advent, advent, ein kübel…

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chamaerops humilis / zwergpalme auf dem weg zum → überwintern: … (foto: dekablog10)

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„Es ist die krankhafte Neigung des nördlichen Großstädters für „was Grünes“, […] / ‚impressionen‘ von walther rathenau

Es ist die krankhafte Neigung des nördlichen Großstädters für „was Grünes“, die ihn veranlaßt, drei dürre Kiefern mit Frühstückspapier als Wald und einen Asphalthof mit zwei Oleandertöpfen als Garten hinzunehmen. Gewiß wäre es erfreulich, wenn wir außer dem Thiergarten inmitten der Stadt ein paar schöne Stadtgärten halten könnten; über den Mangel werden uns aber die als Dorfkirchhof verkleideten öffentlichen Plätze, wo zwischen zwei Droschkenhaltestellen etliche Fliedersträucher siechen, nicht hinwegtäuschen.

walther rathenau, ‚impressionen‘, leipzig, 1902.

querbeet im november

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obere reihe l. die alcea rosea / stockrose blüht durch; r. die blaue echinops / kugeldistel versucht es nochmal. mittlere reihe l. der kübel der chamaerops humilis / zwergpalme… was soll man sagen? alle jahre wieder → überwintern: wenn eine orangerie nicht vorhanden ist…; r. feigenlaub & olivenbaumtriebe. unten l. hat sich hoffentlich ausgesät: dipsacus sylvestris syn. dipsacus fullonum / wilde karde & r. holly for christmas!

schlossgarten schwetzingen: „lehrreich und gleichsam enzyklopädisch“

Besonders lehrreich und gleichsam enzyklopädisch wirkt hier ein Garten im Übergang vom Rokoko zur englischen Anlage: der schönste, der Schwetzinger Schlossgarten. Neben Schilfseen und Urnen wollte hier das Gedächtniswürdige der Welt in Attrappen und Fassaden zusammengetragen werden, ein grüner Schausaal. Aber ein Schausaal, der wiederum nur geäußerte Stimmungen und Wunschbilder zeigte, eine natürliche Schatzkammer aus lauter künstlichen und sentimentalen Schätzen. Grüner Taxus und weiße Götter, Volière und verschwiegenes Badehaus, Apollotempel und Moschee – all diese Wunschbauten frühester Montage sind vereinigt. Es findet sich ein Tempel des Merkur, einer der Minerva (mit unterirdischer Kammer als Kultraum der ‚Weisheit‘), eine künstliche Ruine, ein Tempel der Botanik und ein römisches Wasserkastell – alle aus dem Theater des Barock und Rokoko in den offenen Park übertragen. Das war der Lustgarten großer Herren, der Raum höfischer Naturfeste und Promenaden, doch ebenso liegt bleibend der Hauch einer Phantastischen Entführung und Entlegenheit darüber. Die Arie der Susanne aus ‚Figaros Hochzeit‘ wohnt genau in dieser Gegend, der Adel mozartscher Musik klingt in solchen Gärten dicht neben einer Extravaganz, die aus Geschichte, Mythologie, fremden Zonen ihr sentimentales und kurioses Panorama macht. Selbst Voltaire schrieb 1768 an Collini über den schönsten dieser Parks: „Ich will, bevor ich sterbe, noch einer Pflicht genügen und einen Trost genießen: ich will Schwetzingen wiedersehen, dieser Gedanke beherrscht meine ganze Seele.“ Und unter all den Baumasken, mit denen solche Gärten versehen waren, fehlte ständig eine einzige, die der Kirche. Statt dessen eben sollte Arkadien versinnlicht oder versinnbildlicht sein: im Barockgarten ein Arkadien mit Kuriosität, im englischen Garten eines mit Zephyr, Mondsichel und Nocturno.

ernst bloch, ’schlossgarten und die bauten arkadiens‘, geschrieben im exil in den usa 1938 – 47, in ‚das prinzip hoffnung‘, zuerst in 3 bänden in leipzig, 1954 – 59, erschienen. westdeutsche ausgabe: frankfurt/m., 1959.

1350 ist erstmals eine feste erwähnt. nach dem dreissigjährigen krieg wird das zerstörte schloss unter dem sohn des winterkönigs karl I. ludwig, pfalzgraf bei rhein und kurfürst von der pfalz, ab 1656 wieder aufgebaut. während des pfälzischen erbfolgekriegs (1688–1697) wieder zerstört, fängt man neu an: kurfürst johann wilhelm – für düsseldorfer: jan wellem, herzog von jülich-berg – lässt das schloss neu bauen. nach der zerstörung des heidelberger schlosses – und des hortus palatinus von salomon de caus – wird unter kurfürst carl III. philipp mannheim die hauptresidenz. ab 1718 lässt der kurfürst in schwetzingen einen lustgarten anlegen. 1720 wird schwetzingen offiziell jagd- und sommerresidenz. wie das bei veränderungen so ist, sind nicht alle begeistert. liselotte von der pfalz, tochter von karl I. ludwig, die 1671 mit dem bruder von ludwig XIV., dem herzog von orléans, verheiratet wurde und für den französischen könig der vorwand zum pfälzischen erbfolge- oder orléansschen krieg war, beklagt sich aus frankreich über den garten ihrer kindheit:

Es ist schad, daß man den Garten weg getan; zudem in der lebendigen Hecke, so längs dem Graben war, waren eine große Menge von Nachtigallen, so die ganze Nacht sungen im Frühling. Wo ist aber das artige, klare Bächelchen hingekommen, so durch den Garten floß und bei welchem ich so oft auf einem umgeworfenen Weidenbaum gesessen und gelesen? Die Bauersleute von Schwetzingen und Oftersheim standen um mich herum und plauderten mit mir, das divertierte mich mehr als die Herzoginnen im Cercle. Aber wie bauet man so liederrlich nun, daß ganze Galerien abfallen? […] Ich glaube, wenn ich Mannheim, Schwetzingen oder Heidelberg wiedersehen sollte, glaube ich, daß ich es nicht würde ausstehen können und vor Tränen vergehen müßte.

liselotte von der pfalz, duchesse d’orléans, an luise raugräfin zu pfalz, st.cloud, 24/11/1718.

1742 wird karl theodor kurfürst und lässt das schloss und den garten erweitern. es entsteht der „heutige“ garten. 1777 erbt karl theodor das herzogtum bayern und verlegt die residenz nach münchen. am mannheimer bzw. schwetzinger hof von karl theodor lebte auch sein nachfolger, der spätere bayerische könig maximilian I. joseph mit seiner famile. eine weitere, elegische, kindheitserinnerung seines sohnes an den garten:

Dich vergesse ich nicht, die du Aufenthalt warst meiner Kindheit,
Pfalz! Und auch, Pfälzer, euch nie; ich liebe euch, die ihr mich liebt.
[…]
Wiederum sehe ich mich in Schwetzingens Garten mit meiner
Mutter, der besten, die’s gab, die unvergeßlich mir ist,
Liebliche Stelle, woselbst das Mahl wir, das ländliche, nahmen,
Vor dem Hügel, auf dem raget der Tempel Apoll’s,
Oft betrat ich dich wieder, allein fast übrig von Allen.
Was ich damals gefühlt, fühle ich minder nicht jetzt.
O Erinnerung jener zu eilig entschwundenen Tage!

ludwig I., ‚erinnerung an meine frühe lebeszeit‘, 1809 in ‚gedichte des königs ludwig von bayern‘, dritter theil. 4 bände, münchen,1829 bis 1847.

1803 wird die rechtsrheinischen kurpfalz durch die napoleonische neuordnung und den reichsdeputationshauptschluss badisch.

gärtner, architekten & ein bildhauer

fünf persönlichkeiten haben den garten geprägt und ihn zu einem musterbeispiel für die gestalterischen veränderungen der gärten im 18. jh bis zum 19. jh. gemacht. vom barocken parterre über bosketts zum englischen landschaftsgarten. Weiterlesen

unzeitgemäss(e blüten im oktober)

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inspektion der kübel während der → tea time: Τσάι του βουνού: l. phlox paniculata ‘kirchenfürst’ (karl foerster, 1936) blüht im topf → pflanzen sammeln & kommt morgen ins beet; r. der agapanthus (unbekannte sorte) ist in diesem jahr etwas spät dran…

ficus carica / pfälzer feige → ottensener feigen

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beschnittene pfälzer feige.

                                                                    

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stecklinge der ottensener feigen unter dekablog10’s pfälzer feige.

reicht das schon für eine geografisch-botanische umbenennung?

sommerzeit oder kübelumstellung für feige & olive

   der abgesägte olea europaea / olivenbaum (→ olea europaea) und die kleine ficus carica / feige, die grosse hat noch den kübel-wintermantel an, auf dem weg in den garten (sisyphos reloaded → überwintern: …). die feige muss beschnitten werden: sie ist, bei dieser kübeldrehung, zu linkslastig. es gibt stecklinge. jetzt erst mal an die frische luft & in den schatten &  giessen. kopfdüngung folgt…

memo to myself: kalte sophie = 15/05 !

kübelumstellung_feige_500   kübelumstellung_olive_500   l.: ficus carica. fruchtansätze aus dem vorjahr für die diesjährige ernte & eine neue feige; r.: olea europaea mit überlebenswillen…

frühlingsanfang, astronomisch

frühlingsanfang, astronomisch   o. v.l.n.r: vorfreude auf den herbst: malus ‘finkenwerder herbstprinz’; magnolie, sorte unbekannt; cercis sinensis ‚avondale‘ / chinesischer judasbaum; m: fritillaria meleagris / schachbrettblumen; salix nakurama var. yezoalpina / japanische kriechweide; tulipa / tulpe ‚double beauty of apeldoorn‘; u.: alchemilla / frauenmantel; bellis perennis / gänseblümchen & die arbeit wartet immer noch…

die temperatur steigt…

pinus_pumila_500   panama_samen_500   l.: nur die harten kommen in den garten – der erste kübel ist aus dem winterquartier: pinus pumila ‚blue mops‘ / sibirische pummelkiefer… was den terrakotta-kübel betrifft: warten, endloses warten auf die fritillaria meleagris / schachbrettblumen & r.: die fensterbank ist freigeräumt: die samen sollten langsam mal in die erde… + eine klassische übersprunghandlung: sommergarderobe …

memo to myself: kalte sophie = 15/05 !