auf eine zigarette bei loki: norddeutsche apfeltage & etwas botanik + shakespeare

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„At Christmas I no more desire a Rose, …“

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At Christmas I no more desire a Rose,
Then wish a Snow in Mayes new fangled showes:
But like of each thing that in season growes.

william shakespeare, ‘loues labour’s lost’, act I., scene I. (first folio, london, 1623).

Perdita […] Reuerend Sirs,
For you, there’s Rosemary, and Rue, these keepe
Seeming, and sauour all the Winter long:
Grace, and Remembrance be to you both,
And welcome to our Shearing

Polixenes Shepherdesse,
(A faire one are you:) well you fit our ages
With flowres of Winter

Perd. Sir, the yeare growing ancient,
Not yet on summers death, nor on the birth
Of trembling winter, the fayrest flowres o’th season
Are our Carnations, and streak’d Gilly-vors,
(Which some call Natures bastards) of that kind
Our rusticke Gardens barren, and I care not
To get slips of them

Pol. Wherefore (gentle Maiden)
Do you neglect them

Perd. For I haue heard it said,
There is an Art, which in their pidenesse shares
With great creating-Nature

Pol. Say there be:
Yet Nature is made better by no meane,
But Nature makes that Meane: so ouer that Art,
(Which you say addes to Nature) is an Art
That Nature makes: you see (sweet Maid) we marry
A gentler Sien, to the wildest Stocke,
And make conceyue a barke of baser kinde
By bud of Nobler race. This is an Art
Which do’s mend Nature: change it rather, but
The Art it selfe, is Nature

Perd. So it is

Pol. Then make you Garden rich in Gilly‘ vors,
And do not call them bastards

william shakespeare, ‚the winter’s tale‘, act IV. scene III (first folio, london, 1623).

picknick in hampton court / ‚ein sommer in london‘ von theodor fontane

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hampton court palace‘, kupferstich von johannes kip nach leonard knyff. aus ‚britannia illustrata, or, views of several of the queens palaces‘, london, 1707

Die Pickwicks und die Picknicks kommen aus England; von jenen wußt‘ ich es seit lange, von diesen – trotzdem sie von ungleich älterem Datum – sollt‘ ich es erst erfahren.

Es war im August; der Londonstaub ward immer dichter und die Sehnsucht nach einem Zuge frischer Luft immer größer, so kamen wir denn überein, zu Nutz und Frommen unsrer Lungen eine Themsefahrt zu machen und auf den Wiesen von Hampton-Court eine Picknick-Mahlzeit einzunehmen. […] Punkt zehn Uhr waren wir [am Quai von Richmond]; ein schmucker Gondelfahrer begrüßte uns am Ufer; eine Wagenburg von Körben kam in die Mitte seines Boots, wir lachend drum herum  – und den blauen Himmel über uns ging es mit kräftigem Ruderschlage stroman, während der Quai mit seinen Böten allgemach hinter uns verschwand.

[…]

So glitten wir denn dahin, zuerst am Fuß des schönen Richmondhügels und jenes herzoglichen Sommerhauses vorüber, das nach seinem jetzigen Besitzer den Namen »Buccleuch-Villa« führt. Märchenhaft wuchern da die Rosen über Wände und Dach hinweg, märchenhaft klingen aus den halbgeöffneten Fenstern die Töne eines Flügels hernieder, und märchenhaft vor allem klingt die Sage vom Herzog Buccleuch selbst, der diese Villa wie ein immer offnes Gasthaus zu Nutz und Frommen seiner künstlerischen Freunde hält. Gedichtet und gesungen wird hier wie zu den Zeiten des Minstrelthums und eine flüchtige Sehnsucht beschlich mich bei diesem Anblick in das alte romantische Land zurück. Aber die Ruder unsres Bootsmanns griffen wacker ein, Richmond und seine Villen dämmerten nur noch von fern, der Wind war frisch und Miß Harper so schön, und siehe da, die Sehnsucht ward nebelhaft wie jene Villen selbst und verschwand endlich ganz, als unter Mr. Taylors kunstgeübter Hand der erste Champagnerpfropfen knallend in die Luft flog und mich die große Frage zu beschäftigen begann: ob man zu Barbarossas Zeiten den fränkischen Brausewein gekannt habe oder nicht.

Die Fahrt war lieblich und interessant zugleich: in selten unterbrochener Reihenfolge zogen sich die Land- und Sommerhäuser der alten Adelsfamilien am Ufer entlang und die Lapidarstyl-Antworten unsres Bootsmanns waren ein historischer Vortrag trotz einem. Durch alle Buchstaben des Alphabets hindurch, von den Arundels an bis nieder zu den Sutherlands, begrüßten uns hier von rechts und links die stolzen Namen der englischen Geschichte und wie bunte Bilder zu diesem Adelsbuch spiegelten sich im Themsewasser vor uns alle Baustile des Mittelalters, vom Tudor-Giebel an bis aufwärts zum Normannenturm.

So kamen wir bis Teddington und die Schleuse passierend, die den äußersten Punkt angibt bis wohin die Meerflut vorzudringen pflegt, war es plötzlich, als ob die Landschaft noch landschaftlicher würde. Der Villen wurden weniger, bis daß sie ganz verschwanden; weidendes Vieh trat an die Stelle belebterer Plätze, […]. Eine Pause noch, dann hielten wir; vor uns lag Hampton-Court.

[…] ; dann ging es in den Park, dessen geschorne Rasenflächen in jener Schönheit vor uns lagen, wie sie den englischen Gärten eigen ist. Ich erklärte das Schloß und seine berühmte Bildergalerie in Augenschein nehmen zu wollen, wozu man mir aufrichtigst gratulierte, aber auch allseitig hinzusetzte, daß man mich meinem Schicksal überlassen müsse, da sie samt und sonders die Sehenswürdigkeiten von Hampton-Court so genau kennten, wie die Nippsachen auf ihrem eigenen chinabord, und die Porträts ihrer Könige viel zu gut im Gedächtnis hätten, als daß es einer Galerieauffrischung bedürfe. Ich war herzlich damit einverstanden; denn wenn es eine Strapaze ist Bilderausstellungen zum hundertsten Male besuchen zu müssen, so ist das Los dessen um kein Haarbreit beneidenswerter, der bei dem höchsten Interesse für das, was er zu sehen gedenkt, solchen widerwilligen Führern in die Hände fällt und durch lange Säle und Korridore hindurchgejagt wird, ohne etwas anderes als die Erinnerung an ein Schattenspiel und das kaum mit nach Hause zu nehmen. Denn die Gelangweiltheit solcher Begleiter legt sich wie ein Schleier über unsere Augen und ihr wiederholtes Gähnen verschlingt unsere gehobene Stimmung bis auf den letzten Rest. Ich war von Herzen froh, dieser Gefahr überhoben zu sein und während meine Gefährten den Park durchstreiften, schritt ich dem Schlosse zu, dessen Bauart und Bilderschätze meine Erwartungen noch weit übertreffen sollten.

[…]

Schnell durchflog ich die Gänge, von jenem Kraftgefühl beherrscht, das in der letzten Stunde eines Galeriebesuchs der Herr über alle anderen zu werden pflegt – vom Hunger.

Fünf Stunden waren seit jenem feierlichen Augenblick vergangen, wo Mr. Taylors erster Champagnerpfropf in die Luft paffte, und als ich so hin und her irrte, wandelte mich plötzlich wie ein Gespenst der Gedanke an: wenn du zu spät kämst, wenn alles vorüber wäre! Da weckten mich Stimmen und munteres Gelächter aus meiner finsteren Betrachtung und um mich blickend, gewahrt‘ ich unter einem Kastanienbaum meine gesamte Begleiterschaft: die beiden Gentlemen stehend und schwatzend, die Ladies ins Gras gelagert und Kränze flechtend. Miß Harper warf mir den ihren zu und lachend fing ich ihn, wie einen Reifen beim Reifenspiel, mit meinem vorgestreckten Arme auf. „Ich glaubte, Sie hätten uns vergessen“, rief sie schelmisch unter ihrem Hut hervor, und sah mich an als wisse sie’s doch am besten, daß keines Mannes Auge ihrer Lieblichkeit jemals vergessen könne. Dann erhob sich alles – gesunder Appetit umschlang uns mit einem Eintrachtsbande – und dem Boote zueilend, glitten wir in der nächsten Minute schon quer über den Strom hin an das jenseitige Ufer, wo eine prächtige, nach allen Seiten hin von Weidengebüsch umgrenzte Wiese wie geschaffen war für ein lustig verschwiegenes Diner. Eine Koppel Pferde, die im ersten Augenblick halb stutzig halb neugierig die ungeladenen Gäste empfing, machte bald den bescheidenen Wirt und überließ uns das Terrain. Wir aber hatten bereits den Stamm einer mächtigen alten Rüster zu unserm Lagerplatze ausersehen und eh eine Viertelstunde um war, breitete sich auf dem Rasen vor unsern bewundernden Augen eine wohlgedeckte Tafel aus. Reizend stach das weiße Linnen von dem saftigen Grün des Rasens ab, aber reizender noch schimmerte die gelbe Kruste einer kolossalen Hühnerpastete, die von den kunstgeübten Händen der alten Mistreß May gebacken, den gebührenden Platz in der Mitte der Tafel einnahm. An den vier Zipfeln des Tischtuchs schimmerten abwechselnd die Stanniolkuppen Mr. Taylors und die geschliffenen, portweingefüllten Karaffen, die Mr. Owen und ich selber als Picknick-Contingent gestellt hatten; am linken und rechten Flügel der Riesenpastete aber lagen in schlichter Brotgestalt die Gaben der Miß Harper: zwei Königskuchen, deren kleine Rosinen zahllos wie die Sterne am Himmel lachten. So war das Mahl; drum herum aber, auf den umgestürzten Kisten und Körben, saßen sieben lachende Menschen und dankten in kindlicher Fröhlichkeit dem Geber aller Dinge. Der Portwein war längst hin und die Hühnerpastete nur noch eine Ruine, da ergriff ich ein volles Glas Champagner, und mich hoch aufrichtend, schloß ich die Mahlzeit mit jenem Toaste, der von Herzen kommend, in britischen Herzen noch immer sein Echo fand: Old-England for ever!

theodor fontane, ‚ein sommer in london‘, dessau, 1854

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praktischer nebeneffekt eines spontanen picknicks im „eigenen garten“: die grüne wüste a.k.a. der rasen wird verkleinert…

M M X I V

planungen für den „eigenen“ garten und/oder den blog (nicht zu verwechseln mit sogenannten „guten vorsätzen“):

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wilfried hansmann, ‚das gartenparterre – gestaltung und sinngehalt nach ansichten, plänen und schriften aus sechs jahrhunderten‘, quellen und forschungen zur gartenkunst bd. 28, worms, 2009

robin whalley and anne jennings, ‚knot gardens and parterres – a history of the knot garden and how to make one today‘, foreword by the marchioness of salisbury, london, 1998

gabrielle voigt, ‚blankenburg – residenz / lustgarten / kleines schloss‘, hrsg. vom museum kleines schloss, stadt blankenburg, blankenburg/harz, 1996

johann conrad schlaun (postkarte: porträt j.c.sch., undatiert u. unsigniert, kopie nach einem original aus dem 18. jh., stadtmuseum münster): → ‚plan vom ganzen platz und vorplatz des rüschhauses nebst denen beyden gartens.‘, 1745; → lustgarten auf der twickelschanze (heute engelenschanze) in münster, 1729/31.

zweiter versuch: hamamelis x intermedia ‚jelena‘ / zaubernuss

da sind noch samen: silybum marianum / mariendistel

wir basteln uns ein alpinum: eryngium alpinum / alpen-mannstreu & carlina acaulis / silberdistel

&c. pp

[…]

As the garden grew with the plan

So does the plan with the garden.

[…]

berthold brecht, ‚garden in progress‘ (über den garten seines freundes charles laughton), los angeles, 1944

gartenstadt amaurotum / ‚utopia‘ von thomas morus

Posterioribus aedium partibus, quanta est uici longitudo, hortus adiacet, latus, & uicorum tergis undique circumseptus.
Nulla domus est, quae non ut hostium in plateam, ita posticum in hortum habeat. Quin bifores quoque facili tractu manus apertiles, ac dein sua sponte coeuntes, quemuis intromittunt, ita nihil usquam priuati est. Nam domos ipsas uno quoque decennio sorte commutant.
Hos hortos magnifaciunt. in his uineas, fructus, herbas, flores habent. anto nitore, cultuque, ut nihil fructuosius usquam uiderim, nihil elegantius. qua in re studium eorum, non ipsa uoluptas modo, sed uicorum quoque inuicem de suo cuiusque horti cultu certamen accendit. & certe non aliud quicquam temere urbe tota reperias, siue ad usum ciuium, siue ad uoluptatem commodius. eoque nullius rei, quam huiusmodi hortorum, maiorem habuisse curam uidetur is qui condidit.

An der Rückseite der Häuser zieht sich die ganze Straße entlang eine breite Gartenanlage hin, die von der Rückseite anderer Häuserreihen eingezäunt ist.
Jedes Haus hat einen Eingang von der Straße her und eine Hintertür, die in den Garten führt. Die Türen haben zwei Flügel, lassen sich durch einen leisen Druck mit der Hand öffnen und schließen sich dann von selbst wieder, so daß ein jeder ins Haus hinein kann: so wenig ist irgendwo etwas Eigentum eines einzelnen; denn sogar die Häuser wechselt man alle zehn Jahre, und zwar verlost man sie.
Auf die erwähnten Gärten halten die Utopier große Stücke. In ihnen haben sie Wein, Obst, Gemüse und Blumen in solcher Pracht und Pflege, daß es alles übertrifft, was ich irgendwo an Fruchtbarkeit und gutem Geschmack gesehen habe. Ihren Eifer dabei spornt nicht bloß ihr Vergnügen an der Gartenarbeit an, sondern auch der Wettstreit der Straßenzüge in der Pflege der einzelnen Gärten. Und sicherlich wird man nicht leicht in der ganzen Stadt etwas finden, was für die Bürger nützlicher oder unterhaltsamer wäre, und, wie es scheint, hat deshalb auch der Gründer des Reiches auf nichts größere Sorgfalt verwendet als auf derartige Gärten.

thomas morus, ‚utopia‚, 1516