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querbeet im november

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gartenkunst: osterspaziergang im lwl-museum für kunst und kultur, münster

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l. o.: malus & ficus carica im garten eden: johann brabender, ‚adam und eva vom paradies des st. paulus-doms in münster‘, um 1545/50; r. o.: lilium candidum: ludger tom ring d. j., ‚vase mit lilien und iris, 1562; l. m.: sambucus nigra: carl gustav carus, ‚blühende holunderhecke im mondschein‘, um 1823; untere reihe v.l.n.r.: pavo am wannsee (gutspark neukladow): max slevogt, ‚blumengarten in neu-cladow‘, 1912; populus nigra ‚italica‘: ludger gerdes, model ’schiff für münster‘, skulptur projekte 1987 & warten auf 2017: jeremy deller, ’speak to the earth and it will tell you‘, skulptur projekte 2007.

 

lilium candidum

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pflanzensymbolik

Die Lilie, (Lilium candidum) war der Juno geweiht, sie ist das Symbol der Reinigkeit, Unschuld, Sittsamkeit und der Hoffnung. In dem so geschätzten mythologischen Werke: les Siècles Pajens [, ou dictionnaire mythologique, héroique, politique, littéraire et géographique de l´antiquité‘ ,1784] par M. l’abbé [antoine] S [abatier]de Castres im 4. Bdr. S. 266 werden die Pflanzen, die der Juno geheiligt waren, angeführet, und da heißt es wörtlich: „Parmi les plantes le Dictame le Pavot et le Lis sur tout etoient agréables à cette Déesse, on appelloit le Lis la Rose de Junon, (Rosa junonia). Le Gyrald Hist. Deor. Syntagm. 2., “ Auch in der christlichen Relegion stehet diese schöne Blume in großen Ansehen, welches die Frau von Genlis in ihrer Botanik der Geschichte und Literatur, sehr belehrend entwickelt hat.

friedrich ludwig von sckell, ‚beiträge zur bildenden gartenkunst für angehende gartenkünstler und gartenliebhaber‘, münchen, 1825, zweite vermehrte und verbesserte auflage (erstausgabe: 1818).

Die Lilie ist, wie die Fabel sagt, aus der Milch der Juno entstanden. […] Diese Blumen sind die Symbole der Reinigkeit und Sittsamkeit, und diese sind in der That die wahren Eigenschaften und Attribute der Schönheit. (Mit einer Lilie, als dem Sinnbilde der Jungfräulichen Reinigkeit, wird öfters die Mutter des Herrn abgebildet. Dem heiligen Joseph giebt man diese Blume gleichfalls in die Hand.) […] (bey den Muslemin ist die Lilie ebenfalls ein Symbol der Reinigkeit, und wird in dieser Beziehung von Ihnen dem ägyptischen Joseph beygelegt. Bey Orientalen ist die Lilie zugleich Blume der Freiheit, indem sie mit ihrem Stengel gerade und hoch gen Himmel aufwächst.)

(Die Lilie war bey den Alten gleichfalls ein Symbol der Hoffnung, und derum auch das Bild eines Thronfolgers, wegen der auf ihm ruhenden Hoffnungen und Erwartungen des Volkes, in welcher Beziehung ihre Bildliche Bedeutsamkeit durch ihren scepterähnlichen, mit Blumen gekrönten Stengel um so sinnvoller und sprechender war. […]; und so läßt Virgil in seiner Aeneis [6. buch, 883-884] den Anchises in Ansehnung des Marcellus, des muthmaßlichen, in der Blüthe der Jugend gestorbenen Nachfolgers und Thronerbens des Augustus ausrufen: Bringt Lilien mit vollen Händen.)

(Im hohen Liede Salomons dient die Lilie, die häufig in Palästina wächst, zu mehreren Vergleichen.)

(Der Leuchter in Heiligthume des Herrn war nach der Vorschrift des Moses [1. buch moses, 25, 31-40] am Hauptrohre und an seinen Armen mit goldenen Lilien verziert. Der tyrische Baumeister Hiram [abif], der den Tempel Salomons baute, gab den Spitzen, oder den Knöpfen der Beyden Säulen, die im Vorhofe am Eingange des Tempels errichtet wurden, die Form von Lilien [1. buch der könige, 7, 13-22]).

stéphanie félicité du crest de saint-aubin, comtesse de genlis, ‚die botanik der geschichte und literatur oder die pflanzen in in ihren mythologischen, religiösen, bürgerlichen, sinnbildlichen, abergläubischen, sprüchwörtlichen, ästhetischen, und geschichtlichen beziehungen‘ überseßt und vermehrt von dr. k. j. stang, bd. 2, bamberg /würzburg, 1813 (franz. ‚la botanique historique et littéraire‘, paris, 1810

kunstgeschichte: madonnen-lilie

eine kleine lilie ist bei der kölschen mona lisa im wallraf-richartz-museum, der ‚madonna im rosenhag‘ von stephan lochner um 1450, im hintergrund zu sehen rosenlaube. hier stehlen ihr andere marienpflanzen die show. bei der berliner madonna in der gemäldegalerie, ‚maria mit dem kind und singenden engeln / tondo raczynski‘ von sandro botticelli um 1477, treten die lilien, zwar ebenfalls im hintergrund, verstärkt auf.

in der vordergrund bringt sie der erzengel gabriel, dessen attribut die weisse lilie ist, bei der verkündigung der geburt jesu. um hier nur zwei bilder zu erwähnen die sich heute beide in der galleria degli uffizi in florenz befinden: die ‚annunciazione di cestello‚ von botticelli, circa 1489-1490, und die ‚annunciazione‚ von leonardo da vinci (und andrea del verrocchio), circa 1472–1475.

natur(schutz) vs garten & religion

die pflanze überlebt in museen und als zierpflanze in kloster- und bauerngärten. in der region in der sie ihre symbolische jüdisch-christliche bedeutung erhielt, in palästina, droht sie zu verschwinden:

Threat of Extinction through Overuse

An example of this fate is provided by genuinely wild forms of the White or Madonna Lily, Lilium candidum L. The ornamental status of this lily is of great antiquity. Together with the Lotus flower, Nelumbo alba L.; Lilium candidum is regarded as the earliest species to be taken into cultivation for its decorative qualities. According to [otto] Warburg [‚heimat und geschichte der lilie (lilium candidum)‘, feddes repertorium , beiheft 56] (1929), the White Lily may already have been cultivated in Asia Minor in the middle of the second millenium BC. Moreover, it is depicted on artefacts from the Aegean Bronze Age, e.g. on a vase excavated on the Cycladian island of Santorini (Thera) and dating to before 1.5000 BC […]. From the excavation at Thera it can be inferred that lilies growing wild were actually used as cutflowers at the time. […] In subsequent eras L. candidum became widley distributed in the Neat East and Mediterranean as an ornamental and medicinal plant and reached central Europe during the Early Middle Ages.

Lilium candidum, […], has no near relatives among southwest Asian or Mediterranean lilies. Species resembling it most closely morphologically, […] are native to the Far East. According to Warburg (op. cit.) the area of origin of the White Lily my have extented over formerly forest-covered partes of Asia Minor, Thessaly, the eastern Mediterranean and southern part of the Balkan Peninsula. […]

The shrinkage of the postulated wild distribution must be basically due to the disappearance of forests from the area since the last pluvial era. […]

The area of northern Israel and the Lebanon was densely populated in Biblical and especially Roman times. The ancient use of flowers for ornamental forestalled seed production, while utilization of bulbs for preparation of wound ointments interfered with vegetative reproduction. In Christian times the flower was adopted as a symbol of chastity by the Church. Until recent times (see Fonck in Warburg, 1929), residual wild colonies were further reduced by the use of flowers for altars and transplantation to monastery gardens.

aharon horovitz and avinoam danin, ‚relatives of ornamental plants in the flora of israel‘ in ‚israel journal of botany‘. vol. 32, 1983.

[…] Schawet die Lilien auff dem felde / wie sie wachsen / Sie erbeiten nicht / auch spinnen sie nicht. Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins.

matthäus 6, 28 – 29, übersetzung von martin luther, 1545.

die flora des brockens (vom besen aus nicht zu sehen!) / ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘ von johann royer

Dieser Berg / drey Meilweges von Hessem / vorn in dem Hartze gelegen / ist wegen seiner grawsamen Höhe und Grösse weit beschryen / kan über etliche Meilen gesehen / aber nicht eher als ümb S. Johannis Baptistæ erstiegen und besichtiget werden/ der Kälte und Schnees halber/ so sich daselbsten nach Pfingsten allererst verleuret / sonderlich ist dieser Berg / vieler vornehmer Kräuter wegen / so da von sich selbst herfür kommen / sehr berühmt / Als unten herumb Libanotis alba major [laserpitium latifolium l. / breitblättriges laserkraut], wie auch die andern species, Angelica sylvestris [wald-engelwurz], Myrrhis montana [chaerophyllum hirsutum / behaarter kälberkropf], Betonica [stachys / zieste], Ulmaria [filipendula ulmaria / echtes mädesüss] , Lysimachia [gilbweiderich] flore purpureo, auch eine mit schönen schneeweissen Blumen / Campanula persicisolia flore cæruleo [campanula persicifolia l. / pfirsichblättrige glockenblume] & albo [weiss], Lychnis [pechnelken] sylvestris roth vnd weiß / etzliche species Geranij [geranium / storchenschnabel], eine sonderliche schöne Althæa [eibisch] , wie auch me sonderliche Malva [malven], besser hinan am Berge stehet ein schön Ononis [hauhecheln] sine spinis, an die anderthalb Ellen hoch/ mit schönen Purpurbraunen Blumen / Osteritum montanum oder Imperatoria [imperatoria ostruthium / meisterwurz] nigra, das Martagon [lilium martagon / türkenbund] habe ich daselbst gar schön mit Leibfarben / weissen / auch wunderlich genaculirten Blumen viel auff einem Stiel gefunden / so ich mit Fleiß auffgehaben / und in den Fürstl. Lust-Garten geplantzet / die Hepatica nobilis [leberblümchen] ist gleichfals da zu finden mit unterschiedlichen Farben Blumen / so wol die Helleborine latifolia [epipactis helleborine / breitblättrige stendelwurz] & angustifolia [epipactis palustris / sumpf-stendelwurz], darunter ich eine angetroffen mit bundten Blättern / halb weiß und halb grün / sehr lieblich anzusehen / Ein fein Digitalis [Fingerhut] mit gar grossen Farben Blumen / ein frembder Sonchus [cicerbita alpina / alpen-milchlattich], über 2 Ellen hoch / mit schönen grossen Himmelblawen Blumen und starcken Wurtzeln / so ich auch außgehoben / Daucus montanus [meum athamanticum jacq / bärwurz], Dryopteris [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn], Orchis Testiculus vulpis [stendel- oder hundswurz] und Satyrium [händelwurz] mancherley Arten / ein schön Lathyrus [platterbsen] mit rothen Blättern / Centaurium minus [centaurium erythraea / echtes tausendgüldenkraut] mit rothen und weissen Blumen / Prunella major flore albo [prunella laciniata / weiße braunelle], Consolida media [ajuga reptans / kriechender günsel oder ajuga genevensis / heide-günsel], Consolida [consolida / feldrittersporne] Sarracenica, Virga aurea [?], Scordium montanum [teucrium scorodonia / salbei-gamander], ein schön Scrophularia major [scrophularia nodosa / knotige braunwurz], Parietaria [glaskräuter], Seseli montanum [berg-sesel], Symphytum majus [symphytum officinale / echter beinwell], Pulmonaria [lungenkräuter] unterschiedlich / Baccharis, Victorialis [allium victorialis / allermannsharnisch], Herba paris [paris quadrifolia / einbeere], Polygonatum latifolium [polygonatum multiflorum / vielblütiges salomonssiegel] & angustifolium [polygonatum verticillatum / quirlblättrige weißwurz], Noli me tangere [impatiens noli-tangere / grosses springkraut], Filix mas [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn] und fœmina [pteridium aquilinum / adlerfarn], worunter jenes offt eines grossen Mannes Höhe erreichet / und hat eine Wurtzel wie ein Kinderkopff in die ründe / Asplenium [Aspleniaceae / streifenfarngewächse] zweyerley / ein fein kleines und subtiles / und ein gar grosses/ Bistorta major [bistorta officinalis / schlangen-knöterich] & minor [bistorta vivipara / knöllchen-knöterich], Acetosa montana maxima [rumex alpestris jacq / berg-sauerampfer], wird von den Einwohnern des Orts Blockenbergische Rhebarbar genennet / Dentaria [zahnwurz] Matthioli und Dentaria minor, und Baceifera [cardamine bulbífera / zwiebel-zahnwurz], Christophoriana [actaea spicata l. / ähriges christophskraut], Cistus ledon foliis [cistus laurifolius l. / lorbeerblättrige zistrose], Rosmarini, oder wilde Rosmarin / Myrtillus [vaccinium uliginosum / moorbeere] oder Heydelbeer / derer habe ich sechserley Art da gefunden / eine mit gar grossem Laub und Beeren schwärtzlich/ die andere mit viel kleinerm Laub und schwartzen Beerlein / so am gemeinesten / die dritte Art ist wieder umb groß von Laub und schwartzen Früchten / so aber zu essen nicht so dienlich / weil sie gleich einen Schwindel im Haupt verursachen / Dann sind die rohthen Heydelbeeren / sonsten Kronsbeer genand/ deren etliche viel kleiner von Holtz und Laub / die andern aber viel grösser/ auch schöner an Früchten / Die letzte ist mit schönen weissen Beeren / so lieblicher zu essen denn die rothen. Rubus Idæus oder Himbeer sind auch häuffig da / wie auch besser hinan das Alisma [froschlöffel] mit sehr grossen gelben Blumen/ noch ein sonderlich Sonchus [gänsedistel] mit gelben Blumen / ein hoher Ranunlus mit weissen Blumen/ Ranunculus nemorosus [ranunculus nemorosus / wald-hahnenfuss] foliis pictis, item radice Asphodeli. gleich dem Illyrico, Rapunculus mit weissen und blawen Blumen / Noch ein sonderlich Rapunculus nemorosus mit schönen weissen Blumen / und ziemlich grossen Wurtzeln. Oben auff dem Berg ist die Pulsatilla [pulsatilla alpina subsp. alba syn. anemone alpina l. / brockenanemone oder kleine alpen-kuhschelle] in grosser menge / were zu wünschen / daß man zu der Zeit hinauff kommen köndte / da sie blühet / weil sie vielleicht unterschiedlicher Farben Blumen trägt / ist aber wegen vieles Schnees nicht fast müglich / Mit schönen Violbraunen und gelben Blumen ist sie daselbst außgehaben / so wächset auch droben ein feines Kräutlein / wie das Coris Monspeliaca anzusehen / so wol ein Leontopodion [leontopodium / edelweiss] , etzliche Species Gnaphalij [gnaphalium / ruhrkräuter] , worunter eines mit sehr schönen grossen weissen Blumen / Stœchas Citrina mit schönen grossen Blättern und goldgelben Blumen / Erica baccifera [empetrum nigrum l. / schwarze krähenbeere], item Erica maxima purpurascens foliis longioribus, von dem Moos sind auch unterschiedliche Arten auff diesem Berge zu finden / als Muscus terrestris clavatus, Muscus clavatus foliis Cupressi [lycopodium clavatum l. / keulen-bärlapp], Muscus terrestris ramosus floridus, Muscus Coralloides sive cornutus montanus, Muscus coralloides saxatilis, Cervi cornua referens, Muscus terrestris coralloides erectis cornibus ruffescentibus, &c. Und sind diß gewiß die allerwenigsten Gewächse selbiges Orts / Dann wie viel sind deren wol / die mir nicht in die Augen kommen / dieweil ich nur ein paar mahl diesen Ort besuchet? Wie viel sind auch derselbigen Kräuter / darzu man / wegen Unbequemligkeit desselben Orts / nicht kommen kan? Wie viel sind der gemeinen Kräuter/ die ich zwar da angetroffen / aber / weil ich nicht gewust / ob sie mit jhrer Blume von andern unterschieden / nicht melden wollen.

johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem / mit seinen künstlichen abtheilungen / quartieren / gehecken/ gebäwden / lauberhütten / wasser-künsten / brunnen/ und außgehawenen bildern. auch ordentliche richtige specification aller derer simplicium und gewächse / so von anno 1607 biß in das 1647 jahr darinnen mit grosser lust und verwunderung gezeuget worden‘, ‚das II. capitul. von denen kräutern / blumen und gewächsen / so die benachbarte wälder / berge / gründe / brüche / und der gaterschlebische see-berg uns von sich selber geben – VII. der blockesberg‘, halberstadt, 1648.

royer_beschreibung_brocken_500   und der brocken liegt in niedersachen… kupferstich aus johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘.

ps. eine anmerkung für brocken-touristen: pflanzen für den eigenen „lustgarten“ ausgraben ist heute verboten!