querbeet im januar

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nicht-endemische botanik: schwyzer blüemli von einen schweizer beschrieben & im kurfürstentum braunschweig-lüneburg verlegt / ‚versuch schweizerischer gedichte‘ von albrecht von haller

Dort ragt das hohe Haupt vom edlen Enziane*
Weit übern niedern Chor der Pöbel=Kräuter hin:
Ein ganzes Blumen=Volk dient unter seine Fahne,
Sein blauer Bruder selbst, bückt sich, und ehret ihn.
Der Blumen helles Gold, in Strahlen umgebogen,
Thürmt sich am Stengel auf, und krönt sein grau Gewand;
Der Blätter glattes Weiß, mit tiefem Grund durchzogen,
Strahlt mit dem bunten Blitz von feuchtem Diamant.**
Gerechtestes Gefäß! Daß Kraft sich Zier vermähle,
In einem schönen Leib wohnt eine schöne Seele

*Gentiana floribus rotatis verticillatis Enum. Helv. [a.v.h., ‚enumeratio methodica stirpium helvetiae indigenarum‘, göttinger, 1742] p. 478 [gentiana lutea / gelber enzian] eines der grösten Alpen Kräuter, und dessen Heil=Kräfte überall bekannt sind, und der blaue foliis amplexicaulibus floris fauce barbata Enum. Helv. p. 473 [gentiana asclepiadea / schwalbenwurz-enzian] der viel kleiner und unansehnlicher ist.

**Weil sich auf den grossen und etwas hohlen Blättern, der Thau und Regen leicht sammelt, und wegen ihrer Glättigkeit sich in lauter Tropfen bildet.

albrecht von haller, ‚die alpen‘, 1729, in ‚versuch schweizerischer gedichte‘, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

kräuterbuch_grosser_enzian_wurzel   wurzel des grossen enzians aus ‚kräuterbuch deß uralten unnd in aller welt berühmtesten griechischen scribenten pedacii dioscoridi anazarbaei […]‘, frankfurt, 1610… proscht nägeli!