acanthus mollis bis zephyranthes atamaco / der gottorfer codex in schleswig

der gottorfer codex, ein vierbändiges florilegium, entstand im auftrag von friedrich III., herzog von schleswig-holstein-gottorf. friedrich liess ab 1637 durch den holländischen botaniker und hofgärtner johannes clodius den neuwerkgarten anlegen. dieser garten stellte die botanische erweiterung der herzoglichen wunderkammer dar. der neuwerkgarten wurde unter friedrichs sohn und nachfolger christian albrecht erweitert: der erste barocke terrassengarten nördlich der alpen. die reste des gartens wurden, nachdem die herzogtümer schleswig und holstein unter preussischer hoheit standen, eingeebnet. das areal diente als exerzier- und reitplatz. ca. zwanzig pflanzenarten aus der zeit des codex haben sich um das areal des heute rekonstruierten gartens erhalten. diese stinzenpflanzen sowie der codex bilden die grundlage für die rekonstruktion des gartens. nach der niederlage der gottorfer im nordischen krieg gelangte der codex 1749 in die königliche bibliothek nach kopenhagen. der codex befindet sich heute in der ‚kongelige kobberstiksamling‘ des statens museum for kunst. seit 2009 wurden die bände restauriert. nach der austellung ‚blomster og verdenssyn‘ → ‘blomster og verdenssyn’ / der gottorfer codex in kopenhagen im letzten jahr ist der codex jetzt für eine ausstellung zurück auf schloss gottorf in schleswig.

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auf dem weg zur ausstellung: tulipa gesneriana. plakatmotiv aus dem ersten band des codex.

im zeitraum von zehn jahren, 1649-59, malte der hamburger hans simon holtzbecker – der u.a. das moller-florilegium (staats- und universitätsbibliothek, hamburg), das caspar-anckelmann florilegium (staatliche museen zu berlin, kupferstichkabinett) und das sogenannte grüne florilegium (statens museum for kunst. in der ausstellung) geschaffen hat – das verzeichniss der pflanzen dieses frühen barockgartens. teilweise arbeitete holtzbecker vor ort in schleswig. einige pflanzen wurden zu ihm nach hamburg gebracht – auf einigen darstellungen sind kübel zu sehen. in schleswig sammelte adam olearius, der gottorfer hofbibliothekar, die einzelnen blätter. diese loseblattsammlung wurden später das format 50,5 x 38,5 cm beschnitten und in vier lederbände gebunden. bd. I enthält die frühjahrsblüher und rhizome. bd. II die bäume, früchte, gemüse, rosen, etc. in bd. II und IV wurden div. garten- und wildpflanzen zusammengefasst. die blätter von holtzbecker sind nicht beschriftet. 1849 hat joakim frederick schouw, direktor des botanisk have in kopenhagen, eine liste nach dem damals gültigen linnéschen-system erstellt: 365 pflanzenarten, von acanthus mollis l. / wahrer bärenklau bis zephyranthes atamaco l. herb. (amaryllis atamasco l.).

die ausstellung – bis 26/10/2014 – in der reithalle des schlosses ist eine wunderbare gelegenheit, der sommerlichen treibhaus-hitze zu entkommen und gut klimatisiert die barocke botanik zu studieren. (es dürfte momentan auch nicht so voll sein wie am strand!). kommt man in der ausstellungsraum geht man auf die gerahmten einzelblättern der bände I & II zu. alle auf der gesamten längswand präsentiert. eine beeindruckende ansicht, die leider nur die nähere betrachtung der zweiten reihe von unten zulässt. ansonsten: bücken oder nackenstarre (incl. reflektion der lampen). eine weitere entscheidung der kuratoren – oder waren es exhibition designer? – ist ärgerlich: die ausstellungsgestaltung ist ein beispiel für den versuch, mit der ästhetisierung der präsentation den bildungsauftrag (ja, so etwas gibt es…) verschwinden zu lassen: die schilder zu den exponaten kleben über der lüftung am boden und sind am besten auf allen vieren zu lesen. abgesehen von diesen ärgernissen in der präsentation, sollte man sich den gottorfer codex nicht entgehen lassen! ergänzt werden die blätter aus den codex um blumenstilleben aus der sammlung des statens museum, die den codex historisch einordnen. der kontrast ist gross: die blätter des codex sind botanische illustrationen (deren genauigkeit heutige blumenfotos bzw. das allgemeine blümchengeknipse sehr alt aussehen lässt), auf den gemälden entfaltet sich die barocke pracht. besonders die stilleben des hamburger blumenmalers franz werner tamm, zwei lavierte kohlezeichnung des niederländers jan van os und das ‚waldstilleben mit distel und schlange‘ von otto marseus van schrieck wären allein schon grund genug, die ausstellung zu besuchen…

gärten & landschaften in der (hamburger) kunst(halle)

gärten & landschaften in der (hamburger) kunst(halle)

kein garten- oder museumsbesuch ohne kaffeepause…

flora danica

ausstellung über ‚flora danica‚: das botanische tafelwerk von georg christian oeder, eine sammlung aller pflanzen der königreiche dänemark und norwegen (incl. island), und der zu dänemark gehörenden herzogtümer schleswig und holstein sowie der grafschaften oldenburg und delmenhorst; das porzellan von royal copenhagen, etc. – im geologisk museum,  statens naturhistoriske museum, københavn.

‚blomster og verdenssyn‘ / der gottorfer codex

ausstellung ‚blomster og verdenssyn‚ im statens museum for kunst, københavn.

der gottorfer codex – ein vierbändiger pflanzenatlas, im auftrag von herzog friedrichs III. von schleswig-holstein-gottorf zwischen 1649 bis 1659 von hans simon holtzbecker erstellt – bildete die grundlage für die rekonstruktion der bepflanzung des gottorfer barockgartens: das neue werk.

arne jacobsen, gartner

Arne Jacobsens Vorliebe für das Grüne umfasst sein ganzes Dasein. Er war u.a. ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber und sagte mehrmals: „In einem nächsten Leben möchte ich Gärtner sein.“ Er legte in seinem Leben mehrere Gärten an, der bekannteste von ihnen ist der nur 300 m² große Garten mit 300 verschiedenen Pflanzenarten, der zu seinem eigenen Reihenhaus in der Siedlung Søholm I [in Klampenborg] gehörte.

Ein anderer Aspekt der Liebe zum Grünen und zur Natur drückt sich in seiner lebenslangen Neigung zur Naturstudien im Aquarell aus, sozusagen „vor Ort“. […]

Abgesehen von seinem eigenen Gärten wirkte Jacobsen auch im hohen Maß als Gartenarchitekt in Verbindung mit eigenen Bauprojekten. […]

[…] Auf der übergeordneten Ebene war [der Garten in Søholm] räumlich durch freistehende parallele Hecken aufgeteilt, die wie eine grüne Ebene oder Mauer die Architektur des Hauses sozusagen fortführten und somit einen Übergang zwischen Haus und Garten schufen.

Doch im Garten zeigte sich auch, wie bei den Aquarellen, den Stoffmuster [mit stilisierten Naturstudien, zusammen mit seiner zweiten Frau Jonna, einer gelernten Stoffdruckerin] und den Fotografien [angelehnt an Karl Blossfeldt], dass es vor allem Farben, Formen und Konturen der Pflanzen waren, die Jacobsen interessierten.Und er schien mit den Pflanzen so wie mit den Farben in den Aquarellen zu arbeiten – stellte die eher wildwachsenden Pflanzen neben die präzisen Linien und Flächen der Hecken, spielte insgesamt gesehen mit den Kontrasten auf dieselbe Weise, wie er später vor allem im SAS-Haus, mit dem Verhältnis zwischen den organisch geformten Möbeln und der strukturellen Regelmäßigkeit der Räume spielte. Der Garten von Søholm kann als das Labor betrachtet werden, von dem aus Jacobsen Motive und Pflanzen in spätere Gärten übertrug. […]

Jacobsens letzte große Garten Anlage ist der Park um das St. Catherine’s College in Oxford. Ein langes Wasserband mit angegliederten Terrassen entlang des einen Gebäudeflügels erweitert hier das Repertoire. Mauersequenzen schieben sich hinaus in den Park. Aus dem Søholm-Garten stammen die parallelen Hecken, jetzt jedoch strenger zu Reihen aus wechselweise freistehenden Eibenhecken und Mauern angeordnet. Hier verschmilzt der Raum der Architektur mit dem des Gartens.

carsten thau und kjeld vindum, ‚tonalitäten – schwerelosigkeit, muster, botanik‘ im katalog ‚arne jacobsen. absolut modern‘.

austellung im louisiana museum of modern art, humlebæk und in den deichtorhallen, hamburg.

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