der grosse garten in herrenhausen, sophie von der pfalz & ‚als die royals aus hannover kamen‘

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der grosse garten in herrenhausen, kupferstich von nathaniel parr , um 1745.

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das rekonstruierte schloss herrenhausen in klassizistischem cremeweiss (in gegensatz zum barocken gelb der orangerie und der galerie) der letzten bauphase (von georg ludwig friedrich laves) mit einer phoenix canariensis / kanarischen dattelpalme im ehrenhof.

der erste besuch in herrenhausen nach dem wiederaufbau des schlosses. ein weiteres beispiel des grassierenden wiederaufbau- und rekonstruktionswahns… (das es anders geht, zeigt zwischen dem neubau und der barocken galerie das in der 60igern gebaute, von arne jacobsen entworfene, foyer!)

erstmal in die ausstellung: ‚als die royals aus hannover kamen – hannovers herrscher auf englands thron 1714 – 1837“ zum 300. jubiläum der personalunion. das schloss ist einer von vier ausstellungsorten der niedersächsischen landesaustellung 2014. in der flügeln des baues findet sich die abteilung ‚hannovers‘ herrscher auf englands thron 1714-1837′. der interessanteste teil ist der versuch, die sammlung von johann ludwig von wallmoden-gimborn zu rekonstruieren. wallmoden war ein unehelicher sohn von george II. und seiner mätresse amalie sophie marianne von wendt, verh. von wallmoden, später countess of yarmouth. mit hilfe von johann joachim winckelmann legte wallmoden seine sammlung an. bis zu seinem tod in seinem palais in hannover untergebracht: dem georgenpalais, heute ‚wilhelm busch – deutsches museum für karikatur und zeichenkunst“ (ein weiterer austellungsort der jübiläumsschau‘) im georgengarten. der rest der austellung ist übersichtlich und zeigt schon jetzt die schwierigkeiten der nutzung der räume. es ist eng und im kellergeschoss (unterirdische verbindung des west- und ostflügels) braucht man ohrstöpsel (es gibt noch besucher die nicht mit audioguides verstöpselt, ferngesteuert durch ausstellungen laufen) : die architekten haben bei der auswahl des bodenbelags eine variante gewählt die zu einem konzert von quietschender gummischuhsohlen führt. da ist das knirschen von kies unter den sohlen doch angenehmer: ab in den garten…

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eine von zwei herkulesstatuen am beginn der mittelachse an der nordseite des grossen paterres mit broderien und einer – für barocke verhältnisse – etwas zu üppigen bepflanzung…

der erste garten in herrenhausen war ein küchengarten, 1638 angelegt von herzog georg von braunschweig und lüneburg. aus dem küchengarten wurde ein lustgarten, dem seine heutige ausdehnung wesentlich sophie von der pfalz zu verdanken ist. sophie war die tochter friedrichs V. von der pfalz, des „winterkönigs“, und seiner frau elizabeth stuart, tochter jakobs VI. von schottland und als englischer könig jakob I.

in ihrer kindheit , während des exils ihres vater , von barocken niederländischen gärten geprägt und später im hortus palatinus (angelegt von salomon de caus) in heidelberg vetraut mit grossen gartenanlagen, war sophie nach ihrer heirat mit georg wilhelm von braunschweig-lüneburg und dessen erhebung zum kurfürsten von braunschweig-lüneburg (hannover) die treibende kraft im garten – „Le jardin  de Hermhausen, qui es ma vie“. sie holte den gärtner martin charbonnier, der schon für sie in osnabrück arbeitete nach hannover, und die grösse des gartens wurde verdoppelt. der grosse garten wurde zu einem intellektuellem zentrum seiner zeit philosophische gespräche im garten…  1701 beschliesst das englische parlament den act of settlement um die protestantische thronfolge auf der insel zu sichern und 1714 besteigt ihr sohn georg ludwig als george I. den englischen thron. die nachkommen sind nur noch zu kurzbesuchen in herrenhausen „Bäume, Hecken und Statüen hiengen voll von Schaulustigen.“…

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seit 1878 sitzt die kurfürstin, die 1714 hier an einem schlaganfall starb, wieder im garten: das sophiendenkmal von friederich wilhelm engelhard in einer heckennische. l. rückansicht mit blick in richtung der grosse kaskade von marinus cadart, 1676. r. „si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil“: natürlich mit lektüre…

 

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„Bäume, Hecken und Statüen hiengen voll von Schaulustigen.“ / die herrenhäuser gärten im regen: feuerwerk für george IV. könig von england und von hannover, 18. oktober 1821.

Von Sonnenuntergang bis spät in die Nacht strömten nun Einheimische und Fremde nach Herrenhausen hinaus. Eine unabsehbare und ununterbrochen fortgesetzte Kette von Fußgängern zog sich fort vom Steinthore durch die mit Pechfackeln hell erleuchtete Allée bis zum Herrenhäuser Schloßgarten, während der Fahrweg dahin niemals von der prachtvollsten Equipagen leer wurde, deren man mehrere hunderte gezählt haben will. Der Schloßgarten selbst stand heute für jedermann offen; um jedoch in den inneren Schloßhof, nach der Gartenseite hin, Zutritt zu bekommen, waren Einlaß-Karten erforderlich, und deren für mehr als zweytausend Personen ausgetheilt worden. Daraus kann der Leser auf die Anzahl von Zuschauern schließen, welche auf dem großen Raume des Schloßgartens in gedrängten Haufen versammelt war. Bäume, Hecken und Statüen hiengen voll von Schaulustigen. Welche bedeutende Zurüstungen zu dem Feuerwerke gemacht worden, welches heute abgebrannt zu werden bestimmt war, das werden meine Leser aus der unten folgenden ausführlichen Beschreibung ersehen können. Aber der Himmel lächelte gerade heute nicht heiter, sondern drohete sogar gegen Abend, alle frohen Erwartungen durch herabströmende Regengüsse gänzlich zu stören. Völlig so arg wurde es nun freylich nicht, aber das Ganze würde gewiß in jedem seiner einzelnen Theile einen ungleich imposanteren Eindruck gemacht haben, wenn die Maschinerien nicht von der feuchten Luft allmählig durchnäßt worden wären. Seiner vielfachen Schönheiten ungeachtet, konnte dieß Schauspiel die Menge nicht in Enthusiasmus setzen, welches gewiß geschehen seyn würde, wenn die Zuschauer selbst weniger vom Regen belästiget worden wären. Geduldig, wie es die Nähe des geliebten Monarchen gebot, harreten Zuschauer in den zwar mäßig herabfallenden, aber wegen seiner ununterbrochenen stundenlangen Fortdauer am Ende lästig werdenden und ihre Kleidung tränkenden Regen; und wer kann zur Freude gestimmt seyn, wenn er an einem kühlen Herbstabende bis auf die Haut durchnäßt unter freyem Himmel stundenlang verweilt? – Nun noch die Hauptsache, der verehrte Landesvater fehlte, Dessen Gegenwart allein schon dem Ganzen einen belebenden Geist hätte einhauchen können. Se. Königl. Maj. Waren Gottlob ! In so weit wieder hergestellt, daß Allerhöchst-Dieselben am Fenster im Sessel dem Feuerwerke zusehen konnten, aber die Menge konnte dieß der großen Entfernung wegen nicht wahrnehmen. Denn welch‘ einen schönen Eindruck jede allegorische Darstellung des Feuerweks auf due versammelte Menge machte, sobald solche nur entfernt an den verehrten Monarchen und Sein erlauchtes Haus erinnerte: dieß beweiset der einstimmige herzliche Jubel, in welchen die Zuschauer bey der leisesten Anspielung auch heute Abend ausbrachen.

heinrich dittmer, ‚ authentische und vollständige beschreibung aller feyerlichkeiten, welche in dem hannoverschen lande bey der anwesenheit seiner königl. majestät georgs des vierten während dem monate october 1821 veranstaltet worden sind.‘

blankenburg

blankenburg

BIankenburg ist die Hauptstadt des gleichnamigen Fürstenthums und uralt wie sein einfaches Schloss, das auf einem aus dunkeln Schiefer steigenden, blanken Kalkfelsen recht trotzig dasteht. Es hatte einst eigene gleichnamige Grafen, dann ererbten es die Reinsteiner, nach deren Aussterben es die Herzoge von Braunschweig als erloschenes Lehen einzogen. Schon im 10ten Jahrhunderte nach Christo halte es Kirchen und Mauern; ein Graf Siegfried begleitete den Löwenherzog [heinrich der löwe] nach Jerusalem; 1182 belagerte Friedrich Barbarossa die Stadt, nahm und zerstörte sie; im dreissigjährigen Religionskriege litt sie durch die fanatischen Reichstruppen; dagegen gab sie im siebenjährigen Kriege ihre flüchtigen Fürstenstamme einen sichern Schutzort , und des blutbefleckten Frankreichs Erbe. Louis der achtzehnte fand in ihrer deutschen Gastlichkeit einen Trost und in einem schlichten Bürgerhause, das man noch zeigt, ein Asyl, wo er in gelehrten Studien auf eine Weile die bösesten Erinnerungen zu vergessen suchte, bis ihn sein Schicksal weiter riss. 1836 zerstörte im Augustmonat eine nächtliche Feuersbrunst an 60 Wohnhäuser. Wahrhaft in fürstlicher Majestät schauet das Schloss von seinem Kalkfelsen hernieder und liegt noch höher als das Wernigeröder. Bis zur Mitte des Steines steigt zu ihm der terassenförmige Schlossgarten hinan […] Der eingezäunte Thiergarten dehnt sich weit bis zur Sägemühle des Schieferberges hinüber, und zu ihm gehört auf dem nahen Kalvinusberge die kleine Luisenburg, ein achteckigtes Lusthäuschen, das erbaut war, um eine noch schönere und freiere Aussicht zu gewinnen. Und die Verführung dazu lag nahe, denn diese Aussicht gibt jener vom Wernigeröder Schlosse nichts nach, ja wir möchten ihr den Vorzug an Abwechselung malerischer Gruppirung zugestehen. Wir müssen mit einem frühern Beschreiber übereinstimmen, dass dieser Aufenthalt ganz geeignet ist, ein fürstliches Gemüth, welches durch die Wirren des Lebens ermattet, durch die Befeindungen der Nachbarn erbittert, durch Volksundank empört, hieher floh, zu sänftigen und für künftige Tage zu erkräfligen. […] Dass hier die Mutter [elisabeth christina von braunschweig-wolfenbüttel]der grossen Kaiserin Maria Theresia, eine Tochter des Herzogs Ludwig Rudolph von Braunschweig, geboren ist, bleibt als historische Notiz interessant.

Leider kamen wir zu spät, um uns an den weitberühmten Blankenburger Kirschen zu erfrischen, und zu früh um die Früchte der herrlichen Wallnussbäume zu kosten, die man hier in auffallender Menge und im üppigsten Wuchse antrifft.

wilhelm blumenhagen, ‚wanderung durch den harz‘, leipzig 1838

 

das beste deutschsprachige gartenbuch der letzten jahre…

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