klein-garten-kultur: speak to the earth and it will tell you

§ 1 Begriffsbestimmungen

(1) Ein Kleingarten ist ein Garten, der

1. dem Nutzer (Kleingärtner) zur nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient (kleingärtnerische Nutzung) und
2. in einer Anlage liegt, in der mehrere Einzelgärten mit gemeinschaftlichen Einrichtungen, zum Beispiel Wegen, Spielflächen und Vereinshäusern, zusammengefaßt sind (Kleingartenanlage).

bundeskleingartengesetz, BKleingG erlassen am 28. februar 1983

§ 1 Die pachtrechtlichen Grundlagen

(1) Die Kleingartenanlage ist Bestandteil des öffentlichen Grüns. Sie ist als Gemeinschaftsanlage einzurichten, zu nutzen und der Allgemeinheit als Begegnungs- und Erholungsstätte zugänglich zu machen, deshalb sind die Tore zur Kleingartenanlage tagsüber geöffnet zu halten.

gartenordnung, stadt- und bezirksverband münster der kleingärtner e.v.

nicht grösser als 400 m² und eine laube mit höchstens 24 m² grundfläche sagt das bundeskleingartengesetz. höhe der hecken, genaue prozentuale verteilung von nutz- und ziergartenanteilen, gemeinschaftsarbeit im verein sind gesetzlich oder durch die vereine geregelt. der garten, ein hortus conclusus, als privater rückzugsort in einer durch vereinsstatuten geregelten, öffentlich zugänglichen, gemeinschaft. der klein- oder schrebergarten galt als spiessig. der namensgeber des ersten schrebervereins, nicht wie häufig gedacht der begründer, daniel gottlob moritz schreber, hat das image nicht verbessert. musteranlagen auf bundesgartenschauen sind eher kuriositätenkabinette. wenn bestehende anlagen mit eingeplant werden bekommen sie den charme von kleinen „völkerschauen“. neben barockgärten, landlustphantasien vom bauerngarten und gartenreisen nach england haben kleingärten kaum eine chance. für landschaftsarchitekten und gartenhistoriker selten ein thema. beispiele wie die lauben und mustergärten von margarethe schütte-lihotzky im rahmen des stadtplannungsprogramms ’neues frankfurt‘ (1925 – 30) unter der leitung von ernst may oder ‚de runde haver‘ (1948) von carl theodor sørensen in nærum, nördlich von kopenhagen, würden mehr beachtung verdienen.

zeiten ändern sich. der klassische gartenzwerg wird von einer neuen invasiven spezies aus den deko-abteilungen der baumärkte, dem erdmännchen, verdrängt. die begierde der immobilienbranche und der kommunen auf die begärtnerten grünflächen innerhalb der städte wird grösser. gleichzeitig werden die wartelisten der kleingartenvereine für freie parzellen länger. und die kleingärtner? wie funktioniert eine kleingartenanlage?

speak to the earth and it will tell you

jeremy deller wurde 2007 zu den skulptur projekten eingeladen: tagebücher & samen des davidia involucrata / taschentuchbaums (ein exemplar, davidia involucrata var. vilmoriana, steht im botanischen garten in münster) der nach zehn jahren, im rhythmus der skulptur projekte, blühen soll. Weiterlesen

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„Gärten sind begehbare Bilder.“ / ludger gerdes, ‚anmerkungen‘ zu ’schiff für münster‘

Gärten sind wie erotischer Zustand zwischen Kultur und Natur. Die Kunst des 20. Jahrhunderts hat kaum mehr Gärten geschaffen. Vielleicht war sie autoerotisch.

Gärten sind begehbare Bilder. Sie sind zu Realität gewordene Inszenierungen der Welt, in ihnen vergegenständlicht sich, wie der Mensch Dinge interpretiert und gestaltet sehen will. Gärten sind ein Muster an Kommunikation. Sie setzen immer eine Kommunikation und Integration von Kunst und Natur voraus und oft eine Kommunikation und Integration verschiedener Kunstgattungen untereinander. […]

Es ist komisch, wie sehr in der modernen Kunst der Gedanke reflektiert wurde, Kunst könne Objekte um ihrer selbst willen herstellen, ohne daß sie als Bilder legitimiert werden müßten; daß aber kaum je der weitere Schritt getan wurde zu sagen, sie könne auch eigenständige Orte schaffen.

ludger gerdes, ‚anmerkungen‘ (zum projekt ’schiff für münster‘) in ’skulptur projekte in münster 1987′, katalog zur ausstellung hrsg. von klaus bußmann und kasper könig, münster/köln 1987

marcel broodthaers. eine retrospektive: section botanique (les palmiers)

fig. 1 obere reihe, l.: das ständehaus, der ehemalige landtag des landes nrw, erbaut als provinziallandtag der preussischen rheinprovinz von julius raschdorff (1880) mit der glaskuppel von kiessler+partner (1995-2001) am kaiserteich in der parkanlage von maximilian weyhe; r.: ‚l’entrée de l’exposition‘: hoewa forsteriana, vorsicht kellertreppe … untere reihe, l.: ‚jardin d’hiver‘, phoenix roebelenii unterhalb der wasserlinie … & r.: adler in düsseldorf, auf der kö.

die retrospektive von marcel broodthaers, organisiert vom museum of modern art, new york, und dem museo nacional centro de arte reina sofia, madrid, ist auf ihrer letzten station dem k21 / kunstsammlung nrw angekommen, in düsseldorf, wo broodthaers von 1970 bis 1972 lebte und arbeitete.

der belgische künster hatte, bevor er 1964 entschied statt schriftsteller künstler zu sein, kontakt zur groupe surréaliste révolutionaire und rené magritte. er publizierte gedichte. 1964 verarbeitete er einen stapel flugblätter mit dem gedicht ‚pense bête‘ zu einer skulptur. im selben jahr entstand ‚la clef de l’horloge – un poème cinématographique en l’honneur de kurt schwitters‘, der erste film. von der poesie rimbauds und mallarmés zu magritte und schwitters. wort und bild, moules et frites, adler und palmen. Weiterlesen

alter botanischer garten, kiel

ursprünglich 1669 unter christian albrecht von schleswig-holstein-gottorf als hortus medicus von johann daniel major, wahrscheinlich nach dem vorbild des orto botanico di padova angelegt, mit pflanzen aus dem neuwerk in gottorf (schleswig) im garten des kieler schlosses gegründet. aus dem dann königlich dänischen botanischen garten, direktor ernst ferdinand nolte lieferte beiträge für die ‚flora danica‘, wurde ein königlich preußischer. nach umzügen wurde der jetzige alte botanische garten an seinem heutigen platz 1884 eröffnet. das areal, 1825 als english landscape garden in der endmoränenlandschaft vor der stadt angelegt, gestaltete adolf engler (prof. für systematische botanik an der christian-albrechts-universität zu kiel & ab 1889 direktor des botanischen garten in berlin, schöneberg später dahlem) diesen von 1878 bis 1884 in einen botanischen garten um. der erste botanische garten mit einer pflanzengeographie. ab 1975 zog der (neue) botanische garten auf den campus der universität um. übrig blieb eine öffentliche parkanlage … Weiterlesen

gartenbücher (romantisch & post-wild)

romantisch

kinder und ein garten vor den toren der stadt, im hintergrund die türme der hamburger hauptkirchen. ‚die hülsenbeckschen kinder‘ von philipp otto runge in der hamburger kunsthalle, landlust anno 1805. kindheit im garten wird gern verklärt, romantisiert. diese kinder der frühromantik spielen (bzw. arbeiten) nicht im garten: ein mädchen und ein junge ziehen einen bollerwagen mit dem jüngsten bruder, der nach einer sonnenblume am weg greift. hinter ihnen der gartenzaun und dahinter der garten. den romantischen „bauerngarten“ haben sie hinter sich gelassen, hinaus in die romantische, wilde natur, …

die suche nach der reinen, erhabenen natur und die flucht aufs land begannen schon im 18. jh., der zeit der aufklärung. man lese nur ‚das landleben‘ (1767) von christian cay lorenz hirschfeld. die industrialisierung und das wachsen der städte führte am ende des 18 jh. zur suche nach der blauen blume. die flucht in die natur endete häufig in einem elegischen eskapismus, grossen gefühlen und der suche nach dem „inneren Afrika“ (Jean Paul). gärten findet man auf den bildern der maler der romantik selten und wenn, sind sie ersatz für stimmungen. sowohl die englischen, wie william turner oder john constable, oder die deutschen bevorzugten landschaften, natur. caspar david friedrich montierte sich seine romantische natur aus versatzstücken zusammen wie es schon die gärtner im landscape garden gemacht hatten …

der landschaftsgarten des 18. jh. war eine ansammlung von versatzstücken, kulissen, follies in einer der natur nachgebildeten künstlichen landschaft. er löste als ausdruck der rationalen aufklärung den barockgarten des ancien régime ab, der von mathematischen weltsicht des 17. jh. geprägt war. der übergang vom barocken parterre über die in barocken formen eingefasste „natur“ der bosques bis zur geplanten landschaft des landscape gardens, lässt sich am besten im schlossgarten in schwetzingen (→ „lehrreich und gleichsam enzyklopädisch“) studieren. vom schloss blickt man über die geschichte der gartenkunst im 18. und frühen 19. jh. auf einer achse, die vom odenwald zur grossen kalmit im pfälzerwald führt: der romantiker überquert den rhein (richtig romantisch wird der rhein erst flussabwärts) und geht im mittelgebirge wandern … Weiterlesen

’neues von blumen‘ & blümchen / walter benjamin über ‚urformen der kunst‘ von karl blossfeldt & #PlantsForBlossfeldt

neues von blumen

Kritisieren ist eine gesellige Kunst. Auf das Urteil des Rezensenten pfeift ein gesunder Leser. Aber was er im Tiefsten goutiert, ist die schöne Unart, uneingeladen mitzuhalten, wenn der andere liest. Das Buch auf solche Weise aufzuschlagen, so daß es winkt wie ein gedeckter Tisch, an dem wir mit all unseren Einfällen, Fragen, Überzeugungen, Schrullen, Vorurteilen, Gedanken Platz nehmen, so daß die paar hundert Leser (sind es so viele?) in dieser Gesellschaft verschwinden und gerade darum sich’s wohl sein lassen – das ist Kritik. Zumindest die einzige, die dem Leser Appetit auf ein Buch macht.

Sind wir für diesmal einig, so soll auf den einhundertzwanzig Tafeln dieses Buches für zahllose Betrachtungen und zahllose Betrachter gedeckt sein. Ja, so viel Freunde wünschen wir diesem reichen und nur mit Worten kargenden Werke. Man wird aber das Schweigen des Forschers ehren, der diese Bilder hier vorlegt. Vielleicht gehört sein Wissen zu jener Art, die den stumm macht, der es besitzt. Und hier ist wichtiger als das Wissen das Können. Wer diese Sammlung von Pflanzenphotos zustande brachte, kann mehr als Brot essen. Er hat in jener großen Überprüfung des Wahrnehmungsinventars, die unser Weltbild noch unabsehbar verändern wird, das Seine geleistet. Er hat bewiesen, wie recht der Pionier des neuen Lichtbilds, Moholy-Nagy hat, wenn er sagt: „Die Grenzen der Photographie sind nicht abzusehen. Hier ist alles noch so neu, daß selbst das Suchen schon zu schöpferischen Resultaten führt. Die Technik ist der selbstverständliche Wegbereiter dazu. Nicht der Schrift- sondern der Photographieunkundige wird der Analphabet der Zukunft sein.“ […]

Diese Photographien erschließen im Pflanzendasein einen ganzen unver­muteten Schatz von Analogien und Formen. Nur die Photographie vermag das. Denn es bedarf einer starken Vergrößerung, ehe diese Formen den Schleier, den unsere Trägheit über sie geworfen hat, von sich abtun. Was ist von einem Betrachter zu sagen, dem sie schon in der Verhüllung ihre Signale geben? Nichts kann die wahrhaft neue Sachlichkeit seines Vorgehens besser dartun, als der Vergleich mit jenem einstigen unsachlichen und doch so genialen Verfahren, kraft dessen der ebenso geschätzte wie unverstandene Grandville in seinen ‚Fleurs animees‘ [paris, 1847] den ganzen Kosmos aus dem Pflanzenreiche hervorgehen ließ. Er greift es vom entgegengesetzten Ende weiß Gott nicht zart – an. Er stempelt diesen reinen Naturkindern das Sträflingsbrandmal der Kreatur, das Menschengesicht, mitten in die Blüte hinein. Dieser große Vorläufer der Reklame beherrschte eines ihrer Grund­prinzipien, den graphischen Sadismus, wie kaum ein anderer. Ist es nicht merkwürdig, hier nun ein anderes Prinzip der Reklame, die Vergrößerung ins Riesenhafte der Pflanzenwelt, sanft die Wunden heilen zu sehen, die die Karikatur ihr schlug?

‚Urformen der Kunst‘ – gewiß. Was kann das aber anderes heißen als Urformen der Natur? Formen also, die niemals ein bloßes Vorbild der Kunst, sondern von Beginn an als Urformen in allem Geschaffenen am Werke waren. Im übrigen muß es dem nüchternsten Betrachter zu denken geben, wie hier die Vergrößerung des Großen – z. B. der Pflanze oder ihrer Knospe oder des Blattes – in so ganz andere Formenreiche hineinführt, wie die des Kleinen, etwa der Pflanzenzelle im Mikroskop. Und wenn wir uns sagen müssen, daß neue Maler wie Klee und mehr noch Kandinski seit langem damit beschäftigt sind, mit den Reichen uns anzufreunden, in die das Mikroskop uns barsch und gewaltsam entführen möchte, so begegnen in diesen vergrößerten Pflanzen eher vegetabilische „Stilformen“. In dem Bischofstab, den ein Straußfarn darstellt, im Rittersporn und der Blüte des Steinbrech, die auch an Kathedralen als Fensterrose ihrem Namen Ehre macht, indem sie die Mauern durchstößt, spürt man ein gotisches parti-pris. Daneben freilich tauchen in Schachtelhalmen älteste Säulenformen, im zehnfach vergrößerten Kastanien- und Ahornsproß Totembäume auf, und der Sproß eines Eisenhufes entfaltet sich wie der Körper einer begnadeten Tänzerin. Aus jedem Kelche und jedem Blatte springen uns innere Bildnotwendigkeiten entgegen, die in allen Phasen und Stadien des Gezeugten als Metamorphosen das letzte Wort behalten. […]

walter benjamin, ’neues von blumen‘ in ‚die literarische welt‘, 23/11/1928, 4. jg., nr. 47, über karl blossfeldt, ‚urformen der kunst. photographische pflanzenbilder‘, hrsg. mit einer einleitung von karl nierendorf, berlin, 1928.

neues von blümchen

karl blossfeldt, geboren am 13. juni 1865 in schielo/harz, hat mit ‚urformen der kunst‘ eines der wichtigsten „gartenbücher“ vorgelegt. ein pflanzenbuch das sich heute nahtlos in die reihe seiner vorgänger – vom ‚hortus eystettensis‘ (1613), über den ‚gottorfer codex‘ (1649 bis 1659) oder die ‚flora danica‘ (bis 1803) bis eben zu den ‚urformen der kunst‘ – einreiht. von der neuen sachlichkeit ist heute allerdings nicht viel übrig geblieben: war das abbilden von pflanzen (und gärten) einst eine kunst (durchaus im sinne der téchne, altgr. τέχνη) so ist es heute, besonders im bereich der sozialen medien, zum reinen knipsen verkommen. formen sind nicht mehr gefragt. einzig das gephotoshopte emotiönchen (cf. reklame), ausgelöst von blühenden blümchen, zählt…

zum 150. geburtstages von blossfeldt zeigt die stiftung ann und jürgen wilde / pinakothek der moderne in münchen vom 24/07 bis 25/10/2015 eine ausstellung mit fotografien, u.a. aus ‚urformen der kunst‘. anlässlich der ausstellung haben die organisatoren ein projekt mit den hashtag #PlantsForBlossfeldt auf instagram (& twitter, etc.) initiiert. man ist erst einmal positiv überrascht das eine museale institution in deutschland von der existenz von social media kanälen etwas mitbekommen hat (und fragt sich wie es mit der digitalen erschliessung des archives von blossfeldt, und des gleichfalls in der stiftung befindlichen archives von albert renger-patzsch, aussieht: #PlantsFormBlossfeldt)… was die ergebnisse von #PlantsForBlossfeldt betrifft wünscht man sich nach der digitalen über-alphabetisierung vokabular jenseits von „wie niedlich“ & „ICH auch!“ und visuelle grammatik . mehr kann man blossfeldt nicht missverstehen…

 

keimen, wachsen, vergehen / adonisgärten & ‚grass grows‘ von hans haacke

Sokrates: […] Sage mir aber dieses, ob ein verständiger Landmann den Samen, den er vor andern pflegen und Früchte von ihm haben möchte, recht eigens im heißen Sommer in einem Adonisgärtchen streuen und seine Freude daran haben wird ihn in acht Tagen schön in die Höhe geschossen zu sehen? oder ob er dieses nur als ein Spiel und bei festlichen Gelegenheiten thun wird, wenn er es ja thut; jenen aber, womit es ihm Ernst ist, nach den Vorschriften der Kunst des Landbaues in den gehörigen Boden säen, und zufrieden sein, wenn was er gesäet im achten Monat seine Vollkommenheit erlangt?

Phaidros: Gewiß so, o Sokrates, würde er dieses im Ernst, jenes, wie du sagtest, nur anders thun.

Sokrates: Und sollen wir sagen, daß wer vom Gerechten, Schönen und Guten Erkenntnis besitzt, weniger verständig als der Landmann verfahren werde mit seinem Samen?

Phaidros: Keinesweges wohl.

platon, ‚phaidros‘. übersetzung: ‚platons werke von f[riedrich] schleiermacher. erster theil, erster band, berlin, 1804.

Die Adonisgärten (κηποι Αδώνιδος), für den Sinn des Adonisfestes so bezeichnend, waren nach [august] Böckh „Pflanzungen in kleinen Töpfen: die ohne Zweifel den Garten darstellen sollten, in welchem Aphrodite sich zum Adonis gesellte: dem Symbol der schnell hinwelkenden Jugendblüthe, des üppigen Wachsthums und des Vergehens. Die Adonien waren also ein Trauerfest der Weiber, eines jener Feste, durch welche das Alterthum die hinsterbende Natur betrauerte. Wie wir von Treibhauspflanzen reden im Gegensatze des Naturwüchsigen, so haben die Alten oft sprichwörtlich das Wort Adonisgarten gebraucht, um damit schnell Emporgesprossenes, aber nicht zu tüchtiger Reife und Dauer Gediehenes zu bezeichnen. Die Pflanzen: nicht vielfarbige Blumen, nur Lattich, Fenchel, Gerste und Weizen, wurden mit emsiger Pflege zu schnellem Wachsthum gebracht; auch nicht im Winter, sondern im vollen Sommer, und in einer Zeit von acht Tagen.“ [georg friedrich ]Creuzer (Symbolik und Mythologie [der alten völker, besonders der griechen, 1812ff.] Th. II. 1841 S. 427, 430, 479 und 481) glaubt indeß, daß zur Beschleunigung des Wachsthums der Pflanzen in den Adonisgärtchen „starke natürliche, und auch wohl künstliche Wärme im Zimmer angewendet wurde“.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

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‚growth of grass‘ ist eine frühe arbeit von hans haacke. zuerst in der ausstellung ‚earth art‘ im andrew dickson white museum of art, cornell university, ithaca, n.y., 11/02 – 16/03/1969 ausgestellt. kuratiert wurde die austellung von willoughby sharp, neben haacke waren u.a. arbeiten von robert smithson, richard long und jan dibbets in der austellung vertreten. ‚growth of grass‘ (oder ‚grass grows‘, grösse variabel, 1969 ff., eigentum des künstlers) ist ein konischer erdhügel der mit samen bepflanzt wird die während der ausstellung keimen, wachsen und absterben. cf. ‚grass cube‘ (1967).

Haacke I would like to make it very short. I have put about a cubic yard of top soil mixed with peat into a naturally well-lit room in the Museum. It [the pile of soil] is cone shaped, like a sandcastle, and I seeded it with winter rye and annual rye seed, and hopefully by the day of the opening sprouts will come out of the ground. The shape of this mound is of no relevance. I’m not interested in the form. I’m more interested in the growth of plants – growth as a phenomenon which is something that is outside the realm of forms, composition, etc., and has to do with interaction of forces and interaction of energies and information. My comment for the catalog when asked for astatement is „Grass grows.“

[…]

Questioner (to Haacke) Don’t you identify your piece with a type of gardening?

Haacke Oh, I suppose. But the intention is very different.

Questioner I mean, you were the one who planted the seeds in the pile, weren’t you?

Haacke Yes, but it could have been somebody else!

Questioner How is this different from someone going out and working in a garden? Would that be a form of earth art?

Haacke Well, I suppose he doesn’t do it for the same reasons that I do.

Questioner So it’s the intent that’s different?

Haacke I guess so.

[…]

Haacke Well, on the point of how it looks. I believe we are still carrying this heavy burden of „visual“ art. When the term „aesthetics“ was brought up in this discussion, it was immediately coupled with the looks of something. I believe art is not so much concerned with the looks. It is much more concerned with concepts. What you see is just a vehicle for the concept. Sometimes you have a hard time seeing this vehicle, or it might even not exist, and there is only verbal communication or a photographic record or a map or anything that could convey the concept.

[neil] Jenney (to Haacke) Say if you’ve got a whole pile of wood and not much dirt, would you consider using cinder blocks to fill up the spaces so you don’t have to use so much dirt, or is it important that the whole thing consists of dirt?

Haacke I guess the guideline would be what is the most efficient thing to do. If the rye that I seeded could have grown on cinder blocks, then it wouldn’t have mattered if I used cinder blocks.

Jenney No, I mean the space. What if you only had half a yard of dirt and you wanted it a yard size, right? Would you fill the inside with rocks?

Haacke It could be done. It’s not that important.

Jenney The reason it is the size it is …

Haacke It is an economic consideration, in view of what is to be achieved. What, from an agricultural viewpoint is the most efficient, and what is the viewpoint that causes most effectiveness, and so on.

Jenney Wouldn’t it have been more efficient then to grow grass on a flat plain?

Haacke It could have been done but then you couldn’t have walked around it. That aspect would have been lost and in this case we have a room that has natural light on two sides and artificial light and no light on the other two sides. The result is most likely to be that grass will grow toward the natural light and will be much longer on that side and will be meager on the side that is facing the artificial light, or will be much shorter. These are ecological phenomena which I am very much interested in.

Questioner Do you wish the concept to be developed through association? Why do you use the medium of earth?

Haacke It is the material in which growth takes place.

excerpts from a symposium on earth art held at cornell university, february 6, 1969. catalog ‚earth art‘, ithaca, n.y., 1970.

the line of beauty (to commemorate the 250th anniversary of mr hogarth’s death)

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hogarth, the line of beauty & trump: ‚william hogarth, painted by w. hogarth, engraved by benj[amin] smith, from the original picture in the collection of john & josiah boydell, published june 4 ,1795 […] at the shakespeare gallery pall mall‘. kupferstich nach ‚the painter and his pug‘, 1745 (heute in der tate gallery, london).

PREFACE.

[…], in the year 1745, [i] published a frontispiece to my engraved works, in which I drew a serpentine line lying on a painter’s pallet, with these words under it, THE LINE OF BEAUTY. The bait soon took; and no Egyptian hierogliphic ever amused more than it did for a time, […]

CHAP. VII

Of LINES

It is to be observed, that straight lines vary only in length, and therefore are least ornamental.
That curved lines as they can be varied in their degrees of curvature as well as in their lengths, begin on that account to be ornamental.
That straight and curv’d lines join’d, being a compound line, vary more than curves alone, and so become somewhat more ornamental.
That the waving line, or line of beauty, varying still more, being composed of two curves contrasted, becomes still more ornamental and pleasing, insomuch that the hand takes a lively movement in making it with pen or pencil.
And that the serpentine line, by its waving and winding at the same time different ways, leads the eye in a pleasing manner along the continuity of its variety, if I may be allowed the expression; and which by its twisting so many different ways, may be said to inclose (tho‘ but a single line) varied contents; and therefore all its variety cannot be express’d on paper by one continued line, without the assistance of the imagination, […] where that sort of proportion’d, winding line, which will hereafter be call’d the precise serpentine line, or line of grace, is represented by a fine wire, properly twisted round the elegant and varied figure of a cone. […]

CHAP. IX

Of COMPOSITON, with the WAVING-LINE

[…] Though all sorts of waving-lines are ornamental, when properly applied; yet, strictly speaking, there is but one precise line, properly to be called the line of beauty, which in the scale of them [fig. 49, plate I] is number 4: the lines 5, 6, 7, by their bulging too much in their curvature becoming gross and clumsy; and, on the contrary, 3, 2, 1, as they straighten, becoming mean and poor, […]

william hogarth, ‚the analysis of beauty‘, london, 1753

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fig. 49, ‚plate I, the sculptor’s yard‘ aus ‚the analysis of beauty‘.

the roof garden commission: dan graham with günther vogt

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one of my favorite pavilions:

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asparagus officinalis / warten auf die spargelzeit…

[…]; mais mon ravissement était devant les asperges, trempées d’outre-mer et de rose et dont l’épi, finement pignoché de mauve et d’azur, se dégrade insensiblement jusqu’au pied — encore souillé pourtant du sol de leur plant — par des irisations qui ne sont pas de la terre. Il me semblait que ces nuances célestes trahissaient les délicieuses créatures qui s’étaient amusées à se métamorphoser en légumes et qui, à travers le déguisement de leur chair comestible et ferme, laissaient apercevoir en ces couleurs naissantes d’aurore, en ces ébauches d’arc-en-ciel, en cette extinction de soirs bleus, cette essence précieuse que je reconnaissais encore quand, toute la nuit qui suivait un dîner où j’en avais mangé, elles jouaient, dans leur farces poétiques et grossières comme une féerie de Shakespeare, à changer mon pot de chambre en un vase de parfum.

marcel proust, ‚à la recherche du temps perdu – du côté de chez swann‘, paris, 1913.

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Swann avait le toupet de vouloir nous faire acheter une Botte d’Asperges. Elles sont même restées ici quelques jours. Il n’y avait que cela dans le tableau, une botte d’asperges précisément semblables à celles que vous êtes en train d’avaler. Mais moi je me suis refusé à avaler les asperges de M. Elstir. Il en demandait trois cents francs. Trois cents francs une botte d’asperges ! Un louis, voilà ce que ça vaut, même en primeurs !

marcel proust, ‚à la recherche du temps perdu – le côté de guermantes‘, paris 1920/21.