wir basteln uns eine geduldsprobe…

aussaat_alpinum_14_500   der küchentisch muss als potting shed (die englische bezeichnung ist einfach besser) herhalten. die stecklinge der feige (→ ficus carica / pfälzer feige → ottensener feigen) bekommen alpine nachbarn: carlina acaulis / silberdisteln, rhododendron ferrugineum / rostblättrige alpenrose oder almrausch & eryngium alpinum / alpen-mannstreu (→ alpinum). & auf dem weg ins paradaidha → phoenix dactylifera / dattelpalme: der samen für einen persischen garten…

aussaat_versuche_14_500   endlich die geschenke vom vorletzten jahr ausgesät: matthiola ‚virginian‘ / levkojen & goldlack. botaniker: jetzt haben die aus „cheiranthus cheiri“ „erysimum cheiri“ gemacht… also erysimum cheiri ‚vulcan‘. ein fund aus der samen-kiste: ziertabak / nicotiana alata ‚grandiflora‘ & nicotiana sylvestris. mal sehen ob es mit dem ur-alten samen noch was wird…

diese pflanze schreit förmlich danach: zigarettenpause…

ein versuch den ingwer-konsum von dekablog10 zu stillen: zingiber officinale. & bruchstücke des englischen geschirrs von tante hilde für die drainage. tante hilde & ihr garten werden ein eigenes, längeres thema auf diesem blog…

 

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philosophische gespräche im garten bei einer tasse tee & keksen / ’neue abhandlungen über den menschlichen verstand‘ von gottfried wilhelm leibniz

schuster_leibnitz_herrenhausen_500   philosophische gespräche im grossen garten: leibniz und sophie von der pfalz, kurfürstin von braunschweig-lüneburg. ill.: johann david schubert gestochen von daniel berger aus ‚pantheon der deutschen‘.

Die Gesellschaft an dem Hannöverischem Hofe, wo solche Materien durchgestritten wurden, machte sich ein angenehmes Geschäft daraus, Erfahrungen aufzusuchen, womit sie die Paradoxen des Philosophen widerlegen könnten. Leibniz erzählt uns selbst die Geschichte eines solchen Spieles, die uns von dem edlen Geiste der Unterhaltung dieser Gesellschaft einen Begriff machen kann. „Ein geistreicher Mann unter meinen Freunden sprach mit mir über den Satz des Nichtzuunterscheiden in Gegenwart der Frau Kurfürstin in dem Garten von Herrenhausen, und glaubte, daß er wohl zwei Blätter finden würde, die einander gänzlich ähnlich wären. Die Kurfürstin forderte ihn dazu heraus; und er lief lange Zeit vergebens danach herum.

karl gottlieb hofmann, ‚pantheon der deutschen‘, bd. 2, chemnitz, 1795.

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§ 3. Philalèthe. Ce qu’on nomme principe d’individuation dans les écoles où l’on se tourmente si fort pour savoir ce que c’est, consiste dans l’existence même, qui fixe chaque être à un temps particulier, à un lieu incommunicable à deux êtres de la même espèce.
Théophile. Le principe d’individuation revient dans les individus au principe de distinction dont je viens de parler. Si deux individus étaient parfaitement semblables et égaux et (en un mot) indistinguables par eux-mêmes, il n’y aurait point de principe d’individuation; et même j’ose dire qu’il n’y aurait point de distinction individuelle ou de différents individus à cette condition. C’est pourquoi la notion des atomes est chimérique, et ne vient que des conceptions incomplètes des hommes. Car s’il y avait des atomes, c’est-à-dire des corps parfaitement durs et parfaitement inaltérables ou incapables de changement interne et ne pouvant différer entre eux que de grandeur et de figure, il est manifeste qu’étant possible qu’ils fussent de même figure et grandeur il y en aurait alors d’indistinguables en soi et qui ne pourraient être discernés que par des dénominations extérieures sans fondement interne, ce qui est contre les plus grands principes de la raison. Mais la vérité est, que tout corps est altérable et même altéré toujours actuellement, en sorte qu’il diffère en lui-même de tout autre. Je me souviens qu’une grande princesse, qui est d’un esprit sublime, dit un jour, en se promenant dans son jardin, qu’elle ne croyait pas qu il y eût deux feuilles parfaitement semblables. Un gentilhomme d’esprit, qui était de la promenade, crut qu’il serait facile d’en trouver; mais quoiqu’il en cherchât beaucoup, il fut convaincu par ses yeux qu’on pouvait toujours y remarquer de la différence. On voit par ces considérations négligées jusqu’ici, combien dans la philosophie on s’est éloigné des notions les plus naturelles et combien on a été éloigné des grands principes de la vraie métaphysique.

§ 3. Philalethes. Das, was man in den Schulen Prinzip der Individuation nennt, wo man sich so viel quält zu erfahren, was es sei, besteht in dem Dasein selbst, welches jedes Wesen zu einer besonderen Zeit an einen bestimmten Ort setzt, der zweien Wesen derselben Art nicht gemeinsam sein kann.
Theophilus. Das Prinzip der Individuation kommt in den Individuen auf das Prinzip der Unterscheidung zurück, wovon ich eben gesprochen habe. Wenn zwei Individuen vollkommen ähnlich und gleich und mit einem Worte an sich selbst ununterscheidbar wären, so würde es kein Prinzip der Individuation geben; und ich wage selbst zu behaupten, daß es unter dieser Bedingung keine individuelle Unterscheidung oder verschiedene Individuen geben würde. Darum ist der Begriff der Atome schimärisch und stammt nur aus den unvollständige Vorstellungen der Menschen. Denn wenn es Atome d.h. vollkommen harte und vollkommen unveränderliche oder zu innerem Wechsel unfähige und nur an Größe und Gestalt voneinander verschiedene Körper gäbe, so würde es offenbar bei der Möglichkeit, daß sie von gleicher Gestalt und Größe sind, dann unter ihnen solche geben, welche, an sich ununterscheidbar, nur durch äußere Bezeichnungen ohne inneren Grund voneinander getrennt werden könnten, was den wichtigsten Vernunftgrundsätzen zuwiderläuft. In Wahrheit ist aber jeder Körper veränderlich und wird sogar stets wirklich verändert, dergestalt, daß er an sich selbst von jedem anderen sich unterscheidet. Ich erinnere mich, daß eine geistvolle hohe Fürstin einmal auf einem Spaziergange in ihrem Garten sagte, sie glaube nicht, daß es zwei vollkommen gleiche Blätter gäbe. Ein gescheiter Edelmann, welcher den Spaziergang mitmachte, glaubte, es sei leicht, solche zu finden, aber obschon er viel danach suchte, mußte er sich durch seine eigenen Augen überzeugen, daß man stets dabei Verschiedenheit bemerken konnte. Man sieht aus diesen bisher vernachlässigten Betrachtungen, wie sehr man sich in der Philosophie von den natürlichsten Begriffen entfernt hat und wie sehr man von den wichtigsten Prinzipien der wahren Metaphysik fern ist.

gottfried wilhelm leibniz, ’nouveaux essais sur l’entendement humain / neue abhandlungen über den menschlichen verstand‘, kapitel XXVII. ‚was identität und verschiedenheit ist / ce que c’est qu’identité ou diversité‘ , zuerst auf französisch erschienen, 1704. deutsche übersetzung, leipzig 1904.

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philosophieren bei einer tasse tee & leibniz-keksen…

kekse_tee_herrenhausen_500   literatur: horst bredekamp, ‚leibniz und die revolution der gartenkunst. herrenhausen, versailles und die philosophie der blätter‘, berlin, 2012 & ‚herrenhausen 1666-1966 – europäische gärten bis 1700‘ katalog der jubiläumsaustellung, hannover, 1966.

von münster durch die münsterländer parklandschaft und den garten in den gartensalon des rüschhauses

So wanderten wir an einem schönen Frühlingsnachmittage zum Thore hinaus – in nordwestliche Richtung – und vertieften uns zwischen die Wallhecken und Kämpe einer westfälischen Landschaft, in der ein Spaziergang immer seine angenehmen kleinen Abenteuer hat. Denn bald gilt es, durch acrobatische Tapferkeit irgend ein „Heck“ oder einen Schlagbaum zu nehmen, bald einen drohend heranschreitenden jungen Stier, in dessen Gebiet wir eingedrungen sind, durch beschleunigten Rückzug seinen, durch unser Erscheinen gestörten Seelenfrieden zurückzugeben… Durch ein Gehölz endlich führte der Weg, dann durch eine kurze Eichenallee, zuletzt an ein hohes hölzernes Gitterthor, das den Uebergang über einen schmalen Graben abschloß, welcher letztere den kleinen Edelsitz „Rüschhaus“ umgab. Das Gebäude hatte etwas Eigenthümliches; es hatte wenig gemein mit den anderen adeligen Häusern, wie sie gewöhnlich in unserem Lande aussehen; es war ein Bau, vollständig wie das das echte altherkömmliche sächsische Bauernhaus, nur mit dem Unterschiede, daß es größer und ganz massiv von Steinen ausgeführt war, und daß es an der entgegengesetzten Seite, an seinem Ende, zu einer sehr hübschen, wenn auch kleinen, herrschaftlichen Wohnung ausgebaut war. Dieser Seite schloß sich ein Garten von mäßigem Umfang an, den einige Steinfiguren schmückten. Eine hohe Treppe führte aus diesem, von Wasser und Gehölz umgebenen Garten in den Gartensalon […]

levin schücking, ‚annette von droste – ein lebensbild‘, 1862

le_coq_topographische karte_500   detail aus carl ludwig von le coq, ‚topographische karte in XXII blaettern den grösten theil von westphalen enthaltend […], section XII: karte vom westlichen theil des fürsth-münster der grafsch. steinfurt u. der herrsch. gemen u. gronau welche zugleich einen theil der herzogl. looz-corswareschen herzogl. croyschen fürst. salmschen u. rheingräf. salmschen neuen besitzungen enthält.‘, 1805-1813.

wenn sich johann conrad schlaun, der erbauer des rüschhauses und sein erster bewohner, auf den weg von seinen stadthaus in münster zu seinem sommersitz auf dem land machte, durchquerte er die ‚münsterländer parklandschaft ‚: durch eine von wallhecken strukturierte agrarlandschaft erreichte er seinen durch buchsbaum-hecken strukturierten barocken garten. wallhecken bilden landschaftliche gartenräume:

Was nicht Wald und Haide ist, ist Kamp, d.h. Privateigenthum, zu Acker und Wiesengrund benützt, und, um die Beschwerde des Hütens zu vermeiden, je nach dem Umfange des Besitzes oder der Bestimmung, mit einem hohen, von Laubholz überflatterten Erdwalle umhegt. – Dieses begreift die fruchtbarsten Grundstrecken der Gemeinde, und man trifft gewöhnlich lange Reihen solcher Kämpe nach- und nebeneinander, durch Stege und Pförtchen verbunden, die man mit jener angenehmen Neugier betritt, mit der man die Zimmer eines dachlosen Hauses durchwandelt.

annette von droste-hülshoff, anonym als ‘westphälische schilderungen aus einer westphälischen feder’ in ‘historisch-politische blätter für das katholische deutschland’, münchen, 16. band, 1845.

die damalige landschaftsstruktur ist auf dem plan ‚grundlage des frey adelichen hausses rüschhauss wie selbes von 1745 bis 1749 neu erbauet und mit neuen plantagen angeleget, samt um sich liegenden adelich-freien grundstücken‘, zeichnung von joseph schmeddes, gut zu erkennen.

fährt man heute – wandern ist in dieser gegend nicht angesagt: ohne leeze (masematte f. fahrrad) geht nichts – von der stadt zum rüschhaus ist von der parklandschaft und „agrar“ nicht mehr viel zusehen. vorstadtmonotonie prägt das bild. statt heck und schlagbaum markieren heute jägerzäune die flurgrenzen. die bewohner dieser „landschaft“ finden ihren seelenfrieden mit hilfe von rasenmähern und laubbläsern.

erreicht man über die ‚100 schlösser route‘ die zum haus führende eichenallee steht man vor dem ‚dialog with johann conrad schlaun‘ (1996) von richard serra. der zweite dialog von serra mit den architekten ‚trunk – johann conrad schlaun recomposed‚, vor dem erbdrostenhof in münster, hat die skulptur projekte 1987 leider nicht überlebt.

den charakter des bauernhauses erahnt man bereits bei einem blick auf die pflasterung des hofes: die lage der beiden misthaufen ist heute noch ablesbar.

und weiter in den garten…

plannung_pättkestour_500

plannung für 2014 – pättkestour (pättkes: westf. f. „kleine pfade“ z.b. feldwege, tour mit den fahrrad) zum rüschhaus: ‚westfälische kunststätten. heft 40: haus rüschhaus‘ hrsg. westfälischer heimatbund in verbindung mit dem lwl – amt für denkmalpflege, münster, 2007. mit dem ‚plan vom ganzen platz und vorplatz des rüschhauses nebst denen beyden gartens‘ von johann conrad schlaun, 1745. plan der ‚100 schlösser route‘ von münsterland e.v. (#60 das fürstbischöfliche schloss mit dem botanischen garten & #62 der erbdrostenhof, beide von schlaun. #61 das rüschhaus & #39 die burg hülshoff). postkarten (der gartensalon & ‚dialog with johann conrad schlaun‘) schreiben & proviant nicht vergessen:

Hunger und Durst können [die westfalen] nicht leiden, und essen mehr als andere Nationen; wiewohl sie mit einfältiger Kost zufrieden sind, und nichts weniger als prächtig essen.

hermann von kerssenbroick, ‘geschichte der wiedertäufer zu münster in westphalen nebst einer beschreibung der hauptstadt dieses landes’, 1771.

M M X I V

planungen für den „eigenen“ garten und/oder den blog (nicht zu verwechseln mit sogenannten „guten vorsätzen“):

gartenplannung_500

wilfried hansmann, ‚das gartenparterre – gestaltung und sinngehalt nach ansichten, plänen und schriften aus sechs jahrhunderten‘, quellen und forschungen zur gartenkunst bd. 28, worms, 2009

robin whalley and anne jennings, ‚knot gardens and parterres – a history of the knot garden and how to make one today‘, foreword by the marchioness of salisbury, london, 1998

gabrielle voigt, ‚blankenburg – residenz / lustgarten / kleines schloss‘, hrsg. vom museum kleines schloss, stadt blankenburg, blankenburg/harz, 1996

johann conrad schlaun (postkarte: porträt j.c.sch., undatiert u. unsigniert, kopie nach einem original aus dem 18. jh., stadtmuseum münster): → ‚plan vom ganzen platz und vorplatz des rüschhauses nebst denen beyden gartens.‘, 1745; → lustgarten auf der twickelschanze (heute engelenschanze) in münster, 1729/31.

zweiter versuch: hamamelis x intermedia ‚jelena‘ / zaubernuss

da sind noch samen: silybum marianum / mariendistel

wir basteln uns ein alpinum: eryngium alpinum / alpen-mannstreu & carlina acaulis / silberdistel

&c. pp

[…]

As the garden grew with the plan

So does the plan with the garden.

[…]

berthold brecht, ‚garden in progress‘ (über den garten seines freundes charles laughton), los angeles, 1944

auf eine zigarette bei loki: malus, äpfel, apples, pommes, appel, æble, … europom 2013

malus, äpfel, apples, pommes, appel, æble, … europom 2013 im loki-schmidt-garten, hamburg.

unbekannte apfelsorten auf der europom 2013, 04 – 06/10/2013 im loki-schmidt-garten / botanischer garten der universität hamburg.

europom_13_knebusch   europom_13_schaalbyer

europom_13_perle_von_angeln   europom_13_dülmener_finkenwerder

o.l.: ‚knebusch‘ der apfel des jahres 2013 c/o eckart brandt / boomgarden; o.r.: ’schaalbyer rosen‘ eine alte sorte aus angeln c/o das apfelschiff; u.l.: ‚perle von angeln‘ c/o obstmuseum pomarium anglicum; u.r.: der ‚finkenwerder herbstprinz‚ aus hamburg & der ‚dülmener herbstrosenapfel‚ aus dem münsterland…

internationale apfelsorten im zelt des pomologen-verein e.v.:

europom_13_schone_van_boskop_nl   europom_13_nonnetit_fra_als_dk

europom_13_ross_nonpareil_rhs

o.l.: ’schone van boskop‘ c/o noordelijke pomologische vereniging, nl; o.r.: ’nonnetit fra als‘ c/o de gamle sorter, dk; u.l.: ‚ross nonpareil‘ c/o rhs fruit department / the royal horticultural society, uk.

auf_eine_zigarette_mit_loki_x   & auf eine zigarette mit loki… fürchterliche ‚büste‘: eine kreuzung aus breker und barlach.

botanischer garten berlin

botanischer garten berlin
plan des ‚königl. botanischen garten in dahlem bei berlin‘, 1909. heute ‚botanischer garten und botanisches museum berlin-dahlem, freie universität berlin‚.

ein schneller rundgang:

bln_bot_gart_baumfarne_500

dicksonia antarctica. baumfarne im mittelmeerhaus (subtropenhaus) des botanischen gartens.

Viele Gestirne und viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten (Palmen, hochstämmige Farren und Pisanggewächse, baumartige Gräser und feingefiederte Mimosen), bleiben ihnen [den bewohnern der nördlichen regionen] ewig unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere Treibhäuser einschließen, gewähren nur ein schwaches Bild von der Majestät der Tropenvegetation. Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden Kunst der Maler ist eine reiche Quelle des Ersatzes geöffnet. Aus ihr schöpft unsere Einbildungskraft die lebendigen Bilder einer exotischen Natur. Im kalten Norden, in der öden Heide kann der einsame Mensch sich aneignen, was in den fernsten Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem Innern eine Welt sich schaffen, welche das Werk seines Geistes, frei und unvergänglich wie dieser, ist.

alexander von humboldt, ‚ansichten der natur‘, 1808

bln_bot_gart_rundgang_500

oben v.l.n.r.: hamamelis virginiana / virginische zaubernuss; linum usitatissimum / saat-lein oder flachs; malus domestica / apfelbaum (leider noch nicht reif und ohne sortenbezeichnung…); unten v.l.n.r: taxodium distichum / atemwurzeln, pneumatophore, der echten sumpfzypresse; cynara cardunculus / artischoke; kaffee-pause.

 

der westfälische bauerngarten

der westfälische bauerngarten