winter: „Hinter dieser Hecke, jetzt kahl …“ / ’naturgedichte, I (svendborg)‘ von bertolt brecht

Durch das Fenster, die zwölf Quadrate
Sehe ich einen knorrigen Birnbaum mit hängenden Zweigen
In einem unebenen Rasen, auf dem etwas Stroh liegt.
Er ist begrenzt durch einen Trakt aufgeworfener Erde
In die Büsche gepflanzt sind und niedere Bäume.
Hinter dieser Hecke, jetzt kahl im Winter
Läuft der Fußweg, begrenzt durch ein Gatter
Kniehoher und weißgestrichener Latten: schon einen Meter hinter ihm
Steht ein kleines Haus mit zwei Fenstern im grünen Holzrahmen
Und einem Ziegeldach, das so hoch wie die Mauer ist.
Die Mauer ist sauber weißgetüncht, auch die paar Meter Mauer
Die das Haus nach der Seite verlängern, nachträglich angebaut
Sind sauber weißgetüncht. So wie zur Linken, wo sie etwas zurücktritt
Ist eine grüne Holztür auch in dem Anbau
Und da auf der anderen Seite des Hauses der Sund anfängt
Dessen Wasserfläche nach rechts im Nebel liegt
Holzschuppen und Sträucher vor sich
Hat das kleine Haus wohl im ganzen drei Ausgänge.
Das ist gut für Bewohner, die gegen das Unrecht sind
Und von der Polizei geholt werden können.

bertolt brecht, ’naturgedichte,  I (svendborg)‘

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„Man zeigt also die erbärmlichsten Vorgärtchen …“ / ‚landhaus und garten‘ von hermann muthesius

Was die Allgemeinanlage des Hauses betrifft, so denke man nur an die Vorschrift der offensichtigen Vorgärten, die den Grundstückbesitzer in der unerhörtesten Weise in der sachgemäßen Aufteilung seines Grundstückes behindert, ihn zwingt, einen Teil seines teuer erworbenen Geländes zum Besten des Straßenpublikums als Prunkgarten zu unterhalten, der für ihn selbst nutzlos ist, und überdies jenes über alle Maßen trostlose Straßenbild schafft, das mit seinen erbärmlichen Drahtgitterzäunen geradezu eine Spezialität der deutschen Großstadtvororte geworden ist. Hier liegt ein Irrtum vor, der vom Standpunkte des Rechtes des Individuums ebenso sehr zu verurteilen ist wie vom ästhetischen. Vom ästhetischen Standpunkte liegt ihm die ganz grobe Auffassung zugrunde, daß man alles gewissermaßen auf dem Präsentierbrett zeigen müßte, um künstlerisch zu wirken. Man zeigt also die erbärmlichsten Vorgärtchen durch ein Drahtmaschengitter und hinter ihnen militärisch in Reih und Glied aufgerichtet, die „Fassaden“ der Villen von oben bis unten. Wie viel abwechslungsreicher, gediegener und, mit kurzen Worten, anständiger wäre das Straßenbild, wenn man gestattete, daß sich jeder mit seiner Abgrenzung nach der Straße abfinden kann, wie er will. Da würde man Gartenmauern sehen, über die blühende Sträucher nicken, ganz im Hintergrunde des Grundstücks ragt aus Baumgruppen ein roter Hausgiebel hervor. Welch ein poetischer Anblick! Welcher Frieden umlagert das Haus, die Phantasie ergänzt sogleich ein Paradies. Der Nachbar zäunt sich mit einer hohen lebenden Hecke ein, der dritte setzt an die Straßenflucht ein Nebengebäude, das einen dem Hause vorgelagerten Hof umschließt. Die Lösungen sind die mannigfaltigsten und fast immer von anziehender Wirkung. Man sieht, daß hinter der Straßengrenzung denkende freie Menschen wohnen, wahrend der öde Schematismus der Vorgärten mit Drahtzaun im Bewußtsein des Beschauers alle Anwohner zu gedankenlosen Strohköpfen herabdrückt.

hermann muthesius, ‚landhaus und garten. beispiele neuzeitlicher landhäuser nebst grundrissen, innenräumen und gärten‘, münchen 1907

wanderung über holnis, durch knicks …

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der zaun / ‚gras darf nicht mehr wachsen‘ von hermann mattern

Der Zaun

[…]

Mit dem Sündenfall beginnt die Arbeit, die cultura – und damit die Ausbeutung. Die Menschen erfanden hierzu zwei Wirtschaftsformen. Sie zähmten Tiere, oder sie pflanzten.

Um Tiere zu halten, mußten sie eingesperrt werden. Um die Pflanzen vor unliebsamen Störungen zu schützen, mußten sie eingehegt werden.

[…]

Von ihrem Standort aus ineinandergebogene Ranken, Halme und Äste bildeten wahrscheinlich den ersten Zaun. Später mögen es zusammengeflochtene dornige Zweige gewesen sein und noch später Pfosten aus jungen Bäumen, dicht an dicht gerammt. Wie dabei das Problem des Einlasses, des Tores, gelöst war, bleibt ein Rätsel.

Voraussetzung für diese Art von Einzäunung war das Vorhandensein von Wald, zumindest von Bäumen, deren Astgabeln im nächsten Stadium als Ständer benutzt wurden, die mit darübergelegten Firsthölzern zu einer lockeren Verbindung kamen. Der Firstbaum regte zu der ersten Holzkonstruktion an, auf der bis heute das Prinzip des Ständerhauses mit Giebeldach variiert wird.

Wo die Vegetation keinen Baustoff lieferte, wurden Steine zum Einfriedigen benutzt. Auch diese Methode ist bis heute in Gebrauch und wurde ebenfalls bis zum Hausbau vervollkommnet.

Zäune aller Art, Grenzbäume, Schranken, Maschendrahtgewebe, Weidedrähte und Oberleitungen über Masten „schmücken“ seitdem in zunehmenden Maße unsere Landschaften. […]

Die weit weniger aufwendigen und auffallenden Wälle und Gräben, aus dem Bodenrelief selbst entwickelt, die lebende Hecke und das trockengeschichtete Mauerwerk aus den im Feld bei der Kulturarbeit aufgelesenen Steinen, verschwinden mehr und mehr aus den Wirtschaftslandschaften. Sie aber gerade sind es, die die Landschaft, ebenso wie der Gartenzaun sein Gehege, vor der Aushagerung des Bodens bewahren sollen, die helfen, ein Kleinklima zu schaffen, das dem Verbrauch des so wertvollen Humus entgegenwirkt.

Durch den Verbau offener, gepflügter oder gemähter und beweideter Flächen mit Hecken, Waldstreifen, Zäune, Mauern wird der Kulturbedingte Verlust an Boden gemindert, den Windbrecher verhindern Erosionen.

[…]

Das Aussondern von Land durch das Setzen eines Zaunes zum Schutz oder zur Abwehr ist der Beginn dessen, was wir heute Kulturtechnik nennen. Bodenverbesserung, Bodenerhaltung, Wasserentzug und Wasserzufuhr, das Austrocknen versumpfter Flächen einerseits und künstliche Bewässerung von Trockengebieten anderseits, Dränagearbeiten und Ödlandaufbereitung und das Abfangen rutschender Hänge und Böschungen durch Faschinen (z.B. an den Autobahnen) – das Ausheben von Gräben, der Kanalbau, das Anlegen von Terrassen, Weinbergsarbeiten, Reiskulturen – das Anpflanzen von Hecken, Waldschutzstreifen, der Wirtschaftswegebau, die Neulandgewinnung (z.B. das Einpoldern in Holland) und das Verbauen von Abschwemmungen, das Eindeichen von Deltabildungen, das Begradigen von Bächen und Flüssen, der Wildbachverbau und schließlich auch die Flurbereinigung sind meliorative Maßnahmen der Kulturtechnik.

Die gehenläufige Doppelwirkung des Ausgangsobjektes, nämlich des Zaunes als Schutz wie auch als Abwehr, sondert Land aus oder friedet es ein, verbessert es oder verfremdet es. Diese Zweischneidigkeit ist in allen meliorativen Maßnahmen gegeben.

[…]

hermann mattern, ‚gras darf nicht mehr wachsen: 12 kapitel über den verbrauch der landschaft‘, bauwelt fundamente 13, hrsg. v. ulrich conrad, berlin/frankfurt/m., 1964.

„le plus pressé, c’était le jardin“ oder landlust im 19. jh. / ‘bouvard et pécuchet’ von gustave flaubert

„Nous y voilà donc! Quel bonheur! Il me semble que c’est un rêve!“

Bien qu’il fût minuit, Pécuchet eut l’idée de faire un tour dans le jardin. Bouvard ne s’y refusa pas. Ils prirent la chandelle, et l’abritant avec un vieux journal, se promenèrent le long des plates-bandes. Ils avaient plaisir à nommer tout haut les légumes: „Tiens! des carottes! Ah! des choux.“

Ensuite, ils inspectèrent les espaliers. Pécuchet tâcha de découvrir des bourgeons. Quelquefois une araignée fuyait tout à coup sur le mur; – et les deux ombres de leur corps s’y dessinaient agrandies, en répétant leurs gestes. Les pointes des herbes dégouttelaient de rosée. La nuit était complètement noire; et tout se tenait immobile dans un grand silence, une grande douceur. Au loin, un coq chanta.

[…]

Puis ils se mirent à la croisée, pour voir le paysage.

On avait en face de soi les champs, à droite une grange, avec le clocher de l’église, – et à gauche un rideau de peupliers.

Deux allées principales, formant la croix, divisaient le jardin en quatre morceaux. Les légumes étaient compris dans les plates-bandes, où se dressaient, de place en place, des cyprès nains et des quenouilles. D’un côté, une tonnelle aboutissait à un vigneau, de l’autre un mur soutenait les espaliers; – et une claire-voie, dans le fond, donnait sur la campagne. Il y avait au delà du mur un verger, après la charmille un bosquet, derrière la claire-voie un petit chemin.

[…]

Les deux Parisiens désiraient faire leur inspection, […]

Ils s’en revinrent par la cavée, sous une avenue de hêtres. La maison montrait, de ce côté-là, sa cour d’honneur et sa façade.

[…]

Les quatre chambres au premier s’ouvraient sur le corridor qui regardait la cour. Pécuchet en prit une pour ses collections; la dernière fut destinée à la bibliothèque; et comme ils ouvraient les armoires, ils trouvèrent d’autres bouquins, mais n’eurent pas la fantaisie d’en lire les titres. Le plus pressé, c’était le jardin.

Bouvard, en passant près de la charmille, découvrit sous les branches une dame en plâtre. Avec deux doigts, elle écartait sa jupe, les genoux pliés, la tête sur l’épaule, comme craignant d’être surprise. – „Ah! pardon! Ne vous gênez pas!“ Et cette plaisanterie les amusa tellement que vingt fois par jour pendant plus de trois semaines, ils la répétèrent.

Cependant, les bourgeois de Chavignolles désiraient les connaître – on venait les observer par la claire-voie. Ils en bouchèrent les ouvertures avec des planches. La population fut contrariée.

Pour se garantir du soleil, Bouvard portait sur la tête un mouchoir noué en turban, Pécuchet sa casquette; et il avait un grand tablier avec une poche par devant, dans laquelle ballottaient un sécateur, son foulard et sa tabatière. Les bras nus, et côte à côte, ils labouraient, sarclaient, émondaient, s’imposaient des tâches, mangeaient le plus vite possible, – mais allaient prendre le café sur le vigneau, pour jouir du point de vue.

S’ils rencontraient un limaçon, ils s’approchaient de lui, et l’écrasaient en faisant une grimace du coin de la bouche, comme pour casser une noix. Ils ne sortaient pas sans leur louchet, – et coupaient en deux les vers blancs d’une telle force que le fer de l’outil s’en enfonçait de trois pouces. Pour se délivrer des chenilles, ils battaient les arbres, à grands coups de gaule, furieusement.

Bouvard planta une pivoine au milieu du gazon – et des pommes d’amour qui devaient retomber comme des lustres, sous l’arceau de la tonnelle.

Pécuchet fit creuser devant la cuisine, un large trou, et le disposa en trois compartiments, où il fabriquerait des composts qui feraient pousser un tas de choses dont les détritus amèneraient d’autres récoltes, procurant d’autres engrais, tout cela indéfiniment; – et il rêvait au bord de la fosse, apercevant dans l’avenir, des montagnes de fruits, des débordements de fleurs, des avalanches de légumes. Mais le fumier de cheval si utile pour les couches lui manquait. Les cultivateurs n’en vendaient pas; les aubergistes en refusèrent. Enfin, après beaucoup de recherches, malgré les instances de Bouvard, et abjurant toute pudeur, il prit le parti „d’aller lui-même au crottin!“

[…]

Puis les mauvais jours survinrent, la neige, les grands froids. Ils s’installèrent dans la cuisine, et faisaient du treillage; ou bien parcouraient les chambres, causaient au coin du feu, regardaient la pluie tomber.

Dès la mi-carême, ils guettèrent le printemps, et répétaient chaque matin: – „Tout part.“ Mais la saison fut tardive; et ils consolaient leur impatience, en disant: – „Tout va partir.“

Ils virent enfin lever les petits pois. Les asperges donnèrent beaucoup. La vigne promettait.

Puisqu’ils s’entendaient au jardinage, ils devaient réussir dans l’agriculture; […]

gustave flaubert, ‚bouvard et pécuchet‘, posthum veröffentlicht, paris, 1881.

kloster michaelstein

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hilde thoms, ‚der klostergarten michaelstein‘, schriftenreihe der stiftung kloster michaelstein, bd.1, 2005.