syrische (bzw. persische) rosen mit asyl in europäischen gärten: rosa x damascena

geopolitik

der geografische ursprung, bzw. die herkunft, ist ein komplexes thema. die heutigen grenzen in der region sind, wie sich an den von den europäer mit dem lineal gezogenen grenzlinien ablesen lässt, ein künstliches gebilde. das antike persische grossreich (das altpersische, zu dem das heutige syrien gehörte, und das neupersisches reich der sassaniden). alexander der grosse. imperium romanum & byzantinisches reich. die eroberung durch die arabischen umayyaden. anfang des 16. jh. das osmanische reich & nach dessem untergang die europäer. das heutige syrien, zuletzt unter dem völkerbundmandat für syrien und libanon, mandat français en syrie, wurde 1946 unabhängig. religiöse fragen (cf. kreuzzüge) und grenzziehungen mal beiseite gelassen …

von persien ist uns unser vorstellung vom paradies geblieben: paradaidha (umgrenzter bereich), der altpersische begriff für garten wurde in den europäischen sprachen und im hebräischen übernommen/entlehnt.

das interesse des westens an den gebieten des ehemaligen persischen grossreiches ist vor allem einem exportprodukt zu verdanken: öl. erdöl. vor der industrialisierung europas war das gefragte luxusprodukt aus diesem gebiet ein anderes öl: rosenöl. im heutigen iran (veraltet persien) um kāschān in der provinz isfahan, um schiras (fars) und um kerman (in der gleichnamigen provinz) sowie in afghanistan in der provinz kabul wurde und wird die damaszener-rose angebaut, um rosenöl zu gewinnen. in afghanistan gibt es versuche, die rosenölproduktion zu forcieren, um andere alternative erwerbszweige zum traditionellen anbau von papaver somniferum / schlafmohn für die herstellung von opium zu schaffen.

in europa, im bulgarischen kasanlak, wird im tal der rosen (pозова долина) die rosa x damascena ‚trigintipetala‘, syn. ‚rose von kazanlik‘ oder ‚bulgarische ölrose‘ mit hell rosa blüten, die während des osmanischen reiches dort hin kam, für die gewinnung von rosenöl angebaut. in frankreich, um grasse, wird die rosa x centifolia / zentifolie oder provence-rose (von holländischen züchtern, zwischen dem 17. und 19. jhr) angebaut. eine kreuzung aus rosa gallica, r. moschata, r. canina und r. x damascena. Weiterlesen

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lilium candidum

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pflanzensymbolik

Die Lilie, (Lilium candidum) war der Juno geweiht, sie ist das Symbol der Reinigkeit, Unschuld, Sittsamkeit und der Hoffnung. In dem so geschätzten mythologischen Werke: les Siècles Pajens [, ou dictionnaire mythologique, héroique, politique, littéraire et géographique de l´antiquité‘ ,1784] par M. l’abbé [antoine] S [abatier]de Castres im 4. Bdr. S. 266 werden die Pflanzen, die der Juno geheiligt waren, angeführet, und da heißt es wörtlich: „Parmi les plantes le Dictame le Pavot et le Lis sur tout etoient agréables à cette Déesse, on appelloit le Lis la Rose de Junon, (Rosa junonia). Le Gyrald Hist. Deor. Syntagm. 2., “ Auch in der christlichen Relegion stehet diese schöne Blume in großen Ansehen, welches die Frau von Genlis in ihrer Botanik der Geschichte und Literatur, sehr belehrend entwickelt hat.

friedrich ludwig von sckell, ‚beiträge zur bildenden gartenkunst für angehende gartenkünstler und gartenliebhaber‘, münchen, 1825, zweite vermehrte und verbesserte auflage (erstausgabe: 1818).

Die Lilie ist, wie die Fabel sagt, aus der Milch der Juno entstanden. […] Diese Blumen sind die Symbole der Reinigkeit und Sittsamkeit, und diese sind in der That die wahren Eigenschaften und Attribute der Schönheit. (Mit einer Lilie, als dem Sinnbilde der Jungfräulichen Reinigkeit, wird öfters die Mutter des Herrn abgebildet. Dem heiligen Joseph giebt man diese Blume gleichfalls in die Hand.) […] (bey den Muslemin ist die Lilie ebenfalls ein Symbol der Reinigkeit, und wird in dieser Beziehung von Ihnen dem ägyptischen Joseph beygelegt. Bey Orientalen ist die Lilie zugleich Blume der Freiheit, indem sie mit ihrem Stengel gerade und hoch gen Himmel aufwächst.)

(Die Lilie war bey den Alten gleichfalls ein Symbol der Hoffnung, und derum auch das Bild eines Thronfolgers, wegen der auf ihm ruhenden Hoffnungen und Erwartungen des Volkes, in welcher Beziehung ihre Bildliche Bedeutsamkeit durch ihren scepterähnlichen, mit Blumen gekrönten Stengel um so sinnvoller und sprechender war. […]; und so läßt Virgil in seiner Aeneis [6. buch, 883-884] den Anchises in Ansehnung des Marcellus, des muthmaßlichen, in der Blüthe der Jugend gestorbenen Nachfolgers und Thronerbens des Augustus ausrufen: Bringt Lilien mit vollen Händen.)

(Im hohen Liede Salomons dient die Lilie, die häufig in Palästina wächst, zu mehreren Vergleichen.)

(Der Leuchter in Heiligthume des Herrn war nach der Vorschrift des Moses [1. buch moses, 25, 31-40] am Hauptrohre und an seinen Armen mit goldenen Lilien verziert. Der tyrische Baumeister Hiram [abif], der den Tempel Salomons baute, gab den Spitzen, oder den Knöpfen der Beyden Säulen, die im Vorhofe am Eingange des Tempels errichtet wurden, die Form von Lilien [1. buch der könige, 7, 13-22]).

stéphanie félicité du crest de saint-aubin, comtesse de genlis, ‚die botanik der geschichte und literatur oder die pflanzen in in ihren mythologischen, religiösen, bürgerlichen, sinnbildlichen, abergläubischen, sprüchwörtlichen, ästhetischen, und geschichtlichen beziehungen‘ überseßt und vermehrt von dr. k. j. stang, bd. 2, bamberg /würzburg, 1813 (franz. ‚la botanique historique et littéraire‘, paris, 1810

kunstgeschichte: madonnen-lilie

eine kleine lilie ist bei der kölschen mona lisa im wallraf-richartz-museum, der ‚madonna im rosenhag‘ von stephan lochner um 1450, im hintergrund zu sehen rosenlaube. hier stehlen ihr andere marienpflanzen die show. bei der berliner madonna in der gemäldegalerie, ‚maria mit dem kind und singenden engeln / tondo raczynski‘ von sandro botticelli um 1477, treten die lilien, zwar ebenfalls im hintergrund, verstärkt auf.

in der vordergrund bringt sie der erzengel gabriel, dessen attribut die weisse lilie ist, bei der verkündigung der geburt jesu. um hier nur zwei bilder zu erwähnen die sich heute beide in der galleria degli uffizi in florenz befinden: die ‚annunciazione di cestello‚ von botticelli, circa 1489-1490, und die ‚annunciazione‚ von leonardo da vinci (und andrea del verrocchio), circa 1472–1475.

natur(schutz) vs garten & religion

die pflanze überlebt in museen und als zierpflanze in kloster- und bauerngärten. in der region in der sie ihre symbolische jüdisch-christliche bedeutung erhielt, in palästina, droht sie zu verschwinden:

Threat of Extinction through Overuse

An example of this fate is provided by genuinely wild forms of the White or Madonna Lily, Lilium candidum L. The ornamental status of this lily is of great antiquity. Together with the Lotus flower, Nelumbo alba L.; Lilium candidum is regarded as the earliest species to be taken into cultivation for its decorative qualities. According to [otto] Warburg [‚heimat und geschichte der lilie (lilium candidum)‘, feddes repertorium , beiheft 56] (1929), the White Lily may already have been cultivated in Asia Minor in the middle of the second millenium BC. Moreover, it is depicted on artefacts from the Aegean Bronze Age, e.g. on a vase excavated on the Cycladian island of Santorini (Thera) and dating to before 1.5000 BC […]. From the excavation at Thera it can be inferred that lilies growing wild were actually used as cutflowers at the time. […] In subsequent eras L. candidum became widley distributed in the Neat East and Mediterranean as an ornamental and medicinal plant and reached central Europe during the Early Middle Ages.

Lilium candidum, […], has no near relatives among southwest Asian or Mediterranean lilies. Species resembling it most closely morphologically, […] are native to the Far East. According to Warburg (op. cit.) the area of origin of the White Lily my have extented over formerly forest-covered partes of Asia Minor, Thessaly, the eastern Mediterranean and southern part of the Balkan Peninsula. […]

The shrinkage of the postulated wild distribution must be basically due to the disappearance of forests from the area since the last pluvial era. […]

The area of northern Israel and the Lebanon was densely populated in Biblical and especially Roman times. The ancient use of flowers for ornamental forestalled seed production, while utilization of bulbs for preparation of wound ointments interfered with vegetative reproduction. In Christian times the flower was adopted as a symbol of chastity by the Church. Until recent times (see Fonck in Warburg, 1929), residual wild colonies were further reduced by the use of flowers for altars and transplantation to monastery gardens.

aharon horovitz and avinoam danin, ‚relatives of ornamental plants in the flora of israel‘ in ‚israel journal of botany‘. vol. 32, 1983.

[…] Schawet die Lilien auff dem felde / wie sie wachsen / Sie erbeiten nicht / auch spinnen sie nicht. Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins.

matthäus 6, 28 – 29, übersetzung von martin luther, 1545.

phoenix dactylifera / dattelpalme: der samen für einen persischen garten…

phoenix_dactylifera_bam_250   ein dattelkern aus ‏bam.

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kaempfer_amoenitatum exoticarum_dattelernte_500   dattelernte in persien, ill. aus ‚amoenitatum exoticarum‘.

in seinem buch ‚ amoenitatum exoticarum politico-physico-medicarum fasciculi v, quibus continentur variae relationes, observationes & descriptiones rerum persicarum & ulterioris asiae, multâ attentione, in peregrinationibus per universum orientum, […], lemgo, 1712, beschreibt engelbert kaempfer – 1651 im lippischen lemgo geboren – die dattelpalme ausführlich. im kapitel ‚ relationes botanica-historicas de palma dactylifera, in perside crescente‘ findet sich neben der botanischen beschreibung eine ganze kulturgeschichte – ‚palmæ historia naturalis & œconomica‘.

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& die neugierde auf einen anderen persischen garten steigt: a contemporary paradise garden by cleve west for the chelsea flower show 2014.

berlin: paare im „garten“ & „Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube,…“

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es wird angenommen das es sich bei dem abgebildeten paar um echnaton und gemahlin nofretete handelt oder meriaton und ihr gatte semenchkare. eine andere theorie hält das paar für tutanchamun und anches-en-amun. die königin hält eine nymphaea caerulea / blauer lotus in der hand: ein auf einer lotosblüte sitzendes kind symbolisierte die geburt des sonnengottes aton.

zum relief cf.: rolf krauss, ‚der berliner „spaziergang im garten“ – antiker murks oder moderne fälschung?‚, palarch’s journal of archaeology of egypt/egyptology, 6(1), 2009.

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das bild wurde erstmals 1879 auf dem salon de peinture et de sculpture in paris gezeigt:

M. Manet a eu, cette année, ses deux toiles reçues. L’une, intitulée D a n s  l a  s e r r e, représente une femme assise sur un banc ver, écoutant un monsieur penché sur le dossier. De tous côtés, des grandes plantes, et à gauche des fleurs rouges. La femme, un peu engoncée et rêvante, vêtue d’une robe qui semble faite à grands coups, au galop, – oui, allez-y voir ! – et qui est superbe d’exécution; l’homme, nu-tête, avec des coups de lumière se jouant sur le front, frisant çà et là, touchant aux mains enlevées en quelques traits et tenant un cigare. Ainsi posée, dans un abandon de causerie, cette figure est vraiment belle: elle flirte et vit. L’air circule, les figures se détachent merveilleusement de cette enveloppe verte qui les entoure. C’est là une œuvre moderne très attirante, une lutte entreprise et gagnée contre le poncif appris de la lumière solaire, jamais observée sur la nature.

joris-karl huysmans, ‚le salon de 1879‘ in ‚l’art moderne,‘ 1883

1896 erwarb der neue direktor der nationalgalerie hugo von tschudi – auf einem shopping trip mit max liebermann in paris – das bild:

Kurz nach seiner Ernennung zum Direktor reisten Tschudi und ich nach Paris: er wollte die dortige Kunst, vor allem aber die Pariser Künstler näher kennen lernen. In der Galerie Durand-Ruel erblickte er zum ersten Male Manets Werke in ihrer ganzen Originalität. Manets Genius offenbarte ihm eine neue Welt und wie eine plötzliche Erleuchtung kam ihm der Gedanke, daß die Kenntnis der neueren französischen Kunst absolut nötig sei, um die Entwicklung der zeitgenössischen deutschen Kunst zu verstehen. […] Seine bestrickende Liebenswürdigkeit läßt ihn Freunde und Gönner finden, die ihm die Mittel darbieten, um die Bilder anzukaufen, für die Staatsmittel nicht vorhanden sind. Als erstes kauft er La Serre von Manet, und ein Amateur kann keine größere Freude über ein neuerworbenes Stück haben, als Tschudi über dieses Bild. (Notabene würde es jetzt mit dem zehnfachen Preise bezahlt werden.) Wie den Geruch einer kostbaren Havanna oder den Geschmack einer leckeren Frucht sog er die Schönheiten eines Manet […] in sich ein. Allen Ärger, alle Ekelhaftigkeit ertrug der sonst so stolze Mann, wenn es galt, ein gutes Bild zu erwerben: der Rest war ihm Hekuba.

max liebermann, ‚hugo von tschudi „kunst und künstler“‘, 1912, in ‚gesammelte schriften‘, berlin, 1922.

der erste museumsankauf eines bildes von manet. was wilhelm II. – ein liebhaber akademischer historienschinken – zu einer verfügung veranlasste: schenkungen (das geld hatten stifter zur verfügung gestellt) an das museum musste nun von ihm persönlich genehmigt werden. die neuen bilder wanderten in den 3. stock der (heute alten) nationalgalerie, sozusagen auf den dachboden. ein paar im schwülen klima eines wintergartens, das war in preussen zu erotisch…

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memhardt_plan_1652_500   als berlin schon eine provinzstadt war & die heutige museumsinsel noch ein garten: johann gregor memhardt, ‚grundriss der beyden churf. residentz stätte berlin und cölln an der spree‘, 1652.

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in der alten nationalgalerie läuft z.z. die ausstellung ‚anton graff – gesichter einer epoche‘. im 3. stock – dem ehemaligen dachgeschoss für impressionisten – sind porträts von garten-besitzern (prinz heinrich von preussen und sein älterer bruder), eines gartenhaus-bewohners und von august friedrich von sivers, der den ersten englischen landschaftsgarten in estland anlegen liess, versammelt.

unter den porträts befindet sich ein bild der söhne von anton graff: ‚die söhne des künstlers beim seifenblasenspiel'(1778). das bild war ein geschenk an den grossvater, graffs schwiegervater, den schweizer theologen und philosophen johann georg sluzer – autor der ‚allgemeinen theorie der schönen künste‘ (1771 -1774). sulzer war professor der mathematik am joachimsthalschen gymnasium in berlin und mitglied der königlichen akademie der wissenschaft. 1763 kehrte er in die schweiz zurück. friedrich II. bewog ihn zu einem erneuten umzug nach berlin: als dank erhielt er vom preussischen könig ein garten-grundstück auf der heutigen museumsinsel:

Mein lieber Graff. Ihre beyden Knaben sind wohl behalten hier angekommen und haben mir größes Vergnügen gemacht. Ich finde sie nicht nur sehr ähnlich, sondern auch den Ausdruck in den Gesichtern der Handlung, die Sie zu der Vorstellung gewählt haben, sehr wohl angemessen. Schade ist’s doch, daß Sie [es folgt eine ausführliche bildkritik…] Allein dieses hindert nicht, daß das Stück dennoch fürtrefflich sey. Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube, um das Bild eine Weile anzusehen, und habe Ihnen also für das Vergnügen, das ich täglich daran genieße, viel Obligation.

johann georg sulzer, brief an anton graff. berlin 21. august 1778

meno_hass_ les_petite_physiciens_500   ein grund den garten zu verlassen: johann meno haas nach anton graff, ‚les petits physiciens‘ , 1789.

bln_schmettau_plan   berlin zur zeit friedrich II. – die heutige museumsinsel; der lustgarten als preussischer paradeplatz; links an der spree das joachimsthalsche gymnasium & der berliner garten des prinzen heinrich (heute die humboldt-universität): samuel graf von schmettau, ‚plan de la ville de berlin. capitale de l’electorat de brandenbourg et la residence ordinaire du roi de prusse. […]‘, 1748.

„Le jardin, c’est la plus petite parcelle du monde et puis c’est la totalité du monde.“ / ‚des espace autres‘ par michel foucault

L’hétérotopie a le pouvoir de juxtaposer en un seul lieu réel plusieurs espaces, plusieurs emplacements qui sont en eux-mêmes incompatibles. C’est ainsi que le théâtre fait succéder sur le rectangle de la scène toute une série de lieux qui sont étrangers les uns aux autres ; c’est ainsi que le cinéma est une très curieuse salle rectangulaire, au fond de laquelle, sur un écran à deux dimensions, on voit se projeter un espace à trois dimensions ; mais peut-être que l’exemple le plus ancien de ces hétérotopies, en forme d’emplacements contradictoires, est le jardin. Il ne faut pas oublier que le jardin, étonnante création maintenant millénaire, avait en Orient des significations très profondes et comme superposées. Le jardin traditionnel des Persans était un espace sacré qui devait réunir à l’intérieur de son rectangle quatre parties représentant les quatre parties du monde, avec un espace plus sacré encore que les autres, qui était comme l’ombilic, le nombril du monde en son milieu (c’est là qu’étaient la vasque et le jet d’eau) ; et toute la végétation du jardin devait se répartir dans cet espace, dans cette sorte de microcosme. Quant aux tapis, ils étaient à l’origine des reproductions de jardins : le jardin, c’est un tapis où le monde tout entier vient accomplir sa perfection symbolique, et le tapis, c’est une sorte de jardin mobile à travers l’espace. Le jardin, c’est la plus petite parcelle du monde et puis c’est la totalité du monde. Le jardin c’est, depuis le fond de l’antiquité, une sorte d’hétérotopie heureuse et universalisante (de là nos jardins zoologiques).

michel foucault, ‚des espace autres‘, conférence au cercle d’études architecturale, 1967

malus sepulcreti

malus sepulcretum   ein apfelbaum (sorte unbekannt) auf dem friedhof ( → Unter dem Ziegenberg / harzerfuhrherren.wordpress.com) neben der dorfkirche buntenbock, oberharz.

ein obstbaum auf dem friedhof? eine friedhofsbepflanzung mit langer tradition.

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Da namen sie den leichnam Jhesu / vnd bunden jn in leinen Tücher mit Specereien / wie die Jüden pflegen zu begraben. / Es war aber an der Stete / da er gecreutziget ward / ein Garte / vnd im garten ein new Grab / in welches niemand je gelegt war. / Da selbs hin legten sie Jhesum

johannes 19, 40-42. übersetzung von martin luther, 1545.

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r.: der st. galler klosterplan / codex sangallensis 1092, enstanden um 820 im kloster reichenau. heute in der stiftsbibliothek st. gallen. l. (detail): der friedhof der mönche im obstgarten oder der obstgarten der mönche als friedhof. der friedhof/obstgarten befindet sich auf dem gesamtplan o.r. neben dem gemüsegarten.

die beschriftung des planes:

friedhof:

Inter ligna soli haec semper sanctissima crux est / in qua perpetuae · Poma salutis olent / Hanc circum iaceant defuncta cadauera fratrum / Qua radiante iterum ·Regna poli accipiant

Unter diesen Hölzern der Erde ist das heiligst immer das Kreuz, / an dem duften die Früchte des ewigen Heils. / Um es herum sollen liegen die Leiber der verstorbenen Brüder; / wenn es wieder erglänzt, mögen sie empfangen die Reiche des Himmels

obstgarten:

M[alus] uel perarius / prunarius / sorbarius / mispolarius / laurus / castenarius / ficus / guduniarius / persicus / auellenarius / amendelarius / murarius / nugariu

Apfelbaum und Birnbaum / Pflaume / Speierling / Mispel / Lorbeer / Kastanie / Feige / Quitte / Pfirsich / Haselnuss / Mandelbaum / Maulbeerbaum / Walnuss

übersetzung nach walter berschin und walter horn.

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[…] ’s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.“

[…]
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

theodor fontane, ‚herr von ribbeck auf ribbeck im havelland‘, in ‚gedichte‘, stuttgart/berlin, 1889.

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Come, my spade. There is no ancient gentleman but gardeners, ditchers, and grave-makers: they hold up Adam’s profession.

william shakespeare, hamlet

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… ein verschlossen Garten / Ein verschlossen Quelle / ein versiegelter Born. Dein Gewechs ist wie ein Lustgarte von Granatepffeln / mit edlen Früchten / Cipern mit Narden / Narden mit Saffran / Kalmus vnd Cynamen mit allerley bewmen des Weyrauchs / Myrrhen vnd Aloes mit allen besten Würtzen / Wie ein Gartenbrun / wie ein Born lebendiger Wasser / die von Libano fliessen. Stehe auff Nordwind vnd kom Sudwind / vnd webe durch meinen Garten / das seine Würtze trieffen. Mein Freund kome in seinen Garten / vnd esse seiner edlen Früchten.

das hohelied salomonis, 4, 12-17. übersetzung von martin luther, 1545

Vnd Gott der HERR pflantzet einen Garten in Eden / gegen dem morgen / vnd setzet den Menschen drein / den er gemacht hatte. Vnd Gott der HERR lies auffwachsen aus der Erden allerley Bewme / lüstig an zusehen / vnd gut zu essen / Vnd den Bawm des Lebens mitten im Garten / vnd den Bawm des Erkentnis gutes vnd böses.

Vnd es gieng aus von Eden ein Strom zu wessern den Garten / vnd teilet sich da selbs in vier Heubtwasser. Das erst heisst Pison / das fleusset vmb das gantze Land Heuila / Vnd daselbs findet man gold / vnd das gold des Lands ist köstlich / vnd da findet man Bedellion vnd den eddelstein Onix. Das ander wasser heisst Gihon / das fleusst vmb das gantze Morenland. Das dritte wasser heisst Hidekel / das fleusst fur Assyrien. Das vierde wasser ist der Phrath.

Vnd Gott der HERR nam den Menschen vnd satzt jn in den garten Eden / das er jn bawet vnd bewaret.

1 buch mose, genesis 2, 8-15. übersetzung von martin luther, 1545