Pyrenäen bis Skagen findet er sich in ungefähr derselben Ausbildung.

Bei der Verkoppelung, sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts fast überall durchgeführt wurde, wählte man allgemein den Wall als Begrenzung der Äcker. Hiermit war ein geeigneter Platz für die Knickpflanzung gegeben, zumal bei der Verkoppelung zahlreiche Feldgehölze verschwanden. Die Knickpflanzung wurde allerdings nicht überall sofort durchgeführt, sondern gerade da, wo sie am nötigsten war, auf der schleswigschen Geest, unterblieb sie vielfach zunächst, und erst um 1900 wurde sie namentlich durch die Förderung des „Knickverbandes“ weitergeführt. Und wieder nach einer Lücke von fast einem halben Jahrhundert, als die Windschäden sich im Jahr 1947 auf Millionen beliefen, wurden diese Bemühungen wieder in großem Umfange aufgenommen. […] Vielfach kann man noch heute dem Knick ansehen, in welcher Bauzeit er angelegt worden ist: Der alte Knick ist bunt, und der junge ist in seiner Zusammensetzung eintönig.

Diese Verschiedenheit ist auf die Entstehung zurückzuführen. Als Ende des 18. Jahrhunderts [die knicks angelegt wurden] da mußte der Wald hergeben, was er hatte: Jungholz von Bäumen, Eichen, Buchen und andere Bäume, dazu Sträucher aller Art. Mit dem Wurzelwerk ist auch sofort eine große Menge Stauden in den Knick getragen worden. […]

In diesen „bunten Knicks“ herrscht der Haselstrauch mit 35 % vor. Daß die Linde im Knick reichlicher vertreten ist als im benachbarten Wald, deutet auf ihre Verdrängung im Walde seit 150 Jahren hin. Unter den Stauden des „bunten Knicks“ finden sich nicht nur die gemeinen Waldpflanzen, sondern auch seltene (Maiglöckchen, Aronstab, Quirlblütige Maiblume, Vierblättrige Einbeere u.a.). Soweit die Buche nach Westen geht, stehen besonders Waldrispengras und Perlgras im Knick.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden Baumschulen, aus denen man Pflanzen viel bequemer erhalten konnte, und zwar gleich Tausende von einer Art. Daraus entstand der einartige Knick. […] Aber auch der einartige Knick wird mit der Zeit bunt. Vögel siedeln beerentragende Sträucher an: Holunder, Brombeere, Himbeere, Schleh- und Weißdorn, Pfaffenhütlein, Faulbaum, ferner Rosen.

willi christiansen, ‚pflanzenkunde von schleswig-holstein‘, neumünster 1938 (2. auflage 1955)

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botanik auf dem friedhof

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querbeet im mai

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convallaria majalis: „in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood“

Lilium convalium. Es hat auch vnser libe fraw gesprochen in dem puch der libe: Ich pin ein plvm des tals vnd auch des grvnen waldes.

gabriel von lebenstein, ‚von den gebrannten wässern‘, ende des 14. jh.

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convallaria majalis l., die wilde form, soll sich unter sambucus nigra ‘black lace’ ausbreiten. keine blüten: zu schattig?, zu trocken??, …

The common Lily-of-the-valley [convallaria majalis] is a true native plant, […]. It is surely needless to recommend it to my readers as a garden ornament, but I may suggest that it might be „naturalized“ in many woods and shrubberies with the best effect – it is so interesting to meet with things like this in an apparently wild state. The handsome, graceful Solomon’s-seal (polygonatum multiflorum) and the Lily-of-the-valley should be planted to establish themselves in a wild or semi-wild state in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood; […]. It is not enough to meet with the Lily-of-the-valley in the garden, we should meet with it in the wilderness, by the woodlands walk, among the Primroses [primula vulgaris] and Bluebells [hyacinthoides non-scripta], and wherever native or hardy plants are cultivated.

william robinson, ‚the wild garden: or the naturalization and natural grouping of hardy exotic plants with a chapter on the garden of british wild flowers ‚, london, 1870.

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ausbreitung einer hybride durch rhizome: convallaria majalis ‚vierländer glockenspiel‘ oder ‚hitscherberger riesenperle‘??? das kommt von der nachlässigkeit beim ablegen der schilder…

alter botanischer garten göttingen (ein spaziergang im mai)

1732/1734 wird die georg-august-universität in göttingen vom namensgebenden georg august, kurfürst von braunschweig-lüneburg (hannover), aka george II of great britain, gegründet. 1736 erhält der schweizer (→ nicht-endemische botanik: schwyzer blüemli…) albrecht von haller eine professor für anatomie, chirurgie und botanik und gründet den ‚hortus medicus‘ dessen direktor er von 1736 bis 1753 war.

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haller mit blick auf citrus in kübeln und etwas laurus nobilis…

haller, der in leiden bei herman boerhaave promovierte, veröffentlichte 1753 eine aufzählung der im garten vorhandenen pflanzen, ‚enumeratio plantarum horti regii et agri gottingensis‘: von abies bis ziziphus.

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‚ichnographiae horti academici göttingensis‘ aus dem buch von georg franz hoffmann, direktor des gartens von 1791 bis 1802, ‚hortus gottingensis quem proponit simulque orationem inchoandae professioni sacram indicit‚, göttingen 1793. Weiterlesen

sonntags-shopping im nabu-naturgarten

sonntags-shopping / nabu-naturgarten hamburg

pflanzenmarkt im nabu-naturgarten, hamburg-winterhude. ein garten im kleingartenverein ‚birkenhain‘. zwischen dem bahndamm der s-bahn und einer strasse oder wie die nabu-stadtteilgruppe bramfeld/ohlsdorf/brambek es formuliert: „Platz für Tiere und Pflanzen – mitten in der Stadt“. natur in der stadt (& im kleingartenverein!) ist möglich…

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auspacken & sichten: dipsacus sylvestris syn. dipsacus fullonum / wilde karde, convallaria majalis / maiglöckchen & melica ciliata / wimper-perlgras. das „normale“ maiglöcken musste in anbetracht des monats sein: convallaria majalis ‚hitschberger riesenperle hat sich zwar ausgebreitet aber blüht nicht termingerecht. back to basics! + etwas papaver / mohn: eine samenmischung aus papaver rhoeas / klatschmohn, papaver argemone / sand-mohn und papaver dubium / saat-mohn. der samen kommt im herbst ins beet und der mohn soll sich ausbreiten…

convallaria majalis: pflanzensymbolik & pflanzennamen deut./engl. / ‚die traumdeutung‘ von sigmund freud

„I arrange the centre of a table with flowers for a birthday.“ (Ich richte die Mitte eines Tisches mit Blumen für einen Geburtstag her.) Auf Fragen gibt sie an, sie sei im Traume wie in ihrem Heim gewesen (das sie zur Zeit nicht besitzt) und habe ein Glücksgefühl empfunden.
Die „populäre“ Symbolik ermöglicht mir, den Traum für mich zu übersetzen. Er ist der Ausdruck ihrer bräutlichen Wünsche: der Tisch mit dem Blumenmittelstück ist symbolisch für sie selbst und das Genitale; sie stellt ihre Zukunftswünsche erfüllt dar, indem sie sich bereits mit dem Gedanken an die Geburt eines Kindes beschäftigt; die Hochzeit liegt also längst hinter ihr.
Ich mache sie darauf aufmerksam, daß „the centre of a table“ ein ungewöhnlicher Ausdruck sei, was sie zugibt, kann hier aber natürlich nicht direkt weiterfragen. Ich vermied es sorgfältig, ihr die Bedeutung der Symbole zu suggerieren, und fragte sie nur, was ihr zu den einzelnen Teilen des Traumes in den Sinn komme. Ihre Zurückhaltung wich im Verlaufe der Analyse einem deutlichen Interesse an der Deutung und einer Offenheit, die der Ernst des Gespräches ermöglichte. – Auf meine Frage, was für Blumen es gewesen seien, antwortete sie zunächst: „expensive flowers; one has to pay for them“ (teuere Blumen, für die man zahlen muß), dann, es seien „lilies of the valley, violets and pinks or carnations“gewesen (Maiglöckchen, wörtlich: Lilien vom Tale, Veilchen und Nelken). Ich nahm an, daß das Wort Lilie in diesem Traume in seiner populären Bedeutung als Keuschheitssymbol erscheine; sie bestätigte diese Annahme, indem ihr zu „Lilie“ „purity“ (Reinheit) einfiel. „Valley“, das Tal, ist ein häufiges weibliches Traumsymbol; so wird das zufällige Zusammentreffen der beiden Symbole in dem englischen Namen für Maiglöckchen zur Traumsymbolik, zur Betonung ihrer kostbaren Jungfräulichkeit – expensive flowers, one has to pay for them – verwendet und zum Ausdruck der Erwartung, daß der Mann ihren Wert zu würdigen wissen werde.

sigmund freud, ‚die traumdeutung‘, leipzig und wien, 4. vermehrte und revidierte auflage, 1914 (erstausgabe1900).

 

rosenlaube, f. eine von rosenbüschen gebildete laube / de kölsche mona lisa: ‚die muttergottes in der rosenlaube‘ von stefan lochner

Laube, als L. wird eine offene Säulenhalle oder ein Gang an einem Gebäud bezeichnet. Die L. im → Garten ist ein beranktes, schattenspendendes Gerüst, das als offener Gang gebildet sein kann (→ Laubenallee, → Pergola). […]

‘wörterbuch der europäischen gartenkunst’ von gabriele uerscheln und michaela kalusok, stuttgart, 2001