gartenbücher: het nederlandse cultuurlandschap – grids, mapping & photography

die bunten, gestreiften tulpenfelder und die vogelperspektive auf die raster der treibhauslandschaft. windmühlen und -räder, deiche und die dutch wave. klischees bestimmen das bild einer gegend, einer landschaft, eines landes. ausserhalb der randstad ist landschaft und innerhalb derselben das groene hart mit „natur“ und naherholung für die städter, polder, landwirtschaft & gartenbau.

ein viertel des landes liegen unter dem meerespiegel. die landschaft ist eingedeicht, und die windmühlen pumpen das wasser aus dem gebiet. die landgewinnung startete früh und im gouden eeuw, 1600 – 1700 (also während des tachtigjarige oorlog, des achtzigjährigen kriegs von 1568 bis zum friedenschluss in münster 1648 und der anerkennung der republiek der zeven verenigde provinciën), wuchs das land um 1120 km². im zeitraum von 1900 – 2000 um 1700 km² (quelle: friso wielenga, ‚geschichte der niederlande‘, stuttgart 2012). eine künstliche, dem meer abgerungene landschaft.

landschaftsmalerei und die kartierung der landschaft waren bereits im 17. jh. eines der hauptmotive der niederländischen malerei. man denke nur an die prominent platzierte landkarte im bild „die malkunst“ von vermeer. im 20. jh malte mondrian erst landschaften, um dann bei rastern, grids, zu landen. die kunsthistorikerin svetlana alpers spricht nicht umsonst in ihren standardwerk zur malerei des gouden eeuw von „the mapping impulse in dutch art“. was man geschaffen bzw. verändert hat, soll dokumentiert (nutzbarkeit) und präsentiert (stolz) werden.

1971 legte der schriftsteller, verleger, rechtsanwalt und künstler reinjan mulder ein raster über eine karte der niederlande. an den 52 schnittpunkten plazierte er 1974 sein stativ und fotografierte in alle vier himmelsrichtungen. die bilder waren 2016 in einer ausstellung im amsterdamer rijksmuseum zu sehen. hier entstand, auf anregung von berno strootman, rijksadviseur fysieke leefomgeving, die idee, die veränderung der landschaft ausgehend vom mulders projekt „objectief nederland“ zu dokumentieren. 2017 fotografierte cleo wächter nach den vorgaben des rasters. gerade ist die dokumentation des projektes als buch erschienen. die landschaften der niederlande: mapping, grids, die vermeintlich objektive fotografie und die veränderung einer kulturlandschaft.

mapping

We can, I think, distinguish a narrower and a broader use of the mapping designation. Used narrowly, mapping refers to a combination of pictorial format and descriptive interest that reveals a link between some landscapes and city views and those forms of geography that describe the world in maps and topographical views. Used broadly, mapping characterizes an impulse to record or describe the land in pictures that was shared at the time by surveyors, artists, printers, and the general public in the Netherlands. […]

If the great landfill and water projects on the one hand and military activity and news on the other contribute to the demand for detailed maps, the natural features of the Netherlands – the flat, open, relatively treeless land – made it particularly suitable for mapping.

svetlana alpers, ‚the art of describing: dutch art in the seventeenth century ‚, chicago 1983

grids

There are two ways in which the grid functions to declare the modernity of modern art. One is spatial: the other temporal. In the spatial sense, the grid states the autonomy of the realm of art. Flattened, geometricized, ordered, it is antinatural, antimimetic, antireal. […]

In the temporal dimension, the grid is an emblem of modernity by being just that: the form that is ubiquitous in the art of our century, while appearing nowhere, nowhere at all, in the art of the last one. […] By „discovering“ the grid, cubism, de Stijl, Mondrian, Malevich … landed in a place that was out of reach of everything that went before. Which is to say, the landed in the present, and everything else was declared to be the past.

[…]

The grid’s mythic power is that it makes us able to think we are dealing with materialism (or sometimes science, or logic) while at the same time it provides us with a release into belief (or illusion, or fiction).

rosalind e. krauss, ‚grids‘ in ‚october‘ no. 9 (summer 1979) reprinted in ‚the originality of the avant-garde and other modernist myths‘, cambridge, massachusetts and london 1985

landschaft & fotografie

von seestücken im wattenmeer auf texel, über einen acker und einen kanal bei rotterdam bis zu gehölzen und einem strommast bei ubachsberg. vom abgelegen bauernhof (1974) zum neubaugebiet mit sichtschutz (2017) in santpoort, über hecken bei dordrecht, einem gartenhaus (2017) in nieuweschans, eine graue wand in roosteren (1974/2017), kopfweiden an der grundstücksgrenze (2017) in hedel und einem kirchturm (1974/2017) und einem garten (2017) in kattendijke bis zu innenarchitektur in velp (1974/2017). vorher / nachher.

was ist objektivität? ist die verwendung bestimmter parameter, wie z.b. raster, die bereits bei der minimal und conceptual art durchdekliniert wurden, nicht-subjektiv? mulder selbst schreibt in seinem beitrag im buch über die „verbindung“ bzw. die gleichzeitigkeit mit projekten von künstlern wie jan dibbets. und die fotografie? der aberglaube an eine vermeintlich objektive darstellungsmöglickeit, in abgrenzung zur subjektiven malerei, ist eher eine der geburtswehen dieser form der abbildung. die fotografie, und besonders der diskurs über sie, sind ein produkt der naiven technikgläubigkeit des 19. jahrhunderts. die bezeichnung „objektiv“ für das linsensystem des optischen teils der kamera hat die diskussion nicht vereinfacht … was ist objektiver? quadrat oder querformat – cadrage. analog auf sw-negativ mit tri-x – körnung in format 6×6 plus dunkelkammer (1974), oder digital und farbig auf 24 x 36 mm, 50 millionen pixel plus photoshop (2017)? nicht nur die abgebildete landschaft verändert sich …

selbst wenn es möglich wäre, eine gegend, eine (kultur)landschaft objektiv darzustellen, wäre man, sobald es mit der rezeption losgeht, beim reinen subjektivismus: die einen sehen die menschliche kultur, die die landschaft geschaffen hat, die anderen romantische „natur“ und/oder ihre zerstörung.

was hier mit den mitteln der kartierung und der fotografie entstanden ist, ist eine dokumentation – „documentary style“ würde walker evans es wahrscheinlich nennen – über eine sich verändernde landschaft, ein land. eine bestandsaufnahme, ob nun „objektiv“, „authentisch“, oder was auch immer. ein buch über die niederlande das sich neben den klassischen darstellungen der landschaft nicht verstecken muss, in guter ausstattung und ruhigem layout ohne unnötige spielereien, wie bei nai010 zu erwarten. das projekt sollte man vor dem objektiv behalten, oder wie wächter in ihrem beitrag schreibt: „It is my hope that this project will be reproduced again and again, …“. die niederlande, wie jedes land, jede landschaft, werden sich weiter verändern.

 

reinjan mulder & cleo wächter, ‚objectief nederland: veranderend landschap 1974-2017 / objective netherlands: changing landscape 1974-2017‘, mit texten von henk baas (rijksdienst voor het cultureel erfgoed), merel bem (de volkskrant), peter delpeut (nrc), ludo van halem (rijksmuseum) und berno strootman (rijksadviseur fysieke leefomgeving), brosch., 207 s., rotterdam: nai010 uitgevers 2018, isbn 978-94-6208-464-3

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westfälischer friede: „Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren …“

[…]

Ihr Bauren spannet an die starcken AckerPferde/ klatscht mit der Peitschen scharff/ die Pflugschar in die Erde/ Säet/ Hirsche/ Heidel/ Korn/ Hanf/ Weitzen/ Gersten auß/ Kraut/ Ruben/ Zwiebeln/ Kohl/ füllt Keller/ Boden/ Hauß.

Ihr Gärtner werdet dann zu Marckt können fahren/ und lösen manchen Batz auß euren grünen Wahren/ dann kehret ihr mit Lust fein in ein Küchlein ein/ und esst ein stücklein Wurst und lescht den Durst mit Wein: Juch/ Juch/ ihr seyt befreyt von tausend Nöthen/ und schlaffet biß es tagt mit euren Bauren Greten.

[…]

friedensreiter von münster: „Neuer Auß Münster vom 25. deß Weinmonats im Jahr 1648. abgefertigter Freud= und Friedenbringender Postreuter“, flugblatt anlässlich der unterzeichnung des friedensvertrages am 24. oktober 1648.

tuinen het loo: ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo‘ & knipsen

von 1685 bis 1692 liess der niederländische statthalter willem van oranje für sich und seine frau mary stuart, tochter von james II, das schloss het loo erbauen. die architekten waren der aus frankreich stammende hugenotte daniël marot und jacobus roman, stadtbaumeister von leiden, ab 1689 hofarchitekt. mit dem palast aus backstein wurden die gärten angelegt. der fränzösische einfluss von andré le nôtre, hofgärtner von willems intimfeind louis XIV., ist zu spüren. was jedoch hier im waldgebiet veluwe bei apeldoorn entstand, ist niederländisch, hollands classicisme. prunkvoll und repräsentativ, aber nicht protzig à la versailles.

1689, nach der glorious revolution, bestiegen die erbauer als william III und mary II den englischen thron. hampton court, mit dem für willem angelegten privy garden, oder kensington palace wurden zu hauptresidenzen. im 18. jhr. wurde der garten teilweise dem zeitgeschmack angepasst. im19. jhr., unter louis napoléon bonaparte, verschwand der barock und ein landschaftsgarten wurde angelegt, die barocken paterres aufgefüllt. in der regierungszeit von königin wilhelmia, die nach ihrer abdankung hier lebte, kamen nebengebäude hinzu. zwischen 1977 und 1984 wurde der barocke tuinen het loo rekonstruiert.

bei barockgärten wird gerne mantramässig vom einfluss der gärten von versailles gesprochen. gerade in nordeuropa sollte man eher vom einfluss von het loo sprechen. das im marketingjargon als ”westfälisches versailles” bezeichnete schloss nordkirchen, ist ein „münsterländer het loo“: neben dem architekten gottfried laurenz pictorius (später johann conrad schlaun) wirkte am bau auch jacobus roman mit. oder der große garten in herrenhausen: sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg aka hanover, war massgeblich an der gestaltung beteiligt. die tochter des winterkönigs, friedrich V. von der pfalz, verbrachte ihre kindheit im niederländischen exil des vaters bei der verwandtschaft ihrer mutter elisabeth stuart. der einfluss der niederländischen gärten wie het loo ist in hannover jederzeit sichtbar, wenn man die versailles-brille abnimmt. eine barocke dutch wave …

1699 erschien in london das buch ‚a description of the king’s royal palace and gardens at loo, […]‘ vom königlichen leibarzt walter harris. eine beschreibung des gartens im „original“-zustand und ein wichtiges dokument für die restaurierung des tuinen het loo:

THIS Description of the King’s Palace, and Gardens at Loo, was most of it written at the Command of our late most Incomparable Queen, of ever Glorious Memory, who was not displeased with the Sight of it; and who, though she Honoured this Royal Fabrick with the laying its first Stone, yet could never have the Pleasure of seeing it Perfected: […]

  

die mittlere allee & ein baunzaun (nicht richard serra, das paleis wird renoviert).

HIS Majesty’s Palace and Gardens at Loo are situated on the cast-side of a large Sandy Heath, or in the Veluwe, a considerable part of the Province of Gelderland, one of the Seven United Provinces. The Heath is extended Southward unto the Rhine, and Northward unto the Zuyder, or South Sea; Westward it runs almost to Amersfort, or within less than two Leagues of it; and Eastward it is extended to the Issel, a considerable River that divides Overyssell from the Veluwe. Loo is three Leagues from Deventer, five from Harderwick on the South-Sea, five from Dieren, another of His Majesty’s Places, six from Arnheim, and twelve Leagues or Hours from Utrecht. It is an excellent Country for Hunting, and abounds with Staggs, some Roe-bucks, the Wild Boar, Foxes, Hares, and some Wolfs. It is no less excellent for Fowling, and has good store of Woodcocks, Partridges, Pheasants, &c. In a Wood near Loo, there is a Herniary for Hawking; and within a league of it North-cast, His Majesty has of late caused to be made an Excellent Decoy, which supplies his Family with good store of Ducks and Teale. And in the Heath beyond the Gardens, there are six Vi∣vers or large Fish-ponds, somewhat after the model or resemblance of those in Hide-Park, the one communicating with the other. […]

The New Palace, lately built by His Majesty, is near unto the Old Hoof, or Old Court, which is a Castle surrounded with a broad Moat, and purchased about 12 or 14 Years ago from the Seigneur de Laeckhuysen, a Gentleman of this Country. They are separated from one another only by some of the Gardens, which lye on the West-side of the New Palace. The Gardens are most Sumptuous and Magnificent, adorned with great variety of most Noble Fountains, Cascades, Parterres, Gravel Walks, and Green Walks, Groves, Statues, Urns, Paintings, Seats, and pleasant Prospects into the Country.

Before the Gate that enters into the Court of the Palace, there is a broad Green Walk between a double row of Oaks, half a mile long; […].

  

blick vom dach über den benedentuin und den boventuin & die die beiden gärten trennende allee mit kanälen. Weiterlesen