juniperus communis / wacholder(schnaps, jenever, gin &c.)

[…]
Und weiter, weiter, Fuchs und Hund.
Der schwankende Wachholder flüstert,
Die Binse rauscht, die Haide knistert,
[…]

annette von droste-hülshoff, ‚haidebilder: die jagd‘ in ‚gedichte‘, stuttgart/tübingen, 1844.

regionale besonderheiten werden in der kindheit, teils unbewusst, abgespeichert und können die pflanzenauswahl für den garten & beim äten un drinken beeinflussen. das münsterland besitzt einige heideflächen und dort ist juniperus / wacholder zu finden: die klatenberge bei telgte oder, auf der anderen seite der ems, die wacholderbestände auf dem waldfriedhof lauheide, die westruper heide bei haltern am see, etc.

es muss nicht immer die lüneburger heide, 50iger heimatfilm-kitsch & hermann löns sein. eine andere beeindruckende wacholderlandschaft befindet sich in der eifel: der kalvarienberg bei alendorf, auf grund der germanischen italiensehnsucht als ‚eifel-toskana‘ bezeichnet. der kalvarienberg ist am besten über den eifelstieg zu erreichen. sollte es während der wanderung zu problemen mit füssen und gelenken kommen sei wacholdersalbe empfohlen…

doch zurück ins münsterland: clemens maria franz von bönninghausen ein cousin der dichterin annette von droste-hülshoff, homöopath und direktor des botanischen gartens in münster veröffentlichte die erste flora des münsterlandes:

JUNIPERUS. L. […]
J. communis. L. […]
In syvaticis ubique. – (Wachholder.) – Frutex, praecipe in apricis sabulosis mire ludens colore flavescente, purpurascente, atroviridi et glaucescente, atque ramorum varia directione, de qua indole polymorpha ccl. Linnæus ipse jamjam mentionem fecit in Flora sua Lapponica.
Obs. J. Sabinam L., quamvis in hortis rusticorum nimis frequens obvia sit, inter inquilinas non enumerandam putamus.

clemens maria franz von bönninghausen, ‚prodromus floræ monsteriensis westphalorum phanerogamia‘, münster, 1824

einige jahrzehnte später erschien die ‚flora von westfalen‘ des evang. theologen, mykologen und botanikers conrad beckhaus mit einer ausführlicheren beschreibung:

Juniperus (lat.), Wachholder (wach = lebendig, immer wieder ausschlagend), Machandelbaum, Ouakelstrauch.
J. communis, L.: Rinde der jungen Triebe grün, später rotbraun; B. hart, steif, fast stechend, sparrig zu 3., lineal-pfriemlich, zugespitzt, obers.flachrinnig, unterseits stumpf gestielt, meist 12 – 20 mm lang; Kätzchen klein. In den Bachseln; Trugbeere gespitzt-kugelig od. eif-kugelik, von der Grösse kleiner Erbsen, im 1. Jahr grün, im 2. schwarzblau, grau bereift, mit braunem, harzig-süsslichem Fleisch. 0,3 – 2 m u. höher, aber im Gebüsch, wo er baumartig wird, selten lange geschont: der männl. Baum schlanker, mit oft hangenden, kurzen Zweigen, der weibl. mit sparrig-bogigen Ästen, mehr ausgebreitet. 4 – 5, Fr. im Nov. des 2. Jahres. – Truppenweis, auch einzeln, in den Heiden der Ebenen, auf dürren Bergen, meist gemein, am schönsten auf Kalkbergen (um Astenberg nur spärlich bei Langewiese, auch im Ruhrgebiet schon ziemlich selten).
Var. subnána: Niedrig, mit sehr dichten Gezweig; B. sehr dicht, kürzer und breiter, schief aufrecht, stets kürzer als 10 mm (meist 5 – 6 mm) lang, lanz.-pfrieml., nur so lang wie d. Fr. dick. – Scheint von var. brevifolia, Sanio, nur durch die nicht abstehenden B., von nana, Willd., nur durch den aufrechten St. und die nicht eingekrümmten B. verschieden zu sein. – An den mit Wachholderbüschen bedeckten Südabhange des Weinberges bei Höxter vielfach, durch zahlreiche Übergänge mit der typischen Form verbunden.
Beeren (off. baccae Juniperi) zum Räuchern, auch bei rheumatischen Leiden, wirken innerlich stark auf Urin u. Ausdünstung, magenstärkend, zu Wachholder-Branntwein (Genévre), auch als Gewürz. – Holz sehr dauerhaft, oft schön maserig, zu Drechlerarbeiten. – Oleum Juniperi, Spiritus Jun., Succus Jubiperi inspissatus.
(J. Sabina, L., Sabina officinalis, Garcke, Sadebaum: Triebe sehr dünn; B. kl., herablaufend, gegenständig-4reihig, dichtdachziegelig; Fr. an gekrümmten Stiel hangend. 1 – 3 m hoch. – Oft auf Kirchhöfen angepfl. Im Königreich Preussen darf eigentlich in Gemässheit des Medicinal-Polizeigesetzes der Strauch nicht im Freien geduldet werden. Der Sadebaum wird zu den scharfen Giftgewächsen gezählt. Eine Abkochung der beblätterten Zweige wirkt mehr oder weniger stark auf die Absonderung der vegetativen Organe und kann zum tötlichen Gift werden. Off. Summitates Sabinae.)

konrad beckhaus, ‚flora von westfalen – die in der provinz westfalen wild wachsenden gefäss-pflanzen.‘ nach des verfassers tode hrsg. von l.a.w. haase, münster, 1893.

äten un drinken hölt lief un seele bineene: neben wacholderschinken ist sicherlich der wacholderschnaps das wichtigste wacholder-produkt an das man denkt. das älteste gedruckte rezept findet sich in dem buch ‚een constelijck distileerboec om alderhande wateren der cruyden, bloemen, ende wortelen te leeren distileren‘ von philippus hermanni, 1552 in antwerpen erschienen. von flandern und über die niederlander ist es nicht weit bis nach westfalen und ins münsterland. die engländer, die ihren gin so schätzen, haben das getränk ebenfalls den niederländern zu verdanken: 1668 wurde aus dem stadhouder willem III van oranje king william III of england. willem zog aus seinen barockgarten in het loo nach hampton court, liess sich einen privy garden anlegen & aus jenever wurde gin.

gin_lane_westf_sonne_500   da will man sich belohnen & dann ist der lieblings-wacholder alle… & william hogarth ‚gin lane‘, 1751: katalog der ausstellung in der tate gallery, london, 2007.

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de gouden eeuw im alten garten

hamburg_schwerin_500_   postkarten: ‚palastterrasse mit vertumnus und pomona‚ von peeter gijels & ‚kopf eines fuchses‘ von jean-baptiste oudry, staatliches museum schwerin. flyer zur ausstellung ‚kosmos der niederländer‘ mit ’stillleben mit früchten und einem toten vogel‘ von harmen steenwyck. der ableger als multiples ready-made: plectranthus fruticosus / mottenkönig & marcel duchamp c/o duchamp-forschungszentrum.

‚kosmos der niederländer – die schenkung christoph müller‘: ein brueghel (jan der ältere). vermeer, rembrandt und rubens fehlen. die können sich heute weder museen noch privatsammler leisten, was einen erfreulichen nebeneffekt hat: kein event-geschiebe von einem kalenderblatt- zum nächsten billig-poster-motiv…

zusammen mit der, von herzog christian II. ludwig angelegten, sammlung niederländischer malerei, ist christoph müllers schenkung von 155 holländischen und flämischen gemälden des gouden eeuw eine der grössten sammlungen ihrer art, neben der des rijksmuseum amsterdam und des louvre.

müller, ehemaliger verleger des „schwäbischen tagblatts”, stiftete die sammlung, die bisher in seiner berliner privat wohnung hing, mit klaren auflagen: die freitreppe des klassizistischen museums muss renoviert werden, und der eingang im ersten stock wird geöffnet. hinzu kommt eine, angesichts der politischen verhältnisse in mecklenburg-vorpommern, weise einschränkung: „Im Falle einer NPD-Mitregierung, in welcher Konstellation auch immer, ist der Vertrag ungültig.“

neben den klassischen motiven des gouden eeuw – stillleben, seestücke, genre und kircheninterieurs – sind einige landschaftsbilder und gartenmotive zu sehen. zwei früchte-stillleben stechen heraus: ’stilleben mit früchten und einem toten vogel‘ von harmen steenwyck und das oktagonal gerahmte ’stilleben mit pfirsichen und marillen‘ & einer raupe von jacob van der merck. der garten eden ist mit ‚die erschaffung evas‘ von raphael coxcie vertreten. bei den landschaften ist eines der kleinsten bilder eine entdeckung: ‚bewaldete flusslandschaft mit fischern‘ von jasper van der lanen. schließlich eröffnet das bild  ‚palastterrasse mit vertumnus und pomona‘ von peeter gijels den blick auf eine üppig arrangierte gartenszenerie: lorbeer, rosen, schwertlilien und tulpen in kübeln neben einer reichen ernte an früchten und sorgfältig angelegten beeten.

  • svetlana alpers, ‚the art of describing – dutch art in the seventeenth century‘, chicago, 1983.
  • erwin panofsky, ‚early netherlandish painting‘, cambridge, ma, 1953.

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das staatliche museum schwerin hat die adresse ‚alter garten‘. der alte garten bildete den übergang zwischen der schweriner altstadt und der burg (ehemalige slawenburg, von heinrich dem löwen zerstört und neu aufgebaut), das heutige schloss. unter johann albrecht I., herzog zu mecklenburg-güstrow und -schwerin, wurde hier im 16. jh. mit der anlage eines gartens begonnen. nachdem das areal als exerzierplatz im gebrauch war wurde um 1750 wurde ein lustgarten, gesäumt von einer lindenallee, angelegt. am platz stand das ballhaus. heute befindet sich an dieser stelle das klassizistische schauspielhaus – mecklenburgisches staatstheater schwerin. ab 1877 wurde das großherzogliche museum erichtet .

momentan lande ich ständig in museen die auf/in gärten gebaut sind → berlin: paare im “garten” & “Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube,…”

schwerin_alter_garten_1764_500   plan des alten gartens von 1764: ‚plan der sogenandten faulen grube hier des Canals welcher ehedem zwischen der alt stad schwerin und dem alten garten aus der burg see bis in die große see gezogen, […]‘ von august friedrich schumacher jun.

Der neue Herzog [christian II. ludwig] begann noch in diesem Jahre [1747] dem Bau der Gemälde-Gallerie auf dem Schlosse, eines in Holz gemauerten Gebäudes über dem gewölbten Erdgeschosse der Auffahrt und der Küsterwohnung. 1756 war dieselbe vollendet und wurde von dem kunstliebenden Herzoge mit Gemälden geschmückt, welche er vorzugsweise in den Niederlanden aufkaufen ließ und die noch jetzt eine Zierde der großherzoglichen Sammlungen bilden.
1749 wurde der Garten vor dem Schlosse, der i. J. 1708 angelegte Schloßgarten, bedeutend erweitert und verschönert; auch der Alte Garten wurde neu angelegt und in der Mitte mit Springbrunnen geschmückt. Dieser Alte Garten umfaßte damals den Raum, welcher jetzt noch unter diesem Namen begriffen wird, bis zu dem Wege, welcher aus der Stadt zum Schlosse führt. Er war mit einer Allee von schönen Lindenbäumen umgeben und mit Rasenplätzen und Blumenparthieen geschmückt. An der Stelle des jetzigen Schauspielhauses stand damals das im Jahre 1698 erbaute fürstliche Ball- später Reithaus, dasselbe Gebäude, welches i. J. 1788 zum alten Schauspielhause eingerichtet wurde. Auf der südwestlichen Hälfte des alten Gartens lag das alte Reithaus, der f.g. „lange Stall“ mit der offenen Reitbahn davor,welche erst i.J. 1842 einging.

ludwig fromm, ‚chronik der haupt- und residenzstadt schwerin: mit benutzung der neuesten forschungen‘, schwerin, 1862.

schwerin_alter_garten_333

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maritus_schwerin_1819_detail_500   detail: kupferstich ’schwerin nebst umgebungen, aufgenommen und gezeichnet von c. f. v. maritus. 1819′.

das schweriner schloss (A) , heute der sitz des landtages von mecklenburg-vorpommern, mit seiner orangerie bildet die verbindung zwischen dem alten garten, mit dem schauspielhaus (C), und dem schlossgarten. der barocke schlossgarten wurde ab 1748 von dem architekten & kupferstecher jean laurent legeay für christian II. ludwig, herzog zu mecklenburg-schwerin, angelegt und mitte des 19. jh. nach plänen von peter joseph lenné erweitert.

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