versailles (der auftraggeber geht mit dem gärtner spazieren)

versailles

detail: ‚plan de versailles, du petit parc, […] et les distributions des jardins et bosquets‘ von jean delagrive, 1746.

Le Nôtre […]; illustre pour avoir le premier donné les divers dessins de ces beaux jardins qui décorent la France, et qui ont tellement effacé la réputation de ceux d’Italie, qui en effet ne sont plus rien en comparaison, que les plus fameux maîtres en ce genre viennent d’Italie apprendre et admirer ici. Le Nôtre avait une probité, une exactitude et une droiture qui le faisait estimer et aimer de tout le monde. […] Il travaillait pour les particuliers comme pour le Roi, et avec la même application, ne cherchait qu’à aider la nature, et à réduire le vrai beau aux moins de frais qu’il pouvait. […] A son retour, le Roi le mena dans ses jardins de Versailles, où il lui montra ce qu’il y avait fait depuis son absence. A la Colonnade, il ne disait mot ; le Roi le pressa d’en dire son avis : „Eh bien ! Sire, que voulez-vous que je vous dise ? D’un maçon que vous avez fait un jardinier (c’était Mansart) ; il vous a donné un plat de son métier.“ Le Roi se tut, et chacun sourit ; et il était vrai que ce morceau d’architecture, qui n’était rien moins qu’une fontaine, et qui la voulait être, était fort déplacé dans un jardin.

[…]; es ist [André Le Nôtres] Ruhm, als erster die Pläne für die schönsten Gärten entworfen zu haben, die Frankreich zur Zierde gereichen und die den Ruhm der italienischen Gärten – die im Vergleich zu ihnen in der Tat nichts sind – so sehr verblassen ließen, daß die berühmtesten Meister dieses Fachs aus Italien nach Frankreich kamen, um hier zu lernen und zu bewundern. Le Nôtre war von solcher Redlichkeit, Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit, daß er sich allgemeiner Liebe und Achtung erfreute. […] Er arbeitete für private Auftraggeber mit derselben Sorgfalt wie für den König [Ludwig XIV.]. Er suchte nur der Natur nachzuhelfen und mit möglichst geringem Aufwand die wahre Schönheit hervortreten zu lassen. […] Als Le Nôtre wieder [von einer Reise] zurückgekehrt war, ging der König mit ihm durch seine Gärten in Versailles, um ihm zu zeigen, was er dort während seiner Abwesenheit hatte machen lassen. Als Sie bei den Kolonnaden angelangt waren, sagte Le Nôtre kein Wort; der König forderte ihn mehrfach auf, sich zu äußern: „ Nun, Sire, was soll ich dazu sagen? Sie haben einen Maurer zum Gärtner gemacht (es war [François] Mansart) – er hat Ihnen eine Kostprobe seiner Kunst geboten.“ Der König schwieg, und jeder lächelte, denn es traf genau zu; dieses Stück Architektur, das ein Brunnen sein sollte, war alles andere als ein Brunnen und paßte in der Tat schlecht in den Garten.

louis de rouvroy, duc de saint-simon, les mémoires du duc de saint simon


versailles_kolonnaden

jean cotelle, bosquet la colonnade

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gartenpolitik: jardin à la française vs english landscape garden

In der höfischen Gesellschaft des französischen Absolutismus ist die Einstellung zur „Natur“ und das Bild, das man sich von der „Natur“ macht, oft der Ausdruck einer symbolischen Opposition gegen die Zwänge der Königsherrschaft und des Königshofes, die unentrinnbar geworden sind, – einer Opposition, die sich zu Lebzeiten Ludwigs XIV. Und auch später nur flüsternd und in symbolischer Verkleidung äußern konnte.

[Louis de Rouvroy, duc de] Saint-Simon macht einmal bei der Schilderung der Versailler Gärten, die er geschmacklos nennt, eine Bemerkung, die für solche Zusammenhänge recht aufschlussreich ist:

„Es war dort dem König, so schreibt er [in Les Mémoires du duc de Saint Simon], ein Vergnügen die Natur zu tyrannisieren und sie mit dem Angebot von Kunst und Geld zu bändigen… Man fühlt sich durch den Zwang der überall der Natur angetan ist, angewidert.“

… Die zitierte Bemerkung zeigt im kleinen das Große; sie beleuchtet den Zusammenhang von Herrschaftsstruktur auf der einen, Parkarchitektur und Naturempfinden auf der anderen Seite…

… Die Kronen der Bäume und die Sträucher müssen so zugeschnitten werden, daß jede Spur des unordentlichen, unkontrollierten Wachstums verschwindet. Die Wege und Beete müssen so angelegt sein, daß der der Aufbau der Gärten die gleiche Klarheit und Eleganz der Gliederung zeigt wie der Aufbau der königlichen Gebäude. Hier, in der Architektur der Bauten und Gärten, in der vollkommenen Bändigung des Materials, in der absoluten Übersehbarkeit und Ordnung des Gebändigten, in der vollkommenen Harmonie der Teile der Teile in Ganzen, in der Eleganz der bewegten Ornamentierung, die das Gegenstück zur Eleganz der Bewegungen des Königs und der höfischen Herren und Damen überhaupt bildet, in der einzigartigen Größe und Ausdehnung der Bauten und Gärten, die abgesehen von allen praktischen Zwecken auch der Selbstdarstellung der Königlichen Macht dient, findet man vielleicht eine vollkommenere Annäherung an die Ideale des König als in seiner Kontrolle und Bändigung der Menschen… [Saint-Simons] Geschmack neigt mehr der englischen Garten- und Parkgestaltung zu, die dem Eigenwachstum der Sträucher, der Bäume und Blumen erheblich freieren Spielraum läßt und die auch dem Geschmack von Oberschichten einer Gesellschaft entspricht, in der die Könige und ihre Repräsentanten auf die Dauer nicht in der Lage waren, ein autokratische oder absolutistische Herrschaft zu errichten.

 norbert elias, die höfische gesellschaft

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zur „ symbolischen opposition“ bei der gestaltung englischer gärten während der glorius revolution und beim wechsel von den stuarts zu den hannoveranern auf dem thron cf. tim richardson, the arcadian friends. inventing the english landscape garden.

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Komplementär zur Komplexität des Barockgartens war der Landschaftsgarten von inneren Widersprüchen geprägt, die sein Bild poröser werden lassen, als die malerischen Bilder seiner Selbstinzenierung suggerieren. Als liberaler Freiheitsraum entfaltet, in dem sich enttäuschte Whigs und traditionell oppositionelle Tories zur Country-Party zusammenschlossen, besaß er zugleich den Charakter einer insulären Abschnürung.

Seine Stärke war der großartige Schein einer entgrenzenden Geltung, wie ihn etwa der Garten von Stourhead vorführt. Das Fehlen von Grenzen wirkte als Symbol eines universelen Anspruchs, im Landschaftsgarten die Natur in idealer Form begreifen zu Können: grenzfrei und versöhnt mit sich und der Umgebung.Wenn die Landschaftsgärten das Prinzip individueller und gemeinschaftlicher Freiheit im Medium einer unbeschnittenen Natur zur Erscheinung bringen sollten, so geschah dies als eine scheinbare Aufhebung der Grenzen. … William Kent, so formulierte es der unermüdliche Verfechter des Landschaftsgartens Horace Walpole, „ übersprang den Zaun und sah, dass alle Welt ein Garten war.“

Der Zwiespalt begann jedoch bei den Besitzverhältnissen. Das Ideal der patriarchalisch-gemeinschaftlichen Nutzung, wie es etwa durch John Milton gefordert war, hatte den Preis der enclosure act, in denen Großflächen durch Enteignung entstanden. … Der Landschaftsgarten lebte im Widerspruch, einerseits als ein unbegrenztes Modell aufzutreten, andererseits aber die Distanz gegenüber dem außerhalb Gegebenen wahren und damit ein Inseldasein behaupten zu müssen.Die Vielfalt der englischen Landschaft spaltete sich im 18. Jahrhundert in die kurvige Form der Landschaftsgärtner und die Linienzüge der Landwirtschaft.

Zur Kehrseite der Utopie scheinbar grenzfreier Gärten gehörte auch die imperiale Überzeugung der Mehrzahl ihrer Anhänger.

 horst bredekamp, leibniz und die revolution der gartenkunst. herrenhausen, versailles und die philosophie der blätter