fritillaria meleagris: „checkered most strangely“ / ‚the herball‘ by john gerard

fritillaria_meleagris_500   fritillaria meleagris / schachbrettblume: kariert kurz vor der blüte. die weissen blüten sind weiter..

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Of Turkie or Ginnie-hen Flower. Chap. 79

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The description.
1. The checkered Daffodill or Ginny hen flower, hath small narrow grassie leaves; among which there riseth vp a stalke three hands high, hauing at the top one or two flowers, and sometimes three, which consisteth of sixe small leaves, checkered most strangely: wherein nature or rather the Creator of all things hath kept a very woonderfull order, surpassing (as in all other things) the curiest painting that Art can set down. One square is
of a greenish yellow color, the other purple, keeping the same order as wel on the backside of the flower as one the inside, although they are blackish in one square, & of a violet colour in another: in so much that every leafe seemeth to be the feather of a Ginnie hen, whereof it tooke his name. The root is small, white, and of the bignesse of halfe a garden beane.
2. The second kinde of checkered Daffodill is like unto the former in each respect, fauing
that this hath his flowre dasht ouer with a light purple, and is somewhat greater than the other: wherein consisteth the difference.

The place.
These rare and beautifullk plants grow naturally wilde in the fields about Orleance and Lions in Fraunce, from whence they haue been brought into the most parts of Europe. The curious and painfull Herbalist of Paris John Robin, hath sent me many plants thereof for my garden, where they prosper as in their owne natiue countrey.

The time.
They flower from beginning of March unto the end of Aprill. The seede is ripe in June.

The names.
The Ginny hen flower is called Dodonæus, Flos Meleagris: of L’Obelius, Lilio-narcissus variegatus, for that it hath the flowerr of a Lillie, and the roote of Narcissus: it hath been called Frittillaria, of the table or boord upon which men plaie at chesse, which square checkers the flower doth very much resemble, some thinking that it was named Frittillus, where there is no certaintie, for Martialis seemeth to call Frittillus, Abacus, or the tables whereat men play at dice, in the first booke of his Epigrams, writing to Galla.

Iam tristis, nucibus relictis,
Clamoso reuocatur à magistro:
Et blando male proditus Frittillo
Arcana modo raptus è popina
AEdilem rogat udus aleator.

The fad boye, hauing his nuts forsaken,
of clamorous master called upon a maine,
And waxt starke nought by flattering tables traine,
And latley from the priuie kitchen taken
Being a drunke dice-plaier,
Doth aske to be furueiour.

In English we may call it Turkie hen, or Ginny hen Flower, and also Checkered Daffodill.

The temperature and vertues.
Of the facultie of these pleasant flowers there is nothing set downe in the antient or later writers, but are greatly esteemed for the beautifieing of our gardens, and the bosomes of the beautifull.

john gerard, ‚the herball or generall historie of plantes‘, london, 1597 (in vielen teilen eine übersetzung des herbariums von rembert dodoens, 1554).

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gerard beschreibt die fritillaria meleagris als gartenpflanze. eines ihrer grössten wilden oder verwilderten vorkommen in england ist in oxford zu finden. der zum magdalen college gehörenden addison’s walk umschliesst einen meadow mit fritillaria meleagris. die ersten zeugnisse über dieses vorkommen stammen aus den jahr 1785. ob aloysius hier zur blütezeit spazierengegangen ist, ist leider nicht überliefert…

map_addisons_walk_oxford_500  detail aus: l. longmade, ’new map of the city of oxford‘ aus ‚the antient and present state of the city of oxford‘ von anthony à wood & john pechell, 1773.

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fritillaria_meleagris_aussaat_500   auf dem weg zur schachbrettblumenwiese: die ersten, noch etwas mickrigen,  (selbst)ausgesäten fritillaria meleagris & das erste frühlingslaub: die magnolie verliert die blütenblätter.

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As Apothecaries we make new mixtures everie day, poure out of one vessel into another; and as those old Romanes rob’d all the cities of the world, to set out their bad-sited Rome, we skim off the creame of other mens wits, pick the choice flowers of their till’d gardens to set out our own sterill plots.

robert burton, ‚the anatomy of melancholy. what it is, with all the kinds, causes, symptomes, prognostickes & severall cures of it […]‘, oxford, 1638 (erstausgabe 1621)

„Ich sitze mit einem Philosophen im Garten…“ / ludwig wittgenstein, ‚über gewissheit‘

Ich sitze mit einem Philosophen im Garten; er sagt zu wiederholten Malen „Ich weiß, dass das ein Baum ist“, wobei er auf den Baum in unsrer Nähe zeigt. Ein Dritter kommt daher und hört das, und ich sage zu ihm: „Dieser Mensch ist nicht verrückt: Wir philosophieren nur.“

ludwig wittgenstein, notiz, 3. april 1951. posthum veröffentlicht in ‚on certainty‘, ed. g.e.m. anscombe and g.h. von wright, translated by denis paul and g.e.m. anscombe, oxford 1969-1975.

arne jacobsen, gartner

Arne Jacobsens Vorliebe für das Grüne umfasst sein ganzes Dasein. Er war u.a. ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber und sagte mehrmals: „In einem nächsten Leben möchte ich Gärtner sein.“ Er legte in seinem Leben mehrere Gärten an, der bekannteste von ihnen ist der nur 300 m² große Garten mit 300 verschiedenen Pflanzenarten, der zu seinem eigenen Reihenhaus in der Siedlung Søholm I [in Klampenborg] gehörte.

Ein anderer Aspekt der Liebe zum Grünen und zur Natur drückt sich in seiner lebenslangen Neigung zur Naturstudien im Aquarell aus, sozusagen „vor Ort“. […]

Abgesehen von seinem eigenen Gärten wirkte Jacobsen auch im hohen Maß als Gartenarchitekt in Verbindung mit eigenen Bauprojekten. […]

[…] Auf der übergeordneten Ebene war [der Garten in Søholm] räumlich durch freistehende parallele Hecken aufgeteilt, die wie eine grüne Ebene oder Mauer die Architektur des Hauses sozusagen fortführten und somit einen Übergang zwischen Haus und Garten schufen.

Doch im Garten zeigte sich auch, wie bei den Aquarellen, den Stoffmuster [mit stilisierten Naturstudien, zusammen mit seiner zweiten Frau Jonna, einer gelernten Stoffdruckerin] und den Fotografien [angelehnt an Karl Blossfeldt], dass es vor allem Farben, Formen und Konturen der Pflanzen waren, die Jacobsen interessierten.Und er schien mit den Pflanzen so wie mit den Farben in den Aquarellen zu arbeiten – stellte die eher wildwachsenden Pflanzen neben die präzisen Linien und Flächen der Hecken, spielte insgesamt gesehen mit den Kontrasten auf dieselbe Weise, wie er später vor allem im SAS-Haus, mit dem Verhältnis zwischen den organisch geformten Möbeln und der strukturellen Regelmäßigkeit der Räume spielte. Der Garten von Søholm kann als das Labor betrachtet werden, von dem aus Jacobsen Motive und Pflanzen in spätere Gärten übertrug. […]

Jacobsens letzte große Garten Anlage ist der Park um das St. Catherine’s College in Oxford. Ein langes Wasserband mit angegliederten Terrassen entlang des einen Gebäudeflügels erweitert hier das Repertoire. Mauersequenzen schieben sich hinaus in den Park. Aus dem Søholm-Garten stammen die parallelen Hecken, jetzt jedoch strenger zu Reihen aus wechselweise freistehenden Eibenhecken und Mauern angeordnet. Hier verschmilzt der Raum der Architektur mit dem des Gartens.

carsten thau und kjeld vindum, ‚tonalitäten – schwerelosigkeit, muster, botanik‘ im katalog ‚arne jacobsen. absolut modern‘.

austellung im louisiana museum of modern art, humlebæk und in den deichtorhallen, hamburg.

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