Perdita […] Reuerend Sirs,
For you, there’s Rosemary, and Rue, these keepe
Seeming, and sauour all the Winter long:
Grace, and Remembrance be to you both,
And welcome to our Shearing

Polixenes Shepherdesse,
(A faire one are you:) well you fit our ages
With flowres of Winter

Perd. Sir, the yeare growing ancient,
Not yet on summers death, nor on the birth
Of trembling winter, the fayrest flowres o’th season
Are our Carnations, and streak’d Gilly-vors,
(Which some call Natures bastards) of that kind
Our rusticke Gardens barren, and I care not
To get slips of them

Pol. Wherefore (gentle Maiden)
Do you neglect them

Perd. For I haue heard it said,
There is an Art, which in their pidenesse shares
With great creating-Nature

Pol. Say there be:
Yet Nature is made better by no meane,
But Nature makes that Meane: so ouer that Art,
(Which you say addes to Nature) is an Art
That Nature makes: you see (sweet Maid) we marry
A gentler Sien, to the wildest Stocke,
And make conceyue a barke of baser kinde
By bud of Nobler race. This is an Art
Which do’s mend Nature: change it rather, but
The Art it selfe, is Nature

Perd. So it is

Pol. Then make you Garden rich in Gilly‘ vors,
And do not call them bastards

william shakespeare, ‚the winter’s tale‘, act IV. scene III (first folio, london, 1623).

„Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter:[…]“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Die Vervielfältigung der Mittel, welche der Malerei zu Gebote steht, um die Phantasie anzuregen und die großartigsten Erscheinungen von Meer und Land gleichsam auf einen kleinen Raum zu concentriren, ist unseren Pflanzungen und Gartenanlagen versagt; aber wo in diesen der Totaleindruck des Landschaftlichen geringer ist, entschädigen sie im einzelnen durch die Herrschaft, welche überall die Wirklichkeit über die Sinne ausübt. Wenn man in dem Palmenhause von [george] Loddiges oder in dem der Pfaueninsel [von karl friedrich schinkel] bei Potsdam (einem Denkmal von dem einfachen Naturgefühl unseres edlen, hingeschiedenen Monarchen [friedrich wilhelm III. von preussen]) von dem hohen Altane bei heller Mittagssonne auf die Fülle schilf- und baumartiger Palmen herabblickt, so ist man auf Augenblicke über die Oertlichkeit, in der man sich befindet, vollkommen getäuscht. Man glaubt unter dem Tropen-Klima selbst, von dem Gipfel eines Hügels herab, ein kleines Palmengebüsch zu sehen. Man entbehrt freilich den Anblick der tiefen Himmelsbläue, den Eindruck einer größeren Intensität des Lichtes; dennoch ist die Einbildungskraft hier noch thätiger, die Illusion größer als bei dem vollkommensten Gemälde. Man knüpft an jede Pflanzenform die Wunder einer fernen Welt; man vernimmt das Rauschen der fächerartigen Blätter, man sieht ihre wechselnd schwindende Erleuchtung, wenn, von kleinen Luftströmen sanft bewegt, die Palmengipfel wogend einander berühren. So groß ist der Reiz, den die Wirklichkeit gewähren kann, wenn auch die Erinnerung an die künstliche Treibhaus-Pflege wiederum störend einwirkt. Vollkommenes Gedeihen und Freiheit sind unzertrennliche Ideen auch in der Natur; und für den eifrigen, vielgereisten Botaniker haben die getrockneten Pflanzen eines Herbariums, wenn sie auf den Cordilleren von Südamerika oder in den Ebenen Indiens gesammelt wurden, oft mehr Werth als der Anblick derselben Pflanzenart, wenn sie einem europäischen Gewächshause entnommen ist. Die Cultur verwischt etwas von dem ursprünglichen Naturcharakter: sie stört in der gefesselten Organisation die freie Entwickelung der Theile.

alexander von humboldt, ‘kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung’, stuttgart/augsburg, 1845 bis 1862. bd 2, 1847.

thee zetten und mien ruys (& karl foerster) lesen: ‚die stauden‘

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stauden (helenium ‚moerheim beauty‘, b. ruys 1930, ist für MMXV vorgemerkt…) an ostfriesischer rose…

Es darf hier noch daran erinnert werden, daß dieses Reich der Stauden und Blumenzwiebelstauden die eigentliche große Instrumentation für jene feinste Kammermusik des Gartens liefert, die mit dem Worte „Wildnisgartenkunst“ zusammengefaßt wird. Es hängt also die ganze stilmäßige Universalität des Gartenreichs eng mit der Staude zusammen; denn sie liefert ja der strengen Gartenkunst im offenbaren Stil des Gebaut- und Gepflanztseins den großen Gegenspieler im Charakter des Gewachsenseins.

karl foerster, ‚vorwort‘ in mien, jan daniel und theo ruys, ‚die stauden‘, erlenbach-zürich, 1951. mit einem geleitwort von bonne ruys. deutschsprachigen ausgabe von ‚het vaste planten boek‘, amsterdam, 1950.

ps. früher ging es noch schneller – innerhalb eines jahres – mit der übersetzung von wichtigen gartenbücher und der umschlag war noch nicht aus marketing gründen aus dem photoshop. zum 110. geburstag von mien ruys in diesem jahr die passende antiquarische anschaffung: im jubiläumsjahr ist  keine deutschsprachigen ausgaben der bücher von ruys lieferbar! neben „tuinen maken en thee zetten“ hat sie auch wichtige gartenbücher geschreiben…

Gardening is civil and social, but it wants the vigor and freedom of the forest and the outlaw. There may be an excess of cultivation as well as of anything else, until civilization becomes pathetic. A highly cultivated man, -all whose bones can be bent! whose heaven-born virtues are but good manners! The young pines springing up in the cornfields from year to year are to me a refreshing fact.

henry david thoreau , ‚a week on the concord and merrimack rivers‘, 1849

Je länger wir über das Problem der Ökologie und Ästhetik nachdenken, desto tiefer geraten wir in Paradoxien, und zwar auf beiden Seiten des Begriffspaares: Die Ökologie befindet sich in einer Debatte um ihre Ziele, und die Seite der Ästhetik, der Wahrnehmbarkeit und Darstellung der Natur, befindet sich in einer tiefen Krise, der Krise der heutigen Gartenkunst. Woher kommt diese Entwicklung, was hat sich in unserer Welt oder unserer Gesellschaft verändert, daß so normal scheinende Begriffe wie Natürlichkeit und gärtnerische Schönheit in Zweifel, ins Wanken geraten?
[…]
Daß wir heute ökologisch gärtnern, erscheint mir eine Selbstverständlichkeit. Ökologisches Gärtnern ist aber noch keine Darstellung, keine Wahrnehmbarmachung von Natur. Die Mittel einer solchen neuen Gartenkunst müssen erst erarbeitet werden.

lucius burckhardt, ‚ästhetik und ökologie‘ zuerst in bauwelt # 81/39, 1990, wiederabgedruckt in ‚warum ist landschaft schön? die spaziergangswissenschaft‘, hrsg. von markus ritter und martin schmitz, berlin, 2006.

Gartenkunst. Diese Kunst hat eben so viel Recht als die Baukunst, ihren Rang unter den schönen Künsten zu nehmen. Sie stammt unmittelbar von der Natur ab, die selbst die vollkommenste Gärtnerin ist. So wie also die zeichnenden Künste die von der Natur gebildeten schönen Formen zum Behuf der Kunst nachahmen, so macht es auch die Gartenkunst, die mit Geschmack und Überlegung jede Schönheit der leblosen Natur nachahmet und das, was sie einzeln findet, mit Geschmack in einen Lustgarten vereinigt. Da die Natur den allgemeinen Wohnplatz der Menschen so schön ausgeschmückt und mit Gegenständen so mancherlei Art, die in so angenehmer Abwechslung auf uns wirken, bereichert hat; so ist es sehr vernünftig, dass der Mensch in Anordnung seines besonderen Wohnplatzes ihr darin nachahmet und sich die Gegend, wo er die meiste Zeit seines Lebens zubringen muss, so schön macht als er kann. Dazu hilft ihm die Gartenkunst, der es auch nicht an sittlicher Kraft auf die Gemüter fehlt, […]. Man sieht augenscheinlich, dass die Einwohner schöner Länder mehr Leben und mehr Anmutigkeit des Geistes besitzen als die, die vom Schikcksal in schlechte Gegenden versetzt worden sind.
Das Wesen dieser Kunst besteht also darin, dass sie aus einem gegebenen Platz, nach Maßgabe seiner Größe und Lage, eine so angenehme und zugleich so natürliche Gegend mache als es die besonderen Umstände erlauben. Sie hat keine andere Grundsätze als ein gesundes Urteil und Geschmack, auf die Betrachtung dessen angewendet, was in Gegenden, Landschaften und einzeln Teilen derselben angenehm ist. Man studiret diese Kunst bloß in der Natur selbst, bei Spaziergängen, bald in offenen Gegenden, bald in Wäldern, bald in Büschen oder auf einsamen Fluhren, auf Hügeln und in Thälern. Jede Schönheit, die die Natur an solchen Orten anzubringen gewußt hat, muss einem verständigen Gärtner fühlbar sein. So wie der Historienmaler Phisionomien, Stellungen und Gebärden beobachtet und sammelt, so bereichert der Gärtner seine Einbildungskraft mit angenehmen Gegenden und Szenen, um bei jedem Garten so viel als sich jedesmal schickt, davon anzubringen.

Quæ deserta et inhospita tesqua Credis, amoena vocat mecum qui sentit; et odit Quæ tu pulchra putas.*

Man ist in keiner Kunst mehr von den wahren Grundsätzen, auf denen sie beruht, abgewiechen als in dieser. Mancher Eigentümer oder Gärtner glaubt einen um so viel schönern Garten zu haben, um so mehr es ihm gelungen ist, die Natur daraus zu verdrängen. Man macht Büsche von dürrem Holz und Fluhren von Corallen. Man sucht, so viel möglich, wie in einem Gebäude, eine Hälfte des Gartens der anderen ähnlich zu machen, da die Natur die Eurythmie überall in Landschaften vermeidet. Wie mancher natürlich schöner Platz ist nicht mit erstaunlichen Unkosten in einen unfruchtbaren und langweiligen Platz verwandelt worden?

johann georg sulzer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, leipzig, 1771–1774.

* quintus horatius flaccus, ‚epistulae‘: „denn was du für rauhe verödete wildnis ansiehst, nennt anmutig, wer mir beistimmt, und hasset,was du achtest für schön.“ übersetzung von johann heinrich voß, ’sämmtliche übersetzungen der klassischen dichter der römer. zweiter theil: quint. horatius flaccus, zweiter band: satyren und episteln‘, heidelberg, 1806. epistel I,14.

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chodowiecki_sulzer_kupfer_1771_500   daniel nikolaus chodowiecki, titelkupfer, ‚allgemeine theorie der schönen künste‘, 1771.

 

„[…], und der kleine Garten am Hause kann wieder nach künstlerischen Grundsätzen […] angelegt werden“ / ‚blumenkultus‘ von alfred lichtwark

Die Tage des englischen Gartens sind gezählt, so bald bei uns eine wirkliche Blumenliebhaberei wieder erwacht , wie sie das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert gekannt haben, und die bei den jetzt üblichen Gartenanlagen keine Befriedigung finden kann. Wo soll man die Blumen unterbringen? Die Blume, heute das Stiefkind unseres Gartens, muss wieder wie in alten Zeiten seine Herrin werden.
Und wenn ein Blumenfreund mit dem Gedanken umgeht, sich draussen ein Haus zu bauen, so wird er vom Garten ausgehend das Haus gestalten, wie es in einen Blumengarten passt, und mit den architektonischen Motiven rechnen, die unsere alte, behagliche Bauweise ihm zur Verfügung stellt.
So kann die Liebe zur Blume uns schliesslich sogar zu einer liebenswürdigen, künstlerischen Weise des Hausbaues zurückführen, denn so bald der Hausherr von seinem Garten wieder Blumen verlangt, ist die klägliche Nachahmung der englischen Landschaft überwunden, und der kleine Garten am Hause kann wieder nach künstlerischen Grundsätzen mit geraden Wegen und Blumenbeeten angelegt werden; und wenn wir erst den künstlerischen Garten haben, muss in der Architektur wieder ein künstlerischer Geschmack zur Geltung kommen.

alfred lichtwark, ‚der garten am hause‘ in ‚blumenkultus – wilde blumen‘, dresden, 1897.

[…]
I am for an art that takes into account the direct effect of the elements as they exist from day to day apart from representation. The parks that surround some museums isolate art into objects of formal delectation. Objects in a park suggest static repose rather than any ongoing dialectic. Parks are finished landscapes for finished art . A park carries the values of the final, the absolute, and sacred. Dialectics have nothing to do with such things. I am talking about a dialectic of nature that interacts with the physical contradictions inherent in natural forces as they are – nature as both sunny and stormy. Parks are idealizations of nature, but nature in fact is not a condition of the ideal. Nature does not proceed in a straight line, it is rather a sprawling development. Nature is never finished. When a finished work of 20th-century sculpture is placed in an 18th-century garden, it is absorbed by the ideal representation of the past, thus reinforcing political and social values that are no longer with us. Many parks and gardens are re-creations of the lost paradise or Eden, and not the dialectical sites of the present. Parks and gardens are pictorial in their origin – landscapes created with natural materials rather than paint. The scenic ideals that surround even our national parks are carriers of a nostalgia for heavenly bliss and eternal calmness.
Apart from the ideal gardens of the past, and their modern counterparts – national and large urban parks, there are the more infernal regions – slag heaps, strip mines, and polluted rivers. Because of the great tendency toward idealism, both pure and abstract, society is confused as to what to do with such places. Nobody wants to go on a vacation to a garbage dump. Our land ethic, especially in that never-never land called the „art world“ has become clouded with abstractions and concepts.
[…]

robert smithson ‚cultural confinement‘ im katalog documenta 5, ‚befragung der realität – bildwelten heute‘ kuratiert von harald szeemann, kassel, 1972. reprinted in ‚the writings of robert smithson‘, ed. by nancy holt, new york, 1979.

Die Eichbäume

Aus den Gärten komm‘ ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt‘ und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt‘ ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen!

friedrich hölderlin, ‚die eichbäume‘, 1796-98

  • fassungen des gedichtes: friedrich hölderlin, ’sämtliche werke – frankfurter ausgabe‘, historisch-kritische ausgabe, hrsg. v. d.e. sattler, f-furt/m., 1975 ff.: fha 5 ‚oden II‘ textedition.

hyacinthus orientalis / hyazinthen im glas gegen den winterblues: ‚garten-bluhmen, aus blossem wasser, sonder erde, gewachsen‘ von barthold heinrich brockes

der_neu-angekommene_holländische_gärtner_ill_500   „Wann sich die Kunst und Fleiß zusammen fügen / So können Sie fast die Natur besiegen“: titelkupfer aus (anonym) ‚der neu-ankommende holländische gärtner: oder gründlicher und deutlicher unterricht, wie die holländische blumenzwiebel, als tulipen, hyacinthen, narcissen, jonquillen, irides, martagons, ranunculn, anemonen etc. in unserem ober-teutschland am sichersten zu pflegen, zu warten und zu vermehren sind. ein werk, so sich um […], nebst einen anhang, wie blumen ausser der zeit mitten im winter in einem wasser-glas, ohne schaden der zwiebel, hervorzubringen […]‘, 1737

___

[…]

So rief ich, als mein Freund, den die gelehrte Welt
Fast für ein Wunder hält,
Mein Richey, der hieselbst mit solchem Ruhme lehret,
Mir etwas, so ich nie gesehn,
Und welches doch so rar, als schön,
Jüngst zugeschicket und verehret.
Ein angenehmes Frühlings-Kind,
Das, ohne Mutter, war gebohren,
Zu einer Zeit, da alles noch gefroren,
Ein‘ Ambra-volle Hyacinth‘,
Die unvergleichlich blüht‘, auch unvergleichlich roch,
Und die, o Wunder! jedennoch
Die Erde nie in ihrem Schooß geheget,
Noch sie, mit ihrem Nahrungs-Saft
Und der in ihr verborg’nen Kraft,
Gesäugt, ernährt, verpfleget,
Sah ich vor meinen Augen stehn.
Die Zwiebel war, so wie die Bluhme, bloß,
Ohn‘ Erd‘, in freyer Luft zu sehn.
Ein Glas, so nicht besonders groß,
Erfüllt mit klarer Feuchtigkeit,
Ließ mir, zu gleicher Zeit,
Die Wurtzeln, die so weiß, wie Silber, schauen.
Sie sahen selbst fast wie ein Bluhmen-Straus,
In den so angenehm geschlung’nen Zäsern, aus.
Kaum konnt‘ ich meinen Augen trauen.

Was die Natur uns bis daher versteckt,
Und was sie gleichsam recht mit Sorgen,
Im Schooß der Erden, uns verborgen.
Wie sie die Wurtzeln zeugt, ernähret, dehnt und streckt,
Wird unsern Augen nun entdeckt.
Wie sehr bewundert‘ ich, daß etwas wachsen könnte
Gantz ausser seinem Elemente;
Ja was noch mehr, daß menschlicher Verstand,
In so viel tausend Jahren,
Dergleichen niemahls noch erkannt,
Und nichts davon erfahren,
Da es jedoch so leicht, daß jedermann,
Der es nur einmahl sieht und hört, es machen kann!

Man setzet auf ein Glas,
Das voller Wasser ist,
Die Bluhmen-Zwiebel auf, so daß sie kaum das Naß,
Mit ihrem untern Theil, berühret.

Das ist die gantze Kunst, worauf, in kurtzer Frist,
Das Glas voll Wurtzeln wird, der Stiel sich aufwärts führet;
Und kommt sodann, in wenig Zeit,
Die Bluhme zur Vollkommenheit.
Derselben fehlet nichts an Farb‘, an Zierlichkeit,
An lieblichem Geruch, der kräftig, uns zu rühren.

Mein Gärtner hat, hiedurch bewogen,
Auf gleiche Weise, Lilien,
Narcissen, Kaiser-Kron- und Tulpen aufgezogen.
[…]

barthold heinrich brockes, ‚garten-bluhmen, aus blossem wasser, sonder erde, gewachsen‘, 1727, aus ‚irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten’, 1721 – 1748

  • michael richey: ein freund brockes und autor des buches ‚idioticon hamburgense oder wörter-buch zur erklärung der eigenen, in und um hamburg gebräuchlichen nieder-sächsischen mund-art‘, 1755

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george_voorhelm_traité_sur_la_jacinthe_ill_500   hyazinthen im glas und im blumentopf, wahrscheinlich delfts blauw. ill. aus george voorhelm, ‚traité sur la jacinte: contenant la maniere de la cultiver suivant l’experience qui en a été faite‘ 1762