Sich genügen lassen. – Die erlangte Reife des Verstandes bekundet sich darin, dass man dorthin, wo seltene Blumen unter den spitzigsten Dornenhecken der Erkenntniß stehen, nicht mehr geht und sich an Garten, Wald, Wiese und Ackerfeld genügen läßt, in Anbetracht, wie das Leben für das Seltene und Außergewöhnliche zu kurz ist.

friedrich nietzsche, ‚menschliches, allzumenschliches – ein buch für freie geister‘, chemnitz, 1879.

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If a plant bores you, something must be done about it. The simplest course, if it belongs to you, is to throw it out. If it is someone else’s, look the other way. If it belongs to someone you rather dislike anyway, don’t be ashamed to let it confirm you in an inclusive repulsion. At the least, you must react somehow. If you accept all your surroundings meekly, something in you will die.

christopher lloyd, ‚colour clash‘ in ‚the guardian‘, 01/10/2005

Je länger wir über das Problem der Ökologie und Ästhetik nachdenken, desto tiefer geraten wir in Paradoxien, und zwar auf beiden Seiten des Begriffspaares: Die Ökologie befindet sich in einer Debatte um ihre Ziele, und die Seite der Ästhetik, der Wahrnehmbarkeit und Darstellung der Natur, befindet sich in einer tiefen Krise, der Krise der heutigen Gartenkunst. Woher kommt diese Entwicklung, was hat sich in unserer Welt oder unserer Gesellschaft verändert, daß so normal scheinende Begriffe wie Natürlichkeit und gärtnerische Schönheit in Zweifel, ins Wanken geraten?
[…]
Daß wir heute ökologisch gärtnern, erscheint mir eine Selbstverständlichkeit. Ökologisches Gärtnern ist aber noch keine Darstellung, keine Wahrnehmbarmachung von Natur. Die Mittel einer solchen neuen Gartenkunst müssen erst erarbeitet werden.

lucius burckhardt, ‚ästhetik und ökologie‘ zuerst in bauwelt # 81/39, 1990, wiederabgedruckt in ‚warum ist landschaft schön? die spaziergangswissenschaft‘, hrsg. von markus ritter und martin schmitz, berlin, 2006.

As Apothecaries we make new mixtures everie day, poure out of one vessel into another; and as those old Romanes rob’d all the cities of the world, to set out their bad-sited Rome, we skim off the creame of other mens wits, pick the choice flowers of their till’d gardens to set out our own sterill plots.

robert burton, ‚the anatomy of melancholy. what it is, with all the kinds, causes, symptomes, prognostickes & severall cures of it […]‘, oxford, 1638 (erstausgabe 1621)

Gartenkunst. Diese Kunst hat eben so viel Recht als die Baukunst, ihren Rang unter den schönen Künsten zu nehmen. Sie stammt unmittelbar von der Natur ab, die selbst die vollkommenste Gärtnerin ist. So wie also die zeichnenden Künste die von der Natur gebildeten schönen Formen zum Behuf der Kunst nachahmen, so macht es auch die Gartenkunst, die mit Geschmack und Überlegung jede Schönheit der leblosen Natur nachahmet und das, was sie einzeln findet, mit Geschmack in einen Lustgarten vereinigt. Da die Natur den allgemeinen Wohnplatz der Menschen so schön ausgeschmückt und mit Gegenständen so mancherlei Art, die in so angenehmer Abwechslung auf uns wirken, bereichert hat; so ist es sehr vernünftig, dass der Mensch in Anordnung seines besonderen Wohnplatzes ihr darin nachahmet und sich die Gegend, wo er die meiste Zeit seines Lebens zubringen muss, so schön macht als er kann. Dazu hilft ihm die Gartenkunst, der es auch nicht an sittlicher Kraft auf die Gemüter fehlt, […]. Man sieht augenscheinlich, dass die Einwohner schöner Länder mehr Leben und mehr Anmutigkeit des Geistes besitzen als die, die vom Schikcksal in schlechte Gegenden versetzt worden sind.
Das Wesen dieser Kunst besteht also darin, dass sie aus einem gegebenen Platz, nach Maßgabe seiner Größe und Lage, eine so angenehme und zugleich so natürliche Gegend mache als es die besonderen Umstände erlauben. Sie hat keine andere Grundsätze als ein gesundes Urteil und Geschmack, auf die Betrachtung dessen angewendet, was in Gegenden, Landschaften und einzeln Teilen derselben angenehm ist. Man studiret diese Kunst bloß in der Natur selbst, bei Spaziergängen, bald in offenen Gegenden, bald in Wäldern, bald in Büschen oder auf einsamen Fluhren, auf Hügeln und in Thälern. Jede Schönheit, die die Natur an solchen Orten anzubringen gewußt hat, muss einem verständigen Gärtner fühlbar sein. So wie der Historienmaler Phisionomien, Stellungen und Gebärden beobachtet und sammelt, so bereichert der Gärtner seine Einbildungskraft mit angenehmen Gegenden und Szenen, um bei jedem Garten so viel als sich jedesmal schickt, davon anzubringen.

Quæ deserta et inhospita tesqua Credis, amoena vocat mecum qui sentit; et odit Quæ tu pulchra putas.*

Man ist in keiner Kunst mehr von den wahren Grundsätzen, auf denen sie beruht, abgewiechen als in dieser. Mancher Eigentümer oder Gärtner glaubt einen um so viel schönern Garten zu haben, um so mehr es ihm gelungen ist, die Natur daraus zu verdrängen. Man macht Büsche von dürrem Holz und Fluhren von Corallen. Man sucht, so viel möglich, wie in einem Gebäude, eine Hälfte des Gartens der anderen ähnlich zu machen, da die Natur die Eurythmie überall in Landschaften vermeidet. Wie mancher natürlich schöner Platz ist nicht mit erstaunlichen Unkosten in einen unfruchtbaren und langweiligen Platz verwandelt worden?

johann georg sulzer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, leipzig, 1771–1774.

* quintus horatius flaccus, ‚epistulae‘: „denn was du für rauhe verödete wildnis ansiehst, nennt anmutig, wer mir beistimmt, und hasset,was du achtest für schön.“ übersetzung von johann heinrich voß, ’sämmtliche übersetzungen der klassischen dichter der römer. zweiter theil: quint. horatius flaccus, zweiter band: satyren und episteln‘, heidelberg, 1806. epistel I,14.

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chodowiecki_sulzer_kupfer_1771_500   daniel nikolaus chodowiecki, titelkupfer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, 1771.

 

Rege sub hoc Pomona fuit, qua nulla Latinas
inter hamadryadas coluit sollertius hortos
nec fuit arborei studiosior altera fetus;
unde tenet nomen: non silvas illa nec amnes,
rus amat et ramos felicia poma ferentes;
nec iaculo gravis est, sed adunca dextera falce,
qua modo luxuriem premit et spatiantia passim
bracchia conpescit, fisso modo cortice virgam
inserit et sucos alieno praestat alumno;
nec sentire sitim patitur bibulaeque recurvas
radicis fibras labentibus inrigat undis.
hic amor, hoc studium, Veneris quoque nulla cupido est;
vim tamen agrestum metuens pomaria claudit
intus et accessus prohibet refugitque viriles.
quid non et Satyri, saltatibus apta iuventus,
fecere et pinu praecincti cornua Panes
Silvanusque, suis semper iuvenilior annis,
quique deus fures vel falce vel inguine terret,
ut poterentur ea? sed enim superabat amando
hos quoque Vertumnus neque erat felicior illis.
o quotiens habitu duri messoris aristas
corbe tulit verique fuit messoris imago!
tempora saepe gerens faeno religata recenti
desectum poterat gramen versasse videri;
saepe manu stimulos rigida portabat, ut illum
iurares fessos modo disiunxisse iuvencos.
falce data frondator erat vitisque putator;
induerat scalas: lecturum poma putares;
miles erat gladio, piscator harundine sumpta;
denique per multas aditum sibi saepe figuras
repperit, ut caperet spectatae gaudia formae.
ille etiam picta redimitus tempora mitra,
innitens baculo, positis per tempora canis,
adsimulavit anum: cultosque intravit in hortos
pomaque mirata est ‚tanto‘ que ‚potentior!‘ inquit
paucaque laudatae dedit oscula, qualia numquam
vera dedisset anus, glaebaque incurva resedit
suspiciens pandos autumni pondere ramos.
ulmus erat contra speciosa nitentibus uvis:
quam socia postquam pariter cum vite probavit,
‚at si staret‘ ait ‚caelebs sine palmite truncus,
nil praeter frondes, quare peteretur, haberet;
haec quoque, quae iuncta est, vitis requiescit in ulmo:
si non nupta foret, terrae acclinata iaceret;
tu tamen exemplo non tangeris arboris huius
concubitusque fugis nec te coniungere curas.
atque utinam velles! Helene non pluribus esset
sollicitata procis nec quae Lapitheia movit
proelia nec coniunx nimium tardantis Ulixis.
nunc quoque, cum fugias averserisque petentes,
mille viri cupiunt et semideique deique
et quaecumque tenent Albanos numina montes.
sed tu si sapies, si te bene iungere anumque
hanc audire voles, quae te plus omnibus illis,
plus, quam credis, amo: vulgares reice taedas
Vertumnumque tori socium tibi selige! pro quo
me quoque pignus habe: neque enim sibi notior ille est,
quam mihi; nec passim toto vagus errat in orbe,
haec loca sola colit; nec, uti pars magna procorum,
quam modo vidit, amat: tu primus et ultimus illi
ardor eris, solique suos tibi devovet annos.
adde, quod est iuvenis, quod naturale decoris
munus habet formasque apte fingetur in omnes,
et quod erit iussus, iubeas licet omnia, fiet.
quid, quod amatis idem, quod, quae tibi poma coluntur,
primus habet laetaque tenet tua munera dextra!
sed neque iam fetus desiderat arbore demptos
nec, quas hortus alit, cum sucis mitibus herbas
nec quicquam nisi te: miserere ardentis et ipsum,
qui petit, ore meo praesentem crede precari.
ultoresque deos et pectora dura perosam
Idalien memoremque time Rhamnusidis iram!
quoque magis timeas, (etenim mihi multa vetustas
scire dedit) referam tota notissima Cypro
facta, quibus flecti facile et mitescere possis.

publius ovidius naso, ‚metamorphoseon‘, liber XIV, 623 – 697.

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Nie war eine vordem der latinischen Hamadryaden
Ämsiger, als Pomona, in blühender Gärten Bestellung,
Nie geschäftiger eine für saftige Früchte des Baumes.
Davon ward sie benamt. Nicht Waldungen liebt sie, noch Flüsse;
Aber die Flur, und Äste mit glücklichem Obste belastet;
Und für den Wurfspiess trägt sie die mondliche Hipp‘ in der Rechten,
Die bald üppigen Wuchs ihr bändiget, und die verwildert
Schweifenden Arme bezähmt, und bald in gespaltene Rinde
Pfropfet das Reis, und Säfte dem kindlichen Fremdlinge darbeut.
Nichts auch läßt sie verschmachten vor Durst, und der schlürfenden Wurzel
Zackige Fäserchen tränkt sie mit sanft umgleitender Welle.
Das ist Lust und Geschäft! Auch der Cypria achtet sie gar nicht.
Scheuend indes die Gewalt der Ländlichen, schließt sie den Obsthain
Drinnen, und sorgsam wehrt und meidet sie männlichen Zugang.
Was nicht alles ersann die im Tanz aufhüpfende Jugend,
Satyre! und, um die Hörner gekränzt mit der Fichte, die Panen;
Auch Silvanus der Greis, stets jugendlich über sein Alter;
Und der Gott, der den Dieb mit Pfahl und Hippe verscheuchet:
Ihrer Umarmung zu nahn! Selbst diesen auch strebte Vertumnus
Liebend zuvor; allein nicht glücklicher war er, denn jene.
O wie trug er so oft in der Tracht des gehärteten Schnitters
Ähren im Korb, und war ein wirklicher Schnitter von Ansehn!
Oft, wann er zierlich die Schläfe mit frischem Heu sich umwickelt,
Schien’s, als hätt‘ er des Grases gemähete Schwade gewendet.
Oft auch trug er den Stachel in starrender Rechte; da schwur man,
Daß er nur eben vom Joch die ermüdeten Farren gelöset.
Nahm er die Hippe, so schor er dir Laub, und schneitelte Reben;
Hatt‘ er die Leiter gefaßt, er schien Obst pflücken zu wollen;
Kriegsmann war er mit Schwert, mit Rohr in den Händen ein Fischer.
So durch viele Gestalten eröffnete jener sich häufig
Zugang, um zu genießen die Lust der betrachteten Schönheit.
Dieser anjetzt, die Schläfen mit bunter Müze verhüllend,
Ging am Stabe gestützt, grauschimmerndes Haar um die Schläfen,
Einem Mütterchen gleich, und trat in den zierlichen Garten.
Drinnen das Obst anstaunend: O ganz Glückselige! sprach er;
Dann die Gelobete küsst‘ er mit wenigen Küssen; doch niemals
Gab sie ein Mütterchen so; und gekrümmt auf die Scholle sich sezend,
Schaut‘ er empor zu den Ästen, die schwer vom Herbste sich bogen.
Gegen ihm stand ein Ulm mit schwellenden Trauben gebreitet.
Als er jenen gerühmt, und zugleich die gesellete Rebe:
Stände nun, sagt‘ er, der Stamm ehlos, ungepaart mit dem Weinschoss,
Nichts wär‘ ausser dem Laube, was ihn zu besuchen uns reizte.
Auch die verbundene Rebe, die sanft ausruhet im Ulmbaum,
Wäre sie nicht vermählt, sie läge gestreckt auf der Erde.
Doch du bleibst ungerührt von des Baums so lehrendem Beispiel,
Fliehst das ehliche Lager, und denkst an keine Vermählung!
Aber, o wolltest du nur! Nicht Helena hätten so viele
Freier gedrängt, noch jene, die Kampf den Lapithen erreget,
Noch des Ulysses Gemahlin, des Trotzigen gegen Verzagte!
Jezo sogar, wie sehr du die Liebenden fliehst und verabscheust,
Drängen sich tausend Bewerber um dich, Halbgötter und Götter,
Und was immer für Mächt‘ albanische Berge bewohnen.
Doch wenn du klug bist, Kind, wenn du wohl heiraten, und hören
Dieses Mütterchen willst, das mehr als alle die andern,
Mehr wie du glaubst, dich liebt, so verwirf alltägliche Freier,
Und den Vertumnus erwähle zum Bräutigam! Für den Vertumnus
Setz‘ ich zum Pfande mich dir! denn er kennt sich selber nicht besser,
Als ich ihn! Nicht schweift er, umher stets irrend, die Welt durch;
Hier nur treibt er Verkehr. Auch nicht, wie die Menge der Freier,
Macht, was er sah, ihn verliebt; du wirst ihm zuerst, und zuletzt ihm,
Rühren das Herz; dir allein wird ganz sein Leben geweiht sein.
Hiernächst ist er ein Jüngling, und angebotene Zierde
Ward ihm verliehn; auch nimmt er mit Anstand jede Gestalt an,
Und was du immer verlangst, verlang‘ auch alles, das wird er.
Einerlei liebt ihr Beide: denn jegliches Obst, das du aufziehst,
Hat er zuerst, und hält dein Geschenk in fröhlicher Rechte.
Doch nicht mehr von den Bäumen gesammelte Früchte begehrt er,
Noch wohlschmeckende Kräuter, die mild der Garten erzeuget:
Nichts mehr, außer dich selbst! O erbarm‘ dich des Schmachtenden; denk‘ ihn
Selbst den Bittenden hier, der aus meinem Munde dich anfleht!
Rächender Götter Gewalt, und Idalia, welche den Starrsinn
Züchtiget, scheue, mein Kind, und den Zorn der rhamnusischen Göttin!
Dir die Scheu zu erhöh’n (denn mancherlei Kund‘ hat das Alter
Mir ja gewährt), so erzähl‘ ich, was weit in Cyprus bekannt ist,
Schickungen, welche dein Herz leicht bändigen können und mildern.

publius ovidius naso, ‚verwandlungen‘ in der übertragung von johann heinrich voß, berlin,1798.

[…] Auch ich war immer daheim, grub, krautete, stocherte, handhabte die Gießkanne, besah alles, was wuchs, tagtäglich genau und bin daher mit jeder Rose, mit jedem Kohlkopf, mit jeder Gurke intim bekannt geworden. Eine etwas beschränkte Welt, so scheint’s. Und doch, wenn man’s recht erwägt, ist all das Zeugs, von dem jedes einzelne unendlich und unergründlich ist, nicht weniger bemerkenswerth, als Alpen und Meer, als Japan und China. […]

wilhelm busch an johanna keßler, wiedensahl, 30. juli 1896.

I knew a parson who frightened his congregation terribly by telling them that the second coming was very imminent indeed, but they were much consoled when they found that he was planting trees in his garden. The early Christians did really believe it, and they did abstain from such things as planting trees in their gardens, because they did accept from Christ the belief that the second coming was imminent. In that respect, clearly He was not so wise as some other people have been, and He was certainly not superlatively wise.

bertrand russell, ‚why i am not a christian‘, lecture on march 6, 1927 to the national secular society at battersea town hall , london. published in pamphlet form in that same year. reprinted in ‚why i am not a christian: and other essays on religion and related subjects‘, london, 1957.