marcel broodthaers. eine retrospektive: section botanique (les palmiers)

fig. 1 obere reihe, l.: das ständehaus, der ehemalige landtag des landes nrw, erbaut als provinziallandtag der preussischen rheinprovinz von julius raschdorff (1880) mit der glaskuppel von kiessler+partner (1995-2001) am kaiserteich in der parkanlage von maximilian weyhe; r.: ‚l’entrée de l’exposition‘: hoewa forsteriana, vorsicht kellertreppe … untere reihe, l.: ‚jardin d’hiver‘, phoenix roebelenii unterhalb der wasserlinie … & r.: adler in düsseldorf, auf der kö.

die retrospektive von marcel broodthaers, organisiert vom museum of modern art, new york, und dem museo nacional centro de arte reina sofia, madrid, ist auf ihrer letzten station dem k21 / kunstsammlung nrw angekommen, in düsseldorf, wo broodthaers von 1970 bis 1972 lebte und arbeitete.

der belgische künster hatte, bevor er 1964 entschied statt schriftsteller künstler zu sein, kontakt zur groupe surréaliste révolutionaire und rené magritte. er publizierte gedichte. 1964 verarbeitete er einen stapel flugblätter mit dem gedicht ‚pense bête‘ zu einer skulptur. im selben jahr entstand ‚la clef de l’horloge – un poème cinématographique en l’honneur de kurt schwitters‘, der erste film. von der poesie rimbauds und mallarmés zu magritte und schwitters. wort und bild, moules et frites, adler und palmen. Weiterlesen

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lenné, schwiegermuttersessel statt papphocker & die elbe

kloster berg garten

vom klostergarten zum volksgarten: auf dem gelände des ehemaligen klosters st. johannes der täufer auf dem berge oberhalb der elbe, einer ca. 970 gegründeten benediktiner-abtei, ab 1565 protestantisches stift und 1813 auf befehl napoleons endgültig abgerissen, entstand unter leitung des magdeburger stadtbaumeisters friedrich wilhelm wolff ab 1825 der erste volksgarten (in preussen). den entwurf für die anlage lieferte peter joseph lenné. von den ursprünglich 30 hektar sind 10 erhalten. friedrich-wilhelm-garten (nach friedrich wilhelm III. von preussen), ab 1921 bzw. 1990 klosterbergegarten mit einer unterbrechung als pionierpark. das gesellschaftshaus im park, ab 1828 nach entwürfen von karl friedrich schinkel erbaut, diente als pionierhaus der pionierorganisation ernst thälmann.

grusonii

am klosterbergegarten befinden sich die 1896 eröffneten gruson gewächs- und palmenhäuser der stadt magdeburg. erbaut für die pflanzensammlung des magdeburger industriellen hermann gruson. ende des 19. jh. die grösste kakteensammlung der welt. nach grusons tod schenkten die erben die sammlung der stadt magdeburg. im kakteen- und sukkulentenhaus: echinocactus grusonii, der goldkugelkaktus. das epitheton „grusonii“ für den schwiegermutterstuhl oder -sessel stammt von heinrich hildmann in der erstbescheibung (‚deutsche garten-zeitung. wochenschrift für gärtner und gartenfreunde‘, 5. jhg., 1886): eine hommage an hermann gruson. echinocactus grusonii ist in seinem ursprünglichen habitat, den mexikanischen bundesstaaten hidalgo und querétaro, vom aussterben bedroht, „critically endangered (cr)“ laut der roten liste gefährdeter arten (iucn). in magdeburg ist der goldkugelkaktus in den gewächshäuser geschützt und wird als sitzplatz jedoch nicht sonderlich geschätzt: der papphocker des kirchentages erfreute sich die letzten tage grösserer beliebtheit … Weiterlesen

botanik im schlossgarten, münster

botanischer_garten_ms_800 Weiterlesen

wintergarten / ‘theorie der gartenkunst’ von christian cay lorenz hirschfeld

Wir, die wir in Ländern wohnen, wo diese Jahreszeit sich in ihrer Strenge zeigt, wir müssen suchen, uns gegen ihre Unbequemlichkeiten zu sichern, und zugleich von den ihr eigenen Annehmlichkeiten, womit sie zuweilen einige Tage oder Wochen erheitert, den vortheilhaftesten Gebrauch zu machen. Wir haben einen Beruf, selbst gegen den Eigensinn der Natur, uns Gärten des Winters zu schaffen.

Eben in den Ländern gegen Norden, wo die Strenge dieser Jahreszeit mehr als anderswo zu herrschen pflegt, wird sie zugleich durch Annehmlichkeiten vergütet, die Gegenden entbehren, wo ein zwar gelinder, aber trüber und ungesunder, Winter unter Regen und Nebel dahin schleicht. Die Natur, die erstarrt ist, verliert noch im Tode ihre Schönheit nicht; sie fängt an, sogar zu einem neuen Reiz sich wieder zu verjüngern. Welche neue unerwartete Schöpfung erscheint oft am Morgen in dem Schmuck des Reifes oder Schnees, und wie schimmert sie unter dem röthern Strahl des aufgehenden Lichtes! Die Fläche des Erdbodens kleidet sich in ein weißes blendendes Gewand; der Himmel verbreitet sich über sie in blauer Klarheit dahin, und hie und da unterbrechen zuweilen kleine umherschwebende Schneegewölke mit wechselnden Farben und Gestalten seine allgemeine Helle. Die Bäume scheinen die Blüthe des Frühlings nachzuahmen; an den Gebüschen glimmern und zittern die silbernen Fäden des Reifes; und in der Ferne hebt hie und da ein Wald sein glänzendes Haupt aus der großen weißen Masse empor. […]

Die Bestimmung eines Wintergartens ist eingeschränkt. Schutz vor der Witterung und Bequemlichkeit zum Genuß der frischen Luft und zum Spatziergang ist das Vornehmste, was man hier zu verlangen berechtigt ist. Das Auge sucht zwar auch Ergötzung sowohl durch den Anblick des Grüns, als auch durch Aussichten auf anmuthige Winterscenen, wie sie oben beschrieben wurden. Allein das Bedürfniß geht hier der Schönheit vor; die Regelmäßigkeit fordert ihre Stelle, wo sie Bequemlichkeit wird; und eine südliche Mauer, die dem Spatziergänger und den Gewächsen Wärme giebt, darf selbst den schönern Prospect verschließen.

Der Wintergarten sey nicht zu entfernt von dem Wohnhause, und beschirmt vor rauhen durchziehenden Winden, besonders vor dem Nordwind. Er verbreite sich gegen Mittag, der Sonne und ihrer Wärme offen. Sein Platz sey trocken und etwas erhöhet. Die Wege müssen kiesigt, fest, und überall, wo sie herumlaufen, vor dem Winde bschützt seyn. Verstattet die Lage und der Umfang der Gegend zugleich bequeme Reitwege, die jedoch von den Fußpfaden abgesondert seyn müssen, so gewinnt die Anlage einen Vorzug mehr.

[…]

Ein wohlgebautes Gewächshaus, das die ausländischen Pflanzen, die oft in dieser Jahreszeit blühen und duften, verpflegt, scheint besonders für einen Wintergarten zu gehören. Es kann mitten in der Pflanzung selbst ein sehr interessanter Gegenstand für das Auge werden, und, in gewissen Stunden eröffnet, eine wollüſtig täuschende Empfindung von der Gegenwart der schönen Monate erregen. Mit ihm läßt sich ein Vogelhaus zum höhern Reiz der Anlage vortheilhaft verbinden. Auch die oben bedeckten und inwendig mit Gemälden und Statüen gezierten Säulengänge der Alten, die im Winter nur gegen Süden offen waren, um die Mittagssonne hereinzulassen, verdienen wegen des bequemen Spatzierganges in Gärten dieser Jahreszeit eine Nachahmung.

Uebrigens kann der Wintergarten eine solche Lage und Anordnung haben, daß er selbst noch in den blühenden Monaten angenehm und ein schicklicher Theil von dem Ganzen der für die andern Jahreszeiten gemachten Anlagen bleibt.

christian cay lorenz hirschfeld, ‘theorie der gartenkunst’, bd. 4, leipzig, 1782.

„Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter:[…]“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Die Vervielfältigung der Mittel, welche der Malerei zu Gebote steht, um die Phantasie anzuregen und die großartigsten Erscheinungen von Meer und Land gleichsam auf einen kleinen Raum zu concentriren, ist unseren Pflanzungen und Gartenanlagen versagt; aber wo in diesen der Totaleindruck des Landschaftlichen geringer ist, entschädigen sie im einzelnen durch die Herrschaft, welche überall die Wirklichkeit über die Sinne ausübt. Wenn man in dem Palmenhause von [george] Loddiges oder in dem der Pfaueninsel [von karl friedrich schinkel] bei Potsdam (einem Denkmal von dem einfachen Naturgefühl unseres edlen, hingeschiedenen Monarchen [friedrich wilhelm III. von preussen]) von dem hohen Altane bei heller Mittagssonne auf die Fülle schilf- und baumartiger Palmen herabblickt, so ist man auf Augenblicke über die Oertlichkeit, in der man sich befindet, vollkommen getäuscht. Man glaubt unter dem Tropen-Klima selbst, von dem Gipfel eines Hügels herab, ein kleines Palmengebüsch zu sehen. Man entbehrt freilich den Anblick der tiefen Himmelsbläue, den Eindruck einer größeren Intensität des Lichtes; dennoch ist die Einbildungskraft hier noch thätiger, die Illusion größer als bei dem vollkommensten Gemälde. Man knüpft an jede Pflanzenform die Wunder einer fernen Welt; man vernimmt das Rauschen der fächerartigen Blätter, man sieht ihre wechselnd schwindende Erleuchtung, wenn, von kleinen Luftströmen sanft bewegt, die Palmengipfel wogend einander berühren. So groß ist der Reiz, den die Wirklichkeit gewähren kann, wenn auch die Erinnerung an die künstliche Treibhaus-Pflege wiederum störend einwirkt. Vollkommenes Gedeihen und Freiheit sind unzertrennliche Ideen auch in der Natur; und für den eifrigen, vielgereisten Botaniker haben die getrockneten Pflanzen eines Herbariums, wenn sie auf den Cordilleren von Südamerika oder in den Ebenen Indiens gesammelt wurden, oft mehr Werth als der Anblick derselben Pflanzenart, wenn sie einem europäischen Gewächshause entnommen ist. Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter: sie stört in der gefesselten Organisation die freie Entwickelung der Theile.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

denkmalpflege, rekonstruktion, lesungen,… grüne wüste im garten des rüschhauses

rüschhaus_taxus_buxus_hecken_500   hecken: taxus / eibe & buxus / buchsbaum + rasen.

was passiert, wenn denkmalpflege und gärten kollidieren? der klassische denkmalschutz ist es gewohnt mit statischer architektur umzugehen. ein bestimmter zustand eines gebäudes wird dogmatisch festgeschrieben. dass für ein barockes gebäude ältere architektur verändert oder gar komplett abgerissen wurde, wird gerne verdrängt. dass architektur nur funktioniert, wenn sie belebt ist, spielt keine rolle. was passiert, wenn es um gärten geht? ein garten ist niemals statisch. er verändert sich im laufe des jahres. pflanzen wuchern oder sterben ab, bäume brauchen jahre um die planmässigen grössen zu erreichen, etc.

die barocke struktur im garten – bzw. der gärten: der lustgarten am haus & der nutzgarten – des rüschhauses wurde in den 1980iger jahren nach dem plan von johann conrad schlaun vom gartenamt der stadt münster restauriert. dunkler taxus / eibe für die äussere hecke entlang der gräfte. hellerer buxus / buchsbaum für die beeteinfassungen.

rüschhaus_plan_büste_500   ‘plan vom ganzen platz und vorplatz des rüschhauses nebst denen beyden gartens’ von johann conrad schlaun, 1745 & ein abguss der büste aus dem garten von burg hülshoff von anton rüller und heinrich fleige, 1896.

die schlaun‘ sche anlage wurde bereits von den nächsten bewohnern des rüschhauses dem zeitgeschmack angepasst. zur zeit von annette von droste-hülshoff wurde aus dem einst barocken lustgarten ein biedermeierlicher nutz- und ziergarten.

schon annette von droste-hülshoff war selbst von veränderungen betroffen → “…ich habe mich an diese Blumen, von Kindheit an, so gewöhnt,…” . die barocke anlage der wege blieb erhälten, es wurden obstbäume gepflanzt & mitten in einem ehemaligen parterre wurde ein gewächshaus für jenny von droste-hülshoff bebaut → das gartenhaus / “Und mein Indien liegt in Rüschhaus!”.

der garten und die münsterländer parklandschaft mit ihrer vegetation waren eine starke inspiration für die droste:

„Ganz besondere Aufmerksamkeit hat unsere Dichterin dem Pflanzenreiche zugewendet, dessen Wesen im kleinsten wie im großen, im einzelnen wie im Wechselwirken sie so innig geliebt und so herrlich ausgemalt hat, daß man nicht weiß, ob man sich mehr wundern soll über das Verständnis dieses Lebenskreises, oder über die Innigkeit und Lieblichkeit, mit welcher Annette sein Wesen und Wirken zu schildern weiß.”

prof. dr. hermann landois, ‘annette freiin von droste-hülshoff als naturforscherin’, paderborn, 1890.

von der aufmerksamkeit für das pflanzenreich ist hier im garten nichts zu spüren.

Where Have All the Flowers Gone?

die rekonstruktion der hecken war/ist wichtig. das rüschhaus ist eine der schönsten barocken anlagen (nicht nur in westfalen!). schlauns umgang mit der architektur & dem garten ist einzigartig. als beispiel von schlauns verschmelzung von architektur & landschaft sollte man auf jeden fall ins emsland fahren: jagdschloss clemenswerth.

was passiert jedoch innerhalb der beete/des paterres? grüne wüste! kurz gemähter rasen mit etwas anarchischem gelb: taraxacum  / löwenzahn. hinter der eiben hecke, auf der böschung zur gräfte, noch etwas cardamine pratensis / wiesen-schaumkraut. ansonsten rasen… bis auf das mittlere paterre: hier besteht die beeteinfassung aus einer doppelten buchsbaumhecke. der zwischenraum ist wohl zu schmal für den rasenmäher: hier dürfen einige tulpen blühen. auf älteren fotos sieht man noch fritillaria imperialis / kaiserkronen zwischen tulpen. neben dem gewächshaus ein zerrupfter syringa / flieder & im gemüsegarten einige obstbäume. die jahreszeiten im garten sind ansonsten aus stein → die elemente & jahreszeiten im garten des rüschhauses.

der gesamteindruck ist museal asep­tisch: vorstadtvorgarten trifft auf barocke hecken.

rüschhaus_buxus_löwenzahn_500   löwenzahn durchbricht die ordnung.

das rüschhaus wurde 2013 von der stadt münster in die neugegründete annette von droste zu hülshoff-stiftung (beteiligt sind u.a. die nordrhein-westfalen-stiftung und der lwl –  landschaftsverband westfalen-lippe) eingebracht. „bespielt“ wird das haus hauptsächlich von der annette von droste-gesellschaft e.v.: lesungen & konzerte.

ein garten muss leben: warum nicht beete z.b. mit wildblumenwiesen (müsste man nur ein- bis zweimal im jahr mähen!) füllen, mit pflanzen, die die droste in ihrem werk beschreibt. eine droste-botanik. nach einer lesung könnte man vom gartensalon in den garten treten & die pflanzen, die einem gerade vorgelesen wurden betrachten. anders gesagt: nicht nur mit spitzen fingern elegisch die seiten von lyrikbändchen umblättern. ab in den garten und die hände schmutzig machen…

abgesehen von dem rauschen der nahen autobahn, könnte man mit der droste wieder sagen:

[…] es ist jetzt so schön hier, – der ganze Garten umbuscht von Syringen, drey – vier Nachtigalen zugleich – womit soll ich Euch denn noch den Mund wässrig machen, damit Ihr kommt? – […]

annette von droste-hülshoff an christoph bernhard schlüter, mai, 1835.

 rüschhaus_serra_500   ‘dialog with johann conrad schlaun’ von richard serra, 1996, in der allee vor haus rüschhaus.

 

das gartenhaus / „Und mein Indien liegt in Rüschhaus!“ von annette von droste-hülshoff

rüschhaus_gewächshaus_500   blick durch das gewächshaus auf das rüschhaus.

Pisang mit den breiten Blättern,
Chinarose, blutig-rot,
Winden, die um Palmen klettern,
Kaktus, der mit Pfeilen droht.
Könnt ihr euch um mich vereinen,
Dann bin ich in Indiens Hainen,
Hat ein Zauber mich gebannt
In des Morgens Fabelland?
Doch nicht lang soll Täuschung währen,
Regen läßt auf Glas sich hören,
Scharfer Wind fällt schneidend ein –
Ein Gewächshaus war mein Hain,
Und mein Indien liegt in Rüschhaus!

annette von droste-hülshoff nach franz grillparzer.

eine doppele aneignung: das gedicht ‚entzauberung‘ stammt von franz grillparzer. geschrieben im oktober 1824 in jamnitz, dem heutigen jemnice. grillparzers indien lag in mähren. im nachlass von annette von droste-hülshoff fand man das gedicht mit einer änderung: aus mähren wurde rüschhaus. das gewächshaus war der hain ihrer älteren schwester jenny. gebaut wurde es 1826. jenny heirate später joseph von laßberg und zog mit ihm auf das schloss meersburg an den bodensee. annette erwarb das fürstenhäusle in meersburg, ein weiteres gartenhaus…

rüschhaus_gewächshaus_aussen_500  das gewächshaus mit alten weinstöcken, umfasst von  barocken buchsbaumhecken.

botanischer garten berlin

botanischer garten berlin
plan des ‚königl. botanischen garten in dahlem bei berlin‘, 1909. heute ‚botanischer garten und botanisches museum berlin-dahlem, freie universität berlin‚.

ein schneller rundgang:

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dicksonia antarctica. baumfarne im mittelmeerhaus (subtropenhaus) des botanischen gartens.

Viele Gestirne und viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten (Palmen, hochstämmige Farren und Pisanggewächse, baumartige Gräser und feingefiederte Mimosen), bleiben ihnen [den bewohnern der nördlichen regionen] ewig unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere Treibhäuser einschließen, gewähren nur ein schwaches Bild von der Majestät der Tropenvegetation. Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden Kunst der Maler ist eine reiche Quelle des Ersatzes geöffnet. Aus ihr schöpft unsere Einbildungskraft die lebendigen Bilder einer exotischen Natur. Im kalten Norden, in der öden Heide kann der einsame Mensch sich aneignen, was in den fernsten Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem Innern eine Welt sich schaffen, welche das Werk seines Geistes, frei und unvergänglich wie dieser, ist.

alexander von humboldt, ‚ansichten der natur‘, 1808

bln_bot_gart_rundgang_500

oben v.l.n.r.: hamamelis virginiana / virginische zaubernuss; linum usitatissimum / saat-lein oder flachs; malus domestica / apfelbaum (leider noch nicht reif und ohne sortenbezeichnung…); unten v.l.n.r: taxodium distichum / atemwurzeln, pneumatophore, der echten sumpfzypresse; cynara cardunculus / artischoke; kaffee-pause.