malus domestica: wæs þu hæl / wassailing the apple-trees

WASSAILING THE APPLE-TREES.

Writing on this subject, in the Antiquary, March, 1895, Mr. Harry Hems, of Exeter, introduces the reduced copy of an illustration which appears on the following page, and which he states was published in the Illustrated London News, January 11, 1851.

The picture (says Mr. Hems) „presents, as will be seen, a frosty, moonlight night, with a brilliantly-lit old farmhouse in the background. In the fore are leafless fruit-trees, and three men firing guns at them, whilst the jovial farmer and another man drink success to the year’s crop from glasses evidently filled from a jug of cider, which the latter also holds a-high. A crowd of peasants – men, women and children – are gathered around, and the following description is appended:-

„’Amongst the scenes of jocund hospitality in this holiday season, that are handed down to us, is one which not only presents an enlivening picture, but offers proof of the superstition that still prevails in the Western counties. On Twelfth-even, in Devonshire, it is customary for the farmer to leave his warm fireside, accompanied by a band of rustics, with guns, blunderbusses, &c., presenting an appearance which at other times would be somewhat alarming. Thus armed, the band proceeds to an adjoining orchard, where is selected one of the most fruitful and aged of the apple-trees, grouping round which they stand and offer up their invocations in the following quaint doggerel rhyme:-

‚Here’s to thee,

Old apple-tree!

Whence thou mayst bud,

And whence thou mayst blow,

And whence thou mayst bear

Apples enow:

Hats full,

Caps full,

Bushels, bushels, sacks full,

And my pockets full too! Huzza! huzza!‘

The cider-jug is then passed round, and, with many a hearty shout, the party fire off their guns, charged with powder only, amidst the branches, sometimes frightening the owl from its midnight haunt. With confident hopes they return to the farmhouse, and are refused admittance, in spite of all weather,

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till some lucky wight guesses aright the peculiar roast the maidens are preparing for their comfort. This done, all enter, and soon right merrily the jovial glass goes round, that man who gained admittance receiving the honour of King for the evening, and till a late hour he reigns, amidst laughter, fun, and jollity. The origin of this custom is not known, but it is supposed to be one of great antiquity.

„’The illustration is from a sketch by Mr. Colebrooke, Stockdale.’“

We may add that, in the seventeenth century, a similar custom seems to have been observed in some places on Christmas Eve, for in [robert] Herrick’s Hesperides [london, 1684] the wassailing of fruit trees is among the Christmas Eve ceremonies: –

„Wassail the trees, that they may beare

You many a plum, and many a peare;

For more or less fruits they will bring,

As you do give them wassailing.“

william frances dawson, ‚christmas: its origin and associations: together with its historical events and festive celebrations during nineteen centuries: […] derived from the most authentic sources, and arranged chronologically‘, london, 1902.

wassail kommt aus dem altenglischen oder angelsächsischen: wæs hæl / be you healthy. die ursprüngen liegen vor 1066, der normannischen eroberung unter william the conqueror.

wassailing ist ein fruchtbarkeitsritual. in der letzten der rauhnächte, twelfth night, wurde um eine gute ernte gebeten. die tradition hat sich besonders in den westlichen englischen grafschaften (devon, somerset, dorset, gloucestershire and herefordshire), in denen viel cider produziert wird, erhalten. als lektüre zum cider empfiehlt sich das 1676 in london erschienene buch ‚vinetum britannicum: or a treatise of cider‘ von john worlidge. als ersatz für das schiessen durch den baum kann man natürlich auch hüte durch die äste werfen, denn das sollte bei einem gut beschnittenen apfelbaum möglich sein.

das getränk wassail ist ein mulled cider, glühwein oder punch. es finden sich regional unterschiedliche rezepte. neben cider benötigt man auf jeden fall zucker, zimt, ingwer, und muskatnuss. bei der variante ‚lamb’s wool‘ bratäpfel. auf jeden fall gilt: wæs þu hæl / be in good health!

für den richtigen zeitpunkt bitte die umstellung des kalenders im jahre 1582 vom julianischen auf den gregorianischen beachten. twelfth night, heute die nacht vom 05. zum 06. januar, fiel nach julianischen kalender auf den heutigen 17. januar. noch genug zeit die zutaten zu besorgen …

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boswellia sacra / weihrauch und commiphora myrrha / myrrhe oder 20*C+M+B+14

Gegen Südwesten, am erythräischen [roten] Meere, liegt das schöne Land der Joctaniden, Yemen: fruchtbar und ackerbauend, der alte Cultursitz von Saba. Es erzeugt Weihrauch ( lebonah der Hebräer, vielleicht Boswellia thurifera Colebr.) 760, Myrrhe (eine Amyris-Art, von Ehrenberg zuerst genau beschrieben) […]: Gegenstände eines wichtigen Handels der Nachbarvölker; verführt zu den Aegyptern, Persern und Indern wie zu den Griechen und Römern. Auf diese Erzeugnisse gründet sich die geographische Benennung des „glücklichen Arabiens“, welche wir zuerst bei Diodor und Strabo finden.

760) Der Baum, welcher den arabischen, seit der urältesten Zeit berühmten Weihrauch von Hadhramaut giebt (auf der Insel Socotora fehlt derselbe ganz), ist noch von keinem Botaniker, selbst nicht von dem mühsam forschenden [christian gottfried] Ehrenberg, aufgefunden und bestimmt worden. In Ostindien findet sich ein ähnliches Product, vorzüglich in Bundelkhund, mit welchem von Bombay aus ein beträchtlicher Handel nach China getrieben wird. Dieser indische Weihrauch wird nach [henry thomas] Colebrooke ( Asiatic Researches Vol. IX p. 377) von einer durch] [william] Roxburgh bekannt gewordenen Pflanze: Boswellia thurifera oder serrata, aus der Familie der Burseraceen von Kunth, gewonnen. Da wegen der ältesten Handelsverbindungen zwischen den Küsten von Süd-Arabien und des westlichen Indiens ( Gildemeister, Scriptorum Arabum loci de rebus Indicis p. 35) man in Zweifel ziehen konnte, ob der λίβανος des Theophrastus (das thus der Römer) ursprünglich der arabischen Halbinsel zugehört habe: so ist Lassen’s Bemerkung sehr wichtig ( Indische Alterthumskunde Bd. I. S. 286), daß der Weihrauch im Amara-Koscha selbst » yâwana, javanisch, d. h. arabisch, genannt«: demnach als ein aus Arabien nach Indien gebrachtes Erzeugniß aufgeführt wird. » Turuschka‘ pi ndaka‘ sihlô (drei Benennungen des Weihrauchs) yâwanô«: heißt es im Amara-Koscha ( Amarakocha publ. par A. Loiseleur Deslongchamps P. I. 1839 p. 156). Auch Dioscorides unterscheidet den arabischen von dem indischen Weihrauch. Carl Ritter in seiner vortrefflichen Monographie der Weihrauch-Arten ( Asien Bd. VIII. Abth. 1. S. 356–372) bemerkt sehr richtig, dieselbe Pflanzenart ( Boswellia thurifera) könne wegen der Aehnlichkeit des Klima’s wohl ihre Verbreitungssphäre von Indien durch das südliche Persien nach Arabien ausdehnen. Der amerikanische Weihrauch ( Olibanum americanum unserer Pharmacopöen) kommt von Icica gujanensis Aubl. und Icica tacamahaca: die wir, [aimé jacques alexandre] Bonpland und ich, häufig in den großen Gras-Ebenen (Llanos) von Calabozo in Südamerika gefunden haben. Icica ist wie Boswellia aus der Familie der Burseraceen. Die Rothtanne ( Pinus abies Linn.) erzeugt den gemeinen Weihrauch unserer Kirchen. – Die Pflanze, welche die Myrrhe trägt und welche Bruce glaubte gesehen zu haben ( Ainslie, Materia medica of Hindoostan , Madras 1813, p. 29), ist bei el-Gisan in Arabien von Ehrenberg entdeckt und nach den von ihm gesammelten Exemplaren durch [christian gottfried daniel] Nees von Esenbeck unter dem Namen Balsamodendron myrrha beschrieben worden. Man hielt lange fälschlich Balsamodendron Koraf Kunth., eine Amyris von [peter] Forskål, für den Baum der ächten Myrrhe

alexander von humboldt, ‚kosmos- entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, zweiter bd. kap. 1, stuttgart und augsburg, 1845 bis 1862.

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boswellia sacra / weihrauch:

[…]sein Geruch steigt ohne Feuer empor, weil er die Augen erhellt und das Gehirn reinigt […]

commiphora myrrha / myrrhe:

Und wenn große Fieber den Menschen anfallen, und wenn ihm dann Myrrhe in warmem Wein zu trinken gegeben wird, dann weicht das Fieber von ihm.

hildegard von bingen, ‚physica‘ oder ‚liber simplicis medicinae‘, bd. 1 ‚de plantis‘, kap. 1-175 + 1-176, um 1150.

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DA Jhesus geborn war zu Bethlehem / im Jüdischenlande zur zeit des königes Herodis / Sihe / da kamen die Weisen Die S. Mattheus Magos nennet / sind Naturkündige vnd Priester gewesen. vom Morgenland gen Jerusalem / vnd sprachen / Wo ist der newgeborne König der Jüden? Wir haben seinen Sternen gesehen im Morgenland / vnd sind komen jn an zu beten. […] Vnd sihe / der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten / gieng fur jnen hin / Bis das er kam / vnd stund oben vber / da das Kindlin war. Da sie den Stern sahen / wurden sie hoch erfrewet / Vnd giengen in das Haus / vnd funden das Kindlin mit Maria seiner mutter / vnd fielen nider / vnd betten es an / Vnd theten jre Schetze auff / vnd schenckten jm Gold / Weyrauch vnd Myrrhen.

matthäus 2, 1-2 + 9-11. übersetzung von martin luther, 1545.

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pilgerzeichen_wacholder_500   die heiligen drei könige bringen geschenke: gotisches pilgerzeichen aus köln, 2.hälfte 15.Jh., bleiguss. nachbildung aus dem kolumba.

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eine nachbemerkung zum dreikönigsschrein in kölner dom (baustelle von 1248 bis 1883) & ein schlenker nach westfalen:

Er ward nicht vollendet — und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmahl von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ihr armen Schelme vom Domverein,
Ihr wollt mit schwachen Händen
Fortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!

[…]

Ja, kommen wird die Zeit sogar
Wo man, statt ihn zu vollenden,
Die inneren Räume zu einem Stall
Für Pferde wird verwenden.

„Und wird der Dom ein Pferdestall,
Was sollen wir dann beginnen
Mit den heil’gen drey Kön’gen, die da ruhn
Im Tabernakel da drinnen?“

So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
In unserer Zeit zu geniren?
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie können wo anders logiren.

Folgt meinem Rath und steckt sie hinein
In jene drey Körbe von Eisen,
Die hoch zu Münster hängen am Thurm,
Der Sankt Lamberti geheißen.

heinrich heine, ‚deutschland. ein wintermährchen‘, hamburg, 1844.

  • ein souvenir aus mailand: die reliquien im dreikönigenschrein im kölner dom.
  • die käfige der wiedertäufer am turm von st. lamberti in münster: ‚drei irrlichter‘ von lothar baumgarten, skulptur projekte münster 1987.