„Der Ausdruck Klima bezeichnet …“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsre Organe merklich afficiren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Verändrungen des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen ungleichnamiger Winde, die Größe der electrischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder die Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels: welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und ganze Seelenstimmung des Menschen.

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, bd. 1, stuttgart/tübingen 1845

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dahliamania im 100jährigen altonaer volkspark

in hamburg wird gefeiert: 100 jahre stadtpark. das zweite jubiläum geht etwas unter: 100 jahre altonaer volkspark. eine austellung über den stadtpark( → ‘park pioniere. 100 jahre stadtpark’) & das 750. jubiläum der stadtrechte für altona (→ rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona,…) rücken den volkspark in den hintergrund. ich muss gestehen, dies war mein erster besuch. am rand gelegen und abgeschnitten von der autobahn, abgeschreckt durch die massenveranstaltungs-locations – eine hiess einmal volksparkstadion – am rande des parks, habe ich ihn nie sonderlich wahrgenommen…

1913 beschloss der magistrat der stadt altona, auf initiative des ‚komitees zur förderung der idee der einrichtung eines volksparks in altona‘,  die anlage eines park im seit 1890 zu altona gehörenden bahrenfeld. mittlerweile gut preussisch, sollte er nach kaiser wilhelm II. (zum 25. thronjubiläum 1913) benannt werden. altona war dicht besiedelt, und es fehlte an grünflächen. die möglichkeit zur freizeitgestaltung der arbeiter in altona und die damals sogenannte volksgesundheit waren wichtig für die planungen. man berief ferdinand tutenberg, u.a. mit erfahrungen als obergehilfe in den königlichen gärten in herrenhausen und als garteninspektor in bochum – zum gartendirektor. gestalterisch sollte der altonaer park sich von dem gleichzeitig entstehenden hamburger stadtpark absetzen. ab 1914, parallel zur grossen gartenausstellung in altona, fingen ca. 1000 „notstandsarbeiter“, d.h. arbeitslose, mit den ersten geländearbeiten, unter berücksichtigung der topografischen gegebenheiten, an. nach unterbrechungen im 1. weltkrieg wurden die arbeiten ab november 1918 wieder aufgenommen. 1920 war die parkanlage grösstenteils fertig. mit seinen heute 205 hektar ist er hamburgs grösster öffentlicher park.

zum 100. ein besuch im dahliengarten. 1920 wurde im volkspark die erste dahlienpflanzung angelegt. nach einem umzug auf dem areal des parks befindet er sich seit 1932 an der heutigen stelle. es ist der älteste bestehende dahliengarten in europa.

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ferdinand tutenberg, ‚der neue dahliengarten im volkspark altona‘.

dahlien stammen ursprünglich aus mittelamerika (mexico und guatemala). die erste schriftlichen aufzeichnungen, ende des 16. jh., stammen von dem spanischen arzt francisco hernandez de toledo. die ersten dahlien in europa blühten im real jardín botánico de madrid. ihren namen erhielten sie 1791 von antonio josé cavanilles, direktor des botanischen gartens in madrid, zu ehren des schwedischen botanikers anders dahl, einem schüler von carl von linné.

Wenn man von dem Central-Plateau von Mexico in 7000 Fuß mittlerer Höhe nach den Weizenfeldern von Valladolid de Michuacan, nach dem anmuthigen See von Patzcuaro mit dem bewohnten Inselchen Janicho und in die Wiesen um Santiago de Ario, die wir ([aimé] Bonpland und ich) mit den nachmals so berühmt gewordenen Georginen (Dahlia, Cav.) geschmückt fanden, herabsteigt; […]

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, stuttgart/augsburg, 1845 -1862. bd. IV, 1858.

1804 bringt alexander von humboldt samen von seiner süd- und mittelamerika expedition mit nach berlin und paris und trägt damit zur verbreitung der pflanze in europäischen gärten bei (cf. ’schreiben des herrn a. v. humboldt an den französischen übersetzer‘ in joseph paxton, ‚die cultur der georginen (dahlien)‘, weimar, 1839. dt. ausgabe von ‚a practical treatise on the cultivation of the dahlia‘ , london, 1838.)

Ich kann mich gar nicht entscheiden,
ist alles so schön bunt hier.

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l.: aus dem münsterland: schmuck-dahlie ‚dahliendorf legden‘ (wilhelm schwieters, 2006); r.: showy & chatty wie die meisten, die hirschgeweih-dahlie ’show ‘n’ tell‘ (jack almand, 1985).

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l.: harz? nein nicht hexen. eine fee! dekorative dahlie ‚harzfee‘. taucht im beet auch mit der zuordnung seerosen-dahlie auf: bisher noch keine sichtung im oberharzer wasserregal… (VEG ‚August Bebel‘, 1987); nicht gekennzeichnete sorte im beet ‚lübeck‘, eine der schönsten…

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anarchistische mutanten im beet: r. dekorative dahlie ‚mythos‘ (gerhard wirth, 2004), die mutation ist dekorativer als die dunkelrote sortenreine blüte…; l. einfache dahlie ’saitenspiel‘, rot setzt sich durch (prof. michael otto, 2005).

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typische hamburger garten- und parkmöblierung: der us-amerikanische adirondack chair wurde in hamburg seit der internationalen gartenschau 1953, zum hummelstuhl. r. als trio; l. mit dekablog10 & the one and only bishop…

für meine verhältnisse zu bunt! bestätigung, dass ich wie bei anderen pflanzen die alten bzw. ungefüllten sorten bevorzuge: trotz frühkindlicher sensibilisierung für den show-effekt der pflanze im münsterländischen legden, wo jährlich ein grosses dahlienfest incl. dahlienkönigin & einem karnevalsmässigem blumenkorso stattfindet…

back to basics:

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‚Bishop of Llandaff‘ is famed for its purple, deeply fern-cut leaves supporting small, semi-double red flowers. Even the deepest-dyed of anti-dahlia snobs allows a place for that.

christopher lloyd, ‚dahlias‘ in the guardian, 06/04/1996, reprinted in ‚cuttings – a year in the garden with christopher lloyd‘, london, 2007.

es gab schon einen versuch mit der paeonienblütigen ‚bishop of llandaff‘ – eine züchting von treseder & sons, cardiff , 1928 – im „eigenen garten“. hatte jedoch keine lust die knollen im herbst auszugraben und zu überwintern… verdammt arbeitsintensiv diese pflanze! projekt 2015: bischof im kübel (dann muss man nicht im beet rumwühlen und die schnecken sind besser im zaum zu halten) & auf der muss-ich-noch-lesen-liste rückt ‚the plant lover’s guide to dahlias‘ von andy vernon (portland /london, 2014) nach oben. ein platz für den (die?) kübel & im überfüllten buchregal wird sich finden…