westfälischer friede: „Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren …“

[…]

Ihr Bauren spannet an die starcken AckerPferde/ klatscht mit der Peitschen scharff/ die Pflugschar in die Erde/ Säet/ Hirsche/ Heidel/ Korn/ Hanf/ Weitzen/ Gersten auß/ Kraut/ Ruben/ Zwiebeln/ Kohl/ füllt Keller/ Boden/ Hauß.

Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren/ und lösen manchen Batz auß euren grünen Wahren/ dann kehret ihr mit Lust fein in ein Küchlein ein/ und esst ein stücklein Wurst und lescht den Durst mit Wein: Juch/ Juch/ ihr seyt befreyt von tausend Nöthen/ und schlaffet biß es tagt mit euren Bauren Greten.

[…]

friedensreiter von münster: „Neuer Auß Münster vom 25. deß Weinmonats im Jahr 1648. abgefertigter Freud= und Friedenbringender Postreuter“, flugblatt anlässlich der unterzeichnung des friedensvertrages am 24. oktober 1648.

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querbeet im januar

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vogelfutter: sorbus aucuparia

sorbus aucuparia l. / vogelbeere, eberesche auch drosselbeere oder kram(m)etsbeere (als bezeichnung ebenfalls für die beeren des juniperus communis / gemeinen wacholders gebräuchlich), der zusatz aucuparia dieses sorbus stammt vom lat. avis capere = vögel fangen.

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Je länger wir über das Problem der Ökologie und Ästhetik nachdenken, desto tiefer geraten wir in Paradoxien, und zwar auf beiden Seiten des Begriffspaares: Die Ökologie befindet sich in einer Debatte um ihre Ziele, und die Seite der Ästhetik, der Wahrnehmbarkeit und Darstellung der Natur, befindet sich in einer tiefen Krise, der Krise der heutigen Gartenkunst. Woher kommt diese Entwicklung, was hat sich in unserer Welt oder unserer Gesellschaft verändert, daß so normal scheinende Begriffe wie Natürlichkeit und gärtnerische Schönheit in Zweifel, ins Wanken geraten?
[…]
Daß wir heute ökologisch gärtnern, erscheint mir eine Selbstverständlichkeit. Ökologisches Gärtnern ist aber noch keine Darstellung, keine Wahrnehmbarmachung von Natur. Die Mittel einer solchen neuen Gartenkunst müssen erst erarbeitet werden.

lucius burckhardt, ‚ästhetik und ökologie‘ zuerst in bauwelt # 81/39, 1990, wiederabgedruckt in ‚warum ist landschaft schön? die spaziergangswissenschaft‘, hrsg. von markus ritter und martin schmitz, berlin, 2006.

nicht-endemische botanik: schwyzer blüemli von einen schweizer beschrieben & im kurfürstentum braunschweig-lüneburg verlegt / ‚versuch schweizerischer gedichte‘ von albrecht von haller

Dort ragt das hohe Haupt vom edlen Enziane*
Weit übern niedern Chor der Pöbel=Kräuter hin:
Ein ganzes Blumen=Volk dient unter seine Fahne,
Sein blauer Bruder selbst, bückt sich, und ehret ihn.
Der Blumen helles Gold, in Strahlen umgebogen,
Thürmt sich am Stengel auf, und krönt sein grau Gewand;
Der Blätter glattes Weiß, mit tiefem Grund durchzogen,
Strahlt mit dem bunten Blitz von feuchtem Diamant.**
Gerechtestes Gefäß! Daß Kraft sich Zier vermähle,
In einem schönen Leib wohnt eine schöne Seele

*Gentiana floribus rotatis verticillatis Enum. Helv. [a.v.h., ‚enumeratio methodica stirpium helvetiae indigenarum‘, göttinger, 1742] p. 478 [gentiana lutea / gelber enzian] eines der grösten Alpen Kräuter, und dessen Heil=Kräfte überall bekannt sind, und der blaue foliis amplexicaulibus floris fauce barbata Enum. Helv. p. 473 [gentiana asclepiadea / schwalbenwurz-enzian] der viel kleiner und unansehnlicher ist.

**Weil sich auf den grossen und etwas hohlen Blättern, der Thau und Regen leicht sammelt, und wegen ihrer Glättigkeit sich in lauter Tropfen bildet.

albrecht von haller, ‚die alpen‘, 1729, in ‚versuch schweizerischer gedichte‘, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

kräuterbuch_grosser_enzian_wurzel   wurzel des grossen enzians aus ‚kräuterbuch deß uralten unnd in aller welt berühmtesten griechischen scribenten pedacii dioscoridi anazarbaei […]‘, frankfurt, 1610… proscht nägeli!

Gartenkunst. Diese Kunst hat eben so viel Recht als die Baukunst, ihren Rang unter den schönen Künsten zu nehmen. Sie stammt unmittelbar von der Natur ab, die selbst die vollkommenste Gärtnerin ist. So wie also die zeichnenden Künste die von der Natur gebildeten schönen Formen zum Behuf der Kunst nachahmen, so macht es auch die Gartenkunst, die mit Geschmack und Überlegung jede Schönheit der leblosen Natur nachahmet und das, was sie einzeln findet, mit Geschmack in einen Lustgarten vereinigt. Da die Natur den allgemeinen Wohnplatz der Menschen so schön ausgeschmückt und mit Gegenständen so mancherlei Art, die in so angenehmer Abwechslung auf uns wirken, bereichert hat; so ist es sehr vernünftig, dass der Mensch in Anordnung seines besonderen Wohnplatzes ihr darin nachahmet und sich die Gegend, wo er die meiste Zeit seines Lebens zubringen muss, so schön macht als er kann. Dazu hilft ihm die Gartenkunst, der es auch nicht an sittlicher Kraft auf die Gemüter fehlt, […]. Man sieht augenscheinlich, dass die Einwohner schöner Länder mehr Leben und mehr Anmutigkeit des Geistes besitzen als die, die vom Schikcksal in schlechte Gegenden versetzt worden sind.
Das Wesen dieser Kunst besteht also darin, dass sie aus einem gegebenen Platz, nach Maßgabe seiner Größe und Lage, eine so angenehme und zugleich so natürliche Gegend mache als es die besonderen Umstände erlauben. Sie hat keine andere Grundsätze als ein gesundes Urteil und Geschmack, auf die Betrachtung dessen angewendet, was in Gegenden, Landschaften und einzeln Teilen derselben angenehm ist. Man studiret diese Kunst bloß in der Natur selbst, bei Spaziergängen, bald in offenen Gegenden, bald in Wäldern, bald in Büschen oder auf einsamen Fluhren, auf Hügeln und in Thälern. Jede Schönheit, die die Natur an solchen Orten anzubringen gewußt hat, muss einem verständigen Gärtner fühlbar sein. So wie der Historienmaler Phisionomien, Stellungen und Gebärden beobachtet und sammelt, so bereichert der Gärtner seine Einbildungskraft mit angenehmen Gegenden und Szenen, um bei jedem Garten so viel als sich jedesmal schickt, davon anzubringen.

Quæ deserta et inhospita tesqua Credis, amoena vocat mecum qui sentit; et odit Quæ tu pulchra putas.*

Man ist in keiner Kunst mehr von den wahren Grundsätzen, auf denen sie beruht, abgewiechen als in dieser. Mancher Eigentümer oder Gärtner glaubt einen um so viel schönern Garten zu haben, um so mehr es ihm gelungen ist, die Natur daraus zu verdrängen. Man macht Büsche von dürrem Holz und Fluhren von Corallen. Man sucht, so viel möglich, wie in einem Gebäude, eine Hälfte des Gartens der anderen ähnlich zu machen, da die Natur die Eurythmie überall in Landschaften vermeidet. Wie mancher natürlich schöner Platz ist nicht mit erstaunlichen Unkosten in einen unfruchtbaren und langweiligen Platz verwandelt worden?

johann georg sulzer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, leipzig, 1771–1774.

* quintus horatius flaccus, ‚epistulae‘: „denn was du für rauhe verödete wildnis ansiehst, nennt anmutig, wer mir beistimmt, und hasset,was du achtest für schön.“ übersetzung von johann heinrich voß, ’sämmtliche übersetzungen der klassischen dichter der römer. zweiter theil: quint. horatius flaccus, zweiter band: satyren und episteln‘, heidelberg, 1806. epistel I,14.

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chodowiecki_sulzer_kupfer_1771_500   daniel nikolaus chodowiecki, titelkupfer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, 1771.