25 jahre gartengesellschaft: herbstpfad & einzug der gräser und stauden ins öffentliche grün

gartengesellschaft

die gesellschaft zur förderung der gartenkultur e.v. wurde vor 25 jahre in hamburg gegründet: aus einer initiative zur rettung des gartens der pädagogin, sozialreformerin und rosenexpertin alma de l’aigle entstand eine gesellschaft mit zweigen in rhein-main, berlin / brandenburg, schleswig-holstein, nordrhein-westfalen, mitte / fulda werra leine, schwaben, oberbayern und mecklenburg. gefeiert wurde in berlin.

festakt im rathaus charlottenburg am freitag, 21. oktober 2016: ein grusswort von maria böhmer, mdb etc. und ehemalige präsidentin des unesco welterbekomitees: gärten sind kultur! und nicht naturerbe. die frage „gartenkultur – vom aussterben bedroht?“: ein plädoyer für die gartenkultur von gabriele schabbel-mader, präsidentin der gartengesellschaft. ein visuelles feuerwerk aus gärten von ute und albrecht ziburski mit gartenbildern u.a. aus ihrem garten moorriem & händel. und die verleihung des alma de l’aigle-preises 2016 an gesa klaffke-lobsien und kaspar klaffke, die die idee des offenen gartens von england importierten und erstmals 1991 in hannover verbreiteten.

mitgliederversammlung am samstag im botanischen museum in lichterfelde / botanischer garten und botanisches museum berlin-dahlem. nach einem vortrag über den vor 150 jahren verstorbenen peter joseph lenné von christa hasselhorst und vor den regularien eines e.v. erstmal in den garten … Weiterlesen

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querbeet über den harz

querbeetharz_800 Weiterlesen

wiesenbau im oberharz im allgemeinen & pfingsten auf den buntenböcker bergwiesen

bergwiesen? als erstes denkt man an eine alm (bayerisch) oder alp (alemannisch) in den alpen:

Wann nun von Titans Glanz die Wiesen sich entzünden,

Und in dem falben Gras des Volkes Hofnung reift;

So eilt der muntre Hirt nach den bethauten Gründen;

Eh‘ noch Aurorens Gold der Berge Höh durchstreift.

Aus ihrem holden Reich wird Flora nun verdränget,

Den Schmuck der Erde fällt der Sense krummer Lauf,

Ein lieblicher Geruch aus tausenden vermenget,

Steigt aus der Bunten Reyh gehäufter Kräuter auf,

Der Ochsen schwerer Schritt führt ihre Winter=Speise,

Und frohlockend Lied begleitet ihre Reise.

albrecht von haller, ‘die alpen’, 1729, in ‘versuch schweizerischer gedichte’, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

bergwiesen im oberharz

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buntenbock mit bergwiesen. blick vom hasenbacher teich mit einem garten auf den wiesen. l. der ziegenberg; r. der clausberg; dazwischen m. das flurstück ‚taube frau‘; im hintergund der höhenzug ‚auf dem acker‘. postkarte (poststempel 1943). Weiterlesen

„Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter:[…]“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Die Vervielfältigung der Mittel, welche der Malerei zu Gebote steht, um die Phantasie anzuregen und die großartigsten Erscheinungen von Meer und Land gleichsam auf einen kleinen Raum zu concentriren, ist unseren Pflanzungen und Gartenanlagen versagt; aber wo in diesen der Totaleindruck des Landschaftlichen geringer ist, entschädigen sie im einzelnen durch die Herrschaft, welche überall die Wirklichkeit über die Sinne ausübt. Wenn man in dem Palmenhause von [george] Loddiges oder in dem der Pfaueninsel [von karl friedrich schinkel] bei Potsdam (einem Denkmal von dem einfachen Naturgefühl unseres edlen, hingeschiedenen Monarchen [friedrich wilhelm III. von preussen]) von dem hohen Altane bei heller Mittagssonne auf die Fülle schilf- und baumartiger Palmen herabblickt, so ist man auf Augenblicke über die Oertlichkeit, in der man sich befindet, vollkommen getäuscht. Man glaubt unter dem Tropen-Klima selbst, von dem Gipfel eines Hügels herab, ein kleines Palmengebüsch zu sehen. Man entbehrt freilich den Anblick der tiefen Himmelsbläue, den Eindruck einer größeren Intensität des Lichtes; dennoch ist die Einbildungskraft hier noch thätiger, die Illusion größer als bei dem vollkommensten Gemälde. Man knüpft an jede Pflanzenform die Wunder einer fernen Welt; man vernimmt das Rauschen der fächerartigen Blätter, man sieht ihre wechselnd schwindende Erleuchtung, wenn, von kleinen Luftströmen sanft bewegt, die Palmengipfel wogend einander berühren. So groß ist der Reiz, den die Wirklichkeit gewähren kann, wenn auch die Erinnerung an die künstliche Treibhaus-Pflege wiederum störend einwirkt. Vollkommenes Gedeihen und Freiheit sind unzertrennliche Ideen auch in der Natur; und für den eifrigen, vielgereisten Botaniker haben die getrockneten Pflanzen eines Herbariums, wenn sie auf den Cordilleren von Südamerika oder in den Ebenen Indiens gesammelt wurden, oft mehr Werth als der Anblick derselben Pflanzenart, wenn sie einem europäischen Gewächshause entnommen ist. Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter: sie stört in der gefesselten Organisation die freie Entwickelung der Theile.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

phoenix dactylifera / dattelpalme: der samen für einen persischen garten…

phoenix_dactylifera_bam_250   ein dattelkern aus ‏bam.

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kaempfer_amoenitatum exoticarum_dattelernte_500   dattelernte in persien, ill. aus ‚amoenitatum exoticarum‘.

in seinem buch ‚ amoenitatum exoticarum politico-physico-medicarum fasciculi v, quibus continentur variae relationes, observationes & descriptiones rerum persicarum & ulterioris asiae, multâ attentione, in peregrinationibus per universum orientum, […], lemgo, 1712, beschreibt engelbert kaempfer – 1651 im lippischen lemgo geboren – die dattelpalme ausführlich. im kapitel ‚ relationes botanica-historicas de palma dactylifera, in perside crescente‘ findet sich neben der botanischen beschreibung eine ganze kulturgeschichte – ‚palmæ historia naturalis & œconomica‘.

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& die neugierde auf einen anderen persischen garten steigt: a contemporary paradise garden by cleve west for the chelsea flower show 2014.

berlin: paare im „garten“ & „Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube,…“

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es wird angenommen das es sich bei dem abgebildeten paar um echnaton und gemahlin nofretete handelt oder meriaton und ihr gatte semenchkare. eine andere theorie hält das paar für tutanchamun und anches-en-amun. die königin hält eine nymphaea caerulea / blauer lotus in der hand: ein auf einer lotosblüte sitzendes kind symbolisierte die geburt des sonnengottes aton.

zum relief cf.: rolf krauss, ‚der berliner „spaziergang im garten“ – antiker murks oder moderne fälschung?‚, palarch’s journal of archaeology of egypt/egyptology, 6(1), 2009.

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das bild wurde erstmals 1879 auf dem salon de peinture et de sculpture in paris gezeigt:

M. Manet a eu, cette année, ses deux toiles reçues. L’une, intitulée D a n s  l a  s e r r e, représente une femme assise sur un banc ver, écoutant un monsieur penché sur le dossier. De tous côtés, des grandes plantes, et à gauche des fleurs rouges. La femme, un peu engoncée et rêvante, vêtue d’une robe qui semble faite à grands coups, au galop, – oui, allez-y voir ! – et qui est superbe d’exécution; l’homme, nu-tête, avec des coups de lumière se jouant sur le front, frisant çà et là, touchant aux mains enlevées en quelques traits et tenant un cigare. Ainsi posée, dans un abandon de causerie, cette figure est vraiment belle: elle flirte et vit. L’air circule, les figures se détachent merveilleusement de cette enveloppe verte qui les entoure. C’est là une œuvre moderne très attirante, une lutte entreprise et gagnée contre le poncif appris de la lumière solaire, jamais observée sur la nature.

joris-karl huysmans, ‚le salon de 1879‘ in ‚l’art moderne,‘ 1883

1896 erwarb der neue direktor der nationalgalerie hugo von tschudi – auf einem shopping trip mit max liebermann in paris – das bild:

Kurz nach seiner Ernennung zum Direktor reisten Tschudi und ich nach Paris: er wollte die dortige Kunst, vor allem aber die Pariser Künstler näher kennen lernen. In der Galerie Durand-Ruel erblickte er zum ersten Male Manets Werke in ihrer ganzen Originalität. Manets Genius offenbarte ihm eine neue Welt und wie eine plötzliche Erleuchtung kam ihm der Gedanke, daß die Kenntnis der neueren französischen Kunst absolut nötig sei, um die Entwicklung der zeitgenössischen deutschen Kunst zu verstehen. […] Seine bestrickende Liebenswürdigkeit läßt ihn Freunde und Gönner finden, die ihm die Mittel darbieten, um die Bilder anzukaufen, für die Staatsmittel nicht vorhanden sind. Als erstes kauft er La Serre von Manet, und ein Amateur kann keine größere Freude über ein neuerworbenes Stück haben, als Tschudi über dieses Bild. (Notabene würde es jetzt mit dem zehnfachen Preise bezahlt werden.) Wie den Geruch einer kostbaren Havanna oder den Geschmack einer leckeren Frucht sog er die Schönheiten eines Manet […] in sich ein. Allen Ärger, alle Ekelhaftigkeit ertrug der sonst so stolze Mann, wenn es galt, ein gutes Bild zu erwerben: der Rest war ihm Hekuba.

max liebermann, ‚hugo von tschudi „kunst und künstler“‘, 1912, in ‚gesammelte schriften‘, berlin, 1922.

der erste museumsankauf eines bildes von manet. was wilhelm II. – ein liebhaber akademischer historienschinken – zu einer verfügung veranlasste: schenkungen (das geld hatten stifter zur verfügung gestellt) an das museum musste nun von ihm persönlich genehmigt werden. die neuen bilder wanderten in den 3. stock der (heute alten) nationalgalerie, sozusagen auf den dachboden. ein paar im schwülen klima eines wintergartens, das war in preussen zu erotisch…

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memhardt_plan_1652_500   als berlin schon eine provinzstadt war & die heutige museumsinsel noch ein garten: johann gregor memhardt, ‚grundriss der beyden churf. residentz stätte berlin und cölln an der spree‘, 1652.

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in der alten nationalgalerie läuft z.z. die ausstellung ‚anton graff – gesichter einer epoche‘. im 3. stock – dem ehemaligen dachgeschoss für impressionisten – sind porträts von garten-besitzern (prinz heinrich von preussen und sein älterer bruder), eines gartenhaus-bewohners und von august friedrich von sivers, der den ersten englischen landschaftsgarten in estland anlegen liess, versammelt.

unter den porträts befindet sich ein bild der söhne von anton graff: ‚die söhne des künstlers beim seifenblasenspiel'(1778). das bild war ein geschenk an den grossvater, graffs schwiegervater, den schweizer theologen und philosophen johann georg sluzer – autor der ‚allgemeinen theorie der schönen künste‘ (1771 -1774). sulzer war professor der mathematik am joachimsthalschen gymnasium in berlin und mitglied der königlichen akademie der wissenschaft. 1763 kehrte er in die schweiz zurück. friedrich II. bewog ihn zu einem erneuten umzug nach berlin: als dank erhielt er vom preussischen könig ein garten-grundstück auf der heutigen museumsinsel:

Mein lieber Graff. Ihre beyden Knaben sind wohl behalten hier angekommen und haben mir größes Vergnügen gemacht. Ich finde sie nicht nur sehr ähnlich, sondern auch den Ausdruck in den Gesichtern der Handlung, die Sie zu der Vorstellung gewählt haben, sehr wohl angemessen. Schade ist’s doch, daß Sie [es folgt eine ausführliche bildkritik…] Allein dieses hindert nicht, daß das Stück dennoch fürtrefflich sey. Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube, um das Bild eine Weile anzusehen, und habe Ihnen also für das Vergnügen, das ich täglich daran genieße, viel Obligation.

johann georg sulzer, brief an anton graff. berlin 21. august 1778

meno_hass_ les_petite_physiciens_500   ein grund den garten zu verlassen: johann meno haas nach anton graff, ‚les petits physiciens‘ , 1789.

bln_schmettau_plan   berlin zur zeit friedrich II. – die heutige museumsinsel; der lustgarten als preussischer paradeplatz; links an der spree das joachimsthalsche gymnasium & der berliner garten des prinzen heinrich (heute die humboldt-universität): samuel graf von schmettau, ‚plan de la ville de berlin. capitale de l’electorat de brandenbourg et la residence ordinaire du roi de prusse. […]‘, 1748.

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malus sepulcretum   ein apfelbaum (sorte unbekannt) auf dem friedhof ( → Unter dem Ziegenberg / harzerfuhrherren.wordpress.com) neben der dorfkirche buntenbock, oberharz.

ein obstbaum auf dem friedhof? eine friedhofsbepflanzung mit langer tradition.

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Da namen sie den leichnam Jhesu / vnd bunden jn in leinen Tücher mit Specereien / wie die Jüden pflegen zu begraben. / Es war aber an der Stete / da er gecreutziget ward / ein Garte / vnd im garten ein new Grab / in welches niemand je gelegt war. / Da selbs hin legten sie Jhesum

johannes 19, 40-42. übersetzung von martin luther, 1545.

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r.: der st. galler klosterplan / codex sangallensis 1092, enstanden um 820 im kloster reichenau. heute in der stiftsbibliothek st. gallen. l. (detail): der friedhof der mönche im obstgarten oder der obstgarten der mönche als friedhof. der friedhof/obstgarten befindet sich auf dem gesamtplan o.r. neben dem gemüsegarten.

die beschriftung des planes:

friedhof:

Inter ligna soli haec semper sanctissima crux est / in qua perpetuae · Poma salutis olent / Hanc circum iaceant defuncta cadauera fratrum / Qua radiante iterum ·Regna poli accipiant

Unter diesen Hölzern der Erde ist das heiligst immer das Kreuz, / an dem duften die Früchte des ewigen Heils. / Um es herum sollen liegen die Leiber der verstorbenen Brüder; / wenn es wieder erglänzt, mögen sie empfangen die Reiche des Himmels

obstgarten:

M[alus] uel perarius / prunarius / sorbarius / mispolarius / laurus / castenarius / ficus / guduniarius / persicus / auellenarius / amendelarius / murarius / nugariu

Apfelbaum und Birnbaum / Pflaume / Speierling / Mispel / Lorbeer / Kastanie / Feige / Quitte / Pfirsich / Haselnuss / Mandelbaum / Maulbeerbaum / Walnuss

übersetzung nach walter berschin und walter horn.

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[…] ’s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.“

[…]
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

theodor fontane, ‚herr von ribbeck auf ribbeck im havelland‘, in ‚gedichte‘, stuttgart/berlin, 1889.

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Come, my spade. There is no ancient gentleman but gardeners, ditchers, and grave-makers: they hold up Adam’s profession.

william shakespeare, hamlet

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