gartenbücher (the secret life of the georgian garden)

der gestalterische ursprung unserer parks ist der english landscape garden des 18. jh, der garten der georgians. grosse rasenflächen (heute viel zu selten wiesen), etwas architektur (ein monopteros oder tempelchen hier, eine orangerie dort, grotten mit oder ohne ornamental hermit …alles follies ohne nutzung?), solitäre bäume oder baumgrupen und unterholz. vor der haustür die kontinentalen, von england beeinflussten, anlagen: der englische garten in münchen von friedrich ludwig sckell, der grosse tiergarten in berlin von peter joseph lenné (nicht zu vergessen klein-glienicke und die anlagen in sanssouci …), muskau und branitz von hermann von pückler-muskau, der wörlitzer park, etc. der einzige echte georgian garden auf den festland befindet sich in hannover: → der georgengarten, benannt nach george IV., king in englisch-hannoverscher personalunion, von franz christian schaumburg.

kate felus beschreibt in ihrem buch ‚the secret life of the georgian garden: beautiful objects and agreeable retreats‘ das leben im georgian garden, dem englischen landscape garden. die gärten von william kent, lancelot „capability“ brown, humphry repton und ihrer zeitgenossen. 123 jahre von der thronbesteigung des kurfürsten von braunschweig-lüneburg aka hannover als george I. auf den englischen thron 1714, über george II., III. & IV. bis zum tod von william IV. und der thronbesteigung von queen victoria, dem ende der personalunion 1837.

das leben in den country houses ist erforscht (mark girouard, ‚life in the english country house‘, 1978, etc.), die geschichte und gestaltung der parks in denen sie stehen ebenfalls. doch was passierte im garten? felus hat sich auf die bewohner und besucher der grossen häuser konzentriert und auf die art und weise, wie sie den garten nutzten. der garten war fluchtort vor der enge des hauses. die familie, die gäste und das personal sollten nicht alles mitbekommen oder mann/frau wollten von einzelnen gästen oder dem personal gerade mehr mitbekommen … der park als ansammlung von gartenzimmern. wie heute unsere unter denkmalschutz stehenden und/oder öffentlichen english landscape gardens für die flucht aus dem alltag genutzt werden, so war es schon im 18 jh.: „ich geh mal mit dem hund spazieren“ (= ich will meine ruhe haben!), treffen mit freunden (heute incl. grillen bis auf die grasnarbe und zumüllen der rasenfläche und der angrenzenden beete) bis zu grossen events mit music und fireworks (händel passt immer: für georgians und für parkbesucher im 21 jh.), sowie, gerade in öffentlichen parks, das verschwinden von unangeleinten hunden und spaziergängern im unterholz, nicht nur weil toiletten fehlen … Weiterlesen

Werbeanzeigen

vom ätna auf den eschberg: genista aetnensis / ätna-ginster

Die Lavaströme bieten in der ersten Zeit nach ihrer Entstehung das Bild der äussersten Öde dar. Die Schlacken, welche schollenartig die flüssige Steinmasse bedecken, schieben sich vielfach über einander, so dass eine äusserst unebene, von zahllosen rauhen, durch einander geworfenen scharfkantigen Blöcken gebildete Oberfläche entsteht. Die letzten Schollen, welche der erkaltende Strom vor sich herschiebt, strahlen keine erhebliche Hitze mehr aus; Bäume, welche vor zwei Jahren von den letzten Ausläufern eines Lavastromes umschlossen wurden, sah ich unbeschädigt fortgrünen. Vereinzelte Pflanzen siedeln sich schon in den ersten Jahren in den Spalten eines Lavastromes an; wenigstens ist dies in einer Meereshöhe von 1200 m und mehr der Fall, wo die Luft auch im Sommer feuchter ist als unten. Allmählich werden die Pflanzen zahlreicher, namentlich sind es, abgesehen von mancherlei krautartigen Gewächsen, zwei gelbblühende Ginsterarten, die sich auf der Lava heimisch machen, nämlich der gewöhnliche, am ganzen Mittelmeer verbreitete Pfriemenginster (Spartium junceum) und der dem Ätna und wenigen andern Bergen eigentümliche Ätnaginster (Genista Aetnensis). Vor Beschädigungen durch Menschen und Vieh geschützt, entwickelt sich diese letztgenannte Pflanze zu einem mässigen Bäume von höchst eigentümlicher Tracht, dessen grüne, fast laublose Zweige sich graziös abwärts neigen, so dass sie an neuholländische Kasuarinen [casuarina] erinnern. Wenn man diese merkwürdigen Bäume bei Nicolosi gesehen hat, begreift man nicht, weshalb man sie nicht auch anderswo kultiviert. Ob sie die Winter Mitteleuropas oder das feuchte Klima Englands ertragen würden, mag zweifelhaft sein, wenn auch weder die wilde Vegetation, noch die Kulturpflanzen ihrer Umgebung auf ein besonders mildes südliches Klima hinweisen. Es wird aber doch gewiss in Italien viele Plätze geben, wo sie gut gedeihen würden.

wilhelm olbers focke, ‚reiseeindrücke aus sizilien‘ in ‚deutsche geographische blätter‘, band IX., heft 3, 1886.

G. ÆTNENSIS, a native of Sicily and Sardinia, is one of the best garden plants in the genus [genestia]. […] In a young state the twigs are sparsely clothed with linear silky leaves, but when old no leaves are developed, and the green slender twigs perform the function of leaves. An old tree – for this species attains a height of 12 feet or more – is a beautiful sight in July or August when in full flower. Like many other members of the Leguminosæ, it does not appear to be long-lived, but the plant is so easily raised and grows so quickly that it is well to have a few specimens in the shrubbery.

n., ‚the genistas‘ in ‚the garden – an illustrated weekly journal of horticulture in all its branches‘ (founded by wiliam robinson), vol. XLIII, midsummer, 1893.

genista_aetnensis_eschberg_500

die ersten blüten des genista aetnensis / ätna-ginster. vom ätna auf den eschberg. terrakotta-kübel statt lava. für die weitere lektüre: ’sulla genista aetnensis e le genista junciformi della flora mediterranea‘ (genova, 1897) von pasquale baccarini, prefetti des orto botanico dell’università di catania.

convallaria majalis: „in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood“

Lilium convalium. Es hat auch vnser libe fraw gesprochen in dem puch der libe: Ich pin ein plvm des tals vnd auch des grvnen waldes.

gabriel von lebenstein, ‚von den gebrannten wässern‘, ende des 14. jh.

convallaria_majalis_500

convallaria majalis l., die wilde form, soll sich unter sambucus nigra ‘black lace’ ausbreiten. keine blüten: zu schattig?, zu trocken??, …

The common Lily-of-the-valley [convallaria majalis] is a true native plant, […]. It is surely needless to recommend it to my readers as a garden ornament, but I may suggest that it might be „naturalized“ in many woods and shrubberies with the best effect – it is so interesting to meet with things like this in an apparently wild state. The handsome, graceful Solomon’s-seal (polygonatum multiflorum) and the Lily-of-the-valley should be planted to establish themselves in a wild or semi-wild state in every place which possesses the smallest resemblance to a shrubbery or wood; […]. It is not enough to meet with the Lily-of-the-valley in the garden, we should meet with it in the wilderness, by the woodlands walk, among the Primroses [primula vulgaris] and Bluebells [hyacinthoides non-scripta], and wherever native or hardy plants are cultivated.

william robinson, ‚the wild garden: or the naturalization and natural grouping of hardy exotic plants with a chapter on the garden of british wild flowers ‚, london, 1870.

convallaria_majalis_unbekannte_sorte_500

ausbreitung einer hybride durch rhizome: convallaria majalis ‚vierländer glockenspiel‘ oder ‚hitscherberger riesenperle‘??? das kommt von der nachlässigkeit beim ablegen der schilder…