„Underneath the mistletoe …“: viscum album / weißbeerige mistel

§. 14. Bey denen Eichen ist nicht vorbey zugehen der Mistel oder Mispel / als welches ein seltsam Gewächse / da Holz wieder auf Holz wächset.

Fronde virere nova, quod non sua seminat Arbor, [vergil, aeneis, VI, 206]

[…] Dieses Mispels Zweige sind alle in form eines Creutzes / haben Blätter / gleich dem Buchs=Baum / länglicht als wie Zungen gestaltet / so aber im Winter abfallen / sie tragen auch Beere / so dem Menschen schädlich / aus welchem ein Leim bereitet wird / wenn sie aber mit Rauten gesotten und eingenommen werden / treiben sie den Schweiß / und sollen denen so mit der fallenden Seuche beladen / dienlich seyn / wie [joachim] Camerarius [d. j., kreutterbuch] schreibet. Mit diesen Mistel wird vielerley Aberglauben getrieben / und solcher den Kindern / wider den schwehren Gebrechen und Beherung an den Halß gehenget / wie DODONAUS [rembert dodoens, cruydeboeck] schreibet / siehe hiervon weiter [johannes heinrich] URSIN[us] Arbor[etum] Bibl[icum: cum continuatione historiae plantarum biblicae] Sect. 2 cap. 15 p. 236 sqq.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]‘, leipzig, 1713.

typisch für europa ist die viscum album / weißbeerige mistel oder laubholz-mistel. ein immergrüner strauch und halbschmarotzer der seiner wirtspflanze wasser und mineralien entzieht. neben der viscum album subsp. album / laubholz-mistel sind unterarten zu finden: viscum album subsp. abietis / tannen-mistel auf abies alba / weisstannen und viscum album subsp. austriacum / kiefern- oder föhren-mistel auf pinus sylvestris / waldkiefern und pinus nigra / schwarzkiefern. dazu die im herbst laubabwerfende loranthus europaeus / eichenmistel mit gelben beeren die vor allem auf quercus / eichen und teilweise auf castanea sativa / edelkastanien wächst. viscum album ist auf eichen eher selten, deshalb wahrscheinlich um so heiliger. Weiterlesen

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lilium candidum

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pflanzensymbolik

Die Lilie, (Lilium candidum) war der Juno geweiht, sie ist das Symbol der Reinigkeit, Unschuld, Sittsamkeit und der Hoffnung. In dem so geschätzten mythologischen Werke: les Siècles Pajens [, ou dictionnaire mythologique, héroique, politique, littéraire et géographique de l´antiquité‘ ,1784] par M. l’abbé [antoine] S [abatier]de Castres im 4. Bdr. S. 266 werden die Pflanzen, die der Juno geheiligt waren, angeführet, und da heißt es wörtlich: „Parmi les plantes le Dictame le Pavot et le Lis sur tout etoient agréables à cette Déesse, on appelloit le Lis la Rose de Junon, (Rosa junonia). Le Gyrald Hist. Deor. Syntagm. 2., “ Auch in der christlichen Relegion stehet diese schöne Blume in großen Ansehen, welches die Frau von Genlis in ihrer Botanik der Geschichte und Literatur, sehr belehrend entwickelt hat.

friedrich ludwig von sckell, ‚beiträge zur bildenden gartenkunst für angehende gartenkünstler und gartenliebhaber‘, münchen, 1825, zweite vermehrte und verbesserte auflage (erstausgabe: 1818).

Die Lilie ist, wie die Fabel sagt, aus der Milch der Juno entstanden. […] Diese Blumen sind die Symbole der Reinigkeit und Sittsamkeit, und diese sind in der That die wahren Eigenschaften und Attribute der Schönheit. (Mit einer Lilie, als dem Sinnbilde der Jungfräulichen Reinigkeit, wird öfters die Mutter des Herrn abgebildet. Dem heiligen Joseph giebt man diese Blume gleichfalls in die Hand.) […] (bey den Muslemin ist die Lilie ebenfalls ein Symbol der Reinigkeit, und wird in dieser Beziehung von Ihnen dem ägyptischen Joseph beygelegt. Bey Orientalen ist die Lilie zugleich Blume der Freiheit, indem sie mit ihrem Stengel gerade und hoch gen Himmel aufwächst.)

(Die Lilie war bey den Alten gleichfalls ein Symbol der Hoffnung, und derum auch das Bild eines Thronfolgers, wegen der auf ihm ruhenden Hoffnungen und Erwartungen des Volkes, in welcher Beziehung ihre Bildliche Bedeutsamkeit durch ihren scepterähnlichen, mit Blumen gekrönten Stengel um so sinnvoller und sprechender war. […]; und so läßt Virgil in seiner Aeneis [6. buch, 883-884] den Anchises in Ansehnung des Marcellus, des muthmaßlichen, in der Blüthe der Jugend gestorbenen Nachfolgers und Thronerbens des Augustus ausrufen: Bringt Lilien mit vollen Händen.)

(Im hohen Liede Salomons dient die Lilie, die häufig in Palästina wächst, zu mehreren Vergleichen.)

(Der Leuchter in Heiligthume des Herrn war nach der Vorschrift des Moses [1. buch moses, 25, 31-40] am Hauptrohre und an seinen Armen mit goldenen Lilien verziert. Der tyrische Baumeister Hiram [abif], der den Tempel Salomons baute, gab den Spitzen, oder den Knöpfen der Beyden Säulen, die im Vorhofe am Eingange des Tempels errichtet wurden, die Form von Lilien [1. buch der könige, 7, 13-22]).

stéphanie félicité du crest de saint-aubin, comtesse de genlis, ‚die botanik der geschichte und literatur oder die pflanzen in in ihren mythologischen, religiösen, bürgerlichen, sinnbildlichen, abergläubischen, sprüchwörtlichen, ästhetischen, und geschichtlichen beziehungen‘ überseßt und vermehrt von dr. k. j. stang, bd. 2, bamberg /würzburg, 1813 (franz. ‚la botanique historique et littéraire‘, paris, 1810

kunstgeschichte: madonnen-lilie

eine kleine lilie ist bei der kölschen mona lisa im wallraf-richartz-museum, der ‚madonna im rosenhag‘ von stephan lochner um 1450, im hintergrund zu sehen rosenlaube. hier stehlen ihr andere marienpflanzen die show. bei der berliner madonna in der gemäldegalerie, ‚maria mit dem kind und singenden engeln / tondo raczynski‘ von sandro botticelli um 1477, treten die lilien, zwar ebenfalls im hintergrund, verstärkt auf.

in der vordergrund bringt sie der erzengel gabriel, dessen attribut die weisse lilie ist, bei der verkündigung der geburt jesu. um hier nur zwei bilder zu erwähnen die sich heute beide in der galleria degli uffizi in florenz befinden: die ‚annunciazione di cestello‚ von botticelli, circa 1489-1490, und die ‚annunciazione‚ von leonardo da vinci (und andrea del verrocchio), circa 1472–1475.

natur(schutz) vs garten & religion

die pflanze überlebt in museen und als zierpflanze in kloster- und bauerngärten. in der region in der sie ihre symbolische jüdisch-christliche bedeutung erhielt, in palästina, droht sie zu verschwinden:

Threat of Extinction through Overuse

An example of this fate is provided by genuinely wild forms of the White or Madonna Lily, Lilium candidum L. The ornamental status of this lily is of great antiquity. Together with the Lotus flower, Nelumbo alba L.; Lilium candidum is regarded as the earliest species to be taken into cultivation for its decorative qualities. According to [otto] Warburg [‚heimat und geschichte der lilie (lilium candidum)‘, feddes repertorium , beiheft 56] (1929), the White Lily may already have been cultivated in Asia Minor in the middle of the second millenium BC. Moreover, it is depicted on artefacts from the Aegean Bronze Age, e.g. on a vase excavated on the Cycladian island of Santorini (Thera) and dating to before 1.5000 BC […]. From the excavation at Thera it can be inferred that lilies growing wild were actually used as cutflowers at the time. […] In subsequent eras L. candidum became widley distributed in the Neat East and Mediterranean as an ornamental and medicinal plant and reached central Europe during the Early Middle Ages.

Lilium candidum, […], has no near relatives among southwest Asian or Mediterranean lilies. Species resembling it most closely morphologically, […] are native to the Far East. According to Warburg (op. cit.) the area of origin of the White Lily my have extented over formerly forest-covered partes of Asia Minor, Thessaly, the eastern Mediterranean and southern part of the Balkan Peninsula. […]

The shrinkage of the postulated wild distribution must be basically due to the disappearance of forests from the area since the last pluvial era. […]

The area of northern Israel and the Lebanon was densely populated in Biblical and especially Roman times. The ancient use of flowers for ornamental forestalled seed production, while utilization of bulbs for preparation of wound ointments interfered with vegetative reproduction. In Christian times the flower was adopted as a symbol of chastity by the Church. Until recent times (see Fonck in Warburg, 1929), residual wild colonies were further reduced by the use of flowers for altars and transplantation to monastery gardens.

aharon horovitz and avinoam danin, ‚relatives of ornamental plants in the flora of israel‘ in ‚israel journal of botany‘. vol. 32, 1983.

[…] Schawet die Lilien auff dem felde / wie sie wachsen / Sie erbeiten nicht / auch spinnen sie nicht. Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins.

matthäus 6, 28 – 29, übersetzung von martin luther, 1545.

cercis: ein judasbaum vor ostern…

cercis_judas_500   cercis sinensis ‚avondale‘ / chinesischer judasbaum kurz vor der blüte.

die wuchshöhe des chinesischen cercis reicht nicht zum erhängen: der legende nach soll sich judas ischariot, nachdem er jesus im garten gethsemane an  die römer verraten hat, an einem cercis erhängt haben. im mittelmeerraum wächst cercis siliquastrum, der grösser wird als sinensis. die blüten des baumes sollen sich aus scham rot gefärbt haben…

Always look on the bright side of life…

frohe ostern, happy easter, prettige pasen, joyeuses pâques, glædige påske ! (fünfsprachig muss reichen, das sieht sonst noch nach pfingsten aus.)

boswellia sacra / weihrauch und commiphora myrrha / myrrhe oder 20*C+M+B+14

Gegen Südwesten, am erythräischen [roten] Meere, liegt das schöne Land der Joctaniden, Yemen: fruchtbar und ackerbauend, der alte Cultursitz von Saba. Es erzeugt Weihrauch ( lebonah der Hebräer, vielleicht Boswellia thurifera Colebr.) 760, Myrrhe (eine Amyris-Art, von Ehrenberg zuerst genau beschrieben) […]: Gegenstände eines wichtigen Handels der Nachbarvölker; verführt zu den Aegyptern, Persern und Indern wie zu den Griechen und Römern. Auf diese Erzeugnisse gründet sich die geographische Benennung des „glücklichen Arabiens“, welche wir zuerst bei Diodor und Strabo finden.

760) Der Baum, welcher den arabischen, seit der urältesten Zeit berühmten Weihrauch von Hadhramaut giebt (auf der Insel Socotora fehlt derselbe ganz), ist noch von keinem Botaniker, selbst nicht von dem mühsam forschenden [christian gottfried] Ehrenberg, aufgefunden und bestimmt worden. In Ostindien findet sich ein ähnliches Product, vorzüglich in Bundelkhund, mit welchem von Bombay aus ein beträchtlicher Handel nach China getrieben wird. Dieser indische Weihrauch wird nach [henry thomas] Colebrooke ( Asiatic Researches Vol. IX p. 377) von einer durch] [william] Roxburgh bekannt gewordenen Pflanze: Boswellia thurifera oder serrata, aus der Familie der Burseraceen von Kunth, gewonnen. Da wegen der ältesten Handelsverbindungen zwischen den Küsten von Süd-Arabien und des westlichen Indiens ( Gildemeister, Scriptorum Arabum loci de rebus Indicis p. 35) man in Zweifel ziehen konnte, ob der λίβανος des Theophrastus (das thus der Römer) ursprünglich der arabischen Halbinsel zugehört habe: so ist Lassen’s Bemerkung sehr wichtig ( Indische Alterthumskunde Bd. I. S. 286), daß der Weihrauch im Amara-Koscha selbst » yâwana, javanisch, d. h. arabisch, genannt«: demnach als ein aus Arabien nach Indien gebrachtes Erzeugniß aufgeführt wird. » Turuschka‘ pi ndaka‘ sihlô (drei Benennungen des Weihrauchs) yâwanô«: heißt es im Amara-Koscha ( Amarakocha publ. par A. Loiseleur Deslongchamps P. I. 1839 p. 156). Auch Dioscorides unterscheidet den arabischen von dem indischen Weihrauch. Carl Ritter in seiner vortrefflichen Monographie der Weihrauch-Arten ( Asien Bd. VIII. Abth. 1. S. 356–372) bemerkt sehr richtig, dieselbe Pflanzenart ( Boswellia thurifera) könne wegen der Aehnlichkeit des Klima’s wohl ihre Verbreitungssphäre von Indien durch das südliche Persien nach Arabien ausdehnen. Der amerikanische Weihrauch ( Olibanum americanum unserer Pharmacopöen) kommt von Icica gujanensis Aubl. und Icica tacamahaca: die wir, [aimé jacques alexandre] Bonpland und ich, häufig in den großen Gras-Ebenen (Llanos) von Calabozo in Südamerika gefunden haben. Icica ist wie Boswellia aus der Familie der Burseraceen. Die Rothtanne ( Pinus abies Linn.) erzeugt den gemeinen Weihrauch unserer Kirchen. – Die Pflanze, welche die Myrrhe trägt und welche Bruce glaubte gesehen zu haben ( Ainslie, Materia medica of Hindoostan , Madras 1813, p. 29), ist bei el-Gisan in Arabien von Ehrenberg entdeckt und nach den von ihm gesammelten Exemplaren durch [christian gottfried daniel] Nees von Esenbeck unter dem Namen Balsamodendron myrrha beschrieben worden. Man hielt lange fälschlich Balsamodendron Koraf Kunth., eine Amyris von [peter] Forskål, für den Baum der ächten Myrrhe

alexander von humboldt, ‚kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, zweiter bd. kap. 1, stuttgart und augsburg, 1845 bis 1862.

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boswellia sacra / weihrauch:

[…]sein Geruch steigt ohne Feuer empor, weil er die Augen erhellt und das Gehirn reinigt […]

commiphora myrrha / myrrhe:

Und wenn große Fieber den Menschen anfallen, und wenn ihm dann Myrrhe in warmem Wein zu trinken gegeben wird, dann weicht das Fieber von ihm.

hildegard von bingen, ‚physica‘ oder ‚liber simplicis medicinae‘, bd. 1 ‚de plantis‘, kap. 1-175 + 1-176, um 1150.

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DA Jhesus geborn war zu Bethlehem / im Jüdischenlande zur zeit des königes Herodis / Sihe / da kamen die Weisen Die S. Mattheus Magos nennet / sind Naturkündige vnd Priester gewesen. vom Morgenland gen Jerusalem / vnd sprachen / Wo ist der newgeborne König der Jüden? Wir haben seinen Sternen gesehen im Morgenland / vnd sind komen jn an zu beten. […] Vnd sihe / der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten / gieng fur jnen hin / Bis das er kam / vnd stund oben vber / da das Kindlin war. Da sie den Stern sahen / wurden sie hoch erfrewet / Vnd giengen in das Haus / vnd funden das Kindlin mit Maria seiner mutter / vnd fielen nider / vnd betten es an / Vnd theten jre Schetze auff / vnd schenckten jm Gold / Weyrauch vnd Myrrhen.

matthäus 2, 1-2 + 9-11. übersetzung von martin luther, 1545.

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pilgerzeichen_wacholder_500   die heiligen drei könige bringen geschenke: gotisches pilgerzeichen aus köln, 2.hälfte 15.Jh., bleiguss. nachbildung aus dem kolumba.

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eine nachbemerkung zum dreikönigsschrein in kölner dom (baustelle von 1248 bis 1883) & ein schlenker nach westfalen:

Er ward nicht vollendet — und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmahl von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ihr armen Schelme vom Domverein,
Ihr wollt mit schwachen Händen
Fortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!

[…]

Ja, kommen wird die Zeit sogar
Wo man, statt ihn zu vollenden,
Die inneren Räume zu einem Stall
Für Pferde wird verwenden.

„Und wird der Dom ein Pferdestall,
Was sollen wir dann beginnen
Mit den heil’gen drey Kön’gen, die da ruhn
Im Tabernakel da drinnen?“

So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
In unserer Zeit zu geniren?
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie können wo anders logiren.

Folgt meinem Rath und steckt sie hinein
In jene drey Körbe von Eisen,
Die hoch zu Münster hängen am Thurm,
Der Sankt Lamberti geheißen.

heinrich heine, ‚deutschland. ein wintermährchen‘, hamburg, 1844.

  • ein souvenir aus mailand: die reliquien im dreikönigenschrein im kölner dom.
  • die käfige der wiedertäufer am turm von st. lamberti in münster: ‚drei irrlichter‘ von lothar baumgarten, skulptur projekte münster 1987.

I knew a parson who frightened his congregation terribly by telling them that the second coming was very imminent indeed, but they were much consoled when they found that he was planting trees in his garden. The early Christians did really believe it, and they did abstain from such things as planting trees in their gardens, because they did accept from Christ the belief that the second coming was imminent. In that respect, clearly He was not so wise as some other people have been, and He was certainly not superlatively wise.

bertrand russell, ‚why i am not a christian‘, lecture on march 6, 1927 to the national secular society at battersea town hall , london. published in pamphlet form in that same year. reprinted in ‚why i am not a christian: and other essays on religion and related subjects‘, london, 1957.

„Heer Jesus heeft een hofken …“ / frohe weihnachten, prettig kerstfeest, merry christmas, joyeux noël, glædelig jul, …

Heer Jesus heeft een hofken waar schoon bloemen staan
Daer in zoo wil ik plucken gaen, ‚t is wel gedaan,
Men hoort daer niet dan Engeles sanc en herpe gespel
Trompetten en Klaretten en die veêlkens also wel,
Trompetten en Klaretten en die veêlkens also wel.

De Lelikens die ick daer zag sijn suyverheydt
De soete Violetten sijn ootmoedigheyt.
Men hoort er niet […]

De schoone purper‘ Roose was de lijtszaemheydt
De schoone vergulde Goude blom, ghehoorsaemheydt.
Men hoort er niet […]

Noch wasser een die boven al spandden de kroon,
Coron’Imperiale, ‚t was die liefde schoon.
Men hoort er niet […]

Maer d’allerschoonste, beste blom, al in dat Hof,
Dat was de Heere Jesus soet, dus sy hem lof.
Men hoort er niet […]

Och Jesus al mijn goet, en al mijn saligheydt
Maeckt van mijn hert u hoveken, het is bereydt.
Men hoort er niet […]

text und melodie aus flandern/niederlande ca. 1600. zuerst in ‚het hofken der geestelycker liedekens‘, loven 1577. ‚catholijck sanckcboeck‘, später erschienen als ‚geestelijcke harmonie‘, embrick, 1620. diese version: franciscus van soest, ‚gheestelijcke harmonie, van veel-der-leye en uyt-gelesen, soo oude als nieuwe, catholijcke kerckelijcke lof-sanghen, leysenen, ende liedekens op die principaelste feesten ende getijden des jaers, die men in’t vorstendom cleven by den catechismus singht.‘, antwerpen, 1722.

King Jesus hath a garden, full of divers flowers,
Where I go culling posies gay, all times and hours.
There naught is heard but Paradise bird,
Harp, dulcimer, lute,
With cymbal, trump and tymbal,
And the tender, soothing flute.

The Lily, white in blossom there, is Chastity:
The Violet, with sweet perfume, Humanity.
There naught is heard […]

The bonny Damask-rose is known as Patience:
The blithe and thrifty Marygold, Obedience.
There naught is heard […]

The Crown Imperial bloometh too in yonder place,
‚Tis Charity, of stock divine, the flower of grace.
There naught is heard […]

Yet, ‚mid the brave, the bravest prize of all may claim
The Star of Bethlem – Jesus-bless’d be his Name.
There naught is heard […]

Ah! Jesu Lord, my heal and weal, my bliss complete,
Make thou my heart thy garden-plot, fair, trim and neat.
There naught is heard […]

übersetzung in/von george radcliffe woodward, ’songs of syon‘, london, 1908.

„Maria durch ´nen Dornwald ging“

Maria durch ´nen Dornwald ging.
Kyrieleison.
Maria durch ´nen Dornwald ging,
Der hat sieben Jahre kein Laub getragen!
Jesus und Maria!

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrieleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
Das trug Maria unter ihrem Herzen!
Jesus und Maria!

Da hab’n die Dornen Rosen getragen,
Kyrieleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen!
Da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria!

[…]

ursprünglich ein wallfahrtslied aus dem eichsfeld. erstmals siebenstrophig abgedruckt in august franz von haxthausen u. dietrich bocholtz-assenburg, ‚geistliche volkslieder mit ihren ursprünglichen weisen gesammelt aus mündlicher tradition und seltenen alten gesangbüchern‘, paderborn, 1850.

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„at christmas I no more desire a rose“ liess shakespeare berowne in ‚love’s labours lost‘ sagen. wer doch noch blühende rosen zu weihnachten haben will: die „bubble gum coloured“ rosa bonica: intoGardens auf youtube

 

weihnachts-, christ- oder tannenbaum / abies nordmanniana & der weihnachtsbaum als kulturexport

Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letzten Mal kommen ließ.

liselotte von der pfalz in einem brief an ihre tochter, 11. dezember 1708. liselotte von der pfalz, die spätere duchesse d’orléans, lebte als kind vier jahre in hannover bei ihrer tante sophie von der pfalz, kurfürstin von hannover & mutter von george I. von grossbritannien…

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WEIHNACHTSBAUM, m. zuerst in Straszburg um 1642: disz (Christus) ist, meine liebsten, der weynacht baum Dannhawer cat.-milch 5, 649, in geschlossener belegreihe erst seit ende des 18. jahrh., damals auch zuerst mit -s-: an zwei enden eines langen tisches brannten zwei kleine weihnachtsbäume Caroline an Humboldt, briefe 5, 163 (Berlin 1815), […]das seitdem nur vereinzelt einmal fehlt: ein weinachtbaum zwar brannte nicht auf dem tisch Storm 3, 7. der plur. tritt zurück: mir sind die leeren weihnachtsbäume zu theil geworden B. v. Arnim Günderode 2 (1840) 243; desgl. Heine 1, 426 Elster; G. Freytag 4, 314. in der umgangssprache ist das wort wesentlich auf Norddeutschland beschränkt, die grenze gegen christ- und tannenbaum (th. 11, 111) zieht Kretschmer wortgeogr. 556 f. in obd. mundart gilt vielfach maie(n) (th. 6, 1473), doch winachtsbaum Martin-Lienhart els. 2, 45, das als neue einführung überallhin gelangen kann: wīnach(t)sbōam Siebs helgol. 303, daneben jȫlbōm B. P. Möller Sylter wb. (1916) 132. […] die allg. sitte, bei festen das haus mit grün zu schmücken, wirkt im winter als analogiezauber: man verschafft sich einen grünen baum, um ein grünes jahr zu bekommen. das bleibende grün des w. verbürgt langes leben und gesundheit; der baum, der im winter seine kraft behält, kann auch dem menschen gehöhtes leben verleihen. der brauch knüpft sich, altrömischer sitte entsprechend, an neujahr und damit an weihnachten als jahresanfang: den nach Spanien eingewanderten Sueven verbietet bischof Martin v. Bracara († 580): non liceat iniquas observantias agere kalendarum, et otiis vacare gentilibus, neuqe lauro, aut viriditate arborum cingere domos Hoffmann-Krayer schweiz. arch. f. volksk. 7 (1903) 193. bischof Burchard v. Worms (1000—1025) erneut das verbot: patrologia lat. 140, 835 Migne, und bezeugt damit die gleiche neigung im deutschen norden. als segenszweig fürs neue jahr bezeugt Brant den schmuck für Straszburg 1494:
und wer nit ettwas nuwes hat
und umb das nuw jor syngen gat,
und gryen tann risz steckt jn syn husz,
der meynt, er leb das jor nit usz narrensch. 65, 39 Z.
im Elsasz bildet der w. sein zubehör aus: auff weihenachten richtet man dannenbäume zu Straszburg in den stuben auff, daran hencket man rosen ausz vielfarbigem papier geschnitten, äpfel, oblaten, zischgolt, zucker etc. jb. f. gesch. Elsasz-Lothringens 5, 68 (Straszburg 1605); […] für Wien ist Grillparzer 1866 zeuge: es hatten mir zwar meine hausfräulein einen armseligen weihnachtsbaum in einem gartengeschirr mit etwas zuckerwerk behangen bereits gespendet … da wird ein riesenbaum gebracht, behangen mit allen gütern der welt jb. d. Grillparzerges. […]

‚deutsches wörterbuch‘ von jacob und wilhelm grimm, leipzig, 1854-1961, bd. 28.

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Ude i Skoven stod der saadant et nydeligt Grantræ; det havde en god Plads, Sol kunde det faae, Luft var der nok af, og rundtom voxte mange større Kammerater, baade Gran og Fyr; […]

hans christian andersen, ‚grantræet‘ in ’nye eventyr. første bind. anden samling‘, københavn, 1845.

früher ging man mit der axt in den wald und schlug einen baum. heute kommen die bäume aus monokulturen. ”baade gran og fyr”, die auswahl zwischen tannen und fichten hat sich meist erledigt. der ”alte” weihnachtsbaum war zumeist eine fichte, heute sind die bäume hauptsächlich (nordmann)tannen.

jeder dritte weihnachtsbaum in deutschland stammt aus dem sauerland. ca. 5 mio. bäume werden aus dänemark importiert. die nordmanntanne ist heute in deutschland der populärste weihnachtsbaum: von den 29 mio. bäumen in deutschen wohnzimmern sind mittlerweile rund drei viertel nordmanntannen.

die nordmanntanne ist ursprünglich ein importbaum: sie wurde 1836 im kaukasus, im heutigen georgien, von dem finnischen botaniker alexander davidovich von nordmann, konservator am botanischen garten in odessa, entdeckt.

im jahr 1838, unter dem namen pinus nordmanniana, veröffentlichte christian von steven, ein russischer botaniker schwedischer herkunft, im ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘ die erste beschreibung.

pinus_nordmanniana_1838_500   ill. aus ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘

édouard spach stellt den baum, unter dem heute gültigen namen abies nordmanniana, 1842 unter die gattung abies:

SAPIN DE NORDMANN. – Abies Nordmanniana Steven, in Ann. Des Sc. Nat. 2e sér. Vol. XI, p. 56. – Feuilles subunilatérales légèrement échancrées. Strobiles ovoïdes; écailles cunéiformes-orbiculaires; bractées spatulées-obcordiformes, à sommet saillant, réfléchi, acuminé-cuspidé. – Abre de 80 pieds et plus, sur 3 pieds de diamètre. Écorce lisse, grisâtre. Branches grêles, la plupart horizontales, les supérieures plus ou moins érigées. Ramules couverts d’une pubescence rousse. Feuilles longues d’environ I pouce, sur ¾ de ligne de large, d’un vert gai en dessus, d’un glauque blanchâtre en dessous. Strobiles longs d’environ 5 pouces, sur 2 ½ pouces de large, sessiles, ou subsessiles, solitaires, ou géminés, ou ternés, résineux; écailles longues d’environ I 5 lignes, sur autant de large vers le somment, érosées-dentées aux bords latéraux, trés-entières au sommet. Nucules ovoïdes, longues de 1 ½ ligne; ailes obliquement cunéiformes, rectilignes d’un côté. (steven, l.c.) – Cette espèce croît dans la région subalpines de caucase.

‚histoire naturelle des végétaux. phanerogames‘, 11, 1842

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die ersten weihnachsbäume sieht man schon am zweiten weihnachtstag auf der strasse liegen. traditionell endet die weihnachtszeit jedoch am 2. februar mit mariä lichtmess.

wie viele nadeln hat so eine nordmanntanne? bei solchen fragen ist immer auf die kollegin des blauen elefanten verlass: in der sendung ‚frag doch mal die maus‚ (wdr, erstaustrahluing 25/11/20006) wurde nachgezählt: eine nordmanntanne von 1,63 höhe hatte 187.333 nadeln. viel spass beim saugen nach dem abdekorieren …

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
Hei!  Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

christian morgenstern, ‚das weihnachtsbäumlein‘ aus ‚klein irmchen‘, berlin, 1921.

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ein anhang zum thema der weihnachtsbaum als kulturexport:

der erste beleg eines weihnachsbaumes in grossbritannien stammt von 1819. queen charlotte, geborene sophie charlotte von mecklenburg-strelitz, frau könig george III. aus dem haus hannover, hatte eine eibe als weihnachtsbaum in der queen’s lodge in windsor aufstellen lassen:

Sixty poor families had a substanial dinner given them; and in the evening the children of the principal families in the neighbourhood were inited to an entertainment at the lodge. Here, among other amusing objects for the gratification of the juvenile visitors, in the middle of the room stood an immense tub with a yew-tree placed in it, from the branches of which hung bunches of sweetmeats, almonds, and raisins in papers, fruits and toys, most tastefully arranged, and the whole illuminated by small wax candles. After the company had walked around and admired the tree, each child obtained a portion of the sweets which it bore, together with a toy, and then all returned home, quite delighted.

james watkins, ‚memoirs of her most excellent majesty sophia-charlotte: queen of great britain, from authentic documents‘ london, 1819

die tradition wurde bewahrt. charlottes zwölfjährige enkelin berichtet in ihrem tagebuch:

Monday, 24th December [1832] […] After dinner […] We then went into the drawing-room near the dining-room. After Mamma had rung the a bell three times we went in. There were two large round tables on which were placed two trees hung with lights and sugar ornaments. All the presents being placed round the tree […]

‚the girlhood of queen victoria: a selection from her majesty’s diaries between the years 1832 and 1840‘, ed. by viscount esher [reginald brett], london, 1912

die mutter, victoire von sachsen-coburg-saalfeld, kannte die tradition ebenfalls aus ihrer heimat. victorias deutscher mann, albert von sachsen-coburg und gotha, notierte 1847:

I must now seek in the children an echo of what Ernest and I were in the old time, of what we felt and thought; and their delight in the Christmas-trees is not less than ours used to be.

prince albert zitiert in godfrey and margaret scheele, the prince consort, man of many facets: the world and the age of prince albert.‘ london, 1977. ernst ist sein bruder ernst II., herzog sachsen-coburg und gotha.

der allgemeine durchbruch des weihnachtsbaumes in grossbritannien kam mit der veröffentlichung einer illustration die die königliche famile an weihnachten zeigt:

_the_illustrated_london_news_christmastree_ 1848_500   ill.: aus ‚the illustrated london news. special christmas supplement edition‘, 23. dezember 1848.

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„People and plants are not so different.“ / dan pearson on commitment: sunday sermon, the school of life

  • nicht überall wo goethe draufsteht, ist weimarer klassik drin: der herr geheimrat hat viel geschrieben und geredet und wird für alle lebenslagen herangezogen. hauptsache goethe. hier ein link zum vermeintlichen goethe-zitat: „Until one is committed,…“

buxus / „Ja ohne Bux-Baum ist der Garten kaum ein Garten.“

Wenn ihr in den bekräntzten Steigen
Der Anmuth-reichen Gärten geht,
Und, zwischen den belaubten Zweigen,
Die kleinen bunten Sänger seht,
Und ihre süsse Stimmen höret:
So lob’t mit ihnen, preis’t und ehret
Den Gott, der über alles schätzt,
Wenn man sich, Ihm zur Ehr‘, ergetzt.
Des niedern Bux-Baums festes Laub,
Wodurch der Menschen Witz und Fleiß
Den leeren dunckel-braunen Staub
So künstlich einzuschrencken weis,
Daß schön’re Züge, Laub-Werck, Bilder
Kein Mathematicus, kein Schilder,
Fast mit dem Pinsel malen kann,
Treibt mich, wie folgt, zu dencken an:
Ein Gärtner malet hier,
Ohn‘ Oel und Stafeleyen,
Ohn‘ Pinsel, ohn‘ Palet, lebend’ge Schildereyen.
Sein Spaten dienet ihm zum Reiß-Bley, sein Papier
Ist schwartz- und dunckel-braun, er schreibt gezog’ne Namen,
Zieht Laub-Werck, selbst von Laub, und fasst in grüne Ramen
Sein schön figürlich Werck, von mehr als hundert Arten,
Ja ohne Bux-Baum ist der Garten kaum ein Garten.

barthold heinrich brockes,’der garten‘, 1721, aus ‚irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten‘, 1721 – 1748

 

buxus_sempervirens_michaelstein

buxus sempervirens im kräutergarten des klosters michaelstein, blankenburg/harz.