„raus aus dem garten!“

mit anke schmitz (garten auf freigang) in der ausstellung ‚thomas gainsborough. die moderne landschaft‘ in der hamburger kunsthalle:

gruenesblut.net

 

Advertisements

wanderung über holnis, durch knicks …

holnis_wanderung_800 Weiterlesen

herbstspaziergang: rieselfelder, münster

rieselfelder_herbst_800 Weiterlesen

beschneidung: in der landschaft und im garten

encyclopédie_hippe_500

fig. 37 scie à main / handsäge, fig. 38 serpe / hippe, fig. 39 serpette / hippe oder gartenmesser. ill. (ausschnitt) aus ‚encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers‘, hrsg. von denis diderot und jean baptiste le rond d’alembert , paris, 1751 ff.

zeigt man dem durchschnittlichen gartenbesitzer die instrumente, kommen schnell die emotionen hoch: bäume und gehölze beschneiden? das ist doch natur! formschnitt, ars topiaria, ist verpönt (ausnahme: billige buchsbaumkugeln aus dem baumarkt). kopfweiden → salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden …“ müssen heute schon unter naturschutz stehen, damit sie in form bleiben. bei obstbäumen und beerensträuchern bitte nur maniküre… runtergeschnitten werden nur einjährige und stauden sofort nach der blüte (ordnung muss sein!). bei den röschen fliesst schon mal ein tränchen. die vorhandenen gehölze im garten dürfen wachsen, bis aus dem einst sonnigen garten ein schattengarten geworden ist. kompensation bringt der neue laubbläser …

landschaft: wallhecken & knicks

beschnitte bäume und anderes gehölz finden sich in der klassischen agar-landschaft. wallhecken im münsterland und knicks in schleswig-holstein sind landschaftsbildend, bzw. waren es. durch die industrialisierung der landwirtschaft sind viele der hecken verschwunden. was übrig blieb, sind riesige felder, die ohne den windschutz der hecken zu abtrag und verlust der ackerkrume führen, bodenerosion. vom verlust der artenvielfalt in flora und fauna erst gar nicht zu sprechen… Weiterlesen

salix im allgemeinen & „der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen“ d.h. kopfweiden machen kann / ‘sylvicultura oeconomica’ von hans carl von carlowitz

§.1. […] Was nun Anfangs die Weide anlangt / so sind vielerley Arten derselben / als Bind=Weiden / Glaß=Weiden / Busch=Weiden / Rosen=Weiden / welche Blätter tragen / denen Rosen gleich / Bruch=Weiden / Pappel=Weiden / Haar=Weiden / Rein=Weiden / ja es werden deren bis an die 20. gezehlet. Etliche wachsen auch auf den höchsten Gebürgen / und an dürren Orten / daher sie auch ihre Eigenschafft von der Güte des Bodens erhalten. Ferner gibt es gläntzend weise / rothe und gelbe / welche unter andern die besten und zehen Ruthen oder Weiden treiben / so zum Anbinden den Gärtnern und Landmanne sehr nützlich sind / und lassen sich drehen und wenden wie Leder und Bast / treiben dergestalt ins Holtz / daß starcke Stangen zu allerley Gebrauch davon gehauen / und geköppet werden können.
Am Laube sind sie am meisten zu unterscheiden: theils haben stärcker Laub als die andern / sonderlich sind diejenigen / welche das lange wie die Pfirschen=Bäume tragen / die besten / die aber ein etwas rundliches führen / sogar rauch / sind keine sonderliche gute Art. Insgemein kan man solche zwey Arten Theilen / als nehmlich in die / welche zu einem rechten Stamm gedeihen und lateinisch perticales genennet werden / weil sie Stangen und Pfähle geben; und die so nur in Busche zu langen Ruthen answachsen / Viminales genennt / so theils auf der Erden herkrichen / und sich ausbreiten. […]
§.2. Insgemein ist die Weide ein sehr nutzbar Holtz / und wo ein Hauß=Vater einige Mügligkeit siehet / soll er nicht unterlassen / solche zu pflanzen / zumahl an denen Orten / da es nicht viel Holtz giebt / denn es dienet zu vielerley / und ist fast nicht zu entbehren / wächset auch sehr schnell daher.
Nulla, schreibet Plinius lib. 16. c. 31. aquaticarum utilior, nec in novissimis curanda Arbor. Nullius quippe tutior est reditus, minoris impendii, aut tempestatum securior. Itaque Cato in æstimatione ruris, post vineam si vino multo siet, & hortum riguum, tertio loco salictum posuit: salicesque prætulit oliveto, prato, campo frumentario, sylvæ caducæ, arbustis & glandariæ sylvæ. D.i. Unter allen Bäumen die an Wasser wachsen / ist keiner Nützlicher / auch auf keinen mehr sich zu befleißigen / als auf die Weide. Denn bey keinen hat man so sicher Nutzen / so wenig Unkosten und so wenig Wetterschaden als bey diesen. Dahero sagte Cato, daß ein recht Land=Gut haben sollte (1.) gute Weinberge (2.) einen Wasserreichen Garten (3.) gut Geweidicht. Ja er zog das letztere einem Oel=Garten / Wiesenwachs / Feld=Bau / Schlag=Holtz / Baum=Garten und der Eichel=Mast vor. Es wachsen die Weyden gerne an feuchten Orten und in Plänen / sonderlich auf denen Hutweiden. […]
§.4. der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen / und behauen / auch aus den abgehauenen Aesten / Stangen Pfähle und dergleichen machen kan / daß also eine Weide continuirlich zu nutzen / und der Haupt=Stamm doch in seinem esse bleibet / so bey dem andern Holze nicht dergleichen Art haben will. Dieses köpffen nun soll wie gedacht alle 3. Jahr geschehen / denn wenn man solches bey gewächsigen länger lässet anstehen / so werden die Aeste allzu stark / daß sie der Wind fasset / die Aeste abreisset / den Stamm dadurch splittert oder gar umwirfft. Man soll sie aber nicht gantz glatt am Stamm abköppen / sondern Sturtzeln von 2. 3. bis 4. Zoll stehen lassen / an welchen sie dann wieder ausschlagen: und also neue Sprößling bekommen können / welches besser ist / als wenn sie aus dem kahlen Weiden=Kopff und harter Rinde wieder ausschlagen und neue Sprößlein treiben sollen. Es kan auch ihnen solcher Gestalt durch die Kälte / Nässe und Hitze nicht so leicht Schade zugefüget werden / und selbe in den Stamm dringen. Die rechte Zeit aber das Köpffen zu verrichten ist unterschiedlich. Denn wenn das Weiden=Holtz gehauen wird / ehe der Saft darein tritt / so springt es nicht auf, Ingleichen wenn die Weiden im Frühling und neuen Monde geköppet werden / so schlagen die desto zeitlicher und besser wieder aus / das Holtz dauret auch länger / hingegen ists besser / daß man die so man zum Zäunen brauchen will / gegen dem Herbst / wenn das Laub fallen will / abhaue / so schwelcken sie dem Winter über desto besser / werden zach und zähe / weil der Safft zurück getreten ist / im Frühling aber / sind sie schon wieder voll Saffts / werden dahero nicht leicht wandelbar / faul / wurmstichich / und dauern nicht lange.

hans carl von carlowitz, ’sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]‘, leipzig, 1713. (carlowitz zitiert aus der ’naturalis historia‘ von plinius dem älteren & ‚de agri cultura‘ von cato dem älteren.)

internationaler tag der feuchtgebiete / ‚der knabe im moor‘ von annette von droste-hülshoff

torfhaltige blumenerde kennt man hoffentlich bald nur noch aus garten-geschichtsbüchern.
wer trotzdem nicht auf moor-produkte in seinem garten verzichten will, hier ein vorschlag:

  1. neuzeitliche variante: dieser blog wird auf einem was-auch-immer-phone oder pad gelesen? direkt weiter zu 4.
  2. veraltete variante: den text ausdrucken (falls das buch nicht in der bibliothek vorhanden ist) oder:
  3. altertümliche variante: den text auswendig lernen.
  4. in den garten gehen.
  5. im garten spazierengehen oder auf die gartenbank setzen und die ballade aufsagen oder ablesen:

O, schaurig ist’s, über’s Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Haiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn,
Und die Ranke häkelt vom Strauche;
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt.
O, schaurig ist’s, über’s Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche.

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind –
Hin ducket das Knäblein zage.

Baumstümpfe starren am Ufer vor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere –
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor‘,
Die den Haspel dreht im Geröhre.

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als wol‘ es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen,
Wie eine gespenstige Melodei,
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauff,
Der den Hochzeitheller gestohlen.

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margreth:
Ho, ho, meine arme Seele!
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär‘ nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Allmählig setzet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimathlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief athmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich!
Oh!, schaurig war’s in der Haide!

annette von droste-hülshoff, ‚der knabe im moor‘ zuerst erschienen im ‚morgenblatt für gebildete leser‘, nr. 40, stuttgart/münchen, 16/02/1842.

___