klein-garten-kultur: speak to the earth and it will tell you

§ 1 Begriffsbestimmungen

(1) Ein Kleingarten ist ein Garten, der

1. dem Nutzer (Kleingärtner) zur nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient (kleingärtnerische Nutzung) und
2. in einer Anlage liegt, in der mehrere Einzelgärten mit gemeinschaftlichen Einrichtungen, zum Beispiel Wegen, Spielflächen und Vereinshäusern, zusammengefaßt sind (Kleingartenanlage).

bundeskleingartengesetz, BKleingG erlassen am 28. februar 1983

§ 1 Die pachtrechtlichen Grundlagen

(1) Die Kleingartenanlage ist Bestandteil des öffentlichen Grüns. Sie ist als Gemeinschaftsanlage einzurichten, zu nutzen und der Allgemeinheit als Begegnungs- und Erholungsstätte zugänglich zu machen, deshalb sind die Tore zur Kleingartenanlage tagsüber geöffnet zu halten.

gartenordnung, stadt- und bezirksverband münster der kleingärtner e.v.

nicht grösser als 400 m² und eine laube mit höchstens 24 m² grundfläche sagt das bundeskleingartengesetz. höhe der hecken, genaue prozentuale verteilung von nutz- und ziergartenanteilen, gemeinschaftsarbeit im verein sind gesetzlich oder durch die vereine geregelt. der garten, ein hortus conclusus, als privater rückzugsort in einer durch vereinsstatuten geregelten, öffentlich zugänglichen, gemeinschaft. der klein- oder schrebergarten galt als spiessig. der namensgeber des ersten schrebervereins, nicht wie häufig gedacht der begründer, daniel gottlob moritz schreber, hat das image nicht verbessert. musteranlagen auf bundesgartenschauen sind eher kuriositätenkabinette. wenn bestehende anlagen mit eingeplant werden bekommen sie den charme von kleinen „völkerschauen“. neben barockgärten, landlustphantasien vom bauerngarten und gartenreisen nach england haben kleingärten kaum eine chance. für landschaftsarchitekten und gartenhistoriker selten ein thema. beispiele wie die lauben und mustergärten von margarethe schütte-lihotzky im rahmen des stadtplannungsprogramms ’neues frankfurt‘ (1925 – 30) unter der leitung von ernst may oder ‚de runde haver‘ (1948) von carl theodor sørensen in nærum, nördlich von kopenhagen, würden mehr beachtung verdienen.

zeiten ändern sich. der klassische gartenzwerg wird von einer neuen invasiven spezies aus den deko-abteilungen der baumärkte, dem erdmännchen, verdrängt. die begierde der immobilienbranche und der kommunen auf die begärtnerten grünflächen innerhalb der städte wird grösser. gleichzeitig werden die wartelisten der kleingartenvereine für freie parzellen länger. und die kleingärtner? wie funktioniert eine kleingartenanlage?

speak to the earth and it will tell you

jeremy deller wurde 2007 zu den skulptur projekten eingeladen: tagebücher & samen des davidia involucrata / taschentuchbaums (ein exemplar, davidia involucrata var. vilmoriana, steht im botanischen garten in münster) der nach zehn jahren, im rhythmus der skulptur projekte, blühen soll. Weiterlesen

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marcel broodthaers. eine retrospektive: section botanique (les palmiers)

fig. 1 obere reihe, l.: das ständehaus, der ehemalige landtag des landes nrw, erbaut als provinziallandtag der preussischen rheinprovinz von julius raschdorff (1880) mit der glaskuppel von kiessler+partner (1995-2001) am kaiserteich in der parkanlage von maximilian weyhe; r.: ‚l’entrée de l’exposition‘: hoewa forsteriana, vorsicht kellertreppe … untere reihe, l.: ‚jardin d’hiver‘, phoenix roebelenii unterhalb der wasserlinie … & r.: adler in düsseldorf, auf der kö.

die retrospektive von marcel broodthaers, organisiert vom museum of modern art, new york, und dem museo nacional centro de arte reina sofia, madrid, ist auf ihrer letzten station dem k21 / kunstsammlung nrw angekommen, in düsseldorf, wo broodthaers von 1970 bis 1972 lebte und arbeitete.

der belgische künster hatte, bevor er 1964 entschied statt schriftsteller künstler zu sein, kontakt zur groupe surréaliste révolutionaire und rené magritte. er publizierte gedichte. 1964 verarbeitete er einen stapel flugblätter mit dem gedicht ‚pense bête‘ zu einer skulptur. im selben jahr entstand ‚la clef de l’horloge – un poème cinématographique en l’honneur de kurt schwitters‘, der erste film. von der poesie rimbauds und mallarmés zu magritte und schwitters. wort und bild, moules et frites, adler und palmen. Weiterlesen

keimen, wachsen, vergehen / adonisgärten & ‚grass grows‘ von hans haacke

Sokrates: […] Sage mir aber dieses, ob ein verständiger Landmann den Samen, den er vor andern pflegen und Früchte von ihm haben möchte, recht eigens im heißen Sommer in einem Adonisgärtchen streuen und seine Freude daran haben wird ihn in acht Tagen schön in die Höhe geschossen zu sehen? oder ob er dieses nur als ein Spiel und bei festlichen Gelegenheiten thun wird, wenn er es ja thut; jenen aber, womit es ihm Ernst ist, nach den Vorschriften der Kunst des Landbaues in den gehörigen Boden säen, und zufrieden sein, wenn was er gesäet im achten Monat seine Vollkommenheit erlangt?

Phaidros: Gewiß so, o Sokrates, würde er dieses im Ernst, jenes, wie du sagtest, nur anders thun.

Sokrates: Und sollen wir sagen, daß wer vom Gerechten, Schönen und Guten Erkenntnis besitzt, weniger verständig als der Landmann verfahren werde mit seinem Samen?

Phaidros: Keinesweges wohl.

platon, ‚phaidros‘. übersetzung: ‚platons werke von f[riedrich] schleiermacher. erster theil, erster band, berlin, 1804.

Die Adonisgärten (κηποι Αδώνιδος), für den Sinn des Adonisfestes so bezeichnend, waren nach [august] Böckh „Pflanzungen in kleinen Töpfen: die ohne Zweifel den Garten darstellen sollten, in welchem Aphrodite sich zum Adonis gesellte: dem Symbol der schnell hinwelkenden Jugendblüthe, des üppigen Wachsthums und des Vergehens. Die Adonien waren also ein Trauerfest der Weiber, eines jener Feste, durch welche das Alterthum die hinsterbende Natur betrauerte. Wie wir von Treibhauspflanzen reden im Gegensatze des Naturwüchsigen, so haben die Alten oft sprichwörtlich das Wort Adonisgarten gebraucht, um damit schnell Emporgesprossenes, aber nicht zu tüchtiger Reife und Dauer Gediehenes zu bezeichnen. Die Pflanzen: nicht vielfarbige Blumen, nur Lattich, Fenchel, Gerste und Weizen, wurden mit emsiger Pflege zu schnellem Wachsthum gebracht; auch nicht im Winter, sondern im vollen Sommer, und in einer Zeit von acht Tagen.“ [georg friedrich ]Creuzer (Symbolik und Mythologie [der alten völker, besonders der griechen, 1812ff.] Th. II. 1841 S. 427, 430, 479 und 481) glaubt indeß, daß zur Beschleunigung des Wachsthums der Pflanzen in den Adonisgärtchen „starke natürliche, und auch wohl künstliche Wärme im Zimmer angewendet wurde“.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

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‚growth of grass‘ ist eine frühe arbeit von hans haacke. zuerst in der ausstellung ‚earth art‘ im andrew dickson white museum of art, cornell university, ithaca, n.y., 11/02 – 16/03/1969 ausgestellt. kuratiert wurde die austellung von willoughby sharp, neben haacke waren u.a. arbeiten von robert smithson, richard long und jan dibbets in der austellung vertreten. ‚growth of grass‘ (oder ‚grass grows‘, grösse variabel, 1969 ff., eigentum des künstlers) ist ein konischer erdhügel der mit samen bepflanzt wird die während der ausstellung keimen, wachsen und absterben. cf. ‚grass cube‘ (1967).

Haacke I would like to make it very short. I have put about a cubic yard of top soil mixed with peat into a naturally well-lit room in the Museum. It [the pile of soil] is cone shaped, like a sandcastle, and I seeded it with winter rye and annual rye seed, and hopefully by the day of the opening sprouts will come out of the ground. The shape of this mound is of no relevance. I’m not interested in the form. I’m more interested in the growth of plants – growth as a phenomenon which is something that is outside the realm of forms, composition, etc., and has to do with interaction of forces and interaction of energies and information. My comment for the catalog when asked for astatement is „Grass grows.“

[…]

Questioner (to Haacke) Don’t you identify your piece with a type of gardening?

Haacke Oh, I suppose. But the intention is very different.

Questioner I mean, you were the one who planted the seeds in the pile, weren’t you?

Haacke Yes, but it could have been somebody else!

Questioner How is this different from someone going out and working in a garden? Would that be a form of earth art?

Haacke Well, I suppose he doesn’t do it for the same reasons that I do.

Questioner So it’s the intent that’s different?

Haacke I guess so.

[…]

Haacke Well, on the point of how it looks. I believe we are still carrying this heavy burden of „visual“ art. When the term „aesthetics“ was brought up in this discussion, it was immediately coupled with the looks of something. I believe art is not so much concerned with the looks. It is much more concerned with concepts. What you see is just a vehicle for the concept. Sometimes you have a hard time seeing this vehicle, or it might even not exist, and there is only verbal communication or a photographic record or a map or anything that could convey the concept.

[neil] Jenney (to Haacke) Say if you’ve got a whole pile of wood and not much dirt, would you consider using cinder blocks to fill up the spaces so you don’t have to use so much dirt, or is it important that the whole thing consists of dirt?

Haacke I guess the guideline would be what is the most efficient thing to do. If the rye that I seeded could have grown on cinder blocks, then it wouldn’t have mattered if I used cinder blocks.

Jenney No, I mean the space. What if you only had half a yard of dirt and you wanted it a yard size, right? Would you fill the inside with rocks?

Haacke It could be done. It’s not that important.

Jenney The reason it is the size it is …

Haacke It is an economic consideration, in view of what is to be achieved. What, from an agricultural viewpoint is the most efficient, and what is the viewpoint that causes most effectiveness, and so on.

Jenney Wouldn’t it have been more efficient then to grow grass on a flat plain?

Haacke It could have been done but then you couldn’t have walked around it. That aspect would have been lost and in this case we have a room that has natural light on two sides and artificial light and no light on the other two sides. The result is most likely to be that grass will grow toward the natural light and will be much longer on that side and will be meager on the side that is facing the artificial light, or will be much shorter. These are ecological phenomena which I am very much interested in.

Questioner Do you wish the concept to be developed through association? Why do you use the medium of earth?

Haacke It is the material in which growth takes place.

excerpts from a symposium on earth art held at cornell university, february 6, 1969. catalog ‚earth art‘, ithaca, n.y., 1970.

[…]
I am for an art that takes into account the direct effect of the elements as they exist from day to day apart from representation. The parks that surround some museums isolate art into objects of formal delectation. Objects in a park suggest static repose rather than any ongoing dialectic. Parks are finished landscapes for finished art . A park carries the values of the final, the absolute, and sacred. Dialectics have nothing to do with such things. I am talking about a dialectic of nature that interacts with the physical contradictions inherent in natural forces as they are – nature as both sunny and stormy. Parks are idealizations of nature, but nature in fact is not a condition of the ideal. Nature does not proceed in a straight line, it is rather a sprawling development. Nature is never finished. When a finished work of 20th-century sculpture is placed in an 18th-century garden, it is absorbed by the ideal representation of the past, thus reinforcing political and social values that are no longer with us. Many parks and gardens are re-creations of the lost paradise or Eden, and not the dialectical sites of the present. Parks and gardens are pictorial in their origin – landscapes created with natural materials rather than paint. The scenic ideals that surround even our national parks are carriers of a nostalgia for heavenly bliss and eternal calmness.
Apart from the ideal gardens of the past, and their modern counterparts – national and large urban parks, there are the more infernal regions – slag heaps, strip mines, and polluted rivers. Because of the great tendency toward idealism, both pure and abstract, society is confused as to what to do with such places. Nobody wants to go on a vacation to a garbage dump. Our land ethic, especially in that never-never land called the „art world“ has become clouded with abstractions and concepts.
[…]

robert smithson ‚cultural confinement‘ im katalog documenta 5, ‚befragung der realität – bildwelten heute‘ kuratiert von harald szeemann, kassel, 1972. reprinted in ‚the writings of robert smithson‘, ed. by nancy holt, new york, 1979.

‚floating island to travel around manhattan island‘ by robert smithson

robert smithson, ‚floating island to travel around manhattan island‘, new york, 1970/2005, produced by minetta brook in collaboration with the whitney museum of american art.

gärten & landschaften in der (hamburger) kunst(halle)

gärten & landschaften in der (hamburger) kunst(halle)

kein garten- oder museumsbesuch ohne kaffeepause…

parks & gärten im film: ‚freshkill‘ von gordon matta-clark, gefilmt im heutigen ‚freshkills park‘

parks & gärten im film: 'freshkill' von gordon matta-clark, gefilmt im heutigen 'freshkills park'

parks & gärten im film, bevor sie ein park oder garten waren:

fresh kills‚ von gordon matta-clark zeigt die zerstörung von matta-clark`s truck „herman meydag“ auf der mülldeponie fresh kills landfill in staten island, new york. der film wurde im entstehungsjahr – 1972 – auf der von harald szeemann kuratierten documenta 5 (befragung der realität – bildwelten heute) gezeigt.

nachdem die mülldeponie bereits geschlossen war, wurde sie nach dem terroranschlag auf das world trade center – 9/11 – für die deponierung des schutts wieder geöffnet.

ab 2011 lief ein design-wettbewerb zur schaffung des ‚freshkills park‚. 2003 erhielt james corner field operation (u.a. the high line) den zuschlag für die plannung.

‚lines in four directions in flowers‘ von sol lewitt

parterre im fairmount park, philadelphia. philadelphia museum of art.

pflanzenliste auf dem blog von olin:

Framed by a Green Mountain Boxwood hedge, flowers within each color palette are as follows (by common plant names):

– White: Bellflower [Campanula ‚Chettle Charm‘], Guara, Obedient Plant, White Coneflower, Phlox ‘David’
– Yellow: False Indigo , Perennial Sunflower [Heliopsis ‚Tuscan Sun‘], Yellow Coneflower, Yarrow
– Red: Red Yarrow, Blanket Flower [Gaillardia ‚Gallo Red‘] , Red Sage, Cardinal Flower, Red Avens
– Blue: Great Blue Lobelia, Russian Sage, Sea Holly, False Indigo [Baptisia ‚Midnight Prairieblues‘] , Woodland Sage

dan graham – museum as garden/garden as museum