eine rose und wintergemüse am küchenfester

verblühte gelbe rose von dekablog10 (sorte? eine züchtung vom platzhirschen aus dem hamburger speckgürtel…) & der letzte apium graveolens var. dulce / bleich-, stauden- oder stangensellerie. in den fens (in lincolnshire, cambridgeshire und norfolk) , dem hauptanbaugebiet in england, gab es ende des 19. / anfang des 20. jh. spezielle celery vases um den fenland celery frisch zu halten… dieser hier ist wahrscheinlich aus den vier- und marschlanden bei hamburg. eine celery vase würde jedoch passen…

weihnachts-, christ- oder tannenbaum / abies nordmanniana & der weihnachtsbaum als kulturexport

Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letzten Mal kommen ließ.

liselotte von der pfalz in einem brief an ihre tochter, 11. dezember 1708. liselotte von der pfalz, die spätere duchesse d’orléans, lebte als kind vier jahre in hannover bei ihrer tante sophie von der pfalz, kurfürstin von hannover & mutter von george I. von grossbritannien…

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WEIHNACHTSBAUM, m. zuerst in Straszburg um 1642: disz (Christus) ist, meine liebsten, der weynacht baum Dannhawer cat.-milch 5, 649, in geschlossener belegreihe erst seit ende des 18. jahrh., damals auch zuerst mit -s-: an zwei enden eines langen tisches brannten zwei kleine weihnachtsbäume Caroline an Humboldt, briefe 5, 163 (Berlin 1815), […]das seitdem nur vereinzelt einmal fehlt: ein weinachtbaum zwar brannte nicht auf dem tisch Storm 3, 7. der plur. tritt zurück: mir sind die leeren weihnachtsbäume zu theil geworden B. v. Arnim Günderode 2 (1840) 243; desgl. Heine 1, 426 Elster; G. Freytag 4, 314. in der umgangssprache ist das wort wesentlich auf Norddeutschland beschränkt, die grenze gegen christ- und tannenbaum (th. 11, 111) zieht Kretschmer wortgeogr. 556 f. in obd. mundart gilt vielfach maie(n) (th. 6, 1473), doch winachtsbaum Martin-Lienhart els. 2, 45, das als neue einführung überallhin gelangen kann: wīnach(t)sbōam Siebs helgol. 303, daneben jȫlbōm B. P. Möller Sylter wb. (1916) 132. […] die allg. sitte, bei festen das haus mit grün zu schmücken, wirkt im winter als analogiezauber: man verschafft sich einen grünen baum, um ein grünes jahr zu bekommen. das bleibende grün des w. verbürgt langes leben und gesundheit; der baum, der im winter seine kraft behält, kann auch dem menschen gehöhtes leben verleihen. der brauch knüpft sich, altrömischer sitte entsprechend, an neujahr und damit an weihnachten als jahresanfang: den nach Spanien eingewanderten Sueven verbietet bischof Martin v. Bracara († 580): non liceat iniquas observantias agere kalendarum, et otiis vacare gentilibus, neuqe lauro, aut viriditate arborum cingere domos Hoffmann-Krayer schweiz. arch. f. volksk. 7 (1903) 193. bischof Burchard v. Worms (1000—1025) erneut das verbot: patrologia lat. 140, 835 Migne, und bezeugt damit die gleiche neigung im deutschen norden. als segenszweig fürs neue jahr bezeugt Brant den schmuck für Straszburg 1494:
und wer nit ettwas nuwes hat
und umb das nuw jor syngen gat,
und gryen tann risz steckt jn syn husz,
der meynt, er leb das jor nit usz narrensch. 65, 39 Z.
im Elsasz bildet der w. sein zubehör aus: auff weihenachten richtet man dannenbäume zu Straszburg in den stuben auff, daran hencket man rosen ausz vielfarbigem papier geschnitten, äpfel, oblaten, zischgolt, zucker etc. jb. f. gesch. Elsasz-Lothringens 5, 68 (Straszburg 1605); […] für Wien ist Grillparzer 1866 zeuge: es hatten mir zwar meine hausfräulein einen armseligen weihnachtsbaum in einem gartengeschirr mit etwas zuckerwerk behangen bereits gespendet … da wird ein riesenbaum gebracht, behangen mit allen gütern der welt jb. d. Grillparzerges. […]

‚deutsches wörterbuch‘ von jacob und wilhelm grimm, leipzig, 1854-1961, bd. 28.

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Ude i Skoven stod der saadant et nydeligt Grantræ; det havde en god Plads, Sol kunde det faae, Luft var der nok af, og rundtom voxte mange større Kammerater, baade Gran og Fyr; […]

hans christian andersen, ‚grantræet‘ in ’nye eventyr. første bind. anden samling‘, københavn, 1845.

früher ging man mit der axt in den wald und schlug einen baum. heute kommen die bäume aus monokulturen. ”baade gran og fyr”, die auswahl zwischen tannen und fichten hat sich meist erledigt. der ”alte” weihnachtsbaum war zumeist eine fichte, heute sind die bäume hauptsächlich (nordmann)tannen.

jeder dritte weihnachtsbaum in deutschland stammt aus dem sauerland. ca. 5 mio. bäume werden aus dänemark importiert. die nordmanntanne ist heute in deutschland der populärste weihnachtsbaum: von den 29 mio. bäumen in deutschen wohnzimmern sind mittlerweile rund drei viertel nordmanntannen.

die nordmanntanne ist ursprünglich ein importbaum: sie wurde 1836 im kaukasus, im heutigen georgien, von dem finnischen botaniker alexander davidovich von nordmann, konservator am botanischen garten in odessa, entdeckt.

im jahr 1838, unter dem namen pinus nordmanniana, veröffentlichte christian von steven, ein russischer botaniker schwedischer herkunft, im ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘ die erste beschreibung.

pinus_nordmanniana_1838_500   ill. aus ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘

édouard spach stellt den baum, unter dem heute gültigen namen abies nordmanniana, 1842 unter die gattung abies:

SAPIN DE NORDMANN. – Abies Nordmanniana Steven, in Ann. Des Sc. Nat. 2e sér. Vol. XI, p. 56. – Feuilles subunilatérales légèrement échancrées. Strobiles ovoïdes; écailles cunéiformes-orbiculaires; bractées spatulées-obcordiformes, à sommet saillant, réfléchi, acuminé-cuspidé. – Abre de 80 pieds et plus, sur 3 pieds de diamètre. Écorce lisse, grisâtre. Branches grêles, la plupart horizontales, les supérieures plus ou moins érigées. Ramules couverts d’une pubescence rousse. Feuilles longues d’environ I pouce, sur ¾ de ligne de large, d’un vert gai en dessus, d’un glauque blanchâtre en dessous. Strobiles longs d’environ 5 pouces, sur 2 ½ pouces de large, sessiles, ou subsessiles, solitaires, ou géminés, ou ternés, résineux; écailles longues d’environ I 5 lignes, sur autant de large vers le somment, érosées-dentées aux bords latéraux, trés-entières au sommet. Nucules ovoïdes, longues de 1 ½ ligne; ailes obliquement cunéiformes, rectilignes d’un côté. (steven, l.c.) – Cette espèce croît dans la région subalpines de caucase.

‚histoire naturelle des végétaux. phanerogames‘, 11, 1842

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die ersten weihnachsbäume sieht man schon am zweiten weihnachtstag auf der strasse liegen. traditionell endet die weihnachtszeit jedoch am 2. februar mit mariä lichtmess.

wie viele nadeln hat so eine nordmanntanne? bei solchen fragen ist immer auf die kollegin des blauen elefanten verlass: in der sendung ‚frag doch mal die maus‚ (wdr, erstaustrahluing 25/11/20006) wurde nachgezählt: eine nordmanntanne von 1,63 höhe hatte 187.333 nadeln. viel spass beim saugen nach dem abdekorieren …

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
Hei!  Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

christian morgenstern, ‚das weihnachtsbäumlein‘ aus ‚klein irmchen‘, berlin, 1921.

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ein anhang zum thema der weihnachtsbaum als kulturexport:

der erste beleg eines weihnachsbaumes in grossbritannien stammt von 1819. queen charlotte, geborene sophie charlotte von mecklenburg-strelitz, frau könig george III. aus dem haus hannover, hatte eine eibe als weihnachtsbaum in der queen’s lodge in windsor aufstellen lassen:

Sixty poor families had a substanial dinner given them; and in the evening the children of the principal families in the neighbourhood were inited to an entertainment at the lodge. Here, among other amusing objects for the gratification of the juvenile visitors, in the middle of the room stood an immense tub with a yew-tree placed in it, from the branches of which hung bunches of sweetmeats, almonds, and raisins in papers, fruits and toys, most tastefully arranged, and the whole illuminated by small wax candles. After the company had walked around and admired the tree, each child obtained a portion of the sweets which it bore, together with a toy, and then all returned home, quite delighted.

james watkins, ‚memoirs of her most excellent majesty sophia-charlotte: queen of great britain, from authentic documents‘ london, 1819

die tradition wurde bewahrt. charlottes zwölfjährige enkelin berichtet in ihrem tagebuch:

Monday, 24th December [1832] […] After dinner […] We then went into the drawing-room near the dining-room. After Mamma had rung the a bell three times we went in. There were two large round tables on which were placed two trees hung with lights and sugar ornaments. All the presents being placed round the tree […]

‚the girlhood of queen victoria: a selection from her majesty’s diaries between the years 1832 and 1840‘, ed. by viscount esher [reginald brett], london, 1912

die mutter, victoire von sachsen-coburg-saalfeld, kannte die tradition ebenfalls aus ihrer heimat. victorias deutscher mann, albert von sachsen-coburg und gotha, notierte 1847:

I must now seek in the children an echo of what Ernest and I were in the old time, of what we felt and thought; and their delight in the Christmas-trees is not less than ours used to be.

prince albert zitiert in godfrey and margaret scheele, the prince consort, man of many facets: the world and the age of prince albert.‘ london, 1977. ernst ist sein bruder ernst II., herzog sachsen-coburg und gotha.

der allgemeine durchbruch des weihnachtsbaumes in grossbritannien kam mit der veröffentlichung einer illustration die die königliche famile an weihnachten zeigt:

_the_illustrated_london_news_christmastree_ 1848_500   ill.: aus ‚the illustrated london news. special christmas supplement edition‘, 23. dezember 1848.

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