fagus sylvatica var. suentelensis / ‚die süntelbuche‘ von clementine von münchhausen

Die Süntelbuche.

(Fagus silvatica tortuosa Willkomm, forstl. Flora 1887, S. 439.)

Von Clementine Freifrau von Münchhausen, geb. v. d. Gabelentz, Hannover.

„Wir fahren zur Süntelbuche,“ heißt es, wenn ein neuer Gast uns in Apelern [wasserschloss münchhausen] besucht und ihm das Interessanteste, was die Gegend bietet, vorgeführt werden soll, – sei es nun, daß er Naturfreund ist und Verständnis hat, oder daß ihm Verständnis und Naturfreundschaft erst beigebracht werden müssen, was aber erfreulicherweise nicht oft nötig ist. […]

„Ein Haufen Buchenheister“, sagt der Forstmann. Das ist die Süntelbuche. Sie steht nahe der Höhe des Süntel auf einem Abhang, der sich nach Norden zu sanft zu Tale senkt.[…]

Über ihre Vorgeschichte kann ich leider wenig sagen. Mein Mann hat Apelern und das dazu gehörige Nienfeld erst im Jahr 1886 aus dem Erbe eines entfernten Lehnsvetters angenommen, so daß in mündlicher Überlieferung nichts auf uns gekommen ist.

Wir fanden die schöne eigenartige Buche damals als alten, in der ganzen Gegend bekannten Baum dort vor.

Um den Stamm herum war auch damals schon eine Rasenbank (ohne Rasen bei dem dichten Schatten!), die der Baum zum Glück nicht übel genommen zu haben scheint.

Steht man darunter, so ist der Blick in das Astwerk überaus interessant. Da wächst so ein Ast ein paar Meter lang zielbewußt nach Westen, dann fällt ihm ein, das könnte doch ein Irrtum sein, und er biegt rasch entschlossen im rechten Winkel um nach Süden. Und nach noch nicht einem halben Meter kommt ihm eine neue Laune, und wieder biegt er im rechten Winkel ab, vielleicht nach Osten zurück — das alles in ungefähr horizontaler Lage —, und dann fällt ihm ein, daß Luft und Licht auch schöne Dinge sind, und er strebt nach oben, — womit er aber nicht weit kommt.

Diese älteste Süntelbuche hat 1 m über der Erde einen Umfang von 4,40 m, Kronenumfang gut 77 m, Höhe des Baumes, wie der Förster schreibt, über 12 m. Hiernach wächst sie noch freudig. Denn ich entsinne mich von einer früheren Messung um 1890 bestimmt auf 1 1 m Höhe und 60 m Kronenumfang. Sie teilt sich 2 m über der Erde in zwei Hauptstämme, die sich bald weiter verästeln. Der eine davon ist etwas hochwüchsiger als der andere, so daß von einer gewissen Entfernung, von Norden aus gesehen, der Baum wie ein Berg mit einem nach Osten damit verwachsenen etwas niedrigeren Vorberg aussieht. Die Äste hängen jetzt ganz bis zur Erde, was früher durch Verbiß der Schafe nicht der Fall war.

Die früher gelegentlich gehörte Behauptung, jede auf den Süntel gepflanzte Buche verwandele sich in eine Süntelbuche, ist durchaus unrichtig. An drei Seiten steht Buchenhochwald gar nicht weit von unserer entfernt. Und ein zweites, vielleicht nicht viel jüngeres Exemplar steht sogar am Rand eines dieser Bestände.

Die nächste, schon erwähnte Süntelbuche ist eine Ruine, d. h. ein starker aufrechter Stamm scheint noch ganz gesund, aber unmittelbar über der Erde ist von einem eher stärker gewesenen Stamme, der anscheinend in rein horizontaler Richtung wuchs, nur noch ein morscher Stummel übrig.

[…]

Von dem Förster, den wir 1886 vorfanden, und der als Sohn seines Vorgängers die Süntelbuche von Kind auf kannte, erfuhren wir, daß etwa 30 % der Samen wieder richtige Süntelbuchen ergäbe oder mehr kugelige Zwischenformen, wie deren Freund Beißner bei seinem Besuche in Apelern mich auf ein paar aufmerksam machte.

Leider sind auf einem Nachbargrundstück einige hübsche ältere Exemplare später geschlagen. […]

Weitere Süntelbuchen, die mir bekannt geworden, sind die folgenden: In dem Kurpark von Bad Nenndorf soll eine stehen, jedenfalls kein auffallendes Exemplar; ich besinne mich nicht sie gesehen zu haben, obgleich ich oft dort war, ich bin allerdings sehr schlecht zu Fuß.

[…]

Das Holz dürfte nicht anders zu benutzen sein als anderes Buchenholz. Dort, wo sie vorkommen, gibt es aber gerade Buchenstämme genug, so daß die wenigen Krüppelbuchen gewiß alle ins Brennholz gewandert sind.

Der Wert als Nutzholz – etwa für abenteuerlich geformte Naturmöbel – tritt jedenfalls ganz zurück gegen den Wert als Parkbaum. Hier ist die Süntelbuche am Platze, d. h. wo man Platz genug hat, denn sie ist etwas raumgefräßig. Sie wird aber für die Nachkommen eine prachtvolle Laube, ja Gesellschaftssaal abgeben, und ihre geringe Höhe erlaubt es auch, ihr etwa einen Platz in der Nähe des Wohnhauses auf geneigtem Terrain anzuweisen, wo höhere Stämme die Aussicht stören würden.

clementine freifrau von münchhausen ‚die süntelbuche‘. in: ‚mitteilungen der deutschen dendrologischen gesellschaft‘, nr. 20, 1911.

die hier beschriebene tilly-buche stand am nordostrand des namensgebenden süntels (weserbergland). um 1843, als im zuge der verkopplung (heute würden man flurbereinigung sagen) grössere bestände gerodet wurden, blieb sie als einzelner baum stehen. 1929 wurde der baum zum naturdenkmal erklärt. 1994 brach der solitär, mit ca. 250 jahren, pilzbedingt zusammen. der namensgeber, johann t’serclaes von tilly, hat im dreissigjährigen krieg wohl kaum unter ihr gerastet…

die süntelbuchenallee im kurpark von bad nenndorf wude ende der 1920iger aus sämlingen der tilly-buche, von dem dendrologen und leiter des kurparks carl thon, gepflanzt. aus ca. 30 pflanzen wurden durch absenkung der äste um die 100.

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rosenlaube, f. eine von rosenbüschen gebildete laube / de kölsche mona lisa: ‚die muttergottes in der rosenlaube‘ von stefan lochner

Laube, als L. wird eine offene Säulenhalle oder ein Gang an einem Gebäud bezeichnet. Die L. im → Garten ist ein beranktes, schattenspendendes Gerüst, das als offener Gang gebildet sein kann (→ Laubenallee, → Pergola). […]

‘wörterbuch der europäischen gartenkunst’ von gabriele uerscheln und michaela kalusok, stuttgart, 2001