„raus aus dem garten!“

mit anke schmitz (garten auf freigang) in der ausstellung ‚thomas gainsborough. die moderne landschaft‘ in der hamburger kunsthalle:

gruenesblut.net

 

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gartenbücher (#avantgardening)

weite, flache kulturlandschaft, kopfweiden & pappelalleen, deiche & windräder. der niederrhein. linke rheinseite, fast niederländisch. die „landlust“ von daniela pawert und torsten matschiess hatte akustische gründe. endlich musik hören, ohne den nervigen kleinkrieg mit hellhörigen nachbarn in der stadt. 2004 beginnt alles mit einen garten am haus incl. altem baumbestand. 2011 vergrössert ein ehemaliges maisfeld, 5.300 m², den garten auf 8.200 m². ein junger garten. kein rückzug in die private ländliche idylle. der garten ist offen zur ihm umgebenden kulturlandschaft inkl. strommasten & windrädern, neben geräuschen und gerüchen der landwirtschaft, häufige gründe der schnell abflauenden „landlust“. einer der digitalsten gärten im deutschsprachigen raum: ein privatgarten mit öffentlichkeit durch website & facebook account. digitale offene gartenpforte. jetzt ist ein buch über den garten alst bzw. „ein plädoyer für gegenwärtiges gärtnern“ in der neuen edition gartenpraxis des ulmer verlages erschienen. keine garten-monografie und ebenso wenig ein diy-ratgeber mit den bekannten, aus dem kontext gerissenen, gestalterischen versatzstücken. wer ein buch aus der beliebten reihe alle-mal-hersehen-MEIN-garten oder einen der unzähligen ratgeber erwartet, liegt falsch. das buch ist eine hybride. es geht ums prinzip.

avant

avantgardening? avant-garde? herrscht krieg im garten? eine militärische vorhut im ruhigen, beschaulich vor sich hin blühenden blümchenreich? eine neue künstlerische bewegung, wie die avantgardistischen des 20 jh. konstruktivismus, dadaismus oder expressionismus in gärten bzw auf grundstücken? wobei jeder neue -ismus schon immer nur der kampf um die anerkennung der institution war … ein neuer ismus in der grenzregion von new german style und dutch wave?

gardening

stauden, gräser, rosen und einige gehölze. keine lauschige sitzecke. vereinzelt ein alter stuhl oder ein korbsessel. gemulchte wege führen durch die „beete“, sind aber in der üppigen bepflanzung häufig nicht sofort zu erkennen. struktur, und damit an einigen stellen sichtschutz, bietet die bepflanzung. keine aufgeräumte „die kleinen vorne, die grossen hinten“ blühaufstellung. keine klassischen sichtachsen. jedoch der „fotografische“ blick versucht hier, sowohl beim autor selbst als auch bei jürgen becker, immer wieder ordnung zu schaffen: windräder und strommasten ausserhalb des gartens sind als endpunkt einer sichtachse einfach zu verlockend. leider wird der himmel bei diesen aufnahmen häufig auf dramatisch gefiltert, less is more . symbolik, traditionell z.b. durch skulpturen oder deko erzeugt, fehlt. bis auf die benennung eines weges: ed snowden boulevard. der garten ist, jedenfalls wenn man mit den antrainierten scheuklappen an ihn heran geht, sperrig. die bepflanzung endet an der grenze des grundstücks & manchmal schaut etwas schwarzbuntes herüber. Weiterlesen

Niemandsland entsteht da, wo nach Ausscheiden einer Bauzone die landwirtschaftliche Nutzung obsolet, die städtische Nutzung aber noch nicht genügend rentabel ist. Niemandsland ist der Leerraum zwischen dem Stadtkörper und seinem zu groß geschneiderten Planungsanzug. […]

Natürlich bedroht die Planung auch das Niemandsland. Diese Bedrohung nennt sich „Grünplanung“. Zugegeben, die Grünplanung hat es in unseren Städten schwer: Bebaute Flächen lassen sich nicht in Grünflächen verwandeln. Sie muß also darauf ausgehen, Grünflächen in Grünflächen zu verwandeln. Seitdem die Stadtgärtner sich nicht darauf beschränken, den Stadtpark und einige andere Anlagen zu begrünen, ist das Niemandsland gefährdet.

[…] Durch die totale Begärtnerung entsteht […] nicht das, was die Gärtner sich davon erhoffen – eine Stadtlandschaft; im Gegenteil. Je mehr dem Auge schon vorgegeben wird, desto weniger ist es geneigt, dieses Gesehene unter das Bild einer Landschaft zu subsumieren. Die Art und Weise, wie Städte begärtnert werden, steht immer noch unter dem Anspruch der dreißiger Jahre: Funktionalisierung und Hygienisierung.

lucius burckhardt, ’niemandsland‘ zuerst in ‚werkbund material‘ # 2, 1980, wiederabgedruckt in ‘warum ist landschaft schön? die spaziergangswissenschaft’, hrsg. von markus ritter und martin schmitz, berlin, 2006.